DER  LATEINISCHE  MÜNZBUND  SEIT  DEM  WELTKRIEGE

UNTER  BESONDERER  BERÜCKSICHTIGUNG  DES  FRANZÖSISCHEN  UND SCHWEIZERISCHEN  GELDWESENS

VON  DR. ERICH  EGNER

 

 

LEIPZIG 1925

AKADEMISCHE  VERLAGSGESELLSCHAFT  M. B. H.

Vorwort

Die Abfassung dieser Untersuchung hat stark unter Schwierigkeiten der Stoffbeschaffung gelitten.  Zwar mangelte es nicht an Material, doch konnten primäre Quellen zum Teil nur mangelhaft oder doch nur in einseitiger Weise Verwendung finden.  So war ich in der Hauptsache auf die Benutzung schweizerischer Urquellen angewiesen.  Französische Materialien waren dagegen aus der Zeit des Weltkrieges und der auf ihn folgenden Jahre aus begreiflichen Grunden in Deutschland nur sehr lückenhaft zu erlangen.  Dieser Mangel ist durch die Benutzung englischer Quellen herabzumindern versucht worden.

Im ganzen hoffe ich in der Verwendung von englischem und deutschem Material, soweit mir manchmal nur dies zur Verfügung stand, keinen wesentlichen Fehler meiner Untersuchung erblicken zu müssen.  Denn es handelt sich in solchen Fallen stets um Tatsachen oder Erscheinungen, die allgemein bekannt und noch von keiner Seite irgendwie angezweifelt worden sind.

Kurz vor der Vollendung der Arbeit im Herbst 1923 erschien Helfferichs »Geld« in neuer, umgearbeiteter Auflage.  Eine Lekture dieses Werkes zeigte jedoch die Überflüssigkeit irgendwelcher Änderungen in meiner Darstellung.

Da ich es mir lediglich zur Aufgabe gesetzt hatte, die Kriegszeit mit ihren Folgen für den Lateinischen Münzbund zu schildern, schließen meine Betrachtungen mit dem Augenblick, in dem hier dadurch, daß man die Konsequenzen aus den Lehren dieser Epoche zog, ein naturlicher Abschluß der Kriegsentwicklung gegeben wurde.  Das ist das Ende des Jahres 1921.

Seitdem ist im Lager des Lateinischen Münzbundes eine gewisse Beruhigung eingetreten.  Aus diesem Grunde habe ich geglaubt, meinen Ausführungen, die ich im Jahre 1923 niederschrieb, obgleich seitdem über ein Jahr verstrichen ist, nichts hinzufügen zu sollen.  Vor allen Dingen gilt dies auch in bezug auf meine theoretische Einstellung nach den Lehren der jüngsten deutschen Währungsreform.

Leipzig, im Dezember 1924

Erich Egner

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

§ 1.  Einleitung

I. Kapitel.  Abriß einer Geschichte des Lateinischen Münzbundes nach systematischen Gesichtspunkten

a) Sinn und Zweck der Münzunion

§ 2.  Der Bimetallismus

§ 3.  Die Entstehung des Münzbundes zwischen den lateinischen Staaten

b) Der Lateinische Münzbund unter dem Banner der Doppelwährung

§ 4.  Der Abfluß der Münzen, das kommonetäre Agio

§ 5.  Die Gefahr der Silberinflation

c) Die Münzunion nach dem Übergang zur Goldwährung

§ 6.  Die Liquidationsklausel

§ 7.  Das Schicksal der Scheidemünzen

§ 8.  d) Nutzen und Schaden des Münzbundes bis zum Kriege

II. Kapitel.  Der Lateinische Münzbund seit dem Kriege

§ 9.  Die großen Entwicklungslinien seit Kriegsausbruch

a) Der Münzbund unter dem Einfluß der einzelstaatlichen Wirtschaftslagen

§ 10.  Die französische Vormachtstellung

§ 11.  Der Neutralen Sieg

b) Lateinischer Münzbund und Silberkonjunktur

§ 12.  Die Gestaltung des Silberpreises seit 1914

§ 13.  Die Auswirkungen der Silberkonjunktur für den Münzbund

c) Die Reform des Münzbundes nach dem Kriege

§ 14.  Die Münzkonferenz vom Februar-März 1920

§ 15.  Der Vertrag vom 9. Dezember 1921

§ 16.  d) Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft des Lateinischen Münzbundes

III. Kapitel.  Die Stellung der modernen Geldtheorie zum Lateinischen Münzbunde seit dem Kriege

§ 17.  Die Gegensätze und Kämpfe in der modernen Geldtheorie

a) Der Prinzipienstreit nominalistischer und metallistischer Geldtheorie im Hinblick auf den Lateinischen Münzbund seit dem Kriege

§ 18.  Geldtheorie und Münzbund unter dem Einfluß einzelstaatlicher Faktoren

§ 19.  Silberkonjunktur, Reform des Münzbundes und Geldtheorie

b) Das Verhältnis der Geldtheorien zum wahren Wesen des Geldes

§ 20.  Die Subjektivität der Geldtheorie.

§ 21.  Die Grenzen der Subjektivität und die daraus folgende Beschränkung der Kluft zwischen den Theorien

§ 22.  Die Schranken einer Versöhnung der Geldtheorien

§ 23.  Schluß : Erkenntnisse der Theorie aus der Entwicklung des Lateinischen Münzbundes

Anhang : Fremde Wechselkurse auf London nach monatlichen Stichtagen der Zeitschrift The Economist

Einleitung

§ 1.

Der Krieg von 1914-1918 ist ein Wirtschaftskrieg gewesen.  Er hat sich daher in eminentem Maße als ein Zerstörer materieller und immaterieller wirtschaftlicher Werte gezeigt.  Alle Teile des ökonomischen Lebens sind davon betroffen worden.  In besonderem Maße gilt dies auch für das Barometer volkswirtschaftlicher Entwicklung, für das Geldwesen.  Die Währungen aller Staaten haben seit dem Jahre 1914, ob sie in den Krieg verstrickt waren oder nicht, manch harte Probe ihrer Widerstandskraft ertragen müssen.

So sind die Probleme des Geldwesens seit Kriegsbeginn wieder in ganz besonderem Maße, wie im vergangenen Jahrhundert zur Zeit der großen Währungsreformen, in den Vordergrund des Interesses gerückt worden.  Die Schicksale der Geldwesen in den verschiedenen Staaten bieten reichhaltigen Stoff zur Förderung der menschlichen Erkenntnis vom Wesen des Geldes.

Doch weist die Entwicklung in den verschiedenen Staaten im großen und ganzen manche Ähnlichkeit auf, da sie überall unter dem Einfluß des gleichen hauptsächlich maßgebenden Faktors, der Weltwirtschaftskrisis, gestanden hat.  Aber auch die speziellen Geschicke einzelner Staaten, die unter dem Einfluß besonderer Momente entstanden sind, sind von großem, praktischem und theoretischem Interesse.  Vor allem verdienen unter diesem Gesichtspunkte die Schicksale einiger romanischer Staaten Westeuropas größere Beachtung.  Denn hier ist die Entwicklung durch ein besonderes Moment, durch eine fast einzigartige Institution des Wirtschaftslebens, beeinflußt worden.  Die Währungen dieser Staaten sind durch eine Münzunion miteinander verbunden.

Die Schicksale solcher intervalutarischer Zusammenschlüsse einzelstaatlicher Geldwesen haben aber schon immer durch die Eigentumlichkeiten ihrer Erscheinungen viel Aufmerksamkeit erregt.  Obgleich sie als wirtschaftliche Gebilde unserer Zeit verhältnismäßig geringen Alters sind, hat man in der Literatur schon viel und langdauernde Kämpfe über die Existenzberechtigung und den Nutzen dieser Münzunionen geführt.  Kaum einer ökonomischen Institution ist so oft ihr baldiger Tod prophezeit worden, als dem sog. Lateinischen Münzbund.  Denn vermöge seines Umfanges sowie der wirtschaftlichen und politischen Machtstellung seiner Glieder kam ihm im Kreise der anderen gleichartigen Zusammenschlüsse unabhängiger Staaten stets die großte Bedeutung zu.  Er hat daher stets die meiste Beachtung auf sich gezogen.

Andere Münzunionen, die das neunzehnte Jahrhundert hervorbrachte, haben neben ihm keine größere Bedeutung, weder im guten noch im schlechten Sinne, erlangen können.

Überhaupt ist es nur einige Male zur Gründung solcher Münzunionen gekommen.  Zuerst entstanden derartige Vereinigungen auf deutschem Boden, anfangs zwischen den suddeutschen Mächten, darauf zwischen den Staaten des Zollvereins, woraus schließlich der Deutsch-Österreichische Münzverein von 1857 hervorging.  Dann wurde im Jahre 1865 die genannte Lateinische Münzkonvention zwischen den Staaten der Frankenwährung geschlossen und schließlich entstand im Jahre 1873 die Nordische Münzunion zwischen Dänemark, Norwegen und Schweden.

Von diesen Vereinigungen haben aber nur zwei längere Lebensdauer gehabt.  Der Deutsch-Österreichische Münzverein wurde 1866 durch das Ausscheiden Österreichs und später durch die Einführung der deutschen Reichswährung hinfällig.

Die Nordische Münzunion hat dagegen bis in die Gegenwart ihre Existenz fristen können, ohne daß sie aber größere Bedeutung erlangt hatte.  Vor allem hatte sie nicht die große Mannigfaltigkeit der Schicksale zu erleiden, die für die Entwicklung des Lateinischen Münzbundes bestimmend geworden ist.

Allein dieser hat sein Leben bis zum heutigen Tage gewahrt und zugleich damit auch fast dauernd ein größeres Interesse der Öffentlichkeit auf sich lenken können.  Das war die Folge der Sturme, die allzuoft das Gebäude der Münzunion seit ihrer Entstehung umwehten.  Heftige Angriffe und viele Todesprophezeiungen wurden dem Bunde daher immer wieder von vielen Seiten zuteil.

Ihnen jedoch scheinbar zum Trotz hat der Lateinische Münzbund während des Krieges auf sein 50 jahriges Bestehen zurückblicken können.  Das war gerade in einer Zeit, in der seine Probleme wieder, wie in den ersten Jahren seines Bestehens, in die vorderste Linie des Interesses gerückt worden waren.

Denn wie überall, so hat auch im Lateinischen Münzbund, und hier sogar noch in verstärktem Maße, der Weltkrieg und die durch ihn hervorgerufene allgemeine Wirtschaftskrisis für das Geldwesen der verschiedenen Staaten die schwerwiegendsten Folgen gehabt.  Es wurde hier durch den Krieg eine Entwicklung angebahnt, die eine für die Lateinische Münzunion ganz typische Gestaltung zeigt.  Die damalige Situation wurde besonders dadurch gekennzeichnet, daß ein Teil seiner Glieder, Frankreich, Belgien und Italien, aktiv am Kriege beteiligt war, während die anderen, die Schweiz und Griechenland, Neutralität bewahrten.  Es wurde dadurch für die Kriegsjahre im Münzbunde ein Gegensatz erzeugt, der dem Schicksal der Union sein Gepräge gab.

So wurden die Kriegszeit und die auf sie folgenden nächsten Jahre zu einer geschlossenen Epoche in der Geschichte des Münzbundes.  Es braucht kaum betont zu werden, daß trotzdem diese letzte Entwicklung in der Hauptsache durch die Gestaltung der Lage während des vergangenen letzten Jahrzehnts bereits vorbereitet war und in ihrer ganzen Bedeutung erst nach einer Betrachtung der gesamten Geschichte des Münzbundes gewürdigt werden kann.

Soll daher hier eine Darstellung des Lateinischen Münzbundes seit dem Kriege unternommen werden, so wird ihr eine Schilderung seiner Geschichte vorauszugehen haben.  Dann erst kann die Behandlung der Geschicke des Münzbundes seit dem Kriege folgen, die hier unter zweifacher Fragestellung geschehen soll.  Einmal soll eine Schilderung der tatsächlichen Ereignisse gegeben werden und dann diese Entwicklung unter dem speziellen Gesichtswinkel ihrer Einordnung in die moderne Geldtheorie betrachtet werden.

Hierdurch soll versucht werden, die Entwicklung des Lateinischen Münzbundes seit dem Kriege in ihrer ganzen Bedeutung für das Geldwesen der einzelnen Staaten, besonders aber auch in ihrer Bedeutung für die gesamte historische Entwicklung der Lateinischen Münzunion dem Verständnis naher zu bringen.

 

I. Kapitel

Abriß einer Geschichte des Lateinischen Münzbundes nach systematischen Gesichtspunkten

a) Sinn und Zweck der Münzunion

§ 2.  Der Bimetallismus

Die zweite Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts war eine Zeit der Reformen auf dem Gebiete des Geldwesens.  Fast alle großen Mächte haben damals ihren Geldverfassungen eine neue, den modernen Zustanden des Wirtschaftslebens angepaßte Form gegeben.  Diese Reformbewegungen standen naturgemäß vorwiegend unter internationalen Gesichtspunkten.  Denn sie waren durch das gewaltige Aufblühen von Industrie und Verkehr hervorgerufen worden.  Diese hatten aber die moderne Weltwirtschaft geschaffen.  Die Intensivierung der internationalen Handelsbeziehungen, die hierin ihren Ausdrück fand, durfte aber nicht durch ein Versagen der Zahlungsmittelorganisationen aufgehalten werden.  Es mußte ein Zahlungswesen geschaffen werden, das über alle Staatsgrenzen hinweg im internationalen Handelsverkehr tadellos funktionieren konnte.

Diesen Anspruchen konnten aber die bestehenden Geldsysteme der meisten Staaten in keiner Weise genügen.  Häufige Wertschwankungen und Änderungen in der Beschaffenheit der Geldverfassungen mußten einem intervalutarischen Zahlungsverkehr große Schwierigkeiten entgegensetzen.  Die Schuld an diesen Zuständen sah man zu einem großen Teil in einem Mangel an staatlicher Fürsorge auf diesem Gebiete.  Besonders glaubte man dann aber auch die bestehenden Währungsverfassungen dafür verantwortlich machen zu können.

Denn diese beruhten zu einem großen Teil auf Gold- oder Silberbasis.  Beide Metalle unterlagen aber häufigen Wertschwankungen.  Dadurch wurde nach der Anschauung vieler Kreise eine große Unbeständigkeit in das ganze Warenpreisniveau dieser Länder getragen [1].  Die Veränderungen der Relation von Gold und Silber wurden aber in der Hauptsache auf Währungspolitische Maßnahmen einzelner Staaten zurückgeführt [2].  Es waren dies Länder, in denen beiden Metallen die freie Ausprägbarkeit zu Währungsgeld zugesprochen worden war.  Diese Staaten nahmen nämlich häufig voneinander abweichende Änderungen des gesetzlichen Austauschverhältnisses von Gold und Silber vor.  Sie selbst wurden aber für solche Maßnahmen dadurch bestraft, daß Metallgeld, welches im Auslande nach einer höheren Relation zum anderen Edelmetall bewertet wurde als im Inlande, dorthin abfloß.  Unter diesen Umständen hatten diese Staaten der sog. Doppelwährung in ihrem eigenen Lande meist auch selbst die Schwächen der mangelhaften Wertbeständigkeit einer monometallischen Währung zu spüren.

Allen diesen Übeln, wie sie sich bisher in den Staaten der Einzel- oder Doppelwährung gezeigt hatten, galt es nun, in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts Abhilfe zu schaffen.  Vor allem mußte eine größtmögliche Erleichterung des internationalen Zahlungsverkehrs erstrebt werden.

Zur Verwirklichung dieses Zieles tauchte damals [3] ein Plan auf, der unter Nutzanwendung der durch die ältere Geschichte des Geldwesens gegebenen Lehren das vorschwebende Problem mit Leichtigkeit lösen zu können schien.  Denn nachdem es sich gezeigt hatte, wie man glaubte, daß die früheren häufigen Wirren auf dem Gebiete des Geldwesens in der Hauptsache auf einen Mangel an Übereinstimmung zwischen den größeren Staaten zurückzuführen waren, mußte das zu der Konsequenz führen, daß ein ordnungsmäßiges Funktionieren eines Zahlungswesens, das vor allem auch im interterritorialen Wirtschaftsverkehr seine Probe bestehen sollte, nur durch ein gemeinsames Vorgehen aller Mächte von ökonomischer Bedeutung zu erreichen sei [4].

Es wurde daher die Schaffung eines internationalen Geldes gefordert, das alle Verschiedenheiten der einzelstaatlichen Währungsverfassungen aus dem Wege räumen sollte.  Die großen Staaten sollten sich zu einem Geldbunde zusammenschließen.  Dadurch sollte für die Zukunft der Zustand herbeigeführt werden, daß im Bereiche aller dieser Mächte nur noch ein einziges Geld vorhanden wäre.  Überall wurde man Waren mit demselben Geld kaufen und verkaufen können.  Jeglicher Handel und Verkehr sollte von dieser Seite aus nicht mehr die geringste Hemmung zu befürchten haben.

Von großer Bedeutung mußte aber für die Durchführung eines solchen Planes die Wahl des Währungssystems sein.  Doch schien den Verfechtern der Idee eines Weltgeldbundes auch hier schon der einzig gangbare Weg durch die Geschichte des Geldwesens gewiesen zu sein und damit zugleich noch ein neues Argument für die Notwendigkeit eines internationalen Geldes gegeben zu sein.  Denn es war klar, daß man bei einer praktischen Durchführung eines Weltgeldbundes von der Verschiedenheit der metallischen Grundlagen bei den bestehenden Geldverfassungen auszugehen haben würde.

Sollte man nun das eine der beiden Edelmetalle zum alleinigen Währungsgelde erheben ?  Welches ware dazu das geeignetere ?  Oder sollte man den anderen Weg beschreiten, den besonders Frankreich im Jahre 1803 gegangen war, als es das Nebeneinander beider Edelmetalle als Währungsgeld einführte ? [5]

Im ersten Falle mußte damit gerechnet werden, daß die Durchführung einer großen monometallischen Währung wegen der damit verbundenen Kosten für den Ankauf des neuen Währungsmetalles für die Einschmelzung der alten und Prägung der neuen Münzen bei einem Teile der beteiligten Staaten auf Widerstand stoßen würde [6].

Falls aber ihre Durchführung gelingen würde, so würde auch dies noch, wie die Anhänger des Weltgeldbundes glaubten, bedenkliche Wirkungen für das gesamte Wirtschaftsleben im Gefolge haben.  Einmal hatte die geschichtliche Entwicklung den Mangel einer preisnivellierenden Wirkung der monometallischen Währung dargetan.  Es hatte sich gezeigt, daß die Metallproduktion weit größeren Einfluß auf die Veränderungen des Metallgeldwertes und damit auf die Warenpreise erlangen kann, wenn nur ein Edelmetall die Zahlungsmittelfunktion ausübt, als wenn Gold und Silber zusammen durch ihre Masse diesen Zufallsmomenten ein Gegengewicht entgegensetzen [7].

Dann aber würde die Erhebung des einen Metalles zum alleinigen Weltgelde nur unter großen Zerrüttungen für das Wirtschaftsleben durchzuführen sein.  Denn es würde eine riesige Nachfrage nach diesem Metalle hervorgerufen werden, was ein gewaltiges Ansteigen seines Marktpreises zur Folge haben müßte.

Welche Äußerungen dieser Vorgang aber für alle anderen Wirtschaftszweige zeitigen würde, davon gibt ein kleines Bild der Übergang Englands zur Goldwährung im Jahre 1816, obwohl der damals erzeugte Goldbedarf im Vergleich zu einer möglichen Einführung der Goldwährung in der ganzen Welt nur einen Schatten darstellen kann.  Trotzdem hatte damals schon die alleinige englische Maßnahme die Wirkung, daß, wie Laveleye versichert [8] : »there ensued, both in that country itself and in the whole civilized world, subsidences of prices and economic perturbations, ruin in every form, bancruptcy and reduction of rents, the misery of the labouring classes, the outbursts of Chartism, Socialism in the form peculiar to the time, and almost universal aggravation of the system of protection.«

Diese Erscheinungen hätten aber für die Errichtung eines geordneten internationalen Zahlungswesens vernichtende Wirkung gehabt.  Ihre Folge ware statt einer Beförderung eine Lahmlegung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen gewesen.

Daher mußte auf eine andere Weise dem Plan eines Weltgeldes zum Ziele verholfen werden.  Schon von der Natur selbst schien hier, so glaubte man, der einzig gangbare Weg gewiesen zu sein.  Er lag in der Richtung, welche die französische Gesetzgebung eingeschlagen hatte, als beide Metalle zu gleichberechtigtem Währungsgelde erhoben worden waren.  Durch die Schaffung einer derartigen internationalen Doppelwährung glaubte man nicht nur allen Schattenseiten einer monometallischen Währung aus dem Wege zu gehen, sondern zugleich auch manche der französischen Währung noch anhaftende Schwächen zu heilen.

Denn zunächst wäre die Einführung einer solchen Weltdoppelwährung dem Interesse aller Staaten, ob sie früher Gold-, Silber- oder Doppelwährung besessen hätten, gerecht geworden [9].  Stets hätten sie ihren alten Münzbestand ohne Verluste im Rahmen des Weltgeldbundes weiter verwenden können.

Dann hätten auch alle aus den häufigen Schwankungen der Edelmetallrelation für das Wirtschaftsleben sich ergebenden mißliebigen Folgerungen verschwinden müssen.  Denn es wäre durch das gleichmäßige Vorgehen aller Staaten möglich geworden, das Wertverhältnis zwischen Gold und Silber in ein festes Gleis zu legen [10] and eine handelsmäßige Höherbewertung des einen Metalls vor dem anderen auszuschließen.

Damit würde dann vor allen Dingen jener Erscheinung, die während der französischen Doppelwährung dem Verkehr oft Unbequemlichkeiten auferlegte, dem sog. Greshamschen Gesetz, das Wasser abgegraben sein.  Während früher bei jeder Veränderung der marktmäßigen Edelmetallrelation das jeweils von der französischen Münzgesetzgebung zu gering bewertete Metall in das Ausland abfloß, wurde in Zukunft in allen Ländern das gleiche Wertverhältnis zwischen Gold und Silber bestehen.

Es könnte sich daher kein Interesse ergeben, das eine Metall dem anderen vorzuziehen [11].  Denn überall kann man für ein bestimmtes Gewicht Silber die gleiche Menge Goldes erhalten.  Gold und Silber sind sich völlig gleich.  Das Austauschverhältnis von Gold- und Silbermünzen ist daher unbedingt gesichert.

Zugleich ist damit aber auch eine Garantie für eine große Stabilität der Warenpreise erlangt.  Das Preisniveau wird nur noch in sehr geringem Maße unter Wertschwankungen des Währungsmetalles zu leiden haben.  Denn Einflusse der Produktion auf den Wert eines Metalles werden gegenüber der großen Masse gleichwertiger Gold- und Silbermünzen bedeutend schwerer zum Ausdrück kommen können, als allein bei den Weltgold- oder -Silbervorräten [12].

Zugleich wird selbst, wenn sich auf dem Markte ein Mißverhältnis der Metallbewertung zur gesetzlichen Festsetzung herausgebildet hat, doch der Handelswert beider Metalle stets wieder auf das gesetzliche Ausprägungsverhältnis dadurch zurückgeführt werden, daß in solchen Fällen der Wertverminderung bei dem einen Teile es lohnend geworden ist, in der Hauptsache hiermit Zahlungen zu leisten.  Dadurch wird eine verstärkte Nachfrage nach diesem Metall erzeugt, die zur Wiederherstellung der gesetzlichen Metallrelation führt [13].  Es wird so neben einer Stabilität des Warenpreisniveaus zugleich auch eine große Erleichterung des internationalen Zahlungsverkehrs herbeigeführt.

Dieses Währungspolitische Programm, der sog. Bimetallismus, wurde seit der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts vielfach als das Hauptziel der Reformbewegungen auf dem Gebiete des Geldwesens angesehen.  In seiner Verwirklichung glaubte man eine Hauptaufgabe der damaligen Generation erblicken zu müssen.  Seine Hauptvertreter fand diese Idee in dem klassischen Lande der Doppelwährung, in Frankreich.  Besonders von hier aus wurde daher zugunsten des Bimetallismus eine lebhafte Propaganda getrieben, die nicht klanglos in der Welt verhallen konnte.

Doch sollte die Weiterentwicklung dieses Gedankens von Anfang an eine Abweichung erhalten, die zunächst zwar keine Aufgabe des gesteckten Zieles, wohl aber einen Umweg auf dem Wege dorthin bedeutete.  Diese Gestaltung der Lage wurde durch die Preisbewegung der Edelmetalle seit 1850 bis in die sechziger Jahre hinein hervorgerufen.  Denn sie wurde in den Staaten, welche als die Seele des Gedankens des Bimetallismus bezeichnet werden können, den romanischen Staaten, zur Veranlassung eines selbständigen und daher beschleunigten Vorgehens.

Man begnügte sich hier für das erste mit einem Zusammenschlusse des Münzwesens einzelner Staaten und hoffte in späterer Zeit diese Konvention durch Erweiterung auf immer neue Mächte in einen Weltgeldbund umwandeln zu können.  Tatsächlich ist es denn auch späterhin verschiedentlich zu Konferenzen der großen europäischen und amerikanischen Staaten über diese Frage gekommen [14].  Diese haben aber niemals zu einem praktischen Ergebnis geführt.

Eine Betrachtung der Geschicke des genannten Münzbundes, der nach dem Willen seiner Gründer der Vorläufer des Weltgeldbundes zu sein bestimmt war, dürfte diese Erscheinung durchaus erklärlich werden lassen.

§ 3.  Die Entstehung des Münzbundes zwischen den lateinischen Staaten

Das aus den zunehmenden Handelsbeziehungen der Völker untereinander im neunzehnten Jahrhundert hervorgewachsene Streben nach Erleichterung des internationalen Zahlungsverkehrs hatte bereits vor der Entstehung der Theorie des Bimetallismus in der Politik einzelner Staaten einen praktischen Ausdrück gefunden.

So gab es schon um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts eine Anzahl von Mächten, deren Münzwesen durch die jeweilige Münzgesetzgebung der beteiligten Staaten ohne irgendwelches gegenseitige Abkommen in vollkommene Übereinstimmung gebracht worden waren.  Das waren einige romanische Staaten, namentlich Belgien, die Schweiz und das Königreich Sardinien, die sich die französische Münzgesetzgebung zum Vorbilde genommen hatten.  Es war von ihnen die Ausprägung gleichartiger Münzen, wie sie der französischen Gesetzgebung entsprachen, angeordnet worden und zugleich Geldstücken, die nach den gleichen Vorschriften jedoch ohne Rücksicht auf den Prägestaat angefertigt waren, gesetzlicher Kurs erteilt [15].

Doch wurde diese Uniformität der Geldwesen in der Schweiz und in Belgien im Jahre 1850 durch den Ausschluß der Goldstücke bei Übergang dieser Mächte zur reinen Silberwährung auf die Münzen des weißen Metalles beschränkt [16].

Das hatte anfangs keine große Bedeutung.  Denn in Frankreich hatte durch lange Jahre hindurch vermöge der marktgängigen Edelmetallrelation, die sich über dem Münzausprägungsverhältnis der Gold und Silbermünzen von 1 : 15 ½ bewegte, eine effektive Silberwährung bestanden.  Die Goldmünzen, welche das Gesetz zu gering bewertete, waren im Metallhandel verkauft worden.  Infolgedessen hatte sich in diesen Jahren überall eine Gemeinsamkeit der Münzzirkulation herausgebildet.  Die Silbermünzen, die in allen Staaten in gleicher Weise mit 900 ‰ Feinheit in Stücken von 5, 2, 1, ½ und auch 0,20 Fr. ausgeprägt waren, hatten sich durch die Gleichartigkeit der Münzgesetzgebung in den verschiedenen Staaten ohne Rücksicht auf den Stempel der Prägemacht im Umlaufe befunden.

In dieser Situation trat dann aber im Laufe des fünften Jahrzehnts eine Wandlung ein.  Es hatte sich auf dem Metallmarkt eine solche Veränderung der Gold- und Silberpreise herausgebildet [17], daß ihre Relation unter das französische gesetzliche Ausprägungsverhältnis gesunken war, es also lohnend geworden war, Silbermünzen einzuschmelzen und Gold zur Ausprägung in die Münze zu bringen.  Die Folge dieser Situation machte sich bald im Zahlungsverkehr der Frankenwährungsländer bemerkbar.  Das Silber verschwand immer mehr aus der Zirkulation, an seine Stelle traten die Goldmünzen.

Diese Entwicklung war von solcher Gewalt, daß die belgischen und schweizerischen gesetzlichen Maßnahmen von 1850 durch sie erdrückt wurden [18].  Obwohl den Goldmünzen der Kurs entzogen war, begannen diese Stücke immer mehr den Umlauf anzufüllen und die Silbermünzen zu verdrängen [19].

Dieser Zustand brachte anfangs keine große Gefahren mit sich, solange es möglich war, den Silbervorrat noch auf einer solchen Höhe zu erhalten, daß er das Bedürfnis des Zahlungsverkehrs nach kleingestückelter Münze befriedigen konnte.  Bald begann sich aber auch hier ein Mangel anzukünden und damit eine schwere Belastigung des Wirtschaftslebens fühlbar zu machen.  Man versuchte Abhilfe zu schaffen, was jedoch nicht durch Neuprägungen von Silbermünzen geschehen konnte, da diese sogleich wieder aus dem Umlauf verschwanden.

Unter diesen Umständen beschloß man im Jahre 1860 in der Schweiz neben der Wiedereinführung des Kurses für die Goldmünzen, die kleineren Silberstücke von 2 Fr. abwärts in Scheidemünzen umzuwandeln, indem man ihren Feingehalt auf 800 ‰ herabsetzte [20].  Allein hierdurch konnte der Umlauf dieser Stücke bei dem damaligen hohen Silberpreise gesichert werden.

Dies Vorgehen rief aber in den übrigen Ländern des Frankenfußes lebhaften Widerspruch hervor.  Denn es begannen sich bald in ihren Territorien die neuen unterwertig ausgeprägten schweizerischen Stücke zu zeigen.  Man wollte sich aber nicht die eigene Geldzirkulation durch Scheidemünzen verschlechtern lassen, deren Prägegewinn durch einen fremden Staat gemacht worden war.  Denn ihr Umlauf konnte mit großen Gefahren für den Zahlungsverkehr, eventuell sogar Verlusten für den Staat verbunden sein, da ihre Emission der Macht der heimischen Regierung entzogen war.

Andererseits wollte man aber auch, wenn irgend möglich, nicht auf den seit Jahren bestehenden gemeinsamen Umlauf der Frankenländer verzichten [21].  Denn hierdurch war einmal eine dem interterritorialen Handel- und Reiseverkehr zustatten kommende Ersparnis von Geldumwechselungen geschaffen worden.  Zugleich erübrigten sich damit für den Kaufmann viele Berechnungen und Kalkulationen in fremder Währung.  Vor allem war dann aber den beteiligten Staaten eine vergrößerte Stabilisierung ihrer gegenseitigen Wechselkurse gegeben.  Denn durch die Erleichterung von Münzversendungen und das Fortfallen ihrer Umprägung im Auslande mußte bei Gemeinsamkeit der Geldzirkulation in diesen Staaten eine Begrenzung der Geldwertschwankungen innerhalb der sog. Gold- und Silberpunkte [22] eintreten.  Eine wertbeständige Valuta muß aber stets als die Vorbedingung einer gesunden volkswirtschaftlichen Entwicklung das Ziel aller Währungspolitik darstellen.  Man glaubte daher unbedingt für den Fortbestand der Uniformität des Geldwesens in allen Ländern des Frankenfußes Sorge tragen zu müssen.

Doch stellten sich diesem Wunsche große Schwierigkeiten durch die Weigerung der Schweiz entgegen, die von ihr getroffenen Maßnahmen rückgängig zu machen.  Zwar gelang es, die anderen Staaten bald von der Zweckmäßigkeit der schweizerischen Maßnahme zu überzeugen.  So begannen Frankreich und Italien die ihrigen Münzen gleicher Art ebenfalls in Scheidemünzen umzuwandeln [23].  Aber man ging hier von dem schweizerischen Vorbilde insofern ab, als man einen Feingehalt der Münzen von 835 ‰ wählte.  In Frankreich wurden dazu nur die Stücke von 0,50 und 0,20 Fr. herabgesetzt.

So brachten diese Maßnahmen statt einer Ausgleichung der Münzgesetzgebung neue Verwirrung und daher Erhöhung des illegalen Zustandes der Silberzirkulation mit sich.  Denn ohne Rücksicht auf gesetzliche Bestimmungen füllten die Scheidemünzen beiderlei Feingehalt nach dem Verschwinden der vollgewichtigen Silbermünzen die Zirkulation aller Staaten.

In dieser unglücklichen Lage wurde von der belgischen Regierung, die ihrerseits noch gar keine Maßnahmen gegen den Silberabfluß ergriffen hatte, ein rettender Vorschlag gemacht.  Es wurde angeregt, in bezug auf die Frage der Ordnung des Silbermünzumlaufs eine Klärung über die Auffassungen der beteiligten Staaten herbeizuführen und zu diesem Zwecke die Regierungen der verschiedenen Mächte zu einer gemeinsamen Konferenz einzuladen.  Hier sollte besprochen werden, wie die bisherige Gemeinsamkeit des Münzumlaufes der romanischen Staaten auch fürderhin aufrecht zu erhalten wäre.

In Frankreich wurde diese Anregung bereitwillig aufgenommen und von hier aus an die Frankenwährungsländer die Aufforderung zur Beschickung einer Münzkonferenz gerichtet.  Am 20. November 1865 trafen sich hierauf in Paris die Vertreter Frankreichs, der Schweiz, Italiens und Belgiens, um über die Wiederherstellung der einheitlichen Ordnung ihres Geldwesens zu beraten [24].

Auf der nun folgenden Konferenz war man sich einig in der Überzeugung, daß eine hinreichende Silberzirkulation in kleinen Stücken nicht anders als durch eine Herabsetzung des Feingehaltes dieser Münzen zu ermöglichen sei.  Daher beschloß man allgemein so vorzugehen und setzte die Feinheit dieser neuen Scheidemünzen für alle beteiligten Staaten auf 835 ‰ fest.  Die Durchführung dieser Maßnahme sollte aber nicht mehr wie bisher der freiwilligen Entschließung der verschiedenen Regierungen überlassen bleiben.  Die einzelnen Mächte sollten vielmehr verträglich gebunden werden.

Zugleich sollte durch einen gemeinsamen Vertragsabschluß der verschiedenen Staaten für die gleichartige Ordnung des Münzgeldumlaufes dieser Staaten im ganzen gesorgt werden.  Man wollte überhaupt für die staatliche Politik auf diesem Gebiete in allen Staaten einen festen Boden schaffen, um eine dauernde Garantie für die Einheitlichkeit der Währungen dieser Mächte zu erhalten.

Die Idee eines solchen Vertragsabschlusses war stark von bimetallistischen Gedankengangen beeinflußt worden [25].  Denn es sollte dadurch ein Zustand für alle Zukunft sichergestellt werden, der in den betroffenen Staaten das nationale Geld zum internationalen Zahlungsmittel machte, aber auch zugleich dem Währungssystem des Bimetallismus, wie es in Frankreich bestand, zum Siege verhalf.  Man hoffte nun durch die Errichtung einer solchen Münzunion bei den bimetallistischen Reformbestrebungen auf dem Punkte angelangt zu sein, von dem aus die Verwirklichung des Endzieles nur noch eine Sache der Quantität sein würde.  Man glaubte daher durch die Gründung dieser Münzkonvention zwischen den romanischen Staaten die Errichtung des allgemeinen Weltgeldbundes in greifbare Nähe gerückt zu haben.

Diese Anschauung erhellt ganz deutlich aus dem Inhalt des Vertrages.  Dieser wurde am 23. Dezember 1865 in Paris abgeschlossen [26] und ist Ursprung und Grundlage jenes Bundes geworden, der sich unter dem Namen des Lateinischen Münzbundes (Union latine) in der Geschichte des Geldwesens einen bekannten Namen verschafft hat.

Nach seinen Bestimmungen, die von allen vier an den Pariser Beratungen beteiligten Staaten, nämlich Frankreich, Belgien, Italien und der Schweiz akzeptiert wurden, fußt der Münzbund im wesentlichen auf der alten seit 1803 bestehenden französischen Geldverfassung.

Es werden goldene Kurantmünzen mit 900 ‰ Feinheit ausgeprägt in Stücken von 100, 50, 20, 10 und 5 Fr. [27]; daneben eine silberne Kurantmünze mit 900 ‰ Feinheit zu 5 Fr. [28]  Beide, Silber- und Goldmünzen sind für den Privaten frei ausprägbar, und zwar so, daß aus einer Gewichtseinheit Goldes 15 ½ mal soviel Werteinheiten als aus der gleichen Einheit Silber hergestellt werden.  Daneben gibt es silberne Scheidemünzen zu 2, 1, 0,50 und 0,20 Fr., deren Prägung aber auf den Betrag von 6 Fr. pro Kopf der Bevölkerung beschränkt ist [29].

Den Kernpunkt des Vertrages bildet die Feststellung des gegenseitigen Kassenkurses der Münzen des einen Staates in den anderen Territorien der Münzunion [30].  Dies besagt, daß die Münzen ohne Rücksicht auf ihren fremden Prägestempel an den öffentlichen Kassen aller Unionsstaaten in Zahlung genommen werden müssen.  Eine Verpflichtung zur privaten Annahme der Stücke ist jedoch grundsätzlich nicht aufgestellt worden.

Erst nach längeren Verhandlungen war man auf der Konferenz zu diesem Ergebnis gekommen [31].  Italien und die Schweiz hatten nämlich die Aufstellung eines allgemeinen gesetzlichen Kurses gefordert, während Belgien und vor allem Frankreich sich energisch gegen solche Zumutung gesträubt hatten.  Man suchte sich hier durch dies Vorgehen eine gewisse Freiheit in der Verwaltung des Geldwesens trotz der Bindung durch den Münzvertrag zu erhalten [32].

Für Italien aber und die Schweiz war die Aufstellung des Kassenkurses für die goldenen und silbernen Kurantmünzen ziemlich gegenstandslos.  Denn sie hatten schon vor Jahren den gesetzlichen Kurs dieser ausländischen Münzen in ihren Territorien eingeführt.  Durch die Schweiz waren sogar kaum eigene Münzen geprägt worden, sondern der Verkehr in der Hauptsache mit fremden Stücken gesättigt worden [33].  Man war in diesen Staaten nun an einer möglichst weitgehenden Nivellierung der Münzgesetzgebung in den einzelnen Unionsländern interessiert.  Denn das war der Sinn des bimetallistischen Grundgedankens, der bei der Gründung des Lateinischen Münzbundes Pate gestanden hatte.  Hauptsächlich infolge des französischen Widerstandes war diese Förderung aber schließlich fallen gelassen worden.

Die Bestimmung des allgemeinen Kassenkurses im Münzbunde erhält in bezug auf die Scheidemünzen noch eine Modifikation [34].  Im Inlande des Prägestaates besitzen diese Münzen privaten Annahmezwang nur bis zur Höhe von 50 Fr., naturgemäß aber unbegrenzten Kassenkurs.  Im übrigen Gebiete der Münzunion dagegen ist dieser Kassenkurs auf 100 Fr. beschränkt.  Nach dem Wesen der Konvention wurde ein gesetzlicher Annahmezwang im privaten Zahlungsverkehr auch hier nicht aufgestellt.

Diese Bestimmungen für Gold- und Silberkurantmünzen zusammen mit den Vorschriften über die Silberscheidemünzen stellen die Grundmauern der lateinischen Münzkonvention dar.  Von hier aus vollzieht sich alle Entwicklung der Union latine.  Hierauf ist letzten Endes auch immer wieder der Maßstab für die Beurteilung der Geschicke des Münzbundes zurückzuführen.

Der Münzbund wurde zunächst auf die Dauer von 15 Jahren bis zum 1. Januar 1880 geschlossen und sollte, falls er nicht ein Jahr vor diesem Termin von einem der Kontrahenten gekündigt worden wäre, automatisch auf je 15 Jahre verlängert werden [35].

Von Wichtigkeit war außerdem die Bestimmung, daß jedem, der die Verpflichtungen des Münzvertrages zu übernehmen gewillt sei, ohne weiteres der Beitritt zur Münzunion gestattet sein sollte [36].  Dieser Satz entsprach deutlich den mächtigen bimetallistischen Bestrebungen, die Doppelwährung der Konvention, wie sie durch diesen Vertrag aufgestellt wurde, zu einem Weltgeldbunde zu erweitern.  Man glaubte besonders in Frankreich durch die Gründung der Münzunion die anderen Mächte zur Nachahmung aufstacheln zu können und hoffte zugleich durch die Heraufführung der Weltherrschaft des Frankenfußes eine nationalpolitische Aufgabe zu erfüllen.

Diese Momente stellten so starke Triebfedern für die Anschauungen der maßgebenden französischen Kreise dar, daß alle anderen Anregungen davor zurückweichen mußten.  So erging es auch den von belgischer und schweizerischer Seite gemachten Vorschlägen, zur Einführung der Goldwährung zu schreiten [37].  Vermöge seines politischen und wirtschaftlichen Übergewichts wußte Frankreich seine Anschauungen durchzusetzen und den bimetallistischen Gedanken immer wieder in den Vordergrund zu schieben.  Es zeigt sich hier schon der überragende französische Einfluß als einer der Hauptgesichtspunkte für die ganze Geschichte des Lateinischen Münzbundes.

b) Der Lateinische Münzbund unter dem Banner der Doppelwährung

§ 4.  Der Abfluß der Münzen, das kommonetäre Agio

Am 1. August 1866 war der Münzvertrag in Kraft getreten.  Nach nicht allzulänger Zeit zeigte sich aber, daß die Entwicklung des jungen Münzbundes die kühnen, auf ihn gesetzten Hoffnungen kaum rechtfertigen können würde.

So hatten zunächst die Expansionsbestrebungen der Union für das erste im Auslande nicht den nötigen Anklang gefunden.  Denn allein Griechenland, dessen Geldwesen auf dem gleichen Münzfuße wie das der Lateinischen Münzunion beruhte, erklärte sich durch eine Note aus dem Jahre 1868 bereit [38], vom 1. Januar 1869 ab die Verpflichtungen der Konvention zu übernehmen und die nach älteren griechischen Gesetzen ausgeprägten Münzen bis zum 1. Januar 1872 aus dem Verkehr zu ziehen.

Im übrigen ist aber eine Weiterentwicklung auf dieser Linie nicht eingetreten.  Zwar hatte sich auch Österreich um Aufnahme in die Union bemüht, es war sogar im Jahre 1867 schon ein Vertrag zwischen Frankreich und Österreich entworfen worden, ohne daß es jedoch zu einer endgültigen Regelung mit allen Staaten der Union gekommen wäre oder daß auch nur der Vertrag die Ratifikation der Volksvertretungen erlangt hätte [39].  Außerdem begannen sich aber im Lateinischen Münzbunde auch bald Schwierigkeiten zu zeigen, die den fremden Mächten statt einer Ermutigung als ein Warnungszeichen vor dem Beitritt zur Union erscheinen mußten.  In dieser Hinsicht hat der Beitritt Griechenlands zur Union für deren Expansion eher hemmend als fördernd gewirkt.  Denn die Wirrnisse, die sich nun bald im Münzbunde geltend machten, entsprangen hauptsächlich aus der Zugehörigkeit Italiens und Griechenlands zur Münzunion.  Das ergab sich aus dem Umstände, daß Italien schon bei der Entstehung des Bundes und seit 1869 dann auch Griechenland über keine Metallgeldzirkulation verfügten, sondern Papiergeld mit Zwangskurs im Umlaufe hatten, das stark unterwertig war [40].

Dieser Umstand führte auf dem Gebiete des Geldwesens eine neue Erscheinung herbei, durch welche auf eine wunde Stelle am Körper des Münzbundes hingewiesen werden sollte.  Es zeigte sich, daß durch die intervalutarische Gemeinsamkeit des Geldes eine solange unbekannte Form eines Agios ausgelöst werden konnte.

Man hatte bis dahin im Geldwesen zwei typische Fälle eines Agios beobachten können.  Sie traten in einem Lande mit tiefstehender Valuta folgendermaßen zutage : Im einen Falle werden Münzen aus hochwertigem Metall gegenüber solchen aus billigerem Stoffe im Inneren des Landes mit einem Aufgelde bezahlt.  Eine Abart dieser Form stellt die Höherbewertung von neugeprägten Münzen im Verhältnis zu abgeschliffenen Stücken dar.  Beide Erscheinungen fallen unter den Begriff des »inneren Agios« [41].  Im anderen Falle handelt es sich um die Höherbewertung einer ausländischen Währung im Gelde des eigenen Staates verglichen mit der Parität zwischen beiden Mächten.  Das ist das »außere Agio« [42].

Die Errichtung eines Münzbundes zeigt nun die neue Form des Agios.  Es weist seinem Wesen nach eine nahe Verwandtschaft mit der zuletzt gekennzeichneten Art auf.  Die Voraussetzung ist hier wie dort die gleiche : Das Agio ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Wechselkursstand und der Parität zweier Länder.  Die außere Erscheinungsform ist aber mit dem inneren Agio übereinstimmend.  Der Vorgang ist nun der, daß die in der Zirkulation eines schwachvalutarischen Landes befindlichen Münzen, solange sie Bestandteile des Geldwesens einer Münzunion sind und daher im Auslande Kurs haben, ein Aufgeld erlangen, das der Spanne zwischen dem eigenen Wechselkurse und der höchsten Valuta der Münzunion, gemessen von den Paritäten dieser Länder an, entspricht.

Die Unionsmünze ist also die Verkörperung der höchsten Valuta im Münzbunde.  Im Verhältnis zu jener Währung fällt das kommonetäre Agio der Unionsmünzen, wie man es nennen kann [43], in den anderen Territorien des Münzbundes mit dem außeren Agio seiner Höhe nach zusammen.

Doch sind beide Arten deutlich voneinander zu trennen, da das kommonetäre Agio von besonderen Erscheinungen begleitet ist.  Diese zeigen eine große Ähnlichkeit mit den Folgen des inneren Agios.  Es wird dadurch eine Konkurrenz zwischen innerem und kommonetärem Agio herbeigeführt.  Während das innere Agio die Einschmelzung der Münzen lohnend macht, führt das kommonetäre Agio den Abfluß der Münzen in das Ausland herbei.  Rentabilitätsgesichtspunkte entscheiden über die tatsächliche Gestaltung der Lage.

Im Lateinischen Münzbunde trat diese Erscheinung des kommonetären Agios durch die Unterwertigkeit der italienischen und griechischen Papierwährungen zutage [44].  Der Vorgang war im einzelnen der, daß man damals in Italien und Griechenland die Münzen sammelte, welchen intervalutarischer Kassenkurs zukam, und sie über die französische und schweizerische Grenze transportierte.  Dort tauschte man die Stücke gegen Noten dieser Länder ein und verkaufte diese an der Börse gegen unterwertige italienische oder griechische Scheine.  Die Kursdifferenz zwischen den Noten der hoch- und schwachvalutarischen Länder floß dann den Umwechslern in die Tasche.  Diese eingetauschten italienischen bzw. griechischen Scheine brachte man darauf in ihr Heimatland zurück, tauschte sie dort wieder gegen Geldstücke der Münzunion ein und der Kreislauf konnte von neuem beginnen.

Dies Verfahren wurde allerdings durch die Konkurrenz des inneren und kommonetären Agios modifiziert.  Die Natur der Sache will es aber, daß ein kommonetäres Agio vorwiegend für kleinere Schwankungen der Wechselkurse, sonst aber in der Hauptsache für Scheidemünzen von Bedeutung ist.  Denn bei größeren Kursschwankungen der Kurantmünzen muß sich stets bald der Metallgehalt dieser Stücke in der Art bemerkbar machen, daß ihre Einschmelzung und der Verkauf des Metalles auf offenem Markte lohnend wird.  Allein die Scheidemünzen mit ihrem geringen Metallwert werden weit länger eine gewinnbringende Ausfuhr in das höher valutarische Gebiet der Münzunion gestatten.

So sind in der Hauptsache die kleinen Silberstücke im lateinischen Münzbunde Gegenstand des kommonetären Agios geworden.  Sie haben dadurch schon bei geringfügigen Valutenkursschwankungen ihren Abfluß aus der Zirkulation möglich gemacht.

Das mußte aber ein starke Gefahr für die Ordnung der Münzzirkulation eines Staates sein.  Es wurde erhöhter Papierwirtschaft Vorschub geleistet.  Dieser Zustand war aber dem auf Herbeiführung einer gemeinsamen Münzzirkulation gerichteten Zweck des Münzbundes geradezu entgegengesetzt.

So zeigte sich schon in dem ersten Jahre nach Gründung des Münzbundes, daß durch den Abfluß der Münzen das erhoffte Ziel der Kursstabilisierung zwischen den Unionsländern nicht erreicht werden konnte.  Es wurde im Gegenteil geradezu eine Beschleunigung des Entwertungsprozesses der schlechten Valuten herbeigeführt.  Andererseits konnten auch die hochvalutarischen Staaten, so besonders Frankreich, daneben auch die Schweiz, aus dieser Lage keinen Vorteil ziehen.  Denn hier flossen alle Münzen der anderen Staaten zusammen, stauten sich im Verkehre auf und riefen dadurch gewisse inflatorische Wirkungen hervor.  Das bedeutete zum mindesten eine Belastigung des Zahlungsverkehrs, die unter anderen Umständen zu vermeiden gewesen wäre.  Es handelte sich bei diesen Erscheinungen um ungewollte und ungeahnte Wirkungen des Münzvertrages, denen man zunächst hilflos gegenüber stand.

Man bemühte sich zwar bald dem Abflusse der Münzen durch ihre Sammlung und Zurücksendung in den Prägestaat entgegenzutreten.  Das verursachte aber Kosten und zeigte sich bald als völlig ergebnislos [45].  Die Münzen flossen alsbald wieder in das Ausland zurück.  Daher beantragte Italien im Jahre 1878, sämtliche italienischen Scheidemünzen im Ausland zu sammeln, sie nach Italien zurückzusenden und ihnen im Auslande den Kassenkurs zu entziehen, bis eine Besserung des italienischen Wechselkurses eingetreten sei.  Die übrigen Staaten pflichteten diesem Vorschlage bei.  Er wurde dann unter großem Umstande, dadurch daß Frankreich die ganze Transaktion zentralisierte, durchgeführt [46].  Erst mit dem 1. Januar 1885 wurde diese Aussperrung der italienischen Scheidemünzen rückgängig gemacht [47], nachdem Italien sein Geldwesen wieder auf Metallbasis gestellt hatte und seine Wechselkurse sich daher auf Parität halten konnten.

Doch war da mit nicht dem Abfluß der Münzen mit überstaatlichem Kassenkurse im Bunde für die Zukunft der Boden entzogen.  Man hat in der Folgezeit noch oft unter dem kommonetären Agio zu leiden gehabt, ohne daß man dagegen einen wirksamen Schutz gefunden hätte, der zugleich das Wesen der Münzunion unangetastet gelassen hätte.  Daher muß man die Entstehung dieses Agios in einer Schwäche suchen, die in der Natur des Münzbundes liegt.

Es zeigt sich, daß ein kommonetäres Agio durch die Entwertung einer Valuta, nach Übergang zur Papierwährung entsteht.  Der Mangel einer Münzunion tritt daher in der Unmöglichkeit einer Bestimmung für dauernde Aufrechterhaltung der Metallwährung in Erscheinung.  Es kann kein Staat wirksam verpflichtet werden, in Zeiten finanzieller Not an der metallenen Grundlage seines Geldwesens festzuhalten.  Oft ist dann der Übergang zur Papierwährung der einzige Rettungsweg.  Es handelt sich in diesen Dingen um Machtfragen.  Sie lassen sich aber nicht in Paragraphen festlegen [48].  So ist die Gefahr der Wirksamkeit des kommonetären Agios stets mit einer Münzunion verkettet.  Sie weicht allein mit dem Zurücktreten der Bedeutung des Münzbundes, steigt aber mit dessen Erweiterung an.

Der Lateinische Münzbund, der von seiner Entstehung an unter dieser Handel und Verkehr schwer belästigenden Erscheinung zu leiden gehabt hat, ist naturgemäß in seiner Entwicklung stark dadurch beeinträchtigt worden.  Das tritt am deutlichsten in einer Aufgabe der Expansionsbestrebungen im Münzbunde zutage.  Bereits im Jahre 1874 wurde hier die Aufnahme weiterer Staaten in den Bund von der Zustimmung der sämtlichen anderen Mitglieder abhängig gemacht [49].

Das weist zugleich aber auch auf ein Ablassen von bimetallistischen Gedankengängen hin.  Denn sie waren die Triebfeder aller Erweiterungspläne gewesen.  Ein Grundpfeiler des Bimetallismus war so durch die Abkehr des Münzbundes von dem Rechte des freien Beitrittes zur Union gestürzt worden.

Doch die Entwicklung ist hier nicht stehen geblieben.  Auch der andere Pfeiler des bimetallistischen Gebäudes sollte bald ins Wanken geraten.  Es entstand hier eine zweite Quelle von Unruhen im Lateinischen Münzbunde, die sich einer ersprießlichen Entwicklung und Bewährung der Konvention entgegen setzen mußte.  Das war eine Entwicklungslinie, die dem Auftreten des kommonetären Agios zu einem großen Teil parallel lief und daher die schon bestehenden Schwierigkeiten verdoppelte.

§ 5.  Die Gefahr der Silberinflation

Das System der Doppelwährung hatte seine ihm erfahrungsgemäß anhaftenden Schwächen in der Lateinischen Münzunion durch deren Erweiterung zum Weltgeldbunde verlieren sollen.  Als jedoch seit dem Jahre 1874 alle Expansionsbestrebungen fallen gelassen wurden, war damit ein Hauptfaktor für die Rechtfertigung dieser Währung im Münzbunde entschwunden.  Man mußte daher mit den Schwächen der Doppelwährung zu rechnen haben, solange man an diesem Erbe bimetallistischer Ideen festhalten wollte.

Zwar war diese Gefahr nicht gleich dem kommonetären Agio unrettbar mit dem Wesen einer Münzunion verknüpft.  Es wurde hierdurch vielmehr die Form getroffen, unter welcher diese Institution ins Leben getreten war.  Sie hatte aber vermöge der Breite ihres Aufbaues, der fast das ganze Geldwesen der einzelnen Staaten in sich schloß, dem idealen Zweck der Vereinigung durch die Stabilisierung der Wechselkurse zwischen den beteiligten Staaten am nächsten kommen sollen.  Doch barg diese internationale Doppelwährung eine Gefahr in sich, die weit über die bekannten Schatten dieser Geldverfassung im Rahmen eines einzelnen Staates hinausging.

Denn der Staat hatte durch sie in einem für die Ordnung seines Geldwesens entscheidenden Punkte seine Macht aus der Hand gegeben.  Er hatte die Schaffung neuen Geldes, damit die Schaffung neuer Kaufkraft, außerstaatlichen Gewalten überlassen, ohne daß diesen hierbei die Erzielung von Gewinnen unmöglich gemacht worden wäre.  Die Folge dieses Umständes sollte aber für die Entwicklung des Münzbundes bald große praktische Bedeutung erlangen.

Es war dies das zweitemal, daß die Lage auf dem Weltedelmetallmarkte für das Schicksal des Geldwesens in den Staaten der Lateinischen Münzunion richtunggebend wurde.  Früher war die Hochbewertung des Silbers der hauptsächlichste außere Anlaß zum Abschluß der Münzkonvention gewesen.  Jetzt trat mit dem Anbruch der siebziger Jahre hier eine Veränderung dieser Lage ein, welche der Union bald ihren Stempel aufzudrücken begann.

Der Londoner Silberpreis, als der maßgebende für den Edelmetallmarkt der ganzen Welt, begann allmählich von seiner Höhe herabzusinken [50].  Es setzte ein kraftiger Preissturz des weißen Metalles ein.  Dadurch wurde im Jahre 1873 das sog. klassische Wertverhältnis zwischen Gold und Silber von 1 : 15 ½, auf dem die Münzausprägung in den Ländern der Lateinischen Münzunion beruhte, überschritten.  Die Folge dieser Situation mußte sich bald in dem Gepräge der Doppelwährung des Münzbundes zeigen.

Es wurde nun im direkten Gegensatz zur bisherigen Lage lohnend, Silberbarren auf dem Markte gegen Gold zu kaufen und sie in Münzen umprägen zu lassen.  Denn der Nennwert dieser Stücke entsprach dann einem 15 ½ fachen Mehrwert der gleichen Menge Goldes, während der Silberkaufer einen niedrigeren Preis auf dem Markte hatte bezahlen müssen.  Die Differenz zwischen beiden Preisen machte dann einen Gewinn für den unternehmenden Handler aus.  Die neugeprägten Silbermünzen konnten darauf von neuem in Goldstücke umgewechselt werden, die sich wieder auf dem Markte gegen den gesunkenen Silberpreis veräußern ließen.  Ein Risiko war hierbei ausgeschlossen, denn die staatliche Münzstätte blieb ständiger und fester Abnehmer jeder Silbermenge zu dem alten hochstehenden Preise.

Als Folge dieser Gewinnmöglichkeit verschwanden bald in den Staaten der Lateinischen Münzunion die Goldstücke mehr und mehr aus dem Verkehr.  An ihre Stelle trat das Silber, das nun in Massen den Münzstätten zustromte, um dort in 5-Fr.-Stücke umgeprägt zu werden [51].

Am meisten wurde hiervon die belgische Prägeanstalt betroffen, da es am billigsten war, Silberbarren, die in London gekauft waren, von dort in die Lateinische Münzunion zu schaffen [52].  Man hatte in diesem Falle besonders auch mit einem sehr geringen Zinsverlust an dem investierten Kapital zu rechnen.  Außerdem durfte das Bild des Prägestempels als völlig belanglos angesehen werden.  Denn obwohl die Unionsmünze nach dem Wortlaut des Vertrages von 1865 außerhalb ihres Prägestaates nur Kassenkurs beanspruchen konnte, wurde sie doch nach allgemeiner Übung, zum Teil sogar nach gesetzlicher Vorschrift, jederzeit im privaten Zahlungsverkehr akzeptiert.

Diesen Umständen entsprang bald eine dauernde Zunahme der Silberzirkulation in den Staaten der Union [53].  Das mußte aber die Besorgnis der für die Geldpolitik in den einzelnen Staaten verantwortlichen Behörden erregen.

Denn zunächst mußte der Zustrom von Geldstücken, die auf dem Weltmarkte entwertet waren, die Folge haben, daß ihr Mengenverhältnis sich dem Bedarfe des Zahlungsverkehrs nicht mehr anpassen konnte.  Es bestand die Gefahr, daß hierdurch das Wesen der Barverfassung, automatisch je nach dem Stande des Wechselkurses Münzen aus dem Lande abfließen oder hinzustromen zu lassen, aufgehoben würde.  Die Wechselkurse basierten auf dem Goldfuße, während die Zirkulation sich auf Silber stützte.  Infolgedessen war eine dauernde Überflutung mit Silbermünzen zu befürchten.  Hierdurch konnte bald eine Inflation heraufbeschworen werden, wenn nicht das Geldwesen überhaupt das Gepräge reiner Silberwährungen annehmen würde.

Darin lag aber dann eine andere Gefahr umschlossen.  Denn diese Vorherrschaft des Silbergeldes trat in einer Zeit zutage, in der führende Großmächte des Wirtschaftslebens nach einer Bindung ihrer Währungen an das hochwertige gelbe Metall bestrebt waren.  Die Entwertung des Silbers drohte daher in den Staaten der Münzunion, den Stand ihrer Wechselkurse zu jenen Landem von dem Metallwerte ihrer Goldmünzen loszulösen und auf den Wert der Silberstücke herabzudrücken.  Damit wäre dann die bei homogenen Währungen gegebene Begrenzung der Wechselkursschwankungen aufgehoben worden.

Zur Vermeidung dieser Gefahren war aber den einzelnen Staaten in der Münzunion kein Mittel gegeben.  Selbst wenn man die Prägung von Silbermünzen in seinem eigenen Territorium zu verhindern gewußt hätte, konnte die Geldzirkulation von Stücken des Gepräges anderer Unionsstaaten überfüllt werden.  Es mußte unter allen Umständen ein Ausweg gefunden werden, besonders seit der Silberpreissturz einen solchen gewaltigen Umfang anzunehmen begann, daß schon aus diesem Grunde das schlimmste für das Schicksal alles Silbergeldes zu befürchten war.

Unter diesen Umständen erklärte im Jahre 1873 die Bank von Frankreich, daß sie sich fürderhin weigern würde, andere silberne 5-Fr.-Stücke als solche heimischen Gepräges an ihren Kassen anzunehmen [54].  Als private Anstalt glaubte sie nach dem Wortlaute des Münzvertrages zu dieser Maßnahme berechtigt zu sein.

Nun war es aber selbstverständlich, daß eine Münze, deren Annahme von dem Zentralnoteninstitut des Staates verweigert wurde, auch im privaten Verkehr, für den ein Annahmezwang nicht bestand, zurückgewiesen werden würde.  Nur dadurch konnte der Zweck dieser Maßnahme, nämlich eine Verminderung des Betrages der unterwertigen Silbermünzen herbeizuführen, überhaupt verständlich werden.  Daß aber die Ausschließung des 5-Fr.-Stückes eines Unionsstaates aus dem Zahlungsverkehr einer anderen Bundesmacht dem Sinn der Konvention von 1865 zuwiderlief, dieser Erkenntnis konnte man sich in den anderen Staaten der Münzunion nicht lange verschließen.

Man war sich daher einig über die Notwendigkeit, eine Klärung in der Frage der Silberausprägungen herbeizuführen, zugleich sich aber auch der Unmöglichkeit des Fortbestehens der von der Bank von Frankreich getroffenen Maßnahme wohl bewußt [55].  Die Bank erklärte jedoch, nur gegen die Aufstellung von Garantien zu ihrer Sicherung gegen eine Überflutung mit fremden Silbermünzen von ihrem Vorgehen ablassen zu können.

Es wurden zur Regelung dieser Angelegenheiten Verhandlungen zwischen den Vertretern sämtlicher Unionsstaaten gepflogen, die im Januar 1874 [56] zu dem Ergebnis führten, daß die Ausprägungen der silbernen Kurantmünzen für das laufende Jahr kontingentiert wurden.  Die Bank von Frankreich verpflichtete sich, unter diesen Umständen die fremden Münzen wieder an ihren Kassen zu akzeptieren.  Auf diese Weise wurde in den folgenden Jahren der Betrag der auszupragenden 5-Fr.-Stücke zwischen den Unionsstaaten von Jahr zu Jahr vereinbart [57].  Als aber die Silberentwertung durch alle Jahre weiterging und immer größeren Umfang annahm, zeigte sich bald die Notwendigkeit, eine feste Regelung der Stellung des Silberkurantgeldes für die Dauer dieses Zustandes eintreten zu lassen.

Das war der Hauptzweck einer Konferenz, die im Jahre 1878 in Paris tagte [58].  Hier war man allgemein der Auffassung, daß die Umstände eine völlige Einstellung der Silberprägungen verlangten.  Allein Italien machte in dieser Hinsicht eine Ausnahme.  Es beanspruchte für sich das Recht, einen starken Posten 5-Fr.-Stücke schlagen zu dürfen.  Doch glaubte man im Hinblick auf die großen Mengen zirkulierender Silberstücke und in Anbetracht des starken Abflusses italienischer Münzen in das Ausland diesem Wunsche nicht nachkommen zu sollen.  Es wurde daher der Beschlufi gefaßt, die Ausprägung silberner Kurantmünzen bis auf weiteres zu suspendieren.

Ebenso sollte die Herstellung goldener 5-Fr.-Stücke eingestellt werden [59].  Denn diese hätten sich für den Verkehr als unbrauchbar erwiesen, da sie einer schnellen Abnutzung unterworfen waren.  Dann bereiteten sie der Masse silberner 5-Fr.-Stücke im Zahlungsverkehr unnötige Konkurrenz [60].

Auf der gleichen Konferenz war weiterhin wie schon früher die Frage des gesetzlichen Kurses für die Silberstücke in allen Staaten aufgeworfen worden [61].  Belgien und vor allem Frankreich widersetzten sich aber ganz entschieden der Einführung eines solchen Legalkurses für die fremden Silbermünzen, da sie nicht mit dem Schicksal des Silberpreises durch eventuelle ausländische Prägungen auf Tod und Leben verkettet sein wollten.  Die Streitigkeiten in diesem Punkte wurden schließlich, auch was die Goldmünzen anbetrifft, dadurch aus dem Wege geraumt, daß die Notenbanken beider Staaten sich zur Annahme der Unionsmünzen an ihren Kassen offiziell verpflichten mußten.  Daraufhin glaubten die anderen Mächte von ihrer Förderung ablassen zu können und sich mit der Aufrechterhaltung des allgemeinen Kassenkurses der Münzen begnügen zu müssen.  Alle diese Bestimmungen, insbesondere über die Prägung von Gold- und Silbermünzen wurden in einem neuen Münzvertrage niedergelegt [62], der unter dem 5. November 1878 in Paris unterzeichnet wurde und der die ursprungliche Konvention von 1865 zu ersetzen bestimmt war.

Der Ungewißheit, die durch die Lage auf dem Edelmetallmarkte neben den Zwangskurserscheinungen in den Reihen der Unionsmitglieder über die Zukunft des Geldwesens der Münzunion heraufgeführt worden war, wurde hierin dadurch Rechnung getragen, daß der Vertrag nur auf 6 Jahre, vom 1. Januar 1880 bis zum 1. Januar 1886, abgeschlossen wurde [63] und von diesem Termin ab von Jahr zu Jahr kündbar sein sollte.

In dieser Neugestaltung der Verhältnisse im Lateinischen Münzbunde lag jedoch von Anfang an der Kern zu einer Weiterentwicklung verborgen, deren Anfange sich schon während der Konferenz im Jahre 1878 gezeigt hätten.  Die Kürze der Vertragsdauer und des Kündigungstermins beweisen, daß man damals schon mit der Moglichkeit der Kündigung des Münzbundes von irgendeiner Seite her gerechnet hat.  Damit zugleich mußte aber die Frage auftauchen, was aus den Münzen der Union bei einer Auflösung des Bundes werden sollte, wie insbesondere die Auseinandersetzung in den unterwertigen Münzen zwischen den einzelnen Staaten vor sich zu gehen hätte.

Es war dies eine Frage, in der materielle Faktoren bei der Argumentation viel mit prinzipiellen Gesichtspunkten verflochten wurden, und die daher im Münzbunde zu starken Meinungsverschiedenheiten führen mußte.

 

c) Die Münzunion nach dem Übergang zur Goldwährung

§ 6.  Die Liquidationsklausel

Schon während der Verhandlungen von 1878 hatte sich, wie oben erwähnt wurde, die Frage der Aufteilung zwischen den einzelnen Staaten in betreff der umlaufenden Münzen im Unionsgebiete nicht umgehen lassen [64].  Sie war hier im Anschluß an die Suspension der Silberausprägungen aufgeworfen worden und sollte nach französischem und belgischem Wunsche durch die Aufstellung einer Liquidationsklausel für den Münzbund gelöst werden.  Hauptsächlich wegen des italienischen Widerstandes kam man damals in dieser Frage zu keiner Entscheidung.

Als jedoch im Jahre 1885 eine neue Konferenz der Unionsstaaten in Paris zusammentrat, stand dies Problem im Vordergrund des Interesses [65].  Der Natur der Sache nach mußte hier irgendeine Form gefunden werden, unter der die Auseinandersetzung zwischen den einzelnen Staaten vor sich zu gehen hätte.  Das war durch die Reform des Münzbundes in den siebziger Jahren notwendig geworden.

Denn in einem Münzbunde, dessen Geldwesen allein auf vollgewichtigen Münzen aufgebaut war, dessen Münzbestand also je nach dem Bedarf des Zahlungsverkehrs durch Einschmelzung oder durch Neuprägung verkleinert oder vergrößert werden konnte, erübrigte sich zwar jegliche Regelung einer eventuellen Auflösung des Bundes.  Alle dem Staate etwa unbequemen Stücke konnten damals einfach vertilgt werden, ohne daß irgendwelche nennenswerte Verluste erlitten wurden.

Anders aber mußte es in einem Münzbunde stehen, dessen Geldwesen neben vollwertigen Stücken auch über Kurantmünzen verfügte, die nicht ihren vollen Nennwert besaßen, deren Ausprägung daher dem Staate vorbehalten sein mußte.  Hier mußte die Frage auftauchen, ob der einzelne Staat die Verpflichtung haben würde, auch für das Schicksal solcher unterwertigen Münzen einzutreten, die nicht in seinem Bereiche geprägt worden wären.  Kann es einem Staate zugemutet werden, so mußte man fragen, Münzen einer fremden Macht, die nur unter Verlusten ihrer Zahlungsmittelfunktion entkleidet werden können, ohne Entschädigung in sein Geldwesen aufzunehmen ?  Oder ist nicht vielmehr eine Verpflichtung des einzelnen Staates für das Schicksal solcher Münzen anderer Mächte, die in seinem Bereiche nur den Unionskassenkurs besitzen, aus dem gleichen Grunde abzulehnen, aus dem man eine Verantwortung des Staates für unterwertige staatliche Münzen, welche ein Privater herstellen lassen wollte, zurückweist ?  Es würde sich in beiden Fällen in die staatliche Ordnung des Geldwesens ein unsicherer Faktor von solcher Bedeutung einschleichen, daß jegliche anderweitige Politik des Staates auf dem Gebiete des Geldwesens dadurch lahmgelegt werden könnte.

Einmal besteht in einer Münzunion die Gefahr, daß die verschiedenen Staaten in ungleicher Weise von der Ausprägung solcher Münzen Gebrauch machen.  Die überflüssigen Münzen des Landes werden daher leicht in das verbundete Münzzirkulationsgebiet abfließen.  Das gleiche kann auch auf das Sinken der Wechselkurse des Nachbarlandes hin eintreten.  Die Barverfassung eines Staates kann so durch die Politik der Nachbarländer auf das schwerste gefährdet werden.

Doch kann man zur Zeit des Bestehens einer Münzunion stets hoffen, daß dieser Zustand nur eine vorübergehende Erscheinung darstellt.  Man kann auch versuchen, die überflussigen fremden Münzen wieder in ihr Heimatland zurückzusenden.  Von durchschlagender Bedeutung wird die Frage der Verantwortlichkeit eines Staates für unterwertige Geldstücke eines Münzverbundeten aber erst bei und nach Auflösung dieses Gemeinschaftsverhältnisses.

Wie sollte dann jedoch ein Staat plötzlich zur endgültigen Übernahme großer Bestände fremder unterwertiger Münzen verpflichtet werden, deren Herstellung er weder begünstigt noch gewunscht hat, deren Prägegewinn dagegen in die Tasche einer anderen Macht geflossen ist ?  Die staatliche Selbständigkeit auf dem Gebiete des Geldwesens könnte durch eine solche Verpflichtung auch nach Auflösung der Münzkonvention zum mindesten stark beschränkt werden.

Sie kann aber auch, wenn dem Staate die nötigen Machtmittel fehlen, ganz aufgehoben werden, indem durch das Vorherrschen der unterwertigen Geldstücke die vollwertigen Münzen ganz aus dem Umlaufe verschwinden.  Die Währung des Landes wird dann auf diesem Wege aus der Barverfassung in eine unterwertige »Notal«-Verfassung umgewandelt.

Stehen aber selbst dem Staate die nötigen Machtmittel zur Verfügung, um dies zu verhindern, so wird das nicht ohne große Opfer vor sich gehen können.  Man wird den Bestand an unterwertigen Münzen bis auf ein Minimum, das dem Zahlungsverkehr genügt, reduzieren und diese Stücke gegen vollgewichtige Münzen eintauschen müssen.  Die Kosten dieser Transaktion hat der Staat zu tragen.

Bedenkt man dazu noch, daß ihre Ursache allein in dem Vorgehen des früheren Münzverbundeten zu sehen ist, so läßt sich erst die ganze Tragweite einer Verpflichtung erkennen, durch die ein Staat die Verantwortung für unterwertige Münzen einer fremden Prägestätte übernehmen wollte.  Mit einer gesunden Staatspolitik muß eine solche Verpflichtung stets unvereinbar bleiben, die dem eigenen Staate nur Beschwerden auferlegt, während sie dem Kontrahenten sogar Gewinnmöglichkeiten erschließt.

Diese Tatsache zeigt die Notwendigkeit für eine Münzunion, sobald sich in ihrem Münzbestand unterwertige Geldstücke befinden, einen Modus zu suchen, nach dem bei Auflösung des Bundes diese Münzen auf die einzelnen Staaten verteilt werden.

Im Lateinischen Münzbund hatte man bei seiner Begründung nur mit den Scheidemünzen als unterwertigem Gelde zu rechnen.  Zwar waren die Goldstücke dem Silber gegenüber von geringerem Werte; doch waren sie bare Münzen, das heißt frei ausprägbar und einschmelzbar, deren geringer Wertverminderung sich die Wechselkurse angepaßt hatten.  Es genügte also, für die Scheidemünzen den Satz aufzustellen, daß die Staaten zur Auswechslung ihrer eigenen Scheidemünzen gegen Kurantstücke der Münzunion verpflichtet seien.

Als aber im folgenden Jahrzehnt durch die veränderte Lage auf dem Edelmetallmarkte und die darauf folgende anfängliche Kontingentierung der Silbermünzausprägung und ihre schließliche vollständige Einstellung das Silbergeld gegenüber dem Golde zu einer unterwertigen Kurantmünze geworden war, mußte dies eine Regelung der Auseinandersetzung in diesen Münzen zur Folge haben, wenn man sich nicht in den einzelnen Staaten für den Fall der Auflösung des Münzbundes schweren Gefahren aussetzen wollte, wie sie eben angedeutet wurden.  So war der Antrag auf Einführung einer Liquidationsklausel für den Münzbund gestellt worden [66].

Jedoch stieß dieser Plan anfangs auf heftigen Widerstand.  Augenscheinlich geschah dies aus praktischen Gründen von seiten der Staaten, die am meisten davon betroffen wurden.  Denn die Last der Silbermünzen, die man durch deren Auswanderung auf die Schultern der anderen Mächte abgewälzt glaubte, sollte damit zurück auf den Prägestaat geworfen werden.

Formell argumentierte man aber gegen die Einführung einer Liquidationsklausel mit mehr theoretischen Gründen, indem man erklärte, daß eine solche Maßnahme dem Wesen der Doppelwährung, auf der die Lateinische Münzunion beruhe, widerspräche [67].  Das Prinzip der Gleichstellung von goldenen und silbernen Kurantmünzen in der Union wurde dadurch durchbrochen werden.  Auch könnte man, nachdem der Unionsvertrag von 1865 die Freiheit der Silberprägungen ausgesprochen hätte, nicht später Münzprägungen, die gemäß dieser Bestimmung vorgenommen worden seien, mit einer formlichen Strafe belegen, indem man die Einlösung solcher Silbermünzen in Gold statuiere.  Denn das sei für den Prägestaat nur unter großen Verlusten durchführbar.

Alle diese Begründungen hatten, obwohl sie nach dem Buchstaben des Vertrages angesehen, entschiedene Berechtigung beanspruchen konnten, eine schwache Seite.  Sie waren nämlich durch den Gang der Ereignisse längst überholt und daher gegenstandslos geworden.  Man glaubte immer wieder versichern zu müssen, daß man im Münzbunde trotz der Einstellung von Silberausprägungen an der Doppelwährung festzuhalten gedenke.  Es handle sich hierbei nur um eine vorübergehende Maßnahme.

Tatsächlich liefen diese Erklärungen jedoch nur auf Wortstreitigkeiten darüber hinaus, was man unter dem Begriffe der Doppelwährung zu verstehen habe.  Der allgemeinen Terminologie gemäß wird hierbei aber als Charakteristikum die freie Ausprägbarkeit zweier Metalle zu Kurantmünzen angesehen.  Mit dem Augenblicke, in dem hier irgendeine Beschränkung eintritt, betrachtet man die Doppelwährung als aufgehoben.  Es ist der Übergang zur sog. monometallischen Währung vollzogen.  Das war der Vorgang, der sich während der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts im Lateinischen Münzbunde abgespielt hatte.

Dem Auge des flüchtigen Betrachters kaum wahrnehmbar, hatte sich dort so eine völlige Neuordnung der Grundlagen des Bundes herausgestellt.  Die Gleichstellung der goldenen und silbernen Kurantmünzen war längst aufgegeben worden.  An dieser Tatsache konnte durch die Aufstellung einer Liquidationsklausel nichts geändert werden.  Sie ließ diesen Vorgang nur äußerlich mit Deutlichkeit zutage treten.

Die Vorschriften dieser Klausel wurden im Jahre 1885 in Artikel 14 eines neuen unter dem 6. November in Paris abgeschlossenen internationalen Münzvertrages und in einer besonderen Ausführungsvereinbarung hierzu niedergelegt [68].

Die Vertragsstaaten verpflichteten sich hiernach, im Falle der Kündigung des Münzvertrages alle silbernen 5-Fr.-Stücke ihres eigenen Gepräges von den anderen Staaten, in deren Umlauf sie sich befinden würden, zurückzunehmen und sie nach ihrem Nennwerte zu bezahlen.  Diese Vergütung sollte in Goldstücken, in Silbermünzen des Austauschstaates oder in Wechseln zu erfolgen haben.

Um aber speziellen Schwierigkeiten, die diese allgemeine Bestimmung einzelnen Staaten auferlegen mußte, aus dem Wege zu gehen, wurden durch besondere Vorschriften einzelnen Mächten Erleichterungen zugesagt.  Es wurden insbesondere den Liquidationsverpflichtungen einzelner Staaten Höchstgrenzen gesetzt, bis zu denen sie nur ihre Silbermünzen auszutauschen hätten [69].

Man war also sichtbar bemüht gewesen, auch den Gegnern einer Auflösungsvorschrift entgegen zu kommen.  Mochten diese anfangs auch von der interimistischen Natur dieses Zustandes überzeugt gewesen sein, der die Liquidationsklausel herbeiführte, so war doch immerhin für die Dauer dieser Situation der Boden der Doppelwährung verlassen worden.  Dies zog als bloße Konsequenz die Einführung einer Liquidationsklausel nach sich, genau so wie man im Jahre 1865 eine Bestimmung über die gegenseitige Auswechslung der Scheidemünzen hatte in den Vertrag aufnehmen müssen.

Der Tatsache des Überganges zur Goldwährung wurde durch diese Maßnahme lediglich ihre rechtliche Bestätigung erteilt und daraus die letzte praktische Konsequenz gezogen.  Der Lateinische Münzbund war damit endgültig neben den anderen europäischen Großmächten zum führenden Währungssystem der heutigen Kulturwelt übergegangen.

 

§ 7.  Das Schicksal der Scheidemünzen

Die nächsten Jahrzehnte, die auf die Einführung der Liquidationsklausel folgten, haben dem Wesen der Lateinischen Münzunion keine prinzipiellen Änderungen gebracht.  Die Goldwährung blieb bei der Fortdauer der Silberentwertung bestehen und verhütete eine Entwertung der Wechselkurse gegenüber den ökonomisch-führenden Mächten wie England, Deutschland und Amerika.

Dennoch konnte aber in dem Geldwesen der Unionsstaaten keine völlige Ordnung eintreten.  Dies lag hauptsächlich an dem Anhalten, zum Teil auch an dem Neuauftreten von Papiergelderscheinungen in einigen Staaten des Münzbundes, wie dies in Griechenland seit langen Jahren der Fall war und wie sie in Italien bald nach der Geldreform der achtziger Jahre wieder zum Durchbruch kamen.  Als Folge dessen wurde bald nach älter Erfahrung das kommonetäre Agio ausgelöst, das besonders auf die Kleingeldzirkulation störende Wirkungen ausübte.

So wurde die Aufmerksamkeit der Münzunion in der Hauptsache auf die Scheidemünzen und auf ihre Zirkulation im Unionsgebiet gelenkt.  Immer wieder machten sich hier neue Schwierigkeiten geltend, denen durch besondere Maßnahmen abgeholfen werden mußte.

Auch zeigt eine nähere Untersuchung der Dinge, daß die Stellung der Scheidemünze im Münzbunde keineswegs eine so durchaus klare ist, wie man a priori annehmen könnte.  Denn für den Zweck der Münzunion können diese Münzen höchstens subsidiäre Bedeutung erlangen.

Man wollte mit Hilfe des Bundes eine Erleichterung des zwischenstaatlichen Zahlungsverkehrs durch Stabilisierung der Wechselkurse erreichen.  Hierauf können aber die Scheidemünzen von gar keinem Einfluß sein.  Nur die Beschaffenheit des Kurantgeldes, hauptsächlich des definitiven Kurantgeldes als des Geldes, das der Staat bei seinen Zahlungen letztlich dem Verkehr aufdrängt [70], kann hier Bedeutung erlangen.

Die Scheidemünze ist aber ihrer Natur nach ein einlösbares Geld mit beschränkter Zahlungskraft im privaten Handel, das seine Bestimmung im lokalen Zahlungsverkehr findet.  Lediglich aus dem Bedürfnisse der Tauschwirtschaft nach einem auch für die kleinsten Geschäftsabschlüsse geeigneten Zahlungsmittel leitet sie ihre Berechtigung her.  Mit den intervalutarischen Wirtschaftsbeziehungen verschiedener Staaten steht diese Funktion aber in gar keiner Verbindung.  Die Scheidemünze ist eine untergeordnete Geldsorte, die nur durch ihr Zurücktreten hinter das Kurantgeld störungslos im Verkehre umlaufen kann.

Nun ist ihre Einlösung außerhalb des Prägestaates in der Münzunion aber sehr beschränkt.  Sobald daher dieser Umstand praktische Bedeutung erlangt, sind die Scheidemünzen außerstande, eine kursstabilisierende Wirkung auszuüben.  Denn allein dem Golde hat die Gesetzgebung einen festen Preis verschafft.

Trotz solcher prinzipieller Mangel in der Stellung des Scheidegeldes in der Münzunion haben jedoch diese Münzen für die Geschichte des Bundes besondere Bedeutung erlangt.  Denn sie sind zunächst in den sechziger Jahren der äußere Anlaß zum Abschluß der Münzkonvention geworden, als man in den romanischen Staaten auf das Anziehen des Silberpreises hin die kleingestückelten Silbermünzen unter Zugrundelegung verschiedener Feinheiten in Scheidegeld umzuwandeln begann [71].  In der Hauptsache aus diesem Momente wird die Einbeziehung der Scheidemünzen in den Münzbund zu erklären sein, wozu damals vielleicht noch das Streben trat, das Geldwesen der jungen Union auf eine möglichst breite Basis zu stellen [72].

Dann hat das Scheidegeld auch in der späteren Entwicklung des Bundes oft die Aufmerksamkeit auf sich gezogen.  Hier machte sich deutlich der Mangel eines Zusammenhanges zwischen dem Wesen der Union und der Natur der Scheidemünzen bemerkbar.  Der Kassenkurs dieser Stücke schuf viel Unbequemlichkeiten und machte das Scheidegeld gleichsam zum Gradmesser aller Wirren im Münzbunde.  Denn infolge ihres geringen Metallgehaltes waren diese Münzen, wie oben gezeigt wurde, am meisten befähigt, als Objekte des kommonetären Agios zu fungieren.  Dadurch war bei ihnen die Konkurrenz einer anderen Form des Aufgeldes, des inneren Agios, ausgeschlossen, welches im übrigen bei größeren Kursschwankungen zum mindesten die gleichen Gewinnmöglichkeiten wie das kommonetäre Agio hätte darbieten können.

Die häufigen Agioerscheinungen führten dauernde Wanderungen der Scheidemünzen herbei.  Man hatte sich anfangs gegen den Abfluß der Münzen durch die Heimsendung der Stücke in ihr Prägeland zu schützen gesucht [73].  Als dies jedoch infolge des sofortigen Rückflusses der Münzen fruchtlos geblieben war, hatte man einmal im Jahre 1878 zur schon erwähnten Nationalisierung der italienischen Scheidemünzen gegriffen, das heißt, man hatte die Rücksendung der Münzen mit einer Entziehung ihres Kassenkurses in den anderen Staaten der Münzunion verbunden.  Nach wenigen Jahren wurde diese Maßnahme jedoch wieder aufgehoben, um aber schon im Jahre 1893 wieder endgültig zur Einführung zu gelangen [74].  1908 folgte dann Griechenland diesem italienischen Beispiele [75].

Diese Vorgänge sind die Anfänge einer Entwicklung, die für das Schicksal der Münzunion nach dem Weltkriege größere Bedeutung erlangen sollte.  Man kann diesen Vorgang als den Eliminierungsprozeß der Scheidemünzen aus der lateinischen Münzunion bezeichnen.

Zugleich mit diesen Vorgängen geht aber eine andere Entwicklungslinie einher, die jedoch von weit geringerer Bedeutung ist.  Sie ist ganz unabhängig von dem Bestehen der Münzkonvention und hat ihre Ursachen allein in anderen wirtschaftlichen Momenten.  Das ist die Vergrößerung des Scheidegeldbestandes in der Münzunion.  Während man im Jahre 1865 ein Kontingent von 6 Fr. pro Kopf der Bevölkerung als das Maximum aufgestellt hatte, war dies im Jahre 1908 bereits auf 16 Fr. angewachsen [76].

Die Verringerung der Zirkulation an 5-Fr.-Stücken wird auf diese Zunahme des Scheidgeldbedarfes nicht ohne Einfluß gewesen sein.  Daneben zeigen sich hier aber die Folgen der zunehmenden Intensivierung des Wirtschaftslebens [77].

Diese beiden Momente, erhöhter Mengenbedarf und Nationalisierung, sind für das Schicksal des Scheidegeldes in der Münzunion richtunggebend geworden.  Solche Entwicklung hat dem Schicksal der Münzunion in den letzten Jahrzehnten ihren Stempel aufgedrückt.  Die Konferenzen des Lateinischen Münzbundes von 1885 bis zum Ausbruch des Weltkrieges sind fast nur der Ordnung des Scheidegeldwesens gewidmet gewesen.

Das ist ein deutliches Zeichen für den Fortbestand der schwierigen Stellung dieser Geldsorten in der Münzunion, die sich geltend macht selbst in einer Zeit, welche von schweren Unruhen anderer Art verschont geblieben ist.

d) Nutzen und Schaden des Münzbundes bis zum Kriege

§ 8.

Das Hervortreten allein der Ordnung des Scheidegeldwesens im Lateinischen Münzbunde darf bei einem Rückblick auf die Geschichte der Union bis zum Jahre 1914 nicht außer acht gelassen werden.  Diese Tatsache zeigt, daß von den weitgehenden Plänen, welche die Begründer des Bundes bewegten, im Laufe der Zeit nach vielen Kämpfen und Schwierigkeiten recht wenig übrig geblieben war [78].

Es war nicht nur jede Expansionspolitik eingeschlafen, sondern auch die Ordnung des Zahlungsverkehrs im Territorium der Münzunion immer wieder von Zwischenfällen heimgesucht worden, welche das Eingreifen der beteiligten Mächte erförderlich machten.  Ein positiver Nutzen für die Währungen der einzelnen Staaten aus der Münzunion wäre wohl schwer zu konstruieren gewesen.  Immer mehr war von den Grundmauern des Vertrages von 1865 abgebröckelt.

War es ein Wunder, daß man unter solchen Verhältnissen in vielen Kreisen immer wieder an das baldige Ende der Lateinischen Münzunion glaubte ? [79]  Die tatsächliche Gestaltung der Dinge widerlegt aber solche Prophezeiungen.

Wenn man diese Tatsache auf den allen Schattenseiten gegenüberstehenden Nutzen des Münzbundes zurückzuführen sich bemüht, kann man jedoch leicht in einige Schwierigkeiten geraten.  Es scheint G. F. Knapp recht zu behalten, der ironisch meint [80], der Nutzen einer Münzunion erschöpfe sich in einer Erleichterung des Reiseverkehrs zwischen seinen Bundesstaaten.

Doch erkennt der Betrachter bei näherem Zusehen die Unzulässigkeit einer solchen wegwerfenden Geste.  Sehen wir davon ab, daß zunächst dieser Satz nur sehr beschränkte Richtigkeit hat.  Oft war in der Geschichte des Münzbundes durch den Mangel einer gemeinsamen Münzzirkulation als Folge starker Valutenentwertung auch eine Erleichterung des Reiseverkehrs unterbunden worden.  Dann wird aber vor allem durch diese Bemerkung in keiner Beziehung eine Erklärung für die starke Lebenskraft der Münzunion gegeben.

Die Wurzel dieses Umstandes ist auf einem ganz anderen Gebiete zu suchen.  Momente, die außerhalb der Sphäre des Geldwesens wirksam sind, gewinnen hier Bedeutung.  Vor allem spielt die überragende Position, welche sich Frankreich vermöge seiner Großmachtstellung im Münzbunde zu verschaffen und alle Zeit zu wahren gewußt hat, hier eine große Rolle [81].  Dies Übergewicht hat der wirtschaftlichen und politischen Situation Frankreichs und seiner Politik stets hervorragenden Einfluß auf die Schicksale des Lateinischen Münzbundes verschafft.  So ist auch Frankreichs allezeit getätigtes Interesse [82] an einer Erhaltung der Union latine als ein Hauptfaktor für die starke Lebenskraft des Münzbundes zu betrachten.

Aus dem französischen Streben nach Fortbestand der Union erwuchs aber auch den anderen Staaten ein Moment, das in der gleichen Richtung gewirkt hat.  Ihnen war ein gewisser politischer Schutz auf Grund der französischen Machtstellung gegeben.  Hiermit war aber zugleich auch ein wirtschaftlicher Schutz verbunden.  Denn mit Rücksicht auf sein eigenes Geldwesen mußte Frankreich ein Interesse an der Ordnung des Wirtschaftslebens in den anderen Staaten der Münzunion haben.  So konnten sie auf Frankreichs Hilfe rechnen.  Auf diese Weise wurde Frankreich zu einer Zentrale des Kreditverkehrs der kleineren Münzunionsstaaten.  Ihnen war der Zugang zum französischen Kapitalmarkte sehr erleichtert worden.

Alle diese Momente waren aber den einzelnen Staaten von sehr großem Werte und haben daher die Lebenskraft der Münzunion stark unterstutzt.  Die französische Vormachtstellung barg allerdings neben ihren Vorzügen auch zugleich die Gefahr in sich, daß man sich in den anderen Staaten durch den Austritt aus dem Münzbunde die politische Gegnerschaft Frankreichs zuziehen konnte [83].  Dieser Umstand hatte aber wieder eine verstärkte Widerstandskraft des Bundes gegen alle inneren und äußeren Wirren zur Folge.

So hat das Übergewicht eines Staates im Münzbunde, bis zum Kriege stets die französische Vormacht, zu einer Kompensierung vieler Schwächen der Union verholfen und dem lateinischen Münzbunde jene Lebenszähigkeit gegeben, mit der er bis zum Jahre 1914 alle ihn erregenden Stürme zu überwinden vermochte.

 

II. Kapitel

Der Lateinische Münzbund seit dem Kriege

§ 9.  Die großen Entwicklungslinien seit Kriegsausbruch

Der Ausbruch des Weltkrieges hat wie für jedes wirtschaftliche Gebilde so auch für den Lateinischen Münzbund die schwerwiegendsten Folgen nach sich gezogen.  Es war dies für den Bund insofern ein Ereignis von besonderer Bedeutung, als durch den Krieg gleichzeitig alle seine Glieder in starkem Maße direkt betroffen wurden.

So stellt die Entwicklung der Münzunion während des Krieges bis zum Jahre 1922 in seiner Geschichte eine geschlossene Periode dar.  Wenn auch selbstverständlich die Verknüpfung mit den früheren Schicksalen des Münzbundes zu erkennen ist und die Auswirkungen der Kriegsjahre sich noch auf künftige Zeiten erstrecken werden, so zeigen doch die Schicksale des Münzbundes in den Jahren 1914-1922 ganz besondere Eigentümlichkeiten, durch welche dem Betrachter das Bild einer geschlossenen Entwicklungslinie vor Augen geführt wird.

Im einzelnen lassen sich die Geschicke des Münzbundes seit dem Kriege in verschiedene Perioden zerlegen.  Allerdings haben sich dort mehrere Entwicklungstendenzen geltend gemacht, die verschiedenen Ursprungs sind, daher zum Teil nebeneinander herlaufen und eine einfache chronologische Klassifikation erschweren.  Da aber die Charakteristika dieser verschiedenen Linien zeitlich auseinander liegen, soll hier an der zeitlichen Aufeinanderfolge des Geschehens in der Darstellung festgehalten werden.

Die erste Tendenz ist gekennzeichnet durch die Abhängigkeit der Schicksale der Lateinischen Münzunion von dem Wohl oder Wehe der Staaten, die sich zum Münzbunde zusammengefunden haben.  Sie zeigte ihre Wirkungen schon bald nach Kriegsbeginn und wird daher im ersten Abschnitte der Darstellung von den Geschicken des Münzbundes klarzulegen sein.

Die andere Entwicklungslinie dagegen gibt der Tatsache Ausdrück, daß die Münze, nämlich in ihrer Eigenschaft als Ware, auch von überstaatlichen Momenten her direkter Beeinflussung unterliegen kann.  Dies soll in einem zweiten Abschnitte der Darstellung geschildert werden.

Zuletzt muß ein Bild der Konsequenzen entworfen werden, die man aus der Gestaltung der Lage seit dem Kriege in der Münzunion auf den jüngsten Konferenzen gezogen hat.  Erst hierdurch wird die Entwicklung des Bundes seit dem Kriege vollendet und zugleich die Union zu dem gestaltet, als was sie sich heute der Welt darstellt.

a) Der Münzbund unter dem Einfluß der einzelstaatlichen Wirtschaftslagen

§ 10.  Die französische Vormachtstellung

Sofort bei Kriegsausbruch erhielt das Geldwesen fast aller Staaten des Lateinischen Münzbundes ein ganz neues Aussehen.  Die kriegführenden Staaten mußten sich jetzt plötzlich vor allen Dingen die Finanzierung des Kampfes angelegen sein lassen und die Neutralen durften nicht hoffen, von den Auswirkungen eines Krieges, der die ganze Welt umspannte, unberührt zu bleiben.  Die Ungewißheit der Zukunft zwang zu sofortiger Tat.

Unter diesen Umständen wurde in allen Staaten gleich in den ersten Augusttagen des Jahres 1914 der Boden der Goldwährung verlassen, die Metalleinlösungspflicht der Zentralnotenbanken suspendiert und zur Papierwährung übergegangen [84].  Lediglich Italien und Griechenland blieben von dieser Neuerung verschont, da das Papiergeld in ihren Territorien schon längst mit Zwangskurs ausgestattet war.

Durch diese Maßnahmen wurde aber eine Entwicklung möglich gemacht, die mehr noch als die Vorkriegszeit die Abhängigkeit der Geschicke des Lateinischen Münzbundes von dem Ergehen seiner einzelnen Mitgliedsstaaten zeigen sollte.  Die Folgen der allgemeinen Papierwirtschaft, nämlich die Loslösung der Kursschwankungen von den sie begrenzenden Goldpunkten, ließen bald starke Unterschiede in der Lage der verschiedenen Staaten zutage treten.

Es bildeten sich unter dem Einfluß dieses Moments zwei Perioden heraus, deren Wendepunkt sich im ersten Quartal des Jahres 1915 befindet.  Anfangs drückte die erste Epoche dem Schicksal der Münzunion vollkommen ihren Stempel auf.  Ganz deutlich tritt dem Beschauer sofort das Charakteristikum dieser Zeit entgegen.

Frankreich, das seit jeher über eine stark aktive Zahlungsbilanz verfügt hatte, wurde vorerst von der veränderten Lage am wenigsten beruhrt.  Seine Zentralnotenbank hatte in langen Friedensjahren einen großen Edelmetallschatz angesammelt und ging mit einem Goldbestand von mehr als 4 Milliarden Fr. in den Krieg [85].  Die französische Wechselkursgestaltung zeigte einen durchaus gunstigen Verlauf, ganz im Gegensatz zu der Entwicklung in den übrigen Staaten [86].

Hier war die Wirtschaftslage von Anfang an gemäß den naturlichen ökonomischen Kräften dieser Länder der französischen diametral entgegengesetzt.  Besonders kritisch war die Situation für die Schweiz geworden, die als Kleinstaat, der aber stark in die Weltwirtschaft verflochten war, unter der Störung jedes Handels- und Reiseverkehrs stark leiden mußte.  So brachte der Kriegsausbruch sofort eine Verschlechterung der schweizerischen Valuta, besonders Frankreich gegenüber, mit sich.

Ebenso lagen die Dinge in Italien und Griechenland.  Der Kriegsausbruch hatte hier Wirtschaftsgebilde getroffen, die schon in ruhigen Zeiten weltwirtschaftlicher Entwicklung von mancherlei Wirren heimgesucht worden waren.  Sie verfügten in ihrem Geldumlauf schon seit geraumer Zeit über Papierwirtschaft.  Trotzdem hatte sich Italien aber seit einer Reihe von Jahren verhältnismäßig stabiler Wechselkurse und daher gesunder Währungsverhältnisse erfreut [87].  Auch Griechenlands Drachme notierte seit einiger Zeit im Gegensatz zu den anderen Balkanstaaten al pari [88].

Durch den Kriegsausbruch wurden beide aber alsbald tiefer in die Papierwirtschaft verstrickt.  Einesteils bewirkte dies der plötzliche Zurückzug der französischen Kapitalien aus allen seinen Schuldnerländern [89], zum anderen der erhöhte Staatsbedarf dieser Länder angesichts der drohenden Gefahren der Zukunft.  Schließlich gewannen auch die gleichen Momente wie in der Schweiz hier Bedeutung.  Die Stabilität der italienischen und griechischen Wechselkurse erhielt hierdurch aber einen vernichtenden Stoß.

Zugleich mit diesen Folgen der Ausbreitung des Papiergeldes in der Lateinischen Münzunion machten andere Auswirkungen dieser Vorgänge sich störend für den Zahlungsverkehr im Inneren der einzelnen Mächte geltend.  Gerade diese Erscheinungen lassen durch ihre Eigenart die Starke des Gegensatzes zwischen Frankreich auf der einen und den übrigen Gliedern der Münzunion auf der anderen Seite ganz deutlich hervortreten, wie er eben nach der Lage des allgemeinen Wirtschaftslebens und im besonderen des Geldwesens der einzelnen Unionsstaaten geschildert worden ist.

Zugleich mit der Einstellung der Noteneinlösung bemühten sich nämlich die Zentralnotenbanken, die im Verkehr umlaufenden Goldmünzen in ihre Kassen zu ziehen, um dadurch für ihre Notenemission eine möglichst große Goldbasis zu schaffen.  Sofort machte sich aber gegen dieses Vorgehen eine Reaktion geltend, indem eine starke Thesaurierung der Münzen einsetzte [90].  Selbst die Scheidemünzen verschwanden aus dem Umlaufe.

Es mußte infolgedessen gleich zu einer starken Emission neuer Noten geschritten werden, um dem Verkehrsbedürfnis gerecht werden zu können.  Man suchte sich gegen das Verschwinden der Münzen in den Taschen des Publikums dadurch zu wehren, daß man eine lebhafte Propaganda für die Ablieferung der Stücke im nationalen Interesse an die Zentralnotenbank trieb [91].  In der Schweiz ging man auf andere Weise vor, indem man eine Beschränkung der Auszahlungen von Bargeldem durch die Banken herbeiführte [92].  Durch Mangel an Zirkulationsmitteln hoffte man die Münzen wieder in den Verkehr ziehen zu können.  Trotzdem blieb jedoch die Zirkulation für das erste von Münzen fast ganz frei [93].

Ebenso erging es den anderen Staaten, besonders auch Frankreich, das durch die Höhe seines Wechselkursstandes gar keinen Anreiz zur Münzthesaurierung zu geben schien.  Denn dadurch war hier das Inkrafttreten des inneren Agios als Motiv zur Münzhamsterung bei den Geldstücken ausgeschlossen worden.  Trotzdem hat aber gerade in Frankreich und Belgien die Thesaurierungswut der Bevölkerung unter dem Eindrücke der ersten deutschen Waffenerfolge die größten Blüten getrieben.  Sogar Banknoten der Bank von Frankreich wurden gehamstert [94].  Man mußte daher dem sich stark bemerkbar machenden Kleingeldmangel neben der Emission von Banknoten durch die Ausgabe von Handelskammerscheinen abzuhelfen suchen [95].  Diese wurden bald in solchen Mengen emittiert, daß sie nun den Zahlungsverkehr anfüllten.

Zwar war diese geschilderte Thesaurierungswut in Frankreich wie in den anderen Staaten ihrer Natur nach eine Panikerscheinung.  Sie mußte ihre Wirkung bald verlieren, wenn sich nicht andere Momente Geltung verschaffen konnten.  Das beweist der Umstand, daß gleich, nachdem in Frankreich die Gefahr einer raschen französischen Niederlage gewichen war, sich hier wieder eine ruhigere Betrachtung der Dinge geltend machte.  Die Banknotenthesaurierung erlahmte, kleinere Münzen zeigten sich hier und da wieder im Verkehre.

Doch werfen diese Vorgänge durch eine vergleichende Betrachtung beider geschilderten Entwicklungsreihen, nämlich des Schicksales der Metallzirkulation [96] und der Valutenkurse in den einzeinen Staaten der Münzunion, ein grelles Schlaglicht auf die Größe der Kluft in der wirtschaftlichen Lage zwischen den einzelnen Mächten, wie sie in der ersten Kriegszeit für das Geschick der Münzunion bestimmend war.  Trotz der Unordnung seines inneren Zahlungsverkehres zeigte das französische Geldwesen nach außen hin ein blühendes Antlitz, während der beginnende Krankheitsprozeß im Zahlungswesen der anderen Staaten hierdurch eine besondere Beförderung erfuhr.

In Belgien allerdings kamen diese Faktoren nicht mehr zum Durchbruch, da durch das rasche Vordringen der deutschen Truppen seine Beziehungen zum Münzbunde gelöst worden waren.  Zwar behielten die Münzen der Union nach wie vor Kurs im besetzten Gebiete.  Die belgische Währung war aber in Abhängigkeit von der deutschen geraten.  Der belgischen Nationalbank, die sich den deutschen Anordnungen nicht fügen wollte, wurde das Notenprivileg genommen und der Société générale übertragen, die es unter Aufsicht eines deutschen Kommissars ausübte [97].  Deutsches Geld wurde zur Deckung der belgischen Noten verwandt [98].  Was von den Beständen der Unionsmünzen noch nicht durch Thesaurierung aus dem Umlaufe verschwunden war, floß nun bald infolge der Entwertung der deutschen Valuta [99] nach Frankreich ab.

Aber auch hier konnten diese Stücke sich ebensowenig wie die frühere französische Münzzirkulation dauernd im Verkehr halten.  Obgleich die erste Panik bald ihre Wirkung verloren hatte und trotz des hohen Wechselkursstandes – das Agio des französischen Franken war allerdings allmählich herabgesunken – verhinderte die Menge der emittierten Noten die Wiederherstellung einer geregelten Münzzirkulation.  In den anderen Staaten der Union sorgte daneben noch besonders die Entwertung ihrer Valuten dafür, daß die Münzen sich in ihren Verstecken verborgen hielten.

So blieb denn für das erste eine Münzzirkulation aus dem ganzen Gebiet der Münzunion verschwunden.  Damit war der Sinn der Konvention, der einen gemeinsamen Münzumlauf bezweckte, vollständig illusorisch geworden.  Trotzdem ergaben sich aus der Tatsache des bloßen Fortbestehens des Vertragsverhältnisses zwischen den Unionsstaaten verbunden mit ihrer Wirtschaftslage, wie sie für die erste Periode als charakteristisch geschildert wurde, bald praktische Konsequenzen.  Allerdings blieben diese auf das Verhältnis Frankreichs und der Schweiz zueinander beschränkt.  Denn nur in ihrem Bereich befanden sich noch in nennenswertem Umfange Münzen mit überstaatlichem Kassenkurse.

Hier machte sich nun infolge der Wechselkursdifferenz zwischen beiden Mächten, nachdem die Bestürzung der ersten Kriegstage vom Publikum gewichen war, bald eine Münzwanderung bemerkbar.  Es kamen die Geldstücke der Union in der Schweiz aus ihren Verstecken hervor, um an der Grenze in französische Zahlungsmittel eingetauscht zu werden [100].

Es begann sich an der Grenze ein lebhafter Geschaftsverkehr der Art anzuspinnen, daß die Münzen aus der Schweiz nach Frankreich exportiert, dort in französische Noten eingetauscht wurden, die man dann an der Börse gegen schweizerische Noten verkaufte.  Da die französische Währung gegenüber dem schweizerischen Gelde höher im Kurse stand [101], konnte man, obgleich die Münzen in jedem Lande den gleichen Nennwert besaßen, für die französischen Noten einen höheren Nennbetrag schweizerischer Zahlungsmittel erlangen.  Durch den Verkauf der französischen Noten, die man durch Eintausch gegen Unionsmünzen erhalten hatte, gegen schweizerisches Geld konnte man dann diese Kursdifferenz zwischen beiden Valuten als Gewinn realisieren.  Hier spielte sich der Vorgang ab, der sich seit den ersten Jahren des Bestehens der Münzunion immer wieder geltend gemacht hatte.  Durch die Wechselkursdifferenz war die Grundlage für das kommonetäre Agio geschaffen worden und als Folge dessen war die schweizerische Münzaustreibung in das französische Gebiet eingetreten.

In Frankreich verschwanden die Münzen aber sofort wieder aus dem Umlauf.  Man sah auf schweizerischer Seite nur sehr ungern eine Schwächung des heimischen Metallbestandes vor sich gehen.  Das erhellt aus einem Rundschreiben der schweizerischen Nationalbank vom 12. Januar 1915 [102], nach dem alle Banken und Handelshäuser aufgefordert wurden, diesem Ausfuhrhandel keine Hilfe angedeihen zu lassen, vielmehr alles verfügbare Metall der Zentralnotenbank zu überweisen.  Vom schweizerischen Finanzdepartement wurde dieser Mahnung noch die Drohung beigefügt, daß man im Falle der Erfolglosigkeit dieses Schreibens sich gezwungen sehen würde, mit den schärfsten Mitteln gegen diesen »die Interessen des Landes schädigenden Verkehr« vorzugehen.

Allein als der Hochstand der französischen Valuta anhielt und sogar um die Jahreswende 1914/15 sowie in den beiden folgenden Monaten besonders den Staaten der Münzunion gegenüber eine Höhe wie in den ersten Kriegstagen annahm [103], da war die Münzspekulation nicht im geringsten gewillt von ihren leichten Gewinnmöglichkeiten abzulassen.

So sah sich dann die schweizerische Regierung gezwungen, am 13. März 1915 ein Gesetz zu erlassen, nach dem der Agiohandel mit Gold- und Silbermünzen der Lateinischen Münzunion verboten und mit Strafe belegt wurde [104].

Praktisch ist diese Maßnahme jedoch nicht mehr in Wirksamkeit getreten, da die Entwicklung der wirtschaftlichen Lage ein solches Vorgehen überflussig werden ließ.  Mit dem Beginn des Monats März hatte nämlich die geschilderte Entwicklung im Jahre 1915, die Frankreich im Besitze eines gesunden Geldwesens im Gegensatz zu der Schweiz, Italien und Griechenland zeigte, ihren Höhepunkt erreicht.  Damit trat aber zugleich auch ein Wendepunkt in dem wirtschaftlichen Schicksal Frankreichs ein.

Das konnte wiederum für die Geschicke der gesamten Münzunion nicht ohne Folgen bleiben.  Für die Betrachtung des Münzbundes unter dem alleinigen Gesichtswinkel der Einflußnahme der wirtschaftlichen Entwicklung in den einzelnen Staaten auf das Unionsgeldwesen bricht daher hier eine neue Epoche an.  Diese war zunächst für das Schicksal des Lateinischen Münzbundes überhaupt bestimmend, da die Entwicklung der Union in den ersten Kriegsjahren allein unter den Auswirkungen der Wirtschaftslage in den einzelnen Staaten stand.

§ 11.  Der Neutralen Sieg

Der Beginn der zweiten Epoche für die Geschicke des Lateinischen Münzbundes ist durch die Tatsache gekennzeichnet, daß sich gegen Ende Februar des Jahres 1915 allmählich ein Disagio der französischen Valuta gegenüber New York und London herausbildete [105].  Zwar handelte es sich zunächst nur um einen geringen Entwertungsprozentsatz, dem außerdem in den Staaten der Münzunion noch ein Agio des französischen Franken gegenüber stand.  Im Laufe der beiden nächsten Monate war aber der Niedergang der französischen Valutenkurve schon so weit fortgeschritten, daß auch der schweizerische Franken in Frankreich ein Agio erzielte, dem sich später die griechische Devise hinzugesellte.

Man versuchte die Wiederherstellung der schwindenden Stabilität der französischen Valuta durch Abgabe von Gold an das Ausland.  Wiederholt gingen seit Beginn des Jahres 1915 einige Millionen Gold nach London oder New York [106].  Bald zeigte aber die Wechselkursgestaltung eine so stark fallende Tendenz, daß eine Regulierung des Kurses nur durch Abgabe weit größerer Metallmengen hätte erreicht werden können.  Dem wollte man aber den Barbestand der Bank von Frankreich nicht aussetzen.

Man suchte sich daher durch die Aufnahme auswärtiger Kredite zum Zwecke der Stabilisierung des französischen Kurses zu helfen.  Auf dies Mittel hat man in der Folgezeit oft zurückgreifen müssen.  Amerika und England fanden sich immer wieder bereit, der französischen Valuta stützend unter die Arme zu greifen.  Stets mußte aber auch hier diesem Wege durch die Größe des Barbestandes der Bank von Frankreich eine feste Grenze gesetzt sein.  Denn auch Valutakredite waren nur auf der Grundlage von Goldexporten nach London oder New York zu erlangen.

Doch waren alle diese Bemühungen nicht imstande, den Sturz der französischen Valuta auf die Dauer aufzuhalten.  Zum ersten Male seit dem Bestehen des Münzbundes – abgesehen vielleicht von der Papierwirtschaft der siebziger Jahre, die aber kaum Wunden reißen konnte – geriet das französische Geldwesen allmählich in eine bedrängte Lage.

Vermöge seiner inneren Stärke war es bisher stets die Stütze der Union, der ruhende Pol gewesen, dem die Fluent der Erscheinungen im Bunde am wenigsten Schaden zufügen konnte, eine Tatsache, die noch in der ersten Kriegszeit auf das deutlichste sichtbar geworden war.  Dies Übergewicht Frankreichs im Münzbunde war geradezu das Charakteristikum der Lateinischen Münzunion gewesen, ohne welche ihre geschichtliche Entwicklung unverständlich bleiben muß.

So oft Stimmen laut wurden, die eine Auflösung des Bundes forderten, erwuchsen ihnen von Frankreich aus die stärksten Widersacher.  Der Gedanke des internationalen Geldes fand hier seine eifrigsten Verteidiger.  Das geschah trotz all der unerwünschten Folgen, die der Münzbund für die einzelnen Staaten nach sich gezogen hatte.  Das muß zu dem Schluß führen, daß nicht allein rein akademischer Idealismus, sondern vor allem das ureigenste französische Interesse das Motiv solcher Sprache gewesen ist.

Nicht nur, daß Frankreich in seiner überragenden territorialen Größe und in der Kraft seiner Wirtschaft eine Mauer besaß, an der allen Sturmen, die den Münzbund bewegten, Einhalt geboten wurde.  Man brauchte weder zu befürchten, daß die heimischen Zahlungsmittel ins Ausland abflossen, davor schutzte die Stabilität der Wechselkurse, noch konnte ein Zustrom fremder Münzen aus den kleineren Staaten ernsthaft dem weiten französischen Territorium gefährlich werden.

Dann war man aber auch durch den Münzbund in den Besitz gewisser Vorteile gelangt, deren man in Frankreich nur ungern entbehrt hätte.  Zunächst war man durch ihn in den Stand gesetzt worden, auf die übrigen Glieder der Konvention in mancher Hinsicht, auch politisch, Einfluß zu gewinnen [107].  Schon die Gefahr, bei Austritt aus der Münzunion von Frankreich größere Mengen Silbermünzen mit eigenem Gepräge zur Einlosung präsentiert zu bekommen, oder die Erwägung, sich durch den Austritt den Zugang zum französischen Kapitalmarkt zu versperren, vielleicht sich Frankreich zum politischen Gegner zu machen, mußte diese Staaten gefügig machen.

Außerdem konnte es aber auch der Bank von Frankreich nicht unwesentlich sein, einen recht beträchtlichen Teil des internationalen Zahlungsverkehrs dieser Länder bei sich konzentriert zu sehen [108].  Das waren alles Momente, welche als Folge des französischen Übergewichts im Münzbunde auf seine Stellungnahme diesem gegenüber nicht ohne Einfluß bleiben konnten.

Mit dem zweiten Quartal im Jahre 1915 als dem Anbruch der neuen Periode der Entwicklung des Lateinischen Münzbundes seit dem Kriege sollte diese Situation nun aber plötzlich zum ersten Male seit dem Bestehen der Münzunion eine scharfe Wendung erfahren.  Mit dem Sinken der Stabilität des französischen Wechselkurses mußte die französische Vorzugsstellung im Bunde zugleich auch stark erschüttert werden.  Zum ersten Male hatte man jetzt ernsthaft mit den Schwächen des eigenen Geldwesens und als Folge dessen mit denen der Münzunion zu kämpfen.

Denn die Konsequenz des Niederganges des Frankenkurses war ein Anziehen der Kurse des schweizerischen Frankens und bald sogar auch der griechischen Drachme an der Pariser Börse gewesen.  Griechenland und die Schweiz, insonderheit die letztere, übernahmen jetzt das Erbe Frankreichs im Münzbunde.  Dieser Umstand ist für die zweite Epoche der Entwicklung des Lateinischen Münzbundes seit dem Kriege und auch noch für die Folgezeit von durchschlagender Bedeutung geworden.  Diese beiden neutralen Staaten konnten sich von nun ab einer Valuta erfreuen, die sich ungefähr auf Goldparität hielt, im Gegensatz zu der fortschreitenden Entwicklung in Frankreich, aber auch in Italien [109].

Denn hier war seit dem italienischen Kriegseintritt im Mai 1915 eine starke Erschwerung der schon seit Kriegsbeginn ungünstigen Finanzlage eingetreten.  Man mußte noch weiterhin dem selbst unterwertig gewordenen französischen Franken gegenüber ein Agio bezahlen.  Doch blieb diese Situation, ebenso wie der gunstige Stand der griechischen Valuta für das Schicksal der Münzunion ohne weiteren Einfluß.  Denn diesen Staaten mangelte es nicht nur an einer Zirkulation von Unionsmünzen, wie sie damals in gar keinem Staat bestand, sondern überhaupt auch an einem größeren Vorrat solcher Münzen im Publikum.

Diese befanden sich, wenn auch versteckt, fast ausschließlich in Frankreich und der Schweiz, wie sich bereits in der ersten Entwicklungsperiode des Krieges gezeigt hatte.  Hier mußte daher die Neugestaltung der Wirtschaftslage in den Staaten der Münzunion, die eine Vorzugsstellung der Neutralen vor den kriegführenden Mächten erzeugt hatte, bald ihre Wirkung äußern.  Die durch sie herbeigeführten Differenzen in der Wechselkursgestaltung der einzelnen Staaten, besonders Frankreichs und der Schweiz, boten weiterhin die Grundlage für das kommonetäre Agio und als dessen Folge für eine erneute Münzwanderung.

In der Tat begannen jetzt auch bald Münzen aus Frankreich nach der Schweiz abzufließen [110].  Es spann sich von Frankreich aus an der schweizerischen Grenze ein Agiohandel der gleichen Art an, wie er bis vor kurzem von der Schweiz aus der Eidgenossenschafft große Schwierigkeiten bereitet hatte.

Binnen kurzer Zeit hatte sich so das Verhältnis beider Staaten zueinander vollständig umgekehrt.  Aus dem hohen französischen Wechselkurse und schweizerischen Zufluß war ein hochstehender schweizerischer Wechselkurs und französischer Silberabfluß geworden.

Im gleichen Maße jedoch wie seinerzeit von schweizerischer Seite, so wurde jetzt auch von Frankreich aus diese Verminderung des heimischen Metallbestandes als eine nationale Gefahr betrachtet.  Am 3. Juli 1915 wurde daher hier ein Goldausfuhrverbot erlassen [111], dem am 25. August ein solches für Silbermünzen folgte [112].

Der Effekt dieser Maßnahmen sollte aber ein anderer sein, als es der des schweizerischen Vorgehens gewesen war.  Damals hatte sich bald die wirtschaftliche Lage als Bundesgenosse an die Seite der schweizerischen Regierung gestellt, während es bei der französischen Bestimmung den Kampf mit der ökonomischen Situation aufzunehmen galt.  Man versuchte infolgedessen die Wirkungen der Ausfuhrverbote noch durch eine möglichste Unterbindung des Agiohandels mit heimischen Münzen zu verstärken [113].

Trotz aller dieser Maßnahmen hatte man aber bald in Frankreich über einen zunehmenden Schmuggel an der schweizerischen Grenze zu klagen, der es unmöglich machte, ein zuverlässiges Bild von der Wirksamkeit dieser Verbote zu gewinnen.  Wenn jedoch von schweizerischer Seite der Erfolg dieser französischen Maßnahme als zweifelhaft hingestellt wird [114], so scheint die Fortentwicklung eine solche Annahme zu bestätigen.

Denn es begannen sich jetzt bald in der Schweiz wieder Silbermünzen im Verkehr zu zeigen.  Es bildete sich hier allmählich eine geregelte Silberzirkulation heraus, die noch dadurch unterstutzt wurde, daß gegen Ende des Jahres 1915 die Nationalbank größere Bestände an Fünffrankstücken, die bei ihr gelagert hatten, wieder dem Verkehr zuführte [115].  Allein die Goldmünzen hielten sich vermöge der Unsicherheit der gesamten Verhältnisse und der Größe des Umlaufes an Banknoten höherer Werte auch weiterhin der Zirkulation fern.  Der Silberumlauf dagegen blieb der Schweiz erhalten und wurde in den folgenden Jahren für das Gepräge des schweizerischen Geldwesens charakteristisch [116].

Die Eidgenossenschaft war der einzige Staat der Lateinischen Münzunion, welcher über eine Münzzirkulation verfügte.  Das Schicksal der Union latine war daher für die Folgezeit hauptsächlich auf ihr Territorium begrenzt.  Hierin trat die Überwindung der althergebrachten Vorzugsstellung des kriegführenden Frankreich im Münzbunde durch die neutrale Schweiz in ihrem ganzen Ausmaße auf das deutlichste zutage.

Aber bei dem anhaltenden günstigen Stande der schweizerischen Valuta hatte sich hier allmählich eine solche Menge von Silberscheidemünzen fremden Gepräges angesammelt, daß sich dadurch eine Überlastung des Zahlungsverkehrs mit diesen Stücken herausstellte.  Da diese Münzen nach ihrem Metallgehalte unterwertiges Geld waren, mußte diese Situation gewisse inflatorische Wirkungen in ihrer Gefolgschaft haben.  Das zeigte sich hauptsächlich in einer allgemeinen Preissteigerung [117].

Nach dem Wesen der Lateinischen Münzunion war der Schweiz aber bei dem Fortbestande des Konventionalverhältnisses zwischen den Gliedern der Union kein Mittel gegeben, um gegen diese Erscheinungen selbständige Maßnahmen ergreifen zu können.  Die Lage des eidgenössischen Geldwesens war die notwendige Folge ihrer Zugehörigkeit zum Lateinischen Münzbunde [118].  Nur eine Veränderung der wirtschaftlichen Konstellation, wie sie sich zwischen den einzelnen Gliedern des Bundes herausgebildet hatte, wäre imstande gewesen, aus dieser Situation Befreiung zu gewähren, es sei denn, daß sich andere weltwirtschaftliche Momente, deren Wurzeln das Machtbereich einzelner Staaten überschreiten, Geltung verschafft hätten.

Erst gegen Kriegsende sollte ihr jedoch in ihrer Ohnmacht eine solche Hilfe erstehen, nachdem die geschilderte wirtschaftliche Lage in den Staaten der Münzunion durch Jahre hindurch die Schweiz in einer gewissen Zwangslage festgehalten hatte.  Das ökonomische Verhältnis zwischen den Staaten der Münzunion, wie es sich im Jahre 1915 herausbildete, sollte aber für alle folgenden Jahre bestehen bleiben und nur insofern eine Änderung erfahren, als sich allmählich eine Verschärfung der Gegensätze herausstellte.

Diese Situation sollte bis über das Kriegsende hinaus andauern.  Daher konnte der Münzunion aus der für sie durch die angedeutete Konstellation einmal geformten Lage von dieser Seite aus keine Wandlung geschaffen werden.

Ein ganz neues Moment begann sich jetzt aber auf die Geschicke des Münzbundes Einfluß zu verschaffen.  Es trat damit zugleich eine gewisse Trennung zwischen den Schicksalen der einzelnen Staaten und dem des Geldwesens der Lateinischen Münzunion ein.  Die Geschicke des Münzbundes entwickelten sich jetzt unabhängig von dem Ergehen der einzelnen Staaten.  Dieses entschied nur noch über den Grad der äußeren Einflußkraft des neuen Faktors, nicht aber über dessen Wirksamkeit überhaupt.

Unsere Betrachtung wird daher in ganz neue Bahnen gelenkt.  Die Geschicke des Münzbundes zeigen ein ganz anderes Bild und treten daher in eine neue Periode ihrer Entwicklung seit dem Kriege ein.

b) Lateinischer Münzbund und Silberkonjunktur

§ 12.  Die Gestaltung des Silberpreises seit 1914

Nachdem ich bisher versucht habe, ein Bild der Gestaltung des Geschickes der Lateinischen Münzunion unter dem Einfluß der Wirtschaftslage in den einzelnen Staaten zu entwerfen, tritt letzt im weiteren Verlauf der Kriegsereignisse eine andere Entwicklungslinie vor die Augen des Betrachters.  Zum zweiten Male seit dem Bestehen des Münzbundes konnte sich das gleiche Moment Bedeutung für das Schicksal der Münzunion verschaffen, welches früher der Anlaß für die Gründung der Münzkonvention überhaupt gewesen war.  Das waren die Preisverhältnisse auf dem Edelmetallmarkte.

Zwar konnten sich die Auswirkungen dieses Faktors auf den Münzbund erst gegen Kriegsende deutlich zeigen.  Die Wurzeln dieser Vorgänge lagen aber viel weiter zurück und reichten bis in die erste Kriegszeit hinein.  Während jedoch früher in der Hauptsache die Verschiebung der Relation zwischen den Edelmetallen zum Keim aller Unruhen geworden war, sollte jetzt vor allem die Preisentwicklung des Silbers für den Münzbund von Bedeutung werden; denn das Gold war als Währungsmetall in allen Staaten der Union während des Krieges vollkommen zurückgetreten, das Silber dagegen spielte im schweizerischen Geldwesen eine große Rolle.

Der Einfluß des Krieges war für den Silbermarkt von großer Folgenschwere gewesen.  Es war hier eine vollständige Umstellung der Verhältnisse eingetreten.  Sowohl Angebot als auch Nachfrage nach Silber waren vollkommen verschoben worden.

So machte sich auf der einen Seite eine gewaltige Nachfrage nach weißem Metall durch die Länder Ostasiens geltend [119].  China und Indien waren seit jeher große Silberkonsumenten gewesen.  Das weiße Metall spielte in ihren Territorien nicht nur als Geld, sondern auch in seiner Verwendung zu Schmuck- und Thesaurierungszwecken eine überwiegende Rolle.  Der Krieg hatte nun diesen Ländern eine aktive Zahlungsbilanz beschert.  Besonders Indien hatte durch Lieferungen an die kriegführenden Staaten große Überschusse seiner Ausfuhr über die Einfuhr erzielt [120].

Es wurde dadurch ein Mangel an Zahlungsmitteln nach Indien und weiter eine große Knappheit an Umlaufsmitteln im Inneren des Landes erzeugt.  Da die Währung des Landes aber im internen Verkehr auf Silberzirkulation basiert – während nach außen hin die indische Werteinheit, die Rupie, autoritativ in feste Relation zur englischen Währung gesetzt ist – machte sich dieser Mangel in einer starken Nachfrage der indischen Münze nach Silber auf dem Metallmarkte geltend.  Immer größere Mengen des weißen Metalles wurden in Rupien umgeprägt und verschwanden schnell im Innem des Landes.

Dieser verstärkten Nachfrage nach Silber stand auf der anderen Seite aber ein verkleinertes Angebot gegenüber.  Die Vorräte des Weltsilbermarktes waren einmal durch ein Sinken der Produktion während des Krieges verringert worden [121].  Das war zu einem großen Teil der Ausdruck einer gesunkenen Rentabilität der Silberförderung.  Durch das allgemeine Steigen des Preisniveaus in allen Ländern war eine Verteuerung der Produktion herbeigeführt worden.

Die erhöhten Gestehungskosten wurden dem Produzenten oft aber nicht durch in gleicher Weise erhohte Absatzpreise vergütet.  Denn der Staat hatte die Produktion mit Beschlag belegt, und bezahlte sie mit verhältnismäßig niedrigen Preisen.  Das staatliche Eingreifen auf diesem Gebiete war der Ausdruck des Silbermangels auf dem Weltmarkte, der dem Staate, wie z.B. in den Vereinigten Staaten [122], den Wunsch nahelegte, große Metallmengen zu seiner Verfügung zu haben, um diese für seine Zwecke verwenden zu können.

An anderer Stelle, so in Mexiko, war das Sinken der Silberproduktion größtenteils als Folge politischer Unruhen eingetreten.  Der so entstandene Mangel eines Silberangebotes wurde weiter erhöht durch das Netz der Silberausfuhrverbote, das sich über der Staatenwelt ausbreitete.  Im Interesse des Wechselkursstandes seines eigenen Geldwesens glaubte man in allen Ländern sich eine größtmöglichste Metallgeldzirkulation oder doch wenigstens einen großen Metallgeldvorrat im Innern des Landes erhalten zu müssen.  Das hoffte man durch eine Sperrung der Grenze für private Silberausfuhr zu erreichen.

Das Zusammenwirken aller dieser Momente, das sich in einer Disharmonie von Angebot und Nachfrage äußerte, konnte für die Preisgestaltung des Silbers nicht ohne Einfluß bleiben.  Das zeigte sich zuerst im Jahre 1916.  Es setzte in London, dem führenden Edelmetallmarkte der Welt, ein Anziehen der Silbernotierungen ein [123].

Zwar konnte man anfänglich über die Natur dieser Preissteigerung im unklaren sein.  Denn seit Anbruch des Krieges war man in England wie in den anderen kriegführenden Staaten von der Goldwährung zur Papierwährung übergegangen.  Es wurde dies theoretisch geleugnet, entsprach aber der praktischen Übung.  Als Folge dessen hatte sich allmählich eine geringe Entwertung der englischen Valuta herausgestellt.  Das mußte sich wiederum notwendig, wenn sich nicht kompensierende Momente hätten geltend machen können, in einem Anziehen der Londoner Silbernotierungen äußern.

Allein als dies mit dem Jahre 1916 einsetzte, nahm die Preissteigerung bald solchen Umfang an, daß der damalige Entwertungsprozentsatz der englischen Valuta von etwa 2 % weit zurückgelassen wurde.  Darin zeigten sich nun deutlich die Folgen der durch den Krieg veränderten Marktkonstellation für das Silber.

Es begann von jetzt ab für die nächsten Jahre sich eine sturmische Bewegung des Edelmetallmarktes geltend zu machen, welche die Kursnotierungen des Silbers, wenn auch unter manchen Schwankungen, immer weiter in die Höhe trieb und die erst im Jahre 1920 ihr Ende fand.  Diese Entwicklung wurde dazu vielfach durch Maßnahmen einzelner Staaten beeinflußt und in Fesseln gelegt.  Besonders England und die Vereinigten Staaten bemühten sich der Konjunkturbewegung Einhalt zu gebieten.

Es wurden größere Mengen Silbers durch Amerika auf den Markt geworfen [124] und versucht, dadurch eine Stabilisierung des Metallpreises zu erreichen.  Aber nur ungefähr ½ Jahr lang war es möglich, hierdurch der Entwicklung Schranken aufzuerlegen.  Dann setzte die alte Aufwärtsbewegung des Silberpreises mit erneuter Kraft ein.

So begann seit der zweiten Hälfte des Jahres 1919 die Preisentwicklung eine Gestalt anzunehmen, die in der Geschichte der letzten Jahrhunderte nicht ihresgleichen findet.  Es wurden Preise gezahlt, die mehr als das Dreifache normaler Kurse aus den letzten Friedensjahren betrugen.  Und weiterhin nahm die Kurve der Preisentwicklung bis in den Februar des Jahres 1920 hinein einen immer mehr aufsteigenden Verlauf.

Nicht einmal die Tatsache, daß die indische Münzstätte sich seit Kriegsende mit immer größeren Silberbeständen angefüllt [125] hatte, konnte der Entwicklung Einhalt gebieten.  Das waren die Nachwirkungen der großen aus der Kriegszeit noch ausstehenden indischen Förderungen.  Außerdem erfreute sich Indien bis zum Jahre 1919 weiterhin einer aktiven Handelsbilanz [126].

Doch war die Entwicklung jetzt auf ihrem Höhepunkt angelangt.  Am 11. Februar 1920 klomm der Silberpreis auf eine Höhe von 89 ½ d pro Unze standard gegenüber einer Notierung von 23 ¾ d am 30. Juli 1914, während der Goldpreis bei dem festen Ankaufspreise der Bank von England von 77 sh 9 d auf 123 sh am gleichen Tage gestiegen war.

Dieser Höhepunkt ist aber zugleich auch der Wendepunkt in der Silberkonjunktur geworden.  Seitdem nahm die Silberpreisentwicklung einen stark rückgängigen Verlauf.  Zwar ging dieser im Jahre 1920 noch unter manchen Rückschlagen vor sich, doch eilte er in der Weiterentwicklung bald wieder Preisverhältnissen zu, wie sie, besonders was die Relation von Gold und Silber anbetrifft, ungefähr der Zeit vor dem Kriege entsprachen.

Schon zu Ende des Jahres 1920 war der Silberwert, der weit über das klassische Wertverhältnis gestiegen war, auf mehr als den 30. Teil des Goldwertes zurückgegangen und hielt sich noch am Schlusse der beiden nächsten Jahre auf dem gleichen Niveau.  Nur die Nominalpreise der Metalle hatten seit dem Jahre 1920 noch weiterhin nachlassen können, ehe sie wieder auf einem normalen Ruhepunkt angelangt waren.

Damit war die Silberkonjunktur der Kriegsjahre zu einem kurzen Intermezzo geworden, das die Entwicklung der letzten Jahrzehnte auf dem Edelmetallmarkte nicht hatte zerstoren können.

§ 13.  Die Auswirkungen der Silberkonjunktur für den Münzbund

Der Lateinische Münzbund ist während der ersten Kriegsjahre von der Konjunktur auf dem Silbermarkte völlig unberuhrt geblieben.  Es schien gar kein Grund zu irgendwelcher Besorgnis für das Geldwesen einzelner Staaten zu bestehen.  Denn man wußte, daß die gewaltige Silberentwertung, wie sie seit den siebziger Jahren bis zum Kriege fortbestand, durch keine Haussebewegung auf dem Markte, besonders wenn sie von spekulativen Momenten beeinflußt wäre, leicht aus der Welt geschafft werden konnte.

Doch sollte gegen Ende des Weltringens die Gewalt der Entwicklungstendenz alle solche Hoffnungen illusorisch werden lassen.  Immer höher klomm der Silberpreis hinauf.  Diese Entwicklung mußte die Vermutung nahelegen, daß man zu einem Punkt gelangen könnte, auf dem man in einer ähnlichen Lage sein würde, in welcher sich Frankreich oftmals während seiner Doppelwährungsperiode befand.

Wie nämlich damals die Gold- und Silbermünzen häufig durch Schwankungen ihres gegenseitigen Wertverhältnisses ihren Wert änderten und sich dadurch gegenseitig aus der Zirkulation vertrieben, so konnten auch diesmal die Silbermünzen durch ein Steigen des Silberpreises beeinflußt werden.  Denn es war der Punkt abzusehen, an dem der Silberpreis des englischen Marktes gerechnet nach der Pfund Sterling-Franken-Parität in Gold über den entsprechenden Nominalwert der Silberstücke in der Münzunion pro Gewichtseinheit steigen würde.

Dieser Punkt lag aber bei dem Goldankaufspreise der Bank von England von 77 sh 9 d in einem Silberpreise von 60 13,4/16 d [127].  Stieg der Preis über diesen Kurs, so mußten die Silbermünzen der Lateinischen Münzunion nach ihrem Metallgehalte einen höheren Wert haben, als sie nach ihrem Nennwerte darstellten.

Tatsächlich hat die Entwicklung des Silberpreises diesen Kursstand weit hinter sich gelassen und dadurch auf dem Höhepunkt der Silberhausse praktische Konsequenzen für den Münzbund gezeitigt.  Immerhin mußten die Auswirkungen dieser Erscheinungen in der Union im ganzen stark begrenzt bleiben.  Denn der Bund stand auch jetzt noch unter dem Einfluß des Faktors, der in der ersten Kriegszeit für das Schicksal der Union ausschließlich maßgebend war.  Die damals durch die Wirtschaftslage der einzelnen Staaten gebildete Konstellation im Lateinischen Münzbunde wirkte daher nun an der Seite des neuen die Entwicklung bestimmenden Moments weiter fort.

So hat denn die Silberkonjunktur im Münzbunde hauptsächlich für die Schweiz praktische Bedeutung erlangt, da sie allein über einen größeren Silbervorrat, und vor allem über eine große Silberzirkulation verfügte.  Doch auch Frankreich ist nicht ganz von ihren Folgen verschont geblieben, obgleich hier den Wirkungen der Silberhausse von Anfang an eine gewisse Schranke durch das noch bestehende Silberausfuhrverbot gezogen war.  Es zeigte sich aber hier wieder die Gewalt wirtschaftlicher Entwicklungstendenzen, welche durch solche Bestimmungen nicht aufzuhalten sind.

Besonders in der Schweiz ließen die Folgen der Konjunktur auf ihrem Höhepunkt in den Jahren 1919 und 1920 nicht auf sich warten.  Gegen Ende des Jahres 1919 begannen zuerst die 5-Fr.-Stücke aus dem Verkehr zu verschwinden [128], da sie ihrem Metallgehalte nach überwertig geworden waren [129].  Zwar war der Grenzpunkt, der zu diesem Zustande hinüberleitete, infolge der Entwertung der englischen Valuta von seiner normalen Lage in dem Silberpreise von 60 13,4/16 d verschoben worden.  Bei dem damaligen Disagio von 6 % des Pfundes Sterling in der Schweiz konnte dieser Punkt erst bei einem Londoner Silberpreise von etwa 64 ½ d erreicht werden.

Das bedeutete für die Schweiz aber nur eine kurze Hinausschiebung der nun einsetzenden Entwicklung.  Die Münzen wurden jetzt vom Publikum eingeschmolzen und konnten mit Gewinn auf dem Metallmarkte veräußert werden.  Es war so aus der bisher den schweizerischen Zahlungsverkehr bedrückenden Silberlast plötzlich eine Quelle reicher Gewinnmöglichkeiten geworden.  Die Silberhausse schritt aber weiter fort.  Die 5-Fr.-Stücke verschwanden immer noch aus dem Umlauf, dazu begannen nun aber bald auch die Silberscheidemünzen aus der Zirkulation abzuwandern.

Besonders durch diese Tatsache erwuchsen jedoch allmählich der schweizerischen Geldzirkulation ernste Gefahren.  Der Kleinverkehr wurde nach bisheriger Überfüllung mit Metallgeld jetzt von Münzen immer mehr entbloßt, ohne daß geeignete Zahlungsmittel vorhanden gewesen waren, die sofort an ihre Stelle hätten treten können.

Man suchte nach einem Mittel, um dem Verschwinden der Münzen Abhilfe zu schaffen.  Man hatte dies ganz wie im Jahre 1860 durch eine Herabsetzung des Feingehaltes der Münzen erreichen können.  Holland und England griffen damals zu dieser Maßnahme [130], der Schweiz waren aber in dieser Beziehung die Hände gebunden.  Die Zugehörigkeit zur Lateinischen Münzunion verbot ein solches eigenmächtiges Handeln.  Man hätte deswegen erst mit den anderen Staaten der Münzunion in Unterhandlungen treten müssen.  Hier wurden sich aber leicht durch die Notwendigkeit bei den bestehenden Valutadifferenzen eine verschieden hohe Gehaltserniedrigung vorzunehmen, Schwierigkeiten ergeben haben [131].  Dabei bestand dann die Gefahr, daß die Maßnahme überhaupt zu spät kommen und daher wirkungslos bleiben würde.

Man suchte sich daher auf andere Weise zu behelfen.  Es wurde am 8. Dezember 1919 ein Verbot erlassen, Silbermünzen, die in der Schweiz Kurs haben, einzuschmelzen, desgleichen auch untersagt, sie vorübergehend oder dauernd aus dem Verkehr zu ziehen [132].

Das war eine Maßnahme, die nur aus der Zwangslage, in der die Schweiz sich damals befand, zu erklären war.  Irgendwelche Zweckmäßigkeitsgesichtspunkte konnte sie aber nicht für sich geltend machen, da besonders eine wirksame Kontrolle dieser für das Wirtschaftsleben tief einschneidenden Bestimmungen mit menschlichen Mitteln nicht durchführbar ist.

Es war daher für die schweizerische Regierung eine Erlösung aus dieser unglücklichen Lage, als seit dem Februar 1920 die Silberkonjunktur eine rückläufige Bewegung annahm [133], und daraufhin die Wirkungen der Hausse vom schweizerischen Geldwesen zu weichen begannen.  Die Marktlage, welche die Silbermünzen jetzt wieder entwertete, machte dadurch das Einschmelzungsverbot bedeutungslos und führte das schweizerische Geldwesen in normale Zustände zurück.

Ähnliche Erscheinungen wie in der Schweiz sind auch in Frankreich als Folge der Hausse auf dem Weltsilbermarkt hervorgerufen worden.  Doch lagen die Dinge hier insofern anders, als in Frankreich diese Entwicklung nicht organisch aus sich heraus allein durch die ökonomische Konstellation herbeigeführt worden ist, sondern erst durch das Vorgehen der französischen Regierung ermöglicht wurde.  Denn Frankreich hatte in den letzten Jahren überhaupt keinen Metallumlauf gesehen.  Im Gegenteil, der Banknotenumlauf hatte bei sinkendem Valutenkurse immer größeren Umfang angenommen [134], obwohl man im Laufe der Kriegsjahre immer wieder große Neuprägungen von Silberscheidemünzen vorgenommen hatte [135].  Die Stücke hatten sich aber nicht im Verkehr halten können.  Sie waren zum größten Teil in die Schweiz abgeflossen.  Das war auch noch das Schicksal neugeprägter Münzen im zweiten Quartal des Jahres 1918 [136] gewesen, ungeachtet der damals einsetzenden starken Erholung des französischen Wechselkurses.

Schließlich hatte man auch im Jahre 1919 die Herbeiführung einer Silberzirkulation versucht.  Man hatte damals 3 Millionen Fr. Scheidemünzen von der Schweiz ausgetauscht [137].  Aber wieder wurden Frankreichs Hoffnungen getauscht.  Es wurde durch diese Stücke bald eine Entwicklung möglich gemacht, die besonders im Vergleich zu den Schicksalen der Silbermünzen in der Schweiz von Interesse ist.

Als man nämlich diese Münzen kaum in den Verkehr gebracht hatte, begannen die Stuoke nach kurzer Zeit aus dem Umlaufe zu verschwinden.  Man mußte bald erkennen, daß der Versuch, den Kleinverkehr auf eine metallene Basis zu stellen, von neuem fehlgeschlagen war.

Eine Untersuchung der Motive dieser Erscheinung lehrt nun, daß das Verschwinden der Münzen in Frankreich im Jahre 1919 auf andere Ursachen als in den früheren Jahren zurückzuführen ist.  Es wird sich damals kaum um ein Abfließen der Stücke in die Schweiz, wie stets bisher, gehandelt haben.  Dafür liegen auch keine Anzeichen vor.  Vielmehr werden die Münzen jetzt im französischen Territorium untergetaucht sein.

Doch kann man diese Erscheinung nicht als die Folge einer Thesaurierung der Stücke durch das Publikum aus Furcht vor einer baldigen Entwertung des Geldes wie im Jahre 1914 betrachten wollen.  In einem Lande, das gerade aus einem siegreichen Kriege hervorgegangen ist, läge dazu keine Veranlassung vor.  Vielmehr mußte die Umgestaltung der Preislage auf dem Silbermarkte sich, wie in der Schweiz, so auch in den Schicksalen der französischen Silberscheidemünzen diesen sichtbaren Ausdrück verschaffen.

Doch konnten die Silberstücke in Frankreich bereits seit dem August des Jahres 1919 aus dem Umlaufe verschwinden, während die Silberhausse in der Schweiz, wenigstens was die Scheidemünzen anbetrifft, erst im November fühlbare Wirkungen auszuüben begann.  Das weist auf eine Verschiedenheit der Ursachen in beiden Entwicklungslinien hin.

In Frankreich muß sich daher in dem Verschwinden der Münzen noch ein anderes Moment als in der Schweiz Geltung verschafft haben.  Das ist derselbe Umstand, dem bisher stets allein der Abfluß der Münzen zuzuschreiben gewesen war.  Neben den erhöhten Silberpreisen machte sich in der Unmöglichkeit, damals eine Silberzirkulation aufrecht zu erhalten, noch die Unterwertigkeit des französischen Franken bemerkbar, oder richtiger gesagt : die Wirkungen der Silberhausse traten durch die Unterwertigkeit des Frankens besonders eklatant hervor.

Ohne das Zusammenwirken dieser beiden Momente wäre zu jener Zeit das Verschwinden der Silbermünzen aus der französischen Zirkulation unmöglich gewesen.  Beide habe sich entgegengearbeitet.  Das Disagio des Franken mußte die Silberpreissteigerung bedeutend höher erscheinen lassen, als dies der Wirklichkeit entsprach.  Es wirkte auf ihre Folgen verstärkend ein.

So konnten die französischen Silberstücke, es handelte sich zudem um Scheidemünzen, schon im August des Jahres 1919 unter dem Einfluß der Silberhausse, also ¼ Jahr bevor diese unter normalen Verhältnissen, wie in der Schweiz, sichtbare Wirkungen auszuüben begann, aus dem Umlaufe verschwinden.  Hierdurch war für den Verkehr derselbe Zustand, wie er bis vor kurzem bestanden hatte, nämlich der alleinige Umlauf zahlreicher Banknoten und Handelskammerscheine wieder hergestellt.

Aus diesem Grunde wurde auch von der Schaffung eines Ersatzes für die verschwundenen Münzen, was nur durch erhöhte Notenemission möglich gewesen wäre, Abstand genommen.  Das bedeutete für Frankreich aber die Aufgabe des Versuches, den Zahlungsverkehr auf Metall zu fundieren.  Man sah ein, daß man auf die versuchte Art und Weise hierbei nicht zum Ziele gelangen konnte.  Man mußte sich daher bemühen, andere radikalere Mittel zur Anwendung zu bringen.  Hierdurch wurde später eine neue Entwicklung im Münzbunde eingeleitet.

Durch dies Bild von der durch die Silberhausse für Frankreich und die Schweiz geschaffenen Lage ist zugleich der durch sie für die Lateinische Münzunion im allgemeinen herbeigeführte Zustand gekennzeichnet.

Denn Italien und Griechenland wurden dadurch nicht berührt, da sie beide über keinen Silberumlauf verfügten.  Auch Belgien, das seit Kriegsende nach Wiederherstellung seiner Staatssouveranität wieder in die Reihe der Unionsmitglieder zu zahlen ist, mußte wegen der Unterwertigkeit seiner Valuta auf eine Silberzirkulation verzichten.

Wir stehen mithin jetzt am Ende jener Periode, die durch die Überwertigkeit der Silbermünzen für den Münzbund heraufgeführt worden ist.  Es waren das die Auswirkungen der zweiten großen Entwicklungslinie, die für das Schicksal des Münzbundes seit dem Kriege maßgebend geworden ist.  Sie hat so, wenn auch die Nachwirkungen der ersten Entwicklungslinie, nämlich der einzelstaatlichen Wirtschaftsentwicklung, sich weiterhin deutlich zeigten, in den letzten Jahren, das Schicksal des Geldwesens der Münzunion in durchschlagender Weise beeinflußt.  Nachdem aber im zweiten Quartal des Jahres 1920 die Silberhausse eine rückläufige Bewegung annahm, ist man in der Folgezeit im Münzbunde von weiteren äußeren Wirren verschont geblieben.

Doch konnten damit die Schicksale der Münzunion seit dem Kriege noch nicht an ihrem Ende angelangt sein.  Durch die beiden geschilderten Entwicklungslinien war für den Bund ein Zustand geschaffen worden, der seiner Natur nach des Moments der Dauerhaftigkeit entbehrte und bald zu einer neuen Bewegung hinüber leiten mußte : Man begann nun in der Union aus den während des Krieges eingetretenen Störungen, die für die einzelstaatlichen Geldwesen nötigen Konsequenzen zu ziehen und schritt daher zu einer Reform des Lateinischen Münzbundes.

c) Die Reform des Münzbundes nach dem Kriege

§ 14.  Die Münzkonferenz vom Februar/März 1920

Die beiden geschilderten großen Entwicklungslinien haben für den Lateinischen Münzbund nach Kriegschluß bis zum Jahre 1920 einen Zustand herbeigeführt, der durch die in sich enthaltenen Widersprüche ein deutliches Bild von der Anormalität der Gesamtlage liefert.

Es stehen sich zwei Gruppen gegenüber.  Auf der einen Seite befindet sich das Gros der Staaten, unter ihnen Frankreich, eine wirtschaftliche und politische Großmacht.  Sie alle haben ein zerrüttetes Zahlungswesen, nämlich Papierwirtschaft und entwertete Valuta.  Auch Griechenland gehört seit dem Jahre 1920 zu diesen Staaten.  Auf der anderen Seite steht diesen Mächten ein einziger Staat gegenüber, der allein im Münzbunde über eine vollwertige Valuta verfügt.  Nur er besitzt eine Münzzirkulation in seinem Zahlungsverkehr.  Trotzdem befindet sich aber auch dies Geldwesen in stark verwirrtem Zustande.  Im größeren Zahlungsverkehr herrscht auch hier der Notenumlauf.  Für den kleineren Verkehr hat sich aber eine große Menge fremder Münzen, insbesondere kleiner Silbermünzen angesammelt, die dem Zahlungsverkehr manche Beschwerde bereitet haben.

Nach Beendigung der Feindseligkeiten galt es nun, in allen Staaten für die Wiederherstellung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen und damit zugleich für die Ordnung des internationalen Zahlungsverkehrs Sorge zu tragen; im Münzbunde mußte man vor allem auf die Wiederherstellung einer Einheit des Geldumlaufes, wenigstens soweit er vor dem Kriege bestanden hatte, bedacht sein.

Das war aber nach älter Erfahrung der Münzunion nur dadurch zu erreichen, daß zunächst eine gewisse Ordnung im innerstaatlichen Zahhungsverkehr der einzelnen Mächte herbeigeführt wurde.  Unter den gegebenen Verhältnissen mußten hier aber die bestehenden Bestimmungen des Münzvertrages stark erschwerend wirken.

Das hatte sich besonders während des ganzen Krieges in Frankreich gezeigt.  Man hatte sich dauernd bemuht, für den kleinen Zahlungsverkehr eine Silberbasis zu schaffen [138].  Die Stücke waren aber trotz großer, immer wieder erneuter Ausprägungen stets aus dem Lande abgeflossen, oder doch, wie im Jahre 1919, aus der Zirkulation verschwunden.  Man mußte sich daher nun zur endgültigen Durchführung des Reformplanes auf andere Weise zu behelfen suchen.  Dazu wurde aber die Hilfe der Lateinischen Münzunion nötig.  Man mußte eine Reform der Konvention vom Jahre 1885 herbeizuführen suchen.

So wurde von Frankreich aus im Dezember 1919 durch eine an die Schweiz gerichtete Note der erste Anstoß zur Einberufung einer Konferenz der Münzstaaten nach Paris gegeben [139].  In der Schweiz stand man dem französischen Ansinnen durchaus sympathisch gegenüber.  Denn auch hier waren durch das Hereinströmen vieler fremder Münzen die Schattenseiten des Münzbundes während des Krieges recht fühlbar geworden und ließen den Wunsch nach Abhilfe wach werden.

Die ersten Verhandlungen über die Neuordnung des Münzbundes fanden zwischen den Vertretern der fünf Unionsstaaten im Februar 1920 zu Paris statt.  Den Mittelpunkt der Erörterungen bildeten die beiden Staaten, durch deren gegenseitiges Verhältnis die Lage des Geldwesens der Lateinischen Münzunion seit Kriegsbeginn ein völlig neues Aussehen erhalten hatte.  Frankreich und die Schweiz bemühten sich, eine Ordnung ihres beiderseitigen Scheidegeldumlaufes herbeizuführen.

Das Scheidegeldproblem in der Münzunion beherrschte so alle Verhandlungen der Münzkonferenz [140].  Wie schon früher, so war wieder die bedeutungsvolle Frage aufgetaucht : Sind die Scheidemünzen der Union im großen und ganzen zu erhalten und ist nur den Stücken der schwachvalutarischen Staaten der Kassenkurs zu entziehen ?  Oder soll das Scheidegeld überhaupt vom Münzbunde ausgeschlossen werden ?

Schon dreimal war dies Problem der Gegenstand von Unterhandlungen in der Münzunion gewesen, so besonders bei Gelegenheit der Nationalisierung der italienischen und später der griechischen Scheidemünzen.  Das erstemal war die Frage durch Frankreich angeschnitten worden mit dem Zwecke, die allgemeine Eliminierung dieser Geldstücke aus der Münzunion durchzusetzen.  Jedoch war solcher Absicht von den anderen Staaten ein starker Widerstand entgegengesetzt worden.  Später wurde die gleiche Maßnahme mehrmals von schweizerischer Seite vorgeschlagen, fand aber nun in Frankreich sowie den anderen Staaten keine Gegenliebe.  Ähnlich wie damals lagen die Dinge auch im Jahre 1920.

Frankreich forderte diesmal die Nationalisierung seiner in der Schweiz zirkulierenden Scheidemünzen [141].  Im übrigen sollte das Scheidegeld der Münzunion erhalten bleiben.

Die Schweiz dagegen wollte die Ausmerzung des Scheidegeldes aus der Münzunion überhaupt herbeigeführt sehen.  Sie erregte mit diesem Antrag aber allgemeinen Widerspruch, hauptsächlich unter der Begründung, daß eine solche Maßnahme dem Münzbunde seinen Hauptinhalt entziehen würde.

Trotzdem glaubte man in der Schweiz auf seiner Förderung bestehen zu müssen.  In Kreisen der eidgenössischen Delegation wurde diese Stellungnahme damit gerechtfertigt [142], daß durch die Herausziehung der französischen Scheidemünzen aus dem schweizerischen Umlauf dort ein großes Loch gerissen würde, welches man bei dem hohen Silberpreise, wie er noch zur Zeit jener Konferenz bestand, nur unter sehr großen Kosten durch Neuprägungen ausfüllen könnte.  Durch eine allgemeine Repatriierung der Scheidemünzen hatte man dabei aber völlige Prägefreiheit, auch Ungebundenheit in bezug auf die Wahl des Metalles und des Feingehaltes der neuzuschlagenden Münzen erlangen können.

Es war dies jedoch ein Argument, das im Munde der schweizerischen Kommission seine Wirkung verfehlen mußte.  Denn gerade die Eidgenossenschaft hatte früher bei den ersten Verhandlungen über die Frage der Scheidemünznationalisierung auf die Irrtumlichkeit dieser Folgerung hingewiesen.

So finden sich in dem amtlichen Berichte über die Münzkonferenz vom Jahre 1893 die Worte : »Hinwieder könnte eine allgemeine Freigebung des Prägungsrechtes auch dann nicht zugelassen werden, wenn im übrigen die Reglementierung der Silberscheidemünzen aus dem Vertrage verschwinden würde; man liefe sonst, besonders angesichts des tiefen Preises des Silbers, Gefahr, daß diejenigen Staaten, welche ohnedem das Bedürfnis weit übersteigende Beträge an silbernen 5-Fr.-Stücken geprägt hätten, indirekt – durch Mehrprägung von Scheidemünzen – den Gesamtvorrat an entwertetem Silbergeld vergrößern und einen entsprechenden Mehrbetrag an 5-Fr.-Stücken auf ihre Münzverbundeten abladen würden« [143].  Berücksichtigt man, daß an Stelle des tiefen Silberpreises die freie Wahl von Metall und Feingehalt die Scheidemünzprägungen hinreichend hätten erleichtern können, so ist die Stichhaltigkeit dieses letzten Einwandes nicht von der Hand zu weisen.

Allerdings ist damit noch nichts über die Berechtigung der schweizerischen Auffassung an sich gesagt.  Hier gewinnen vielmehr die Momente Bedeutnng, die früher über die prinzipielle Stellung des Scheidegeldes im System der Union angeführt wurden.

Im Münzbunde war man von der Zweckmäßigkeit einer allgemeinen Nationalisierung jedoch nicht zu überzeugen.  Die Verhandlungen mußten daraufhin abgebrochen werden.  Die Delegierten holten neue Instruktionen ihrer Regierungen ein.

Erst nach dreiwöchiger Unterbrechung trat die Konferenz wieder zusammen.  Die Schweiz hatte nun auf ihre Förderung der allgemeinen Scheidemünznationalisierung Verzicht geleistet.  Nichtsdestotrotz konnte auch jetzt nur mit Schwierigkeit eine Einigung aller Mächte erzielt werden.  Denn die eidgenössische Delegation begann nun mit Nachdrück reale Garantien für eine erleichterte Durchführung etwaiger Ersatzprägungen für die ausgelieferten französischen Scheidemünzen zu fordern [144].

Schließlich gelang es in diesem Punkte aber eine Einigung herzustellen und so zu einem abschließenden Ergebnis zu kommen.  Dies wurde in einem unter dem 25. März 1920 datierten Zusatzvertrage zum internationalen Münzabkommen von 1885 niedergelegt [145].

Dem französischen Wunsche gemäß wurde hierin den in die Schweiz gewanderten Münzen der Republik dort der Kassenkurs entzogen.  Frankreich verpflichtete sich, diese Münzen nach ihrem Nennwerte zu bezahlen.  Es sollten ihm hierzu schweizerisches Geld, Kurantmünzen der Union oder Tratten zur Wahl stehen.  Eine Verpflichtung zu bestimmten Metallzahlungen, wie sie dem schweizerischen Wunsche entsprochen hätte, wurde aber nicht ausgesprochen.

Der Schweiz war man dafür einmal durch die Bestimmung entgegengekommen, daß die Nationalisierung zu einer gegenseitigen Transaktion ausgebaut wurde [146].  Auch die in Frankreich befindlichen schweizerischen Scheidemünzen sollten repatriiert werden.

Dann bedeutete es ein Zugeständnis an die Eidgenossenschaft, daß man für sie das Scheidegeldkontingent von 16 Fr. auf 28 Fr. pro Kopf der Bevölkerung erhöhte [147], ihr zugleich erlaubte, 5-Fr.-Stücke, ganz gleich welchen Heimatlandes, als Prägematerial zu verwenden.  Es wurde ihr auch gestattet, einen beliebigen Betrag der französischen Münzen, wie man ihn zur Aufrechterhaltung eines geordneten Geldumlaufes für nötig erachten würde, bei der schweizerischen Nationalbank zurückzubehalten und an seiner Stelle Silberzertifikate in den Verkehr zu bringen [148].

Die durch alle diese Maßnahmen erhofften Wirkungen, nämlich die Herstellung eines geordneten einzelstaatlichen Umlaufes an kleingestückelten Münzen, sollten noch durch gegenseitige Einfuhrverbote für Scheidemünzen fremden Gepräges verstärkt werden [149].  Schließlich glaubte man die restlose Durchführung der Nationalisierung dadurch erleichtern zu können, daß man das in der Schweiz bestehende Einschmelzungsverbot für Münzen der Lateinischen Münzunion in den Zusatzvertrag aufnahm und auf das Gebiet des ganzen Münzbundes ausdehnte [150].  Man hoffte durch diese Maßnahme verhindern zu können, daß die auszuliefernden Münzen bei ihrer Einziehung durch die Staatskasse vom Publikum zurückgehalten und später vermöge des hohen Silberpreises in eingeschmolzenem Zustande auf dem Markte verkauft wurden [151].

Über die Zweckmäßigkeit dieses Verbotes hatte sich streiten lassen, da seine Innehaltung durch die Staatsgewalt nicht kontrolliert werden konnte.  Tatsächlich war diese Maßnahme aber bei Durchführung der französischen Nationalisierung infolge des Herabsinkens des Silberpreises längst illusorisch geworden.

Alles in allem brachte der Münzvertrag keine absoluten Neuheiten für den Münzbund, sondern nur die Fortbildung einer längst angebahnten Entwicklung.  Hierfür war es aber von großer Bedeutung, daß ein weiterer Schritt in der Eliminierung der Scheidemünzen aus der Lateinischen Münzunion getan worden war.  Zwar wäre unter diesem historischen Gesichtspunkt der schweizerische Antrag auf allgemeine Nationalisierung am folgerichtigsten gewesen, doch war auch jetzt bereits die Entwicklung nicht mehr weit von diesem Punkte entfernt.  Nur noch den belgischen Stücken kam im Verkehr mit Frankreich und der Schweiz gegenseitiger Kassenkurs zu [152].

Das beweist, wie sehr die eigenartige Stellung der Scheidemünzen im Münzbunde, auf die oben hingewiesen wurde, durch den Zwang der Wirklichkeit auf diesen Zustand hingedrängt hat.  Auch war vorläufig noch nicht der letzte Schritt der durch den Krieg heraufbeschworenen Weiterentwicklung getan.  Der Anstoß zur Fortbildung auf dieser Linie wurde von der Schweiz gegeben.  Es wurde dadurch zugleich ein Wendepunkt von prinzipieller Bedeutung für das Wesen der Lateinischen Münzunion heraufgeführt.

§ 15.  Der Vertrag vom 9. Dezember 1921

Die Durchführung des Zusatzvertrages vom Jahre 1920 wurde noch im gleichen Jahre vorgenommen.  Es zeigte sich hierbei, daß Frankreich im ganzen nur 2,26 Millionen schweizerischer Münzen auszuwechseln hatte, während 43,38 Millionen französischer Scheidemünzen sich in der Schweiz befanden [153].  Die Größe des Saldos zwischen diesen Summen wirft noch nachträglich ein grelles Licht auf die gewaltige Bedeutung der während des Krieges durch den Münzbund für das schweizerische Geldwesen geschaffenen Lage.

Es zeigte sich dadurch zugleich aber auch die für die Schweiz bestehende Notwendigkeit einer Reform des Münzbundes nach dem Kriege, da durch die bestehenden wirtschaftlichen Konstellationen eine Änderung ihrer Zwangslage nicht zu erwarten stand.  Das Gegenteil war der Fall.  Die Gegensätze verschärften sich immer mehr.  Das Herabsinken der Wechselkurse der anderen Unionsstaaten in der Schweiz schritt in beschleunigtem Tempo fort.  Gegenüber diesen Zuständen hatte das Abkommen vom 25. März 1920 die dringlichsten Gefahren zu beseitigen gesucht.  Die französischen Scheidemünzen waren aus der Zirkulation verschwunden.

Doch war hierdurch nur ein kleiner Teil der von der Schweiz gewunschten Reformen verwirklicht worden.  Daher war man dort durch das Ergebnis der Pariser Konferenz nicht recht zufriedengestellt worden.  Man wollte sich vom Auslande möglichst unabhängig machen.  Das geht deutlich aus dem Verhalten der Schweiz nach dem Kriege hervor.  Man hatte sich stark bemüht, für den großen Zahlungsverkehr als valutarisches Geld, wenn wir diesen Ausdrück G. F. Knapps gebrauchen wollen [154], wieder ein vollwertiges Zahlungsmittel zu erhalten, für den kleinen Verkehr jedoch eine Zirkulation an unterwertigen Münzen herbeizuführen, die aber auf nationale Basis gestellt sein sollte.

In Paris hatte man demgegenüber weder, wie erhofft, die Zusage erhalten können, daß ein Teil des von Frankreich zu bezahlenden Scheidemünzsaldos in Gold beglichen werden sollte, noch war die allgemeine Nationalisierung des Scheidegeldes Tatsache geworden.  Dazu kam eine andere Schwierigkeit für die schweizerischen Währungsreformbestrebungen.

Im Jahre 1920 drohte mit dem Sinken des Silberpreises dieselbe Situation heraufzukommen, in der man sich während des Krieges befand, als der Münzbund in den ersten Jahren allein unter dem Einfluß der einzelstaatlichen Wirtschaftslage stand.  Das innere Agio war bei den Silbermünzen der Union wieder verschwunden, dafür war aber die Entwertung der fremden Valuten immer größer geworden.  Man befurchtete, daß jetzt von neuem ein Zustrom fremder Münzen als Folge des kommonetären Agios beginnen wurde [155].  Die Gefahr für die Schweiz bestand jetzt hauptsächlich in den 5-Fr.-Stücken, dann auch in den belgischen Scheidemünzen.  Hier galt es unter allen Umständen vorzubeugen.

Zu diesem Zwecke aber sollte der schweizerische Geldumlauf auf eigene Fuße gestellt werden.  Im Verfolg solcher Absichten schritt man im Dezember 1920 zu einer durchgreifenden Maßnahme.  Nachdem kurz vorher erlassene Verbote der Einfuhr fremder Silbermünzen der Lateinischen Münzunion [156] nicht die erwünschte Wirkung gezeigt hatten, wurden alle 5-Fr.-Stücke fremden Gepräges sowie die belgischen Scheidemünzen in der Schweiz außer Kurs gesetzt [157].  Die Geldstücke wurden durch die staatlichen Kassen eingezogen.

Dies Vorgehen bedeutete, besonders was die 5-Fr.-Stücke anbetrifft, einen gewaltigen Einbruch in die Lateinische Münzunion, der formell durch nichts gerechtfertigt werden konnte.  Die Stellung des 5-Fr.-Stückes war seit den siebziger Jahren unangetastet geblieben.  Es war Kurantmünze der Union und erfreute sich daher in den Mitgliedsstaaten mindestens des Kassenkurses.  Nur insofern war seine Bedeutung zurückgegangen, als sich die Menge der umlaufenden Münzen verringert hatte.  Besonders die jüngste Silberpreissteigerung und die Umprägungen zu Scheidemünzen, wie sie auf der letzten Konferenz der Schweiz erlaubt worden waren, hatten an ihrem Bestände gezehrt.  Doch war an der juristischen Stellung der Münzen nichts geändert worden.

Jetzt plötzlich wurde durch das schweizerische Edikt der Münze für das Bereich der Eidgenossenschaft ihr intervalutarischer Charakter entzogen.  Es war damit der gleiche Schritt für die silberne Kurantmünze getan, den man im Jahre 1893 für das Scheidegeld gemacht hatte.  Doch lag zwischen beiden Maßnahmen insofern ein großer Unterschied, als es sich damals um die Münzen eines für die Union latine so wenig bedeutungsvollen Staates wie Italien handelte, während die jetzige Aktion durch einen Staat in Szene gesetzt wurde, dessen Geldwesen besonders in den letzten Jahren im Münzbunde eine führende Stellung einnahm.

Allerdings handelte es sich vorerst bei dem schweizerischen Vorgehen um eine vollständig eigenmächtige Maßnahme, die dem bestehenden Münzvertrag geradezu zuwider lief.  Dessen war man sich in der Schweiz aber wohl bewußt und zeigte daher das Bestreben, sich diese Handlungsweise bald durch die Münzunion bestätigen zu lassen.

Es wurde daher schon im November 1921 eine neue Münzkonferenz einberufen [158].  Die Förderungen der Schweiz erstreckten sich hier einmal auf Anerkennung ihres Vorgehens, dann auf Zurücknahme und Bezahlung der außer Kurs gesetzten Münzen durch die Prägestaaten, schließlich auf Erlaubnis von Ersatzprägungen für die fremden 5-Fr.-Stücke.

Es war jedoch nicht leicht, über alle diese Punkte eine Einigung zu erzielen.  Die Verhandlungen erstreckten sich wieder über Wochen hin und führten erst am 9. Dezember 1921 zu einem neuen Abkommen [159].  Das Wesen dieses Zusatzvertrages liegt in der Bestätigung der schweizerischen Maßnahmen.  Vor allem wurde die Außerkurssetzung der 5-Fr.-Stücke der Münzunion aufrecht erhalten [160].

Dieser Satz zeigt die Bedeutung des Abkommens von 1921 für die Entwicklung der Münzunion.  Ein wesentlicher Bestandteil des ursprunglichen Vertrages sollte damit in Fortfall kommen.

Doch nicht allein dies Faktum ist neu.  Diese Maßnahme zog noch weitere Konsequenzen nach sich, wie sie schon in den schweizerischen Förderungen formuliert worden waren.  So wurde prinzipiell die Einlösungspflicht der anderen Staaten für ihre in der Schweiz zurückgezogenen Silbermünzen anerkannt und der Schweiz an Stelle der zu nationalisierenden Münzen die Ausprägung von 80 Millionen Fr. eigener 5-Fr.-Stücke zugesagt [161].

Doch waren die schweizerischen Hoffnungen, die auf eine schnelle Reform des Geldwesens durch die Herstellung einer Goldzirkulation und eines nationalen Silberumlaufes hindrängten, nicht restlos erfüllt worden [162].

Zunächst war die Einlösungspflicht der Staaten in Analogie zur Liquidationsklausel vom Jahre 1885 festgesetzt worden.  Hiernach wurden die einzelnen Staaten, bis auf Frankreich, nur bis zu bestimmten Hochstbetragen zur Vergütung ihrer eingezogenen Münzen verpflichtet.  Ein Betrag von fast 60 Millionen Fr. mußte daher auch weiterhin die Schweiz belasten.  Es wurde hier der Ausweg gefunden, daß diese Münzen bei den bevorstehenden schweizerischen Neuprägungen Verwendung finden könnten.

Dann wurde aber in Abweichung von der Liquidationsklausel von 1885 bestimmt, daß die Eidgenossenschaft erst vom Jahre 1927 ab einen Anspruch auf Bezahlung der fremden Geldstücke machen könne.  Von diesem Zeitpunkt ab solle die Liquidation dann in fünf Jahren vollzogen werden.  Zwar wurde vom Jahre 1925 ab schon eine Verzinsung der Münzen in Aussicht gestellt, doch geht diese selbst bei langsamer Progression in ihrem Höchstbetrage nicht über einen Prozentsatz von 1 ½ % hinaus.

Schließlich wurde auch die schweizerische Hoffnung, man würde durch die Liquidation, wie im Jahre 1885 vorgesehen, gleich in den Besitz größerer Goldvorräte gelangen, durch den Satz getauscht, daß von den einzulösenden Münzen im Betrage von ungefähr 166 Millionen Fr. nur 28,66 Millionen Fr. unter allen Umständen in Gold bezahlt werden mußten.  Der weitaus größte Teil der Münzen sollte aber in schweizerischem Gelde oder Wechseln vergütet werden können.

Das waren, vom schweizerischen Standpunkt gesehen, die Hauptschattenseiten des neuen Münzvertrages.  Hinzu kam, daß neben den 5-Fr.-Stücken die Stellung der belgischen Scheidemünzen eine Neuregelung erfuhr, die nicht den ersten Präzedenzfällen im Münzbunde entsprach.  Zwar wurde auch hier die Einziehung und Außerkurssetzung durch die Schweiz bestätigt.  Eine effektive Einlösung der Scheidemünzen wurde aber durch die Bestimmung umgangen, daß Belgien die Stücke gegen 5-Fr.-Stücke umzutauschen habe, welche ihrerseits zu dem in der Schweiz vorhandenen Bestand belgischer Silberkurantmünzen hinzuzuschlagen wären.  Dadurch wurde der in der Schweiz verbleibende Rest fremder Silbermünzen um mehr als 6 Millionen Fr. vermehrt.

Aus allen diesen Grunden heraus wird die Schweiz daher auch weiterhin noch mit verhältnismäßig großen Silberbeständen belastet sein.  Das ist von vornherein keine Erleichterung einer Währungsneuordnung.  Doch meinte man diese Nachteile ohne Schaden in Kauf nehmen zu können, da die wesentlichste schweizerische Hoffnung, die Nationalisierung des kleingestückelten Zahlungsmittelumlaufes, in Erfüllung gegangen war.

Man glaubte daher auf schweizerischer Seite in den Bestimmungen des Münzvertrages von 1921 neben einigen Schattenseiten so große Zugeständnisse der anderen Unionsmitglieder erkennen zu müssen, daß man seinerseits verpflichtet wurde, Konzessionen zu machen, und das Abkommen unterzeichnete.

Die Stellung der Schweiz im Münzbunde erfuhr dadurch eine scharfe Wendung.  Denn nur durch die Goldmünzen wird nunmehr für sie das Band zur Union geknüpft.  Im übrigen wurde an dem inneren Wesen des Münzbundes durch diesen Zusatzvertrag nichts geändert.  Das 5-Fr.-Stück bleibt für das Gebiet der vier anderen Staaten Kurantmünze der Union.

Die Eliminierung der Scheidemünzen ist dagegen wieder einen Schritt weiter gegangen.  Sie ist jetzt fast vollendete Tatsache geworden.

An der prinzipiellen Stellung der goldenen Kurantmünze schließlich ist durch das neue Abkommen nichts geändert worden.  Wenn auch ihr Umlauf durch die gegenwärtige europäische Wirtschaftslage illusorisch geworden ist [163], so ist sie doch die einzige Münze, die heute noch das Gesamtgebiet des Münzbundes durch ihren Kassenkurs umspannt.  Das ist ein wichtiges Kennzeichen des Wesens der Union latine, wie es durch den Münzvertrag von 1921 verändert wurde.

d) Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft des Lateinischen Münzbundes

§ 16.

Mit dem Abschluß des Münzvertrages vom Jahre 1921 schließt die Periode, welche durch den Krieg für die Entwicklung des Lateinischen Münzbundes herbeigeführt worden ist.  Nachdem wir nun die Schicksale der Union in ihren einzelnen Phasen seit Kriegsbeginn an unserem Auge haben vorüberziehen lassen, harren unser zum Schluß zwei Aufgaben :

Einmal heißt es das Fazit dieser Epoche zu ziehen.  Es soll der Blick rückwarts gewendet und versucht werden, das Hauptkennzeichen der Kriegsentwicklung besonders im Hinblick auf die ganze Geschichte der Lateinischen Münzunion herauszuschälen.  Daraus ergibt sich aber schon die andere Aufgabe : Nach dieser ganzen bisherigen Entwicklungstendenz soll über den Stand der augenblicklichen Vertragsbestimmungen hinaus ein Blick auf die Zukunft des Bundes geworfen werden.

Zu Beginn dieser Untersuchung habe ich die Schicksale des Lateinischen Münzbundes seit dem Kriege als eine geschlossene Periode in der Geschichte der Union bezeichnet.  Die Ausführungen haben dann diese Geschlossenheit des Gebäudes der Kriegsentwicklung im Münzbunde aufzudecken versucht.  Wir haben die beiden für die Geschicke der Kriegszeit maßgebenden Faktoren kennen gelernt.  Sie wurden einmal als die einzelstaatlichen Wirtschaftslagen und dann als die Silberhausse bezeichnet.  Sie bilden die Grundpfeiler des Gerüstes der dargestellten Epoche.  Darüber erhebt sich gleichsam als Dach des ganzen die jüngste Reform des Münzvertrages mit allen ihren Folgen für das Gepräge der Münzunion.

Das Charakteristikum des ganzen Gebäudes ist aus einer vergleichenden Betrachtung dieser Periode mit der gesamten Entwicklung der Münzunion zu erkennen.  Dann stellt sich diese Epoche in der Geschichte des Münzbundes als Glied einer langen, ineinander verflochtenen Kette dar.  Diese Entwicklung kann nach äußerlichen Merkmalen als der Prozeß der »Entsilberung« des Lateinischen Münzbundes bezeichnet werden.

Nach seinen inneren Motiven ist das der Prozeß der Anpassung der Vertragsbestimmungen an die wirtschaftlichen Notwendigkeiten der einzelnen Staaten.  Das zeigt besonders deutlich die durch den Krieg geschaffene Epoche in der Geschichte des Münzbundes.  Die Entwicklung geht von dem Münzvertrage von 1865 aus und führt unter dem Druck der Silberentwertung in den Jahren 1874 und 1885 zur Aufgabe der Doppelwährung und zur Einführung der Goldwährung.  Damit war der erste Schritt zur Verminderung der Bedeutung der Silbermünzen in der Union getan.  Es beginnt nun der Eliminierungsprozeß der Scheidemünzen aus dem Münzbunde.  Er hatte bis zum Kriege noch nicht weit um sich gegriffen.  Nur zwei unbedeutende Staaten waren davon betroffen worden.

Hier hat die Kriegsentwicklung aber eine starke Beschleunigung der Fortentwicklung bewirkt.  Die Eliminierung ist fast vollendet worden.  Zugleich ist aber auch die »Entsilberung« schon über diesen Prozeß hinausgegangen und beginnt jetzt an dem letzten Grundpfeiler der Stellung des Silbers im Münzbunde zu nagen.  Das ist die durch den Krieg hervorgerufene Eliminierung der Silberkurantmünzen in der Schweiz.

In den beiden letzten Punkten liegt die ganze Bedeutung der Entwicklung des Lateinischen Münzbundes seit dem Kriege umschlossen.  Die wirtschaftlichen Wirren der Kriegszeit haben den Entsilberungsprozeß in hohem Maße beschleunigt.  Denn durch sie war einmal der Zweck des Münzbundes illusorisch geworden.  Zum anderen traten aber als ihre Folge die Schattenseiten der Vertragsbestimmungen des Lateinischen Münzbundes durch die Gewalt der ökonomischen Tatsachen mit solcher Deutlichkeit zutage, daß unter allen Umständen Abhilfe geschaffen werden mußte.  Nur die Durchbrechung oder die Abänderung der Vertragsbestimmungen des Münzbundes konnten das Geldwesen verschiedener Staaten vor schweren Gefahren bewahren.

So mußte der Münzvertrag dem Interesse einzelner Mächte weichen.  Das war der Vorgang, der sich schon bei allen früheren Reformen des Unionsvertrages gezeigt hatte.

Diese Entstehungsursache der Abänderungen zum internationalen Münzvertrag der lateinischen Staaten hat aber im Laufe der Zeit eine gewisse Kompliziertheit in den Bestimmungen des Vertrages hervorgerufen.  Man hatte immer ganz individuelle Maßnahmen getroffen, wie sie zurzeit durch die Lage eines einzelnen Staates bedingt worden waren, ohne dadurch für andere Staaten irgendwelche Konsequenzen zu ziehen oder sich zu einer prinzipiellen Stellungnahme veranlaßt zu sehen.

Das verlangsamte die Entwicklung des Münzbundes und führte die erwähnte Uneinheitlichkeit seiner Bestimmungen herbei.  Auch die zukünftige Gestaltung der Lage in der Union wird noch unter dem Einfluß dieses Momentes stehen.  Denn sie muß sich aus dem heutigen Zustande heraus entwickeln.

Am meisten wird sie durch die Verschiedenheit der sich auf die Scheidemünzen beziehenden Bestimmungen beeinflußt werden.  Hier besitzen heute nur noch die belgischen und französischen Scheidemünzen im internationalen Zahlungsverkehr ihrer beiden Staaten gegenseitigen Kassenkurs.  Griechische und italienische Münzen dieser Art haben im Auslande keinen Kurs mehr.  Dagegen können die Münzen der anderen Unionsstaaten noch in Italien und Griechenland zirkulieren.  Schließlich ist jegliches Scheidegeld der Union von dem schweizerischen Umlaufe ausgeschlossen, während die schweizerischen Stücke nur in Frankreich ihren Kurs verloren haben.

Weit einfacher liegen die Dinge in bezug auf die silbernen Kurantmünzen.  Hier sind allein in der Schweiz alle fremden Unionsmünzen von der Zirkulation ausgeschlossen.  Im übrigen haben die schweizerischen Stücke im Auslande den Kassenkurs behalten.  Auch erfreuen sich die 5-Fr.-Stücke der anderen Staaten nach wie vor des gegenseitigen Kassenkurses in den Territorien der vier anderen Unionsmitglieder.

Endlich ist die Einheitlichkeit der Stellung bei den goldenen Kurantmünzen noch vollständig gewahrt geblieben.  Sie werden daher mehr denn je in Zukunft den Grundstock des Lateinischen Münzbundes bilden.

Zwar darf nicht verkannt werden, daß alle diese Vertragsbestimmungen zum großen Teil nur formelle Bedeutung haben.  Denn sie werden durch die wirtschaftlichen Tatsachen illusorisch gemacht.  Das gilt heute für die Gold- wie zum großen Teil auch für die Silbermünzen.  Doch sollten gerade die Schicksale des Lateinischen Münzbundes seit dem Kriege lehren, wie schnell hier durch unvorhergesehene Ereignisse Wandlung geschaffen werden kann, wie schnell gelegentlich jetzt nur formell gultige Bestimmungen auch materielle Bedeutung erlangen können.

Man kann daher nicht über die Zukunft des Münzbundes prophezeien.  Trotzdem ist man immer wieder früher und noch in der Gegenwart sich in Voraussagen über das Geschick des Münzbundes ergangen.  Man kann nur Tendenzen der Fortbildung festzustellen suchen.  Unter Wurdigung der historischen Entwicklung zieht man aus dem gegenwärtigen Zustande einen Schluß auf die zukünftigen Schicksale des Münzbundes.

Die Vergangenheit der Union latine hat bisher noch stets den über sie gemachten Prophezeiungen unrecht gegeben.  Immer wieder machte man Andeutungen über ein baldiges klägliches Ende des Lateinischen Münzbundes.  Und doch kann dieser jetzt schon auf das beträchtliche Alter von fast 60 Jahren zurückblicken.  Man hat dort bereits manchen Sturm glücklich überstanden.  Das macht die Entwicklung der Münzunion, die sich im ganzen als ein Prozeß der Anpassung der Vertragsbestimmungen an die wirtschaftlichen Notwendigkeiten der einzelnen Staaten darstellt, zu etwas Naturlichem und Gesundem.  Es hat der Münzbund unter dem Drücke der Wirklichkeit allmählich eine solche Form angenommen, welche die Staaten nur noch einen kleinen Rest der früheren Schwächen des Münzbundes verspüren läßt.

Das hat allerdings nur unter immer weitergehender Untergrabung des innersten Wesens des Münzvertrages von 1865 vor sich gehen können.  Nicht nur, daß die Scheidemünzen, die ihrer Natur nach einem intervalutarischen Geldwesen fernstehen, fast alle Bedeutung verloren haben.  Auch das silberne Kurantgeld, das den anderen Silberstücken ganz wesensverschieden ist, wurde immer mehr zurückgedrängt.

Es hätte das nicht ohne weiteres aus der Eliminierung der Scheidemünzen zu folgen brauchen.  Denn auch in Ländern der Goldwährung ist das 5-Fr.-Stück als Kurantmünze ein hochqualifiziertes Geldstück geblieben, das ebenso wie die Goldmünze seine Aufgabe im großen Zahlungsverkehr zu erfüllen hat.  Es hat volle Zahlungskraft und ist ohne weiteres in anderes Kurantgeld auswechselbar.  Von diesem Gesichtspunkte aus hätte man versuchen können, die Aufrechterhaltung des intervalutarischen Kurses für diese Silbermünzen zu rechtfertigen.

Trotzdem beginnt aber das Interesse einzelner Mächte auch hier in den Vordergrund zu treten.  Diese Entwicklung läßt aber keinen Grund aufkommen, in der Zukunft des Lateinischen Münzbundes neue schwere Gefahren für die Union kommen zu sehen.  Die Entwicklung hatte eine starke Beschränkung des Geltungsbereichs der Münzunion heraufgeführt.

Die Autonomie der Einzelstaaten ist eine immer größere geworden.  Dafür sind aber die Schattenseiten des Münzbundes immer weiter zurückgetreten.  Die größten Gefahren für die einzelstaatlichen Geldwesen, wenigstens unter den bisherigen wirtschaftlichen Konstellationen, sind beseitigt worden.

Man kann unter diesen Umständen in der Münzunion hoffen, zu einem Gleichgewichtspunkt zu gelangen, an dem man, ohne große Störungen des Geldwesens befürchten zu müssen, noch einige Vorteile aus der Verbundenheit der Geldwesen in den verschiedenen Staaten ziehen kann.  Die Frage ist dann nur die, ob man damit nicht zugleich auf dem Punkte angelangt sein wird, an dem diese Vorzüge des Münzvertrages auf ein Minimum zusammengeschrumpft sind.

Jedoch braucht durch solchen Zustand noch nicht das Todesurteil über den Lateinischen Münzbund gefällt worden zu sein.  Denn noch heute wirken die Umstände fort, welche früher die Haupttriebkräfte für den Bestand der Münzunion bis zum Kriege gewesen sind.

Das Bedürfnis nach Kredit und politischem Schutz bei den schwachen Staaten, dazu im Gegensatz das Verlangen nach politischem Einfluß und nach Kapitalanlage im Auslande bei der führenden Macht im Münzbunde, diese Momente waren früher ein Hauptbindeglied zwischen den lateinischen Staaten.  Sie werden es aller Voraussicht nach auch in Zukunft bleiben.

Äußerlich mag solche Entwicklung des Münzbundes weniger durch die Geltendmachung dieser konkreten Argumente als durch das Hervortreten rein ideeller Gesichtspunkte zu erkennen sein.

Schon oft haben diese in mannigfachen Wirren der Union schwere Sturme überwinden geholfen.  Vielleicht wird der Gedanke der Festigung der Weltstellung des Frankens, wie er noch im Jahre 1920 von der Schweiz verfochten wurde [164], auch weiterhin das Banner sein, unter dem der Lateinische Münzbund einer noch langen Zukunft entgegengeht.

 

III. Kapitel

Die Stellung der modernen Geldtheorie zum Lateinischen Münzbunde seit dem Kriege

§ 17.  Die Gegensätze und Kämpfe in der modernen Geldtheorie

In kaum einem Wissenszweige gehen die Meinungen der Theoretiker so auseinander wie in der Lehre vom Gelde.  Immer wieder wirft man sich dunkle Vorstellungen über die »Seele« des Geldes vor.  So war es schon früher und so ist es bis in die Gegenwart geblieben.

Dem diametralen Gegensatz der Meinungen in diesem Streit der Theorien kann man durch die Schlagworte »Hie Metallismus – hie Nominalismus« Ausdrück geben.  Das sind Bezeichnungen, die von G. F. Knapp geprägt worden sind und bald allgemeinen Eingang in die moderne Wissenschaft gefunden haben.  Aus der Neuheit dieser Namen darf man jedoch nicht auf ein jugendliches Alter dieser Auffassungen vom Wesen des Geldes schließen wollen.  Die Wurzeln dieser Theorien liegen weit zurück [165].

Seit langen Jahrzehnten haben sich diese Gegensätze in den Anschauungen über das Geldwesen gezeigt.  Sie haben sich auf das schwerste befehdet, ohne daß jedoch ein positives Ergebnis aus diesem Streit der Theorien erwachsen wäre.

Dies unbefriedigende Resultat geistiger Arbeit, die sich über Generationen hin erstreckt hat, scheint fast auf die Unfruchtbarkeit der Beschäftigung mit diesen Problemen hinzuweisen.  Und doch ist gerade für das Geldwesen dieser Pessimismus nicht am Platze.  Denn mehr als auf vielen anderen Gebieten ist hier die Theorie dem menschlichen Leben, geistiger und auch materieller Art, unentbehrlich.

Daher gilt es, die alten Gegensätze immer wieder von neuem aufzunehmen und sie auf ihren wahren Kern zu prüfen.  Vor allem aber muß untersucht werden, inwiefern die Widerspruche der Theorien gar nicht in der Natur des Geldes liegen, sondern nur im Wesen des menschlichen Geistes begründet sind.

Einen Beitrag zu dieser Arbeit versuchen auch vorliegende Betrachtungen zu geben.  Die Ausführungen sollen daher für das folgende Kapitel dadurch gekennzeichnet sein, daß wir uns bemühen wollen, den Gegensätzen der prinzipiellen Anschauungen beider Richtungen, soweit sie bei einer Betrachtung des Lateinischen Münzbundes in seinen Schicksalen seit dem Kriege zutage treten, auf den Grund zu gehen.  An der Hand unseres geschilderten Materials sollen die gegensätzlichen Auffassungen dargelegt und schließlich im letzten Abschnitte versucht werden, ein Bild von der Große der zwischen beiden Theorien sich ausbreitenden Kluft zu entwerfen.

a) Der Prinzipienstreit nominalistischer und metallistischer Geldtheorie im Hinblick auf den Lateinischen Münzbund seit dem Kriege

§ 18.  Geldtheorie und Münzbund unter dem Einfluß einzelstaatlicher Faktoren

Die Verschiedenheit von nominalistischer und metallistischer Anschauung springt dem Betrachter gleich bei einer Beobachtung der bei Kriegsausbruch im Lateinischen Münzbunde eingetretenen Veränderungen ins Auge.  Die Noteneinlösung in Metall wurde damals überall suspendiert und den Scheinen gesetzliche Zahlungskraft zugesprochen.

G. F. Knapp, dessen »Staatliche Theorie des Geldes« nach der allgemein herrschenden Auffassung als das Standardwerk des Nominalismus bezeichnet werden kann, sagt von diesen damals eingetretenen Veränderungen : Man ging bei Kriegsbeginn von der Goldwährung zur Papierwährung über [166].  Die Noten sind von jetzt ab das eigentliche und das wahre Geld.  Der Staat zeigt sich hier als das Zentrum der gesamten Geldverwaltung.  Er emittiert die Noten.  Seinem Machtspruche verdanken die Scheine ihre Geltung [167] und Zirkulationsfähigkeit.  Ob Metallstück oder Papierschein, immer ist es die staatliche Gewalt, welche den Dingen die Geldfunktion beilegt.  So war es schon früher, das tritt jetzt aber mit besonderer Deutlichkeit zutage [168].

Im direkten Gegensatz zu dieser Auffassung steht die Ansicht des Metallisten über die Erscheinungen seit Kriegsbeginn.  Er meint, daß sich der Zwangskurs der Noten nur als eine Hinausschiebung der Metalleinlösung darstellte.  Noten sind ihm nie selbständiges Geld [169].  Auch jetzt blieb noch weiterhin wie früher nur das Metall Wertmesser.  Denn dies ist überhaupt erst der Schöpfer des Geldes.  Ohne den inneren Wert, den ihm sein Metallgehalt leiht, kann ein Zahlungsmittel gar nicht existieren [170].  Wenn daher überhaupt Papierscheine störungslos als Geld im Verkehr zirkulieren sollen, so ist das nur dadurch zu ermöglichen, daß die Noten als Vertreter von Metallquantitäten erscheinen [171].  Statt das Gold oder Silber auszuprägen und in den Verkehr zu bringen, wird das Metall in einzelnen Kassen deponiert und an seiner Stelle Papiergeld in Umlauf gesetzt.  Nur so kann eine wirksame Begrenzung der Notenzirkulation erreicht werden und verhütet werden, daß der Staat durch behebige Schaffung neuer Kaufkraft den Geldwert und damit das ganze Warenpreisniveau von Grund auf revolutioniert [172].

Aus diesen Umständen folgt dem Metallisten die Notwendigkeit, wenn sich aus finanzieller Not des Staates die Metalleinlösung in Gold nicht durchführen läßt, so doch wenigstens für eine möglichst hohe Deckung der umlaufenden Papierscheine in Metall Sorge zu tragen.  Nur dadurch kann man den Wert des Geldes im Auslande, aber vor allem auch im Inlande [173] auf eine feste Grundlage stellen.  So erklärt sich für ihn das bei Kriegsbeginn sich überall geltend machende Streben der Zentralnotenbanken, möglichst große Mengen der umlaufenden Münzen, besonders der Goldstücke, an sich zu ziehen.

Knapp als Vertreter des Nominalismus bezeichnet dagegen solche Begründung als völlig laienhaft und sagt, diese Politik entsprach nur dem Grundsatze : für das Inland notale, das ist unterwertige Geldverfassung, für das Ausland aber Barverfassung [174].  Die staatliche Geldverwaltung brauchte das Gold für die Politik der intervalutarischen Kursstabilisierung.  Für den inlandischen Zahlungsverkehr bringen unterwertige Zahlungsmittel keine Schäden mit sich.  Sie sind nicht besser und schlechter als bare Münzen.

Wie wäre dann aber, fragt hierauf der Metallist, die gewaltige Metallthesaurierung im Münzbunde bei Kriegsbeginn, besonders in Frankreich, dessen Devisenkurse sich damals über Pari bewegten, zu erklären ?  Die Papierscheine müssen also doch wohl das schlechtere Geld sein.  Die Bevölkerung wollte sich nicht die guten Metallstücke aus den Fingern ringen lassen, um sie gegen an sich wertlose Scheine einzutauschen [175].  Anders kann er sich diese Erscheinung nicht erklären.

Ganz anders denkt der Nominalist.  Für ihn handelt es sich hier nur um den laienhaft verbohrten metallistischen Aberglauben an die Güte des Metallgeldes.  Der Anblick der metallischen Platte erstickt alle anderen Erwägungen über Wesen und Wert des Geldes [176].

Durch die Thesaurierung wurde nur der Geldverwaltung ihre Politik dem Auslande gegenüber erschwert, wenn nicht zum Teil unmöglich gemacht.  Man brauchte das Gold in den Kassen der Zentralnotenbank, um im Bedarfsfalle bei ungunstigem Stande der Wechselkurse mit ihm auf dem eigenen oder fremden Devisenmarkte kursregulierend einwirken zu können [177].  Zu diesem Zwecke mußte man im nationalen Interesse unter allen Umständen der Metallthesaurierung vorzubeugen suchen.  So ist die Propaganda für die Goldablieferung in Frankreich oder die Beschränkung der Bankauszahlungen in der Schweiz, um das Gold durch Mangel an Zahlungsmitteln wieder in den Verkehr zu ziehen, dem Nominalisten wohl erklärlich.  Es mußte versucht werden, das Publikum von seinem sinnlosen Vorgehen abzubringen.

Diese Auffassung kann dem Metallisten nicht einleuchten.  Er gibt zu, daß durch die Metallthesaurierung der Geldverwaltung ihre Arbeit stark erschwert wurde.  Man mußte bemüht sein, alle Metallbestände des Landes zu zentralisieren, um auf ihrer gesicherten Grundlage ohne Gefahr eine ausreichende Notenemission vornehmen zu können.  So begreift er auch die Maßnahmen, welche ein Hervorlocken der in den Schlupfwinkeln des Verkehrs verschwundenen Münzen bezweckten.

Doch ist ihm die Zurückhaltung des Publikums diesem Vorgehen gegenüber wohl verständlich.  Vor allen Dingen hat diese Erscheinung ihm neben allen ihren Unbequemlichkeiten für den Staat auch eine gute Seite.  Denn wie wäre sonst der hohe Kursstand der französischen Valuta nach Kriegsbeginn zu erklären ?  Von Anfang an hatte man die Notenpresse stark in Anspruch genommen.  Die Golddeckungsquote der Noten sank rasch.  Trotzdem bewegten sich die französischen Wechselkurse über Goldpari.  Die Erklärung ist hier einfach durch die im Volke thesaurierten Metallmengen gegeben, durch welche die emittierten Noten in Wirklichkeit noch voll gedeckt werden konnten.  Erst als im Jahre 1915 die Notenemission fortgesetzt wurde, die thesaurierten Metallmengen aber durch Ablieferung an den geschwachten Barbestand der Notenbank verringert wurden, konnten sich die Folgen der gesunkenen Metalldeckung im Kurse der Noten zeigen [178].

Hier ist zugleich die Erklärung für die sich allenthalben nun bemerkbar machenden Kursschwankungen und -differenzen zwischen den Valuten der verschiedenen Staaten in der Münzunion gegeben [179].  Die Finanznot der Staaten war nach deren wirtschaftlichen Kräften verschieden und zwang die Mächte daher in ungleichem Maße von ihrer Notenpresse Gebrauch zu machen.  Daher sank die Metalldeckungsquote des Papiergeldes bei einigen Staaten auf ein immer niedrigeres Niveau herab, die umlaufenden Notenmengen waren in dauerndem Steigen begriffen, während die anderen Mächte, besonders die Schweiz, dauernd ihre Noten zu einem normalen Prozentsatz deckten und damit ihrer Notenzirkulation eine feste Grenze ziehen konnten [180].  Die Schweiz vermochte natürlich dadurch ihre Valuta auf dem Goldwerte zu erhalten, während das Geld der anderen Mächte dauernd an seiner Weltgeltung einbüßte.

Demgegenüber glaubt der Nominalist die Gegensatze in den einzelstaatlichen Wirtschaftslagen des Münzbundes, wie sie der Union in den letzten Kriegsjahren ihr Gepräge aufdrückten, und in der Verschiedenheit der Wechselkursgestaltung zum Ausdrück kamen, auf ganz andere Momente zurückführen zu müssen.  Die Metalldeckung ist für den Wert des Geldes ganz unwesentlich.  Die Valuten sind Preise, die auf der Börse durch das Spiel von Angebot und Nachfrage entstehen, auch die Aussichten auf die Zukunft können sich hierin offenbaren [181].  Das Primum movens ist für die Kursgestaltung letzten Endes aber stets der jeweilige Stand der Zahlungsbilanz.

Nur so erklärt sich ihm der anfängliche hohe französische Devisenkursstand, desgleichen auch die ganze später einsetzende Herausbildung von starken Differenzen zwischen den Valuten der Staaten des Münzbundes, insbesondere auch die Vormachtstellung der Schweiz in der Union.

Aus dieser verschiedenen Auffassung von den Ursachen der Kursgestaltung ergibt sich für beide Theorien zugleich auch eine Erklärung für die Entstehung eines Agios bei den Unionsmünzen in den einzelnen Münzbundstaaten.  Zunächst stellten die in den schwachvalutarischen Staaten umlaufenden Münzen einen größeren Wert dar, sobald man sie in das höher valutarische Ausland des Münzbundes exportierte, wo ihnen zum mindestens der Kassenkurs gebührte [182].

Daher begannen die Münzen dorthin abzufließen.  Dann aber konnten die Stücke auch ihrem Metallgehalte nach überwertig werden und so ein Agio erlangen [183].  Die Münzen verschwanden darauf hauptsächlich im eigenen Lande aus dem Verkehr und wurden eingeschmolzen.

Was mußte nun aber, so muß man jetzt weiter fragen, die Folge dieser Agioerscheinungen sein ?  Hier beginnen die Wege metallistischer und nominalistischer Auffassung sich wieder zu trennen.

Die Wirkung des Verschwindens der übergewichtig gewordenen Münzen – es handelt sich hier, wenn wir vorläufig noch von der Silberhausse absehen, nur um die Goldstücke – wird von beiden Theorien analog der zu Kriegsbeginn auftretenden Metallthesaurierung erklärt.

Der Metallist betont die Verringerung der Metalldeckungsquote des Notenumlaufes [184], während der Nominalist sich vor allem der Möglichkeit beraubt sieht, durch die verschwundenen Münzen eine Stärkung des Goldschatzes der Zentralnotenbank für ihre ihtervalutarische Goldpolitik herbeizuführen [185].  In der Abhilfe aus dieser Lage ist beiden Theorien zugleich in verschiedener Weise die Begründung für die in Frankreich und der Schweiz erlassenen Goldausfuhrverbote gegeben.

Nicht anders wie hier denkt der Metallist auch im Hinblick auf die andere Art des Agios, welche den Abfluß unterwertiger Münzen in das höhervalutarische Ausland bewirkte.  Auch das Silber stellt wie das Gold eine fungible, wertvolle Ware dar.  Man wollte sich daher durch das Silberausfuhrverbot die nach seiner Ansicht notwendigen Stützen der Wertstabilität des heimischen Geldes erhalten.

Doch muß der Nominalist solche Auffassung wieder durchaus ablehnen.  Die Silberausfuhrverbote lassen sich für ihn überhaupt nicht in derselben Weise wie die gleichen Maßnahmen für das Gold theoretisoh erklären.  Die Bedeutung dieses Vorgehens liegt viehmehr in dem Umstände, daß dadurch eine Entblößung des Verkehrs von kleingestückelten Zahlungsmitteln, mithin eine Erschwerung des Kleingeschäftsverkehrs, verhindert werden sollte.  Unterwertiges Silbergeld ist zwar für ihn nicht um ein Deut »besseres« Geld als von Hause aus wertlose Papierscheine.  In dem Streben nach Aufrechterhaltung einer Silberzirkulation sieht er aber eine Konzession an den Metallaberglauben des Publikums [186].

Während man in normalen Zeiten hiergegen ohne Bedenken Gewaltmaßnahmen wird ergreifen können, vorausgesetzt, daß diese einige Aussicht auf Erfolg haben, muß man in unruhigen Augenblicken, besonders in Kriegswirren, diesen Eigensinn als gegebenen Faktor in die Rechnung der Geldpolitik einstellen.  Man muß so zu verhindem suchen, daß die Bestürzung des Publikums auf die Spitze getrieben wird, wodurch dem Geldwesen und dem ganzen Staate große Gefahren erwachsen könnten.

So die Stellungnahme des Nominalisten zu diesen Erscheinungen.  Sie zeigt, daß auch er, genau so wie der Metallist, die auftretenden Erscheinungen und Maßnahmen wohl zu würdigen weiß.  Allein die Motive der Beurteilung gehen bei beiden Theorien auseinander.

Doch haben schon die wenigen hier aufgeführten Momente, die für die Entwicklung des Lateinischen Münzbundes unter dem Einfluß der einzelstaatlichen Wirtschaftslagen während des Krieges von Bedeutung gewesen sind, die Hauptgegensatze zwischen den Auffassungen nominalistischer und metallistischer Geldtheorie aufdecken können.  Alle anderen Erscheinungen, die sich im Verlaufe dieser Epoche in der Union gezeigt haben, lassen sich in ihrer Beurteilung durch die Theorie auf die dargelegten Argumentationen zurückführen.

Es ist das ein Hinweis darauf, daß alle diese Verschiedenheiten der Anschauungen nicht irgendwelchen Zufälligkeiten entspringen können.  Die häufige Wiederkehr der gleichen Gegensätze beweist, daß die zwischen den Theorien bestehenden Zwiespalte auf ganz bestimmte Wurzeln zurückzuführen sein müssen.

Diese Erkenntnis wird noch bestätigt durch eine vergleichende Betrachtung der Anschauungen von Nominalismus und Metallismus über die durch die Silberhausse der Kriegszeit und die Reform des Münzvertrages für die Lateinische Münzunion geschaffene Lage.  Die wesentlichen Gegensätze in den Auffassungen der Theorien treten hier noch einmal mit ganzer Klarheit zutage und lassen vor allem auch einen Einblick in die Grundeinstellungen tun, aus welchen alle diese Differenzen hervorgegangen sind.

§ 19.  Silberkonjunktur, Reform des Münzbundes und Geldtheorie

Die Silberpreisbewegung war in früheren Jahren ein Hauptgegenstand der Kontroversen zwischen den Theorien gewesen.  Der Metallist faßte die Entwicklung der Preisnotierungen rein marktmäßig, wie bei jedem anderen Metall oder Gute, als Quintessenz des Spieles von Angebot und Nachfrage auf [187].

Der Nominalist gestand zwar das Wirken der vom Metallisten angenommenen Kräfte zu, glaubte aber in diesem Prozesse einem anderen Faktor einen so modifizierenden Einfluß zuschreiben zu müssen, daß dieser für ihn in praxi tatsächlich für die Preisentwicklung maßgebend war [188].  Das war der Einfluß der Staaten, welche Silberwährung mit freier Ausprägung des Metalles hatten.  Hierdurch wurde dem Silber je nach dem Bedarf der Marktlage eine dauernde Absatzquelle oder ein großes Angebot zu stets festem Preise geschaffen.  Daher wurde der Silberpreis auf dem Weltmarkte an den Wechselkurs dieser Silberwährungsländer gebunden.

So war es früher, besonders so lange der Hauptsilberkonsument Indien über eine reine Silberwährung verfügte.  Seither ist der Silberpreis aber vom dortigen Wechselkurse losgelost worden.  Die Preisentwicklung für das weiße Metall geht jetzt ohne direkten Einfluß staatlicher Geldverwaltungen von größerer Bedeutung vor sich.  Der Kurs entsteht prinzipiell nicht anders als bei jedem anderen Metall, das gar keine monetäre Verwendung findet.

Die Differenzen der Auffassungen zwischen Nominalismus und Metallismus in diesem Punkte sind daher praktisch aus der Welt geschafft.  Allein diese Einigkeit der Anschauungen erstreckt sich nur auf die Entstehung der Silberkonjunktur und deren Erklärung.  Geht man aber wetter und forscht nach den Folgen der Hausse, wie sie sich für den Lateinischen Münzbund ergaben, so zeigt sich bald wieder der alte Gegensatz der Auffassungen.

Als die übergewichtig gewordenen Münzen aus dem Verkehr verschwanden, um eingeschmolzen zu werden, mußte dem Nominalisten vor allem eine Gefährdung des Zahlungsverkehrs durch Mangel an Kleingeld vor Augen stehen [189].  Um dem zu entgehen, mußte man zu irgendwelchen Maßnahmen greifen.  Es geschah das in der Schweiz durch den Erlaß des Verbotes der Einschmelzung von Silbermünzen.

Solcher nominalistischen Argumentation würde in diesem Falle auch der Metallist zustimmen können.  Im Hintergrunde bleibt dann bei ihm aber immer die andere Vorstellung bestehen, daß einmal durch die Einschmelzung von Münzen, zum anderen durch die Neuemission von Noten als Ersatz für die fehlenden Geldstücke eine starke Verminderung der metallenen Grundlage des Geldwesens herbeigeführt werden mußte [190].  Dem sollte nach seiner Meinung letzten Endes durch die schweizerische Maßnahme vorgebeugt werden.

Dieser Schutz der Metalldecke in den einzelstaatlichen Geldwesen ist zugleich dem Metallisten auch der Hauptsinn der ganzen Reformbewegung im Münzbunde nach dem Kriege gewesen.  Die Eliminierung der Silbermünzen aus der Union ist ihm nur erklärlich und verständlich aus dem Streben heraus, eine Befestigung des metallenen Fundaments im heimischen Geldwesen der einzelnen Staaten herbeizuführen.

Denn hier sah er früher die größten Gefahren der Münzunion für das Geldwesen eines Staates in seinem Inneren.  Die Agioerscheinungen entblößten das Land von Metallgeld, was dann böse Folgen für die intervalutarischen Beziehungen des Staates haben mußte.  Als Schutz gegen solche Gefahren des Unionsvertrages ist das schweizerische Streben nach Nationalisierung der Silberzirkulation, wie es auf den letzten Pariser Konferenzen zutage trat, dem Metallisten leicht zu rechtfertigen.

Als Nominalist kann man die Reform des Lateinischen Münzbundes nach dem Kriege unter einem ganz anderen Gesichtswinkel betrachten.  Die Entwicklung wird hier nicht als Festigung der Metallgrundlage des Geldwesens der Einzelstaaten, sondern als Beschränkung des Münzvertrages auf die baren, vollgewichtigen Münzen angesehen.  Durch diesen Prozeß wird ein Zustand angebahnt, wie man ihn nach Knapp schon bei Begründung des Münzvertrages vor Augen gehabt hatte.  Die Silbermünzen, auch soweit sie Kurantmünzen sind, treten immer mehr zurück.  Es wird dadurch eine Erschwerung der Erscheinung erreicht, die man seit 1876 noch in Frankreich hatte beobachten können, daß nämlich die Silbermünzen durch Ansammlung in den Staatskassen zum Währungsgelde wurden.

Unterwertige Silbermünzen sind aber vom nominalistischen Standpunkte aus nicht besseres Geld als Papierscheine.  Aus Gründen der intervalutarischen Kurspolitik gibt der Nominalist den Goldmünzen vor ihnen als Währungsgeld den Vorzug [191].  Denn die führenden Wirtschaftsländer verfügen über Goldwährungen.  Der Außenhandel jedes Landes ist zu einem großen Teil von ihnen abhängig.  Man ist daher an stabilen Wechselkursen zu diesen Ländern interessiert.  Das wird aber bei Barverfassungen durch Angleichung der Währung an die Geldsysteme jener Mächte erreicht.

Der Staat muß sich nach den Verfassungen anderer Staaten richten.  So ist die Goldwährung durch staatliche Gewalten zur Herrschaft gelangt [192] und so wird sie auch weiterhin herrschen.  Daher gilt der Wiedereinsetzung der Goldwährung das Streben des Nominalisten.  Aus diesen Gründen erklärt er die während der Reform des Münzbundes in der Schweiz schwebenden Bestrebungen auf eine baldige Wiederherstellung einer Goldzirkulation, wie überhaupt die aus den heutigen Vertragsbestimmungen des Münzbundes hervorgehende überragende Stellung der Goldmünzen in der Union latine.

Doch scheint dem Metallisten diese Auffassung etwas gekünstelt zu sein.  Er erstrebt die Goldzirkulation in gleichem Maße wegen ihrer Vorzüge für den inneren wie für den interterritorialen Zahlungsverkehr.  Die Vorteile der Goldwährung ergeben sich ihm allein aus den Eigenschaften dieses Metalles.  Vermöge seiner großen Wertbeständigkeit ist es am meisten geeignet, die Geldfunktion zu übernehmen [193].

Denn es bietet dem einzelnen Individuum die größte Sicherheit für die Erhaltung des an Stelle des Geldes hingegebenen Wertes [194].  Gold ist in der ganzen Welt gleich geschätzt und daher auch bei den interterritorialen Wirtschaftsbeziehungen der geeignete Wertmesser aller Güter.  Die Fungibilität des Metalles als Ware, die dem Privaten für das Gold bei dessen Wertbeständigkeit leichte Verwendungsmöglichkeit gibt, ist dem Metallisten so der Urgrund für die Einführung der Goldwährung und zugleich die Wurzel der Begründung für das Streben nach Wiederherstellung dieses Zustandes, wie er sich in der Schweiz nach dem Kriege zeigte.

Daher liegt ihm auch der Grund für die überragende monetäre Stellung des Goldes im Münzbunde letzten Endes im Metalle selbst und in seinem Verhältnis zu dem einzelnen Individuum.  Das hat seiner Ansicht nach der Nominalist verkannt.  Nicht die staatliche Gewalt hat die Goldwährung geschaffen und ihr die Weltherrschaft erobert, sondern die Staaten haben nur aus der tatsächlichen Lage die gegebenen Konsequenzen gezogen, die zum heutigen Zustande hinführten.

Diese Gegensätze der Anschauungen führen uns wieder an den Anfang unserer Betrachtungen über den Streit der Geldtheorien zurück.  Immer wieder kommt man bei allen Differenzen in den Auffassungen der beiden Lager auf die Wurzel des Gegensatzes zurück.  Auf der einen Seite tritt stets der Staat und seine Gewalt in den Vordergrund, während die andere Seite von sich, dem Individuum aus, die Probleme betrachtet.

So resultieren alle Abweichungen der Lehren des Nominalismus und Metallismus aus einem Zwiespalt : Das ist die Frage nach dem Wesen, »der Seele«, des Geldes.  Was ist das Geld ?  Eine fungible Ware, ein Stück Metall, an dem alle andern Preise gemessen werden ?  Oder ein Stück ganz abstrakter Kaufkraft, die vom Staate dekretiert und durch mancherlei versinnbildlicht werden kann ?

In der verschiedenen Beantwortung dieser beiden Fragen liegt der ganze Gegensatz von Nominalismus und Metallismus umschlossen.

b) Das Verhältnis der Geldtheorien zum wahren Wesen des Geldes

§ 20.  Die Subjektivität der Geldtheorie

Die Ausführungen über die Stellung der Theorie zum Lateinischen Münzbunde seit dem Kriege haben gezeigt, wie bereits ein ganz kleiner Ausschnitt aus der Geschichte des Geldwesens sofort auf die Wurzeln des Streites der Theorien hinweist.  Immer wieder führen alle Gegensätze auf zwei gegenüberstehende Punkte hin, die verschiedene Auffassungen über die Seele des Geldes verkörpern.

Wenn man aber aus diesem Gegensatz der Auffassungen zu einem einheitlichen Ergebnis gelangen will, so stoßen zwei Fragen auf : ist es zunächst möglich einen Fehler in dem Gedankenbau einer der beiden Theorien nachzuweisen ?  Bei einer solchen Inkonsequenz wäre dann zu prüfen, ob sie nicht in der Art richtig gestellt werden könnte, daß dem Wesen der Theorie kein Abbruch getan werden müßte.  Dann drängt sich aber die andere Frage auf : Sind vielleicht die Ausgangspunkte, auf denen die Gebäude der Theorien errichtet sind, falsch ausgewählt ?

Man hat oft versucht, hier zu einem Ergebnis zu gelangen.  Die sich gegenseitig befehdende Literatur der Theorien glaubte immer wieder, besonders für den letzten Punkt einen objektiven Maßstab finden zu können.

Es ist dabei aber nie ohne Subjektivität abgegangen.  Denn es steht nicht in den Sternen geschrieben, ob der Staat oder das Stück Metall als eine Ware wie alle andern Güter das Fundament des Geldwesens bildet.  Die Logik kann aber aus diesem Dilemma nicht befreien.

Geht man nämlich von der historischen Entwicklung der Zahlungsmittel aus, so scheint die Ware allein die Seele des Geldes zu bilden [195].  Blickt man aber aus der Gegenwart rückwärts, so scheinen jene früheren Zeiten nur Vorstufen des modernen Geldes darzustellen.  Die Gegenwart, die Zeit der modernen Volkswirtschaft und der Weltwirtschaft, hat erst aus dem Zahlungsmittel als dem weiteren Begriff das Geld herausgebildet.  Es stellt die höchste Stufe der Entwicklung dar.  Sie zeigt aber stets, besonders wenn alle Formen des modernen Geldes berücksichtigt werden, einen durchschlagenden Einfluß des Staates auf sein ganzes Gepräge.

Für beide Betrachtungsweisen lassen sich beweiskräftige Gründe anführen.  Man kann sagen, daß gerade die historische Betrachtung besonders geeignet sein muß, die wesentlichen Momente im Geldwesen hervortreten zu lassen.  Dann bereitet die Erklärung mancher modernen Erscheinungen auf diesem Gebiete einige Schwierigkeiten [196].

Dem kann man entgegenhalten, daß der Geldbegriff so weit gefaßt sein muß, daß er alle Erscheinungen der Gegenwart ohne weiteres in sich umfaßt.  Dann macht die Betrachtung historischer Zustände oft Beschwerden [197].

Keine der beiden Auffassungen kann durch die Argumentation der andern Seite wirklich widerlegt werden.  Die Ausgangspunkte der Theorien sind unanfechtbar [198].  Für die Richtigkeit einer Theorie vor der andern ist daher durch eine solche Betrachtung nichts zu gewinnen.

Und doch sind alle diese Erwägungen nicht unfruchtbar.  Denn sie lassen zweierlei erkennen : Einmal wird dadurch ein Schlaglicht auf die Relativität jeder Erkenntnis der menschlichen Vernunft geworfen.  Es tritt die historische Bedingtheit aller Begriffe, mit denen der Geist arbeitet, zutage.

Zum anderen zeigt sie aber, daß der tiefere innere Gegensatz der Theorien auf Voraussetzungen gegründet ist, die nicht in den Dingen selbst, sondern im Wesen des menschlichen Verstandes und seiner Grenzen liegen.

Der Geist kann die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen unserer Welt nicht ohne weiteres in sich aufnehmen.  Er versucht sie zu typisieren und schematisieren.  Dadurch verschafft er sich sein Begriffssystem und seine Wertungsnormen.  Erst dann kann das Weltbild seinem Fassungsvermögen angepaßt werden.  Das kann aber nicht ohne Willkürlichkeiten abgehen.  Denn eine feste Norm ist hierfür nicht vorhanden.  Die Subjektivität des einzelnen Individuums spricht das letzte Wort.

So sind auch die Grundeinstellungen von Nominalismus und Metallismus entstanden.  Sie stellen sich uns als Prinzipien der Erfassung von Erscheinungen des Lebens durch den menschlichen Geist dar.  Es gehen diese Grundeinstellungen also in ihrer Bedeutung weit über das verstandesmäßige Begreifen der Probleme des Geldwesens hinaus.

Der Staat, das große Sozialgebilde menschlicher Kultur, der Vertreter der Gesamtheit, die Verkörperung von Vergangenheit und Zukunft eines Volkes, tritt bei dem Denken des einen Individuums immer wieder beherrschend in den Vordergrund.

Bei dem anderen sind es die konkreten Güter der Bedürfnisbefriedigung in ihrem Verhältnis zum eigenen Ich des Individuums, welche einen entscheidenden Einfluß auf die Gedankenwelt des Menschen ausüben.

Das sind die Fundamente zweier Weltanschauungen, welche das ganze geistige Leben des Menschen beherrschen : Das Individualprinzip und das Sozialprinzip.  Sie stehen sich entsprechend den Motiven ihrer Entstehung unversöhnlich gegenüber.  Sie können im Leben wohl die verschiedenartigsten Kompromisse schließen.  Zwischen den Prinzipien an sich bleibt aber stets die gleiche Kluft bestehen.  Gegenseitig widerlegen können sie sich nicht.  Hierzu fehlt es an jedem objektiven Anhaltspunkte.

Am deutlichsten kommt dieser subjektive Gegensatz der Weltanschaungen bei der Lehre vom Gelde durch die extremen Richtungen beider Geldtheorien zum Ausdrück.  Denn beide haben die äußerste Konsequenz ihres prinzipiellen Standpunktes zu ziehen versucht und lassen daher am leichtesten einen Einblick in die Psychologie der Vertreter dieser Lehren tun.

Es zeigt sich hier, daß der eine von dem Standpunkt ausgeht, daß nur das Individuum und seine augenblickliche größtmögliche Bedürfnisbefriedigung höchster und letzter Zweck aller Wirtschaft sein kann.  Er wird notwendig zu einer metallistischen Auffassung des Geldes gelangen.  Denn nur das Metall, die fungible Ware, kann dem Individuum eine nach menschlichem Ermessen bestmögliche und von allen Zufällen des Lebens unabhängige Sicherung der Bedürfnisbefriedigung gewähren [199].

Demgegenüber glaubt der andere die Zukunft des Staates und des Staatsvolkes über das augenblickliche Schicksal des Individuums stellen zu müssen.  Der Staat ist das Höchste [200].  Im Hinblick auf die Zukunft seines Volkes wird er gern eine Beschränkung des gegenwärtigen Konsums in den Kauf nehmen.  Daraus folgt ihm aber zugleich eine rein staatliche Auffassung vom Wesen des Geldes.  Das Geld ist eine rein vom Staate dekretierte Einheit, an der die Preise gemessen werden.  Das Schicksal des Staates ist auch das Schicksal des Geldes und zugleich das Geschick des Staatsburgers.

Das Nationalprinzip stellt sich hier dem Individualprinzip des metallistischen Theoretikers entgegen.

§ 21.  Die Grenzen der Subjektivität und die daraus folgende Beschränkung der Kluft zwischen den Theorien

Der Aufbau von Nominalismus und Metallismus auf Prinzipien der Weltauffassung hat außer der geschilderten Subjektivität der Anschauungen noch besondere Folgen nach sich gezogen.  In beiden Lagern sind außer den Auffassungen, die unserer Darstellung zugrunde gelegt wurden, Lehren vom Wesen des Geldes aufgestellt worden, die oben als extreme Richtungen des Nominalismus und Metallismus erwähnt wurden.  Das sind der Antimetallismus und der krasse Metallismus [201].

Beide lassen sich streng logisch einwandfrei formulieren.  Sie können daher nicht a priori als falsch bezeichnet werden.  Doch haben wir in der Darstellung nicht ohne Absicht von einer Berücksichtigung dieser Spielarten des Nominalismus und Metallismus abgesehen.  Denn obwohl sie am leichtesten die subjektiven Prinzipien ihrer Lehren hervortreten lassen, wären sie einer Erkenntnis von der Seele des Geldes und damit von dem Wesen der Schicksale der Union latine seit Kriegsbeginn wenig förderlich gewesen.

Das folgt aus der ausschließlichen Herrschaft des jeweils einen Prinzips bei diesen extremen Lehren vom Gelde.  Diese Prinzipien sind ihrer Natur nach Maßstabe, die als die Grundrichtungen des individuellen Sinnes zur Meisterung der konkreten Erscheinungen an das Leben angelegt werden.  Ein solcher Maßstab wird daher von außen, vom Geiste her, in die materielle Erscheinungswelt hineingetragen.  Daher birgt er etwas vom Wesen dieses Geistes in sich.  Aller Vielgestaltigkeit der Welt, welche der Verstand nur durch Typisierung in sich aufzunehmen vermocht hat, steht das Prinzip als starres Schema gegenüber.

Diese Sprödigkeit führt dann aber leicht den eigenartigen Zustand herauf, daß die aus dem Prinzip gezogenen Konsequenzen letzthin gegenüber den mannigfachen Erscheinungen unserer Welt widersinnig erscheinen.  Der logische Aufbau der Gedanken weist nicht den geringsten Fehler auf.  Trotzdem zeigen sie am Ende ein den bestehenden Daseinsgestaltungen wenig angepaßtes Ergebnis.

Das Gedankengebäude hat den Konnex mit dem pulsierenden Leben verloren.  Der für das Leben bestimmte Maßstab vermag sich dem Weltenkorper nicht mehr anzupassen.  Er arbeitet nur noch mit den ihm abgezogenen Begriffen.  Im übrigen ist aus der Lebensnorm eine reine Spekulation geworden.

Das kann aber nicht der Sinn einer Theorie sein sollen [202].  Ihr Zweck ist allein die Erkenntnis der Erscheinungen unserer Welt.  Nur um des Verstehens willen besteht die Theorie.  Allein hieraus folgt auch ihr Selbstzweck gegenüber dem praktischeri Leben.  Eine Theorie des Geldes hat daher eine wissenschaftlich disputable, zwanglose Erklärung des Geschehens auf dem Gebiete des Geldwesens zu geben.  Nicht mehr und nicht weniger.

Sie kann nicht publizistisch sein und Rezepte für die Praxis geben wollen.  Ebensowenig kann sie Erfahrungen der Praxis verneinen wollen.  Das ist der Punkt, an dem sich die extremen Richtungen der Geldtheorien streng von den unseren Ausführungen zugrunde gelegten Auffassungen scheiden.

Allein der Nominalismus und Metallismus haben diese Grenze innezuhalten vermocht und sich dadurch von Publizität und Utopismus freigehalten.  Die radikalen Richtungen glauben aber empirische Erkenntnisse außer acht lassen zu können und für eine völlige Umwalzung der bestehenden Ordnung des Zahlungswesens Propaganda machen zu müssen.

Mit Leichtigkeit glaubt man durch eine radikale Reform des Geldwesens alle Schwächen der bestehenden Ordnung aus der Welt schaffen zu können.  Dies Ergebnis der extremen Denkungsart über das Wesen des Geldes zeigt aber auf das deutlichste die Gefahren und Fehler einseitig streng prinzipieller Konsequenzen.  Es ist das ein Beweis dafür, wie ein Prinzip als starre Norm der Mannigfaltigkeit der Lebensformen nicht zu folgen vermag.  Ihnen muß sich aber der Maßstab anpassen können.

Das geschieht durch die Förderung von der Begrenzung der Aufgaben einer Theorie.  Man will nur erklären.  Das ist der Aktionsradius für jede Geldtheorie.

Unsere Darstellung hat gezeigt, wie Nominalismus und Metallismus diese ihre Aufgabe erfüllen konnten.  Allein der erstere schien an einer Stelle, statt eine logische Begründung zu geben, seine Zuflucht zu einem sittlichen Werturteil nehmen zu müssen.

Das war die Behauptung, daß die Metallthesaurierungen auf den laienhaften Aberglauben an das Metallgeld zurückzuführen seien.  Hier wird in der Tat der einer Geldtheorie gesteckte Rahmen überschritten.  Doch wird hierdurch nicht, wie man leicht folgern könnte, der Bankerott des Nominalismus erklärt, sondern es ist dies nur ein Hinweis auf eine Schwäche des Systems G. F. Knapps, dessen Argumentation wir im Vorhergehenden gefolgt sind.  Der Wert der nominalistischen Theorie im ganzen wird dadurch nicht untergraben, sobald es in anderer Weise möglich ist, eine logisch und theoretisch denkbare Erklärung der Metallthesaurierung zu geben.

Der Weg dazu wird uns aber schon durch die moderne Geldliteratur gewiesen.  B. Moll hat in seiner »Logik des Geldes« es unternommen, das Problem des Endes, wie er es nennt, mit voller Klarheit [203], in die Lehre vom Gelde einzuführen.  Die Ausfüllung der Lücke des Knappschen Systems im Rahmen der nominalistischen Lehre ist dadurch gegeben.

»Wie stellen wir als wirtschaftende Menschen uns das Geld und das Ende des Geldes vor, und welche Vorstellungen liegen etwa im Unterbewußtsein?« heißt es in der Logik des Geldes [204].  Die Antwort ist schon vorher gegeben durch die Worte : »Die wirtschaftlichen Vorstellungen des Menschen verlangen ungeachtet aller individuellen Verschiedenheit des Geldbegriffes, daß der Besitz von Geld schließlich zu irgendeiner materiellen (oder immateriellen) Befriedigung führe« [205].  Weiter heißt es dann : »Besitzen jene Vorstellungen der wirtschaftlichen Logik irgendwelche Realität ?  Sind sie mehr als willkürliche Konstruktionen ?  Und da antworten wir : Allerdings« [206].

Hier ist der Anschluß an unser Problem gegeben.  Die Tatsache der Thesaurierung von Münzen, die sich keines Agios erfreuen können, ist der beste Beweis für die Realität der Vorstellung von der endlichen Befriedigung des Geldes.  Dieser Erkenntnis kann sich auch eine nominalistische Theorie, welche ihre Berechtigung behalten will, nicht verschließen.

Denn nur durch solche Erwägungen kann die Metallthesaurierung, wie sie sich besonders bei Kriegsbeginn in Frankreich zeigte, der nominalistischen Theorie verständlich werden.  Es schien dem Publikum die endliche Befriedigung des Geldes in Frage gestellt zu sein.  Man wollte sich daher durch die Zurückhaltung der einen relativ sicheren Wert darstellenden metallenen Geldplatten für die Zukunft sichern.  Der grundsätzliche Standpunkt der Theorie wird durch diese Betrachtung nicht umgestoßen, vielmehr nur eine zwanglose Erklärung der Erscheinungen auf dem Gebiete des Geldwesens möglich gemacht.

Es folgt daraus für uns jetzt aber die völlige Ebenbürtigkeit von Nominalismus und Metallismus.  Die eine Theorie hat ebenso wie die andere eine logisch unanfechtbare Begründung und Erklärung aller Erscheinungen, die uns entgegentraten, geben können.  Daher sind die Aufgaben der Geldtheorie erfüllt worden.  Zugleich ist dadurch aber auch eine starke Verminderung der Gegensätze von Nominalismus und Metallismus gegeben.  Die Anschauungen der Theoretiker können nur noch in der Begründung auseinandergehen.

Jede Theorie hat ihre Berechtigung.  Denn sie hat die ihr gestellten Aufgaben zu lösen vermocht.  Nominalismus ist daher ebenso wahr wie Metallismus.

§ 22.  Die Schranken einer Versöhnung der Geldtheorien

Die geschilderte Auffassung von der Ebenbürtigkeit des Nominalismus und Metallismus scheint aber ein stark unbefriedigendes Moment in sich zu bergen.  Die Vernunft gerät in Widerspruch.  Es kann doch nur eine Wahrheit geben, sagt eine innere Stimme.

Die Lösung dieses Zwiespaltes wird durch die Berücksichtigung der Subjektivität beider Auffassungen gegeben [207].  Die Verschiedenheit der psychischen Grundeinstellung ist die Ursache dieses scheinbaren Widerspruches einer doppelten Wahrheit.

Doch ist diese Verschiedenheit der Subjektivität besonderer Natur.  Die Reinheit der Prinzipien führte bald bei den extremen Lehren vom Gelde über den Rahmen der Theorie hinaus.  Um der Vielgestaltigkeit der Lebensformen gerecht werden zu können, bedurfte das eine Prinzip einer Ergänzung durch seinen Gegenpol.

Die Subjektivität, welche sich dem Leben anpassen will, kann nicht eine völlig reine sein.  Sie muß auf irgendeine Weise einen Kompromiß mit ihrem direkten Gegenteil eingehen.  Dadurch erlangt jede Theorie jenen Zug, der als objektiv bezeichnet werden muß. Sie wird jetzt dem Leben gerecht.  Denn das Leben selbst zeigt überall diesen Dualismus der konkreten Erscheinungsformen.

Das ist z.B. das Verhältnis von Kapitalismus und Sozialismus.  Das sozialistische Prinzip ist in der kapitalistischen Wirtschaftsordnung nicht mit Stumpf und Stiel auszurotten.  Den Beweis liefert die Geschichte.  Das ist weiter der Gegensatz von Schutzzoll und Freihandel.  Man kann nicht ungestraft mit radikaler Einseitigkeit nur das eine Prinzip dem Wirtschaftsleben aufdrücken wollen.  Diesen dualistischen Zug zeigt schließlich die Geldtheorie.  Auch sie ist in der Form, in welcher sie allein ihre Aufgabe zu erfüllen vermochte, bereits die Synthese mit dem Gegenpol eingegangen.

Der Nominalismus hat die Bedeutung des Metalles für jedes geordnete Zahlungswesen anerkannt.  Die endliche Befriedigung ist der deutlichste Ausdrück des individualiatischen Zuges im nominalistischen Lehrgebäude.

Der Metallismus dagegen weiß die Bedeutung der Staatsgewalt für alles unterwertige Geld zu schätzen.  Er hat Verständnis für die Erscheinungen des Papiergeldwesens bekommen und kennt die Abhängigkeit des Kurses der Noten von der staatlichen Ordnung des Zahlungswesens, selbst auch wenn man von der Notwendigkeit einer Metalldeckung absehen wollte.  Hier offenbart sich der Einfluß des Sozialprinzips auf die Denkungsart des metallistischen Theoretikers.

In solcher Weise ist die Synthese von Individual und Sozialprinzip auch auf die Geldtheorie ausgedehnt worden.  Dieser Umstand führt uns aber auf vorhin Gesagtes zurück : Die Normierung der Aufgaben einer Geldtheorie hatte eine Verkleinerung der Kluft zwischen Nominalismus und Metallismus erkennen lassen.  Die Größe der Gegensatze war rein äußerlich dadurch beschränkt worden, daß die Ausführungen nur in der Begründung gegebener Erscheinungen auseinandergehen konnten.

Die Analyse der psychischen Grundeinstellung einer Theorie, die sich im Rahmen dieser Aufgaben hält, gibt nun aber ein deutliches Bild von der inneren Natur dieser Annäherung des Nominalismus und Metallismus.  Bereits in dem Grundstock jeder Theorie tritt dieser Ausgleich zutage und bleibt für das ganze Lehrgebäude von großer Bedeutung.

Doch ist hier auch schon die Grenze einer Versöhnung der Geldtheorien gegeben.  Die Größe der Kluft zwischen ihnen ist zwar beschränkt.  Das ergibt sich rein äußerlich durch die Begrenzung der Aufgaben einer Theorie und im Inneren durch die Synthese ihrer Grundprinzipien.  Die Annäherung von Individualismus und dem Sozialprinzip hat das Leben noch immer erzwungen.  Dem muß die Theorie gerecht werden.

Innerhalb dieses Rahmens bleibt aber der Gegensatz der Theorien bestehen.  Denn die Grundprinzipien können sich wohl ergänzen und sie müssen dies sogar bis zu einem gewissen Grade.  Sie können sich aber nicht gegenseitig widerlegen.  Sie können sich daher nicht völlig aussöhnen.  Es kann nur auf Grund eines Kompromisses der Grundprinzipien ein Ausgleich der Auffassungen stattfinden.

Erreicht dieser nicht einen bestimmten Grad der Annäherung, der durch den Rahmen der Geldtheorie vorgezeichnet wird, so muß die Theorie als falsch gelten.  Denn sie vermag den konkreten Lebensformen nicht zu folgen.  Geht der Kompromiß der Prinzipien aber über diesen Grad hinaus, so kann jede solche Theorie mit gleichem Rechte als richtig angesprochen werden.  Es wird hierdurch aber kein völliger Ausgleich der Geldtheorien herbeigeführt werden können.  Denn ein objektiver Maßstab für den Mittelweg zwischen Metallismus und Nominalismus ist nicht zu finden.

Das gilt besonders für die Theorien, wie sie unseren Ausführungen zugrunde gelegt worden sind.  So wird die zwischen den Geldtheorien sich ausbreitende Kluft nicht völlig aus der Welt geschafft werden können.  Es ist aber eine starke Begrenzung der Gegensätze in den Auffassungen der verschiedenen Lehren gegeben.

Vor allem kann aber von der Warte dieser Theorien jede Erörterung konkreter Erscheinungen auf dem Gebiete des Geldwesens mit Recht als richtige Lösung des gestellten Problemes aufgefaßt werden.

 

Schluß

§ 23.  Erkenntnisse der Theorie aus der Entwicklung des Lateinischen Münzbundes

Die Erkenntnis von der Richtigkeit der nominalistischen und metallistischen Geldtheorie muß logischerweise die entsprechende Nutzanwendung auf die Betrachtung des Lateinischen Münzbundes seit dem Kriege unter dem Gesichtswinkel dieser Lehren finden.  Der einer Geldtheorie gesteckte Rahmen war fast überall innegehalten worden.  Wo die Theorie zu versagen schien, hatte mit Leichtigkeit die notwendige Ergänzung vorgenommen werden können.

Daraus ergibt sich die Folgerung, daß vom Standpunkte des Nominalismus sowie des Metallismus eine richtige Wurdigung der Schicksale des Lateinischen Münzbundes gegeben werden kann.  Wollte man den Rahmen dieser Theorien verlassen, so wurde man schließlich in Spekulationen und Utopien enden.

Zwar war auch auf die Relativität der Auffassungen von Nominalismus und Metallismus hingewiesen worden.  Eine für alle Zeiten absolut richtige Theorie gibt es nicht.  Das widerspricht den Fähigkeiten des menschlichen Geistes.  Jede Zeit hat mit ihren speziellen Gegebenheiten zu rechnen und mit ihren Begriffen zu arbeiten.

Es scheint das fast eine Selbstverständlichkeit zu sein und ist schon eine alte Erkenntnis, die nichtsdestotrotz immer wieder außer acht gelassen wird.  Bereits Hegel hat ihr in Worten Ausdrück gegeben, wie man sie dem modernen Geldreformer, besonders dem Antimetallisten, nicht treffender entgegen halten könnte : »Es ist ebenso töricht zu wähnen, irgendeine Philosophie« (man könnte nach dem Sinn der Worte ebensogut »Theorie« sagen) »gehe über ihre gegenwärtige Welt hinaus, als ein Individuum überspringe seine Zeit, springe über Rhodus hinaus.  Geht seine Theorie in der Tat darüber hinaus, baut er sich eine Welt, wie sie sein soll, so existiert sie wohl, aber nur in seinem Meinen, einem weichen Elemente, dem sich alles Beliebige einbilden läßt« [208].

Eine Theorie, die sich ihres Sinnes und ihrer hohen Aufgaben bewußt ist, wird sich nicht auf so seichtem Grunde aufbauen können.  Sie bedarf einer festen Stutze.  Sie rechnet mit gegebenen Erfahrungen und Tatsachen.  Sie wird dadurch ein Kind ihrer Zeit.  Zugleich wird aber nur sie den Erkenntnissen des menschlichen Geistes förderlich sein können.

Daher hat eine Betrachtung des Lateinischen Münzbundes nur vom Standpunkte solcher Theorien aus Sinn und Zweck.  Nur sie werden die Schicksale des Lateinischen Münzbundes richtig zu erfassen vermögen und nur von ihrem Standpunkte aus kann daher die Entwicklung der Union auch unter theoretischen Gesichtspunkten mit einem Anspruch auf »Objektivität« gewürdigt werden.

Diese Theorien werden aber zugestehen können, wie die Untersuchungen dieser Arbeit gezeigt haben, daß die Gestaltung der Lage im Lateinischen Münzbunde sich in gesunden Bahnen bewegt hat.  Zwar wird dem Wesen eines intervalutarischen Münzbundes in der Union latine immer mehr Abbruch getan.  Es ist aber gezeigt worden, daß die Bedeutung dieser Konvention auf anderen Gebieten als auf dem rein Währungspolitischen liegt.

So ist besonders dem französischen Staate der Münzbund ein politischer Machtfaktor, während den übrigen Staaten vor allem die innige Verflechtung mit dem französischen Kapitalmarkte von größter Bedeutung ist.  Zwar ist im Kriege hier eine Modifikation eingetreten.  Die Schweiz hat die frühere französische Stellung eingenommen.  Die Zeit wird jedoch erst lehren müssen, wie lange diese Umkehrung des Verhältnisses aufrecht erhalten bleiben kann.

Um aber diese Verbindungen, welche den einzelnen Staaten im Münzbunde Vorteile gewähren, aufrecht zu erhalten, genügt allein schon die Tatsache des Fortbestehens eines Vertragsverhältnisses zwischen den Unionsstaaten.

Im übrigen ist auch immer mehr für eine Gesundung der einzelstaatlichen Währungsverhältnisse gesorgt worden.  Die Eliminierung der unterwertigen Münzen entspricht einem Bedürfnisse der einzelstaatlichen Geldwesen, solange sich Staaten mit so verschiedenen Wirtschaftskräften wie im Lateinischen Münzbunde gegenüber stehen.  Ebenso ist die Wiederherstellung der Goldwährung eine unbedingte Notwendigkeit für ein geordnetes Zahlungswesen.  So sind die dahingehenden Bestrebungen im Münzbunde theoretisch wohl gerechtfertigt.

Wenn es daher im Münzbunde durch die Fortentwicklung immer mehr möglich wird, die Gefahren der Union zu beseitigen und auf der anderen Seite die Vorteile des Vertragsverhältnisses aufrecht zu erhalten, so wird dadurch zugleich der Fortbestand der Lateinischen Münzunion trotz des Zurücktretens seiner rein geldpolitischen Bedeutung auch von der Theorie im rechten Maße verstanden werden können.

 

Anhang

Fremde Wechselkurse auf London

(Foreign rates of exchange)

Nach monatlichen Stichtagen der Zeitschrift »The Economist«, London 1914 ff.

Parität : 25,22 1/2

  Paris Schweiz Brüssel Italien Athen Silberpreis pro Unze standard (in d)

1914
7. 5.
4. 6.
2. 7.
30. 7.
27. 8.
3. 9.
1. 10.
5. 11.
3. 12.
1915
7. 1.
5. 2.
5. 3.
9. 4.
8. 6.
4. 6.
2. 7.
6. 8.
3. 9.
1. 10.
4. 11.
3. 12.
1916
8. 1.
4. 2.
3. 3.
7. 4.
5. 5.
2. 6.
7. 7.
4. 8.
1. 9.
6. 10.
3. 11.
1. 12.
1917
5. 1.
2. 2.
2. 3.
4. 4.
4. 5.
1. 6.
6. 7.
3. 8.
7. 9.
5. 10.
2. 11.
7. 12.
1918
4. 1.
2. 2.
1. 3.
5. 4.
3. 5.
7. 6.
5. 7.
2. 8.
6. 9.
4. 10.
1. 11.
6. 12.
1919
3. 1.
14. 2.
7. 3.
4. 4.
2. 5.
6. 6.
4. 7.
1. 8.
5. 9.
3. 10.
7. 11.
5. 12.
1920
2. 1.
6. 2.
5. 3.
9. 4.
7. 5.
4. 6.
2. 7.
6. 8.
3. 9.
1. 10.
5. 11.
3. 12.
1921
7. 1.
2. 2.
4. 3.
1. 4.
6. 5.
3. 6.
1. 7.
5. 8.
2. 9.
7. 10.
4. 11.
2. 12.
1922
6. 1.
3. 2.
3. 3.


25,15
25,18
25,16
24,80
25,15

25,25
25,12
25,00

25,11
25,10
25,33
25,52
25,52
26,01
27,10
26,90
27,60
27,23
27,63
27,45

27,85
27,99
28,04
28,62
28,30
28,16
28,13
28,13
28,04
27,77
27,78
27,79

27,78
27,79
27,82
27,40
27,17
27,20
27,46
27,41
27,48
27,52
27,35
27,22

27,21
27,14
27,17
27,18
27,15
27,15
27,15
27,14
26,07
26,05
26,05
25,97

25,97
25,98
26,08
27,63
28,54
29,95
30,30
31,75
34,30
35,33
37,33
40,70

40,90
48,55
50,25
63,35
61,85
50,90
47,20
50,20
51,35
51,85
56,65
57,57

61,04
54,55
54,03
56,07
48,33
46,70
46,55
46,48
47,80
52,28
53,40
55,27

52,30
51,45
48,32

25,18
25,21
25,19
25,18


25,25
25,40
25,47

25,50
25,70
26,30
25,75
25,50
25,27
26,00
25,40
24,82
24,95
24,80
25,25

24,87
25,05
24,97
24,75
24,75
25,00
25,25
25,25
25,22
25,28
24,77
24,57

23,98
23,88
23,90
23,78
24,52
23,96
22,35
21,35
22,45
22,32
21,30
20,60

20,95
21,35
21,18
20,15
19,90
18,90
18,90
18,70
21,30
21,98
23,65
23,26

23,93
23,20
22,85
22,90
23,13
24,20
24,80
24,25
23,68
23,44
23,07
20,80

21,14
20,10
21,30
21,92
21,85
21,52
21,87
21,82
21,62
21,66
21,97
22,23

23,53
23,93
23,33
22,58
22,32
22,20
22,14
21,67
21,83
21,28
21,11
21,13

21,68
21,98
22,60

25,30
26,34
25,35
25,25

Antwerpen
25,60





















































27,40

27,55
26,78
27,42
29,30
29,77
30,85
31,30
33,03
35,35
35,40
35,18
38,50

40,40
47,20
48,10
58,90
58,00
48,70
44,65
47,05
48,25
49,30
53,40
57,45

58,05
51,95
51,77
53,73
48,47
46,70
46,85
48,43
48,90
53,33
55,15
57,17

54,63
53,82
51,18

25,26
25,26
25,25



26,85
26,40
25,97

26,00
26,37
28,20
27,80
28,00
28,45
29,27
29,75
29,85
29,50
29,95
30,70

31,50
32,25
31,92
31,47
29,80
30,27
30,37
30,75
30,82
30,75
31,93
32,08

32,73
34,50
36,75
35,70
33,27
33,54
34,45
34,40
36,40
36,70
38,25
39,45

39,97
40,80
41,95
41,90
42,67
44,40
43,20
39,85
30,25
30,25
30,25
30,25

30,25
30,25
30,25
34,45
35,10
37,85
35,70
37,50
40,40
41,20
46,25
49,15

49,90
64,00
65,00
97,50
77,00
66,80
65,50
71,00
76,60
83,50
98,00
96,25

104,25
105,88
106,00
95,75
79,25
74,25
75,75
83,50
83,00
94,50
96,50
93,75

97,00
92,50
82,63











































23,98
24,11
24,41
24,41
24,53
24,49

24,49
24,49
24,49
24,49
24,49
24,48
24,49
24,49
24,50
24,56
24,62
24,61

24,62
24,63
24,63
24,36
24,35
24,30
24,25
22,60
24,65
24,30
23,00
25,00

25,60
26,95
31,35
35,75
33,50
34,25
31,00
30,95
33,05
33,80
36,60
42,50

49,00
54,70
51,50
51,25
68,75
62,75
62,50
65,25
65,75
90,00
95,00
99,10

95,50
96,00
96,50


27
25 15/16
26 1/16
23 3/4
25
24
24
23
23 1/8

22 3/4
22 5/8
23 3/16
23 5/8
23 9/16
23 1/4
22 15/16
22 7/16
23 9/16
23 7/8
24 7/16
26 7/16

26 11/16
27 1/16
27
29 3/8
37
31
29 15/16
30 15/16
32 7/16
32 1/2
32 1/2
35 7/8

36 1/2
37 6/16
37 1/8
36 3/4
38 1/8
38
39 13/16
41
49
46 1/4
45 1/8
43

44 3/4
43 1/4
42 1/2
45 1/2
49 1/8
48 7/8
48 13/16
48 13/16
49 1/2
49 1/2
49 1/2
48 3/4

48 7/16
47 7/8
47 3/4
48 9/16
48 11/16
53 1/8
53 1/2
55 3/4
61
63
66 3/4
74

75 7/8
88
77 1/8
69 7/8
60
56 7/8
51 1/8
59 3/8
59
59
53 7/8
44 3/4

41 1/2
36 1/4
31 1/8
32 1/2
34 3/4
33 7/8
35 1/4
38 5/8
38 1/4
41 7/8
39 7/8
37 1/2

34 7/8
35 1/8
32 7/8



[1]   Vergleiche darüber einen Hauptvertreter dieser Richtung, É. de Laveleye, La monnaie et le bimétallisme international.  Paris, Felix Alcan, 1891, Kap. 6.

[2]   É. de Laveleye, International bimetallism and the battle of the standard.  London, P. S. King, 1881, S. 18.

[3]   Laveleye, International bimetallism, a.a.O., S. 27; weiter auch Lexis Artikel »Doppelwährung« im Handwörterbuch der Staatswissenschaften.  Jena, Pischer, 1910, III, S. 565.

[4]   Laveleye, International bimetalism, a.a.O., S. 20-21.

[5]   Loi monétaire des 7-17 germinal an XI. Bulletin de statistique et de législation comparée.  Paris, Imprimerie nationale, Bd. I, S. 42.

[6]   Laveleye, International bimetallism, a.a.O., S. 22.

[7]   Laveleye, La monnaie et le bimétallisme, a.a.O., S. 28.

[8]   Laveleye, International bimetallism, a.a.O., S. 22.

[9]   Laveleye, International bimetallism, a.a.O., S. 22.

[10]   Laveleye, International bimetallism, a.a.O., S. 85.

[11]   Laveleye, La monnaie etc., a.a.O., S. 18.

[12]   Laveleye, International bimetallism a.a.O., S. 24; weiter Wolowski, Enquête sur la question monétaire.  Paris, S. 31/32.

[13]   Lexis, Handwörterbuch, 3. Aufl., Bd. III, S. 564; dazu Wolowski, Enquête etc. S. 34.

[14]   Vgl. in »H. Cernuschi, Die Restitution des Silbers, eine Notwendigkeit für die gesamte Kulturwelt, aus dem Französischen übersetzt von Otto Arendt, Berlin 1881«, die dort von Dr. Otto Arendt gegebene Einleitung.

[15]   In Belgien : Gesetz vom 5. Juni 1832, Pasinomie belge, Brüssel, H. Tarlier, 1834, III. Serie, 2. Bd., S. 351. – Im Königreich Sardinien und Piemont : Dekret vom 4. Dezember 1820, s. Janssen, Les conventions monétaires, Paris, Brüssel 1911, S. 184. – In der Schweiz : Gesetz vom 7. Mai 1850, Amtliche Sammlung der Bundesgesetze und Verordnungen der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Bern, Buchdrückerei Stämpfli.  Jahrg. 1, S. 305.  (Im Folgenden stets kurz »Amtliche Sammlung« genannt.)

[16]   In der Schweiz : Gesetz vom 7. Mai 1850 a.a.O., Jahrg. 1, S. 305. – In Belgien : Gesetz vom 28. Dezember 1850, Pasinomie beige, Brüssel 1850, III. Serie, 20. Bd., S. 377.

[17]   Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich, herausgegeben vom Statistischen Reichsamt, Berlin, Puttkammer & Mühlbrecht, Jahrg. 1920, internationale Übersichten, S. 19.

[18]   Vgl. Schweizerisches Bundesblatt 1854, Bd. III, S. 311-355.  Druck von Stämpfli & Co., Bern, sowie Janssen, a.a.O., S. 171.

[19]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1860, I, S. 37.

[20]   Gesetz vom 31. Januar 1860.  Amtliche Sammlung a.a.O., Bd. 6, S. 442.

[21]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1866, I, S. 137.

[22]   Die Gold- und Silberpunkte sind die hohen oder tiefen Preislagen der Wechselkurse, an denen es lohnend wird, statt Wechsel zu ziehen, Münzen einzuschmelzen und ihr Metall ins Ausland zu versenden, bzw. sich Metall schicken zu lassen und es im Inlande umzuprägen.  Vgl. darüber bei Helfferich, Das Geld.  VI. Aufl., Leipzig, Hirschfeld, 1923, S. 474-76.

[23]   Frankreich : Gesetz vom 25. Mai 1864, Bulletin des lois, XI. Serie, Paris 1864, I. Semester, Nr.  1207, S. 737.  – Italien : Gesetz vom 24. August 1862, Collezione celerifa delle leggi, decreti, istruzioni e circulari, Torino, Enrico Dalmazzo, S. 2353.

[24]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., Jahrg. 1866, I, S. 133.

[25]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., Jahrg. 1866, I, S. 138 und Amtliche Sammlung, Bd. 8, S. 825 ff., Artikel 12.

[26]   Amtliche Sammlung a.a.O., Bd. 8, S. 825.

[27]   Artikel 2 des Vertrages, Amtliche Sammlung a.a.O., Bd. 8, S. 825.

[28]   Artikel 3.

[29]   Artikel 4 und 9.

[30]   Artikel 2, 3 und 7.

[31]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1866, I, S. 139 und 148.

[32]   Vgl. Janssen a.a.O., S. 199.

[33]   »Die Ergebnisse der schweizerischen Münzenquête vom 25. Februar 1920« in der Zeitschrift für schweizerische Statistik und Volkswirtschaft, herausgegeben von Prof. Landmann, Basel.  Druck und Spedition von Stämpfli & Cie., Bern, 56. Jahrg. 1920, S. 147.

[34]   Münzvertrag von 1865, Amtliche Sammlung, Bd. 8 a.a.O., Artikel 6 und 7.

[35]   Artikel 14.

[36]   Artikel 12.

[37]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1866, I, S. 138.

[38]   Amtliche Sammlung a.a.O., Bd. 9, S. 530.

[39]   Vergl. das »Chronologische Verzeichnis der österreichischen Staatsverträge«, Bd. III, herausgegeben von Ludwig Bittner.  Wien, Adolf Holzhausen 1914, S. 205, des weiteren Janssen a.a.O., S. 207-217.

[40]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1878, IV, S. 498.

[41]   Knapp, Staatliche Theorie des Geldes.  III. Aufl.  Leipzig und München, Duncker & Humblot, 1921, S. 144-145.

[42]   Knapp a.a.O., S. 212.

[43]   Der Begriff des kommonetären Agios bringt nichts prinzipiell Neues.  Er stellt vielmehr nur das »synchartale Agio« G. F. Knapps dar.  Doch glaubte ich für diese Erscheinung einen Ausdruck wählen zu müssen, der auch dem Gegner Knappscher Geldlehre bei Ablehnung der Chartalität akzeptabel ist.  Über das synchartale Agio vgl. G. F. Knapp a.a.O., S. 255.

[44]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1878, IV, S. 505.

[45]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1878, IV, S. 505.

[46]   Amtliche Sammlung a.a.O., N. F., IV, S. 293.

[47]   Amtliche Sammlung a.a.O., N. F., VIII, S. 434, Artikel 6.

[48]   Knapp a.a.O., S. 254-55.

[49]   Amtliche Sammlung a.a.O., N. F., I, S. 101, Artikel 4.

[50]   Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich a.a.O., 1920, Internationale Übersichten, S. 19.

[51]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1874, I, S. 1024.

[52]   Eßlen, Vergangenheit und Zukunft des Lateinischen Münzbundes, Bankarchiv 1916-17, S. 128, sowie Lansburgh, Der Lateinische Münzbund, Die Bank 1920, I, S. 353.

[53]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1874, I, S. 1042.

[54]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1874, I, S. 1039.

[55]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1874, I, S. 1044.

[56]   Amtliche Sammlung a.a.O., N. F., I, S. 97.

[57]   Amtliche Sammlung a.a.O., N. F., I, S. 797, N. F., II, S. 498 und Schweizerisches Bundesblatt a. a. O., 1878, IV, S. 499.

[58]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1878, IV, S. 497.

[59]   Amtliche Sammlung a.a.O., N. F., IV, S. 301, Artikel 9.

[60]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1878, IV, S. 501-502.

[61]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1878, IV, S. 504.

[62]   Amtliche Sammlung a.a.O., N. F., IV, S. 293.

[63]   Artikel 16.

[64]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1878, IV, S. 506.

[65]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1885, IV, S. 454 und 476 f.

[66]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1878, IV, S. 506.

[67]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1885, IV, S. 478-479.

[68]   Amtliche Sammlung a.a.O., N. F., VIII, S. 425 ff. und S. 444.

[69]   Nach den speziellen Bestimmungen der Liquidationsklausel braucht Frankreich für seine 5-Fr.-Stücke der schweizerischen Regierung nicht mehr als 60 Millionen Fr. zu verguten.  Italien hat der Schweiz im Höchstfalle einen Betrag von 30 Millionen Fr. abzunehmen, von denen allerdings mindestens 2/3 in schweizerischen Silbermünzen oder in Goldstücken zu bezahlen sind.

Belgien, das nach seinen Silberausprägungen sehr stark durch die Liquidationsklausel in Mitleidenschaft gezogen werden mußte, hatte sich anfangs auf ihre Einfuhrung hin völlig vom Münzbunde ausschließen wollen, entschloß sich aber später nach Zusicherung besonderer Vergünstigungen zu erneutem Beitritt.  Es war ihm zugesagt worden, daß es bei seiner Abrechnung mit Frankreich nur die Hälfte des Saldos, mit dem der französische Vorrat belgischer Münzen den belgischen Bestand französischer 5-Fr.-Stücke übersteigen würde, zu bezahlen haben würde.  Dafür sollte Belgien während fünf Jahren keine Änderungen an seiner Münzgesetzgebung vornehmen, um die Rückleitung der anderen Hälfte von belgischen Münzen in französischen Handen auf kommerziellem Wege möglich zu machen.  Jedoch mußte Belgien seinerseits dafür garantieren, daß der französische Saldobetrag 200 Millionen Fr. nicht übersteigen würde.

Der gleiche Liquidationsmodus sollte auch im umgekehrten Falle eintreten können, wenn sich Belgien gegenüber Frankreich im Besitze des Münzsaldos befinden würde.  Weiter sollten auch Frankreich und Italien gegenseitig bei Ausgleichung ihrer Bestände an fremden 5-Fr.-Stücken von dieser Abrechnungsweise Gebrauch machen dürfen.  In seinem Verhältnis zur Schweiz erklärte Belgien, den schweizerischen Saldo bis zum Betrage von 6 Millionen Fr. in Gold oder schweizerischen 5-Fr.-Stücken bezahlen zu wollen, die Rückleitung eines darüber hinausgehenden Restbetrages aber auf dem Handelswege zuzulassen.  Schließlich erklärte auch Griechenland eventuell von dieser für Belgien aufgestellten Liquidationsmöglichkeit Gebrauch machen zu wollen.

[70]   G. P. Knapp spricht hier vom »valutarischen Gelde«, s. Knapp a.a.O., S. 93.

[71]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1886, I, S. 135 ff.

[72]   Auf eine solche Auffassung weist die Betrachtung der Entstehungsgeschichte des Münzbundes hin.  Eine andere Meinung scheint Knapp in seiner »Staatlichen Theorie des Geldes« zu vertreten.  Obwohl er gelegentlich auf die von mir angeführten Momente hinweist, finden sich auf S. 314 die Worte : »Man wollte ursprünglich nur die baren Münzen synchartal behandeln.«  Die Tatsachen sprechen dagegen.  Höchstens für die reine Theorie des Bimetallismus könnte man diese Behauptung aufstellen wollen.

[73]   Vgl. Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1878, IV, S. 505.

[74]   Amtliche Sammlung a.a.O., N. F., XIV, S. 195.

[75]   Amtliche Sammlung a.a.O., N. F., XXV, S. 451.

[76]   Zusatzvertrag von 1908, Artikel 1, Amtliche Sammlung a.a.O., N. F., XXV, S. 451.

[77]   Lansburgh glaubt den erhöhten Scheidegeldbedarf der Münzunion mit den »Fluktuationen der 5-Fr.-Stücke« in Verbindung bringen zu können.  (Der Lateinische Münzbund, Die Bank, 1920, I, S. 357.)  Ich halte diese Auffassung für verfehlt.  Denn aus den Verhandlungen der Münzunion geht nach den schweizerischen Berichten immer wieder hervor, wie nicht die schwachvalutarischen Staaten, sondern vielmehr die Schweiz, die selbst über den häufigen Zustrom fremder Silbermünzen zu klagen hatte, meist den Anstoß zur Vermehrung des Scheidegeldbestandes gaben.  Dafür zeugen auch die in den Jahren 1902 und 1920 in dieser Hinsicht der Schweiz gemachten speziellen Zugeständnisse der anderen Staaten.

Auf diese Weise hätten sich nur Italien und Griechenland helfen können, da ihre Silberscheidemünzen nationalisiert waren.  Nur für diese Staaten ist daher die Auffassung Bielschowskys überhaupt logisch haltbar.

[78]   Bezeichnender Weise ist man im Lager der Lateinischen Münzunion schon frühzeitig zu dieser Einsicht gelangt.  In dem Berichte an den Bundesrat über die Münzkonferenz vom Jahre 1874 finden sich die Worte (Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1874, I, S. 1036) : »Le grand but d’une monnaie universelle doit dès lors être abandonné par ses propagateurs jusqu’à un avenir moins préocupé des questions de race que de celles de la confraternité des peuples, et l’union monétaire latine retomba exclusivement dans le domaine des questions propres aux besoins spéciaux de ses membres et à la nature de leur circulation métallique.« Weil Rassenfragen das Wirtschaftsleben beherrschen, hat demnach die Lateinische Münzunion, deren Probleme unter dem Gesichtspunkt der Volkerversöhnung betrachtet werden müßten, ihr Ziel nicht erreichen können und auf spätere Zeiten hinausschieben müssen !

[79]   z.B. Bamberger, Die Schicksale der Lateinischen Münzunion.  Berlin, Verlag Leonhard Simion, 1885, S. 134.

[80]   Knapp a.a.O., S. 253

[81]   Janssen, Les conventions monétaires. Paris-Brüssel 1911, S. 882.

[82]   Eßlen, Vergangenheit und Zukunft des Lateinischen Münzbundes.  Bank-Archiv 1916/17, S. 157.

[83]   Bamberger, a.a.O., S. 133.

[84]   In Frankreich Gesetz vom 5. August 1914, Artikel III. Vgl. »Législation de la guerre de 1914«, Librairie de la société du Recueil Sirey, Léon Tennin, directeur, Paris, Bd. I, S. 29. – In der Schweiz Bundesratsbeschluß vom 30. Juli 1914, Artikel II, Amtliche Sammlung, N. F., XXX, S. 333. – In Belgien Moniteur belge vom 3. August 1914, Nr. 215, Verordnung des Königs der Belgier vom 2. August 1914.

[85]   Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich a.a.O., 1915, Internationale Übersichten, S. 74.

[86]   Vgl.die regelmäßigen Kurstabellen der englischen Zeitschrift »The Economist«, weekly commercial times etc., London, The Economist office, Jahrg. 1914, II ff. unter »Foreign rates of exchange«.  Siehe den daraus gegebenen Auszug im Anhang.

[87]   Statistisches Jahrbuch der Schweiz, herausg. vom Statistischen Büro des schweizerischen Finanzdepartements, 26. Jahrg. 1916, S. 122.

[88]   Vgl. »The Valaoritis currency reform«, The Economist a.a.O., 1916, 1, S. 829.

[89]   Eßlen, Vergangenheit und Zukunft des Lateinischen Münzbundes.  Bankarchiv 1916/17, S. 167.

[90]   S. Schweizerisches Finanzjahrbuch 1916, Bern, Neukomm & Zimmermann, S. 62-63 sowie Législation de guerre.  Collection Saillard, Vol. 3 : Combat, Les affaires, la bourse, les banques et la guerre, Paris-Nancy 1917, S. 10 und 44.

[91]   Collection Saillard a.a.O., Bd. III, S. 33.

[92]   Vgl. das Rundschreiben der Schweizerischen Nationalbank vom 2. August 1914, wie es wörtlich bei Just, Die Geldinflation, Jena, Fischer 1921, S. 79-80 angeführt wird.

[93]   Schweizerisches Finanzjahrbuch, a.a.O., Bd. 1915, S. 62.

[94]   Collection Saillard a.a.O., Bd. III, S. 39.

[95]   Die Bank a.a.O., 1914, II, S. 1072.

[96]   Das Geschick des Metallgeldes ist deutlich an der Höhe des Banknotenumlaufes abzulesen.  Für sein Ansteigen im Verhältnis zur Zahlungsmittelzirkulation vor Kriegbeginn gibt die Höhe der Metalldeckung der Noten ein ungefähres Bild.  Vgl. diese Zahlen im Statistischen Jahrbuch für das Deutsche Reich a.a.O., 1915, Intern. Übers. S. 74 und 76, sowie 1920, Intern. Übers. S. 36 und 37.  (Für die Schweiz besonders im Statistischen Jahrbuch der Schweiz a. a. O., 1921, S. 139.)

[97]   Gesetz- und Verordnungsblatt für die okkupierten Gebiete Belgiens, herausg. von der politischen Abteilung bei dem Generalgouverneur in Belgien, Brüssel 1914, Nr. 24, S. 81.

[98]   Gesetz- und Verordnungsblatt für Belgien a.a.O., 1914, Nr. 31, S. 104.

[99]   Die Wirtschaftskurve mit Indexzahlen der Frankfurter Zeitung.  Frankfurter Sozietätsdruckerei 1922, I, S. 64.

[100]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1916, I, S. 109.

[101]   Vgl. The Economist a.a.O., 1914, Bd. II, und 1916, Bd. I.

[102]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1916, I, S. 109-110.

[103]   Vgl. den Anhang.

[104]   Amtliche Sammlung a.a.O., N. F., XXXI. Jahrg., S. 73.

[105]   The Economist a.a.O., 1915.  Siehe auch den Anhang.

[106]   Vgl. Die Bank a.a.O., 1915, 1, S. 467 und II, S. 764 und 1050.

[107]   Vgl. Bamberger, Die Schicksale des Lateinischen Münzbundes a.a.O., S. 133.

[108]   Eßlen a.a.O., S. 157.

[109]   The Economist a.a.O., Jahrg. 1915 f.  Siehe auch den Anhang.

[110]   Die Größe dieser Münzwanderungen zeigen deutlich »die Ergebnisse der schweizerischen Münzenquête vom 25. Februar 1920«, die vom Eidgenössischen Statistischen Büro in der Zeitschrift für schweizerische Statistik und Volkswirtschaft publiziert sind.  Bern, A. Francke, 56. Jahrg.  1920, S. 144, Tabelle 11 und 12.

[111]   Vgl. Législation de la guerre de 1914.  Librairie de la société du Recueil Sirey, Léon Tennin, directeur, Lasose et Farcel, Paris.  Bd. II, S. 218.

[112]   Législation de la guerre de 1914 a.a.O., Bd. II, S. 299.

[113]   Gesetz vom 12. Februar 1916, Législation de la guerre de 1914 a.a.O., Bd. III, S. 303.

[114]   Dr. A. Meier, Das Münzabkommen vom 25. März 1920.  Schweizerisches Finanzjahrbuch, Bern, Neukomm & Zimmermann, Jahrg. 1920, S. 84.

[115]   Schweizerisches Finanzjahrbuch a.a.O., Jahrg. 1916, S. 67, dazu die Bankausweise der Schweizerischen Nationalbank, vgl. Die Bank a.a.O., 1915, II, S. 1175 und 1916, I, S. 454.

[116]   Die Ergebnisse der schweizerischen Münzenquête a.a.O., S. 137 ff., besonders S. 152.

[117]   Siehe die Indexziffern der schweizerischen Konjunkturstatistik der Zeitschrift für schweizerische Statistik und Volkswirtschaft a.a.O., Jahrg. 1920, S. 132.  Es soll dazu jedoch ausdrücklich bemerkt werden, daß ich die auf der Warenseite sowie in der erhöhten Notenzirkulation wirkenden preissteigernden Momente während des Krieges nicht verkennen will.

[118]   Dieser Umstand wird völlig von Robert Just verkannt, der in seiner Schrift »Die Geldinflation«, Jena, Gustav Fischer, 1921, schreibt : »Während des Krieges hat die Schweiz eine Geldpolitik betrieben, welche ausgesprochen in der Richtung einer Überschwemmung der Schweiz mit Silbergeld orientiert war. ... Die Ausfuhr von Silbergeld wurde verboten, dagegen nicht die Einfuhr.  Dadurch wurde die Schweiz zu einer Silbergeldfalle« (a.a.O., S. 25-26).  Diese Worte zeugen von einer Verkennung der Ursachen der schweizerischen Silberüberflutung und damit zugleich von einer Unkenntnis der Folgen einer Münzkonvention.  Denn solange in der Schweiz an dem Kurse der Unionsmünzen festgehalten wurde, mußte die damalige wirtschaftliche Konstellation zu den anderen Münzbundstaaten eine Überschwemmung mit fremden Münzen nach alter Erfahrung mit Notwendigkeit herbeiführen.  Das wirkte die Kraft des kommonetären Agios.  Gesetzliche Maße des Vorrates an Silbermünzen in der Schweiz künstlich durch die Unterbindung ihrer Ausfuhr, als vielmehr ganz natürlich durch den Hochstand der schweizerischen Valuta herbeigeführt worden.

[119]   Schweizerisches Finanzjahrbuch a.a.O., 1918, S. 81 und 1920, S. 63-64.

[120]   Vgl. The Economist a.a.O., 1916, II, S. 1214 u. 1917, II, S. 1025.

[121]   Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich a.a.O., Jahrg. 1921/22, Intern. Übers., S. 47.

[122]   Vgl. »Wirtschaftsdienst«, Deutscher Volkswirt, herausg. vom Hamburgischen Weltwirtschaftsarchiv, II. Jahrg. 1917, 11, S. 963.

[123]   Für die Silberpreise vgl. stets The Economist a.a.O., Jahrg. 1916 ff.  Siehe den Auszug im Anhang.

[124]   Vgl. Bankers’ magazine, London, Waterlow and sons limited, 1921, 1, S. 185; dazu den Wirtschaftsdienst a.a.O., 1918, I, S. 616 und 1920, II, S. 504.

[125]   Vgl. die regelmäßigen wochentlichen Berichte über die Lage des Silbermarktes im englischen Economist unter der Rubrik »Silver« a.a.O., Jahrg. 1918 ff.

[126]   Economist a.a.O., 1921, I, S. 874.

[127]   Loi monétaire des 7-17 germinal an XI im Bulletin de statistique et de législation comparée, Paris, Imprimerie nationale, 1877.  Band I, S. 42, dazu vgl. Arnauné, Art. métaux précieux im »Nouveau dictionnaire d’économie politique« von Léon Say, Paris, Guillaumin et Cie, 1892, Bd. II, S. 256.

[128]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1920, I, S. 75-76.

[129]   Vgl. Schweizerisches Bundesblatt, a.a.O., 1922, I, S. 78-79.

[130]   Nach dem Schweizerischen Finanzjahrbuch.  Bern, Neukomm & Zimmermann, 1921, S. 59.

[131]   Vgl. Dr. A. Meier, Das Münzabkommen vom 25. März 1920, im Schweizerischen Finanzjahrbuch a. a. O., 1920, S. 86.

[132]   Amtliche Sammlung a.a.O., 1920, N. F., Bd. 35, S. 987.

[133]   Vgl. den Anhang.

[134]   Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich a.a.O., 1920, Intern. Übers., S. 36.

[135]   Bankers’ magazine a.a.O., 1921, I, S. 635.

[136]   Nach dem Jahresbericht der französischen Münze, s. Die Bank, a.a.O., 1918, II, S. 835.

[137]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1920, II, S. 213.

[138]   Bankers’ magazine a.a.O., 1921, I, S. 635.

[139]   Vgl. Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1920, II, S. 213, die dort angeführte Note.

[140]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1920, II, S. 214.

[141]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1920, II, S. 213.

[142]   Vgl. den Aufsatz des Kommissionsmitgliedes Dr. A. Meier im schweizerischen Finanzjahrbuch a. a. O., 1920, S. 85-86.

[143]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1893, Bd. V, S. 204.

[144]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1920, II, S. 216.

[145]   Amtliche Sammlung a.a.O., 1920, N. F. 36, S. 383.

[146]   Artikel 1 des Abkommens vom 25. März 1920.

[147]   Artikel 4.

[148]   Artikel 5.

[149]   Artikel 11.

[150]   Artikel 14.

[151]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1920, II, S. 220.

[152]   Der einseitige Kassenkurs der Scheidemünzen Frankreichs, Belgiens und der Schweiz in Griechenland und Italien ist schon seit Jahrzehnten bedeutungslos.

[153]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1922, I, S. 77.

[154]   »Valutarisches Geld« nennt Knapp das Zahlungsmittel, welches der Staat bei seinen Leistungen dem Verkehre letztlich aufdrängt.  Die Verfassung dieses Geldes ist daher für den Kursstand einer Währung im Auslande ausschlaggebend.  Vgl. »Staatliche Theorie des Geldes«, 3. Aufl., München, Duncker & Humblot, 1921, S. 93.

[155]   Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 1922, I, S. 78.

[156]   Amtliche Sammlung a.a.O., 1920, N. F. 36, S. 619 und 733.

[157]   Amtliche Sammlung a.a.O., 1921, N. F. 37, S. 52-63.

[158]   Schweizerisches Bundesblatt 1922, I, S. 83.

[159]   Amtliche Sammlung a.a.O., N. F. 38, S. 448.

[160]   Abkommen vom 9. Dezember 1921, Artikel 1.

[161]   Artikel 3 und 8.

[162]   Artikel 4 und 5.

[163]   Nur in der Schweiz hat man seit dem Jahre 1921 schon wieder Goldmünzen ausgeprägt.  Siehe Schweizerisches Finanzjahrbuch a.a.O., 1922, S. 53.

[164]   Hiermit wurde von der schweizerischen Delegation auf der Münzkonferenz vom Februar bis März 1920 argumentiert.  Man wollte beweisen, daß die Eliminierung der Scheidemünzen noch nicht die Auflösung der Lateinischen Münzunion bedeute.  Vgl. Schweizerisches Bundesblatt a.a.O., 72. Jahrg., II. Bd., S. 215.

[165]   Was besonders die moderne nominalistische Lehre anbetrifft, so finden sich nicht nur schon früher ähnliche Gedankengänge, wie sie ihr Hauptvertreter Knapp durchgeführt hat, man stößt manchmal sogar auf die gleichen Formulierungen, wie sie die Staatliche Theorie gibt, die in einer fast wörtlichen Übereinstimmung gipfeln.  Knapp beginnt 1906 sein Werk mit den Worten : »Das Geld ist ein Geschopf der Rechtsordnung«.  1881 schreibt Henry Cernuschi (Die Restitution des Silbers, Berlin, Puttkammer & Muhlbrecht, S. 26) : »Geld ist eine gesetzliche Institution, es ist ein Produkt der Gesetzgebung.  Die griechische Sprache bezeichnet das prägnant.  Nomos heißt das Gesetz, Nomisma heißt Geld.«  Es zeigt sich hier zugleich eine nahe Verwandtschaft der nominalistischen Lehre mit dem bimetallistischen Dogma, wie es oben im § 2 dieser Arbeit dargelegt wurde.  Der Bimetallist spricht dem Staate die Macht über den Edelmetallmarkt zu.  Der Staat kann die Wertrelation von Gold und Silber beherrschen.  Das stimmt vollkommen mit den von Knapp im § 13 der Staatlichen Theorie entwickelten Anschauungen überein.

[166]   G. F. Knapp, Staatliche Theorie des Geldes, 3. Aufl., München, Duncker & Humblot, 1921, S. 101.

[167]   Knapp a.a.O., S. 17.

[168]   Knapp a.a.O., S. 20.

[169]   Lansburgh, Die beiden Geldtheorien und der Krieg, Die Bank 1915, I, S. 110-111.

[170]   Vgl. Karl Menger, Artikel »Geld« im Handwörterbuch der Staatswissenschaften.  III. Aufl., IV. Bd., S. 566, Jena 1911.

[171]   Lansburgh, Übergang zur neuen Währung.  Die Bank a.a.O., 1919, I, S. 139.

[172]   G. Cassel, Theoretische Sozialökonomie.  Leipzig, Winter’sche Verlagshandlung, 2. Aufl., 1920, S. 358.

[173]   Vgl. dazu Eßlen, Die beabsichtigte Entthronung des Goldes.  Schmollers Jahrbuch 1917, Bd. III, S. 259 ff.

[174]   Knapp a.a.O., S. 265.

[175]   Lansburgh.  Die Weltgeldeigenschaft des Goldes.  Die Bank a.a.O., 1915, II, S. 698 sowie 1916, II, S. 837.

[176]   Ich kann es mir nicht verhehlen, hierzu ein nach Knapps Auffassung charakteristisches Beispiel für die metallistische Geldtheorie zu geben.  Hanna Neustätter (Schwedische Währung während des Krieges, München 1920, Drei-Masken-Verlag) versucht an Hand ihres Tatsachenmaterials die Staatliche Theorie zweimal zu widerlegen.  Einmal glaubt sie, man hätte während des Krieges in Schweden ein valutarisches Geld gehabt, das nicht definitiv gewesen sei (S. 67).  Auf die Irrtümlichkeit dieser Auffassung ist jedoch bereits von metallistischer Seite hingewiesen worden.  (Vgl. Palyi, Der Streit um die staatliche Theorie des Geldes, München, Duncker & Humblot.  1922, S. 25).  Es kommt nicht auf die Gesetze, sondern auf ihre regiminale Handhabung an.  Dann aber scheint nach Hanna Neustatter die staatliche Theorie gegenüber dem Institut einer Münzunion vollständig zu versagen.  Sobald die Münzbundstaaten ein gemeinsames valutarisches Geld haben, muß nach Knapp eine Stabilisierung der Wechselkurse eintreten.  Als während des Krieges sowohl in Dänemark als in Schweden Goldwährung herrschte, konnte man aber die gegenteilige Erfahrung machen.  Wie paßt das in den Rahmen der Staatlichen Theorie ?  (Schwedische Währung a.a.O., S. 62).  Bei einer solchen Sprache wird übersehen, daß die scheinbare Währungsgleichkeit zwischen den beiden Staaten nur eine ganz äußerliche war.  In Wirklichkeit war seit dem Kriege in Schweden eine Währungsänderung vorgenommen worden der Art, daß die Goldmünzen, die früher Barverfassung hatten, also hylogenische Stücke waren, zu autogenischem Gelde geworden waren; denn die Goldankaufspflicht der schwedischen Reichsbank war auggeheben worden. Die Gleichartigkeit der Goldplatten in Schweden und Dänemark vermochte daher gar nichts über das Wesen beider Währungen aususagen. Tatsächlich war die gleichmäßige Hylodromie der Goldstücke aufgegeben worden, damit die Währungsgleichheit zwischen Dänemark und Schweden verlorengegangen.  Daraus erklärt sich die Möglichkeit von Schwankungen des intervalutarischen Kurses zwischen diesen Staaten von selbst.  Kann aber der angeführte Vorwurf Knapps gegen den Metallismus besser bestätigt werden als durch solchen Widerlegungsversuch gegenüber der Staatlichen Theorie, wie er von Frau Neustatter gemacht wird ?

[177]   Knapp a.a.O., S. 265.

[178]   Vgl. dazu Lansburgh, Die großen Notenbanken im Dienste der kriegführenden Staaten.  Die Bank a.a.O., 1915, II, S. 696 ff.

[179]   Lansburgh, Die soziale Seite des Geldproblems.  Die Bank a.a.O., 1920, I, S. 171.

[180]   Cassel, a.a.O., S. 356-57 sowie S. 375-76, vgl. auch Diehl, Währungspolitik und Geldtheorie im Lichte des Weltkrieges.  Bankarchiv, Jahrg. 1916/17, S.11.

[181]   Knapp, a.a.O., S. 206.

[182]   Knapp, a.a.O., S. 266.

[183]   Knapp, a.a.O., S. 145.

[184]   Diehl, a.a.O., S. 11.

[185]   Knapp, a.a.O., S. 268 und 404.

[186]  Knapp, a.a.O., S. 265.

[187]   Vgl. Paul George, Die Bewegung des Silberpreises seit 1873.  Jena, Gustav Fischer, 1908, S. 31.

[188]   Knapp, a.a.O., S. 219.  Die Darstellung dieser Kontroversen siehe bei Helfferich, Das Geld, 6. Aufl., Leipzig, Hirschfeld 1923, S. 481 ff.

[189]   Knapp, a.a.O., S. 304.

[190]   Diehl, a.a.O., S. 11.

[191]   Knapp, a.a.O., S. 267.

[192]   Knapp, a.a.O., S. 261.

[193]   Lansburgh, Das rote und das weiße Weltgeld.  Die Bank a.a.O., 1921, II, S. 360.

[194]   Lansburgh, Übergang zur neuen Währung.  Die Bank a.a.O., 1919, S, 139.

[195]   Lansburgh, Die Weltgeldeigenschaft des Goldes.  Die Bank a.a.O., 1916, II, besonders S. 932.

[196]   Vgl. Walter Lotz, der die reine Papierwährung als einen anormalen Fall des Geldes bezeichnet : G. F. Knapps neue Geldtheorie, Schmollers Jahrbuch, XXX. Jahrg. 1906, III. Bd., S. 359.

[197]   Knapp, a.a.O., S. 28-30.

[198]   M. Palyi, Der Streit um die staatliche Theorie des Geldes.  Duncker & Humblot, München und Leipzig 1921, S. 22.

[199]   Für diese Auffassung sind die Worte Lansburghs bezeichnend, wenn er in seinem »Übergang zur neuen Währung« schreibt : »Sobald ... der Rechtsanspruch (sc. auf Güter) also in Gestalt von Gold von Hand zu Hand geht, hat der Inhaber die denkbar größte Gewähr, daß sein Anspruch bei Geltendmachung voll erfüllt wird.«  Die Bank, a.a.O., 1919, I, S. 139.

[200]   So schreibt Bendixen (Geld und Kapital, 2. Aufl., S. 193, zitiert bei Just, a.a.O., S. 91) : »Die Einsicht, daß das Interesse der Nation nicht identisch ist mit dem Interesse der heute lebenden Bevölkerung und daß die Zukunft von der Gegenwart Opfer zu verlangen berechtigt ist, liegt unserer Politik weltenfern.«

[201]   Ihre Lehren besonders nach Moll, Die modernen Geldtheorien und die Politik der Reichsbank.  Stuttgart, Ferdinand Enke, 1917.

[202]   Vgl. dazu Eduard Sprangers Worte : »Wie jede echte Wissenschaft auf dem Zusammenwirken des deduktiven und des induktiven Verfahrens beruht, so wird auch hier die Probe auf die Richtigkeit der a priori angenommenen Prinzipien schließlich darin liegen, daß es möglich ist, von ihnen aus die Mannigfaltigkeit der empirischen Erscheinungen wirklich zu begreifen.«  (E. Spranger, Lebensformen, 3. Aufl., Halle, Niemeyer 1922, S. 30.)  Auch für die vorhergehenden Gedankengänge verweise ich auf diese Quelle.

[203]   Moll weist selbst (Logik des Geldes, 2. Aufl., München 1922, Duncker & Humblot, S. 26-27) darauf hin, daß dieser Gedankengang an sich nicht völlig neu sei, daß die Fragestellung in der bisherigen Geldtheorie aber kaum über die Stufe einer unbewußten Beantwortung geschritten ist.  Die Bedeutung dieses Problems schwebte scheinbar ungreifbar vor dem geistigen Auge der Theoretiker.  Besonders bei Adolf Wagner ist das festzustellen, wie Döhring (Die Geldtheorien seit Knapp, Greifswalder staatswissenschaftliche Abhandlungen Nr. 7, Greifswald, Bamberg 1921, S. 19) mit Recht hervorhebt.  Die Forderung des Vertrauens bei stoffwertlosem Gelde ist letzten Endes nichts anderes, als ein vager Ausdruck für die Notwendigkeit der endlichen Befriedigung.

[204]   Bruno Moll, Logik des Geldes, a.a.O., S. 59.

[205]   Moll, a.a.O., S. 58-59.

[206]   Moll, a.a.O., S. 69.

[207]   Moll, a.a.O., S. 19.

[208]   Hegel, zitiert bei Johann Plenge, »Marx und Hegel«.  Tübingen, Lauppsche Buchhandlung 1911, S. 167.

[209]   Die griechischen Wechselkurse bis zum April 1919 können nur Annäherungswerte darstellen, da sie nach ihrer New Yorker Notierung über den Stand der englischen Valuta in Amerika auf London umgerechnet sind.  Dazu sind aber für die Berechnung griechische Kurse verwandt worden, die sich stets für den Vortag der englischen Notierung in New York verstehen.  Doch dürften diese Zahlen für unsere Zwecke genügen, da sie trotz ihrer Ungenauigkeit die allgemeine Entwicklungstendenz mit genügender Deutlichkeit hervortreten lassen.

[210]   Londoner Kurse.

[211]   Seit dem 9. August 1918 wurde der Silberpreis amtlich »by the Treasury« festgelegt.

[212]   Am 12. Februar 1919 wurden die Silberhöchstpreise wieder aufgehoben.

 

 

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