EINLEITUNG

Am 23. Dezember 1925 sind 60 Jahre verflossen, seit auf einer Konferenz in Paris zwischen den Staaten Frankreich, Belgien, Italien und Schweiz die Lateinische Münzunion abgeschlossen wurde.  Zu diesen vier Staaten ist seither nur ein Staat, Griechenland, hinzugetreten und zwar schon bald nach der Gründung der Union.  Dem Bunde gehört somit nur ein Teil der sogenannten Frankenländer an; Spanien, Rumänien, Portugal, das ehemalige Serbien und Bulgarien, Venezuela und andere süd- und mittelamerikanische Staaten mit einer dem Franken gleichartigen Währungseinheit stehen ausserhalb des Lateinischen Münzbundes.  Dafür erstreckt sich sein Geltungsbereich auch auf die Kolonien und Protektionsgebiete, die den eingangs genannten Ländern gehoren.

Die Entstehung des Lateinischen Münzbundes fällt in die Zeit, wo der Weltverkehr einen großen Aufschwung zu nehmen begann; Eisenbahnen überschritten bereits in großer Zahl die Landesgrenzen und verbanden die Hauptstädte unter sich.

Die Unbequemlichkeiten, die aus der Verschiedenheit des Geldwesens der Länder für den Reiseverkehr wie auch für den internationalen Zahlungsverkehr sich ergeben, sind schon frühzeitig als ein Nachteil erkannt worden, der beseitigt werden sollte.  Daraus erklären sich die zu verschiedenen Zeiten aufgetretenen Pläne für eine möglichst weitgehende Vereinheitlichung der nationalen Geldverfassungen, die in der Forderung nach Schaffung einer Weltmünze oder eines Weltgeldes gipfelten.

Dem Jahrzehnt von 1860-1870 gehören eine Reine teils auf den Zusammenschluß der Völker, teils auf die Verbesserung ihres Verkehrs untereinander gerichteter internationaler Verträge an.  Auf die Postkonferenz von 1863 ist der spätere Weltpostverein, der den umfassendsten internationalen Vertrag darstellt, zurückzuführen; 1864 brachte den Abschluß der Genfer Konvention, 1865 die Gründung des Allgemeinen Telegraphenvereins, 1866 die internationale Sanitätskonferenz in Konstantinopel, 1867 die von 20 Staaten beschickte internationale Münzkonferenz in Paris.  Auch der zunächst auf vier Staaten beschränkte Münzvertrag von 1865 (L’Union monétaire) sollte nach dem Geiste derjenigen, die ihn begründeten, le germe d’une union plus vaste entre tous les États civilisés [1] werden.  Darum ist er bis heute ein offener Vertrag geblieben, d.h. der Beitritt steht jedem fremden Staate offen, der sich den Bedingungen des Vertrags unterwirft, allerdings mit gewissen Einschränkungen.

Zum Zusammenschluß der vier Länder, die schon längere Zeit vorher den Franken als Münzeinheit hatten, haben aber andere Gründe geführt, als der Gedanke, einer Weltmünzeinheit die Wege ebnen zu wollen.  Dazu war das System der Doppelwährung vielleicht nicht elastisch genug, vielleicht auch war der günstigste Zeitpunkt bereits vorüber [2].

I.  Geschichtliche Vorbemerkungen

1.  Allgemeines – Die Vorläufer

Der Münzvertrag der sogenannten Lateinischen Münzunion von 1865 war nicht der erste seiner Art; ihm unmittelbar vorausgegangen war der deutsch-österreichische (Wiener) Münzvertrag von 1857; aus der Zeit vorher sind zu nennen : der Münchener Vertrag von 1837, durch den sich die süddeutschen Staaten auf den 24 ½ Guldenfuß einigten und der Dresdner Vertrag von 1838, der in den Staaten des Zollvereins die Talerwährung einführte.  Diese Verträge regelten nur den Verkehr in Silbermünzen.

Der Einfluß des deutsch-österreichischen Münzvertrags auf den lateinischen Münzvertrag ist unverkennbar; beide Verträge enthalten Vereinbarungen über Feingehalt, Durchmesser und Gewicht der zum Umlauf zugelassenen Münzen, über die Dauer des Vertrags und lassen den Zutritt fremder Staaten offen; auch die Bestimmung, daß die vertragsschließenden Staaten sich die von ihnen in bezug auf das Münzwesen zu erlassenden Gesetze und Verordnungen gegenseitig mitteilen sollen, finden wir im lateinischen Münzvertrag wieder.

2.  Der deutsch-österreichische Münzvertrag von 1857 [3]

Dieser legte als Münzgrundgewicht das Zollpfund = 500g (feines Silber), als Münzfuß für Österreich und Liechtenstein den 45 Guldenfuß (die österreichische Währung), für die deutschen Staaten den Talerfuß (die Talerwährung) bzw. den 52 ½ Guldenfuß (die süddeutsche Währung) fest.  Zur Erleichterung des Geldverkehrs unter den Vertragsstaaten kam man überein, neben den seit dem Münzvertrag von 1838 zur Vereinsmünze erhobenen Doppeltalern noch besondere Vereinstaler auszuprägen (1 Taler = 1/30 Pfund feines Silber).

3.  Die Münzverhältnisse in den vier Vertragsstaaten vor dem Abschluß der lateinischen Münzkonvention

I.  Frankreich [4].  Die Basis der Frankenwährung ist das Gesetz vom 7. Germinal des Jahres XI der Republik (26. März 1803), welches das bimetallische System einführte und ein festes Wertverhältnis zwischen Gold und Silber schuf.  Diesem Gesetz sind jedoch einige andere französische Währungsgesetze und -entwürfe vorausgegangen :

1.  Das Gesetz vom 16. Vendémiaire des Jahres II (7. Oktober 1793) versuchte ein neues Münzsystem aufzustellen.  Es wird darin bestimmt, daß der Franken durch ein Silberstück dargestellt wird, welches bei einem Feingehalt von 900 ‰ den 100. Teil eines Kilogramms wiegt und »républicaine« heißt.  Ein Geldstück mit dem fünffachen Gewicht des »républicaine« soll ausgegeben und »5 républicaines« genannt werden.  In gleicher Weise soll ein Goldstück mit dem Feingehalt von 900 ‰ und dem Gewicht von 1/100 Kilogramms (= 10 g) geprägt und »Goldfranken« genannt werden.

2.  Drei Gesetze vom 28. Thermidor des Jahres III enthalten verschiedene Verfügungen in münzgesetzlicher Beziehung :

a) Das erste bestimmt, daß die Goldstücke im Feingehalt von 900 ‰ und 10 g Gewicht (wie oben) in ihrer Umschrift auch die Angabe ihres Gewichts enthalten sollen.

b) Das zweite gibt die Definition des Franken, welcher sich in Dezimen und Centimen teilt und durch ein Silberstück im Feingehalt von 900 ‰ und im Gewicht von 5 g dargestellt werden soll.

c) Das dritte Gesetz schafft die Münzgebühr ab, die früher vom Monarchen als Entgelt für den seinen Untertanen erwiesenen Dienst verlangt und als eine Sondergebühr zu den Herstellungskosten der Münzen erhoben wurde.

3.  Im Jahre V legte das Direktorium dem »Rat der Fünfhundert« einen Gesetzentwurf betr. die Ausprägung eines Goldstücks im Gewicht von 10 g vor.  Das Wertverhältnis zwischen den beiden Metallen Gold und Silber wurde 1 : 16 angenommen.  Vorgesehen war, daß sich diese Relation ändern sollte, sobald sich im Handel ein anderes Wertverhältnis ergäbe.  Der Entwurf erlangte keine Gesetzeskraft.

4.  Im Jahre X schlug der damalige Finanzminister Gaudin vor, Goldstücke im Wert von 20 und 40 Fr. auszuprägen, die mit dem Silber in einem festen Wertverhältnis ständen.  Gaudin war mit der Festsetzung einer Relation zwischen Gold und Silber von 1 : 15 ½ einverstanden.  Dieße Ratungen führten nach einigen Kämpfen zum Gesetz vom 7. Germinal des Jahres XI.

Dieses Gesetz erklärt feierlich den Franken zur Münzeinheit, dargestellt durch ein Silberstück zu 900 ‰ fein mit einem Gewicht von 5 g.

Das Silber bildete zwar damals die Hauptsache der im Umlauf befindlichen Münzen, aber nicht das alleinige gesetzliche Zahlungsmittel; daneben hatten noch Gold und Kupfer die unbeschränkte gesetzliche Zahlungskraft.

Dieses trimetallische System blieb 7 Jahre in Kraft; erst im Jahre 1810 wurde den französischen Kupfermünzen die gesetzliche Zahlungskraft entzogen.

Die Relation von 1 : 15 ½ ist zwar im Gesetz vom 7. Germinal nicht ausdrücklich ausgesprochen, geht jedoch aus den Bestimmungen über die Ausprägungen hervor.

Der Silberfrank soll bei einem Feingehalt von 900 ‰ 5 g wiegen; 1 kg Silber zum gleichen Feingehalt wird auf 200 Fr. festgesetzt.  Das Kilogramm Gold zum Feingehalt 900 ‰ wird in 155 Stücken zu je 20 Fr. aufgeteilt, hat somit einen Wert von 3100 Fr.  200 Fr. (= 1 kg Silber) zu 3100 Fr. (= 1 kg Gold) verhält sich wie 1 : 15 ½ [5].

Gaudin, der Schöpfer dieser Bestimmungen, wollte damit das Wertverhältnis nicht für alle Zeiten festlegen; er wollte sich nur derjenigen Wertbeziehung bedienen, »die zur Zeit der Verabschiedung dieses Gesetzes galt«.

Nach seinem Geiste war die Notwendigkeit einer Umschmelzung an dem Tag gegeben, wo infolge der Veränderung des Handelswertes der beiden Metalle der Kurswert dem Metallwert gleichgestellt werden mußte [6].

Aus der Doppelwährung ergibt sich das Recht des Schuldners, der eine Zahlung zu machen hat, seine Schuld entweder in Gold oder in Silber mit befreiender Wirkung zu bereinigen.  Es zeigte sich bald, daß das Gesetz vom 7. Germinal des Jahres XI dem Golde einen geringeren Wert gegeben hatte, als seinem Handelswert entsprach.  Die Goldmünzen wurden wegen ihres höheren Wertes zurückgehalten und waren nur gegen ein Aufgeld zu bekommen.  1838 [7] war das Wertverhältnis auf 1 : 15 ¾ gestiegen, was zugunsten des Goldes ein Aufgeld von ca. 1 ½ % bedeutete.  Um diese Zeit [8] war das Silber das gebräuchlichste Zahlungsmittel; die täglichen Zahlungen erfolgten in Silbergeld und besonders in Fünffrankenstücken.

Die freie Silberprägung wurde von französischen Spekulanten in der Weise benützt, daß sie Silberbarren, die sie im Ausland billiger als in Frankreich erhielten, in der heimatlichen Münze nach dem gesetzlichen Wertverhältnis ausmünzen ließen [9].  Diese Verhältnisse dauerten bis zum Jahre 1849 an.

Die Entdeckung der kalifornischen Goldfelder im Jahre 1847 und der australischen im Jahre 1851 hatte zur Folge, daß sich in der Zeit von 1850-1860 die Goldproduktion der Welt gegenüber derjenigen im vorausgegangenen Jahrzehnt vervierfachte.  Um dieselbe Zeit begann auch der Handel nach Ostindien aufzublühen, wodurch beträchtliche Mengen Silber benötigt wurden; es entstand ein Silbermangel, während das Gold eine Entwertung erlitt.

Von diesem Augenblick an trachtete die Spekulation darnach, Silbermünzen zu exportieren und Gold einzuführen und ausprägen zu lassen.  Es ist festgestellt worden, daß aus Frankreich in den 5 Jahren 1853-1857 1100 Millionen Fr. in silbernen Fünffrankenstücken und in Silberscheidemünzen ausgeführt worden sind.  Die französische Regierung setzte deshalb zu Beginn des Jahres 1857 eine Kommission ein, welche die zur Verhinderung der Silberabwanderung zu ergreifenden Maßregeln prüfen sollte.  Die Kommission kam zu dem Entschluß, sich auf gewisse außerordentliche Maßnahmen zu beschränken, da man es doch nur mit einer vorübergehenden Erscheinung zu tun habe, im übrigen aber den durch das Gesetz vom Jahre XI geschaffenen Rechtszustand aufrechtzuerhalten.  Die vorgeschlagenen hohen Ausfuhrzölle auf Silber und Silbergeld gelangten nicht zur Einführung.

Eine am 15. Juni 1861 ernannte neue Münzkommission hatte diesmal die Frage der Silberscheidemünzen zu prüfen.  Diese für den täglichen Geldverkehr unentbehrlichen Münzen waren in den letzten Jahren außerordentlich knapp geworden, namentlich in den stärker bevölkerten Gegenden.  In mehreren Fabrikbetrieben des Nordens und Ostens konnten die Arbeiter wegen Mangel an Kleingeld nur gruppenweise, statt jeder einzeln, bezahlt werden [10].  Die Ursache der Kleingeldnot lag auch hier in der ungehinderten Ausfuhrmöglichkeit des Silberkleingelds zu 2 Fr., 1 Fr. und weniger.

Die französische Kommission von 1861 schlug vor, den Feingehalt aller Münzen unter 5 Fr. herabzusetzen und statt mit einem Feingehalt von 900 ‰ mit einem solchen zu 835 ‰ auszuprägen, welchen man für ausreichend hielt, um sowohl den Anforderungen einer guten Ausprägung zu genügen, als auch der Falschmünzerei, der Ausfuhr und der Einschmelzung entgegenzuwirken.  Mit Gesetz vom 25. Mai 1864 zog man aber nur die Stücke zu 50 und 20 Cts. zurück und ersetzte sie durch solche im Feingehalt 835 ‰.  Man wollte die im Gesetz vom 7. Germinal gegebene Definition des französischen Franken unberührt lassen.

II.  Das wechselvolle Schicksal Belgiens in der Zeit von 1792-1865 kommt auch in seiner Münzgeschichte zum Ausdrucke.  Österreichische und französische Münzen neben denjenigen der Bischöfe von Lüttich und Luxemburg waren während der Zeit der französischen Eroberung im Umlauf.  Infolge seiner Einverleibung zu Frankreich erhielt Belgien das französische Münzsystem.  Doch unterblieb die Anordnung der Einschmelzung der im Umlauf befindlichen Münzen; diese wurden nur zum französischen Franken in Beziehung gebracht, um ihnen im ganzen Lande einen einheitlichen Umlaufskurs zu sichern.

Das alsbald nach der Lostrennung Belgiens von Holland aufgestellte eigene belgische Münzsystem nahm die Grundsätze der französischen Frankenwährung an [11] : »Ein Stück mit 5 g Silber im Feingehalt von 900 ‰ stellt die belgische Münzeinheit dar, welche als 1 Fr. bezeichnet wird« (Gesetz vom 5. Juni 1832).  Daneben behielten die französischen Gold- und Silbermünzen gesetzlichen Kurs.  Erst durch spatere Gesetze wurden die noch umlaufenden älteren Münzen, soweit sie nicht durch das Gesetz von 1832 geschützt waren, zum Verschwinden gebracht.  Damit hatte Belgien ebenso wie Frankreich die Doppelwährung; die Ausprägung in beiden Edelmetallen stand für jedermann frei.

Aus der Gleichheit des Münzsystems ergaben sich durch die Goldentwertung in Belgien dieselben Schwierigkeiten wie in Frankreich.  Mit dem Gesetz vom 28. Dezember 1850 war das Gold außer Kurs erklärt worden; man wollte sich der Ausbreitung der Goldmünzen widersetzen und das französische Gold zur Festigung der Silberwährung nachdrücklich fernhalten.  Durch die Gewalt der Umstände mußte aber diese Bestimmung wieder aufgehoben werden; die Aufrechterhaltung des Silbermünzfußes war nicht mehr möglich; am 24. Juni 1861 wurde das französische Gold wieder zugelassen.  Andererseits waren die in Belgien vorhandenen französischen Teilmünzen derart, daß niemand ein Interesse daran hatte, dieselben durch Umschmelzen oder Ausfuhr dem Verkehr zu entziehen; es waren nämlich schon bedeutend abgenützte Stücke, deren wirklicher Wert weit unter dem Nominalwert stand.  Es gab jedoch deshalb keine Klagen, weil sich damals in Belgien ein großer Teil des Geldverkehrs in Papiergeld vollzog, das von einflußreichen Kreditanstalten ausgegeben worden war.  Irgendein entscheidender Schritt geschah nicht.

III.  Die Schweiz schuf sich ein einheitliches Münzwesen erst durch die Bundesakte der schweizerischen Eidgenossenschaft vom 12. September 1848.  Die Ausübung der Münzhoheitsrechte war nunmehr ausschließliche Angelegenheit des Bundes geworden.  Ein Gesetz vom 7. Mai 1850 führte das französische Frankensystem für den ganzen Bereich des Bundes ein, wie es im Kanton Genf schon seit 1838 bestanden hatte [12].  Die verschiedenartigen Münzausprägungen seitens der Kantone fanden damit ein Ende, die zahlreich kursierenden Münzen der Nachbarstaaten verloren ihre Bedeutung als Zahlungsmittel.  Das Schweizer Gesetz von 1850 sah indessen mit Absicht keine Ausprägung von Goldmünzen vor; es war dies ein Akt der Vorsicht; denn die Auswirkung der neuen Goldproduktion ließ sich noch nicht absehen [13].  Die Schweiz hatte damit die alleinige Silberwährung.  Dazu gewährte es gesetzlichen Kurs allen fremden, nach dem französischen Dezimalsystem geprägten Silbermünzen.  Bald nachher begann auch in der Schweiz die Goldüberflütung, und es entstanden dieselben Schwierigkeiten wie in Belgien und Frankreich.  Die Silbermünzen schweizerischen und fremden Geprägs verschwanden nach und nach aus dem Verkehr und französische Goldmünzen traten an ihre Stelle, welche sich indes beim Publikum einer wachsenden Beliebtheit erfreuten.  1859 stellte man in der Schweiz fest, daß 9/10 des gesamten Geldumlaufs sich in Gold abwickelte [14].  Weder die Bundesregierung noch die einzelnen Kantone wagten es, dem französischen Gold die Aufnahme zu verweigern, und den öffentlichen Kassen der Schweiz blieb nur übrig, sich der Macht der Tatsachen zu fügen [15].  Man schlug vor, den französischen Goldstücken gesetzlichen Kurs zu geben.  Es schien zweckmäßiger, den Tatsachen entsprechend, das Gold neben dem Silber als Währungsmetall anzuerkennen.  Die Folge war das wichtige schweizerische Gesetz vom 31. Januar 1860 [16], das in seinem Art. 1 bestimmte : »Die französischen Goldstücke, welche in einem Verhältnis von 1 Pfund Feingold zu 15 ½ Pfund Silber fein geprägt sind, sollen zu ihrem Nennwert insolange angenommen werden, als sie in Frankreich zum Nennwert gesetzlichen Kurs haben.  Diese Bestimmung findet in gleicher Weise auch auf solche Goldstücke Anwendung, welche durch andere Staaten in vollständiger Übereinstimmung mit den französischen Goldstücken geprägt werden.«  (Als solche wurden durch späteren Bundesratsbeschluß die sardinischen Goldmünzen bezeichnet).  Von diesem Augenblick an befand sich die Schweiz mit ihrem Münzsystem vollständig aut dem Boden der französischen Doppelwährung.  Der damals allgemein bestehende Silbermangel machte sich insbesondere in der Schweiz bemerklich; über die damaligen Zustände vgl. den Bericht des Bundesrats an die Bundesversammlung (Schweiz. Bundesblatt 1866, I, S. 133) :

Während das Gold in ungeheurer Masse zusammenströmte, an Wert verlor und sich sogar in die kleinsten Zahlungen eindrängte, erlangte das Silber eine Prämie; in bis dahin unbekanntem Maßstabe fand es seinen Weg ins Ausland, sowohl um den Bedürfnissen des Handels, der sich im fernen Osten stark entwickelte, zu genügen, als auch zum Zwecke vorteilhafter Spekulationen, welche durch den Unterschied des Preises der beiden Metalle ermöglicht waren.  Zuerst verschwand das silberne Fünffrankenstück und bald wurden auch die Silberteilmünzen von außen her angezogen; die erforderliche Menge Silberscheidemünzen war zum großen Nachteil des kleinen Verkehrs nicht mehr vorhanden.  Um diesem unhaltbaren Zustand entgegenzuwirken, traf die Schweiz im Art. 2 desselben Gesetzes vom 31. Januar 1860 [17] folgende Bestimmung : »In Abänderung der Art. 3 und 4 des Gesetzes vom 7. Mai 1850 betr. die Münzen der Schweiz. Eidgenossenschaft werden von jetzt an die schweizerischen Silberstücke mit folgendem Feingehalt und Gewicht ausgeprägt : Die schweizerische Münzeinheit (der Frank) wird künftig nur in seinem 5-fachen Wert, in dem Fünffrankenstück mit Feingehalt von 900 ‰ zur Ausprägung gebracht.  Die Stücke zu 2 Fr., 1 Fr. und ½ Fr. werden künftig mit einem Feingehalt von 800 ‰ in den Verkehr gelangen.«  Mit der Ausprägung von Silberscheidemünzen mit vermindertem Feingehalt begann der Einzug der alteren Münzen.  Im ganzen gab die Schweiz für 10 ½ Millionen Fr. Zwei- und Einfrankenstücke aus.  Damit hatte man der Ausfuhr der schweizerischen Scheidemünzen einen Riegel vorgeschoben.  Die Spannung zwischen ihrem Nominalwert und ihrem Metallwert war so groß, daß für die Spekulanten kein Nutzen mehr aus ihrer Ausfuhr gezogen werden konnte.

Das Vorgehen der Schweiz fand aber in Frankreich eine üble Aufnahme : Die neuen Schweizermünzen wurden in Frankreich von den öffentlichen Kassen ausgeschlossen.  Dadurch entstand ein Zurückströmen der schweizerischen Münzen, das sich aber nur an den Grenzen als ein Übelstand bemerkbar machte; im Innern der Schweiz erleichterte der Überfluß an Scheidemünzen den kleinen Verkehr.

Bald erhoben sich auch in den Nachbarländern Stimmen zugunsten des neuen Schweizer Münzgesetzes und der durch dasselbe eingeführten Grundsätze.  De Parieu, Vizepräsident des Staatsrats, brachte im Journal des Économistes im April 1860 [18] einen längeren, dem Schweizer Münzsystem gewidmeten Artikel, in welchem er die getroffene Maßregel als vorzüglich bezeichnete.  In der Abgeordnetenkammer Belgiens außerte sich Nothomb am 1. März 1861 dahin, daß in Belgien fremde Münzen wie in der Schweiz zum Nominalwert angenommen und daneben eine Scheidemünze von 800 ‰ Feingehalt eingeführt werden sollte.  Dies sei der Anfang einer Münzeinheit zwischen Frankreich, Schweiz, Belgien und wahrscheinlich auch Italien.

IV.  Italien [19].  Der Wiener Kongreß hatte auf der apenninischen Halbinsel eine Menge seibständiger Staaten errichtet bzw. wiedererstehen lassen, über deren Gesamtheit der österreichische Einfluß schweben sollte.  Mehrere Gebiete des Nordens, wie die Lombardei und Venetien, wurden an das österreichische Münzsystem angegliedert; die anderen Staaten, wie der bis zum Po reichende Kirchenstaat und das Königreich beider Sizilien, hatten ein autonomes Münzsystem, in dem auch ältere Münzen Geltung behielten; alles zusammengenommen herrschte im Münzwesen die bunteste Mannigfaltigkeit, was nicht wenig zu den Schwierigkeiten im gegenseitigen Verkehr beitrug.  Bezüglich der Goldmünzen zählte man im Gebiete des heutigen Italien allein 22 verschiedene Gewichtsstufen und 8 verschiedene Feingehaltsbestimmungen; die Silbermünzen zeigten eine noch größere Verschiedenheit.  Mehr als 40 in bezug auf das Gewicht und 15 in bezug auf den Feingehalt verschiedene Sorten waren im Umlauf.  Das Königreich Sardinien mit Piemont hatte durch Kgl. Dekret vom 4. Dezember 1820 das französische Münzsystem angenommen.  Die Einigung Italiens, welche sich durch die nacheinander durchgeführten Annexionen Piemonts vollzog, hatte auch die Ausdehnung des piemontesischen Münzsystems auf die erworbenen Gebiete zur Folge.  Eingeführt wurde das Frankensystem 1859 in der Lombardei, im Frühjahr 1860 in Toskana, Modena, Parma und in der bisher zum Kirchenstaat gehörigen Romagna, Ende 1860 und 1861 im Königreich Neapel, in den Marken und in Umbrien.  Bei dem Tode Cavours 1861 war mit Ausnahme von Venedig und Rom die ganze italienische Halbinsel unter dem Szepter des Hauses von Savoyen vereinigt.  Einer der ersten Akte der piemontesischen Regierung war jeweils die Einführung seines Münzsystems nach französischem Muster.  Endgültig geschah dies durch das Gesetz vom 24. August 1862.  Hienach konnten sowohl Goldstücke als auch Fünfliresilberstücke je im Feingehalt von 900 ‰ für Rechnung und auf Verlangen des Publikums ausgeprägt werden.  Damit hatte sich Italien zur französischen Doppelwährung bekannt.  Das Gesetz ermächtigte die Regierung, fremde Goldmünzen und Fünflirestücke, die nach dem Dezimalsystem hergestellt sind, durch Verordnung zuzulassen und ihnen gesetzliche Zahlungskraft zu geben.  Durch das gleiche Gesetz erhielten die französischen Münzen gesetzliche Zahlungskraft.

Um die Scheidemünzen der früheren italienischen Kleinstaaten und Provinzen, besonders derjenigen des Königreichs Neapel zu ersetzen, mußte eine große Anzahl neuer Scheidemünzen geprägt werden.  Es ist daher in dem Gesetz vom 24. August 1862 bestimmt, daß für 150 Millionen Fr. Silberstücke zu 2, 1, ½ Fr. und 20 Cts. geprägt und ausgegeben werden sollen.

Das italienische Parlament billigte die von der französischen Commission monétaire von 1861 vorgeschlagenen Maßnahmen gegen die Silberknappheit und setzte den Feingehalt der neuen Scheidemünzen auf 835 ‰ fest [20].

Der Zweck der Herabsetzung des Feingehalts der Silberscheidemünzen in Frankreich, Schweiz und Italien (diese zu Spekulationszwecken unbrauchbar zu machen) wurde vollkommen erreicht; das für die alltäglichen Geschäfte unumgänglich notwendige Kleinsilbergeld blieb dem inländischen Umlauf zum größten Teil erhalten.

So war Belgien das einzige der damaligen Frankenländer, das sich zu einer Herabsetzung des Feingehalts der kleineren Münzen nicht entschließen konnte; es behielt für alle seine Münzen den bisherigen Silbergehalt von 900 ‰ bei.  Aus der Verschiedenheit im Feingehalt ergab sich die Tatsache, daß im Jahre 1864 ein Kilogramm silberner Scheidemünzen in Belgien 900 g Feinsilber im Wert von 200 Fr., in Frankreich und Italien 835 g Feinsilber in Wert von 185 Fr. 55 Cts. und in der Schweiz 800 g Feinsilber im Wert von 177 Fr. 77 Cts. enthielt [21].

Die ehemalige Gleichmäßigkeit der Münzeinheit nach Feingehalt und Metallwert bestand nicht mehr.  Vier benachbarte Staaten fanden ihre Handelsbeziehungen durch die getroffenen Notmaßnahmen aufs empfindlichste gestört; die Verhältnisse drängten zu einer baldigen Regelung.

II.  Die Gründung der Lateinischen Münzunion

Die französische Frankenwährung bestand in Belgien seit 1832, in der Schweiz seit 1850, in Italien seit 1862.  In allen diesen Ländern war die Einführung der Frankenwährung nicht ohne Kämpfe von statten gegangen [22].  Vor allem drei Gründe verhalfen der Frankenwährung nach französischem Muster schließlich zum Sieg :

1.  Das Dezimalsystem war für das gesamte Rechnungs- und Zahlungswesen äußerst praktisch.

2.  Der Gedanke einer Weltmünze fand in Frankreich die rührigsten Vertreter, weshalb der französische Franken die meiste Aussicht hiefür zu haben schien.

3.  Frankreich nahm damals auf dem Kontinent in wirtschaftlicher und politischer Beziehung eine überragende Stellung ein.

Daher kam es auch, daß in allen diesen Ländern die in Frankreich geprägten Münzen gesetzlichen Kurs hatten : in Belgien durch Art. 23 des Gesetzes vom 5. Juni 1832; in der Schweiz überläßt es Art. 8 des Gesetzes vom 7. Mai 1850 dem Bundesrat, welchen fremden Silbermünzen gesetzliche Zahlungsmitteleigenschaft verliehen werden soll (durch Bundesratsbeschluß vom 16. Juni 1852 wurden unter anderem die französischen Silberstücke zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt [23]; in Italien ermächtigte das Gesetz vom 24. August 1862 die Regierung, fremde Gold- und Silbermünzen des Dezimalsystems zum gesetzlichen Zahlungsmittel zu erklären.  Dies geschah bezüglich der französischen Münzen [24].

Obwohl der Kulturwelt durch den Zufluß aus den kalifornischen und australischen Minen das Material für eine erhebliche Ausdehnung des Gebrauches von Goldgeld zur Verfügung gestellt wurde, trat doch keine Entwertung des Silbers ein; denn gleichzeitig zeigte sich eine betrachtliche Steigerung der Nachfrage nach Silber und zwar zum Versand nach Asien [25].  Der Bedarf war verursacht worden durch große indische Silberanleihen und durch die gesteigerten Ankäufe indischer Baumwolle, die durch die europäischen Kaufleute erfolgte, weil die Ausfuhr der amerikanischen Baumwolle aus den Südstaaten der Union infolge des Sezessionskrieges gesperrt war.  Der Silberbedarf Indiens erreichte in den Jahren 1851-1870 das sieben- bis achtfache des gleichen Zeitraumes in den Jahren 1841-1850.  Die gesteigerte Goldgewinnung und die vermehrte Silbernachfrage bewirkten eine Veränderung im Wertverhältnisse der beiden Metalle.  Während seit dem Ende des 18. Jahrhunderts der Silberwert gegenüber dem Wert des Goldes eine sinkende Tendenz zeigte, fing er an, in die Höhe zu gehen und erreichte den Höchstpreis im Jahre 1864.  Die Relation zwischen Gold und Silber betrug 1 :15.  Die Edelmetallhändler verfehlten nicht, sich die Differenz zwischen wirklichem Wert und gesetzlichem Wert der beiden Metalle zunutze zu machen.  Das Silber ging in beträchtlichen Mengen ins Ausland; das silberne Fünffrankenstück begann auszuwandern, und bald machte sich die gleiche Bewegung bezüglich der Silberscheidemünzen bemerkbar.

Diese Sachlage mußte die Aufmerksamkeit der Regierungen auf sich lenken, weil das Verschwinden der Silberscheidemünzen zu den größten Verlegenheiten führen konnte.  Es war daher lediglich eine Schutzmaßnahme gewesen, wenn die einzelnen Staaten begonnen hatten, den Metallwert ihrer Kleingeldmünzen herabzusetzen.  Um sowohl den augenblicklichen Schwierigkeiten zu begegnen, als auch den künftigen nicht geringen Unannehmlichkeiten zuvorzukommen, hielt es die belgische Regierung als dem Interesse des Landes entsprechend, wenn zwischen den Staaten mit Frankenwährung eine Münzunion abgeschlossen werden könnte.  Die bei der französischen Regierung gegebenen Anregungen bewogen diese, der schweizerischen und italienischen Regierung vorzuschlagen, sich auf einer internationalen Münzkonferenz vertreten zu lassen.  Diese Länder machten aber, da sie soeben ihre Scheidemünzen unter Herabsetzung des Feingehaltes neu ausgegeben hatten, Einwendungen gegen den Gedanken einer Konferenz, welche die Annahme eines einheitlichen Münzsystems zum Gegenstand hätte.  Hierauf ergriff die französische Regierung die Initiative zu dem Vorschläge, die Bevollmachtigten jeder der vier Regierungen zu einer internationalen Konferenz in Paris einzuladen ohne festbestimmtes Programm, nur mit dem Ziele, die besten Herstellungs- und Umlaufbedingungen für ihre Münzen zu suchen, um die früher bestandene Münzeinheit zwischen den vier Staaten wiederherzustellen, deren Münzgesetzgebung von derselben Quelle ausging, die so enge Handelsbeziehungen hatten und die mithin die Aufrechterhaltung bzw. Wiederherstellung der Harmonie in ihrem Münzsystem anstreben sollten [26].

Der erste Zusammentritt der Konferenzmitglieder fand am 20. November 1865 statt; in fünf Sitzungen, die am 27. November, 1., 6., 21. und 23. Dezember 1865 stattfanden, kamen die Fragen zur Beratung und zum Abschluß.  Die 11 Delegierten verteilten sich auf die Länder wie folgt : 4 von Frankreich, 2 von Belgien, 2 von Italien und 3 aus der Schweiz.

De Parieu eröffnete die Konferenz durch eine Ansprache, in der er die wichtige Frage des Verschwindens der Silberscheidemünzen in den Vordergrund stellte, aber die eigentliche Ursache, den Nachteil der Doppelwährung, nur andeutungsweise berührte.  Das hatte seinen guten Grund; denn Frankreich sah das Verschwinden der silbernen Fünffrankenstücke ohne Bedauern mit an, lediglich die Abwanderung der Silberscheidemünzen schien eine gewisse Gefahr zu bedeuten.  Es war also nicht auffallend, wenn Frankreich die Frage der Währung überhaupt als nebensächlich behandelte [27].

Die spätere Stellungnahme Frankreichs zeigte, daß es bezüglich der Währung den status quo unter allen Umständen aufrechtzuerhalten trachtete; man hatte deshalb von seiten Frankreichs vermieden, diese Frage auf das Programm der Konferenz zu setzen.

Das Verhalten der Vertreter der übrigen Staaten stand hierzu in Gegensatz.  Belgien, Italien und die Schweiz forderten kategorisch, daß der zum Abschluß zu bringende Vertrag, um die Schwierigkeiten wirklich zu beseitigen, die Währungsfrage regeln müsse.  Gleich bei der ersten Beratung warf der belgische Delegierte, Kreglinger, diese Frage auf.  In seiner Stellungnahme für die alleinige Goldwährung fand er bei den Vertretern der Schweiz lebhafte Unterstützung.  Frankreich erklärte, daß die Abschaffung der Doppelwährung nicht Gegenstand der Konferenzberatungen sein könne, und daß die Einführung der einfachen (Gold- oder Silber-) Währung ein unüberwindliches Hindernis für die Verständigung über einen Münzvertrag bedeute.  Das hatte zur Folge, daß die kleineren Staaten vermieden, Anträge zu stellen, von denen sie wußten, daß keine Aussicht auf Annahme bestand; hatten sie doch das mächtige Frankreich gegen sich.

Nach Frankreichs Willen sollte der Vertrag in erster Linie dem Zwecke dienen, den in Frankreich bestehenden Zustand aufrechtzuerhalten und in gleicher Weise den drei kleineren Staaten aufzuerlegen.  Die kleineren Staaten sollten zwar nominell frei sein in der Wahl ihrer Hauptmünze, aber es war trotzdem klar, daß die Annahme einer einzigen Standard-Silbermünze ebenso unmöglich gewesen wäre, als die Wahl einer einzigen Standard-Goldmünze; in Wahrheit beherrschte Frankreich die kleineren Staaten in ihren Münzangelegenheiten.

Am lebhaftesten war der Meinungsaustausch in der Frage des zukünftigen Feingehaltes der Silberscheidemünzen.  Belgien hatte von einer Herabsetzung des Feingehaltes abgesehen und seine Silberscheidemünzen im Feingehalt 900 ‰ belassen.  In Frankreich war soeben gemäß dem Gesetz von 1864 eine Ausprägung von 30 Millionen Franken im Feingehalt 835 ‰ vorgenommen worden, Italien hatte den Feingehalt 835 ‰, die Schweiz 800 ‰ eingeführt.  Man war sich darüber einig, daß für Silberscheidemünzen ein Feingehalt von 900 ‰ nicht mehr in Betracht komme.  Es fragte sich nur, welcher der beiden Grade, 800 oder 835, eingeführt werden sollte.  Die Schweiz und Italien hatten gerade neue Münzen geprägt.  Sobald diese Frage zur Beratung kam, nahmen die italienischen Delegierten einen festen Standpunkt für den 835 ‰ Feingehalt ein.  Ihre Gründe waren : 1. Italien und Frankreich haben zusammen ein mehrfaches an neuen Münzen zu 835 geprägt, als die Schweiz zu 800 (nämlich 150 + 30 = 180 Millionen gegen 10 ½ Millionen der Schweiz).  2. Für Italien ist die Wiedereinziehung der großen Anzahl Münzen weder durchführbar noch tragbar.  3. Die Legierung zu 835 fein eignet sich besser für die technische Herstellung der Münzen als die Legierung 800 ‰.

Da auch Belgien auf die Seite Frankreichs trat, sah sich die Schweiz gezwungen, nachzugeben, wollte sie sich nicht außerhalb der Münzunion stellen.  Diese Entscheidung war besonders für Italien mit seinen eben erst ausgegebenen 150 Millionen Fr. neuer Münzen von großem Vorteil.  Auf der andern Seite mußte die Schweiz die Münzen von 1860 im Betrage von 10 ½ Millionen Fr. zurückziehen und einschmelzen.  Die daraus sich ergebende finanzielle Belastung der Schweiz war insofern leichter tragbar, als die Schweiz den durch die Ausgleichung der Silberscheidemünzen sich ergebenden Gewinn klugerweise einem Reservefonds zugeführt hatte, der ihr nun zustatten kam.

Um die völlige Übereinstimmung des auf Grund des neu festgesetzten Feingehaltes ausgeprägten Münzen zu sichern, machte die Schweiz eine Reihe von Vorschlägen.  Sie schlug vor, daß der Vertrauenscharakter der Silberscheidemünzen im Vertrag ausdrücklich festgelegt werden sollte, und daß in den Vertrag Bestimmungen aufgenommen werden möchten über unbeschränkten Umlauf aller von den Staaten ausgeprägten Silberscheidemünzen, über die Anlage der Prägungsgewinne in Reservefonds, über die Einziehung abgenützter Münzen und über deren Einlösung seitens des Ausgabestaates in Gold, wenn sie in Mengen von 100 Fr. und mehr angeboten würden.  Die gesetzliche Zahlungskraft unter Privatpersonen sollte 20 Fr. für jede Zahlung nicht überschreiten.  Die Forderungen der Schweiz hatten ihre Begründung in den ungünstigen Erfahrungen, die sie mit ihrer letzten Münzausgabe gemacht hatte.  Nicht allen ihren Wünschen wurde Beachtung zuteil.  Die Artikel 6, 7 und 8 des Vertrages zeigen, welche davon Billigung fanden und in den Text des Vertrages aufgenommen wurden.  Man hielt es z.B. nicht für zweckmäßig, eine Verpflichtung zur Anlage eines Reservefonds zu schaffen, und nicht für möglich, bezüglich der Bekämpfung der Falschmünzerei in die einheimische Strafgesetzgebung einzugreifen.

Ferner kam zur Sprache, daß es die Vertragsfreiheit des bürgerlichen Rechts beeinträchtige, wenn den Silberscheidemünzen uneingeschränkte gesetzliche Zahlungskraft verliehen werde; sie wurde daher auf 50 Fr. beschränkt.

Die nächste wichtige Frage war, bis zu welchem Höchstbetrag die einzeinen Staaten Silberscheidemünzen sollten ausprägen dürfen.  Obwohl man sich dahin geeinigt hatte, die Einlösungsklausel für Silberscheidemünzen zum Vertragsbestandteil zu machen, schien es doch nicht ratsam, den Staaten die Ausgabe von Silberscheidemünzen in beliebiger Höhe zu überlassen.  Aber die Festsetzung einheitlicher Höchstbeträge wurde zu einem dringlichen und schwierigen Problem.  In den vier Staaten herrschten die verschiedensten sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse.  Der Vorrat an Kleingeld, wie er für den täglichen Verkehr notig war, war in den einzeinen Ländern relativ verschieden; die Schweiz war ausreichend, Belgien übermäßig, Italien nur wenig damit versehen.  Wollte man den Bedarf an Silberscheidemünzen auf einen einheitlichen Kopfsatz bringen, so mußte nach den gemachten Erhebungen ein Mittelwert zwischen 3 und 12 Fr. gefunden werden.  Auf Grund von Statistiken, die sich auf den Zeitraum von 1803-1860 erstreckten, wurde gezeigt, daß Frankreich durchschnittlich nur ungefähr 5 Fr. pro Kopf der Bevölkerung Silberscheidemünzen im Umlauf habe.  So schien es naheliegend, einen ähnlichen Satz für sämtliche Länder zugrunde zu legen, und man einigte sich auf 6 Fr. pro Kopf derjenigen Bevölkerungszahl, die sich ergab, wenn man zu der bei der letzten Volkszählung erhaltenen Zahl die voraussichtliche Zunahme bis zum Vertragsende (31. Dezember 1879) hinzurechnete.  Man kam zu dem Ergebnis : Frankreich 239, Belgien 32, Italien 141, Schweiz 17 Millionen Fr.  In diese Summe waren die in den 60er Jahren ausgeprägten Summen der drei Länder Belgien, Italien und Schweiz einzurechnen.

Ein Hauptgesichtspunkt bei der Abfassung der einzeinen Punkte des Vertrages war, daß noch andere europäische Staaten zum Beitritt angeregt werden sollten.  Außer der Anerkennung der Vertragsbedingungen sollte dazu die Zustimmung der bereits teilhabenden Staaten gefordert werden.  Um dem neuen System Zeit zur Festigung zu lassen und um der Schweiz eine ausreichende Frist zur Wiedereinziehung ihrer Münzen zu gewähren, trat der Vorsitzende De Parieu für eine möglichst lange Dauer des Vertrags ein; er schlug eine Laufzeit von 10 Jahren vor, welche die Konferenz auf 15 erhöhte.  Wahrscheinlich ging die wirkliche Absicht Frankreichs dahin, während der langen Gültigkeitsdauer des Vertrags die Wohltaten der Münzunion bekannt werden zu lassen, andere Länder zum Beitritt zu gewinnen und auf diese Weise den Einfluß Frankreichs auszudehnen.

So gelang es der Konferenz, die Gleichmäßigkeit des Münzwesens und den ungehinderten wechselseitigen Umlauf der neuen Stücke in den vier Staaten zu sichern, sowie die durch die verschiedenartige Herabsetzung des Feingehaltes der Silberscheidemünzen entstandenen Störungen zu beseitigen.

Wie aus dem Gang der Verhandlungen auf der Konferenz unzweifelhaft hervorgeht, hat Frankreich in den wichtigsten Punkten des Münzvertrags eine ausschlaggebende Rolle gespielt.  Zwar ist die Anregung zur Einberufung der Konferenz von Belgien ausgegangen, aber Belgiens Schritt war unmittelbar durch die französische Gesetzgebung veranlaßt worden.  Um den übereinstimmenden Wünschen der drei kleineren Staaten nach Einführung der alleinigen Goldwährung ein Gegengewicht zu bieten, warf Frankreich seine Machtstellung auf dem Kontinent in die Wagschale und erreichte so, daß das bisherige französische Geldsystem der Doppelwährung auf Jahrzehnte hinaus das Münzsystem der anderen Staaten wurde.  Zu dem raschen Abschluß der Lateinischen Münzunion haben zwei für die damalige Zeit charakteristische Momente mitgewirkt : in erster Linie die politischen Bestrebungen des französischen Kaisers und in zweiter Linie der damalige allgemeine Ruf nach einer zwischenstaatlichen Abstimmung der Münzsysteme.  Was den letzteren Punkt anbetrifft, so hörte man in jener Zeit sehr häufig den Ruf nach einer Weltmünze, wodurch einem der beiden Metalle ein unbestreitbarer Vorzug gegeben worden wäre.  Die treibende Kraft zu einem Abschluß im Sinne der französischen Währungspolitik war zweifellos Napoleon III.  Wie sein großer Namensbruder, hatte er den Ehrgeiz, fremden Völkern Gesetze und Vorschriften geben und eine führende Rolle auf dem Kontinent spielen zu wollen.  Er betrachtete es – nicht mit Unrecht – als eine Stärkung des französischen Einflusses im Auslande, wenn die französische Münzeinheit und das französische Währungssystem in fremden Staaten für längere Zeitdauer in Aufnahme kam [28].  Daß eine derartige Ausbreitung französischer Gesetze neben der Einwirkung auf Handels- und industrielle Beziehungen auch eine Stärkung des politischen Einflusses Frankreichs in den Ländern der Union zur Folge haben würde, war ohne Zweifel zutreffend.  Man scheint sich indes zu große lllusionen über die künftige Ausdehnung des neuen Münzsystems gemacht zu haben, denn die Aufforderungen zum Beitritt wurden wahllos nach allen Richtungen versandt.  So gingen die Ziele der französischen Regierung viel weiter als in dem Namen der Lateinischen Münzunion zu liegen scheint, und es waren keine leeren Worte, wenn einer der französischen Vertreter den Wunsch aussprach, daß die Union bald ganz Europa umfassen möchte.

Was das Festhalten an der Doppelwährung anbetrifft, so vertritt Willis (S. 59) die Anschauung, daß die allmächtige Bank von Frankreich, welche zusammen mit den hinter ihr stehenden Kreisen der Hochfinanz die gewagten Unternehmungen Napoleons III finanzierte, die Beibehaltung der Doppelwährung wünschte, und daß der Kaiser diesen Wünschen ein williges Ohr lieh.

Die Verhandlungen führten am 23. Dezember 1865 zum Abschluß.

Der Vertragsentwurf, der den beteiligten Regierungen zur Genehmigung vorzulegen war, stellte folgende Regeln auf :

Die vertragsschließenden Teile verpflichten sich, keine Goldmünzen anderer Typen als solche der Stücke zu 100 Fr., 50 Fr., 20 Fr., 10 Fr. und 5 Fr. mit 900 ‰ Feingehalt herstellen zu lassen.  Durchmesser, Gewicht und Toleranz der Münzen sind einheitlich festgesetzt (Art. 2).

Sie verpflichten sich ebenso, silberne Fünffrankenstücke nur mit Feingehalt zu 900 ‰ und mit bestimmtem Gewicht, Durchmesser und Toleranz herstellen zu lassen (Art. 3).

Die Staaten sollen an ihren öffentlichen Kassen die auf diese Weise hergestellten Gold- oder Silberstücke eines jeden der anderen Länder ohne Unterschied annehmen, sofern sie den Bedingungen entsprechen, unter dem Vorbehalt des Ausschlusses derjenigen, deren Gepräge verschwunden oder deren Gewicht infolge Abnutzung um ½ % für Goldstücke und um 1% für die Silberstücke unter die zugelassene Toleranz gesunken war (Art. 2 und 3).

Bei den Verhandlungen in der Konferenz war man sich einig, daß die Silberscheidemünzen mit einem geringeren Feingehalt als die Kurantmünzen ausgeprägt werden sollen.

Das war der Ausgangspunkt für eine Anzahl von Folgerungen und Zugeständnissen, die im Vertrag ihre Festlegung fanden :

Die Herstellung dieser Münzen ist den einzelnen Regierungen überlassen; die Höhe der Hartgeldausgabe ist für jedes Land bestimmt und beschränkt; der Verlust, der durch die Einschmelzung abgenützter Münzen entsteht, fällt dem Staate zur Last, der den Nutzen der Ausgabe genießt; ein Zwang zur Annahme dieser Münzen besteht für Private nur bis zu einem bestimmten Höchstbetrag.

Hergestellt werden Silberscheidemünzen zu 2 Fr., 1 Fr., 50 Ct. und 20 Ct. mit einem Feingehalt von 835 ‰ (Art. 4).  Der Gesamtwertbetrag an diesen Stücken darf 6 Fr. für jeden Kopf der Bevölkerung des Ausgabestaats nicht überschreiten, somit in Belgien für 32 Millionen Fr., in Frankreich für 239 Millionen Fr., in Italien für 141 Millionen Fr. und 17 Millionen für die Schweiz.  Auf diese Kontingentierungen für die einzelnen Länder werden die bereits im Umlauf befindlichen Scheidemünzen zu 800 und 835 ‰ fein, die auf Grund der erwähnten Gesetze von 1860, 1862 und 1864 in der Schweiz, Italien und Frankreich ausgegeben worden sind, angerechnet (Art. 9).  Nach der Annexion der venetianischen Provinzen und von Mantua durch das Königreich Italien im Jahre 1866, wurde die für Italien angegebene Ziffer von 141 Millionen durch ein mit Zustimmung der übrigen Staaten der Münzunion erlassenes Gesetz vom 3. September 1868 auf 156 Millionen erhöht.

Jeder der vertragsschließenden Staaten verpflichtet sich, die von ihm ausgegebenen Scheidemünzen wieder zurückzunehmen und einzuschmelzen, sobald sie infolge Abnützung um 5 % unter das vereinbarte Passiergewicht gesunken seien oder ihr Gepräge unkenntlich geworden ist (Art. 4).

Sie verpflichten sich in gleicher Weise, diejenigen Scheidemünzen, welche früher unter abweichenden Bedingungen hergestellt worden waren, bis 1. Januar 1869 aus dem Verkehr zu ziehen (Art. 5).  Diese Frist wird bis zum 1. Januar 1878 vorgerückt bezüglich der Zwei- und Einfrankenstücke, die seither in der Schweiz kraft des Gesetzes vom 31. Januar 1860 ausgegeben worden waren (Art. 5 Abs. II; Art. 7 Abs. II).  Die nach den Vorschriften des Artikels 4 geprägten Silberscheidemünzen sollen für die Einwohner desjenigen Staates, der sie geprägt hat, bis zum Betrag von 50 Fr. für jede Zahlung gesetzlichen Kurs haben; die öffentlichen Kassen des betreffenden Staates sind verpflichtet, sie von den Landesangehörigen ohne Beschränkung auf einen Höchstbetrag zurückzunehmen (Art. 6).  Die verschiedenen vertragsschließenden Länder verpflichten sich, die Scheidemünzen der anderen beteiligten Staaten an ihren öffentlichen Kassen bis zum Betrag von 100 Fr. für jede an diesen Kassen gemachte Zahlung anzunehmen (Art. 7).

Jede der vertragsschließenden Regierungen verpflichtet sich, vom Publikum oder von den öffentlichen Kassen der anderen Staaten des Vereins die Silberscheidemünzen, welche sie ausgegeben hat, gegen Kurantmünzen (Goldstücke oder Silberstücke zu 5 Fr.) auszutauschen, vorausgesetzt, daß die zur Umwechslung angebotene Summe mindestens 100 Fr. beträgt.  Diese Verpflichtung erstreckt sich auf den Zeitraum von 2 Jahren nach Aufhören des bestehenden Vertrages (Art. 8).

Der Vertrag legt den Bürgern eines Staates keinen Zwang auf, die von anderen Staaten ausgegebenen Münzen in Zahlung zu nehmen; auf der Konferenz wurde die Meinung vertreten, daß es dem Gedanken der Vertragsfreiheit widerspreche, wenn man die Bürger durch einen internationalen Akt hiezu zwingen würde; da überdies für die Regierungen eine solche Verpflichtung bereits bestand, erschien es überflüssig, für die privaten Geldgeschäfte auch eine solche aufzustellen.  Die Zulassung als Zahlungsmittel an öffentlichen Kassen sicherte vollkommen den ungehinderten Verkehr.

Der Beitritt zum Münzverein soll jedem andern Staat offen stehen, der die vertraglichen Verpflichtungen einhalten und das Münzsystem der Münzunion bezüglich der Gold- und Silbermünzen übernehmen will (Art. 12).

Der Münzvertrag soll zunächst bis 1. Januar 1880 in Kraft bleiben.  Wenn er ein Jahr vor diesem Zeitpunkt nicht gekündigt ist, so bleibt er weitere 15 Jahre verbindlich, ebenso in der Folgezeit jeweils eine Periode von 15 Jahren, wenn eine Kündigung nicht erfolgt (Art. 14).

Die Bezeichnung Lateinische Münzunion, welche sie in der Literatur erhielt, war geeignet, die Vermutung nahe zu legen, daß ihr nur Nationen romanischen Ursprungs angehören sollen.  Diese Bezeichnung ist übrigens niemals durch ein amtliches Schriftstück bestätigt worden; ob sie ein Hindernis für die Ausbreitung des Münzbundes gewesen ist, mag dahingestellt bleiben.

Mit dem Abschluß des Lateinischen Münzvertrags war zwischen 4 Nationen mit einer Bevolkerungszahl von damals 74 Millionen eine Münzgemeinschaft hergestellt, »dank welcher«, wie man sich ausdruckte, »von der Schelde bis Sizilien, von Antwerpen bis Cadix und Brindisi die Reisenden und Kaufleute nunmehr großen Schwierigkeiten in der Regelung und Begleichung ihrer Fakturen enthoben sind; dank welcher der Handelsverkehr erleichtert worden ist und eine Steigerung erfahren wird, dank welcher endlich die zum Nachteil der Allgemeinheit vorgekommenen Spekulationen auf Edelmetalle bedeutend eingeschränkt werden« [29].

Von Spanien und Rumänien, vom Kirchenstaat und von einigen Staaten Mittelamerikas, welche durch ihre interne Gesetzgebung den Franken als Münzeinheit angenommen hatten, wurden Anträge auf Beitritt zur Lateinischen Münzunion gestellt, aber abschlägig beschieden [30].  Nur dem gleichen Antrag Griechenlands gab man Folge.  Sein Beitritt zur Union geschah auf diplomatischem Wege durch Vertrag vom 26. September 1868 mit Wirkung vom 1. Januar 1869 an.  Voraussetzung war die Verpflichtung Griechenlands, 1. den Höchstbetrag für die Herstellung von Silberscheidemünzen auf 6 Fr. pro Kopf der Bevölkerung zu beschränken, 2. seine sämtlichen Gold- und Silbermünzen in französischen Münzstätten prägen zu lassen und 3. die zur Zeit des Beitritts in Griechenland im Umlauf befindlichen Münzen vom 1. Januar 1872 an aus dem Verkehr zu ziehen.  Der Beitritt Griechenlands wurde ein tatsächlicher erst im Jahre 1875, um welche Zeit die hellenische Regierung mit der Ausführung der Bedingungen des Vertrags begann.

III.  Die Silberentwertung und ihre Bedeutung für die Lateinische Münzunion

Die allgemeine internationale Münzkonferenz von 1867

Außerhalb der Lateinischen Münzunion fand der Vertrag von 1865 insbesondere deshalb keine allgemeine Billigung, weil er auf dem Prinzip der Doppelwährung beruhte, das von Frankreich den übrigen Staaten aufgenötigt worden war.

Im Londoner Economist [31] erschienen Aufsätze, deren Verfasser der Annahme einer allgemeinen Weltmünze in Gold geneigt war.  Es wurde vorgeschlagen, dem englischen Sovereign den Wert von 25 Fr. zu geben und so eine Kurantmünze zu schaffen.  Für die Vereinigten Staaten von Nord-Amerika käme ein Fünfdollarstück mit demselben Metallwerte in Betracht.  Aber eine Doppelwährung sei nicht haltbar; merkwürdig sei, daß Frankreich ihre Aufrechterhaltung verlange in einem Zeitpunkt, wo der Umlauf zum größten Teil aus Gold bestehe.  Denn allein das Gold sei das für den Handel brauchbare Geld.

So kam es, daß sich keiner der durch Rundschreiben zum Beitritt eingeladenen Staaten bereitfand, die Grundsätze der Lateinischen Münzunion zu billigen und den Beitritt in Aussicht zu stellen.  Die Enttäuschung hierüber war in Frankreich nicht gering.  Im Frühjahr 1867 wurde eine Petition beim französischen Senat eingereicht, in welcher für Frankreich die Goldwährung gefordert wurde.  Die Doppelwährung bilde ein unüberwindliches Hindernis für die Anwendung des französischen Münzsystems auf alle Länder, denn Gold sei das Geld im Tauschverkehr der größeren Staaten.  In einer Senatskommission, die wegen dieser Frage gebildet wurde, waren jedoch die sogenannten Bimetallisten in der Mehrzahl.  Sie lehnten alle Vorschläge zur Einführung der Goldwährung ab [32] und brachten zum Ausdruck, »daß die Erhaltung der Doppelwährung, welche ihren Ursprung der französischen Gesetzgebung verdanke und die sich seit mehr als 60 Jahren bewährt habe, folgende Vorteile biete : 1. die Schwankungen im Werte des einen oder andern Metalls auszugleichen, 2. bei Finanzkrisen die Störungen dadurch abzuschwächen, daß von einem Metall zum andern übergegangen werden könne, 3. den Handel mit Ländern zu begünstigen, welche nur Silber zulassen, 4. das Vertragsrecht zu schützen, welches dem Schuldner die Freiheit gabe, in Silber oder in Gold zu bezahlen und 5. nicht in die Gewohnheiten gewisser Bevölkerungsklassen eingreife, welche das silberne Fünffrankenstück dem goldenen vorziehen.«  Diese Erklärung der Kommission läßt die Macht der Bimetallisten des damaligen Frankreich deutlich erkennen.

Da gab sich für die französische Regierung anläßlich der Eröffnung der französischen Weltausstellung zu Paris, wo ohnedies die Vertreter vieler fremder Nationen zusammenkamen, eine zwanglose Gelegenheit, die Frage der weiteren Ausbreitung des französischen Münzsystems wieder aufzuhollen, wobei unzweifelhaft auch die Hoffnung mitsprach, noch einige andere Länder zum Eintritt in die Lateinische Münzunion zu gewinnen.

Am 20. Juni 1867 traten in Paris auf Einladung Frankreichs die Vertreter von zwanzig Staaten zusammen; darunter befanden sich : Preußen, Bayern, Württemberg, Baden, Österreich, Schweiz, Italien, Griechenland, Türkei, Spanien, Portugal, Belgien, Holland, England, Dänemark, Norwegen, Rußland und die Vereinigten Staaten von Amerika.  Ihren Währungssystemen nach waren Länder der reinen Silber- und der reinen Goldwährung sowie der Doppelwährung vertreten.  Es war also anzunehmen, daß die Beratungen einen Fingerzeig für die allgemeine Stimmung in der Währungsfrage ergeben würden.

Von Anfang an ging die Absicht Frankreichs dahin, dem Vertrag von 1865 nebst dem Grundsatz der Doppelwährung Geltung zu verschaffen.  In dem Verzeichnis der Fragen, die der Konferenz zur Beantwortung vorgelegt wurden, wird jedoch die Lateinische Münzunion nicht erwähnt; auch wurde kein Ersuchen gestellt, dem Vertrag beizutreten.  Es war hauptsächlich die Frage zu prüfen, wie eine internationale Münzgleichheit erreicht werden könne und welche Währung sich am besten dazu eigne, insbesondere ob ein ganz neues System gefunden werden solle [33].  Folgende Grundsätze gelangten zur Annahme : Nur das Gold kann Währungsmetall einer internationalen Münze sein.  Als Einheit wäre das goldene Fünffrankenstück festzusetzen.  Gleiches Gewicht, gleichen Feingehalt (900 ‰), gleiche Ausmaße für Stücke desselben Wertes, wenn auch unter verschiedenen Namen.  Frankreich soll eine 25-Frankenmünze in Gold ausprägen, das englische Pfund und das Fünfdollarstück der Vereinigten Staaten von Amerika sollen auf diesen Wert zurückgeführt, die notwendigen Maßnahmen sollen so bald als möglich auf diplomatischem Wege vereinbart werden.  Die »Grundsätze« kamen nicht zur Ausführung.  Die österreichische Regierung ließ nach Beendigung der Konferenz bei der französischen Regierung den Wunsch nach Verhandlungen zum Ausdruck bringen, die den Abschluß einer Münzübereinkunft zum Ziele hätten; letztere könnte sich unter Umständen auch auf die übrigen drei Mächte der Lateinischen Münzunion erstrecken.  Es ist verständlich, daß das Anerbieten Österreichs in Frankreich mit lebhafter Freude aufgenommen wurde; gab es doch die Hoffnung auf ein erstes praktisches Ergebnis der eben zum Abschluß gekommenen Weltmünzkonferenz.

Die Verhandlungen mit Österreich wurden in Paris am 23. Juli 1867 aufgenommen [34].  Nach 6 Sitzungen unterzeichneten die französischen und österreichischen Delegierten unterm 31. Juli 1867 eine vorläufige Münzkonvention zwischen Frankreich und Österreich, deren Inkrafttreten noch der Zustimmung der Landesvertretungen der beiden Länder bedürfte.  Der von Österreich ursprünglich vorgelegte Entwurf enthielt Bestimmungen, welche von denjenigen des Vertrags von 1865 sehr verschieden waren.

Dieser Gegensatz erklärt sich daraus, daß nach dem Verlaufe der Weltmünzkonferenz Österreich der Meinung war, Frankreich werde bereit sein, sich verträglich im Sinne der Beschlüsse zu verpflichten.  De Parieu brachte jedoch zum Ausdruck, daß die Konferenz den Ländern völlige Freiheit gelassen habe, die Übergangsbestimmungen nach ihrem Belieben zu regeln [35].  Das System der Doppelwährung, meinte er, habe in Frankreich zu viele Vertreter, deren Meinung nicht ignoriert werden dürfe und die Freiheit der Münzprägung in beiden Metallen würde von einem großen Teil derselben als ein unschätzbarer Vorteil in kritischen Zeiten angesehen.

Der Inhalt des Präliminarvertrags war kurz folgender :

Österreich trat dem Vertrag von 1865 lediglich bezüglich der Goldmünzen bei.  Der Gulden blieb die Münzeinheit; als Wertverhältnis zum Franken sollte ein Gulden = 2 Fr. 50 Ct. gesetzt werden.  Österreich verpflichtete sich, vom 1. Januar 1870 an Goldmünzen nur nach den Bestimmungen des Vertrags vom 23. Dezember 1865 auszuprägen, daneben eine Goldmünze zu 10 fl. = 25 Fr.  Frankreich behielt sich im Einverständnis mit Italien, Schweiz und Belgien vor, Goldstücke zu 25 Fr. ausprägen zu lassen, eine Bestimmung, die den Vorschlägen der Weltmünzkonferenz von 1867 entsprach [36].

Die österreichischen Vorschläge sollten durch die Mitkontrahenten der Lateinischen Münzunion auf einer Konferenz geprüft werden, deren Zusammentritt auf Monat Juli 1869 vorgesehen war; die Konferenz wurde jedoch vertagt und schließlich durch den Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges verhindert.

In der Folgezeit ließ die französische Regierung zur Prüfung der Münzfragen mehrere Kommissionen zusammentreten, welche sich aber meist für die Annahme der alleinigen Goldwährung erklärten.  Die Vertreter der Vereinheitlichung in den Münzsystemen waren daher mit Recht der Meinung, die Ausdehnung der Lateinischen Münzunion sei davon abhängig, daß sich Frankreich entsprechend den Wünschen der internationalen Konferenz von 1867 zur Annahme der alleinigen Goldwährung entschließe.  Eine umfassendere Ausdehnung der Union entsprach auch den politischen Bestrebungen Napoleons III.  Der Kaiser und seine Regierung waren sich darüber klar, daß die Ausdehnung des Frankensystems vermittels einer umfassenden Münzunion unter Führung Frankreichs von hervorragendem politischem und handelspolitischem Einfluß sein würde.

Dennoch waren die Widerstände gewisser Kreise gegen die alleinige Goldwährung so groß, daß die Regierung die Doppelwährung beibehielt; dadurch aber war der Beitritt weiterer Staaten in Frage gestellt.  Dabei fand sich zu jener Zeit mehr Gold als Silber im Umlauf.  Hauptsächlich die Kriegspläne Napoleons III verhinderten ihn, in bezug auf die Währung etwas entgegen den Wünschen der Bank von Frankreich zu unternehmen.

So blieb die vorlaufige Münzvereinbarung zwischen Österreich und Frankreich im Stadium des Projektes stecken.

Österreich ging trotz des Scheiterns der Münzvereinbarungen von 1867 im Laufe des Jahres 1870 dazu über, Goldstücke im Werte von 8 und 4 fl. (1 fl. = 2,50 Fr.) zu prägen, die in ihrem Feingehalt den Zwanzig- und Zehnfrankenstücken vollkommen gleich waren.  Diese Stücke erhielten in Italien im Jahre 1871, in Belgien im Jahre 1874 und im gleichen Jahre auch in Frankreich gesetzlichen Kurs.  Österreich hat die Prägung dieser Goldstücke bis zum Jahre 1892, dem Zeitpunkt der Einführung der Kronenwährung fortgesetzt.

Bis zum Jahre 1880 waren es außer den zur Union gehorenden Staaten weitere 13 Länder, welche durch interne Gesetzgebung das französische Frankensystem bei sich einführten : Spanien, Rumänien, Finnland, Serbien, Bulgarien, Kolumbien, Peru, Venezuela, Algerien, Tunis, Spanische Kolonien.

Maßnahmen zur Einschränkung der Fünffranken-Talerprägung

Die Bewegung des Silberpreises auf dem Londoner Weltmarkte in den Jahren 1860-1874 geht aus nachstehender Übersicht hervor [37] :

 

Preis der Unze Silber zu 37/40 fein (in pence)  Wertverhältnis zum Gold
1860
1867
1868
1869
1870
1871
1872
1873




1874

im Durchschnitt
im Durchschnitt
im Durchschnitt
im Durchschnitt
im Durchschnitt
im Durchschnitt
im Durchschnitt
Januar
Ende Juli
Ende August
Ende Oktober
Ende November
Januar

61 3/16
60 9/16
60 7/16
60 7/16
60 1/2
60 1/2
60 1/4
59 7/8
59 3/16
58 13/16
58 1/2
58
58

15,41
15,57
15,60
15,60
15,59
15,59
15,65
15,75
15,90
16,03
16,12
16,26
16,26

 

Hieraus ergibt sich deutlich ein ununterbrochenes Fallen des Silberpreises seit 1867.  Das mußte natürlich in Ländern mit einer silbernen Kurantmünze zu Spekulationen anreizen.  Daß solche einträglich waren – es handelt sich immer um größere Mengen an Silbermetall – ergibt sich aus folgendem Beispiel : Anfang August 1873 war das Kilogramm Silber zum Preis von 59 Pence für die Unze Standard zu haben; bei einem Kurs von 25 Fr. 40 Ct. für das Pfund Sterling ergab sich ein Silberpreis von 217 Fr. 38 Ct. für das Kilogramm in Brüssel, während an der Münze tarifmäßig 222 Fr. 22 Ct. bezahlt wurden.  Nach der Ausprägung ergaben sich Silbermünzen im Wert von 220 Fr. 55 Ct.  Es war klar, daß die Beschäftigung der Münzstätten eine sehr lebhafte wurde [38].

So gelangten in Frankreich während des Jahres 1873 für mehr als 154 Millionen Fr. in Fünffrankenstücken zur Ausprägung, während man im Jahre 1871 nur 4 Millionen Franken, 1872 nur 400.000 Fr. erreicht hatte; in Belgien hatte man 1873 für 111 Millionen Fr., 1871 für 23 Millionen Fr., 1872 für 10 Millionen Fr. in Fünffrankenstücken ausgeprägt [39].

Diese Spekulationen verstießen zwar nicht gegen das Gesetz, aber sie taten dem allgemeinen Interesse Eintrag; wenn die Staaten der Münzunion mit freier Prägung nicht von sich aus Maßnahmen ergriffen hätten, wäre das Gold mehr und mehr aus ihrem Münzumlauf verschwunden und hätte den Silberstücken aus unterwertig gewordenem Metall Platz gemacht.  Daneben bestand auch die Gefahr, daß das Barzahlungsgeschäft des Kleinverkehrs durch das Vorherrschen der großen Silberstücke ganz wesentlich erschwert werde.

Nachdem Deutschland durch das Gesetz vom 4. Dezember 1871 die Goldwährung angenommen hatte und die Einziehung und Einschmelzung von mehreren Hundert Millionen Taler in jener Zeit vor sich ging, so lag die Befürchtung nahe, daß bei Aufrechterhaltung der freien Silberprägung eine große Menge deutschen Silbers in die Schmelzkessel der Münzstätten der Union gelangen würde, um aus diesen wieder als Fünffrankenstücke hervorzugehen.  Die Gesamtheit dieser Umstände mußte natürlich die Aufmerksamkeit der beteiligten Regierungen auf sich ziehen und Beunruhigung, diesmal selbst unter den Bimetallisten, zur Folge haben [40].

Als die maßgebenden Kreise in Belgien im September 1873 von bevorstehenden neuen Silberaufkäufen in Deutschland Kenntnis erhielten, verfügte der belgische Finanzminister unterm 5. September, daß die tägliche Ausprägung, die bisher 300.000 Fr. betragen hatte, auf 150.000 Fr. zu beschränken sei.

Um dieselbe Zeit, am 6. September 1873, erhielt die Pariser Münze vom französischen Finanzminister die Weisung, mit ihren täglichen Silberausmünzungen, die den Betrag von 750.000 Fr. erreicht hatten, 200.000 Fr. nicht zu überschreiten; für die Münze in Bordeaux wurde ein Höchstbetrag von 80.000 Fr. festgesetzt [41].

An Stelle dieser Gesamtsumme von 280.000 Fr. trat durch eine Verfügung vom 19. November 1873 ein Höchstbetrag von täglich 150.000 Fr.

Um dem starken Angebot an Silberbarren bei der Münze in Milano zu begegnen, bestimmte eine italienische Verordnung vom Jahre 1873, daß der für 1 kg Silber bezahlte Betrag ab 1. Januar 1874 etwa um 2 Fr. ermäßigt werde.

Belgien erließ schließlich unterm 18. Dezember 1873 ein Gesetz, durch welches die belgische Regierung ermächtigt wurde, die Prägung der Fünffranken-Taler auf private Rechnung ganz einzustellen.  Nach dem Wortlaut des Vertrags von 1865 bestand für die teilnehmenden Staaten keine Verpflichtung, eine Mindestmenge auszuprägen, auch waren ja keine Höchstmengen festgesetzt.  Vom Standpunkt der übrigen Vertragsstaaten war somit gegen die Beschränkungsverordnungen bzw. -gesetze nichts einzuwenden.

Die Ausprägung von Fünffrankenstücken bei der belgischen Münze geschah in der nächsten Zeit nur noch auf Rechnung und zum Nutzen des belgischen Staates.

Die Bank von Frankreich ging dazu über, die Annahme der nichtfranzösischen Fünffrankenstücke zu verweigern; sie hoffte damit deren Umlauf einzuschränken und weitere Ausprägungen bei den Münzstätten hintanzuhalten.

Der Gouverneur der Bank von Frankreich rechtfertigte diesen Beschluß dem Finanzministerium gegenüber damit, daß bei der Ernsthaftigkeit der Lage (Goldknappheit, Überfüllung der öffentlichen Kassen mit Silber) einschränkende Maßnahmen mit sofortiger Wirkung unerläßlich gewesen seien, um der infolge der Wechselkursverhältnisse begünstigten Einwanderung von Silbergeld über Italien zu begegnen.  Zu diesem selbständigen Vorgehen hatte die Bank von Frankreich als ein Privatinstitut voll und ganz das Recht; aber es war selbstverständlich, daß eine Geldsorte, deren Annahme die Hauptbank des Landes verweigert, auch im privaten Verkehr zurückgewiesen werden würde.  Die Maßnahme mußte bei dem Ansehen, das die Bank genoß, auch über die Landesgrenzen hinaus ihre Wirkung ausüben; nur so ist die Absicht der Bank, eine Verminderung des Betrags der unterwertigen Silbermünzen herbeizuführen, verständlich.  Es war aber kein Zweifel, daß die Ausschließung der Fünffrankenstücke eines Vereinsstaats einem der Hauptgrundsätze der Konvention von 1865 zuwiderlief.  Die Angelegenheit spielte bei den Beratungen in der Konferenz von 1874 eine Rolle.  Die Schweiz nahm eine besondere Stellung ein.  Von jeher der reinen Goldwährung zugeneigt, hatte sie davon Abstand genommen, ihre Münzstätten für die Ausprägung von Fünffrankentalern zu öffnen.  Die Bundesregierung legte den Vertrag von 1865 dahin aus, daß die Staaten sich nur verpflichteten, keine anderen Arten von Münzen als die vereinbarten auszuprägen, daß aber daraus keine Verpflichtung entstand, Prägungen überhaupt auszuführen.  Indessen war die Spekulation mit Silbergeld in der Schweiz nicht weniger groß als in den übrigen Ländern.  Die Schweizer Privatbanken kauften mit Gold Silberbarren, um sie in der Brüsseler Münzstätte ausprägen zu lassen.

Angesichts der entstandenen Unzuträglichkeiten nahm die Schweiz bereits im Juni 1873 Anlaß, die belgische Regierung zu einem gemeinsamen Schritt bei der französischen Regierung zwecks Einberufung einer Konferenz zu bewegen.  Auf einen abschlägigen Bescheid hin beauftragte die Schweiz ihren Vertreter in Paris, bei der französischen Regierung unter Darstellung der Verhältnisse die Einberufung einer Konferenz der Vertragsstaaten zu beantragen.  Diese nahm den Antrag an; die Konferenz wurde auf den 5. Januar 1874 anberaumt.

In einem an die diplomatischen Vertreter Frankreichs in Brüssel, Rom und Bern gerichteten Telegramm war die Aufgabe der Konferenz, wie folgt, gekennzeichnet :

»Die Delegierten der vier Staaten sollen sich frei von allen Aufträgen in Paris einfinden; ihre Aufgabe wird darin bestehen, die Lage nach allen Gesichtspunkten zu prüfen und im gegenseitigen Einverständnis die Mittel zu suchen, die geeignet sind, um den Zufälligkeiten zu begegnen, deren Gefahr offensichtlich geworden ist.«

IV.  Die Einschränkung der Silbersusprägungen

Die Konferenz von 1874 [42]

Welcher Art auch die Ursachen der Silberentwertung gewesen sein mögen, die Unzuträglichkeiten im System der Doppelwährung, die sich ergeben mußten, wenn die gesetzliche Beziehung zwischen den beiden Metallen der Marktlage nicht entsprach, traten in einer Weise zutage, daß Abhilfe dringend notwendig war.  Die Konferenz hatte also die Aufgabe, alles zu tun, um den Unzuträglichkeiten zu begegnen, die sich im Geldverkehr der Vertragsstaaten durch die Überflütung mit Silberstücken zeigten; aber kein Mittel durfte die Hauptgrundsätze des gültigen Systems verändern noch die Staaten wegen der andauernd sich verändernden Verhältnisse auf allzulange Zeit festlegen.

Es war offenbar, daß die Fünffrankenstücke als intervalutarisches Geld nicht mehr länger im bisherigen Umfange zugelassen werden konnten.

Auf der Konferenz traten die verschiedensten Meinungen hervor.  Einzelne Delegierte vertraten die Anschauung, daß die Ursachen der Silberentwertung nur vorübergehender Natur seien, und daß sie ihren Sitz in der Silberüberproduktion und in dem in einzelnen Ländern aufgestellten Zwangskurse hätten.  Sie glaubten, daß die Edelmetallproduktion sich vermindern werde, und daß man sich in Frankreich und in Italien beeilen würde, den Zeitpunkt herbeizuführen, wo man auf den Zwangskurs verzichten könne, was dann den Wiedereintritt des Silbers in den Verkehr und die Wiederherstellung seines Normalwertes zur Folge habe.  Andere waren der Überzeugung, daß die Silberunterbewertung anhalte und erblickten die bestimmenden Ursachen dieser Baisse in der sich steigernden Produktion von Silber in den Weststaaten der amerikanischen Union, in der Verminderung seines Gebrauchs im äußersten Orient, besonders in Britisch-Indien, endlich in der Aufspeicherung einer Menge entbehrlich gewordenen Silbers infolge der Aufnahme der Goldwährung in verschiedenen Staaten, wie z.B. in Deutschland, in den nordischen Staaten, in Holland und in den Vereinigten Staaten von Amerika.  Einer der französischen Delegierten, de Parieu, der die Ursachen der Silberentwertung richtig dahin beurteilte, daß sie allgemeinen Charakter hätten und von längerer Dauer seien, schlug vor, die Zahlungskraft der Fünffrankenstücke auf einen gewissen Betrag zu beschränken, d.h. dieselben zum Rang der Silberscheidemünzen zu erniedrigen [43].  Der schweizerische Delegierte, Feer-Herzog, der bezüglich der Silberkrisis die gleiche Anschauung hatte, war geneigt, die völlige Einstellung der Silberprägung zu befürworten.  Die Delegierten hatten die Wahl zwischen zwei Lösungen der Frage; man mußte

1.  entweder die Goldwährung annehmen unter Festsetzung einer beschränkten Summe, bis zu welcher auch in Silber mit befreiender Wirkung gezahlt werden konnte, oder

2.  jedem Staat die Verpflichtung auferlegen, die Fünffrankentaler aus dem Verkehr zu ziehen und ihre fernere Herstellung zu verbieten.

Entscheidend war folgende Äußerung des französischen Delegierten Dutilleul [44] : »Nach der Meinung der französischen Regierung besteht das zu erreichende Ziel darin, für das Übel ein sicher wirkendes Mittel zu finden, ohne die wesentlichen Bedingungen des gegenwärtigen Systems zu ändern und ohne sich für einen langen Zeitraum festzulegen.  Die Beschränkung der Silberausprägung hatte zum Zwecke, eine scharfe Verschiebung der Umlaufsverhältnisse beider Metalle zu verhindern und doch die Möglichkeit zu haben, sich allen künftigen Zufälligkeiten anpassen zu können.  Das Vorausbestimmte und die Tatsachen haben sich so häufig nicht in Übereinstimmung befunden, daß es nötig erscheint, entscheidende Maßnahmen nur mit äußerster Vorsicht zu treffen ...«

Diese Betrachtung der Sachlage fand die Billigung der belgischen und italienischen Delegierten, und nachdem der Grundsatz der Ausprägungsbeschränkung einmal Fuß gefaßt hatte, blieb nur noch übrig, das Ausprägungskontingent an silbernen Fünffrankenstücken für jeden Staat zu bestimmen.  Der Präsident der Konferenz schlug folgenden Verteilungsmodus vor :

Frankreich
Italien
Belgien
Schweiz
30 Millionen
20
5
3
zusammen 58 Millionen

Dieser Berechnung war die Bevölkerungsziffer zugrunde gelegt.

Da jedoch in Frankreich sogenannte bons de monnaie d’argent ausgegeben worden waren, die erst 1874 fällig wurden, und man feststellte, daß deren Betrag das Kontingent von 30 Millionen Fr. bereits überstieg, so wurde eine neue Aufstellung der Kontingente mit folgenden Zahlen gemacht :

Frankreich 50 Mill., Italien 30 Mill., Belgien 9 Mill., Schweiz 5 Mill., die schließlich auf : Frankreich 60 Mill., Italien 40 Mill., Belgien 12 Mill., Schweiz 8 Mill., also zusammen 120 Mill. Fr. festgesetzt wurde.

Während der ersten Beratung der Kontingentsbeträge ergaben sich wegen der besonderen Lage Italiens Schwierigkeiten, welche die Dauer der Konferenz verlängerten und eine Zeitlang das Ergebnis der Beratungen in Frage zu stellen drohten.  Italien, das wie Frankreich noch den Zwangskurs hatte, trat dem Vertrage nur unter folgenden Bedingungen bei :

Außerhalb der für die Silberausprägung festzusetzenden Höchstbeträge bleibt ein Betrag von 60 Millionen Fr. in Silberbarren, welchen die Italienische Nationalbank als Konzessionärin der Münzfabrikation des Landes in ihrem Trésor liegen hat und welcher dazu bestimmt ist, eines Tages in Stücken ausgeprägt, jedoch nicht in den Verkehr gesetzt zu werden, da der Betrag nach den Statuten der Bank als ein Reservefonds zu gelten hat.  Ferner sollte im Höchstbetrage nicht enthalten sein der Betrag der noch im Umlauf befindlichen alten italienischen Münzen, die nicht dem Dezimalsystem angehörten und welche die Regierung entsprechend dem italienischen Gesetz vom 24. August 1862 fortgesetzt gegen neue zu ersetzen hat.  Nach der Angabe der italienischen Regierung wurde die Menge der alten Münzen auf ca. 50 Millionen Fr. geschätzt.  Man berechnete die Umschmelzung während des Jahres 1874 auf ungefähr 1.500.000 Fr. monatlich, eine Zahl die sich jedoch von Monat zu Monat vermindere.  Die vertragsschließenden Parteien machten sich gegenseitig gewisse Zugeständnisse.  Es wurde festgelegt, daß außerhalb des Kontingents von 40 Millionen Fr. die Regierung Italiens ermächtigt sei, für den Reservefonds der Banque Nationale während des Jahres 1874 eine Summe von 20 Millionen Fr. in Silberstücken herzustellen, und daß diese Stücke in dem Trésor der Bank unter der Garantie des italienischen Staates bis nach der für Januar 1875 in Aussicht genommenen neuen Münzkonferenz liegen bleiben sollen.  Auf diese Weise wurde das Kontingent Italiens an der Ausprägung von Fünffranken-Silberstücken von 40 Millionen Fr., das seiner Bevölkerungsziffer entsprochen hätte, auf dasjenige Frankreichs mit 60 Millionen Fr. erhöht (20 Millionen als Reservefonds für die Italienische Nationalbank).  Auch war man darüber einig, daß die festgesetzten Ziffern für die Folge nicht als ein Vorgang angesehen werden, sondern daß sie lediglich für das Jahr 1874 gelten sollen, als eine unumgänglich notwendige Maßregel im Interesse der Geldflüssigkeit.

Die Beschränkung der Ausprägung von Fünffrankenstücken bedeutete eine wichtige Änderung im bisherigen System der Lateinischen Münzunion, innerhalb welcher bisher jedermann, der im Besitze von ungemünztem Gold oder Silber war, die Freiheit hatte, solches gegen eine festgesetzte Gebühr zur Ausprägung zu geben.

Das Ergebnis der Konferenz, der »Zusatzvertrag zum Münzvertrag von 1865 vom 31. Januar 1874« enthält nur 6 Artikel : Der Art. 1 setzt die eben genannten Ausprägungskontingente an silbernen Fünffrankenstücken fest, auf welche die bis 31. Dezember 1873 ausgestellten Münzbons, deren Betrag für jedes Land einzeln aufgeführt ist, angerechnet werden.  Art. 2. enthält die Sonderbestimmungen für Italien.  Art. 3 bestimmt den Zeitpunkt des nächsten Zusammentritts auf Januar 1875.  Art. 4 gibt die neue Fassung der Beitrittsklausel, deren Gültigkeit durch Art. 5 der Dauer des Hauptvertrags gleichgestellt ist.  Art. 6 enthält die Ratifikationsbestimmungen.

Nach dem Vertrag von 1865 war jedem Staat das Recht zum Beitritt vorbehalten, wenn er die Bedingungen anerkenne und das Vereinsmünzsystem bei sich einführe.  Die Konvention von 1874 änderte diese Bedingung dahin ab, daß künftig (gemäß Art. 4) zur Annahme oder Ablehnung des Aufnahmegesuchs eines Staates noch dazu das Einverständnis der vertragsschließenden Parteien erforderlich sei.

Diese Klausel war von dem Bedürfnis diktiert, sich gegen eine neue Invasion von Silber zu schützen, die von einem Mitglied der Union ausgehen könnte, dessen finanzielle Verhältnisse schon bei seinem Eintritt nicht unbedenklich waren, aber unbemerkt geblieben sind.

Weiter ist noch ein Punkt von Wichtigkeit, obgleich dieser nicht Gegenstand einer Vertragsbestimmung ist.  Nach der Konvention von 1865 waren allein die öffentlichen Staatskassen der Vertragsstaaten verpflichtet, die Münzen der anderen Länder anzunehmen; für die Banken und Privatpersonen bestand eine solche Verpflichtung nicht.  Die Nationalbanken von Frankreich und Belgien hatten daher nur von ihrem Recht Gebrauch gemacht, als sie einschränkende Maßregeln trafen, um die Spekulation zu verhindern.  Die Konferenz brachte den Wunsch zum Ausdruck, daß die genannten Banken die von den Vertragsstaaten angefertigten Fünffrankenstücke durch ihre Kassen als Zahlungsmittel annehmen sollten.  Diesem Wunsche Rechnung tragend, gaben die beiden Banken eine Erklärung ab, daß sie die Fünffrankenstücke während des Jahres 1874 annehmen wollten.  Das war in Wirklichkeit ihre Einführung in den Handel der beiden Länder.

Die neue Übereinkunft beschränkte sich also darauf, für jeden Vertragsstaat einen Höchstbetrag zu bestimmen, bis zu welchem im Laufe des Jahres 1874 eine Neuausprägung von silbernen Fünffrankenstücken stattfinden durfte; für die Zukunft war vollständige Handlungsfreiheit vorbehalten.  Die vier Staaten der Münzunion [45] ratifizierten die Konvention und hielten die Anfertigung der Silberstücke innerhalb der vertraglichen Grenzen.

Diese Übereinkunft ist Gegenstand heftiger Angriffe geworden.  Die einen haben sie hingestellt als eine Thronbesteigung der Goldwährung, die anderen haben sie als halbe Maßnahme abfällig kritisiert.  Wenn man den Urhebern der Übereinkunft gerecht werden will, so muß man die Schwierigkeiten der damaligen Sachlage in Betracht ziehen, wo durch den erheblichen Unterschied in den wirtschaftlichen Verhältnissen der vier Länder eine allseitig befriedigende Regelung erschwert war; zu einem Ergebnis war nur auf dem Wege des Kompromisses zu kommen.  Abgesehen von der Verschiedenheit der Gesichtspunkte hatte die Konferenz die feste Überzeugung, daß das System der Doppelwährung schwere Gefahren enthalte, welche unter den derzeitigen Umständen unbedingt verboten, den Dingen weiterhin freien Lauf zu lassen.  Es war die erste Abbröckelung am System der Doppelwährung, als man daran ging, das bisherige Recht der freien Ausprägung in so einschneidender Weise zu beschränken.

Neben den Verhandlungen in der Konferenz ging ein lebhafter Pressefeldzug gegen das Projekt der Ausprägungsbeschränkung für Silber einher.  Cernuschi kämpfte für die Beibehaltung der freien Ausprägung [46].  Nach seiner Meinung war »die einzige Ursache der Silberentwertung darin zu suchen, daß Frankreich Deutschland nachahmen wolle, indem es sich weigere, das vom Publikum zur Münze gebrachte Silber auszuprägen.  Man habe vergessen, daß vorher das öffentliche Recht Frankreichs geändert werden müsse, ehe man zu solchen Maßnahmen greife; denn bis jetzt habe noch jedermann das Recht der freien Münzausprägung; es wäre ein Unglück, wenn die Münzkonferenz sich, wie es den Anschein habe, nach einer Richtung bewege, die von diesen bewährten Gesichtspunkten abweiche usw.«

Wir sehen auch hier wieder namhafte Persönlichkeiten jener Zeit am Werk, um die für gewisse Kreise einträgliche Silberspekulation am Leben zu erhalten.

»Der Pächter der Brüsseler Münze«, sagt Esslen [47], »war damals ein großer Pariser Edelmetallhändler, der dort für eigene Rechnung prägte, weil Brüssel näher an London liegt als Paris und er auf diese Weise einen Zinsverlust von 1-2 Tagen ersparte.«

Über die Verhandlungen auf der Konferenz ist noch zu sagen : Die Schweiz, auf deren Veranlassung der Zusammentritt zurückzuführen war, beantragte die Annahme der reinen Goldwährung mit entsprechenden Übergangsbestimmungen.  Sie wies gegenüber den Außerungen der Bimetallisten darauf hin, daß ein Ersatz der Doppelwährung durch die Goldwährung mit um so größeren Opfern verbunden sei, je tiefer der Preis des Silbers falle.

Von französischer Seite wurde behauptet, daß die Befürchtungen einer rasch fortschreitenden Silberentwertung unbegründet seien; es sei im Gegenteil durch die Steigerung der Produktionskosten die Schließung einer Anzahl von Silberminen und dadurch ein Rückgang des Angebots zu erwarten.

Italien verteidigte geschickt seine recht ungünstige Stellung und erhielt schließlich die Erlaubnis, ebensoviel ausprägen zu dürfen wie Frankreich.

Belgien blieb Verhältnismäßig ruhig in diesem Streit der Meinungen; seine Banque Nationale war keine öffentliche Kasse und war daher jederzeit in der Lage, die Annahme der Münzen der vertragsschließenden Staaten unter Umständen zu verweigern.

Es zeigte sich, daß von dem durch die Konferenz von 1874 gefaßten Beschluß der beschränkten Ausprägungen von silbernen Fünffrankenstücken niemand befriedigt war : die Bimetallisten beschuldigten die Delegierten der Abtrünnigkeit, die Monometallisten fanden, daß die Staaten der Lateinischen Münzunion die Ausprägung hätten ganz einstellen sollen, statt sie nur zu beschränken.

Die französische Nationalversammlung ernannte eine Kommission zur Untersuchung der durch die neuen Bestimmungen geschaffenen Verhältnisse.  Die Kommission stellte fest : »daß dem Regime des Gesetzes vom 7. Germinal des Jahres XI kein Eintrag getan worden sei, und daß die Regierung sich unter keinen Umständen dazu verstehen würde, aus nebensächlichen Gründen den Grundsatz der Doppelwährung zu verlassen, auf dem das französische Münzsystem beruhe« [48].

Welche Bedeutung die Beschränkungen der Ausprägung von Fünffrankentalern hatte, zeigt sich am besten bei einem Vergleich der Höchstbeträge mit den einzelnen Ausprägungen im Jahre 1873 : Frankreich hatte 1873 154 Millionen Fr. Fünffrankenstücke hergestellt, für 1874 waren nur 60 Millionen vorgesehen; Belgien, welches 111 Millionen geprägt hatte, nahm eine Beschränkung auf 12 Millionen an; was Italien anbetrifft, dessen Ausmünzung 1873 den Betrag von 45 Millionen Fr. nicht überschritten hatte, so durfte es 40 Millionen in den Verkehr bringen, weitere 20 blieben in den Gewölben der italienischen Staatsbank als deren Reservefonds.  Die Schweiz hatte 1873 keine Ausprägungen vorgenommen.  Im ganzen betrug die Einschränkung gegenüber dem Jahre 1873 167 Millionen Fr. (von 307 auf 140 Millionen).

»Das Übereinkommen von 1874 war in der Hauptsache ein Sieg der Silberpartei, der in erster Linie der schwachen Stellung Italiens und der zögernden und zweifelhaften Politik Frankreichs zu verdanken war.  Es war klar, daß Italien nicht im Stiche gelassen werden konnte; denn die anderen Länder waren alle Besitzer von großen Mengen der italienischen Fünffrankenstücke, die bei dem niederen Silberpreis einen bedeutend geringeren Wert hatten, als ihnen aufgeprägt war, und deren Einlösung damals nicht wahrscheinlich erschien.  Daher war ein Nachgeben unerläßlich.  In diesem Punkte traten die unbefriedigenden Verhältnisse in der Union klar zutage.  Wenn irgendeiner der Staaten sich stark genug gefühlt hätte, sich von der Union zurückzuziehen, so hätte er es getan.  Belgien war keinesfalls in der Lage, die ungeheuren Mengen Silbergeld, welche es hergestellt hatte, einzulösen; auch für Italien lag eine Rücknahme seiner Münzen außerhalb des Bereiches der Möglichkeit.  Die Schweiz konnte es angesichts ihrer handelspolitischen und wirtschaftlichen Interessen nicht wagen, sich zurückzuziehen, und in Frankreich waren alle Anstrengungen, in jenem Zeitpunkt eine Umstellung des Münzwesens vorzunehmen, wegen dringender anderer Aufgaben ein schwieriges Unternehmen gewesen.  Auch ist es nicht wahrscheinlich, daß Frankreich geneigt gewesen wäre, seine Vorherrschaft über die anderen Länder im Münzwesen aufzugeben.  Das Ergebnis der Verknüpfung dieser eigenartig schwierigen und verschiedenartigen Umstände war der Vertrag von 1874 mit seinen gegenseitigen Zugeständnissen (Willis, a.a.O., S. 141).

Die Konferenz von 1875

Nach den Bestimmungen des Art. 3 des Zusatzabkommens von 1874 hatte der Wiederzusammentritt der Konferenz im Januar 1875 stattzufinden.

Das Ergebnis der Beratungen war eine 7 Artikel enthaltende Erklärung (Déclaration) vom 5. Februar 1875 die folgenden Inhalt hat :

Der Art. 1 erklärt für das Jahr 1875 die Bestimmungen des Art. 1 der Zusatzakte vom 31. Januar 1874 bezüglich der anerkannten Höchstgrenzen für die Herstellung von Fünffrankenstücken für Belgien, Frankreich, Italien und Schweiz als verlängert.  Daneben gewährt der Art. 2 jedem der vertragsschließenden Teile die Freiheit, über das in Art. 1 festgesetzte Kontingent hinaus eine Anzahl Fünffrankenstücke prägen zu lassen, welche ¼ des Kontingents von 1874 nicht überschreiten dürfe.  Das Gesamtkontingent für die Herstellung von Fünffrankenstücken betrug somit für 1875 : 120 + 30 = 150 Millionen Fr.  Diese Erhöhung hatte folgende Ursache : Die italienische Regierung hatte die Notwendigkeit zum Ausdruck gebracht, daß sie im Jahre 1875 für 10 Millionen Fr. Fünffrankenstücke als Ersatz für alte Münzen des nicht dezimalen Systems in den Verkehr zu bringen hätte.  Nun nehmen aber diese 10 Millionen Fr., die sich nur im internen Verkehr Italiens befinden, im Augenblick ihrer Verwandlung in Fünffrankenstücke internationalen Charakter an und müssen von den öffentlichen Kassen der übrigen Staaten angenommen werden.  Um diesem Bedürfnis Italiens Rechnung zu tragen, ohne ihm gleichzeitig eine gegenüber den übrigen Staaten der Union bevorzugte Stellung zu geben, wurde beschlossen, daß alle Staaten ihr Kontingent um einen entsprechenden Betrag überschreiten könnten; die Vermehrung betrug aber für Italien 10 von 40 Millionen = ¼; dies mußte daher auch den übrigen Staaten gewährt werden.  Der Art. 4 ermächtigt außerdem die italienische Regierung die 20 Millionen Fr. in Fünffrankensilberstücken, die gemäß den Bestimmungen des Art. 2 des Zusatzvertrages vom 31. Januar 1874 hergestellt und bis jetzt in den Kassen der italienischen Nationalbank festgehalten waren, in den Verkehr zu bringen.  Nach den Bestimmungen des Art. 3 sollen auf die Kontingente die Münzbons wieder angerechnet werden, und nach Art. 6 können solche Münzbons im Jahre 1876 nur für eine Summe ausgegeben werden, die die Hälfte des Kontingents nicht überschreitet, das im Art. 1 der gegenwärtigen Deklaration festgesetzt ist.  Der Art. 5 bestimmt, daß im Laufe des Jahres 1876 eine neue Konferenz zwischen den Delegierten zu Paris gehalten werden soll.  Die Vertreter der Banque Nationale von Frankreich und von Belgien erklärten sich bereit, wieder wie im Jahre 1874 auch bis 31. Dezember 1875 die von den vertragsschließenden Staaten hergestellten Fünffrankenstücke an ihren Kassen anzunehmen.

Der Erfolg Italiens veranlaßte den griechischen Delegierten die Ermächtigung zur Ausprägung von Fünffrankentalern gemäß der Kontingente von 1875 auch für Griechenland zu beanspruchen; von der Forderung wurden zunächst nur 5 Millionen zugebilligt [49].  So erhöhten sich die für 1874 festgesetzten Summen auf 155 Millionen Fr. für 1875 [50], und die Delegierten konnten die Überzeugung mit nach Hause nehmen, daß sie trotz der Einschränkung das Grundprinzip der bimetallistischen Währung nicht berührt hatten.

Trotzdem löste das Ergebnis bei den französischen Bimetallisten unter Führung Cernuschis in Frankreich einen neuen Pressefeldzug aus, mit dem Zweck, die Wiederaufnahme der freien Prägung zu erreichen.

Die Konferenz von 1876

Die Delegierten der Vertragsstaaten vereinigten sich im Laufe des Monats Januar 1876 noch einmal zu Paris.  Die Unze Standart Silber, welche 1873 für 59 d. 5/16 zu haben war, galt nunmehr bloß noch 56 1/8 d., ergibt sich somit in 3 Jahren ein Preisrückgang von 3 d. für die Unze.  Das Wertverhältnis zwischen Gold und Silber hatte sich auf 1 : 17 verschoben.  Es schien nun doch für die Staaten außerordentlich bedenklich, fernerhin so große Mengen entwertetes Metall bei sich aufzuhäufen, in der wenig erfreulichen Aussicht, daß sich der Wert von Tag zu Tag noch vermindern werde.  Die Feststellungen ergaben, daß von der 1875 vorgesehenen Menge von 155 Millionen Fr. einschließlich Griechenland 145 ausgeprägt worden waren.  Die Schweiz hatte auf ihren Anteil von 10 Millionen Fr. verzichtet.  Im Auftrag der eidgenössischen Regierung traten ihre Delegierten erneut für eine weitere Einschränkung der Silberausprägung ein.  Angesichts der fortschreitenden Silberentwertung sei die Einführung der ausschließlichen Goldwährung ernstlich zu erwägen.  Diese Maßnahme lag jedoch auch diesmal nicht in den Absichten der französischen Regierung.  Der Führer der schweizerischen Delegation machte hierauf den formlichen Vorschlag, die Ausprägung von Fünffrankenstücken, die ein jeder Staat im Laufe des Jahres 1876 vornehmen dürfe, auf die Hälfte des Kontingents von 1875 herabzusetzen.  Auch dieser Vorschlag stieß auf den Widerstand Frankreichs.  Belgien und Italien erklärten sich damit einverstanden, daß das Gesamtkontingent auf 100 Millionen herabgesetzt werde; da aber Griechenland den Antrag stellte, ihm diesmal einen größeren Betrag zuzubilligen, schienen die weiteren Verhandlungen zur Herabminderung der Kontingente aussichtslos [51].  Man kam zu dem Ergebnis, für 1876 ein Gesamtkontingent von 120 Millionen Fr. festzusetzen, woran Griechenland mit einem Betrag von 12 Millionen Fr. Anteil haben sollte.  Die Höchstbeträge für die einzelnen Länder lauteten wie folgt :

Belgien
Frankreich
Italien
Schweiz
Griechenland
10,8 Mill. Fr.
54
36
7,2
12
zusammen 120  Mill. Fr.

Der Antrag der schweizerischen Regierung auf Einführung der Goldwährung wurde abgelehnt, doch hatte die Schweiz die Genugtuung, daß ein Brief des Präsidenten der Pariser Handelskammer vom 10. Januar 1876 zur Verlesung kam, in welchem der Wunsch ausgedrückt wurde, das Gold als einzigen Geldstoff zur Wertbemessung der Sachen anzunehmen und die Fünffrankenstücke in Silber einzuschmelzen, sobald die Umstände es erlaubten.

Die Erklärung (Déclaration) vom 3. Februar 1876 umfaßt 7 Artikel.  In Art. 1 ist die Gesamtsumme der im Jahre 1876 auszuprägenden Fünffrankenstücke festgesetzt; Art. 2 Abs. I gibt die Verteilung auf die vier älteren Vertragsstaaten an; Abs. II und III enthalten die besonderen Bestimmungen für Griechenland.  Art. 3 erklärt, daß in den Kontingenten die bis jetzt ausgegebenen Münzbons inbegriffen seien.  Art. 4 : Die nachste Münzkonferenz soll im Laufe des Monats Januar 1877 in Paris stattfinden.  Art. 5 : Münzbons sollen für 1877 nur noch bis zur Hälfte der in dieser Erklärung zugestandenen Kontingente ausgegeben werden.  Durch Art. 6 wird der Art. 11 des Hauptvertrags von 1865, betr. den Austausch der auf Tatsachen sich begründenden Mitteilungen und Münzdokumente, durch folgende Bestimmung vervollständigt : »Die vertragsschließenden Regierungen geben sich gegenseitig Mitteilung von Tatsachen, welche zu ihrer Kenntnis gelangen und sich auf die Verfälschung oder Nachahmung ihrer Gold- und Silbenmünzen beziehen, mögen die Vorkommnisse im eigenen oder in einem Lande liegen, das nicht zur Union gehört, insbesondere Mitteilungen über angewandte Verfahren, stattgehabte Verfolgungen und verhangte Strafen.  Sie werden sich verständigen über die Maßnahmen, die erforderlich sind, um die Verfälschung und Nachahmung zu verhindern, sie unterdrücken zu lassen, wo sie vorkommen und die Wiederholung zu verhindern.«  Art. 7 regelt die Frage des Inkrafttretens.  Die Nationalbanken von Frankreich und Belgien erneuerten ihr bezüglich der Annahme aller Fünffrankenstücke gegebenes Zugeständnis.

Die im Art. 4 der Erklärung von 1876 auf Januar 1877 vorgesehene Konferenz wurde nicht einberufen.  Die Ausmünzung von Fünffrankenstücken regelte sich für dieses Jahr gemäß den Bestimmungen in Art. 5, wonach Münzbons bis zur Hälfte des Kontingentbetrags von 1876 ausgegeben werden durften.  Tatsächlich fand eine Ausmünzung in wesentlich geringerem Umfang, als vorgesehen, statt.

Vollständige Einstellung der Ausprägung von Fünffrankenstücken

Da sich die seit 1874 getroffenen halben Maßnahmen als ungenügend erwiesen hatten, ergriff nun Frankreich die Initiative zu entschiedenem Vorgehen.  Seit Juni 1876 war die Frage der freien Münzausprägung im französischen Parlament besprochen worden; den Beratungen sollte bald die Tat folgen.

Französisches Gesetz vom 5. August 1876 [52]

Die Begründung des Gesetzes bemerkt, daß die interne Gesetzgebung Frankreichs immer dem Prinzip der freien Silberprägung treu geblieben sei und daß die in den Münzkonventionen seit 1874 festgesetzten Kontingente lediglich Höchstbeträge für Staat und Publikum darstellten; dabei hatte letzteres in der Tat das Recht, Fünffrankentaler bis zum angegebenen Kontingent ausprägen zu lassen.  Es erscheine nun zweckmäßig, die interne Gesetzgebung Frankreichs mit den zwischenstaatlichen Abmachungen der Münzkonvention in Übereinstimmung zu bringen.

Nach langen Debatten und unter heftigem Widerstand der Bank von Frankreich wurde der Regierungsentwurf ohne Änderung angenommen.  Das Gesetz vom 5. August 1876 bestimmte, daß die Ausprägung von Fünffrankentalern für Rechnung Privater im Verordnungswege beschränkt oder aufgehoben werden könne.  Im Journal officiel [53] erschien sodann am Tage nach der Verkündigung des Gesetzes eine Verordnung, welche die Schließung der Münzstätten zu Paris und Bordeaux für die Silberprägung auf Rechnung Privater anordnete.

Alsbald wurde die vollständige Aufhebung der Ausprägung von silbernen Fünffrankenstücken auf dem Wege des diplomatischen Schriftwechsels mit den übrigen Ländern der Lateinischen Münzunion vereinbart.

Rückblick auf die Periode der Einschränkungen [54]

Der Vertrag von 1874 war ein Kompromiß, brachte keine Abhilfe gegen die Unzuträglichkeiten, die aus der Silberentwertung entstanden waren, und legte keine Richtlinien für die Zukunft fest.  Vom Standpunkt der Goldpartei aus konnte zwar die Ausprägungsbeschränkung als ein erster Schritt zur einfachen Goldwährung hin angesehen werden; vom Standpunkt der Silberpartei aus gab die Beschränkung ein Hilfsmittel gegen die Unordnung, die durch den Mißbrauch der Doppelwährung entstanden war; im allgemeinen war sie lediglich ein Notbehelf, um Zeit zur Klärung der Sachlage zu gewinnen.  Das einzige Ergebnis der Konferenz von 1874 bildete die Festsetzung der Höchstmengen, welche an neuen Fünffrankenstücken in den beteiligten Staaten in Umlauf gesetzt werden dürfen.  Ein Hauptzweck Frankreichs bei Gründung der Lateinischen Münzunion war, sich im Münzwesen eine Vorherrschaft zu sichern, indem es die anderen Staaten dazu brachte, das französische Münzsystem anzunehmen.  Damit hatte Frankreich auch einen gewissen wirtschaftlichen Einfluß erhalten, der sich unter Umständen zu einer wertvollen politischen Führerschaft auswachsen konnte.  Es muß dem französischen Frankensystem zugegeben werden, daß es zur Zeit der Gründung der Lateinischen Münzunion eines der besten und populärsten in Europa war; lediglich der Umstand, daß es hoffnungslos mit der Doppelwährung verknüpft schien, bewirkte, daß ein Teil kleinerer Staaten sich der Lateinischen Münzunion nicht anschloß.  Nachdem Deutschland die Goldwährung eingeführt hatte, bestand die große Gefahr, daß die Vorherrschaft im Münzwesen nun an Frankreichs politischen Gegner fallen könnte, insbesondere dann, wenn es etwa zu einer Auflösung der Lateinischen Münzunion gekommen wäre.  Mit Rücksicht auf die Schweiz und das im Papiergeldzwangskurse steckende Italien mußte alles vermieden werden, was zu einem Bruch hätte führen können.  Daher der Kompromißvertrag von 1874.  In Italien rechnete man im Staatshaushalt mit dem Gewinn aus den Ausprägungen.  Von den Ländern der Union neigten Belgien und Schweiz zur einfachen Goldwährung.  Trotzdem befand es der damalige belgische Finanzminister Malou für gut, das Belgien 1874 zugebilligte Kontingent zum Teil zum Nutzen des belgischen Staates ausprägen zu lassen; denselben Weg beschritt Italien, indem es durch Verordnung die freie Ausprägung für private Rechnung ganz aufhob und dieses Recht auf die italienische Staatsbank übertrug.  Die Schweiz hatte von jeher die Ausprägung auf private Rechnung abgelehnt.  Sie kaufte für den 1874 ihr zugebilligten Betrag von 8 Millionen Fr. Silber und ließ es bei der Brüsseler Münze in Fünffrankenstücke ausprägen.  So blieb das Prinzip der freien Ausprägung eigentlich nur in Frankreich gewahrt.  In allen übrigen Ländern war das Ausprägungsrecht auf die Regierung übergegangen.  Dafür nahmen die Ausprägungen an Gold, durch die günstige Handelsbilanz gefördert, an Umfang zu.  Belgien prägte 1874 61 Millionen Fr., Italien 6 Millionen Fr. in Gold aus.  Frankreich hatte sich bereits von den Kriegsentschädigungszahlungen erholt; seine Goldausprägung belief sich auf 24,3 Millionen Fr. in Zwanzigfrankenstücken.  Sie wurden zur Einlösung von Zwanzigfrankennoten benutzt.  Die Schweiz enthielt sich gewohnheitsgemäß der Goldausprägung.

Das Jahr 1875 brachte einen gewaltigen Erfolg der Goldwährung außerhalb der Lateinischen Münzunion.  Die nordischen Staaten hatten eben auf Grund ihrer auf Goldwährung beruhenden Münzunion die neuen Goldmünzen ausgegeben.  Holland führte im Juni des Jahres 1875 die Goldwährung ein.

In der 2. Hälfte des Jahres 1875 fing auch Frankreich an, nach dem Vorgang Belgiens einen Teil des Silberkontingents auf Rechnung des Staates ausprägen zu lassen.  Italien machte es mit dem ihm 1875 zugebilligten Kontingent ebenso.  Die Schweiz enthielt sich jeder Ausprägung von Fünffrankenstücken.  Die Goldausprägung erreichte 1875 in einzelnen Ländern recht bedeutende Summen, so in Frankreich 234 Millionen, Belgien 82 Millionen, Italien aber nur 2 Millionen Fr.

Im Dezember 1875 wurde in Frankreich durch ein Gesetz die Ausprägungssumme für 1876 in silbernen Fünffrankenstücken auf 50 Millionen beschränkt.  Im Januar 1876 richtete die Pariser Handelskammer eine Mitteilung an den Minister für Handel und Ackerbau, in weicher die Einführung der Goldwährung gefordert wurde.

Die Konferenz von 1876, die am 20. Januar zusammentrat, war lediglich eine Wiederholung der beiden vorausgegangenen Konferenzen.  Ihr Ergebnis war eine Enttäuschung für die Anhänger der Goldwährung.  Sie wurden jedoch bald entschädigt durch die Ankündigung und Verabschiedung des bereits erwähnten Gesetzes vom 5. August 1876.  Von diesem Tag an stieg der Kurs auf Pariser Wechsel ganz erheblich.  An einzelnen Platzen war der Kurs so hoch, daß es für die Schuldner billiger war, Bargeld nach Frankreich zu senden [55].  Das galt namentlich für Berlin : deutsches Gold wurde nach Paris versandt.  Ebenso wanderte englisches Gold nach Paris; die Bank von England erhöhte ihren Diskontsatz.  Dasselbe war der Fall mit russischen Goldrubeln und türkischen Pfunden.  Aber auch aus den Ländern der Lateinischen Münzunion floß das Gold nach Paris.  Der Goldvorrat der Bank von Frankreich nahm infolgedessen bedeutend zu und betrug Ende April 1876, 1.927 Millionen Fr.  Belgien hat zuerst den Gedanken der Ausprägungsbeschränkung in die Union getragen.  Sein Gesetz vom 18. Dezember 1873 betr. die Einschränkung der Silberausprägung, welches bis Mitte 1875 geltungsdauer hatte, wurde bis Ende 1875 verlängert.  Am 6. Dezember 1876 erhielt ein von dem belgischen Finanzminister Malou – früher ein Anhänger der Doppelwährung – eingebrachtes Gesetz über die völlige Aufhebung der Silberausprägung Gesetzeskraft.  Es bestand von diesem Zeitpunkt an freie Ausprägung nur bezüglich der Goldmünzen (hinkende Währung).  In allen Ländern war nach und nach die Überzeugung durchgedrungen, daß für die freie Silberausprägung die Zeit vorüber sei [56].  Gegen die auf diplomatischem Wege vereinbarte völlige Einstellung der Silberausprägung in den Staaten der Lateinischen Münzunion erhob nur Italien Einwände, weil die Einziehung der alten Silbermünzen in den Provinzen noch nicht erledigt war.  Im gemeinsamen Einverständnis der Mitgliedstaaten wurde ihm für diesen Zweck ein Ausprägungskontingent von weiteren 9 Millionen Fr. [57] zugebilligt.

Mit dem 1. Januar 1878 erreichte der seit dem Deutsch-Französischen Krieg in Frankreich bestehende Papiergeldzwangskurs sein Ende.  Allerdings war die Bank von Frankreich geneigt, die Einlösung der Noten, auch der größeren Noten zu 100 Fr., in Silber zu vollziehen, konnte dies jedoch nur bis zu einem gewissen Grade tun, weil die unhandlichen Fünffrankenstücke den Bargeldverkehr erschwerten.  Weil aber der Goldzufluß aus den übrigen Ländern des Kontingents nach Frankreich ein anhaltender war, so konnte es mit der Einlösung seiner Noten in Gold beginnen.

Die Union zeigte gewisse Nachteile für Frankreich; denn aus Italien wanderten wegen des dort bestehenden Papiergeldzwangskurses alle Arten von Silber ein, und ein Austausch konnte nur gegen die entwerteten Banknoten erfolgen.  Es war erhoben worden, daß sich in den Gewölben der Bank von Frankreich über 500 Millionen Fr. fremdes Silber befanden.  Frankreich hatte in seiner Gesetzgebung der vorangegangenen Jahre die Doppelwährung aufgegeben.  In einer Sitzung vom 25. Januar 1878 nahm der Senat das Gesetz an, welches den Fortbestand des Gesetzes vom 5. August 1876 garantierte.

V.  Versuche zur Wiederaufnahme der freien Silberausprägung (1878-1884)

Durch die Aufhebung der Silberprägung im Gebiet der Lateinischen Münzunion war für diese die Gefahr zunächst gebannt; aber ihre Auswirkung auf dem Silbermarkte war eine weitere Silberentwertung, was zu einer lebhaften Opposition seitens der französischen Bimetallisten gegen die einschränkenden Maßnahmen von 1878 führte.  Gestützt wurde die Opposition durch ein in den Vereinigten Staaten von Amerika erlassenes Gesetz, welches die Wiederaufnahme der Silberprägung anordnete.

Wiederaufnahme der Silberprägung in den Vereinigten Staaten von Amerika

Durch Gesetz vom 28. Februar 1878 [58] verzichteten die Amerikaner auf die seit 1873 bei ihnen eingeführte Goldwährung.  Diese überraschende Maßnahme hatte folgende Ursachen.

In erster Linie waren die Amerikaner während des Sezessionskrieges 1861 genötigt, eine große Menge Papiergeld, die sogenannten Greenbacks, auszugeben.  Die Rückzahlung dieser Greenbacks sollte bis 1. Januar 1879 in Angriff genommen werden.  Da der Metallvorrat nicht ausreichte, war es nötig, auf einen größeren Silbervorrat zurückgreifen zu können, um allen Anspruchen zu genügen.  Außerdem waren bereits verschiedene Staaten von Nordamerika, darunter die, welche Silberbergwerke im eigenen Gebiet hatten, zur Ausprägung des Silbers übergegangen.  Von dem Senator Bland wurde eine Bill vorgeschlagen, in welcher die freie Silberausprägung vorgesehen war.  Die Bill wurde in der Weise Gesetz, daß monatlich 2 bis 4 Millionen Silberdollars geprägt werden und als gesetzliches Zahlungsmittel gelten sollten [59].  Kurze Zeit nachher verabschiedete der Kongreß der Vereinigten Staaten von Amerika die sogenannte Bill Morrison, welche den Staatsschatz verpflichtete, den Schuldendienst in Silberdollars aufzunehmen.  Die Amerikaner waren anscheinend von Anfang an davon überzeugt, daß es ihnen allein nicht möglich war, dem weißen Metall seine frühere Stellung zu verschaffen; die Bland Bill enthielt deshalb als Schlußbestimmung : »Die amerikanische Regierung wird ermächtigt, die Regierungen der Lateinischen Münzunion und solche anderer europäischen Staaten, die sie für geeignet hält, zu einer Konferenz einzuladen, welche den Zweck hat, ein allgemeines Wertverhältnis zwischen Gold und Silber festzusetzen, um damit der Doppelwährung eine internationale Geltung zu verschaffen und die Beständigkeit des Wertverhältnisses für die Zukunft sicherzustellen.«

Die Konferenzen von 1878

a) Internationale Konferenz von 1878 (Économiste français, 31. August 1878, S. 261)

Die öffentliche Meinung, namentlich in Frankreich, vermöchte ein Bedürfnis zu einer solchen Konferenz nicht zu erkennen.  Eine Zeitlang schien es sogar zweifelhaft, ob die Länder der Lateinischen Münzunion daran teilnehmen wurden.  Doch sagten einige der kleineren Länder zu.  Die vorläufige Zurückhaltung Frankreichs erklärt sich daraus, daß de Parieu die Vermutung geäußert hatte, die Vereinigten Staaten von Amerika sicherten sich nur einen Absatzmarkt für ihr Silber; ein zustimmendes Verhalten der Länder auf der Konferenz der Lateinischen Münzunion wäre voraussichtlich zu ihrem Schaden.

Auf die ergangenen Einladungen versammelten sich im August 1878 die Vertreter von 11 Staaten zu einer Besprechung des von den Vereinigten Staaten ausgegebenen Programms.  Vertreten waren Österreich, Belgien, die Vereinigten Staaten von Amerika, Frankreich, Italien, Holland, Rußland, Schweden, Norwegen, Schweiz, England.

Die amerikanischen Delegierten verlangten, daß durch internationale Vereinbarung die freie Ausprägung des Silbers und sein unbeschränkter Gebrauch zu Münzzwecken wieder eingeführt, auch ihm das unbeschränkte gesetzliche Liberationsrecht wieder zugestanden werden solle.  Die Vertreter der Schweiz, Norwegen und Belgiens bekämpften lebhaft diese Vorschläge.  Der Vertreter Englands erklärte namens seiner Regierung, daß diese unter keinen Umständen mit einer Änderung ihres derzeitigen Münzsystems einverstanden sei.  Deutschland hatte der Einladung keine Folge geleistet.  Frankreich nahm eine zurückhaltende Stellung ein.  Der französische Finanzminister Léon Say berief sich auf seine vor dem französischen Senat im März 1876 gemachten Ausführungen.  Er brachte vor daß Frankreich zur Zeit mit genügendem Silbervorrat versehen sei und keines mehr gebrauchen könne.  Irgendeine Zusage könne nicht gemacht werden.  Man entschied sich dahin, daß die Wahl zwischen den beiden Edelmetallen oder ihr gleichzeitiger Gebrauch jedem Staat oder jeder Staatengruppe selbst überlassen bleiben müsse.  Um so mehr müsse die Frage der Beschränkung der Ausprägung Sache der Einzelstaaten bleiben.  In der Hauptfrage, der Festsetzung eines allgemein gültigen Wertverhältnisses zwischen den beiden Metallen, konnte eine Einigung nicht erzielt werden.  Die internationale Konferenz, die am 29. August 1878 beendigt war, blieb ohne jedes praktische Ergebnis.

Am folgenden Tag sollte die Konferenz der Lateinischen Münzunion beginnen; da jedoch verschiedene Delegierte von ihren Regierungen noch keine Instruktionen erhalten hatten, wurde beschlossen, den Wiederzusammentritt auf den 1. Oktober 1878 zu verschieben.

b) Die Konferenz der Lateinischen Münzunion von 1878

Mit der Konferenz von 1878 trat die Lateinische Münzunion in eine neue Phase ihres Daseins.  Die Schwierigkeiten, die sie begleiteten, hatten ihre Wurzeln in der vorhergehenden Periode.  Zunächst erscheint es eigentümlich, daß die Lateinische Münzunion mit dem Ablauf des Vertrags von 1865 in Anbetracht der beschränkten Ausprägungsverhältnisse für Silbermünzen, sowie der angesammelten Goldvorräte nicht aufgelöst worden ist.  Hier muß darauf hingewiesen werden, daß Belgien große Mengen französischen Silbers, Frankreich eine große Menge italienischen Silbergelds in Umlauf hatte.  Im Umlauf der kleineren Staaten waren die französischen Stücke sehr zahlreich.  Diese gegenseitige Vermischung der Münzen war ja der Zweck der Union und hatte sich so eingelebt, daß der Gedanke an eine Loslösung der Staaten voneinander keinen rechten Fuß fassen konnte.  Es fühlten sich insbesondere die kleinen Staaten an das große Frankreich mit tausend Fäden gebunden.

Doch machten sich verschiedene Anzeichen einer neuen Richtung bemerkbar.  Die von den Delegierten zur internationalen Konferenz von 1878 an ihre Regierungen gemachten Berichte zeigten eine Neigung zur Abkehr von der Doppelwährung und zur Annahme der allgemeinen Goldwährung.

Schon einige Zeit vorher hatte der schweizerische Delegierte Feer-Herzog auf Veranlassung der schweizerischen Vereinigung für Handel und Industrie in einem Bericht über die bisherige Entwicklung der Lateinischen Münzunion [60] die Absichten der schweizerischen Regierung in bezug auf die Münzfrage zum Ausdruck gebracht.  Er hat dabei erwähnt, daß der Versuch der Bank von Frankreich, durch Einlösung ihrer Noten in Silber statt in Gold den Münzumlauf mit Silber zu sättigen, insofern einen negativen Erfolg hatte, als das Publikum das ihm aufgedrängte Silber mit allen Mitteln wieder abzustoßen versuchte.  Der Rückfluß an Silbergeld an den Banken war so groß, daß sich in den Banken die Vorräte häuften; für zwei ausgezahlte Fünffrankenstücke flossen drei zur Bank zurück.

Am 1. Oktober 1878 versammelten sich vereinbarungsgemäß die zwölf Delegierten der Vertragsstaaten; es waren dieselben, die auf der internationalen Konferenz ihre Länder vertreten hatten.

Der Münzvertrag von 1865, welcher für einen Zeitraum von 15 Jahren abgeschlossen war und sich stillschweigend auf eine weitere Periode von 15 Jahren verlängerte, falls nicht ein Jahr vorher eine Kündigung erfolgte, stand vor seinem Ablauf.  Es handelte sich darum, festzustellen, ob der Vertrag zu erneuern sei und zutreffendenfalls unter welchen Bedingungen.  Da an ein gänzliches Aufhören der Münzunion aus den angegebenen Gründen nicht zu denken war, mußte ein neuer Münzvertrag an die Stelle des alten treten.  Man beschloß, zunächst die alte Münzkonvention zu kündigen.  Die seit 1865 eingetretenen gänzlich veränderten Verhältnisse im Münzwesen, die schweren Umwalzungen, welche auf dem Markt der Edelmetalle vor sich gegangen waren, die Veränderungen, die in dem Münzwesen einiger Staaten inzwischen eingetreten waren, die vollständige Einstellung der Silberprägung in Belgien, Frankreich, Schweiz und Griechenland (Italien allein hatte noch das Recht, 9 Millionen Fr. in silbernen Fünffrankenstücken während des Jahres 1878 schlagen zu dürfen), die verschiedenen einschneidenden Änderungen, welche der ursprüngliche Vertrag hatte erleiden müssen und mit denen er noch bedroht war, die Ersetzung des Hartgeldes durch Papiergeld in gewissen Ländern, alle diese Umstände erlaubten eine Erneuerung der Konvention nicht, ohne daß umfassende Änderungen an ihr vorgenommen wurden; anstatt den Text umzuändern, hielt man es für zweckmäßiger, ein neues Abkommen zu beraten.

Die Konferenz stand vor der Lösung einer Reihe recht schwieriger Fragen.  Die für den Grundgedanken der Lateinischen Münzunion bedeutungsvollste war die Einschränkung bzw. Einstellung der Silberausprägungen.  Die Entwicklung war folgende :

1874
1875
1876
1877

Gesamtkontingent der 4 Vertragsstaaten
Gesamtkontingent der 5 Vertragsstaaten
»
»

 Fr. 120 Mill.
155
120
65

1878 gänzliche Einstellung auf dem Wege schriftlicher Vereinbarung außer für Italien mit 9 Millionen.  Von dem jährlichen Höchstkontingent von 120-155 Millionen Fr. für das gesamte Gebiet der Union waren also 1878 nur noch 9 Millionen Fr. für Italien übrig geblieben.  Die Schweiz verzichtete in richtiger Erkennung der Sachlage schon in den Jahren 1875, 1876 und 1877 auf ihren Ausprägungsanteil von 10, 7,2 und 3,6 Millionen.  Sie ergriff in dieser Frage überhaupt die Initiative; ihre Anträge auf gänzliche Unterdrückung der Silberprägung wurden nach und nach als eine Notwendigkeit von allen ihren Münzverbundeten anerkannt [61].

Den Delegierten der Konferenz wurden folgende Fragen vorgelegt : Soll die Münzunion von 1865 beibehalten werden ?  Bot sie den Mitgliedsstaaten hinreichende Vorteile als Ersatz für die der Beschränkung ihrer Münzfreiheit ?  Konnte man Italien, dessen Metallgeld durch Papiergeld verdrängt worden war, auch fernerhin in der Union verbleiben lassen ?  Welche Maßnahmen sollten ergriffen werden, falls ein anderer Staat der Union den Papiergeldzwangskurs bei sich einführen würde ? Welche Veränderungen in dem gemeinsamen Münzsystem waren angesichts der fortdauernden Silberentwertung angezeigt ?

Die Beratungen erforderten elf Sitzungen, deren letzte am 5. November 1878 abgehalten wurde.  Willis [62] bezeichnet die Konferenz als eine »Debatte über die Italien gegenüber zu ergreifenden Maßnahmen«.  Gewiß nahmen die Vereinbarungen hierüber einen großen Teil der Zeit in Anspruch; doch war die Frage der Silberentwertung die weitaus wichtigste.  Daher ruhrt es auch, daß in Anbetracht der unklaren Verhältnisse auf dem Edelmetallmarkt der Vertrag nur auf sechs Jahre abgeschlossen wurde.  Auch scheint man damals schon mit der Möglichkeit der Kündigung des Münzbundes von irgendeiner Seite her gerechnet zu haben.  Im Zusammenhang damit mußte die Frage auftauchen, was aus den Münzen der Union im Falle der Auflösung werden sollte.  Von der Aufnahme einer Bestimmung hierüber in den Vertrag wurde jedoch zunächst noch abgesehen.

Die auf der Münzkonferenz von 1878 abgehaltenen Beratungen sind in folgenden fünf Abmachungen, abgeschlossen zwischen den fünf Vertragsstaaten, niedergelegt :

1. Hauptvertrag

2. Abkommen betr. die Ausführung des Art. 8 der Konvention

3. Schlußprotokoll zu vorstehendem Abkommen betr. die Art und Weise der Zahlungen Italiens

4. Erklärung betr. die Herstellung von Silbermünzen während des Jahres 1879.

Ziffer 1-4 sämtlich vom 5. November 1878

5. Zusatzakte zum Abkommen unter Ziffer 2 betr. anderweitige Regelung der Nationalisierung der italienischen Münzen – vom 20. Juni 1879.

A. Der Hauptvertrag vom Jahre 1878 nebst Abkommen zu Art. 8

Art. 1 der Konvention stellt das Prinzip auf, daß Belgien, Frankreich, Griechenland, Italien und die Schweiz auch fernerhin eine Münzunion bilden, was den Feingehalt, das Gewicht, den Durchmesser sowie den Kurs ihrer Münzsorten in Gold oder Silber anbetrifft.  Ebenso sind auch die Typen der Goldstücke (100 Fr. bis 5 Fr.) gleichgeblieben.  Die Ausmünzung von Gold unterliegt keiner Beschränkung, ausgenommen Stücke zu 5 Fr., welche vorläufig nicht mehr geprägt werden.  Der Antrag zu letzterer Ausnahme war von Frankreich und Belgien ausgegangen und war damit begründet, daß ihre Herstellung zu kostspielig sei, daß sie sich zu rasch abnützten und deshalb häufigeren Einschmelzungen unterworfen seien, daß sie beim Publikum wegen ihres zu kleinen Formats unbeliebt seien und daß sie mit den silbernen Fünffrankenstücken, mit denen die Union gesättigt sei, in einen unliebsamen Wettbewerb träten.  Die Toleranz (in bezug auf Feingehalt) für die Goldstücke wurde verschärft, sie wurde von zwei Tausendsteln auf eines reduziert.

Die Ausprägung der Fünffrankenstücke wird vorläufig eingestellt (Art. 9).  Sie kann nur wieder aufgenommen werden, wenn ein einstimmiger Beschluß der Mitgliedsstaaten dies verlangt.  Als Gegenargument gegen die Wiederzulassung der Silberausprägung hatten die meisten der Staaten die Tatsache geltend gemacht, daß man ohne die seit 1873 getroffenen Maßnahmen der Verteidigung es hätte erleben können, daß das deutsche Silber nach den Unionsländern geflossen wäre und sich dort in Fünffrankenstücke verwandelt hätte, bezahlt mit Goldstücken der Union, und daß die Union in Gefahr sei, ein Länderverband mit Silberwährung zu werden.  Daß diese Behauptung ganz unbegründet war, geht aus den Angaben über den Goldbestand der Bank von Frankreich hervor.

Sämtliche Goldstücke und die silbernen Fünffrankenstücke, also die Courantmünzen, sind ohne Unterschied der Herkunft an den öffentlichen Kassen der verschiedenen vertragsschließenden Staaten anzunehmen.

Schon im Jahre 1865 hatte die Schweiz für Gold- und Silbermünzen der Union den gesetzlichen Zwangskurs verlangt.  1878 stellte Italien erneut den Antrag [63], Belgien erklärte sich bereit, einen solchen für das Gold anzunehmen.  Der französische Finanzminister Léon Say teilte anfangs persönlich diese Ansicht; als aber die Bank von Frankreich und das französische Justizministerium zu Rate gezogen wurden, widersetzte er sich dem gesetzlichen Kurs sogar für das Gold mit dem Einwurfe, daß ein Staat der Fabrikation seines Goldes immer sicher sei, während dies in bezug auf die anderwärts vorgenommene Herstellung weniger der Fall wäre, die Frage überdies von dem Augenblick an, wo die öffentlichen Kassen und die Bank von Frankreich alle Münzen der Union annähmen, ohne Bedeutung sei.  Die Aufnahme einer diesbezüglichen Bestimmung in den Vertrag scheiterte an dem Verhalten Frankreichs.  Um jedoch die Lücke bezüglich des gesetzlichen Kurses auszufüllen, gab der französische Delegierte die Erklärung ab, daß er eine von der Bank von Frankreich eingegangene Verpflichtung, die großen Geldsorten aller Staaten der Union in jeder beliebigen Quantität während der ganzen Dauer des neuen Vertrages anzunehmen, vorlegen werde.  Eine gleiche Verpflichtung [64] wurde von der belgischen Nationalbank abgegeben und später den Protokollen beigefügt.  Durch diese Verpflichtung der Banque de France und der Banque Nationale de Belgique war die Wirkung des gesetzlichen Kurses faktisch herbeigeführt; denn nun hatten die Einwohner Frankreichs und Belgiens keinen Grund mehr, sich gegen die Münzen eines der übrigen Länder ablehnend zu verhalten.  Daneben bestand die Verpflichtung, die schweizerischen und italienischen Stücke an den öffentlichen Kassen Frankreichs und Belgiens anzunehmen.  Italien gestattete stillschweigend den Münzen der Union unbeschränkten gesetzlichen Kurs.  Die Schweiz hatte den gesetzlichen Kurs durch Verordnung festgelegt.  Der Art. 4, der sich auf die Silberscheidemünzen bezieht, ist inhaltlich gleichlautend mit Art. 4 der Konvention von 1865, ausgenommen die Toleranz bezüglich der Zweifrankenstücke, die auf fünf Tausendstel (bisher ein Tausendstel) festgestellt ist.  Feingehalt, Gewicht und Durchmesser sind dieselben.  Von diesen Arten darf jeder Staat nur eine Gesamtmenge in den Verkehr bringen, die 6 Fr. pro Kopf der Bevölkerung entspricht (Art. 10).  Die Höchstbeträge an Ausprägungen für Silberscheidemünzen, denen die Ergebnisse der letzten Volkszählungen zugrunde lagen, wurden festgesetzt wie folgt : für Belgien 33 Millionen, für Frankreich, diesmal unter Einrechnung der Bevölkerung von Algier, 240 Millionen, für Griechenland 10,5 Millionen, für Italien 170 Millionen, für die Schweiz 18 Millionen Fr.  Der Gesamtumlauf an Silbermünzen von 2 Fr. und darunter beträgt hienach 471,5 Millionen Fr.  Auf diese Summe sind die bereits ausgegebenen Mengen anzurechnen.  Die nach den Bestimmungen des Art. 4 hergestellten Silberstücke haben gesetzlichen Kurs und müssen zwischen den Privatpersonen des Ausgabelandes bis zum Betrag von 50 Fr. für jede Zahlung angenommen werden.  An den Kassen des Ausgabestaates dürfen die Einwohner diese Münzen ohne jede Beschränkung in Zahlung geben (Art. 5).  Die öffentlichen Kassen jedes der fünf Staaten müssen die Münzen der anderen Vertragsstaaten bis zur Höhe von 100 Fr, für jede Zahlung an diesen Kassen annehmen (Art. 6).  Jede der fünf Regierungen verpflichtet sich, von der Bevölkerung und von den öffentlichen Kassen der übrigen Staaten die Scheidemünzen, die es ausgegeben hat, unter Festsetzung einer Mindestmenge von 100 Fr. gegen Courantmünzen in Gold oder Silber auszuwechseln.  Diese Verpflichtung besteht auch nach dem Aufhören des Münzvertrags während der Dauer eines Jahres fort (Art. 7).

Die italienische Frage.  Seit 1866 hatten Italien und Griechenland den Zwangskurs für ihre Staatsnoten eingeführt.  Am 7. September 1878 waren in Italien für 112 Millionen Fr. Noten im Umlauf mit einer Stückelung von 50 Cts., 1 Fr. und 2 Fr.  Diese Scheine, welche das Hartgeld ersetzten, waren in den übrigen Staaten der Union nicht zum Umlauf zugelassen.  Infolgedessen war das italienische Silbergeld zu 5 Fr., 2 Fr. und darunter zum größten Teil in die Vertragsländer geflossen.  Ähnlich lagen die Verhältnisse in Griechenland, so daß gesagt wurde, daß die beiden Länder eigentlich keine Mitglieder der Union bildeten.  Die Einwanderung der italienischen Münzen und die Überfüllung damit in manchen Kassen hatte zu wiederholten Klagen Anlaß gegeben.  Das schon im alten Vertrage festgesetzte Kontingent von 6 Fr. pro Kopf der Bevölkerung an Scheidemünzen wurde von Italien in voller Höhe mit zusammen 156 Millionen ausgenutzt.  Den Umlauf an italienischen Scheidemünzen in den übrigen Vertragsländern schätzte man auf 100 Millionen, wovon 87 Millionen auf Frankreich entfielen.  Die Richtzahl des Umlaufs, die vertragsmäfüg 6 Fr. pro Kopf betragen sollte, war infolge der Papiergeldwirtschaft Italiens und Griechenlands zu ungunsten der drei übrigen Länder verschoben worden und betrug ungefähr 9 Fr. auf den Kopf der Bevölkerung der drei Länder.

Bei der Herstellung der 156 Millionen Scheidemünzen zu 835 ‰ Feingehalt hatte Italien Überschüsse erzielt; es überschwemmte nun mit seinen Scheidemünzen die andern Staaten der Union.

Die im Vertrage von 1865 vorgesehene fakultative Auswechslung dieser Scheidemünzen stellte sich im Verhältnis zu Italien als eine illusorische Maßregel heraus; die Kosten dieser kleinen Auswechslungen waren ganz zwecklos, da diese Münzen beständig wieder aus Italien zurückströmten.  Hierunter hatte namentlich die Schweiz im Kanton Tessin zu leiden.  Die Verhältnisse mußten sich vollends ins Unerträgliche steigern, wenn etwa noch ein weiteres Land zur Papiergeldausgabe mit Zwangskurs schreiten sollte.  Es handelte sich also um die allgemeine Frage, welche Stellung den Ländern mit Papiergeldwährung innerhalb der Union zugewiesen werden sollte und welche Maßnahmen zu treffen wären, um die gemeinschaftlichen Interessen gegen Gefahren zu schützen, die durch die Länder mit Papiergeldwirtschaft drohten [65].

Auf der Konferenz wurde auch seitens der italienischen Delegierten anerkannt, daß die Abwanderung des italienischen Silbergeldes ein unhaltbarer Zustand sei; sie verlangten, daß man die im Umlauf befindlichen italienischen Scheidemünzen nach Italien zurückführe, um sie nach der Rückgabe aus dem Verkehr zu ziehen.  Letzteres müßte unbedingt geschehen, da andernfalls umtriebige Spekulanten Nutzen aus der Wiederausfuhr zogen und die großen Kosten der Zurückgabe an Italien umsonst aufgewendet wären.  Als einziges Abhilfemittel ergab sich somit der Ausschluß der italienischen Silbermünzen aus dem Umlauf und zwar solange als in Italien der Zwangskurs für das Papiergeld aufrecht erhalten bleibe.  Diese Erwägungen geben die Erlauterung zu Art. 8, welcher bestimmt : Um der italienischen Regierung, welche erklärt hat, das in ihrem Lande umlaufende Papiergeld mit einer Stückelung unter 5 Fr. abschaffen zu wollen, dies zu erleichtern, verpflichten sich die anderen Vertragsstaaten, die italienischen Silberscheidemünzen aus dem Umlauf zurückzuziehen und an ihren öffentlichen Kassen nicht mehr anzunehmen.  Diese Münzen werden an den öffentlichen Kassen der anderen Vertragsstaaten wieder zugelassen, sobald der Zwangskurs des Papiergelds in Italien abgeschafft sein wird.  Sobald die Maßnahme, betr. den Rückzug der italienischen Münzen aus dem zwischenstaatlichen Umlauf zum Abschluß gelangt ist, gelten die Bestimmungen des Art. 7 in bezug auf Italien als aufgehoben.

Nicht geringe Schwierigkeiten bereitete die Festlegung eines Verfahrens über die Einsammlung der italienischen Silberscheidemünzen und deren Rückführung die Frage der Verteilung der Einzugs- und Beförderungskosten und die Vergütung des Nennwertes.  Da eine Zurückziehung sämtlicher italienischen Münzen auf einmal mit gleichzeitiger Erstattung des Gegenwerts nicht in Frage kam, erklärte sich Frankreich bereit, diese Tätigkeit für Italien wahrzunehmen und an Belgien, Griechenland und die Schweiz den Betrag aller in diesen Staaten zurückgezogenen italienischen Stücke in bar nebst Kosten zu vergüten.  Die Bestimmungen hierüber sind in der Ausführungsübereinkunft zu Art. 8 der Konvention niedergelegt würden.  Es ist dort folgendes Verfahren vorgesehen : Die Zurückziehung der italienischen Münzen zu 20 und 50 Cts., 1 und 2 Fr., welche sich in Belgien, Frankreich, Griechenland und der Schweiz befinden, soll zunächst bis zur Höhe von 100 Millionen erfolgen und spätestens bis 31. Dezember 1879 beendet sein.  Von diesem Tag an soll die Annahme der italienischen Münzen bei den öffentlichen Kassen der genannten Staaten eingestellt werden.  Die in Belgien, Griechenland und der Schweiz aus dem Verkehr gezogenen Stücke, deren Wert auf etwa 13 Millionen Fr. geschätzt wird, werden in dem auf den Endtermin des Rückzugs folgenden Monat der französischen Regierung übergeben.  Diese zahlt Zug um Zug den Nennbetrag der zurückgezogenen Stücke einschließlich der entstandenen Kosten an die abliefernden Staaten.  Nach Abschluß der sich hieraus ergebenden Abrechnungen usw. wird sich Frankreich mit Italien in Verbindung setzen.  Die gesammelten Münzen sollen von der französischen Regierung an die italienische Regierung von bestimmten Grenzpunkten aus zur Ablieferung kommen.  Die Begleichung aller der italienischen Regierung in Rechnung gestellten Beträge soll in Gold, in silbernen Fünffrankenstücken nichtitalienischer Herkunft, in Tratten auf Paris oder in italienischen Schatzanweisungen erfolgen.  Die Rückzahlungstermine werden also bestimmt : Die 13 Millionen Fr. der in Belgien, Griechenland und Schweiz gesammelten Stücke sowie 17 Millionen Fr. der in Frankreich gesammelten Stücke – zusammen 30 Millionen – sollten sofort bar bezahlt werden.  Der Rest von 70 Millionen ist in drei gleichen Beträgen in den Jahren 1881, 1882 und 1883 zurückzunehmen.  Italien behält sich vor, die Beträge auch früher zur Ausgleichung zu bringen.  Die Gesamtsumme des Nominalwertes der gesammelten Münzen vermehrt sich um die 3%igen Zinsen von dem Tag an, mit welchem der Umlauf der zurückgezogenen italienischen Stücke in den vier Staaten aufgehört hat, sowie um alle mit dem Einzug zusammenhängenden Kosten, die jedoch im ganzen die Summe von 250.000 Fr. nicht überschreiten dürfen.  Sollten die eingezogenen italienischen Münzen einen Nennbetrag von mehr als 100 Millionen Fr. ergeben, so wird der überschießende Betrag für die italienische Regierung zur Bareinlosung zu einem hinter der letzten Rücknahme (1883) liegenden Termine bereitgehalten.  Falls der Betrag von 100 Millionen Fr. nicht erreicht wird, kommt der Minderbetrag bei der letzten Teilzahlung in Anrechnung.  Die italienische Regierung verpflichtet sich in Art. 7 der Übereinkunft, spätestens im Laufe von 6 Monaten nach der Rückgabe des Gesamtbetrags an italienischen Münzen ihre samtlichen Papiergeldabschnitte im Werte unter 5 Fr. aus dem Verkehr zu ziehen und zu vernichten, auch im Interesse der Wiedereinführung des Metallgeldumlaufs keine neuen auszugeben.

Obgleich Griechenland nicht zu den an die Länder der Union angrenzenden Ländern gehört, befand sich doch eine ziemlich bedeutende Menge von Silberdrachmen in Frankreich, Belgien und der Schweiz im Umlauf, namentlich seit Einführung des Papiergelds mit Zwangskurs in Griechenland.  Die griechische Regierung erklärte sich bereit, das im Umlauf befindliche Papiergeld kleiner Stückelung abzuschaffen und gab ihre Absicht kund, dies durch eine Kreditaufnahme bei zwei ihrer Landesbanken einzuleiten.  Eine formelle Verpflichtung hierzu wurde jedoch Griechenland nicht auferlegt.

Wie sollte sich nun die Konferenz grundsätzlich zur Papiergeldfrage stellen ?  Sollten in den Vertrag Vorbehalte aufgenommen werden gegenüber Ländern, welche die Papiergeldwährung bei sich einftihren?  Diese Fragen standen naturgemäß in der Konferenz zur lebhaften Erorterung.  Man einigte sich dahin, daß in die neue Konvention eine diesbezügliche Bestimmung nicht aufgenommen werden solle.  Die belgischen Delegierten ließen eine Äußerung folgenden Wortlauts zu Protokoll geben : »Die belgische Regierung ist der Meinung, daß das Papiergeldsystem mit dem Grundgedanken einer Münzkonvention in Widerspruch steht.  Es folgt hieraus : 1.  Wenn künftig einer der Staaten der Münzunion das Papiergeldsystem mit Zwangskurs einführt oder solches wesentlich vermehrt, so ist Belgien damit einverstanden, daß die anderen Staaten mit dem Eintreten dieser Tatsache ermächtigt sind, die Maßregeln zu ergreifen, die ihnen notwendig erscheinen, um sich den schädlichen Folgen dieser mit der Münzkonvention unverträglichen Sachlage zu entziehen.  2.  Die belgische Regierung hält es für eine unmittelbare und sichere Folge der Verpflichtungen der gegenwärtigen Konvention, daß ein Staat, in welchem der Papiergeldzwangskurs besteht, seine Handlungsfreiheit gegenüber den anderen mit ihm verbündeten Ländern nicht mehr voll und ganz besitze, wenigstens solange nicht, als er die Länder nicht von den Lasten befreit habe, unter denen sie infolge des Zwangskurses leiden müssen« [66].

Gegen diese Erklärung legten die italienischen Delegierten namens der italienischen Regierung Protest ein, indem sie sich auf ihre während der Beratungen gegebenen Erklärungen bezogen.

Das ganze Verfahren betr. die Rücknahme der italienischen Münzen wurde indes später einer einscheidenden Abänderung zugunsten Italiens unterzogen.

So hatte die Konferenz von 1878, wenn auch nicht dem Wortlaut der Bestimmungen nach, so doch tatsächlich den Grundsatz der einzigen Währung eingeführt.  Es war wünschenswert, daß die Staaten der Lateinischen Münzunion auf diesem Wege auch weitergingen; das Wertverhältnis zwischen Gold und Silber war inzwischen auf 1 : 18 gesunken.  Aber die französischen Bimetallisten dachten nicht daran, sich für besiegt zu erklären; sie begannen einen neuen Pressefeldzug, und es gelang ihnen auf der Konferenz von 1885, für ihre Bestrebungen wieder Boden zu gewinnen.

Die Konferenz von 1878 beschäftigte sich auch mit der Frage der Abnützung der Münzen.  Dabei ist zu unterscheiden zwischen den Maßnahmen, welche sich auf die silbernen Scheidemünzen und denen, die sich auf die Courantmünzen in Gold und Silber beziehen.  Was die Silberstücke zu 2 und 1 Fr., 50 und 20 Cts. anbetrifft, so sind nach den Konferenzbeschlüssen nur solche aus dem Verkehr zu ziehen, deren Gewicht durch die Abnutzung 5 % unter die festgesetzte Gewichtstoleranz gesunken ist.  Für die silbernen Fünffrankenstücke gilt ein Unterschied von 1 % als äußerste Grenze.  Die getroffenen Maßregeln entbehren der Vollständigkeit insofern, als nicht bestimmt ist, wenn der durch die Einschmelzung entstehende Verlust zur Last fallen soll.  Es gibt hier nur zwei Möglichkeiten : entweder trägt der Ausgabestaat den Verlust oder diejenige Person welche ein über die angegebenen Grenzen hinaus verbrauchtes Stück an der mit der Einziehung solcher Stücke beauftragten Kasse zur Einzahlung bringt.

Dauer des neuen Vertrags.  Während nach dem Vertrage von 1865 die Unterlassung der rechtzeitigen Kündigung eine Verlängerung auf weitere 15 Jahre nach sich zog, sollte der Vertrag von 1878 zunächst bis 1. Januar 1886 in Kraft bleiben und bei Nichtkündigung sich selbsttätig und stillschweigend von Jahr zu Jahr verlängern.  Er bleibt in Gültigkeit bis zum Ablauf eines Jahres nach ausgesprochener Kündigung.  Nach den Erfahrungen der letzten Jahre schien es wegen der Schwankungen auf dem Markte der Edelmetalle, insbesondere des Silbers, nicht mehr zweckmäßig, sich auf eine längere Frist festzulegen.

Die Frage der Liquidation.  Bei der Frage, was geschehen soll, wenn die Union infolge Kündigung sich auflöst, traten erhebliche Meinungsverschiedenheiten zutage.  Man war sich darüber klar, daß in einem solchen Falle in irgendeiner Form eine Liquidation eintreten müsse, was angesichts der Mitgliedschaft von Staaten mit Papiergeldzwangskurs mit erheblichen Schwierigkeiten verknüpft zu sein schien.  Belgien und Frankreich wollten von Italien bestimmte Garantien für die Zukunft seiner internen Münzverhältnisse haben.  Die beiden Länder brachten zu diesem Zweck folgendes vor : Es ist möglich, daß beim Ablauf des Vertrags noch der Papiergeldzwangskurs in Italien besteht, oder aber, daß Italien die Absicht hegen könne, durch auf Silber geprägte Scheine, die an Stelle von Papiergeld treten, zur Silberwährung überzugehen; in beiden Fällen sei es gewiß, daß Italien aus der Union austreten müßte und daß die in den anderen Staaten zirkulierenden italienischen Stücke eine Entwertung erleiden würden.  Um insbesondere Frankreich und Belgien vor Verlusten zu schützen, wäre für einen solchen Fall das Verlangen zu stellen, daß Italien die in seinem Lande befindlichen französischen Taler gegen eine entsprechende Anzahl der in den anderen Staaten umlaufenden italienischen austausche, den Überschuß an italienischen Stücken aber in Gold oder in Tratten auf Paris, Brüssel oder Bern bezahle.  Auf alle Fälle aber soll sich Italien verpflichten, keine Neuausgabe von Papiergeld mehr zu veranstalten, auch bei jeder möglichen Sachlage sich den Bestimmungen und Lasten des Vertrags weiterhin zu unterwerfen, insbesondere auch, was das Unterlassen der Neuausprägung von Silbermünzen anbetreffe, und zwar mindestens solange, als es die Zahlung in Hartgeld nicht wieder aufgenommen habe, alles dies auch für den Fall, daß die Münzunion aufgelöst werde.

Die italienischen Delegierten erhoben Einspruch gegen ein derartiges Ansinnen; sie wiesen darauf hin, daß der Vertrag von 1865 einen Austausch von Münzen zwischen den Ländern nur bezüglich der Scheidemünzen vorgesehen habe.  Es sei für Italien keine Verpflichtung gegeben, in eine derartige Liquidationsklausel einzuwilligen.  Sie ließen dabei durchblicken, daß mit einer Zurückweisung des ganzen Vertrags seitens der italienischen Regierung gerechnet werden müsse, wenn er eine Bestimmung enthielte, durch welche einzig und allein Italien an seiner finanziellen und hoheitlichen Freiheit für einen unbestimmten Zeitraum eine Einbuße erleiden solle.  Sie fügten noch hinzu, daß Italien selbst viel mehr Interesse daran hätte als die übrigen Staaten, die Zahlungen in Hartgeld sobald als möglich aufzunehmen, daß es ihm aber auch nicht möglich sei, sich die Ausgabe neuer Bankscheine untersagen zu lassen, da Verhältnisse eintreten könnten, die eine solche Maßnahme gebieterisch forderten.  Ein Nachgeben Italiens war nicht zu erreichen.

Um einen Ausgleich zwischen den beiden entgegengesetzten Standpunkten herbeizuführen, wiesen die Schweizer Delegierten darauf hin, daß man vermeiden sollte, in einen Vertrag Forderungen aufzunehmen, die unmöglich erfüllt werden können oder die durch das eine oder andere Parlament, dem sie vorzulegen sind, zurückgewiesen werden müssen.  Sie gaben den Rat, Italien Zeit zu lassen, sich von dem Zwangskurs zu befreien, und es darin zu unterstützen, sowie die Gültigkeitsdauer des Vertrags auf fünf Jahre festzusetzen, in der Hoffnung, daß nach Ablauf dieser Zeit das Papiergeld Italiens den Paristand erreicht habe und daß sich dann die Liquidation durch den natürlichen Lauf der Dinge leichter ermöglichen ließe usw.  Die französischen und belgischen Delegierten ließen sich durch diese Argumente der Schweizer Delegierten überzeugen.

Die Beitrittsklausel.  Im Jahre 1865 waren die Pforten der Union noch weit geöffnet; nach der Konvention von 1878 ist zu jedem Beitrittsverlangen eines Staates die einstimmige Einwilligung sämtlicher vertragsschließenden Staaten notwendig.  Diese eingehende Prüfung schien nach den gemachten Erfahrungen eine Notwendigkeit; sie war übrigens schon im Art. 4 der Zusatzakte von 1874 vorgesehen, aber nicht ausdrücklich auf den Hauptvertrag bezogen.

B.  Die Erklärung betr. Herstellung von Silbermünzen für das Jahr 1879

Der neue Vertrag bestimmt in Art. 9 Abs. 2, daß die Herstellung von Fünffrankenstücken in Silber erst wieder aufgenommen werden kann, wenn ein einstimmiger Beschluß die Staaten dazu ermächtigt.  Diese Bestimmung hatte aber erst Geltung vom 1. Januar 1880 an, dem Zeitpunkt des Erlöschens des Vertrags von 1865.  Für das Jahr 1879 war die Herstellung durch keine vertragliche Abmachung untersagt.  Frankreich, Belgien, die Schweiz und Griechenland trafen unter sich eine Übereinkunft in diesem Jahre, keine silbernen Fünffrankenstücke herstellen zu lassen (Art. 1).  Das römische Kabinett erklärte, daß es zwar mit der Einstellung der Silberausprägung in den Jahren 1880-1886 einverstanden sei, daß es aber für 1879 ein Kontingent von 20 Millionen benötige.  Begründet war diese Forderung 1. damit, daß der Wunsch laut geworden sei, Fünffrankenstücke mit dem Bildnis des neuen Königs versehen zu lassen, 2. mit Zahlungen, die in Sachen der äußeren Schuld in Paris zu machen waren, und 3. besonders mit der Notwendigkeit, eine gewisse Zahl alter Münzen aus der bourbonischen Zeit einschmelzen zu lassen; die italienischen Delegierten waren beauftragt, zu erklären, daß noch 80-100 Millionen dieser Münzen vorhanden seien.  Man bemerkte bei den Beratungen hiezu, daß im Jahre 1874 Italien die Zahl der im Lande umlaufenden bourbonischen Münzen auf 60 Millionen angegeben habe, und daß doch seit damals mehrere Kontingente an Fünffrankenstücken bewilligt worden seien zu dem Zweck, diese Münzen aus dem inneritalienischen Verkehr zu ziehen.  Es wurde weiter bemerkt, daß Italien Grund hatte, die bourbonischen Münzen, die nur in Italien kursieren können, den doch in die Nachbarstaaten abwandernden neuen silbernen Fünffrankenstücken vorzuziehen.  Trotzdem wurde durch Art. 2 der Erklärung die italienische Regierung ausnahmsweise ermächtigt, im Jahre 1879 eine Summe von 20 Millionen Fr. in silbernen Fünffrankenstücken ausprägen zu lassen.  In allen fünf Staaten dürfen keine Münzscheine für Silberprägungen während des Jahres 1879 ausgegeben werden (Art. 4).

C.  Die Zusatzakte zum Abkommen betr. Art. 8

Gemäß Art. 7 des Ausführungsübereinkommens zu Art. 8 des Hauptvertrags vom 5. November 1878 hat Italien innerhalb 6 Monaten nach der Rücklieferung der italienischen Münzen aus den übrigen Staaten alle Bankscheine unter 5 Fr. Nennwert aus dem Verkehr zu ziehen und zu vernichten.  Die italienische Regierung war jedoch der Meinung, daß die Aufhebung der kleineren Geldscheine eine Frage der inneren Verwaltung sei und daß jede Bindung in dieser Angelegenheit durch zwischenstaatlichen Vertrag eine Beeinträchtigung der Rechte des italienischen Parlaments darstelle, welches allein darüber zu bestimmen habe, wann der Zwangskurs abgeschafft werden könne.  Sie gab zwar zu, daß die Verbündeten auf die Garantie nicht verzichten könnten, welche ihnen durch die italienische Erklärung der Bereitwilligkeit zur Abschaffung gegeben worden sei; sie schlug jedoch vor, die Konferenz möge eine andere Lösung zu finden bestrebt sein, die den Staaten gegen die Ruckkehr der italienischen Scheidemünzen eine gleichwertige Garantie gäbe.  Die Delegierten der fünf Mächte vereinigten sich am 11. Juni 1879 aufs neue zu einer Konferenz in Paris; ihre Arbeiten endeten mit der Annahme einer Zusatzakte vom 20. Juni 1879.  Während die Bestimmungen der Ausführungsübereinkunft zu Art. 8 vom 5. November 1878 den Verbundeten als Garantie die sofortige Zurückziehung und Vernichtung der kleinen italienischen Geldscheine gaben, ersetzt die Zusatzakte diese Garantie durch die Unbeweglichmachung der zurückgelieferten Scheidemünzen, d.h. durch die Zusicherung, daß letztere erst dann wieder in Umlauf gebracht werden dürfen, wenn die kleinen Scheine außer Kurs gesetzt sind.  Die Münzen sollen zur Einlösung der Scheine dienen.  Die Art. 2 und 4 der Zusatzakte vervollständigen die Bestimmungen der Ausführungsübereinkunft zu Art. 8 vom 5. November 1878 dadurch, daß sie Italien die Freiheit lassen, entweder die Lieferung der Scheidemünzen in den ersten 6 Monaten des Jahres 1880 anzunehmen, oder die über einen Betrag von 13 Millionen Fr. hinausgehenden Mengen ganz oder teilweise gegen die Vergütung eines Zinses von 1 ½ % in den Händen der französischen Regierung zu lassen.  In Art. 3 sind die Zahlungsfristen für die Rücklieferungen an Scheidemünzen festgesetzt.  Die Zusatzakte läßt alle übrigen Bestimmungen unberuhrt; sie beschränkt sich lediglich darauf, Italien ein Wahlrecht zu geben.

Die Rückführung der italienischen Silberscheidemünzen

Nach der Ratifikation der Verträge von 1878 und 1879 waren die nächsten Schritte, die Frankreich in seinen Münzangelegenheiten unternahm, die Erfüllung des Abkommens über den Einzug und die Rückführung der italienischen Silberscheidemünzen.  Das geschah durch eine Vereinbarung des französischen Finanzministers mit der Bank von Frankreich; diese sammelte bis zum Januar 1880 in ihren Zweigstellen die italienischen Silberscheidemünzen, worauf die Versendungen nach Italien begannen.  Es war seinerzeit bei der Aufstellung des Arrangements vorgesehen gewesen, daß die erste Sendung von etwa 13 Millionen Fr. den Betrag darstelle, der sich in den kleineren Ländern Belgien, Schweiz und Griechenland im Umlauf befinde.  Es stellte sich aber bald heraus, daß der Betrag zu hoch gegriffen war.  Von Belgien und der Schweiz gingen nur etwas mehr wie 8 Millionen Fr. zu, die Frankreich aus seinem Vorrat auf 13,5 Millionen Fr. ergänzte und im Laufe des Monats Januar 1880 gemäß Art. 2 des Abkommens der italienischen Regierung auslieferte.  Ferner ergab sich, daß auch der im Abkommen erscheinende Betrag von 87 Millionen Fr. italienischer Silberscheidemünzen, die sich in Frankreich und in seinen Kolonien befinden sollten, bedeutend überschätzt worden war.  Im ganzen wurden bis Ende Mai 1880 etwas über 79 Millionen Fr. zusammengebracht.  Die Rückführung vollzog sich ohne Schwierigkeiten.

Die Abschaffung des Zwangskurses in Italien.  Bekanntlich war der Zweck des Abkommens vom 5. November 1878 einschließlich der Zusatzakte vom 20. Juni 1879 die Rückziehung der italienischen kleinen Lirenoten aus dem italienischen Papiergeldumlauf.  Sie sollte erleichtert werden durch die Ausschließung der italienischen Silberscheidemünzen aus dem Umlauf in den Staaten der Lateinischen Münzunion.  Nach einer Aufstellung aus dem Jahre 1875 waren in Italien insgesamt 940 Millionen Papiergeld mit Zwangskurs im Umlauf, das durch ein Konsortium von 6 Banken für Rechnung des italienischen Staates ausgegeben worden war.  Diese Menge an Papiergeld trug die Schuld an der Abwanderung nicht nur der Silberscheidemünzen, sondern auch der silbernen Fünffrankenstücke.  Der Betrag der letzteren wurde damals auf ca. 450 Millionen Fr. geschätzt, die vorwiegend nach den Ländern der Lateinischen Münzunion ausgewandert waren.  Bei der Erneuerung des Münzbundes im Jahre 1878 hoffte man, daß es durch die Sanierung des Geldumlaufs in Italien innerhalb der sechs Jahre 1879 bis 1885 gelingen werde, nicht nur die italienischen Silberscheidemünzen, sondern auch die Fünffrankenstücke nach Italien zurückzuführen, wodurch das Gleichgewicht wieder hergestellt gewesen wäre.  Diese Hoffnung erfüllte sich nicht.  Es gelang der italienischen Regierung, durch das Ausschreiben einer Anleihe in Hohe von 644 Millionen Lire (wovon 600 Millionen für die Rückzahlung des Papiergelds und 44 zur Rückzahlung einer Schuld benötigt wurden, die Italien bei seiner Nationalbank aufgenommen hatte), das Geld vorwiegend aus Nichtvereinsländern zu bekommen.  Die Anleihe mußte mit 444 Millionen Fr. in Gold und mit 200 Millionen Fr. in Silber einbezahlt werden.  Paris kam wegen der Goldklausel als Börsenplatz nicht in Betracht [67].  Auch war wegen der Ereignisse in Tunis eine gewisse Kühle zwischen Frankreich und Italien eingetreten.  So wurde die Anleihe zum Teil in London, zum Teil bei einem Syndikat von italienischen, deutschen, belgischen und holländischen Bankhäusern aufgelegt.  Die italienische Regierung erhielt tatsächlich die Summe in barem Gelde, 488 Millionen in Gold und 156 Millionen in Silber.  Unter der letzteren Summe befanden sich nur 37 Millionen in Fünffrankenstücken, der Rest konnte zur Einlösung der Silberscheidemünzen verwendet werden, welche die übrigen Staaten eingesammelt hatten.  Für die Lateinische Münzunion war das Ergebnis der Anleihe in zwei Richtungen von Bedeutung : Italien, das bisher das großte Hindernis für die Durchführung der Goldwährung gebildet hatte, war nun praktisch auf die Seite von Belgien und der Schweiz getreten, d.h. war nunmehr in der Lage, seine Noten in Gold zurückzuzahlen.  Ferner war es Italien gelungen, durch Begebung der Anleihe in London (zum Teil auch in den Vereinigten Staaten von Amerika) die in Frankreich usw. befindlichen silbernen Fünffrankenstücke italienischer Prägung noch eine Zeitlang von sich fernzuhalten.

Nachdem so Italien durch den Erfolg seiner Goldanleihe in die Reihe der goldwährungsfreundlichen Länder getreten war, blieb nur noch Griechenland übrig, dessen Münzverhältnisse damals aber sehr im argen lagen.  Der Papiergeldzwangskurs herrschte dort schon seit langer Zeit, und es schien keine Aussicht vorhanden, in absehbarer Zeit die Noteneinlösung in irgendeiner Art wieder einführen zu können.

Es ergibt sich hieraus, daß keiner der kleineren Staaten ein Bedürfnis fühlte, zur Doppelwährung zurückzukommen.

Die internationale Konferenz von 1881.  Die Bimetallisten Frankreichs gaben jedoch den Kampf noch nicht auf.  De Soubeyran brachte vor den französischen Senat einen Antrag auf Einberufung einer Münzkonferenz.  Sein Gegner war wieder de Parieu.  Letzterer betonte, daß von der Wiedereinführung der Doppelwährung lediglich die Vereinigten Staaten von Amerika den Nutzen hätten.  Die Einberufung einer Konferenz wurde aber dennoch zum Beschlusse erhoben.

Die Konferenz trat am 19. April 1881 in Paris zusammen und dauerte mit Unterbrechungen bis zum 8. Juli.  Die Wiedereinführung der freien Ausprägung des Silbers fand allgemein Ablehnung.  Nicht so entschieden war die Haltung der Länder der Lateinischen Münzunion in der Frage einer beschränkten Wiederaufnahme.  Italien und Frankreich erklärten ihre Bereitwilligkeit, in der Richtung Schritte zu unternehmen, vorausgesetzt, daß noch einige größere Staaten des Kontinents sich dazu bereit finden würden.  Da aber hierfür keine Neigung vorhanden zu sein schien, waren auch die Erklärungen Italiens und Frankreichs ohne Bedeutung.  Die kleineren Staaten der Lateinischen Münzunion verhielten sich ebenfalls ablehnend.  Die Konferenz faßte schliefilich den Beschluße, auf dem Wege der diplomatischen Verhandlungen zwischen den Staaten das Weitere zu vereinbaren [68].

Im Laufe der Jahre 1881 und 1882 war die Bank von Frankreich bestrebt, ihren Goldvorrat weiter zu verstärken; dies wurde durch gute Ernten in Frankreich und durch Effektenankäufe seitens des Auslandes begünstigt.  Unmittelbar nach der Wiederherstellung der Noteneinlösung ging Italien dazu über, durch ein Gesetz vom 15. November 1880 die Zahlung der Zollabgaben in Gold zu verlangen.  In der Begründung war gesagt : »Da man fürchtet, daß die anderen Staaten der Union uns mit Silber überschwemmen, ist es zweckmäßig ihnen das einfachste Mittel hiezu, die Zahlung der Zölle, aus der Hand zu nehmen.« [69]  Die Grenzen Italiens sollten also ein enges Netz bilden, durch welches keine Silbermünze hindurchschlüpfen könnte.  Die genannte Bestimmung verstieß jedoch gegen den obersten Grundsatz der Lateinischen Münzunion, den ungehinderten Umlauf des Silbergelds.  Die lebhaften Proteste der Nachbarstaaten, namentlich Frankreichs, veranlaßten Italien, dieses Gesetz wieder abzuändern, und die einschränkende Bestimmung wieder aufzuheben.  Dieser Beschluß wurde durch eine Kommission gefaßt, welche gleichzeitig versuchte, die drohende Invasion von Fünffrankenstücken auf eine andere Art einzuschränken.  Sie gab der italienischen Regierung den Rat, Papiernoten zu 5 und 10 Lire bis zur Höhe von 340 Millionen Lire im Umlauf zu belassen; [70] der im Namen der Kommission erstattete Bericht begründete die Maßnahmen damit, daß man diese Stücke beibehalten wolle, weil das Volk seit langer Zeit daran gewöhnt sei.  Natürlich war der eigentliche Grund die Besorgnis, das eingebrachte Gold könnte wegen der zu leistenden Zahlungen an das Ausland wieder abwandern und durch die eingewanderten Fünffrankentaler ersetzt werden.  Eine italienische Regierungsverordnung vom 12. Juli 1883 wies die Emissionsbanken an, ihre Metallreserven zu 2/3 aus Gold und zu 1/3 aus Silber, in Münzen oder Barren, zusammenzusetzen und zu behalten.  Diese Maßnahmen mußten zu einer Verstimmung Frankreichs gegen Italien führen und veranlaßten Frankreich auf der Konferenz von 1885 die Einführung der sog. Liquidationsklausel zu fordern.

VI.  Die Erneuerung der Lateinischen Münzunion 1885

Nach den Bestimmungen ihres Artikels 15 sollte die Konvention vom 5. November 1878 bis zum 1. Januar 1885 in Kraft bleiben und, sofern nicht die Kündigung ein Jahr vor diesem Zeitpunkt ausgesprochen würde, stillschweigend jeweils auf ein weiteres Jahr verlängert werden.  Die Konvention wurde am 26. Juli 1884 durch die Schweiz gekündigt, zur gleichen Zeit als dies auch von seiten Frankreichs geschah.  Die Schweiz sah sich, ohne damit den Austritt aus der Union zu beabsichtigen, zu der Kündigung bewogen, weil ihr gewisse Änderungen hinsichtlich der Kontingente an Scheidemünzen, der Rücknahme der abgenutzten silbernen Fünffrankenstücke usw. unentbehrlich erschienen [71].

Der Zusammentritt der Konferenz fand nach mehrmaligem Verschieben des Termins am 20. Juli statt; sie tagte mit Unterbrechungen bis 6. November 1885.  Bei dem Zusammentritt der Konferenz der Unionstaaten zu einer neuen Münzkonferenz schienen die Aussichten für eine Erneuerung nicht besonders günstig zu sein.  Belgien und die Schweiz neigten von jeher der alleinigen Goldwährung zu; die Haltung Italiens in den Jahren 1880-1884 ist oben eingehender dargestellt worden; in Griechenland herrschte noch der Zwangskurs.  Außerhalb der Lateinischen Münzunion hatte Deutschland bei seiner Goldwährung eine rasch aufsteigende Entwicklung genommen.  In den Vereinigten Staaten von Amerika war die silberfreundliche Periode der Bland Bill soeben zu Ende gegangen.  Die sie ablösende Sherman Bill war der Doppelwährung nicht günstig gesinnt.  In England hielt man angesichts der fortschreitenden Silberentwertung am bisherigen Münzsystem das auf der Goldwährung beruhte, fest.

Trotzdem war es für Frankreich wünschenswert, daß die Union unter allen Umständen, wenn auch mit Zugeständnissen, erneuert werde.  Die Gründe hiefür waren wirtschaftlicher, kommerzieller und nicht zum wenigsten politischer Art.  »Ein Bruch«, sagt Brossault, »würde das Aufgeben einer jener selten gewordenen Einrichtungen bedeutet haben, die noch von der geistigen Führung zeugten, die Frankreich einst über Mitteleuropa hatte« [72].

Auf der Konferenz wurden eine Reihe strittiger Punkte im Münzwesen behandeit und zum Teil in der Neufassung geregelt, nämlich

1.  die Frage der Behandlung abgenützter Gold- und Silbermünzen,

2.  die Mittel zur Aufrechterhaltung des Umlaufs der silbernen Fünffrankenstücke; gesetzlicher Kurs derselben in den Ländern,

3.  die Einstellung der Neuprägungen an silbernen Fünffrankenstücken,

4.  die Entlastung des Münzverkehrs von den silbernen Fünffrankenstücken,

5.  die Liquidationsklausel.

Die Ergebnisse der Verhandlungen wurden in vier Verträgen niedergelegt :

a) Hauptvertrag, abgeschlossen zwischen Frankreich, Italien, Schweiz und Griechenland – ohne Belgien – vom 6. November 1885,

b) Übereinkunft zur Ausführung des Art. 14 der Konvention von 1885 betr. die Liquidationsklausel – vom 6. November 1885,

c) Schlußprotokoll zum Hauptvertrag – vom 6. November 1885,

d) Zusatzakte zum Hauptvertrag betr. die Bedingungen für den Beitritt Belgiens – vom 12. Dezember 1885.

1.  Die Behandlung abgenützter Gold- und Silbermünzen

Der Art. 2 des bisherigen Vertrags schreibt vor, daß die von einem der kontrahierenden Staaten ausgeprägten Goldmünzen, deren Gewicht infolge Abnützung um ½ % unter die vereinbarten Fehlergrenzen vermindert oder deren Gepräge verschwunden sein sollte, vor der Annahme an den öffentlichen Kassen anderer Staaten ausgeschlossen werden.  Es bestand jedoch keine Vorschrift darüber, daß der ausgebende Staat beschädigte Stücke zurückzunehmen und gegen einwandfreie einzuwechseln habe.  Diese Frage war hauptsächlich wegen der Fünffrankenstücke in Gold von Bedeutung.  Die seitens der Generaldirektion der Pariser Münzstätte im Jahre 1884 vorgenommenen Untersuchungen hatten ergeben, daß ungefähr 2/3 aller vorhandenen goldenen Fünffrankenstücke, von denen Frankreich im ganzen für 211 Millionen geprägt hatte, unterhalb der Abnützungsgrenze waren.  Die starke Abnützung der goldenen Fünffrankenstücke wurde schon früher beobachtet und hatte die Bestimmung in Art. 9 des Vertrags von 1878 zur Folge, wonach die Ausprägung der Fünffrankenstücke in Gold eingestellt werden solle.  Frankreich, welches im Falle der Einziehung der abgenützten goldenen Fünffrankenstücke eine erhebliche Belastung zu tragen gehabt hätte, lehnte die Aufnahme einer diesbezüglichen Bestimmung in den Vertragstext ab und wollte die Frage als eine interne, der Initiative der einzelnen Staaten zu überlassende, betrachtet wissen.  Es wurde als eine noch eingehender Prüfung bedürftige Frage angesehen, wer den Verlust aus der Abnützung der Courantmünzen zu tragen habe, der Staat oder das Publikum.  Die Aufnahme einer auf die Umtauschpflicht der abgenutzten Goldmünzen bezüglichen Bestimmung in den Vertrag wurde abgelehnt.

Ähnlich war die Sachlage bei den silbernen Fünffrankenstücken.  Auch hier mangelte bis 1885 eine Vorschrift, welche den Staat, der sie ausgegeben hatte, zur Zurücknahme und Auswechslung gegen einwandfreie Silber- oder gegen Goldmünzen verpflichtete.  Der Umlauf an untergewichtigen silbernen Fünffrankenstücken französischen Ursprungs aus den Zeiten der ersten Republik, des ersten Kaiserreichs, Ludwigs XVIII., Karels X. und Louis-Philipps war namentlich im Verkehr Italiens und der Schweiz recht bedeutend.  Die italienischen und schweizerischen Delegierten betonten, daß wenn auch hinsichtlich der Goldmünzen die Frage, ob der Staat oder das Publikum den Verlust aus der Abnützung zu tragen habe, offen gelassen werde, diese hinsichtlich der silbernen Fünffrankenstücke als entschieden gelten müsse, da nicht bloß ein Verlust von ungefähr 1 % infolge Abnützung, sondern infolge der inneren Entwertung ein solcher von 20 % und mehr in Rechnung zu nehmen sei.  Ein derartig großer Verlust könne unmöglich dem Inhaber der Geldstücke, also dem Publikum, aufgebürdet werden, sondern sei vom Staat zu übernehmen, der diese Münzen ausgegeben und also auch die Pflicht habe, die Stücke mit Untergewicht zurückzunehmen und auf seine Kosten einzuschmelzen, wie das bezüglich der Scheidemünzen der Fall sei, deren Charakter die Stücke von 5 Fr. infolge der Silberentwertung angenommen hätten.  Nach einigen Einwänden der französischen Delegierten und des Generaldirektors der französischen Münze einigte man sich bezüglich der silbernen Fünffrankenstücke dahin, daß die öffentlichen Kassen desjenigen Staates, dessen Gepräge die abgenützten Stücke tragen, diese künftig jederzeit auf Verlangen zurückzunehmen habe (Art. 3 Abs. 3).

2.  Die Mittel zur Aufrechterhaltung des ungehinderten Umlaufs der Münzen, besonders der silbernen Fünffrankenstücke.  Gesetzlicher Kurs

Es handelte sich bei diesem Punkt um die verschiedenartige Behandlung der Silbermünzen in den Vertragsstaaten.  Während Griechenland, Italien und die Schweiz nicht nur den eigenen, sondern auch den von den übrigen Vertragsstaaten ausgegebenen Münzen gesetzlichen Kurs zuerkannt haben, lehnten es Frankreich und Belgien ab, völlig gleiches Recht zu halten.  In diesen Ländern waren lediglich die Filialen der Bank von Frankreich und der belgischen Nationalbank verpflichtet, die Münzen der Vereinsstaaten anzunehmen.  Die schweizerischen Delegierten drangen auf Einführung des gesetzlichen Kurses in allen Vertragsstaaten.  Man kam jedoch zu keinem Ergebnis.  Durch die Aufnahme der die silbernen Fünffrankenstücke betreffenden Liquidationsklausel (vgl. Ziffer 5 nachstehend) verlor die Frage der ungehinderten Annahme dieser Münze an Bedeutung und wurde nicht weiter verfolgt.

Gemäß Art. 12 II der Konvention wurden die Vertragsstaaten verpflichtet, den silbernen Fünffrankenstücken anderer, dem Münzverband nicht angehörenden Staaten den gesetzlichen Kurs sowie den Kassenkurs zu entziehen oder zu verweigern.

3.  Die Einstellung der Neuprägungen silberner Fünffrankenstücke

Die Delegierten aller Staaten waren darüber einig, daß die Vorschrift des bisherigen Art. 9, II der Konvention von 1878, wonach die Prägung silberner Fünffrankenstücke vorderhand eingestellt bleiben solle, aufrecht zu erhalten sei.  Ohne jene Maßregel wäre der Goldbestand der Länder der Lateinischen Münzunion völlig durch Silber ersetzt worden, und die Länder hätten sich bald einer im Vergleich zu Deutschland und England entwerteten Valuta gegenüber gesehen.  Die Bestimmung des Art. 9, II des alten Vertrags wurde als Art. 8, II in den neuen Vertrag übernommen.

4.  Die Entlastung des Münzverkehrs von den silbernen Fünffrankenstücken

Der Gesamtvorrat an silbernen Fünffrankenstücken im Gebiet der Lateinischen Münzunion wurde damals auf 3,5 Milliarden Fr. geschätzt [73].  Um den Münzverkehr von diesen unhandlichen Münzen zu entlasten, hatte die Schweiz vorgeschlagen, daß diejenigen Vertragsstaaten, deren Prägungen die Bedürfnisse ihres internen Geldverkehrs überstiegen, also namentlich Belgien und Frankreich, zu einer Verminderung der von ihnen ausgegebenen silbernen Fünffrankenstücken schreiten sollen.  Es würde sich bei Frankreich um 250-300 Millionen, bei Belgien um 100-150 Millionen Fr. gehandelt haben.  Auch sollten keine Banknoten unter 50 Fr. Nennwert mehr ausgegeben, dagegen die im Umlauf befindlichen kleineren Noten zurückgezogen werden.  Diese alsbald einzuleitenden Maßnahmen wurden die Folgen der sog. Liquidationsklausel abschwachen und eine gewisse Garantie für den Fortbestand der Münzunion überhaupt darstellen.  Gegen die Zurückziehung der kleineren Noten legte der Vertreter Italiens Verwährung ein; Frankreich erachtete die aus der Maßnahme entstehenden finanziellen Opfer als für das französische Budget augenblicklich nicht tragbar.  Belgien erklärte ebenfalls, den Verlust aus der Demonetisierung von Fünffrankenstücken belgischen Geprägs nicht allein tragen zu können, und so konnte dem sehr zweckmäßigen Vorschlag der Schweiz nicht stattgegeben werden.

Der mehrfach beklagte Tiefstand des Silberwertes auf dem Edelmetallmarkte führte zu der Erwägung, ob nicht durch Wiederaufnahme der Silberprägungen im Bereich einer Anzahl großer Staaten und der dadurch entstehenden Nachfrage dem Silber wieder zu seinem früheren Werte verholfen werden könne.  Frankreich wünschte in einem neuen Vertrag nicht mehr an die Zustimmung aller Verbündeten gebunden zu sein, wenn es den Augenblick für gekommen erachten sollte mit anderen Staaten sich zum Zwecke der Bildung einer bimetallistischen Union zu vereinigen (gemeint waren die Vereinigten Staaten von Amerika).  Zum Ausgleich hiefür erbot sich Frankreich, vom Augenblick der Wiederaufnahme der freien Silberprägung an und während der ganzen restlichen Dauer des Vertrags alle ihm von den übrigen Vertragsstaaten gemachten Zusendungen von französischen Fünffrankenstücken jederzeit gegen Gold auszuwechseln.  Auch dürften die Vertragsstaaten in diesern Falle den französischen Fünffrankenstücken die Aufnahme verweigern.

Diesem Vorschlage widersprach besonders die Schweiz, und zwar mit dem berechtigten Hinweis, daß damit der für internationale Verträge gültige Grundsatz der völligen Gleichberechtigung durchlöchert werde.  Sie verlange gegenüber der geforderten Handlungsfreiheit anderer die gleiche Freiheit für sich selbst.  Die längeren Verhandlungen führten schließlich zu einem Kompromiß, das in Art. 8 Abs. 5 der Konvention zum Ausdrucke kam und hauptsächlich in dem Recht der Schweiz bestand, vor Ablauf des Vertrags aus der Union auszutreten.  Diese Vergunstigung wurde jedoch an besondere Bestimmungen geknüpft.

5.  Die Liquidationsklausel auf der Konferenz von 1885.  Vorbemerkungen

Bei Beginn der Konferenz von 1885 boten sich fünf Möglichkeiten dar, den für den Fall einer Auflösung drohenden Mißständen zu begegnen :

1.  Jedes Land behält die Münzen, die sich bei ihm zur Zeit der Auflösung der Union im Umlauf befinden; eine Einlösung durch die Ausgabestaaten findet nicht statt.

2.  Der ganze Betrag an Silbermünzen, der sich in der Union befindet, soll in fünf gleiche Teile geteilt werden, von der auf jedes Land entfallenden Menge soll ein bestimmter Betrag zurückgezogen werden.

3.  Das Silber ist zu demonetisieren und der Verlust den augenblicklichen Inhabern der Vollmünzen aufzubürden.

4.  Jeder Staat soll einen bestimmten Betrag von Vollmünzen auf eigene Rechnung einschmelzen; die Beträge der Länder berechnen sich nach der Kopfzahl ihrer Bevölkerung.

5.  Von Jedem Staat wird die Einlösung der von ihm geprägten Münzen gefordert.

Alle diese Möglichkeiten wurden auf der Konferenz von 1885 angeregt und mussen in den Kreis unserer Betrachtungen gezogen werden.

Zu 1.  Wollte man den beteiligten Ländern die Verpflichtung auferlegen, die auf ihrem Gebiet befindlichen Fünffrankentaler irgendwelcher Prägung zu behalten, so wären mit dem entstehenden Verlust diejenigen Länder übermäßig stark belastet worden, welche alle Vorsicht hatten walten lassen, um eine Überschwemmung mit Münzen zu verhüten, die eines Tages entwertet sein könnten (Schweiz).  Eine solche Maßnahme war nicht durchführbar.

Zu 2.  Der Durchführung dieses Vorschlags stand vor allem die Forderung im Wege, daß der Vorrat in fünf gleiche Teile geteilt werden sollte, also ohne Rücksicht auf die Größe eines Landes und seine finanzielle Tragfähigkeit.  Eine Liquidation dieser Art ware wie bei 1. nur auf Kosten der kleineren Länder der Union durchführbar, in hohem Maße unlogisch und ungerecht gewesen.

Zu 3.  Die Ausführung dieses Vorschlags würde die großten Störungen im Umlauf der beim Publikum ohnehin nicht beliebten Geldstücke zur Folge gehabt haben.  Den großen Kreditinstituten, wie der Bank von Frankreich, würden fortdauernd solche Mengen von Silber zugeflossen sein, daß sich unhaltbare Zustände ergeben hätten.  Diesem Vorschlage hätten die Banken überhaupt nicht zugestimmt.

Zu 4 und 5.  So konnte sich der Streit nur noch darum drehen, ob der durch die Einlösung sämtlicher Fünffrankenstücke entstehende Wertausfall auf die Staaten der Union nach der Kopfzahl der Bevölkerung umgelegt werden sollte oder ob der ausgebende Staat für die Folgen seiner Maßnahmen einstehen und den Schaden allein tragen müsse.  Sollte die Lateinische Münzunion wie eine einheitliche Körperschaft handeln und den Schaden anteilmäßig auf ihre Mitglieder verteilen oder sollte sie sich als einen nur lose zusammenhängenden Staatenverband betrachten, in dem jedes Land für seine eigenen Ausprägungen verantwortlich ist ?  Das war der Kernpunkt des ganzen Liquidationsproblems.

Auf den ersten Blick mag es naheliegend scheinen, daß die Last von allen zur Union gehörigen Staaten gemeinschaftlich getragen werden sollte.  Die nähere Prüfung ergibt, daß eine solche Regelung ungerecht wirken würde.  Die Entstehungsgeschichte der Lateinischen Münzunion hat gezeigt, daß von Anfang an Meinungsverschiedenheiten in bezug auf die Doppelwährung, in der das Prinzip der freien Silberausprägung enthalten war, bestanden haben.  Ein Zusammenschluß auf Gedeih und Verderb war die Lateinische Münzunion niemals; sie wollte vielmehr nur für das angenommene Münzsystem einheitliche Regeln in bezug auf Feingehalt, Gewicht, Stückelung und Umlauf von Münzen aufstellen.  Die Bestimmungen des Münzvertrags von 1865 enthalten nichts über eine Beschränkung der Ausgabe von Vollmünzen.  Weil hierüber nichts im Vertrag enthalten war, war die Regelung der Münzausgabe wie diejenige der Notenausgabe der internen Gesetzgebung der Länder vorbehalten.  Die spätere Beschränkung in den Verträgen von 1873-1878 war lediglich eine Schutzmaßnahme.  Wenn man hienach die Höhe der Ausprägungen an Vollmünzen dem Ermessen des einzelnen Staates überließ, so war es nur recht und billig, wenn er auch die Folgen dieser Maßnahmen selbst trug.

Die Stellungnahme Frankreichs zur Liquidationsklausel.  Nach einem Bericht, den Jules Roche der französischen Deputiertenkammer machte [74], beherbergte Frankreich Ende 1885 einen Vorrat von belgischen und italienischen Fünffrankenstücken im Nennwert von 700-800 Millionen Fr., der, wenn er zu Silberbarren eingeschmolzen und nach dem Handelswert von 1885 bewertet würde, einen Verlust von 22 % = 154-176 Millionen Fr. bedeutet hätte.  Unter diesen Umständen mußte sich Frankreich die Frage vorlegen, wie es sich der nach Austausch gegen die bedeutend geringere Zahl französischer Fünffrankenstücke noch verbleibenden erheblichen Menge fremder Fünffrankenstücke entledigen sollte, wenn eines Tages das Land, welches sie ausgegeben hatte, das Silbergeld abschaffen und, wie Deutschland, zur Goldwährung überginge.  Es wollte sich nicht dem enormen Verlust aussetzen, der bei der Verwertung der auf seinem Gebiet im Umlauf befindlichen oder in den Trésors der Banque de France aufgespeicherten fremden Fünffrankenstücke zu erwarten war.  Aus diesen Gründen machte die französische Regierung die Erneuerung der Konvention von der Bedingung abhängig, daß sie für die Zukunft gegen jeden etwaigen Verlust aus der Annahme der von den anderen Staaten geprägten Stücke sichergestellt werde.  Die Stellungnahme Frankreichs entsprach dem unter 5. vorstehend genannten Gesichtspunkte : Im Falle der Auflösung der Union sei jeder der kontrahierenden Staaten verpflichtet, die von ihm geprägten und im Gebiete der anderen Staaten umlaufenden silbernen Fünffrankenstücke zum Nennwert zurückzunehmen bzw. den Saldo, der sich nach Auswechselung der Stücke eigenen und fremden Gepräges ergebe, in Gold oder Wechseln auf den guthabenden Staat auszugleichen.  Kraft einer solchen Bestimmung würde z.B. für Frankreich das Recht bestehen, den nach dem gegenseitigen Austausch der Fünffrankenstücke noch verbleibenden Überschuß an solchem fremden Gepräge, z.B. Belgiens oder Italiens, diesen Ländern gegen Bezahlung in Gold oder in Tratten auf Paris auszuliefern.

Seitens der Bank von Frankreich war schon 1878 und in den folgenden Jahren darauf hingewiesen worden, daß die Einführung einer Liquidationsklausel eine Notwendigkeit sei; denn die Bank war darauf bedacht, ihren Goldvorrat möglichst zu verstärken.  Kurz vor Zusammentritt der Konferenz, im März 1884 gab der französische Finanzminister Tirard in der französischen Deputiertenkammer die Erklärung ab, daß eine Erneuerung der Münzkonvention nur unter gewissen neuen Klauseln in Betracht käme, die Frankreich im Falle einer Auflösung der Union sicherstellen würden.  Frankreich war entschlossen, die Liquidationsklausel nur in der von ihm vorgeschlagenen Form zuzulassen, und hielt fest an dem Grundsatz, daß jeder Staat verantwortlich sei für die mit seinem Wappen ausgeprägten Münzen und sie zu dem angegebenen Nominalwert zurücknehmen müsse, auch wenn in ihrem Metallwert eine Verminderung eingetreten sei.  Bezeichnend ist die Äußerung Magnins, des Gouverneurs der Bank von Frankreich, auf der Konferenz : »La marque imprimée sur le disque de métal, constitue un engagement qu’il faut acquitter, une signature qu’on ne saurait laisser en souffrance.«  Bei den Verhandlungen über diesen Punkt in der Konferenz zeigte sich bald, daß Griechenland, Italien und die Schweiz mit Frankreich einig gingen.  Die Schweiz insbesondere hatte alle Ursache, dieser Fassung der Liquidationsklausel zuzustimmen.  Auf Grund von Schätzungen war ermittelt worden, daß von den in der Schweiz im Umlauf befindlichen 800-1000 Millionen Franken in Fünffrankenstücken 44 % französischen, 43 % italienischen, 10 % belgischen, 1 % griechischen und nur 2 % schweizerischen Ursprungs waren.  Völlig anders war die Stellungnahme Belgiens.  Die Liquidationsklausel in der Fassung, wie sie die französische Regierung vorschlug, war ganz besonders drückend für Belgien, da es bedeutend mehr Silber hatte ausprägen lassen, als für den inneren Bedarf seines Landes nötig war.  Die Ausprägung von Fünffrankenstücken in der belgischen Münze waren namentlich in den Jahren vor Einführung der Einschränkungsmaßregeln sehr beträchtlich gewesen; in den Jahren 1870-1873 waren nahezu 198 Millionen Fr. in Fünffrankenstücken geprägt worden.  Janssen (S. 288) rechtfertigt die Silberausprägungen in dieser Zeit folgendermaßen : Wenn auch kein Zweifel darüber bestehe, daß die unmerklich einsetzende Silberentwertung von den Edelmetallspekulanten benützt worden ist, dieses Metall durch Ausmünzung zum Goldpreis abzusetzen, so dürfe doch nicht außer acht gelassen werden, daß sich Belgien infolge des Deutsch-Französischen Krieges in finanzieller Beziehung in einer besonderen Lage befunden habe.  Als nach der Kriegserklärung der Papiergeldzwangskurs in Frankreich eingeführt wurde, sah sich die Belgische Nationalbank genötigt, schleunigst und mit großen Kosten Silberbarren auszumünzen, um ihren Kassenbestand in Metallgeld innerhalb der vorgeschriebenen Grenzen zu halten.  Als infolge des Krieges auch in der Schweiz das Metallgeld verschwand, war diese mangels der für die Silberausprägung nötigen Maschinen gezwungen, durch die Bundesratsbeschlüsse vom 30. Juli und 10. August 1870 für die englischen Sovereigns und die amerikanischen Dollars einen gesetzlichen Kurs festzusetzen.  Der besonders hohe Betrag an Silberausprägungen in Belgien im Jahre 1873 von 111 Millionen Fr. in Fünffrankenstücke sei auf die französische Kriegsentschädigung zurückzuführen gewesen.  Denn die Abgabe von 5 Milliarden Fr. habe ihren Einfluß auch auf die Münzverhältnisse im benachbarten Belgien ausgeübt.  Die zur Zahlung der Kriegsentschädigung notwendigen Wertpapiere und Münzen seien auch aus Belgien gezogen worden.  Um der daraus entstehenden Knappheit an Umlaufsmitteln vorzubeugen, habe man zur Silberausprägung gegriffen, und die in Belgien geschlagenen Fünffrankenstücke seien gerade recht gekommen, um die Lücken auszufüllen, die sich im Münzumlauf Frankreichs gebildet hatten; das sei um so leichter geschehen, als das französische Publikum bei der Übernahme der belgischen Stücke keine Schwierigkeiten machte.  Ferner bestehe kein Zweifel darüber, daß das belgische Silber auch in der Schweiz die Wirkung der 1870 eingetretenen Krisis im Münzwesen abgeschwächt habe.

Der belgische Delegierte Pirmez suchte in einer Rede im belgischen Abgeordnetenhause den die Liquidationsklausel ablehnenden Standpunkt Belgiens zu rechtfertigen, indem er hauptsächlich die Rechtslage beleuchtete und zum Ausdruck brachte, daß eine Rücknahme der geprägten Fünffrankenstücke dem Geiste der Konvention von 1865 und 1878 widerspreche.  Er erinnerte daran, daß das System der Doppelwährung entgegen den Anstrengungen Belgiens in den Vertrag von 1865 gekommen, und daß dieses die Negation einer Liquidation sei, da das gemeine Recht die Gold- und die Silbermünze auf den gleichen Fuß stelle und beiden die gleiche Kraft der Befreiung aus einem Schuldverhältnisse gewähre.  Der beste Beweis dafür, daß den Urhebern der Vertrage von 1865 eine spätere Rückzahlung nie vorgeschwebt habe, sei die Sorgfalt, mit welcher die Ausgleichung der Scheidemünzen geregelt worden sei.  Zwischen den Scheidemünzen und den Fünffrankenstücken müsse ein Unterschied gemacht werden; letztere seien Vollmünzen, deren Nennwert dem Metallwert gleich zu betrachten sei.  »Le porteur n’a sur elle qu’un droit de propriété, un droit exclusivement réel que les jurisconsultes appellent jus in re.«  Die Scheidemünzen dagegen haben »une nature fiduciaire; elles donnent au porteur plus que le métal qui les compose; il a un droit d’obligation contre l’État qui les a émis, c’est-à-dire un jus in personam«.  Pirmez folgerte aus der Unterscheidung zwischen Vollmünzen und Scheidemünzen, daß die Einwechslung von silbernen Fünffrankenstücken gegen Goldmünzen, also ein Austausch zwischen Vollmünzen, dem Charakter der Doppelwährung widerspreche.  Denn, folgerte er weiter, wie soll es denkbar sein, daß ein Staat, der seine Münzstätte jedermann öffnet, um Gold oder Silber zur Ausprägung zu bringen, sich auf unbestimmte Zeit verpflichte, das Metall, welches am wenigsten wert ist, gegen dasjenige, welches mehr wert ist, auszutauschen; Gold denjenigen auszuhändigen, welche es pünktlich wieder exportiert haben würden, um es durch Silber zu ersetzen, oder das Gold, welches man ausgeprägt hätte, um damit das Silber zu ersetzen, in Silber umzuwechseln ?  Die Zustimmung Belgiens zur Liquidationsklausel von 1878 sei nur angesichts des Zwangskurses in Italien erfolgt, und jedermann sei damals der Meinung gewesen, daß nach dem Aufhören des Zwangskurses in Italien die Liquidationsklausel gegenstandslos sei.  Nun wolle man Belgien zwingen, all die Silberstücke zurückzunehmen, weil das weiße Metall sich seit Jahren in der Entwertung befinde.  Dabei sei noch bestritten, ob eine Silberentwertung oder eine Steigerung des Goldwertes bestehe.  Jedenfalls sei noch nicht dargetan worden, daß das Silber an sich, wenn man seinen Metallwert zugrunde legt, an Zahlungskraft eingebüßt habe.  Der Käufer, der für einen gekauften Gegenstand Silber hingebe, leiste keine Garantie, daß dieses Tauschmittel nicht an Wert verliere.  Die Preise der Edelmetallmärkte seien stets Schwankungen unterworfen gewesen, aber es sei bis jetzt nicht bekannt geworden, daß aus diesem Grunde eine Entschädigung bezahlt worden sei.

Es ist Belgien zum Vorwurf gemacht worden, daß es seine Münzstätten etwas zu entgegenkommend geöffnet habe; hätte aber Belgien nicht so gehandelt, so würde man gesagt haben, daß Belgien sich einer freien Entfaltung der Doppelwährung gegenüber ablehnend verhalte.

Überdies sei die Herstellung von Silbergeld nicht nur für Belgien, sondern auch im Auftrag der Schweiz erfolgt; es müßte doch merkwürdig zugehen, wenn man Belgien alle Nachteile und alle Gefahr für Abnützung und Entwertung für Münzen austragen lassen wollte, die für den Bedarf eines anderen Staates erforderlich gewesen waren.  Die Aufnahme einer Liquidationsklausel müsse Belgien ablehnen, wenn es fernerhin Mitglied der Lateinischen Münzunion bleiben solle.

6. Die Antwort auf die belgischen Vorschläge

Während Pirmez behauptete, daß die Liquidationsklausel dem System der Doppelwährung zuwiderlaufe, bezeichneten seine Gegner die Klausel gerade als eine Folge der Doppelwährung.  Es wurde von Frankreich, Italien und der Schweiz anerkannt, daß im Vertrag von 1865 den beiden Metallen eine gleichmäßig befreiende Wirkung nur unter der stillschweigenden Voraussetzung zugestanden worden ist, daß das Wertverhältnis zwischen den beiden Metallen nicht gebrochen werde.  Durch die Veränderung der Spannung zwischen Gold- und Silberwert sei die Frage der Liquidationsklausel mehr eine Frage der Billigkeit und Gerechtigkeit, als eine Interessenfrage.  Frankreich erkläre sich mit der Liquidationsklausel einverstanden, auch gegenüber der Schweiz, obwohl dieses Land den größten Vorteil daraus ziehe, weil es sich für seinen internen Münzumlauf zum größeren Teil der fremden Münzen bediene.  Während man 1878 die Liquidationsklausel eingeführt habe, um zwecks Aufrechterhaltung der Union zu einer Verständigung zu kommen, finden sich jetzt (1885) die Verhältnisse gerade umgekehrt; man messe der Liquidation eine größere Wichtigkeit bei als der Aufrechterhaltung des Vertrags.  Auch gehe aus den Verhandlungen beim Kongreß von 1878 hervor, daß man es als selbstverständlich betrachtet habe, daß jedes Land im Falle der Auflösung der Union seine Taler zurücknehme.

Es wurde zwar zugegeben, daß die Liquidationsklausel für Belgien von großer Tragweite sein könne; aber auch hervorgehoben, daß gerade die Aufnahme einer solchen sichernden, allseitig beruhigenden Bestimmung die beste Garantie für eine unbegrenzte Fortdauer der Konvention und daher für den Nichteintritt der von Belgien befürchteten Folgen in sich schließe.  Denn eben die jedermann zu gebende Beruhigung sichere dem übergroßen Vorrat an silbernen Fünffrankenstücken auch ferner die größtmöglichste Umlaufsfähigkeit und beseitige zugleich einen der hauptsächlichsten Gründe, welche für die Auflösung der Union ins Feld geführt würden.

Unmöglich könnten die Vertragsstaaten dem Publikum den aus der großen Entwertung dieser Münze entstehenden Verlust, der gegenwärtig ungefähr 20 % betrage, überbürden.  Das würde trotz dahin gefallener Äußerungen Belgien als Staat auch nicht einmal für den Fall zu tun wagen, wenn es sich entschlösse, dem Münzverbande ferner nicht mehr angehören zu wollen.

Pirmez glaubte, daß die Abwanderung der belgischen Taler einzig der Veränderung der Wechselkurse zuzuschreiben sei, auch zahle Belgien seine Zinsen in Talern, während Frankreich hiezu Gold benutze.  Es bestehe überdies ein großes Mißverhältnis zwischen den Ausprägungen und dem tatsächlichen Bedürfnis des Landes in Silber.

Lardy, der schweizerische Delegierte, stellte fest, daß die Schweiz 1878 lediglich mit Rücksicht auf Italien nicht auf der Einführung einer Liquidationsklausel bestanden habe, daß es aber heute (1885), wo die Silbertaler nur noch einen gesetzlichen Wert haben, auf der Garantie seitens des ausprägenden Staates bestehen müsse.  Er sei gegenteiliger Meinung wie sein belgischer Kollege, welcher die Klausel für ungeeignet halte.  Gerade die Weigerung Belgiens, die Rücknahmeverpflichtung anzuerkennen, beweise, daß eine Liquidationsklausel notwendig sei.

Ellena, der italienische Delegierte, fand die Einführung der Klausel gerecht und passend.  1878 konnte man noch hoffen, daß das weiße Metall seinen ursprünglichen Wert wieder erlange; aber nach dem Scheitern der internationalen Konferenz von 1881 dürfe man sich keinen Täuschungen mehr hingeben.  Heute, wo die Hoffnungen auf einen reinen Bimetallismus geschwunden oder doch beträchtlich vermindert seien, sei es die Pflicht der Lateinischen Münzunion, den Zahlungswert des Silbers zu retten, und um diesen Zweck zu erreichen, gebe es kein besseres Mittel, als dem Publikum vor Augen zu führen, daß ein Fünffrankenstück stets auch zu 5 Fr. eingelöst werde, unabhängig davon, wie der Silberpreis stehe.  Die Liquidationsklausel könne nur dazu beitragen, daß die Stellung des Silbers verbessert werde.

So blieb Belgien allein mit seiner ablehnenden Haltung der Liquidationsklausel gegenüber; um aber zu einer Verständigung die Hand zu bieten, schlug Belgien vor, man möge im Falle einer Auflösung der Lateinischen Münzunion vor allen Dingen dem natürlichen Ausgleich auf dem Handelswege die Türe öffnen, ohne damit eine spätere vertragliche Abmachung auszuschließen, und lediglich gegen eine sofortige Demonetisierung der Fünffrankentaler Maßnahmen treffen.

Der Vorschlag Belgiens fand keine Billigung; zwischen den beiden Vorschlägen Frankreichs und Belgiens bestand ein grundlegender Unterschied : Frankreich wollte eine förmliche und klare Verpflichtung aller Staaten untereinander, m.a.W. die kontraktliche Liquidationspflicht unter bestimmten Bedingungen und Fristen festlegen.

Belgien verlangte den natürlichen Ausgleich und gewisse Garantien gegen eine Demonetisierung der Fünffrankentaler, aber keine Rückzahlungsverpflichtung.

Beide Staaten hielten an ihrer Auffassung fest.  Da somit eine Verständigung auf einer mittleren Linie ausgeschlossen war, rief Belgien seine Delegierten zurück [75].

Man verfehlte nicht, die belgischen Vertreter auf die Folgen des Austritts aus der Union aufmerksam zu machen.  Sie wurden darauf hingewiesen, daß an die Stelle einer vertraglichen Liquidation, die im schlimmsten Fall erst auf den Moment der Auflösung des nunmehr für eine neuere längere Dauer abzuschließenden Vertrags in Aussicht stände, die sofortige natürliche Liquidation träte, da die übrigen Staaten ohne Verzug die belgischen Fünffrankenstücke aus ihrem Verkehr ausschließen müßten.  Die belgischen Delegierten verließen jedoch am 1. August 1885 die Sitzung.

Als die Angelegenheit am 11. August 1885 in der belgischen Abgeordnetenkammer zur Sprache kam, wurde das Verhalten der belgischen Abgesandten auf der Konferenz von der Kammer einstimmig gebilligt.  In der belgischen Öffentlichkeit fand jedoch die Stellungnahme der Regierung keineswegs ungeteilten Beifall.

Belgien wollte durch seine Weigerung, die auf die Liquidation bezügliche Klausel zu unterzeichnen, vermeiden, daß es für die Aufzahlung einer beträchtlichen Summe auf den Wert der zurückfließenden Taler Mittel bereit stellen müsse.  Diese Gefahr war jedoch nicht so groß, daß sie den Austritt Belgiens rechtfertigte; denn es hätte immer noch die Möglichkeit bestanden, durch Hinausschieben des Zeitpunkts der Liquidation die entstehenden Kosten auf einen längeren Zeitraum zu verteilen.  Es war ein Fehler, daß während der Beratung niemand daran gedacht hatte.

So konnte es kommen, daß Belgien, nachdem es aus der Lateinischen Münzunion ausgeschieden war, damit umging, sein Münzsystem zu ändern und zur Goldwährung überzugehen, was ein großer Teil der belgischen Bevölkerung schon längst wünschte.  Dazu war notwendig, daß es seine belgischen Taler zurücknahm und einschmolz.  Es ergab sich, daß der dadurch entstehende Verlust größer war als derjenige, dem sich Belgien aussetzte, wenn es in der Lateinischen Münzunion blieb und die Liquidationsklausel unterzeichnete.  Der Austritt aus der Union unter Beibehaltung der Doppelwährung hätte ferner das Zurückfließen der belgischen Taler nach sich gezogen, die ihr Umlaufsrecht in den übrigen Ländern verloren hätten.  Die Schuldner Belgiens hätten mit ihren Vorräten an belgischen Fünffrankentalern bezahlt, während Belgien die Regelung seiner Verbindlichkeiten hätte in Gold vornehmen müssen.  Aus Frankreich, Belgien und der Schweiz waren die Taler in Mengen herbeigeflossen.

Nachdem die belgischen Delegierten sich zurückgezogen hätten, kamen Frankreich, Italien, Schweiz und Griechenland überein, die Münzkonvention auf weitere fünf Jahre zu verlängern und nahmen folgende von Frankreich vorgeschlagene Liquidationsklausel an (Art. 14) :

»Im Falle der Kündigung des gegenwartigen Vertrags ist jeder der Vertragsstaaten gehalten, die von ihm ausgegebenen silbernen Fünffrankenstücke, wenn sich solche bei den anderen Staaten im Umlauf oder in den öffentlichen Kassen derselben befinden, zurückzunehmen und dafür an diese Staaten einen Betrag auszuzahlen, der dem Nennwert der dafür zurückgenommenen Stücke gleichkommt; alles gemäß den Bedingungen, wie sie in einer besonderen, dem gegenwärtigen Vertrag angehörigen Vereinbarung des Näheren festgesetzt sind.«

Der Inhalt der Vereinbarung betr. die Ausführung des Art. 14 des Vertrags vom 6. November 1885 enthält folgende Bestimmungen :

Art. 1 : Während des Jahres, welches auf das Erlöschen des Vertrags folgt, ist zur Auswechslung und zur Heimsendung der silbernen Fünffrankenstücke zu schreiten, welche in den verschiedenen Staaten in gleichen Mengen vorhanden sein mögen.

Art. 2 : Enthält die Aufzählung der Auswechselungsstellen.

Art. 3 : Jeder Vertragsstaat zieht die Fünffrankenstücke mit fremdem Gepräge bis 1. Oktober des auf das Erlöschen des Vertrags folgenden Jahres aus dem Verkehr.  Von diesem Zeitpunkt an dürfen von den öffentlichen Kassen außerhalb des Ursprungslandes keine Fünffrankenstücke, die umzutauschen sind, für Rechnung des Ausgabestaates mehr angenommen werden.  Am 15. Januar des folgenden Jahres ist nach vollzogener Ausgleichung der gleichen Mengen von Fünrfrankenstücken die Rechnung betr. die aus dem Verkehr gezogenen Münzen nach Nationalitäten in jedem der Staaten abzuschließen und gegenseitig mitzuteilen.  Der Überschuß an Münzen ist von dem Staate, der ihn besitzt, demjenigen Staate, der die Münzen geprägt hat, bis zur Zurückziehung zur Verfügung zu halten.

Art. 4 : Die nach dem vorhergehenden Artikel erforderliche Rückzahlung soll in Gold oder in silbernen Fünffrankenstücken vom Gepräge des Gläubigerstaates oder in Tratten geschehen, die in diesem Staate, sei es in gleichen Münzen, sei es in Banknoten, die daselbst gesetzlichen Kurs haben, zahlbar sind.  Die zurückzuzahlenden Summen sind vom genanntenTag an (15. Januar) im 2., 3. und 4. Jahr mit je 1 %, im 5. Jahr mit 1 ½ % pro Jahr zu verzinsen.  Die Rechnungen sollen in spätestens 5 Jahren vom Tag des Erlöschens des Vertrages an zur Bereinigung kommen.

Art. 5 : Alle Transportkosten sind von jedem Staate bis an seine Landesgrenzen zu tragen.

Art. 6 : Enthält (mit Rücksicht auf die besonderen Verhältnisse bei der Schweiz) Sonderbestimmungen über den Austausch zwischen der Schweiz und Frankreich bzw. der Schweiz und Italien.  Der metallene Geldumlauf der Schweiz bestand zur Zeit des Abschlusses des Vertrags – von den Scheidemünzen abgesehen – zu mehr als der Hälfte aus silbernen Fünffrankenstücken.  Von denselben waren 98 % nichtschweizerischen Gepräges.  Falls die Lateinische Münzunion zu jener Zeit ihr Ende erreicht hätte, würde sich die Schweiz infolge der geringen Ziffer ihrer eigenen Prägung an Fünffrankenstücken (10 Millionen Fr.) und gemäß den Bestimmungen in Art. 3 und 4 der Vereinbarung in die unerträgliche Lage versetzt gesehen haben, binnen 9 Monaten (bis 1. Oktober) die bei ihr in Umlauf befindlichen schätzungsweise 80 Millionen Fr. betragenden Fünffrankenstücke einlösen zu müssen, dagegen aus dem Auslande an schweizerischen Fünffrankenstücken höchstens 8 Millionen im Austausch zu empfangen und den Rest von 70 Millionen vielleicht 5 Jahre lang gegen 1-1 ½ % Zinsvergütung zur Verfügung zu halten.  Dies hätte entweder eine sehr belastende Anleihensaufnahme oder eine ganz unzulässige Verminderung des metallenen Umlaufs auf die Dauer mehrerer Jahre zur Folge gehabt.  Zwischen der Schweiz und Frankreich wurde vereinbart, daß die an Frankreich zurückzugebenden französischen Franken in Wertmengen von mindestens 1 Million und höchstens 10 Millionen Fr. von Frankreich Zug um Zug entweder in schweizerischen Fünffrankenstücken oder in Goldstücken zurückbezahlt werden.  Im ganzen sollen jedoch die Zahlungen Frankreichs in Gold an die Schweiz nicht mehr als 60 Millionen Fr. ausmachen.

Zwischen der Schweiz und Italien wurde ein ähliches Verfahren vereinbart, mit dem Unterschiede, daß die seitens der Schweiz zur Ablieferung zu gebenden Quoten sich im Werte zwischen 500.000 und 2 Millionen Fr. halten sollen und außer in schweizerischen Silberfünffrankenstücken und Gold auch in Tratten auf gewisse schweizerische Plätze bezahlt werden dürfen.  Die von Italien an die Schweiz zu leistenden Rückzahlungen sollen im allgemeinen jeweils mindestens zu zwei Dritteilen in Gold und schweizerischen Fünffrankenstücken, für den Rest in Tratten bestehen.  Im ganzen sollen die Zahlungen an die Schweiz in Gold und silbernen Fünffrankenstücken nicht mehr als 20 Millionen betragen.  Der unterm 6. November 1885 zwischen Frankreich, Schweiz, Italien und Griechenland (ohne Belgien) abgeschlossene Münzvertrag enthält gegenüber demjenigen vom 5. November 1878 folgende Änderungen und Zusätze :

1.  Die geänderten Bestimmungen betr. die abgenutzten silbernen Fünffrankenstücke (Art. 3 Abs. 3).

2.  Die erweiterten Vorkehrungen für den ungehinderten Umlauf der silbernen Fünffrankenstücke im gesamten Gebiet der Union.

3.  Bei einer Wiederaufnahme der freien Silberprägung durch eines der übrigen Länder hat die Schweiz, falls es auf der in Art. 8, IV vorgesehenen vorherigen Konferenz mit den anderen Unionstaaten zu keiner Verständigung kommt, das Recht, vor Ablauf des Vertrages aus der Union auszutreten.  Diese Freiheit ist jedoch an die Voraussetzung geknüpft, 1. daß während der Dauer von vier Jahren der Art. 14 der Konvention nebst dazu gehöriger Spezialvereinbarung gegenüber den Staaten, die die freie Silberprägung nicht aufgenommen haben, nicht anwendbar ist, 2. daß die Silbermünzen der genannten Staaten während des gleichen Zeitraums in der Schweiz auch ferner gemäß den Bestimmungen des Vertrags zirkulieren dürfen, 3. daß die Schweiz selbst innerhalb der vier Jahre die freie Prägung der silbernen Fünffrankenstücke nicht wieder aufnimmt (Art. 8).

4.  Die Wiederaufnahme der freien Prägung von silbernen Fünffrankenstücken durch einen der Staaten bleibt unbenommen, wenn der betreffende Staat während der ganzen Dauer des gegenwärtigen Vertrags den anderen Vertragsstaaten auf ihr Verlangen die von ihm geprägten, auf ihrem Gebiet zirkulierenden silbernen Fünffrankenstücke in Gold und auf Sicht auswechsle und rückzahle.  Den anderen Staaten steht es übrigens frei, die Fünffrankenstücke jenes Staates nicht mehr anzunehmen.  Wenn ein Staat diese Ausprägung wieder aufnehmen will, so soll eine Konferenz mit den anderen Unionstaaten vorhergehen, um die Bedingungen dieser Wiederaufnahme festzustellen; das Zustandekommen einer Verständigung ist jedoch keine Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Ausprägung.  Diese harten Bedingungen waren ein wirksames Vorbeugungsmittel gegen eine erneute Vermehrung an Fünffrankenstücken.

5.  Gemäß Art. 11 übernimmt die französische Regierung den Auftrag, alle auf die Emission von Münzen, Produktion und Konsumtion von Edelmetallen, auf Münzumlauf, Falschmünzerei und Beschädigung von Münzen bezüglichen administrativen und statistischen Dokumente zusammenzustellen und den anderen Regierungen Abschriften davon zu übermitteln.

Der neue, von Belgien zunächst nicht unterzeichnete Vertrag galt mit Wirkung vom 1. Januar 1886 an und hatte bis 1. Januar 1891 in Kraft zu bleiben.  Dem Vertrag ist außer der Vereinbarung betr. Ausführung des Art. 14 noch eine Erklärung beigefügt, welche enthält :

1.  Die Verpflichtung der hellenischen Regierung, während des Bestehens des Zwangskurses in Griechenland, die freie Ausprägung von Silberstücken nicht wieder aufzunehmen, nach der Aufhebung nicht ohne vorausgehende Verständigung mit Frankreich und Italien mit der Ausprägung zu beginnen.

2.  Die Schweizerische Bundesregierung erklärt, daß die in Art. 12 des heute abgeschlossenen Münzvertrags aufgestellte Verpflichtung, wonach den silbernen Fünffrankenstücken der nicht zur Union gehörenden Staaten der gesetzliche Kurs zu entziehen ist und diese Stücke weder an den öffentlichen Kassen noch bei den Emissionsbanken angenommen werden sollen, nur innerhalb der Schranken der eidgenössischen Gesetzgebung über die Emissionsbanken erfüllt werden kann.

Das Schlußprotokoll enthält 1. Verhaltungsmaßregeln für den Fall, daß Belgien dem Vertrage nachträglich nicht beitreten sollte : Es bleibt den Vertragsstaaten die Befugnis überlassen, wenn sie es im Interesse ihrer Landesangehörigen für nötig erachten, die belgischen silbernen Fünffrankenstücke während einer Frist von höchstens drei Monaten, vom Erlöschen des Vertrags von 1878 an gerechnet, bei den öffentlichen Kassen anzunehmen und an den Emissionsbanken zuzulassen.  Jede der Vertragsparteien behält sich volle Handlungsfreiheit vor in bezug auf die Heimsendung der genannten Münzen auf dem natürlichen Wege des Austausches.

2.  Bestimmung darüber, daß Vereinbarungen eines Vertragsstaates mit der belgischen Regierung oder mit der belgischen Nationalbank über Heimsendung der belgischen Silberfünffrankenstücke den anderen Unionstaaten zur Zustimmung vorzulegen sind.

Das weitere Verhalten Belgiens

Die notwendige Folge des Fernbleibens Belgiens aus der Münzkonvention wäre gewesen, daß Belgien nach Ablauf der Konvention von 1878 (31. Dezember 1885) den Vorrat an belgischen Fünffrankenstücken hätte zurücknehmen müssen, der in den andern Ländern nach Auswechslung der in Belgien kursierenden Fünffrankenstücke aus diesen Ländern noch verblieben wäre.  Daß Frankreich auf der Durchführung dieser Maßnahme bestehen bleiben würde, darüber herrschte kein Zweifel.  Nach den Bestimmungen des Schlußprotokolls schien auch eine Einzelverständigung Belgiens mit den vier übrigen Staaten sehr erschwert, wenn nicht überhaupt ausgeschlossen zu sein.

Für Frankreich war jedoch die weitere Haltung Belgiens von großer Wichtigkeit; blieb dieses außerhalb der Lateinischen Münzunion, so hätte dies einen Erfolg mehr für Deutschland bedeutet, welches dann aus den Trümmern der Union seinen Nutzen gezogen und versucht hätte, Belgien zu einer Münzunion auf Goldbasis mit Deutschland zu bewegen [76].

Die im Auftrag der Lateinischen Münzunion seitens Frankreich alsbald aufgenommenen Unterhandlungen mit Belgien und deren Erfolg bildeten den Gegenstand einer zweiten noch im gleichen Jahre stattfindenden Konferenz, auf welcher eine mildere Form für die Einlösung der belgischen silbernen Fünffrankenstücke vereinbart wurde.  Durch die von allen fünf Staaten unterzeichnete Zusatzakte vom 12. Dezember 1885 mit 8 Artikeln erklärte Belgien seinen Eintritt in den Münzvertrag vom 6. November 1885 und unterwarf sich den darin enthaltenen Bestimmungen einschließlich Deklaration und Vereinbarung unter folgenden Abänderungen :

In Art. 3, Abs. 2 wird Belgien ausnahmsweise gestattet, aus einzuschmelzenden Fünffrankenstücken 5 Millionen Fr. Silberscheidemünzen (2, 1 und ½ Fr.-Stücke) anzufertigen.

Art. 4 bestimmt in Abweichung von den Bestimmungen über den Zeitpunkt der Zurückziehung (Art. 3 und 4 der Ausführungsübereinkunft) : Wenn am 15. Januar des auf die Auflösung des Vertrags folgenden zweiten Jahres die französische Regierung nach vollzogener Ausgleichung sich noch im Besitz eines Restes belgischer Fünffrankenstücke befindet, so soll derselbe in zwei gleich große Teile geschieden werden.  Die belgische Regierung ist alsdann gehalten, die Hälfte dieses Restes nach Maßgabe des Art. 4 der Vereinbarung zurückzubezahlen.  Sie verpflichtet sich, an ihrem Münzwesen keinerlei Veränderungen vorzunehmen, welche die Zurückleitung der anderen Hälfte auf kommerziellem Wege und vermittels Austausches hemmen könnte.  Diese Verpflichtung dauert fünf Jahre vom Zeitpunkt der Auflösung der Union an gerechnet.  Belgien kann sich dieser Verpflichtung entheben durch eine andere, die darin besteht, die zweite Hälfte nach Maßgabe des Art. 4 der Vereinbarung zurückzuzahlen.  Belgien behält sich die Befugnis vor, in seiner Münzgesetzgebung diejenigen Änderungen vorzunehmen, welche in der französischen Münzgesetzgebung eingeführt würden.

Die belgische Regierung garantiert dafür, daß der Restbetrag 200 Millionen Fr. nicht übersteigen wird; sollte sich ein Überschuß zeigen, so würde derselbe nach Maßgabe des Art. 4 der Vereinbarung zurückbezahlt werden.

Im Falle dagegen die belgische Regierung im Zeitpunkt der Auflösung der Union im Besitz eines Restes französischer silberner Fünffrankenstücke sein sollte, so behält sich die französische Regierung die Befugnis vor, gegenüber Belgien die Anwendung der in diesem Artikel enthaltenen Vorschriften in Anspruch zu nehmen.

Über die Tragweite dieses Art. 4 der Zusatzakte ist folgendes zu bemerken : Der gesamte Überschuß an belgischen Fünffrankenstücken wird auf 200 Millionen Fr. geschätzt.  Die Rückzahlung der 1. Hälfte des Restes an Fünffrankenstücken, der im Besitze Frankreichs wäre, hat den Bestimmungen des Art. 4 der Vereinbarung entsprechend in Gold, französischen Fünffrankentalern und Tratten auf Frankreich zu erfolgen.  Die Rückzahlung der 2. Hälfte hat »auf kommerziellem Wege und im Wege des Austausches« zu erfolgen.  Gemeint war damit nach einer Erklärung des Direktors der Bank von Frankreich die Operationen der Banken und der Ankauf von Titeln.  Wenn also die Bank von Frankreich von ihrem Vorrat an belgischen Talern eine großere Menge valorisieren wollte, so könnte sie dies ohne Rücksicht auf Wechselkurs usw. tun, indem sie einfach die Summe an eine der mit ihr in Verbindung stehenden Banken in Brüssel übermittelte mit dem Auftrag, ihr den Betrag auf ihrem Konto-korrent gutzuschreiben und dafür Papiere auf Paris, Berlin, London usw. zu kaufen.  Die Brüsseler Bank wird sich beeilen, die sperrigen Fünffrankentaler auf die belgische Nationalbank zu tragen, welche ihr die eingezahlten Mengen gutschreiben muß, da sie ja den bestimmten Auftrag hat, Münzen belgischer Prägung anzunehmen.  Mit dem hiedurch erworbenen Guthaben bezahlt die Bank die für Rechnung und auf Weisung der französischen Regierung gekauften Wertpapiere.  Die Taler selbst werden in der Belgischen Nationalbank noch bleiben müssen, denn es versteht sich von selbst, daß sie dem Bargeldumlauf nicht zugeführt werden können, um so mehr, als ihr ja schon 100 Millionen vorangegangen sind, die barbezahlt werden mußten.  Durch Verwertung der in Brüssel gekauften Papiere auf fremden Plätzen wird die französische Regierung den Gegenwert in Gold erhalten und bei der ganzen Angelegenheit lediglich die Versand- und Bankspesen zu tragen haben, die im Vergleich zu dem Verlust der Silberentwertung unbedeutend sind.  Die Zurückführung der zweiten Hälfte von 100 Millionen wird sich mit ganz geringen Kosten und ohne Rückstand innerhalb der fünf Jahre vollziehen, auf welche die Dauer der Liquidation berechnet ist.

Der Fassung der Liquidationsbedingungen konnte Belgien nichts entgegenhalten, da sie auf einem von den belgischen Delegierten gemachten Vorschlag beruhte.  Belgien hat die Bedingungen angenommen, und der Gefahr, bei Beendigung des Vertrags vor einer Katastrophe zu stehen, zu entgehen.  Denn es war bekannt, daß die Bank von Frankreich nach und nach belgische Fünffrankenstücke im Wert von 170 Millionen Fr. angehäuft hatte.  Sie drohte, im Falle der Nichterneuerung des Vertrags, Belgien unter dieser Masse zu erdrücken [77].  Um den Wechselkurs auf der Goldbasis zu erhalten, wäre die belgische Regierung gezwungen gewesen, die ganze Menge der zurückgeflossenen Taler aufzubewahren und zur Zahlungsleistung an Frankreich eine Anleihe in gleicher Höhe aufzunehmen.  An eine Verwertung dieser Silbermenge etwa auf dem Londoner Markte war gar nicht zu denken; der Verlust, der entstanden wäre, hätte sich bei der bestehenden Unterbewertung des Silbers (20-22 %) für Belgien auf 40-50 Millionen Fr. belaufen.  Es war auch zu befürchten, daß ein plötzlicher Bruch mit der Münzunion große Schwierigkeiten in den Bankgeschäften herbeiführen würde.  Hatte doch schon die Aussicht auf den bevorstehen den Austritt aus dem Münzbunde genügt, um eine sehr fühlbare Unruhe in den Wechselkursen hervorzurufen.  In den Fakturen zu den Warenlieferungen für Belgien wurde teils Goldzahlung, teils die Eröffnung von Krediten in London oder Paris verlangt.  Eine starke Haussebewegung des französischen Wechselkurses war die Folge.  Belgien hatte also allen Grund, die Verbindung mit der Münzunion aufrechtzuerhalten und sich den Liquidationsbedingungen zu unterwerfen, andernfalls waren die Folgen, insbesondere für Antwerpen, verheerend gewesen [78].

Die umstrittene Liquidationsklausel hat weit über die beteiligten Kreise hinaus die Aufmerksamkeit der Geldtheoretiker und der Männer der Praxis erregt.  Es bildeten sich zwei Lager : Die einen sagten, den Schaden der Metallentwertung tragt der Staat, der die Münzen prägte, gänzlich allein (Frankreich), die zweite Gruppe sagte : der Schaden muß auf die Mitglieder der Münzunion umgelegt werden.  Janssen vertritt die Meinung, daß die Konferenz von 1865 ein einheitliches Münzgebiet habe schaffen wollen; die für alle öffentlichen Kassen bestehende Annahmepflicht sämtlicher umlaufenden Fünffrankenstücke mußte jede Unterscheidung zwischen dem nationalen und dem Gepräge der Mitgliedsstaaten verschwinden lassen, ein Unterschiedsbegriff bestand nicht mehr.  Die Vereinheitlichung des Münzumlaufs sei ja der Zweck des ganzen Vertrags gewesen.  Es hätte überhaupt den tatsächlichen Verhältnissen am besten entsprochen, wenn die Münzen mit einem besonderen Prägestempel hergestellt worden wären, der etwa eine Zusammenstellung der Wappen der Staaten gezeigt hätte.  In Wirklichkeit könne man nicht von belgischen, französischen usw. Münzen sprechen, sondern nur von solchen der Lateinischen Münzunion.  Die einzige billige und gerechte Lösung wäre die Gesamthaftung der Mitgliedsstaaten nach Maßgabe der Bevölkerungszahl der Staaten gewesen.  Zu demselben Ergebnis kommt Helfferich in einer Abhandlung »Über die rechtliche Natur eines mehreren Staaten gemeinsamen Geldes« [79].  Er weist nach, daß die Ausprägung vollwertigen Geldes durch einen Staat an sich kein Grund für eine spätere Einläsung der Stücke abgeben könne; denn die Ausprägung sei juristisch indifferent; von juristischer Bedeutung sei lediglich die Schaffung gesetzlicher Zahlungsmittel, gleichgültig, ob es sich um Münzen oder um Papierscheine handle (S. 401).  Nur aus der Verleihung der Geldeigenschaft folge die staatliche Einlösungspflicht bei Entziehung des Geldcharakters.  Haben mehrere Staaten (z.B. die des Lateinischen Münzbundes) derselben Münzsorte (Fünffrankenstücke) nicht bloß die Geldeigenschaft verliehen, sondern die Stücke auch im Umlauf, so haben mehrere Rechtssubjekte (die Staaten) Einlösungsverpflichtungen gegenüber einer durchaus gleichartigen und einheitlichen Masse.  Die Einlösungsverpflichtung eines Staates bestehe aber nur gegenüber denjenigen, welche durch seine Autorität zur Annahme des betreffenden Geldes in Zahlung gezwungen oder veranlaßt worden sind.  Das wären nur die eigenen Staatsangehörigen.  Die Einlösungsverpflichtung eines jeden Staates erstreckt sich auf seinen tatsächlichen Geldumlauf.  Da derselbe statistisch nicht genau zu ermitteln ist, so dürfte es sich empfehlen, die bei der Einlösung eines mehreren Staaten gemeinsamen Geldes entstehenden Verluste auf die einzelnen Staaten nach Maßgabe ihrer Bevölkerung zu verteilen (S. 418).  Nach der Anschauung Helfferichs würde also Frankreich – entsprechend der größten Bevölkerungsziffer – den Hauptverlust zu tragen haben.  Mit einer solchen Regelung hätte sicherlich auch Belgien einverstanden sein können.  Im Nachteil würde sich aber die Schweiz befinden, deren Bevölkerungsziffer damals etwa gleich der Hälfte derjenigen Belgiens war.

VII.  Die Zusatzübereinkommen zum Vertrag von 1885

(1885-1913)

Die Ratifikation des Vertrags von 1885 bedeutete nichts anderes als die Aufhebung der alten Lateinischen Münzunion, an deren Stelle ein neuer Münzvertrag gesetzt wurde.  Die vertragsschließenden Staaten fanden sich nun an ein Münzsystem gebunden, welches die Einlösung von Silbergeld durch Gold vorsah, und es schien unwahrscheinlich, daß diese Bestimmung früher oder später durch eine internationale Vereinbarung über neue Silberausprägungen außer Kraft gesetzt werden könne.  Im ganzen genommen waren die Aussichten auf eine Stabilität des Vertrages besser geworden, als es für den alten Vertrag der Fall war.  Nicht nur die Schwierigkeiten der Goldliquidation waren eine Garantie für sein Weiterbestehen, auch die Rückkehr zu einer Silberwährung bot nichts verlockendes.  Die Länder suchten im Gegenteil ihren Goldvorrat und ihren Goldumlauf zu vergrößern.  Die Bank von Frankreich brachte ihren Goldvorrat 1887 auf 1.393 Millionen Fr., wohl mehr aus außenpolitischen als aus finanzpolitischen Gründen.  Auch die Schweiz ließ 1888 1 Million Fr. Gold in Zwanzigfrankenstücken ausprägen; die Zunahme des Verkehrs erforderte die Herstellung von 6 Millionen Fr. Silberscheidemünzen.

Italien hatte Ende der 80er Jahre unter einer Goldabwanderung zu leiden; der schlechte Stand des Wechselkurses führte zu einer Ausfuhr von gemünztem Gold, schließlich auch der Silbermünzen, und es traten bald wieder dieselben Verhältnisse ein, wie sie 1878/79 bestanden hatten.  Während des Jahres 1890 brachten die Berichte über die neue Silber-bill in Amerika eine nur kurz andauernde Steigerung des Silberpreises, welche die Bimetallisten zu unbegründeten Hoffnungen veranlaßte.  In Belgien wurde zur Prüfung der Frage eine Kommission eingesetzt [80], welche zu dem Schlusse kam, daß die großen Vorräte an Silber innerhalb der lateinischen Münzunion eine große Unzuträglichkeit für das Geschaftsleben darstellten; weitergehende Folgerungen wurden jedoch nicht gezogen.

1.  Die internationale Konferenz von 1892

Inzwischen hatte die Silberentwertung weitere Fortschritte gemacht.  Allein im Jahre 1892 verlor das Silber im Vergleich zum Gold 35 % des Wertes, welchen es 20 Jahre vorher gehabt hatte.  Für die ersten Jahre der Entwertung sind die Ursachen bereits erortert worden : Die deutsche Münzreform ist schuld, sagten die einen, die Einstellung der Silberprägung, sagten die andern.  Die wahre Ursache war die infolge technischer Ausbildung der Gewinnungsmethoden gesteigerte Produktion.  Es lag daher außer dem Bereich der Möglichkeit, das alle Wertverhältnis von 1 : 15 ½ wiederherzustellen.  Die Vereinigten Staaten von Amerika als Großlieferanten von Silber hatten aber ein erhebliches Interesse daran, den Silberwert nach Tunlichkeit so hoch als möglich zu halten, und es ist deshalb nicht zu verwundern, wenn die Einberufung einer internationalen Konferenz zur Ergreifung von Maßnahmen gegen die Silberentwertung von ihnen ausging.  Anfangs Mai 1892 wurden die Einladungen zur Teilnahme an einer Konferenz, die in Brüssel abgehalten werden sollte, versandt.  Die Einladungen gaben Anlaß, das Münzproblem in den verschiedenen gesetzgebenden Körperschaften der Vertragsländer zur Sprache zu bringen.  Es zeigte sich dabei, daß allenthalben recht wenig Neigung bestand, irgendwelche Schritte zu einer Änderung der nach dem Vertrag von 1885 geschaffenen Verhältnisse zu unternehmen.  In der Einladung des Präsidenten Harrison war der Zweck der Konferenz angegeben : »zu beraten, durch welche Maßnahmen der Verbrauch von Silber zur Ausprägung von Courantmünzen in den Münzsystemen der Länder vermehrt werden kann.«  Vor Beginn der Konferenz zeigte Leroy-Beaulieu [81], welch große Gefahr darin liegen müßte, wenn Frankreich durch internationale Verträge sich verpflichten würde, das Silber als gleichwertiges Zahlungsmittel wieder aufzunehmen.  Nach Frankreich würden ungeheure Silbermengen abfließen und das Gold verdrängen.  Es sei schon genug, durch die Lateinische Münzunion verpflichtet zu sein, und warnte vor einem Abkommen mit den die Goldwährung besitzenden Ländern Amerika und England, die nur den Zweck verfolgten, die Nachfrage nach Silber zu vergrößern in der geheimen Absicht, alle Silbermünzen nach Frankreich fließen zu lassen und das Gold an ihre Plätze zu ziehen.  Hiegegen erhoben sich scharf die Bimetallisten seines Landes, welche auf weitere Erfolge ihrer Ideen hofften.  In der Konferenz, die am 22. November 1892 eröffnet wurde, wies der französische Delegierte darauf hin, daß Frankreich bereits ein starkes Kontingent an Silbermünzen, nämlich 50 Fr. Silber pro Kopf der Bevölkerung, im Umlauf habe; er schlage vor, daß erst die außerhalb der Lateinischen Münzunion stehenden Länder ihren Silberumlauf verstärken sollten.  Dem Beispiel Frankreichs entsprechend verhielten sich auch die übrigen Länder der Lateinischen Münzunion ablehnend gegen jede Änderung des status quo.  Ein englischer Delegierter äußerte, daß wohl alle internationalen Bemühungen zur Stützung des Silberpreises zwecklos bleiben würden.  Nur zwei Länder, Holland und Spanien, welche beide nur geringe Vorräte an Gold hatten, zeigten eine gunstige Haltung.  Da ein positives Ergebnis nicht zu erzielen war, vertagte sich die Konferenz am 17. Dezember 1892 auf den 6. Juni 1893, trat jedoch nicht wieder zusammen.  So blieb die Konferenz ohne jeglichen Erfolg.

2.  Das Abkommen der Lateinischen Münzunion vom 15. November 1893 betr. die zweite Zurückführung der italienischen Münzen [82]

Italien sah sich bald aufs Neue vor die Notwendigkeit gestellt, den Zwangskurs bei sich einzuführen.  Schon 1881 wurde behauptet, daß die Aufhebung des Zwangskurses in Italien nur eine vorübergehende sein werde, daß die Ausgabe von Renten und neuen Anleihen nicht verfehlen würden, das Metallgeld wieder zur Abwanderung zu bringen, kaum daß man es nach Italien zurückgeführt hätte.  Die Wirtschaftskrisis, welche Italien in den Jahren 1888-1896 heimsuchte, verdankte man hauptsächlich einer industriellen Überspannung, und die Banken aller Art waren bald direkt oder indirekt gründlich und auf lange Sicht in Operationen verwickelt, welche nach kurzer Zeit sehr aleatorisch wurden.  Die Emissionsbanken insbesondere befanden sich vor einem tatsächlichen, wenn auch nicht gerichtlich ausgesprochenen Zusammenbruch.  Verschiedene ungünstige Umstände hatten zusammengewirkt, um das Maß voll zu machen.  Die kostspielige Kolonialpolitik in Abessynien verursachte einen Abmangel im Staatshaushalt; die öffentlichen Einnahmen verminderten sich andauernd, der auswärtige Handel ging zurück, mit Frankreich stand Italien im Zollkriege.  Diese verschiedenen Umstände mußten auf das Münzwesen einen unheilvollen Einfluß ausüben, das auf Gold gezahlte Agio erreichte 1893 12-14 %; außer den Courantmünzen in Gold und Silber gingen auch die Silberscheidemünzen außerhalb des Landes.  Eine betrachtliche Störung des inneritalienischen Verkehrs durch Kleingeldmangel und eine Überschwemmung der Vertragsstaaten mit italienischem Silber war die Folge.  Schon 1892, bei einem Goldagio von nur 2 bis 3 %, ergab eine Feststellung in der Schweiz, daß 49 % des Münzumlaufs an Scheidemünzen italienischen Gepräges waren.  Frankreich stellte durch Zählungen Mitte September 1893 in den südöstlichen Provinzen den Umlauf an italienischen Scheidemünzen auf 70 % des Gesamtumlaufs fest.

Die italienische Regierung wandte sich in einer Note vom 8. Juli 1893 an die Vertragsstaaten mit dem Ersuchen, ihr die italienischen Scheidemünzen wieder zuzuleiten, aber die in den Umlauf gegebenen Summen flossen alsbald wieder in die Vertragsstaaten ab.  Als die Verhältnisse ganz unhaltbar geworden waren, wandte sich Italien wieder an seine Mitkontrahenten und brachte zur Vereinbarung ähnlicher Maßnahmen, wie in den Jahren 1878/79, die Einberufung einer Konferenz in Vorschlag.  Auf dieser Konferenz, die im Oktober 1893 zusammentrat, bestand von Anfang an volle Bereitwilligkeit, dem Anträge Italiens zu entsprechen.  Einen Antrag Frankreichs, die Maßnahme betreffend die italienischen Scheidemünzen zu verallgemeinern und alle Scheidemünzen nur innerhalb ihres Prägelandes in gesetzlicher Zahlungskraft zu belassen, lehnten die Schweiz und Belgien mit Erfolg ab.  Schließlich wurde durch ein zwischen den fünf Vertragsstaaten abgeschlossenes Abkommen vom 15. November 1893 bestimmt, daß die belgische, französische, griechische und schweizerische Regierung während eines Zeitraums von vier Monaten nach dem Austausch der Ratifikationen die italienischen Silberscheidemünzen aus ihrem Münzverkehr ziehen und nach Ablauf dieser Zeit die Annahme solcher an den öffentlichen Kassen verweigern sollen (Art. 2).  Die so gesammelten Münzen wurden der italienischen Regierung übermittelt.  Diese hatte deren Wert innerhalb der drei auf jede Sendung folgenden Monate an die absendende Verwaltung zu bezahlen.  Diese Zahlungen hatten mindestens zur Hälfte aus Gold, zur anderen Hälfte in Tratten auf das Gläubigerland zu erfolgen.  Die italienische Regierung sollte 2 ½ % Zinsen jährlich von dem Tage an zahlen, an welchem sie von der zu ihren Gunsten erfolgten Ansammlung der Stücke Kenntnis erhielt.  Dieser Zins erhöhte sich auf 3% % für den Zeitraum, der mit dem 10. Tag nach Absendung der Silbermünzen begann und am Tage der wirklichen Zahlung oder des Eingangs der von Italien geleisteten Deckung endigte (Art. 4).  Die Übermittlung der Scheidemünzen und der Deckungen erfolgte von Regierung zu Regierung.  Jede einzelne der seitens der italienischen Regierung anzufordernden Sendung durfte den Betrag von 10 Millionen Franken erreichen.  Die italienischen Zusendungsbegehren gingen ausschließlich an Frankreich, welches beauftragt war, nach Eingang eines solchen den Betrag unter die anderen vier Staaten im Verhältnis zu den von jedem derselben angesammelten Summen zu verteilen (Art. 5).  Die italienische Regierung erklärte, daß sie sich nicht verpflichten könne, jeweils sofort die von den anderen Staaten als zurückgezogen angemeldeten Summen unter Bezahlung des Gegenwerts in Empfang zu nehmen.  Es werde sich unter Umständen um sehr hohe Beträge handeln, deren Remittierung momentan auf den Wechselkurs drücken könnte.  Italien wünsche daher, daß ihm hiefür gewisse Fristen gewährt würden.  Man gelangte zu folgender Fassung der Austauschbedingungen : »Die italienische Regierung verpflichtet sich, während der ersten 4 Monate nach Austausch der Ratifikationen einen Minimalbetrag von 45 Millionen Fr. und während jeder der folgenden dreimonatlichen Perioden einen Minimalbetrag von 35 Millionen seiner Scheidemünzen aufzunehmen und den Gegenwert bis zur vollständigen Erschöpfung der eingezogenen Beträge zurückzuzahlen« (Art. 6).  Die Rücksendung erfolgte also auf Abruf seitens Italiens, ausgenommen im Verkehr mit der Schweiz.  Nach Art. 8 des Übereinkommens erhält die Schweiz insofern ein Vorrecht, als sie mit einem Betrag von 15 Millionen Fr. an den ersten 45 Millionen, die Italien zu übernehmen hat, beteiligt ist, was zur Folge hat, daß die Schweiz in Bälde in den Besitz des Gegenwerts gelangt, um damit Ersatz für die in der Geldzirkulation entstehenden Lücken zu beschaffen.  Auch für die Vergütung des Wertes der aus der Schweiz gezogenen Silbermünzen wurden besondere Vereinbarungen getroffen : Während der ersten drei Monate übernimmt Italien je mindestens für 4 Millionen, im vierten Monat für 3 Millionen Fr. Silbermünzen.  Jede innerhalb dieser Grenzen gemachte Sendung von 500.000 Fr. bezahlt Italien spätestens in 10 Tagen.  Alle aus den Rücklieferungsmaßnahmen entstehenden Kosten trägt Italien allein.  Der Art. 14 der Konvention gibt den anderen Vertragsstaaten das Recht, von einem bestimmten Tag an die Einführung italienischer Silberscheidemünzen zu verbieten.  Gemäß Art. 15 kann Italien die Ausfuhr versagen.  Eine spätere Rückkehr der italienischen Scheidemünzen in den Umlauf der übrigen verbündeten Staaten wurde nicht ausgeschlossen; gemäß Art. 17 war jedoch hiezu das einstimmige Einverständnis der vier anderen Staaten notwendig.  Durch Art. 18 wird Italien verpflichtet, falls der Hauptvertrag gekündigt und zur Liquidation geschritten werden sollte, nach Maßgabe des Art. 7 des Hauptvertrags seine in den andern Staaten im Umlauf befindlichen Silberscheidemünzen zurückzunehmen.  An Stelle der zurückgelieferten Münzen durfte Italien Kassenscheine in Stücken unter 5 Lire in den Verkehr bringen (Art. 12).

Verglichen mit der den gleichen Gegenstand behandelnden Zusatzakte zum Vertrag von 1879 erscheinen die Italien gestellten Bedingungen im neuen Vertrag wesentlich strenger.  Die Delegierten Italiens hatten 1885 den Antrag gestellt, in der Art und Weise der Rückzahlung das System von 1879 wieder in Kraft zu setzen.  Aber Frankreich lehnte es ab, wieder, wie 1879, die Sammlung der Münzen und Zuführung an Italien bei sich zu zentralisieren.  1879 war die Rückführung auf vier Jahre, (1880, 1881, 1882 und 1883), ausgedehnt worden, nach dem Vertrag von 1893 sind ¼-jährliche Fristen vorgesehen.  »Frankreich«, sagte Janssen [83], »wollte sich nicht der Gefahr aussetzen, viele Millionen ohne Deckung der italienischen Regierung zu übergeben, deren sich die letztere gegen Frankreich hätte bedienen können, und welche, wenn ihm der Ausgang des Krieges nicht günstig gewesen wäre, unwiderruflich verloren gewesen wären.«  Auch die Verzinsung des Werts der angesammelten Mengen war eine höhere.  1879 waren für die Zeit vor der Auslieferung der Scheidemünzen 1 ½ %, nach der Auslieferung 3 % zu zahlen.  1893 belaufen sich die entsprechenden Sätze auf 2 ½ und 3 ½ %.  Nach den Worten des Art. 5 des Abkommens vom 5. November 1878 kann die Zahlung sowohl in Gold als auch in silbernen Fünffrankenstücken, in Tratten auf Paris oder in italienischen Schatzanweisungen erfolgen.  Der Art. 4 des Abkommens vom 15. November 1893 schrieb vor, daß die Rückzahlung mindestens zur Hälfte in Gold, der Rest in Tratten auf die Gläubigerländer zu zahlen seien.  Die silbernen Fünffrankenstücke waren somit ausgeschlossen.  Der Grund für diese auffällige Erscheinung ist wohl darin zu finden, daß die politische Lage inzwischen durch Beitritt Italiens zum Dreibunde eine andere geworden war.  Bei der damaligen Stimmung im Dreibund war es begreiflich, wenn in der Haltung Frankreichs in der Frage der Rückführung italienischer Münzen kein besonderes Wohlwollen gegenüber Italien zum Ausdruck kam.  Das Mißtrauen gegen Italien war so groß, daß Leroy-Beaulieu im Économiste français [84] sagte, man habe unklug gehandelt, indem man für die bei der Zahlungsleistung Italiens neben Gold vorgesehenen Tratten nicht bestimmte Sicherheiten verlangt habe.  Die Tratten hätten müssen von nichtitalienischen Bankhäusern erster Güte angenommen sein, damit nicht die französische Regierung der unmittelbare Glaubiger der italienischen Regierung gewesen wäre.  Im Falle eines Krieges könne sich Italien der abgelieferten Münzen als Kriegsfonds bedienen und bei einem für Frankreich ungünstigen Ausgange wäre die Deckung verloren [85].

3.  Die Wolcott-Mission 1897

Trotz des kläglichen Scheiterns der Brüsseler Konferenz im Jahre 1892 machten die Vereinigten Staaten von Amerika bereits 1897 wieder einen Versuch, den Marktwert des Silbers durch die Beschaffung von Absatzquellen zu erhöhen.  Infolge eines durch den amerikanischen Kongreß verabschiedeten Gesetzes sandten die Vereinigten Staaten eine Mission nach Europa mit dem Auftrag, den Boden für eine internationale Münzkonferenz vorzübereiten und die hiezu geeigneten Erhebungen anzustellen.  Die Mission bestand aus drei Delegierten mit Namen Wolcott, Paine und Stevenson unter Führung des ersteren.  Ihre Bestrebungen gingen auf Wiedereinführung der freien Ausprägung von Silber.  Die Gesandtschaft wandte sich zuerst an Frankreich, wo ihr Unterstützung in ihrer Sache zuteil wurde; für ihre Tätigkeit in England, wohin sie sich zu wenden trachtete, wurde der französische Gesandte bei der englischen Regierung gewonnen.  Die Mission fand jedoch bald ein Ende : Balfour, der damals (August 1897) Schatzkanzler war, erklärte kurz und bündig, daß England niemals seine Münzstätten für eine freie Ausprägung von Silber öffnen würde.  Bald darauf antwortete auch die indische Regierung in ablehnendem Sinne.

Seit dem Scheitern der Mission Wolcott sind seitens der Vereinigten Staaten auf europäischem Boden keine Versuche mehr zur Wertsteigerung des weißen Metalls gemacht worden.

4.  Das Übereinkommen vom 29. Oktober 1897

Die Zurückziehung der italienischen Silberscheidemünzen hatte in der Schweiz und Belgien unangenehme Wirkungen zur Folge.  Trotz der im Vertrag vom 15. November 1893 zugestandenen Ausprägung von 3 Millionen in Silberstücken, die die Schweiz im Dezember 1893 ausführen ließ, und trotz der Einforderung von schweizerischen und belgischen Silbermünzen bei den Unionstaaten im Gesamtbetrag von 3 Millionen Fr. im Jahre 1894 und 3 ½ Millionen Fr. im Jahre 1895 machte sich fortdauernd ein großer Mangel an Silberkleingeld fühlbar, dem nur durch Neuausprägung abgeholfen werden konnte.  Durch das »Übereinkommen betr. Abänderung der Münzkonvention vom 6. November 1885 zum Zwecke der Erhöhung der Kontingente der Silberscheidemünzen« wurde der bisherige Satz von 6 Fr. pro Kopf auf 7 Fr. festgesetzt und unter gleichzeitiger Berücksichtigung der Bevölkerungszunahme die Kontingente für Silberscheidemünzen erhöht :

     

für die Schweiz
für Belgien
für Frankreich, Algerien und Kolonien
für Italien

3 Millionen Fr.
6 Millionen Fr.
130 Millionen Fr.
30 Millionen Fr.

Die für Frankreich festgesetzte hohe Ziffer ist auf den Kolonialbedarf in Algerien, Tunis und den übrigen Kolonien zurückzuführen.  Für Griechenland trat eine Erhöhung nicht ein; das hatte darin seinen Grund, daß die griechische Regierung solange in eine Neuprägung nicht eintreten wollte, bis sie in der Lage sei, nach Besserung des Wechselkurses ihre Silberscheidemünzen nach dem Vorgang Italiens zurückzuführen.

Gemäß Art. 2 des Übereinkommens verpflichteten sich die Vertragsstaaten, zur Ausprägung der neuen Scheidemünzen ausschließlich Fünffrankentaler eigenen Gepräges zu verwenden.

5.  Das Zusatzprotokoll vom 15. März 1898 zum Abkommen vom 15. November 1893

Der Sinn des Art. 18 des Abkommens vom 15. November 1893 war, im Falle der Auflösung der Union Italien nicht von der Verpflichtung befreit zu sehen, während eines Jahres nach der Auflösung, so wie es auch die Konvention von 1885 vorschrieb, diejenigen seiner Münzen zurückzunehmen, die sich aus irgendeinem Grunde noch außerhalb Italiens im Umlauf befänden.  Die Einlösung hatte dann während der genannten Zeit in Gold erfolgen müssen.  Diese Klausel war für die anderen Staaten der Münzunion sehr günstig, weil sie dank dieser Bestimmung in der Lage waren, für den ganzen Wert der nach der Rückführung im Jahre 1893 wieder eingewanderten Silbermünzen den Wert in Gold ersetzt zu bekommen.  Für Italien dagegen war die Klausel außerordentlich ungünstig.  In den auf die Rücklieferung folgenden Jahren wurden die zurückgezogenen Scheidemünzen in Italien nicht mehr in Umlauf gesetzt, weil man bei den andauernd ungünstigen Valutaverhältnissen und trotz den durch die Zusatzkonvention in Aussicht genommenen Ausfuhr- und Einfuhrverboten eine nochmalige Auswanderung befürchtete.  Diese Münzen blieben vielmehr zunächst in den Gewölben des Schatzamtes als Garantie für die in Umlauf gesetzten Kassenscheine von 1 und 2 Lire eingeschlossen, und zwar belief sich deren Gesamtbetrag auf über 150 Millionen Fr.  Infolge der Einsperrung unterblieb vorderhand das italienische Ausfuhrverbot, und auch für die Schweiz bestand keine Veranlassung, von dem ihr zustehenden Rechte zum Erlasse eines Einfuhrverbotes Gebrauch zu machen.

Mit der allmählich eingetretenen Besserung der italienischen Valuta regte sich in italienischen Regierungskreisen der begreifliche Wünsch, die nationalen Silberscheidemünzen unter gleichzeitigem Rückzug der Kassenscheine wieder in Umlauf zu setzen.  Man konnte diese Maßnahme jedoch nur dann treffen, wenn eine gewisse Sicherheit bestand, daß diese freigegebenen Münzen auch im Lande verblieben.  Während nämlich Italien durch das Abkommen vom 15. November 1893 für die ganze Dauer der Münzunion davor sichergestellt war, daß ihm seine Scheidemünzen von den öffentlichen Kassen der übrigen Vertragsstaaten zur Einlösung angeboten wurden, ist im Art. 18 des genannten Abkommens festgesetzt, daß für den Fall der Kündigung der Lateinischen Münzunion die gemäß Art. 7 des Hauptvertrags jedem Staat auferlegte Verpflichtung, seine Silberscheidemünzen während eines Jahres zurückzunehmen, wieder in Kraft trete.  Die italienische Regierung befürchtete, daß der Fortbestand dieses Artikels und die Möglichkeit einer Verwertung in Gold bei Auflösung der Union gewissenlose Spekulanten veranlassen würden, diese Münzen alsbald nach ihrer Freigabe in gewinnslichtiger Absicht in die andern Staaten zu importieren, und daß somit Italien sich aufs neue vor Verlegenheiten im internen Münzumlauf stehen sehe und unter Umständen in die verhängnisvolle Notwendigkeit versetzt werden könnte, einen großen Teil seiner Silberscheidemünzen zum zweitenmal in Gold einzulösen.  Schon auf der Konferenz hatte Italien seine Bedenken gegen diesen Art. 18 geltend gemacht; Frankreich, Belgien, Griechenland waren damals auch geneigt, dem italienischen Begehren nach Abänderung von Art. 18 stattzugeben.  Die Schweiz wünschte jedoch, daß zunächst die Vermehrung des Silberkontingents durchgeführt werde.  Als mit dem 1. Januar 1898 die auf Vermehrung der Silberkontingente bezüglichen Bestimmungen in Kraft getreten waren, beeilte sich Italien, auf die Behandlung seines Antrags zu dringen.  Zu diesem Zwecke wurde in Paris zu Händen der übrigen Unionstaaten der Entwurf eines Zusatzprotokolls zum Übereinkommen von 1893 eingereicht.  Italien entsandte ferner einen Beauftragten nach Bern zur Beseitigung der anfänglich schweizerischerseits vorhandenen Bedenken und zur Besprechung der von Italien zu bietenden Garantien.  Diese bestanden darin, daß Italien sich bereit erklärte, während der ganzen Dauer der Münzunion die Ausfuhr ihrer Silberscheidemünzen aus dem Konigreich zu verbieten, und während fünf Jahren nach Auflösung der Union an dem internen Münzregime Italiens keine Änderungen vorzunehmen, welche dem Rückfluß der italienischen Silberscheidemünzen in ihr Ursprungsland auf dem Handelswege Schwierigkeiten bereiten könnten [86].

Nach weiteren Verhandlungen auf diplomatischem Wege wurde der Vorschlag Italiens als begründet erachtet und am 15. März 1898 ein Zusatzprotokoll unterzeichnet, auf Grund dessen der Art. 18 des Zusatzabkommens vom 15. November 1893 wieder abgeschafft wurde.  Hienach wurde Italien von der ihm in Art. 7 der Münzkonvention vom 6. November 1885 auferlegten Verpflichtung, während der Dauer eines Jahres nach Auflösung der Münzunion die in den anderen Unionstaaten zirkulierenden Silberscheidemünzen zurückzunehmen, entbunden.  Sollte Italien die eben genannten Beschlüsse nicht ausführen oder verlangen und bewilligt erhalten, daß seine Silberscheidemünzen denjenigen der anderen Unionstaaten gleichgestellt werden, so soll die Verpflichtung aus Art. 7 der Münzkonvention vom 6. November 1885 wieder aufleben.  Dem Grundsatz der Gegenseitigkeit entspricht die weitere Bestimmung, daß die Italien gewährte Vergunstigung unter den nämlichen Bedingungen auch jedem anderen Unionstaate zuteil werden soll, der nach Art. 16 Abs. 2 des Abkommens vom 15. November 1893 seine Silberscheidemünzen aus Italien zurückziehen werde.

6.  Der Zusatzvertrag vom 15. November 1902 betr. Vermehrung des Kontingents an Silberscheidemünzen für die Schweiz

Das den Staaten der Münzkonvention auf Grund des Übereinkommens vom 29. Oktober 1897 zugebilligte Kontingent an Silberscheidemünzen, welches eine Kopfmenge von 7 Fr. sowohl der einheimischen als der kolonialen Bevölkerung zum Ausgangspunkt genommen und welches einige zum Teil nicht unbedeutende Mengen an weiteren Ausprägungen für die anderen Länder vorgesehen hatte, erlaubte allen vertragsschließenden Staaten, die Bedürfnisse des Kleingeldverkehrs ausreichend zu befriedigen – mit Ausnahme der Schweiz.  Obwohl die schweizerische Regierung eine Reihe von Neuprägungen vorgenommen und seit 10 Jahren bei ihren Münzverbündeten Käufe von Silberscheidemünzen getätigt hatte, zeigte sich immer wieder ein Kleingeldmangel, für welchen man folgende Ursachen gefunden hatte :

1.  Die Mortalität = spurloses Verschwinden des Metallgeldes.  Diese stellt sich allgemein als eine sehr hohe dar; als z.B. Italien im Jahre 1893 die Rücknahme seiner Silberscheidemünzen beendet hatte, berechnete es einen Abmangel in Höhe von 37,74 % seiner gesamten Ausprägungen [87].

2.  Die Zurückziehung der italienischen Münzen.  Infolge dieser Maßnahme mußte die Schweiz 26 Millionen Fr. ihres Umlaufs an Kleingeld abgeben.  Die von der Schweiz an Italien abzuliefernde Menge Silbergeld war im Verhältnis zur Bevölkerungsziffer recht bedeutend.

3.  Die Abwanderung von Silbergeld mit den ins Ausland zurückkehrenden zahlreichen Fremden, welche alle Jahre die Schweiz überschwemmen und von denen jeder einen mehr oder weniger bedeutenden Betrag an Silberscheidemünzen mit sich nimmt.  Dazu kam, daß um diese Zeit die Kurse für Wechsel auf Paris fast ohne Unterbrechung über Pari standen; daraus ergab sich einerseits eine fortwährende Auswanderung von Münzen, welche die Bargeldüberweisungen an Silberscheidemünzen seitens der Bank von Frankreich illusorisch machte, und andererseits eine beträchtliche Aufzahlung für französisches Papiergeld infolge des bestehenden Agios.

Am Anfang des Jahres 1902 wurde der Kleingeldmangel außerordentlich empfindlich, eine Abhilfe war dringend geboten.  Die Schweiz dachte zunächst daran, eine Konferenz der vertragsschließenden Staaten einberufen zu lassen, um den Rückfluß sämtlicher Silberscheidemünzen in die Ursprungsstaaten herbeizuführen und die Festsetzung von Umfang und Art der Ausprägungen an Silberscheidemünzen in Zukunft den einzelnen Ländern zu überlassen. »Die entwerteten Münzen mit reduziertem Feingehalt«, sagte der Bericht des Bundesrats, »spielen nur eine Rolle von lokaler Bedeutung und erfüllen eigentlich die Bedingungen einer zwischenstaatlichen Münze nicht.  Es ist daher nicht einzusehen, weshalb sie Gegenstand eines Münzvertrags sind; das gibt ihnen ein viel größeres Umlaufsgebiet, als sie ihrer Bestimmung nach bedürfen.  Eine Nationalisierung der Silberscheidemünzen würde einen Stein des Anstoßes beseitigen, der den zwischenstaatlichen Beziehungen und der Gesamtheit der Münzunion nachteilig ist.«

Obwohl die französischen Delegierten auf der Konferenz vom Jahre 1878 und 1893 für eine Nationalisierung der Silberscheidemünzen eingetreten waren, weigerte sich diesmal Frankreich, dem Standpunkt der Schweiz sich anzuschließen.  In der französischen Kammer erklärte Bouctot (französischer Berichterstatter über das Gesetz vom 15. November 1902), daß die Annahme dieses Vorschlags einer Kündigung des Münzvertrags gleichzustellen, und daß keiner der Vertragsstaaten zu einer solchen Maßnahme genügend vorbereitet sei.

Der in der Frage gepflogene diplomatische Schriftwechsel führte schließlich zu dem Abkommen vom 15. November 1902.  Darin erhielt die Schweiz die Erlaubnis zu einer außerordentlichen Prägung von Silberscheidemünzen aus Silberbarren bis zum Höchstbetrag von 12 Millionen Fr.  Die schweizerische Regierung verpflichtete sich, den daraus entstehenden Gewinn einem Reservefonds zufließen zu lassen, welchen sie für die Unterhaltung des Umlaufs der Gold- und Silberscheidemünzen in ihrem Lande eingerichtet hatte.

7.  Zusatzvertrag vom 4. November 1908 (Vermehrung des Kontingents an Silberscheidemünzen, Rückfluß und Nationalisierung der griechischen Münzen, Liquidation des Silberstocks der Union)

Trotz der durch die Zusatzabkommen vom 29. Oktober 1897 und 15. November 1902 vorgesehenen Vermehrungen der Höchstmenge an Silberscheidemünzen zeigte sich, daß das Kontingent ungenügend war.

Der Gesamtbetrag an Silberscheidemünzen, wie er nach den bisherigen Verträgen als zulässig festgesetzt war, betrug :

   

In Belgien
In Frankreich
In Griechenland
In Italien
In der Schweiz
46.800.000
394.000.000
15.000.000
232.400.000
40.000.000

6 Fr.
7 Fr.

11 Fr.
Diese Ziffern stellen einen Betrag von
pro Kopf für Griechenland,
pro Kopf für Belgien,
Italien und Frankreich,
pro Kopf für die Schweiz dar.

Die Summen, welche tatsächlich zur Ausprägung gekommen waren, beliefen sich bis 31. Dezember 1906 nach Abzug der Einschmelzungen usw. :

In Belgien             auf
In Frankreich
In Griechenland
In Italien
In der Schweiz
46.800.000 Fr.
381.380.044 Fr.
10.800.000 Fr.
207.944.205 Fr.
34.600.000 Fr.

Belgien hatte zwar sein Kontingent vollständig erschöpft, aber der Kleingeldmangel machte sich deshalb nicht weniger fühlbar.  Der Kassenbestand der belgischen Nationalbank mußte wiederholt durch die Einzahlungen an Bargeld, welche vom Ausiand bezogen wurden, aufgefüllt werden; trotz der berechtigten Klagen des Publikums mußten die abgenutzten Stücke der anderen Staaten der Union wieder in den Umlauf gegeben werden, weil keine Möglichkeit bestand, sie durch eigene zu ersetzen.

Frankreich hatte noch einen Betrag von über 12 Millionen Fr. zum Ausprägen; die vollständige Ausnützung seines Kontingents war für die ersten Monate des Jahres 1908 vorgesehen.  Die Verwaltung der französischen Finanzen stellte fest, daß der Umlauf an Silberscheidemünzen weit davon entfernt war, dem Bedürfnisse zu genügen.  Alle Finanzinstitute, die mit dem Publikum Berührung hatten, die Bank von Frankreich, die meisten anderen Banken und Kreditinstitute wiesen einstimmig auf die Unzuträglichkeiten hin, die sich aus dem Mangel an Silberscheidemünzen ergeben müßten.

Griechenland, dessen finanzielle Verhältnisse nie besonders glänzende waren, hatte seit 1884 die Ausprägung eingestellt; seine Scheidemünzen, die infolge des hohen Wechselkurses ins Ausland wanderten, hatte es durch Papiergeld ersetzen mussen.  Von 20 Millionen Silberdrachmen, die in Stücken von 1 und 2 Drachmen ausgegeben waren, befanden sich 1908 noch 14 Millionen im Umlauf.  Diese Menge war überdies unzureichend geworden, und seit 1901 hatte die internationale Finanzkommission in Athen in ganz Griechenland einen vollständigen Abmangel kleiner Stücke zu 1 und 2 Drachmen festgestellt.

Italien verfügte noch über einen Restbetrag von 25 Millionen, der zur Erfüllung seines Kontingents von 232 Millionen Fr. an Silberscheidemünzen noch auszuprägen war.

Was die Schweiz anbetrifft, so gab sie als Zeitpunkt der Erschöpfung ihres Kontingents das erste Halbjahr 1909 an.

Wenn man nach den Ursachen der damals allseitig sich geltend machenden Knappheit an Silberscheidemünzen fragt, so ist in erster Linie an die damalige rasche Entwicklung von Gewerbe und Handel mit der damit verbundenen Steigerung der Gehälter und Löhne zu denken.

In Frankreich machte sich besonders das Bedürfnis der Kolonien nach Silbergeld bemerkbar.  Es muß außerdem in Betracht gezogen werden, daß bei einem stärkeren Geldverkehr auch die Mortalität der Scheidemünzen eine größere ist.  Unter diesen Verhältnissen begann Frankreich anfangs des Jahres 1907 mit seinen Münzverbündeten Verhandlungen mit dem Ziele, eine Vermehrung der Silberkontingente in Höhe der für notwendig erachteten Mengen zu erreichen.

Die Verhandlungen, welche dem Abschluft des Zusatzvertrags vorausgingen, zogen sich besonders lang hin.

Frankreich schlug vor, daß entweder überhaupt keine Beschränkung der Ausprägungen mehr festgesetzt oder aber der Kopfsatz auf mindestens 15 Fr. erhöht werden sollte; in beiden Fällen soll zu den Neuausprägungen das Metall alter Fünffrankenstücke verwendet werden.  Der sich ergebende Gewinn fließt einem Reservefonds zu, der ausschließlich zur Unterhaltung und Verbesserung des Münzumlaufs dient.  Die Bestimmung, alte Fünffrankenstücke zu verwenden, hätte auf die Schweiz keine Anwendung zu finden, weil deren Ausprägungen kaum 10 Millionen Fr. überschritten hatten.

Italien und Belgien gaben sogleich ihre grundsätzliche Zustimmung zu diesen Vorschlägen, ohne ausdrücklich für die eine oder andere Lösung Stellung zu nehmen.  Nur die Schweiz und Griechenland machten einen Gegenvorschlag.

Die Schweiz schlug der französischen Regierung erneut vor, alle Silberscheidemünzen zu nationalisieren, d.h. diese Münzen sollten nur noch innerhalb der Grenzen des Ausgabestaates umlauffähig sein; die Silberscheidemünzen seien vor allem dazu da, dem internen Verkehr eines Landes zu dienen.  Italien habe 1894 seine Silberscheidemünzen ohne Schwierigkeiten heimgeschafft und befinde sich wohl dabei.  Die französische Regierung gab zur Antwort, daß sie, ohne die Bedeutung der Gründe der Nationalisierung bestreiten zu wollen, diese doch nicht als schwerwiegend genug erachten könne, um eine so weitgehende Änderung der internationalen Münzkonvention, die unter Umständen zur Auflösung des Münzbundes führen könnte, zu rechtfertigen.  Diese Nationalisierung hätte die Einschränkung der Vorteile zur Folge, derentwegen die Münzunion seinerzeit geschlossen worden sei; auch würde dadurch ein Hemmnis geschaffen, das den Verkehr zwischen den beteiligten Grenznachbarn beeinträchtigen müßte.  Die französische Regierung wies darauf hin, daß im französisch-schweizerischen Verkehr alljährlich eine große Zahl Reisender die Grenzen beider Staaten überschreite, und daß für sie die aus der verschiedenartigen Gültigkeit der Silbermünzen entstehenden Unzuträglichkeiten viel größere wären als die, welche sich aus dem Vorhandensein fremder abgeschliffener Scheidemünzen ergeben.  Wenn auch die Schweiz ihre Anschauung nicht zu ändern vermochte, so erklärte sie gleichwohl ihre Absicht, mit Frankreich in Münzfragen auch künftig einig gehen zu wollen, und verzichtete auf ihren Vorschlag, welcher als ein Schritt in der Richtung auf die Auflösung der Münzunion hätte aufgefaßt werden können.

Um eine Erneuerung der Münzkonvention in zu naher Zukunft zu vermeiden, verlangte die Schweiz, daß die Ausprägungskontingente für Silberscheidemünzen auf 20 Fr. pro Kopf der Bevölkerung erhöht werde mit der Einschränkung, daß der Jahresbetrag der Ausprägung für jeden Staat 70 Ct. für den Einwohner nicht überschreiten sollte.  Der französische Finanzminister wollte sie auf 16 Fr. bzw. 60 Ct. ermäßigt sehen.  Diese letzteren Grenzen wurden von ihm für ausreichend gehalten, um für lange Zeit dem Bedürfnis des Münzumlaufs zu genügen und dem Abmangel an Kleingeld in reichlichem Maße abzuhelfen.

Inzwischen hatte Griechenland einen Vorschlag eingereicht, es möchte ihm, wie das in ähnlicher Weise im Jahre 1894 mit Italien geschehen sei, gestattet werden, seine Silberscheidemünzen heimzuschaffen.  Die hellenische Regierung begründete ihren Vorschlag damit, daß sie beabsichtige, im Interesse einer Verbesserung ihrer Valuta die von ihr seinerzeit ausgegebenen kleinen Banknoten von 1 und 2 Drachmen zurückzuziehen und sie durch die von den Münzunionstaaten ihr zurückzusendenden einheimischen Silberscheidemünzen zu ersetzen.  Zu diesem Zweck sei es notwendig, daß sie die Ausfuhr ihrer eigenen Scheidernünzen verbieten könne, um zu vermeiden, daß diese nach ihrem Rückfluß ins Heimatland wieder nach den Vertragsstaaten ausgeführt würden.  Weiter wünschte sie die Ermächtigung zu neuen Ausprägungen von Silberscheidemünzen aus Silberbarren, indem sie geltend machte, daß nur eine geringe Menge griechischer Fünffrankentaler, namlich 15,5 Millionen Fr. im Umlauf sei.

Das Verlangen Griechenlands hielten alle Vertragsstaaten für unbedenklich, jedoch unter dem Vorbehalt, daß gewisse Bedingungen bezüglich der Bezahlung des Gegenwerts der zurückgelieferten Münzen in Gold oder Wertpapieren erfühlt werden.  Man wollte auch Griechenland die Rückkehr zur Metallwährung nicht abschneiden, sondern ihm zur Wiedererlangung seines Wechselgeldes behilflich sein.  Bei dem schlechten Zustand der durch den Umlauf abgenützten griechischen Münzen schien die Ausscheidung derselben aus dem übrigen Umlauf in den Münzverbandsländern nur Wünschenswert zu sein.

Die Bedingungen für den Rückfluß und Ersatz des Gegenwerts sollten etwa denjenigen entsprechen, die im Jahre 1893 für Italien aufgestellt worden waren.  Die Frist zur Vergütung des Gegenwerts der an Griechenland zurückgesandten Münzen wurde allerdings mit fünf Jahren erheblich langer bemessen, als sie seinerzeit Italien gegenüber bei der Heimschaffung seiner Silberscheidemünzen eingeraumt worden war.  Diese Klausel hatte aber wenig Bedeutung, da es sich bei dem Rückfluß der griechischen Münzen nur um geringe Summen handelte.  In der Schweiz betrug z.B. der Umlauf von griechischen Silberscheidemünzen nur 1 ¼ % des Gesamtumlaufs an Kleingeld.

Was den zweiten Antrag Griechenlands anbetrifft, zu der Prägung seiner neuen Silbermünzen ausschließlich Silberbarren zu verwenden, so schien es im allgemeinen Interesse der Union wie im wohlverstandenen Interesse Griechenlands selbst zu liegen, wenn nicht mehr als ¾ seiner neuen Prägungen aus Silberbarren geprägt würden.  Man einigte sich schließlich dahin, daß 6,1 Millionen griechische Fünffrankentaler bei der Einschmelzung verschwinden und die Neuprägungen aus Silberbarren sich auf 3 Millionen Fr. beschränken sollten.

Im Laufe der Verhandlungen trat Italien mit dem Begehren hervor, ältere Fünffrankenstücke der ehemaligen italienischen Staaten, von denen immer noch eine größere Summe im Umlauf zu sein schien, in neue umprägen zu dürfen.  Es erklärte, durch das Vorhandensein jener Fünffrankenstücke, die von den früheren Staaten auf der Halbinsel geprägt worden seien, werde es in eine schwierige Lage versetzt, die mit dem zunehmenden Alter dieser Stücke von Jahr zu Jahr unerträglicher werde.  Abgesehen von dem wirklichen Fortschritt, den eine Umprägung der alten abgenützten Fünffrankentaler in neue, vollgewichtige an sich bedeuten würde, sei es wünschenswert, daß nach nunmehr bald 50 jahren der erlangten politischen Einheit auch im Münzwesen die Einheit herbeigeführt werden könne.  Diesem Begehren Italiens wurde unter der von der Schweiz gestellten Bedingung entsprochen, daß es nur solche Fünffrankenstücke zur Einschmelzung benütze, welche damals in Italien Kurs hatten, mit Ausschluß also der ehemaligen bourbonischen groben Silbermünzen, von denen das ganze Land noch einen ansehnlichen Vorrat besitzen sollte.  Mit diesem Vorbehalt, den auch Frankreich machte, wollte man verhüten, daß eine Vermehrung der auf der Lateinischen Münzunion so schwer lastenden Masse silberner Fünffrankenstücke stattfinde; die Zahl dieser Stücke sollte also nicht vermehrt werden dadurch, daß alte, außer Kurs gesetzte Stücke zu neuen, kursfähigen umgeprägt wurden.  Die italienische Regierung gab in bezug auf diesen Punkt die gewünschten Zusicherungen, so daß ihrem Begehren entsprochen werden konnte.

Kurz vor der Unterzeichnung des neuen Zusatzvertrags trat dann noch Belgien mit dem Wunsche hervor, es möchte ihm gestattet werden, die Münzen des ehemaligen unabhängigen Kongostaates umzuprägen.  Diesem Begehren standen die übrigen Staaten sympathisch gegenüber; denn wenn die bisher im Kongostaat zirkulierenden Münzen zurückgezogen wurden und an deren Stelle belgische Fünffrankenstücke und aus solchen belgischen Fünffrankenstücken hergestellte Silberscheidemünzen traten, so war dem Umlauf der belgischen Silbermünzen ein großes Gebiet eröffnet und die Lateinische Münzunion von einem sehr erheblichen Betrage belgischer Fünffrankenstücke entlastet; denn die Erfahrung hatte gelehrt, daß die nach afrikanischen Kolonien ausgewanderten Silbermünzen nicht mehr oder nur in sehr geringem Umfange nach Europa zurückkehrten.

Die Verhandlungen führten zum Abschluß eines Zusatzvertrags vom 4. November 1908, dessen hauptsächlichste Bestimmungen folgende sind : Der Art. 1 verlangt, daß vom Zeitpunkt der Veröffentlichung des Zusatzvertrags an die Kontingente der Silberscheidemünzen für jeden der vertragsschließenden Staaten auf 16 Fr. pro Kopf der Bevölkerung erhöht werden.  Die Bevölkerungszahl ist für jeden Staat schätzungsweise festgesetzt worden und zwar

für Frankreich
Belgien
Griechenland
Italien
Schweiz

auf 39,3
7,3
2,65
33,8
3,6

Millionen Einwohner



Hiezu tritt noch die Einwohnerzahl der französischen Besitzungen einschließlich Algier und Madagskar mit 20 Millionen Einwohnern und des belgischen Kongos mit 10 Millionen Einwohnern.  Diese Schätzungen können übrigens auf diplomatischem Wege abgeändert werden.  Frankreich und Belgien verpflichten sich, für ihre neuen Prägungen an Silberscheidemünzen ausschließlich silberne Fünffrankenstücke eigenen Gepräges zu verwenden; Belgien darf statt dessen Silbermünzen des ehemaligen unabhängigen Kongostaats bis zum Betrage von 1,9 Millionen Fr. benützen.  Griechenland, Italien und die Schweiz können für die Herstellung neuer Silberscheidemünzen statt Fünffrankenstücken Silberbarren verwenden, und zwar die Schweiz ausschließlich, Griechenland zu 3/4 und Italien zu 1/3 der jährlichen Prägungen, wobei es als ausgemacht gilt, daß Italien dieses Vorteils nur solange teilhaftig werden soll, bis es ein Kontingent von 12 Fr. pro Kopf der Bevölkerung erreicht haben wird.  Für den Rest ihrer Ausprägungen haben Italien und Griechenland ebenfalls eigene silberne Fünffrankenstücke zu verwenden.  Griechenland wird noch das Recht eingeräumt, zu seinem Kontingent von 15 Millionen Fr. unter ausschließlicher Verwendung von Silberbarren die Prägung von 3 Millionen Silberscheidemünzen nachzuholen, die den anderen Vertragsstaaten durch das Zusatzübereinkommen vom 29. Oktober 1897 bewilligt worden ist und die es bis dahin nicht ausgeführt hat.

Die Italien und Griechenland gegebene Ermächtigung, einen Teil ihrer Silberscheidemünzen aus Barren herzustellen, war durch die Tatsache gerechtfertigt, daß der von diesen beiden Ländern ausgemünzte Betrag von silbernen Fünffrankenstücken nicht in einem Mißverhältnis zu ihrer Bevölkerungszahl stand, wie dies für Frankreich und Belgien der Fall war.  Der sich aus den Prägungen ergebende Gewinn sollte in einen zur Aufrechterhaltung des Münzumlaufs bestimmten Reservefonds gelegt werden.

Art. 2 bestimmt, daß keiner der vertragsschließenden Staaten im Jahre mehr als für den Betrag von 60 Ct. auf den Kopf der Bevölkerung an Silberscheidemünzen prägen darf.  Eine einzige Ausnahme macht Griechenland, das die nicht ausgeführten Prägungen, die ihm durch frühere Abkommen zugestanden waren, nachholen darf [88].

Die in einem Jahr nicht ausgentützte Prägungsquote darf auf die folgenden Jahre übertragen werden.

Art. 3.  Die Bestimmungen des Übereinkommens vom 15. November 1893 und des Zusatzprotokolls vom 15. März 1898 betr. die Nationalisierung der italienischen Silberscheidemünzen sind auch auf die von Italien neu zu prägenden Münzen anwendbar.

Die Art. 4–16 regeln die Maßnahmen, die zur Rückführung der griechischen Silberscheidemünzen erforderlich sind.  Das Verfahren ist im allgemeinen das nämliche, wie es im Übereinkommen vom 15. November 1893 für die Heimschaffung der italienischen Silberscheidemünzen festgestellt worden war.  Eine Abweichung besteht lediglich bezüglich der Frist zur Vergütung des Gegenwerts der an Griechenland zurückgesandten Silberscheidemünzen.

Vier Monate nach Inkrafttreten des Zusatzvertrags haben die öffentlichen Kassen der Schweiz, von Belgien, Frankreich und Italien die Annahme der griechischen Münzen an Zahlungsstatt einzustellen.  Einen Monat nach dieser Frist stellt jedes der genannten Länder der hellenischen Regierung die gesammelten griechischen Silberscheidemünzen zur Verfügung.  Der Gegenwert ist von diesem Tage an zu 2 ½ % pro Jahr zu verzinsen; vom 20. Tage nach der Absendung der Münzen an bis zum Tage des Eingangs des Gegenwerts von Griechenland erhöht sich der jährliche Zinsfuß auf 3 ½ %.  Die Vergütung des Wertes der Münzen in Gold und in Wechseln auf das Gläubigerland hat in fünf gleichen Jahresraten zu erfolgen.  Die Kosten der Heimschaffung der griechischen Silberscheidemünzen fallen ganz zu Lasten Griechenlands.  Die hellenische Regierung verpflichtet sich, innerhalb zweier Jahre vom Datum der Auswechselung der Ratifikationsurkunden an gerechnet, sämtliche Banknoten zu 1 und 2 Drachmen, die sie ausgegeben hat, zurückzuziehen.  Von dem Augenblick an, wo die öffentlichen Kassen der Schweiz, Belgiens, Frankreichs und Italiens die griechischen Silberscheidemünzen nicht mehr anzunehmen brauchen, kann jeder der fünf Staaten auch die Einfuhr solcher Münzen verbieten.  Sodann haben die Schweiz, Belgien und Frankreich das Recht, zu verlangen, daß ihnen die Heimschaffung ihrer in Griechenland befindlichen Silberscheidemünzen unter den nämlichen Bedingungen zugestanden werde.  Griechenland seinerseits kann verlangen, daß die Bestimmungen des Art. 6 und 7 des Münzvertrags vom 6. November 1885, wonach die Münzen des einen Staats der Union in jedem andern Kurs haben, auf die griechischen Silberscheidemünzen wieder anwendbar erklärt werden; jedoch ist hierzu die Zustimmung sämtlicher übrigen Münzunionsstaaten erforderlich.

Art. 17 ermächtigt Italien zur Umprägung von silbernen Füffrankenstücken, die von den früheren italienischen Staaten ausgegeben worden sind und in Italien noch gesetzlichen Kurs haben.

Art. 18 setzt das Inkrafttreten des Zusatzvertrags auf 1. April 1909 fest und Art. 19 trifft Bestimmungen über die Auswechselung der Ratifikationsurkunden.

Dem Zusatzvertrag vom 4. November 1908 sind 2 Protokolle beigefügt.

Das 1. Protokoll enthalt die Erklärung Griechenlands, daß es den Gewinn, der sich nach Abzug der Kosten der Heimschaffung seiner Silberscheidemünzen aus den Prägungen ergibt, die vor der Wiederaufnahme des infolge der vorzeitigen Zurückziehung sämtlicher Banknoten zu 1 und 2 Drachmen vorläufig unterbrochenen jährlichen Rückzugs von Papiergeld ausgeführt werden, zu einer außerordentlichen Amortisation von Banknoten mit Zwangskurs verwenden wird.

Im 2. Protokoll sind die Arten der Fünffrankenstücke aufgeführt, die im Sinne des Art. 17 des Zusatzvertrags als von den früheren italienischen Staaten ausgegeben zur Zeit des Abschlusses des Protokolls in Italien noch Kurs habend zu betrachten sind.  Andere Fünffrankenstücke italienischen Gepräges dürfen folglich von der italienischen Regierung nicht umgeprägt werden.

Von der hellenischen Regierung ist sodann der französischen Regierung für sie und zu Händen der übrigen Unionsländer auf Verlangen mittels Note noch die Erklärung abgegeben worden, daß sie die durch den Rückzug von Papiergeld jährlich verfügbar werdenden 2 Millionen Drachmen zur Tügung der aus der Heimschaffung ihrer Silberscheidemünzen sich ergebenden Schuld gegenüber den übrigen Mitgliedsstaaten bestimmen werde.

VIII.  Die Lateinische Münzunion während des Weltkrieges und in der Nachkriegszeit (1914-1925) [89]

Die letzte Übereinkunft vor Ausbruch des Weltkrieges galt, wie alle Konferenzen seit 1885, der Regelung des Verkehrs in Scheidemünzen.  Der Umlauf der Courantmünzen vollzog sich in den fünf Staaten Frankreich, Belgien, Italien, Schweiz und Griechenland ohne Störung.  Die Silberscheidemünzen der Länder Italien und Griechenland blieben entsprechend den Bestimmungen der Verträge von 1893 bzw. 1908 nationalisiert.

Die Verhältnisse in den Ländern der Lateinischen Münzunion waren folgende [90] :

1.  Frankreich.  Die Bank von Frankreich stand im Juli 1914 außerordentlich günstig; der Goldvorrat, der im Jahre 1880 erst 564 Millionen Fr. betragen hatte, belief sich am 30. Juli 1914 auf 4.141 Millionen Fr. (Deutsche Reichsbank 1.253 Millionen Mk. [91]).  Da der Bank infolge dauernd günstiger Wechselkurse fast nie größere Metallbeträge auf längere Zeit entzogen wurden, gelang es ihr, die nach und nach angesammelten Goldbeträge auch zu halten.  Frankreich hatte durchaus gesunde Währungsverhältnisse.  Es befand sich in der Münzunion wohl.  Die auswärtigen Zahlungen der übrigen dem Bunde angehörenden Länder wurden zum großen Teil durch französische Banken vermittelt.  Die Gelder der französischen Kapitalisten fanden in den übrigen zum Bunde gehörenden Ländern sichere und gut verzinsliche Anlagegelegenheiten.  Frankreich hatte ein hervorragendes wirtschaftliches und politisches Übergewicht in der Lateinischen Münzunion.

2.  Belgien und Schweiz.  Beide Länder hatten an dem wirtschaftlichen Aufschwung Deutschlands teilgenommen und ihre Verhältnisse durch rührige industrielle und gewerbliche Tätigkeit gebessert.  Belgisches Kapital suchte Anlagen in allen Ländern der Welt [92].  Die Schweiz hatte 1907 die Nationalbank in Bern eröffnet und damit der bisherigen Zersplitterung im schweizerischen Notenbankwesen ein Ende bereitet.  Die Zugehörigkeit beider Länder zum Münzbunde sicherte ihnen jedoch keine festen Wechselkurse, nicht einmal auf Frankreich.  Der Vorteil ihrer Zugehörigkeit lag darin, daß ihnen ein gewisser Schutz auf Grund der französischen Machtstellung gegeben und der Zugang zum reichen französischen Kapitalmarkt erleichtert war.  Ihre festverzinslichen Wertpapiere fanden unter den französischen Kapitalisten zu günstigen Bedingungen Aufnahme, so daß sich das eigene Kapital der genannten Länder einträglicheren Verwendungszwecken im In- und Ausland zuwenden konnte.

3.  Italien und Griechenland.  Italien trat mit Papierwährung in die Münzunion ein und behielt sie mit Ausnahme von zwei kürzeren Unterbrechungen die ganze Zeit über bei.  Griechenland ist von seinem Beitritt zur Münzunion an aus der Papierwährung nicht herausgekommen.  Die Folge dieser Verhältnisse war die Nationalisierung der Silberscheidemünzen.  Der Zustrom französischen Kapitals war mehr durch politische Umstände als durch die gemeinsame Zugehörigkeit zur Münzunion bestimmt.  Trotzdem erfreute sich Italien vor dem Kriege seit einer Reihe von Jahren verhältnismäßig stabiler Wechselkurse [93].

Zentrale des Kreditverkehrs der kleineren Münzunionstaaten war Frankreich; seine überragende Stellung als Großmacht gab dem Lateinischen Münzbunde das feste Rückgrat und die Lebensfähigkeit, womit er allen Schwierigkeiten Trotz bieten konnte.  Ein Austritt aus dem Münzbunde brachte die Gefahr mit sich, daß man sich damit die politische Gegnerschaft Frankreichs und vielleicht auch die der übrigen Staaten des Bundes zuzog [94].

Der Ausbruch des Weltkrieges veränderte zunächst völlig das Geldwesen aller Staaten der Lateinischen Münzunion; zwei der Staaten, Frankreich und Belgien, waren unter den Kriegführenden; im Mai 1915 trat auch Italien auf ihre Seite; zwei Staaten, die Schweiz und Griechenland, blieben neutral.  Für die kriegführenden Staaten stand das Erfordernis der Finanzierung des Kriegs im Vordergrund, aber auch die Neutralen konnten von den Wirkungen eines Krieges von solchem Ausmaße nicht verschont bleiben.  In allen Staaten mit Ausnahme von Italien und Griechenland, in welchen der Zwangskurs des Papiergeldes bereits bestand, wurde die Einlösungspflicht der Notenbanken aufgehoben und die Papierwährung eingeführt [95].

Die Folge der allgemeinen Papierwirtschaft war die Loslösung der Schwankungen des Wechselkurses von den sie begrenzenden Goldpunkten, da ein Bargeldversand nicht mehr in Frage kam.  Die einschneidenden Veränderungen in den wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen der Länder brachte Verschiebungen in der Stellung der Länder im Lateinischen Münzbund mit sich, die im Laufe der Zeit zu einer Vertauschung der Rollen führte.

Mit Kriegsbeginn schied zunächst Belgien, dank dem raschen Siegeszug der deutschen Heere, faktisch aus dem Bunde aus.

Was Frankreich anlangt, so blieb anfangs der Stand des französischen Wechselkurses in den neutralen und verbündeten Ländern günstig; das hatte seinen Grund in der stark aktiven Zahlungsbilanz Frankreichs und seinem starken Goldvorrat, den es durch Heranziehung seiner Guthaben im Auslande und durch andere Maßnahmen noch wesentlich erhöhte [96].  Der französische Wechselkurs zeigte im Gegensatz zu den übrigen Staaten einen durchaus günstigen Verlauf.

Die Lage der Schweiz war zunächst besonders kritisch.  Das Metallgeld wurde von der Bevölkerung thesauriert; um dem Notstand abzuhelfen, wurden die Noten der schweizerischen Nationalbank zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt, die Ausgabe kleiner Notenabschnitte beschlossen und die Barzahlungen eingestellt [97].  Die geographische Lage der Schweiz bringt es mit sich, daß dieses kleine Land unter jeder Störung des Handels- und Reiseverkehrs zu leiden hat.

In Italien und Griechenland verschlimmerte sich die bestehende Papiergeldwirtschaft mehr und mehr.  Angesichts der drohenden Gefahren der Zukunft erhöhte sich der Staatsbedarf.  Die anfängliche Stabilität der italienischen und griechischen Wechselkurse schlug bald in das Gegenteil um.

Die Lage, in welche die Lateinische Münzunion durch den Krieg geraten war, stellt sich Anfang 1915 folgendermaßen dar [98] :

1.  In allen zu ihr gehörenden Staaten ist die Barzahlung von Seiten der Notenbanken eingestellt;

2.  die Staaten haben sich gegeneinander durch Münzausfuhrverbote abgeschlossen; der gemeinsame Münzumlauf ist beseitigt;

3.  entwertet sind : die Währungen von Frankreich und Italien; die von Griechenland und der Schweiz erzielen in den anderen Vereinsstaaten ein beträchtliches Aufgeld;

4.  Belgien ist völlig ausgeschieden und hat eine von der deutschen abhängige Währung.

Die Lateinische Münzunion findet sich in einer bisher noch nicht dagewesenen Verfassung; der Münzumlauf innerhalb der Staaten der Union hat aufgehört.  Die neutralen Länder sind in einer bevorzugten Stellung.  Das vorhandene Metallgeld bleibt in seinen Verstecken.  Die Hauptregel der Lateinischen Münzkonvention – gemeinschaftlicher Umlauf der nach bestimmten Regeln geprägten Münzen – wird nicht mehr erfüllt.

An der schweizerisch-französischen Grenze macht sich bald eine nach Frankreich gerichtete Münzwanderung bemerkbar.  Die Geldstücke der Union in der Schweiz kommen nun aus ihren Verstecken hervor, werden nach Frankreich ausgeführt, dort in französische Noten umgetauscht, die man dann an der Börse gegen schweizerische Noten verkauft.  Da die französische Währung damals (1914/15) gegenüber dem schweizerischen Geld höher im Kurs steht, kann man, obgleich die Münzen in jedem Lande den gleichen Nennwert haben, für die französischen Noten einen höheren Nennbetrag schweizerischer Zahlungsmittel erlangen.

Am 13. März 1915 [99] erließ die schweizerische Regierung ein Gesetz, nach dem der Agio-Handel mit Gold- oder Silbermünzen der Lateinischen Münzunion verboten und mit Strafen belegt wurde.

Bald änderte sich jedoch das Bild.  Seit Mai 1915 erzielte der schweizerische Franken ein Agio gegenüber dem französischen, der an der Newyorker und Londoner Börse schon langer eine rücklaufige Bewegung angenommen hatte.  Zum erstenmal seit Bestehen des Lateinischen Münzbundes geriet das französische Geldwesen in eine bedrängte Lage.  Man muß sich vergegenwärtigen, was dies gegenüber der bisherigen Stellung Frankreichs in diesem Bunde bedeutete.  Frankreich war es in seiner früheren Stellung im Lateinischen Münzbunde gelungen, auf die übrigen Mitglieder der Konvention in mancher Hinsicht, insbesondere in politischer Beziehung, maßgebenden Einfluß zu gewinnen.  Mit dem Sinken des französischen Wechselkurses mußte die französische Vorzugsstellung im Bunde stark erschüttert werden.  Aber nicht nur in der Schweiz, auch in Griechenland war der französische Wechselkurs in dauerndem Sinken begriffen.  Beide Länder, insbesondere die Schweiz, übernahmen das Erbe Frankreichs im Münzbunde.

Alsbald begann eine erneute Münzwanderung, diesmal in der Richtung nach der Schweiz.  Das von Frankreich sofort erlassene Goldausfuhrverbot vom 3. Juli 1915, dem unterm 25. August ein solches für Silbermünzen folgte [100], hatte einen zweifelhaften Erfolg [101], trotzdem die französische Regierung noch ein besonderes Verbot des Agio-Handels mit inländischen Münzen erließ [102].  Dagegen konnte die Schweiz gegen Ende 1915 wieder einen geregelten Silberumlauf bei sich einführen und war damit der einzige Staat der Münzunion, dem dies während des Weltkriegs gelang [103].  Ein regelmäßiger Umlauf von Goldmünzen in der Schweiz kam jedoch nach Lage der Verhältnisse nicht in Frage.

Die Nachfrage nach Metallgeld wurde bald so groß, daß nicht nur die Marktpreise für Gold, sondern auch für das bisher in einem fortschreitenden Entwertungszustand gewesene Silber zu steigen begannen.  Die eingeschränkte Produktion, die Ansammlung von Metallgeld in den Staatsbanken und die Wirkung der Ausfuhrverbote erzeugten eine rasch ansteigende Preisbewegung des Silbers, welche erst 1920 ihren Höhepunkt erreichte.  Von einem Friedensstand von 23 ¾ d. für die Unze Standard am 30. Juli 1914 war am 11. Februar 1920 der Preis auf 89 ½ d. für die Unze Standard gestiegen.  Diese Erscheinung konnte eine Auswirkung allerdings nur in der Schweiz zeitigen, weil dies das einzige Land mit Silbergeldumlauf der Lateinischen Münzunion geblieben war.  Die Fünffrankenstücke, wie die Silberscheidemünzen wurden eingeschmolzen und der Metallgehalt verwertet.  Diesem Mißbrauch zu steuern, erließ die schweizerische Regierung am 8. Dezember 1919 ein Verbot, Silbermünzen, die in der Schweiz Kurs haben, einzuschmelzen, überhaupt solche vorübergehend oder dauernd aus dem Verkehr zu ziehen.  Im Gegensatz hiezu litt Frankreich unter der Unmöglichkeit, nach Beendigung des Krieges für den kleinen Zahlungsverkehr eine Silberbasis zu bilden.  Die Unhaltbarkeit dieses Zustandes bewog Frankreich, auf dem Wege eines Abkommens mit der Schweiz Wandel zu schaffen.

Besonders in der zweiten Hälfte des Jahres 1919 machte sich bei der eidgenössischen Staatskasse ein unverhältnismäßig starker Rückfluß an Silberscheidemünzen, vornehmlich französischer Herkunft, in unangenehmer Weise bemerkbar [104].  Der Bestand an Silberscheidemünzen bei dieser Kasse hatte Mitte 1919 die ansehnliche Höhe von 17 ½ Millionen Fr. erreicht.  Nun besteht zwar nach Art. 7 des Münzvertrags von 1885 für die Regierung des Prägelandes die Verpflichtung, die von ihr ausgegebenen Silberscheidemünzen von privaten oder öffentlichen Kassen der anderen Staaten anzunehmen und gegen einen gleichen Betrag kurrenter Gold- und Silbermünzen, die vorschriftsmäßig geprägt sein mussen, auszuwechseln.  Auf Grund dieses Artikels verlangte die Schweiz die Heimschaffung der französischen Silberscheidemünzen.  Nach vorausgegangener Verständigung ließ die Schweiz Ende 1919 eine erste Sendung von 3 Millionen Fr. nach Frankreich gehen, deren Gegenwert in Fünffrankenstücken an die Schweiz vergütet wurde.  Man war sich jedoch darüber klar, daß die nach Frankreich abgeschobenen Münzen, wenn in Umlauf gesetzt, trotz des bestehenden Ausfuhrverbots recht bald wieder auf dem Wege der Spekulation nach der Schweiz gelangen würden.

In einer Note vom 22. Dezember 1919 äußerte daher die französische Regierung den Wunsch, auf einen möglichst baldigen Zeitpunkt eine Münzkonferenz einzüberufen, um der starken Ausfuhr von Silberscheidemünzen aus Frankreich nach der Schweiz entgegenzutreten.  Unter Hinweis auf das gegenüber Italien und Griechenland seinerzeit geübte Verfahren stellte Frankreich den Antrag, es möchten die nötigen Maßnahmen ins Auge gefaßt werden, um den gesetzlichen Kurs der französischen Silberscheidemünzen in der Schweiz aufzuheben.

Die Schweiz stellte auf diplomatischem Wege ihren schon 1903 und wieder 1908 vertretenen Antrag, daß die Silberscheidemünzen aller Länder allgemein nationalisiert werden möchten, d.h. daß das vertragliche Umlaufsrecht der Münzen innerhalb der Union ganz aufgehoben werde.  Frankreich setzte darauf den Zusammentritt einer besonderen Konferenz zur Besprechung der Frage, wie die Nationalisierung der Silbermünzen zu verwirklichen sei, auf den 23. Februar 1920 fest.

Schon am ersten Verhandlungstage zeigte sich eine Verschiedenheit der Auffassung in der Frage der Nationalisierung der Silberscheidemünzen.  Der schweizerische Vorschlag der allgemeinen Nationalisierung fand keine Gegenliebe.  Alle übrigen Bevollmächtigten erklärten sich für eine einfache Regelung zwischen der Schweiz und Frankreich.  Die Vertreter der französischen Regierung erklärten, daß es nach Lage der Verhältnisse genüge, wenn das gleiche einfache Mittel – der vorübergehende Rückzug der französischen Münzen – angewendet werde, wie 1893 und 1908.  Denn die Abwanderung der französischen Silberscheidemünzen sei nur durch den Tiefstand des französischen Wechselkurses hervorgerufen.  Gegen den schweizerischen Vorschlag allgemeiner Nationalisierung sämtlicher Silberscheidemünzen wurden wieder die gleichen Gründe wie 1908 vorgebracht : Gefährdung des Weiterbestehens der Münzunion, weil die letztere nach Ausschaltung der Silberscheidemünzen keine große Daseinsberechtigung mehr hätte.  Die belgischen Bevollmächtigten erklärten, daß die Annahme des schweizerischen Antrags Belgien vor die Notwendigkeit des Austritts aus der Münzunion stellen würde.  Die Mitglieder der Münzkonferenz waren bestrebt, alles fernzuhalten, was der Auflösung der Münzunion den Weg hätte bereiten können.  So wurde auch ein weiterer schweizerischer Antrag, als Ersatz für die heimzuschaffenden französischen Münzen Silbermünzen ausprägen zu dürfen, die nur für den inneren Verkehr innerhalb der Schweiz bestimmt gewesen wären und auch einen niedrigeren Feingehalt gehabt hätten, von allen übrigen Vertragsstaaten abgelehnt.

Zu dem Inhalt des Vertrags vom 25. März 1920 (Zusatzvertrag zum Hauptvertrag vom 6. November 1885) ist zu bemerken :

Zu Art. 1 : Die Regierungen der Schweiz und Frankreichs verpflichten sich, die wechselseitig kursierenden Silberscheidemünzen (2 Fr., 1 Fr., 50 Ct., 20 Ct.) französischen bzw. schweizerischen Gepräges in das Prägeland zurückzuführen.  Auf eine Rücklieferung der in Italien und Griechenland kursierenden schweizerischen Münzen wurde verzichtet, da es sich ja nicht um große Mengen handeln konnte.

Zu Art. 2 : Die Einwechselungsfrist der schweizerischen Münzen an den öffentlichen Kassen Frankreichs dauert drei Monate, wobei hinsichtlich der Höhe des einzuwechselnden Betrags keine Beschränkung besteht (ausdrückliche Abweichung von Art. 6 des Vertrags vorn 6. November 1885).  Diese dem Publikum zur Ablieferung der Silberscheidemünzen an den öffentlichen Kassen gewährte Frist von 3 Monaten erscheint auf den ersten Blick etwas kurz bemessen.  Bei der Rückführung der italienischen Silberscheidemünzen in Jahre 1894 betrug diese Frist 4 Monate (Art. 2 des Übereinkommens vom 15. November 1893).  Es bestand jedoch namentlich in der Schweiz der Wunsch, die Frist zur Einlösung der meist auf Spekulationswegen nach der Schweiz gelangten französischen Münzen möglichst abzukürzen.  Frankreich hatte ursprünglich nur eine Einlösungsfrist von 2 Monaten vorgeschlagen, die aber seitens der Schweiz nicht für ausreichend gehalten wurde.  Für die in Algerien und in den übrigen französischen Kolonien umlaufenden schweizerischen Münzen dauerte die Frist 4 Monate.

Art. 3 enthält die Verpflichtung des gegenseitigen Austausches der eingesammelten Münzen.

Art. 4 handelt von den Maßnahmen, die seitens der Schweiz getroffen werden dürfen, um dem Mangel an Silberscheidemünzen abzuhelfen, der sich aus dem Rückzug der französischen Münzen aus dem schweizerischen Gebiet ergeben könnte.  Das durch den Zusatzvertrag vom 4. November 1908 auf 16 Fr. pro Kopf der Bevölkerung festgesetzte Kontingent an Silberscheidemünzen für die Schweiz wurde auf 28 Fr. erhöht.  Diese Prägungen sind durch keinerlei jährliches Maximum beschränkt.

Nach Art. 5 steht es der Schweiz frei, die aus dem Umlauf zurückgezogenen französischen Silberscheidemünzen, soweit sie den Betrag der von Frankreich zurückgegebenen schweizerischen Münzen übersteigen, an Frankreich abzuschieben oder sie für ihre eigenen Bedürfnisse zurückzubehalten.  Innerhalb einer Zeitdauer von 4 Monaten hat die Schweiz an Frankreich bekanntzugeben, welche Mengen französischer Münzen sie zurückzuhalten gedenkt.  Die zurückbehaltenen französischen Silberscheidemünzen kann die Schweiz entweder als Deckung für die Ausgabe eines entsprechenden Betrags von Silberzertifikaten (in Abschnitten zu 2 Fr., zu 1 Fr. und zu 50 Rappen) oder zur Umprägung in schweizerische Münzen verwenden.  Im ersteren Falle sind diese Münzen nach Ablauf einer Frist von vier Jahren, vom Inkrafttreten des Vertrags an gerechnet, und, vorbehaltlich einer anderweitigen Regelung, der französischen Regierung wieder zur Verfügung zu stellen.

Art. 6 : Entscheidet sich dagegen die Schweiz für eine Neuprägung im Rahmen des erhöhten Kontingents und nach Maßgabe des Vertrags von 1885, so hat sie hiefür französische Silberscheidemünzen oder Fünffrankenstücke irgendeines Vertragsstaats zu verwenden.  Letztere Bestimmung ist hinsichtlich ihrer finanziellen Tragweite von Bedeutung.  Die Umprägung von silbernen Fünffrankenstücken in Silberscheidemünzen war wegen des höheren Feingehalts mit Vorteil verbunden, während die Einschmelzung von Silberscheidemünzen infolge des Gewichtsverlusts durch Abnutzung einen kleinen Verlust ergeben hätte.  Gewinn und Verlust gehen auf Rechnung des Münzreservefonds.

Die Art. 7–12 enthalten die Ausführungsbestimmungen zu den vorstehenden grundsätzlichen Festlegungen.  Die Frist für die Bezahlung der abgeschobenen Münzen wird auf einen Monat festgesetzt; die Beträge der Sendungen werden auf eine zu 4 % im Jahr zu verzinsende laufende Rechnung übertragen.  Die Vergütungen haben vorab in schweizerischen Silberscheidemünzen und sodann nach freier Wahl Frankreichs in Fünffrankenstücken, in Gold oder in Wechseln auf die Schweiz zu erfolgen.  Die Kosten des Rückzugs trägt jeder Staat, soweit sie auf seinem Gebiet nötig werden; die Transportkosten der Münzen, Wertpapiere usw. trägt jeder der beiden Staaten bis zu seiner Landesgrenze (Art. 2).  Diese Abmachung entsprach der Billigkeit, da es sich diesmal nicht um einseitige Nationalisierung, wie 1894 und 1908, sondern urn eine gegenseitige Nationalisierung der Münzen der beiden Staaten handelte.

Die Bestimmung in Art. 10 betr. die gegenseitige Annahme der infolge Abnutzung abgeschliffenen Stücke, wurde von der Schweiz mit Rücksicht auf die in ihrem Gebiet in großer Menge umlaufenden, stark abgenützten französischen Münzen verlangt.

Um die Heimschaffung der französischen Silberscheidemünzen zu beschleunigen und deren weitere Zuwanderung zu verhüten, hat die Schweiz das Recht, die Einfuhr von französischen Silberscheidemünzen zu verbieten; Frankreich kann seinerseits ein Ausfuhrverbot erlassen.

Eine besondere Bestimmung enthalt Art. 13.  Hienach hat Belgien das Recht, für die ausschließlichen Bedürfnisse des belgischen Kongogebiets bis zu einem Betrage von 12 Millionen Fr. Stücke zu 1 Fr. und 50 Ct. aus minderwertigem Metall zu prägen.  Diese Münzen werden jedoch von den öffentlichen Kassen Belgiens und der übrigen Vertragsstaaten des Münzverbandes nicht angenommen.  Belgien verpflichtet sich, bis zur Höhe des sich aus den Prägungen dieser besonderen Münzen ergebenden Gewinnes von seinen eigenen Fünffrankenstücken einzuschmelzen.

Im Münzvertrag von 1885 ist in Art. 11 bestimmt, daß die Vertragsstaaten im gegenseitigen Einverständnis darauf Bedacht nehmen werden, der Falschmünzerei und der Münzverschlechterung vorzubeugen.  Art. 14 des Vertrags von 1920 enthalt eine Erweiterung dieser Bestimmung dahin, daß die Vertragsstaaten die nötigen Maßnahmen prüfen werden, um das Einschmelzen der Silberscheidemünzen der Vertragsstaaten durch die Privatindustrie zu verhindern.  Der Gesamtumlauf an Silberscheidemünzen in der Schweiz wurde im Februar 1920 auf 70 Millionen Fr. geschätzt, wovon 50 % = 35 Millionen Fr. französische Münzen.

Die Durchführung des Zusatzvertrags wurde noch im gleichen Jahre vorgenommen.  Es zeigte sich hierbei, daß Frankreich im ganzen nur 2,26 Millionen schweizerische Münzen auszuwechseln hatte, während die Schweiz 43,28 Millionen Fr. französische Scheidemünzen zusammenbrachte.  Man hatte während den Verhandiungen in der Schweiz gehofft, daß das Saldo in Gold bezahlt werden würde.  Als hieraus nichts geworden war, war man in der Schweiz mit dem Ergebnis der Pariser Konferenz nicht recht zufrieden.

Der Zufluß französischer Scheidemünzen war nunmehr unterbunden; da drohte infolge des Sinkens der Silberpreise eine Überschwemmung mit Fünffrankenstücken und belgischen Silberscheidemünzen [105].  Um dies zu verhindern, griff die Schweiz im Dezember 1920 zur Selbsthilfe.  Nachdem die kurz vorher erlassenen Verbote der Einfuhr fremder Silbermünzen der Lateinischen Münzunion [106] in die Schweiz nicht die erwünschte Wirkung gehabt hatten, wurden alle Fünffrankenstücke nichtschweizerischen Gepräges sowie die belgischen Scheidemünzen in der Schweiz außer Kurs gesetzt [107].  Die Geldstücke gelangten durch die staatlichen Kassen zum Einzug.  Das Vorgehen war eine Maßnahme, die den Vertragsbestimmungen der Lateinischen Münzunion geradezu zuwiderlief.  Wenn auch die Fernhaltung der belgischen Silberscheidemünzen sich entschuldigen ließ – mit Frankreich war ja erst im Marz 1920 die gegenseitige Nationalisierung der Silberscheidemünzen vereinbart worden – so bedeutete doch der Ausschluß der silbernen Fünffrankenstücke, einer bis dahin dem Gold gleichgestellten Courantmünze, die Außerkraftsetzung eines der wichtigsten Grundsätze der Lateinischen Münzunion.  Nach Art. 3 des Vertrags von 1885 mußte das silberne Fünffrankenstück in allen Mitgliedstaaten angenommen werden ohne Rücksicht auf die Art des Gepräges.  Man war sich dessen in der Schweiz wohl bewußt und zeigte daher das Bestreben sich diese aus der Not geborene Handlungsweise durch die übrigen Mitglieder der Münzunion baldmöglichst bestätigen zu lassen.

Die Konferenz von 1921 [108]

Zur Regelung der von der Schweiz geschaffenen Verhältnisse wurde im November 1921 eine neue Münzkonferenz einberufen.  Die Schweiz stellte folgende Forderungen :

1.  Anerkennung des Vorgehens,

2.  Zurücknahme und Bezahlung der außer Kurs gesetzten Münzen durch die Prägestaaten,

3.  Erlaubnis von Ersatzprägungen für die fremden Fünffrankenstücke.

Nach langen Verhandlungen wurde am 9. Dezember 1921 ein neues Zusatzabkommen zum Vertrag von 1885 abgeschlossen, welches die von der Schweiz getroffenen Maßnahmen guthieß.

Die Außerkurssetzung der Fünffrankenstücke fremden Gepräges in der Schweiz wurde gebilligt.  Damit kam ein wesentlicher Bestandteil des ursprunglichen Vertrags in Wegfall.  Ferner wurde die Einlösungspflicht der anderen Staaten für ihre in der Schweiz aus dem Verkehr gezogenen Silberscheidemünzen anerkannt und der Schweiz an Stelle der zu nationalisierenden Münzen die Ausprägung von 80 Millionen Fr. eigener Fünffrankenstücke zugesagt (Art. 3 und 8).  Die Einlösungspflicht war aber nach Analogie der Liquidationsklausel von 1885 befristet worden.  Für die angesammelten Münzen hat die schweizerische Regierung erst vom Jahre 1927 an einen Anspruch auf Bezahlung.  Von diesem Zeitpunkt ab soll sich die Liquidation innerhalb 5 Jahren vollziehen.  Vom Jahre 1925 ab ist für die angesammelten Münzbeträge eine geringe Verzinsung in Aussicht gestellt, die im Höchstsatz 1 ½ % nicht übersteigt.  Die angesammelten Mengen an fremden Stücken hatten einen Wertbetrag von 166 Millionen Fr. erreicht.  Von diesem Betrage wurden nur 28,66 Millionen Fr. als in Gold zahlbar festgesetzt.  Der übrige Betrag sollte in schweizerischem Geld oder in Wechseln vergütet werden.  Hiezu trat noch die weitere für die Schweiz ungünstige Bestimmung, daß Belgien seine in der Schweiz umlaufenden Silberscheidemünzen mit belgischen Fünffrankenstücken einlosen dürfte.

Die Hoffnung der Schweiz, durch die Einlösung der fremden Münzen in den baldigen Besitz größerer Goldvorräte zu gelangen, erwies sich damit nur zum kleinsten Teil als erfüllbar.

5.  Der gegenwärtige [109] Münzumlauf in der Lateinischen Münzunion

Durch die Verträge von 1920 und 1921 nimmt die Schweiz innerhalb des Lateinischen Münzbundes eine besondere Stellung ein.  Nachdem die Umlaufsfähigkeit der schweizerischen Silberscheidemünzen auf die Schweiz beschränkt und diejenige der fremden Fünffrankenstücke in der Schweiz aufgehoben wurde, hat die Schweiz mit den übrigen Mitgliedsstaaten des Lateinischen Münzbundes nur noch die Goldstücke gemeinsam.  Die Goldmünzen der Unionsstaaten sind somit die einzigen Münzen, die noch im gesamten Gebiet des Lateinischen Münzbundes ihre frühere Umlaufsfähigkeit besitzen.  Dem silbernen Fünffrankenstück fremden Gepräges ist das schweizerische Land verschlossen; in den vier anderen Staaten ist es Kurantmünze der Union geblieben.  Dagegen haben die schweizerischen Fünffrankenstücke in den Mitgliedstaaten den Kassenkurs behalten.  Verwickelter sind die Verhältnisse bei den Silberscheidemünzen geworden; nachstehende Übersicht gibt hierüber Aufschluß.

Umlauf der Silberscheidemünzen

Prägeland

Haben Umlaufsfähigkeit in

Schweiz
Frankreich
Belgien
Italien
Griechenland

Frankreich
Frankreich

Belgien
Belgien
Belgien

Schweiz



Italien
Italien
Italien

Griechenland
Griechenland
Griechenland

Demnach ist in der Schweiz das Scheidegeld der übrigen Staaten, in allen fünf Staaten das Scheidegeld Italiens und Griechenlands, in Frankreich nur das Scheidegeld der Schweiz vom Umlauf ausgeschlossen.

IX.  Weltmünzbund und Weltmünze.  Die Zukunftsaussichten der Lateinischen Münzunion

Es bestehen internationale Verträge und Abmachungen über alle möglichen Gegenstände und Bedürfnisse, die im Leben der Völker eine Rolle spielen, angefangen von den Handelsverträgen benachbarter Staaten bis zum umfassendsten aller internationalen Verträge, dem Weltpostvertrag.  Man muß sich also fragen, wie es kommt, daß die Verschiedenheit in den Münzsystemen der Kulturvölker nicht schon längst weiter eingeschränkt worden ist.  Die Vorteile einer beständigen Münzgleichheit liegen auf der Hand; neben dieser materiellen Seite steht die ideale Vorstellung eines Zusammengehens der ganzen Menschheit in einer Angelegenheit, die mittelbar oder unmittelbar jeden betrifft.  Darum ist auch der Gedanke einer Weltmünzeinheit fast so alt wie die Verschiedenheit der Münzverfassungen der einzelnen Länder.  Unendlich viele Vorschläge sind zur Regelung dieser Frage aufgetaucht und wieder in Vergessenheit geraten [110].  Besonders nahe mußte der Gedanke eines Weltmünzbundes in einer Zeit liegen, in der die Menschheit noch unter dem frischen und vollen Eindrucke des gewaltigen Fortschrittes stand, der aus der Erleichterung des Verkehrs von Nation zu Nation hervorgegangen war [111].  Nachdem die Errungenschaften der modernen Technik die Überwindung des trennenden Raumes erleichtert und so die natürlichen Schwierigkeiten des internationalen Verkehrs wesentlich vermindert hatten, war man bestrebt, auch die künstlichen Hindernisse zu beseitigen.  Unter der lebhaften Mitwirkung Napoleons III. war in den Handelsverträgen mit England, mit dem Zollverein und mit anderen Staaten die bisherige Politik der Absperrung preisgegeben worden.  Ebenso wie durch die Herabsetzung der Zollschranken wollte man den internationalen Güteraustausch fördern durch die Einführung eines universellen Maß- und Gewichtssystems und durch die Begründung einer Weltmünzeinheit.  In der Tat ist es den Franzosen gelungen, ihrem metrischen Maß- und Gewichtssystem eine nahezu universelle Verbreitung zu geben.  In der Münzfrage jedoch stießen diese kosmopolitischen Bestrebungen auf große Schwierigkeiten.  Der Gedanke des Weltmünzbundes fand namentlich in Frankreich eifrige Förderung durch den mehrfach genannten De Parieu, Vizepräsident und späterer Präsident des Staatsrats.  Nach seiner Meinung sollte die Lateinische Münzunion nur eine Vorstufe für die erstrebte Weltmünzeinheit sein; es wurde deshalb der Lateinische Münzbund als sogenannter offener Vertrag, mit dem Beitrittsrecht für jeden anderen Staat, der die Bedingungen anerkennen wollte, gestaltet.  In der Zeit vor 1865 hatte das System des französischen Franken, insbesondere durch die Ereignisse in Italien, an Ausdehnung gewonnen.  Eine Folgeerscheinung der Münzkonvention von 1865 war die Einführung von dem Franken gleichwertigen Münzen in Spanien, Finnland, Rumänien und Serbien.  Aus der Geschichte der nordischen Münzunion ist bekannt, daß der bedeutendste der nordischen Staaten, Schweden, lange Zeit den Plan verfolgte, sich dem französischen Frankensystem anzuschließen.

Durch das starre Festhalten an dem System der Doppelwährung in der für den Weltmünzgedanken günstigsten Zeit von 1865-1870 erschwerte Frankreich den Staaten, die zum Beitritt geneigt gewesen wären, diesen Schritt und zwang sie zur Einführung autonomer Münzsysteme.  So begann der Gedanke der Weltmünzeinheit an Anhang zu verlieren.  Zwar gingen in den nächsten Jahren Österreich-Ungarn, Rußland und Schweden dazu über, wenigstens Goldmünzen im Anschluß an das Frankensystem auszuprägen.  Aber Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika hielten sich abseits [112].  Von einschneidender Bedeutung war die deutsche Währungsreform von 1871-1873.  Dafür, daß diese nicht den Anschluß an den Franken und den Münzbund suchte, wie der volkswirtschaftliche Kongreß von 1867 und der deutsche Handelsvertrag von 1868 in ihren Beschlüssen es gewünscht hatten, war neben sachlichen Gegengründen auch die nach dem Kriege verbliebene politische Verstimmung zwischen Frankreich und Deutschland schuld.

»Unglücklicherweise«, sagt Janssen [113], »haben die Ereignisse von 1870 einen vollständigen Stillstand in die Vereinheitlichungsbewegung gebracht; die Niederlage Frankreichs verminderte seinen Einfluß auf die Fortbildung in fremden Gesetzgebungen; das Deutsche Reich setzte seiner Thronbesteigung ein Denkmal durch Ausprägung der Goldmark und seit dieser Zeit sind die Gedankengänge im Münzwesen wieder nationalistischer geworden.  Die großen Münzreformen von Skandinavien, Österreich und Rußland haben sich vollzogen ohne irgendwelche direkte Beziehungen mit den Münzsystemen, die in anderen Ländern bestanden.  Gegenwärtig [114] besteht ein status quo, und es ist aller Grund vorhanden zu behaupten, daß es noch viele Jahre dauern werde, bevor der große Fortschritt, eine allgemeine Rechnungseinheit im zwischenstaatlichen Verkehr zu haben, erreicht sein wird.  Ja, man kann sagen, daß man sich, wenigstens was die europäischen Staaten anbetrifft, von diesem Ziele weiter denn je entfernt befindet.  Die hauptsächlichste Schwierigkeit besteht darin, daß es mehrere volkreiche Nationen gibt, wie Frankreich, England, Vereinigte Staaten von Amerika, Deutschland, Rußland und Österreich, von denen jede ihr besonderes Münzsystem besitzt, auf welches sie, sei es aus guten oder weniger guten Gründen, nicht verzichten will«.

Der Weltkrieg hat alle Hoffnungen auf eine internationale Verstandigung im Münzwesen in nächster Zeit zunichte gemacht.  Einen wertvollen Fingerzeig, wie auch unter verworrenen Geldverhältnissen eine einheitliche unveränderliche Münzbasis für alle Länder geschaffen werden kann, hat uns der Weltpostvertrag von Madrid (1920) gegeben.  Eine besondere Unterkommission der Weltpostkonferenz zu Madrid hatte die Frage zu prüfen, in welcher Währung die Gebühren festgesetzt und die Abrechnungen aufgestellt werden sollen und wie die Umrechnungen in die verschiedenen Landeswährungen – es handeit sich um mehr als 70 Länder – zu erfolgen hätten.  Es ergaben sich zwei Fragen :

1.  In welchem Gelde sollen die Durchgangsgebühren für Postsendungen künftig gezahlt werden ?

2.  Auf welchen Grundlagen und in welcher Weise soll der Wert dieses Geldes bestimmt werden ?

Die Unterkommission entschied sich entsprechend den Ausführungen in einer schwedischen Denkschrift für eine unveränderliche Rechnungseinheit, nämlich den Goldfranken.  Zur Beantwortung der zweiten Frage entschloß man sich, den Devisenkurs desjenigen Landes zu wählen, das folgende drei Bedingungen erfülle : Höchster Kursstand, Freiheit des Handels mit Gold und jederzeitige Einlösung der Banknoten gegen Goldgeld.  Diese Bedingungen trafen damals nur für den Dollar der Vereinigten Staaten von Amerika zu [115].  10.000 Dollars sind nach der Menge des in ihnen enthaltenen Goldes = 51.825 Goldfranken, 1 Goldfranken = 10.000 / 51.825 Dollar.  Nimmt man den Kurs irgendeiner Landeswährung im Verhältnis zum Dollar mit 20 : 1 an, so ist ein Goldfranken = 10.000 / 51.825 × 20 der betr. Landeswährungseinheit.

Damit scheint an die Stelle einer Weltmünze eine Weltrechnungseinheit getreten zu sein, deren Fortentwicklung abgewartet werden muß.

Die Zukunft der Lateinischen Münzunion

Man könnte versucht sein, die Entwicklung der Lateinischen Münzunion als eines Vertrags über den Geldverkehr mit der Entwicklung ähnlicher internationaler Verträge, z.B. derjenigen des Nachrichtenverkehrs, zu vergleichen.  So ist der Welttelegraphenverein fast zu gleicher Zeit begründet worden wie die Lateinische Münzunion; der erstere erstreckt sich jetzt auf die ganze Welt und besteht zur großen Zufriedenheit der dabei Beteiligten.  Ein Vergleich der Lateinischen Münzunion mit dem Welttelegraphenverein würde aber fehlgehen; denn der Welttelegraphenverein, wie auch der Weltpostverein hat nur Verwaltungsmaßnahmen zum Gegenstand.  Veränderungen betreffen nur Verwaltungsdienstzweige oder Gebühren und lassen sich durchführen, ohne das Wirtschaftsleben oder die Gesetzgebung wesentlich zu beeinflussen.

Anders bei den Münzverträgen von der Art der Lateinischen Münzunion.  Eines der wesentlichsten Merkmale der Souveränität eines Staates ist die Münzhoheit, die Regelung des Münzverkehrs, und es ist außerordentlich gefahrvoll, sich auch nur eines Teils davon zu begeben und sich an einen ausländischen Staat zu binden.  Denn jeder Staat muß seine Münzpolitik so gestalten können, wie es ihm zuträglich erscheint.  Eine Münze im internationalen Sinn kann nur ein Geldstück sein, das probemäßig im Gewicht und vollwertig ist.  Der Abschluß einer Münzkonvention mit einem fremden Staate ist nichts anderes als die Abgabe einer bindenden Verpflichtung, künftig niemals einen Krieg, noch eine Revolution, noch eine interne Wirtschaftskrisis bestehen zu haben.  Denn wenn eines dieser Ereignisse eintritt, dann steht das Interesse der Selbsterhaltung für den Staat im Vordergrund.  Das haben die Erscheinungen des Weltkrieges deutlich gezeigt.

Aber es läßt sich nicht behaupten, daß alle Münzverträge ein ungunstiges Bild zeigen.  Die skandinavische Münzunion hat vor dem Weltkriege ihren Teilnehmern volle Befriedigung gebracht.  Der zwischenstaatliche Umlauf der Münzen und Banknoten in den drei Ländern war ein völlig ungestörter.  Das Gleichgewicht der drei Währungen blieb erhalten, weil auch die Wechselkurse auf Pari geblieben waren.  Es ist augenscheinlich, daß lediglich der letztere Umstand die in einer Münzkonvention latenten Schwierigkeiten nicht zum Ausbruch kommen ließ.  Die Münzkonventionen zwischen den Staaten des Zollvereins haben sehr segensreich gewirkt; sie haben das Verdienst, Ordnung in die damalige Mannigfaltigkeit des deutschen kleinstaatlichen Münzwesens gebracht zu haben.  Die Verhältnisse lagen allerdings anders; es handelte sich um Staaten, die ein politisches Ganzes bildeten, die im Interesse des näheren Zusammenschlusses auf den großten Teil ihrer Münzhoheit verzichtet hatten.

Die Wandlungen, die der Lateinische Münzbund durchgemacht hat, haben im Laufe von sechs Jahrzehnten von der streng eingehaltenen Doppelwährung zur Goldwährung geführt.  Man kann diese Entwicklung nach äußerlichen Merkmalen mit Egner [116] den Prozeß der Entsilberung nennen.  Nach und nach mußten die Grundsätze des Münzvertrags dem wirtschaftlichen und politischen Interesse der einzelnen an ihm beteiligten Mächte weichen.  Es hat der Münzbund unter dem Druck der Wirklichkeit allmählich eine solche Form angenommen, welche die Staaten nur noch einen kleinen Rest der früheren Schwachen des Vertrags verspüren läßt.  Der Hauptfehler des Lateinischen Münzbundes war, daß weder die tatsächliche Münzgemeinschaft noch die grundsätzliche Koordinierung von Gold und Silber hatten verhindern können, daß die Relation zwischen den einzelnen Landeswährungen sich fortgesetzt veränderte.  Der währungspolitische Inhalt, den der Vertrag haben sollte, ist nicht zur Tatsache geworden.

Die Lateinische Münzunion ist durch den Weltkrieg fast vollständig entwertet worden; dennoch wird sie noch lange Zeit fortbestehen.  Das hat zwei Gründe.

Vor allem wirken heute noch die Umstände fort, die ihren Bestand bis zum Kriege so gefestigt haben; das ist das Bedürfnis bei den schwachen Staaten nach Kredit und politischem Schutz bei der bisher führend gewesenen Macht und das Verlangen der letzteren nach Wiedererstarkung ihres politischen Einflusses im Bunde.  Die kleinen Staaten werden aller Voraussicht nach auch künftig an der Lateinischen Münzunion festhalten, die damit eine politische Organisation darstellt.

Ein weiterer Grund sind die hohen Beträge, die im Falle einer Liquidation von den Ländern (außer der Schweiz) an Frankreich zu zahlen wären.  In welchem Verhältnis auch die ausgeprägten silbernen Fünffrankenstücke im Umlauf sein mögen, sicher ist jedenfalls, daß Belgien, Italien und Griechenland die Schuldner Frankreichs wären und unter der Einlösung der zurückgenommenen Silberstücke, deren Metallwert einen Bruchteil ihres Materialwertes darstellt, recht schwer zu leiden hätten.

So werden voraussichtlich politische und wirtschaftliche Umstände zu dem Fortbestand der Lateinischen Münzunion auf noch nicht absehbare Zeit beitragen.

 

ANHANG

Zeittafel zur Geschichte der Lateinischen Münzunion 1865–1925 [117]

 

Art des Vertrags oder Abkommens Datum Kurze Bezeichnung des wesentlichen Inhalts Text SBB [118]
1. Hauptvertrag 23. Dez. 1865 Regelung d. Münzbeschaffenheit, des Umlaufs, der Annahmepflicht, der Abnutzung, Einlösepflicht, Beitrittsrecht, Kontingente der Silberscheidemünzen 1866, I, 150 ff.
2. Beitrittsgesuch Griechenlands u. Annahme des Gesuchs 26. Sept. 1868 Im Namen der übrigen Staaten durch den Staatssekretär des franz. Min. d. auswärt. Angelegenh. vollzogen 18. Nov. 1868
3. Zusatzübereinkommen 31. Jan. 1874 Beschränkung der jährlichen Ausprägungen an silbernen 5-Frs.-Stücken – Verschärfung der Beitrittsklausel 1874, I, 1024
4. Erklärung 5. Febr. 1875 Ausprägung an 5-Frs.-Stücken für 1875 1875, III, 153
5. Erklärung 3. Febr. 1876 Ausprägung an 5-Frs.-Stücken für 1876 1876, II, 981
6. Hauptvertrag (1. Neufassung) 5. Nov. 1878 Wie unter 1. – Maßnahmen gegen die aus der Papiergeldwährung Italiens entstandenen Unzuträglichkeiten 1878, IV, 516 ff.
7. Übereinkommen (Zusatz) nebst Protokoll 5. Nov. 1878 Zur Ausführung des Art. 8 des Hauptvertrags 1878, IV, 516 ff.
8. Erklärung 5. Nov. 1878 Einstellung der Ausprägung von 5-Frs.-Stücken 1878, IV, 516 ff.
9. Zusatzakte zum Zusatzübereinkommen 20. Juni 1879 Betr. Rückführung der ital. Scheidemünzen – erleichterte Form 1879, III, 211
10. Hauptvertrag (2. Neufassung) 6. Nov. 1885 Einführung einer Liquidationsklausel, von Belgien nicht ratifiziert 1885, IV, 492 ff.
11. Vereinbarung betr. die Ausführung von Art. 14 6. Nov. 1885 Art und Weise der Ausführung der Liquidation im Fall der Auflösung des Lat. Münzbundes 1885, IV, 492 ff.
12. Erklärungen der schweiz. u. griech. Regierungen 6. Nov. 1885 Vorbehalte beider Regierungen zum Hauptvertrag 1885, IV, 492 ff.
13. Zusatzakte 12. Dez. 1885 Wiedereintritt Belgiens, Anerkennung des Vertrags von 1885 unter bestimmten Bedingungen 1885, IV, 596
14. Erklärung 12. Dez. 1885 Griechenland beansprucht im Falle einer Liquidation gleiche Behandlung wie Belgien 1885, IV, 596
15. Abkommen 15. Nov. 1893 Rückführung und Nationalisierung der ital. Scheidemünzen 1893, V, 211
16. Übereinkommen 29. Okt. 1897 Vermehrung der Kontingente für die Silberscheidemünzenausprägung 1897, IV, 640
17. Zusatzprotokoll zum Abkommen vom 15. Nov. 1893 15. März 1898 Betr. Änderung des Art. 7 des Hauptvertrags von 1885 zugunsten Italiens 1898, II, 651
18. Zusatzvertrag 15. Nov. 1902 Vermehrung der Kontingente für die Ausprägung von Silberscheidemünzen 1902, V, 595
19. Zusatzvertrag z. Hauptvertrag v. 1885 4. Nov. 1908 Desgl. – Ferner Ruckführung und Nationalisierung der griechischen Silberscheidemünzen 1908, VI, 247 ff.
20. Protokoll betr. Ausführung des Art. 1 des Zusatzvertrags 4. Nov. 1908 Erklärung, daß der Gewinn aus den Prägungen von Silberscheidemünzen zur Amortisation der umlaufenden Banknoten verwendet werden wird 1908, VI, 247 ff.
21. Protokoll betr. Ausführung des Art. 17 des Zusatzvertrags 4. Nov. 1908 Feststellung der alten Arten von silbernen 5-Frs.-Stücken, die im Königreich Italien noch gesetzlichen Kurs haben 1908, VI, 247 ff.
22. Erklärung 24. März 1909 Hinausschiebung des Datums des Inkrafttretens des Zusatzvertrags (Art. 18) vom 1. April 1909 auf 15. Mai 1909 1909, III, 3
23. Zusatzvertrag z. Hauptvertrag v. 1885 25. März 1920 Gegenseitige Zurückführung u. Nationalisierung d. franz. und schweiz. Silberscheidemünzen 1920, II, 223
24. Zusatzvertrag z. Hauptvertrag v. 1885 9. Dez. 1921 Aufhebung des Umlaufs von fremden Silberscheidemünzen und 5-Frs.-Stücken in der Schweiz 1922, I, 77

NACHWORT

Nach vollendeter Drucklegung dieser Arbeit ist durch Zeitungsnachrichten bekannt geworden, daß Belgien die Lateinische Münzunion gekündigt hat (Kölnische Zeitung Nr. 13 vom 6. Januar 1926).  Diese Tatsache wird voraussichtlich die Einberufung einer neuen Konferenz zur Folge haben.  Eine wesentliche Umgestaltung der Lateinischen Münzunion wird unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht zu erwarten sein.

SCHRIFTTUM

Schweizerisches Bundesblatt 1860 II, 1866 I, 1874 I und II, 1875 II, 1876 II, 1878 IV, 1879 III, 1885 IV, 1893 V, 1897 V, 1898 II, 1902 V, 1908 VI, 1915 I, 1920 II, 1922 I.

Janssen, A.E., Les conventions monétaires, Paris-Brüssel 1911.

Willis, H.P., History of the Latin Monetary Union, Chicago 1901.

Brossault, G., L’Union monétaire latine, Rennes 1903.

Egner, Dr. E., Der Lateinische Münzbund seit dem Weltkriege, Leipzig 1925.

Paillard, La Suisse et l’Union monétaire latine, Lausanne 1909.

Bamberger, Schicksale des Lateinischen Münzbundes.

Statistisches Jahrbuch für das Deutsche Reich 1915, 1920, 1921.

Helfferich, Das Geld, Leipzig 1910 und 1923.

Lippert, Internationales Finanzrecht, Triest, Wien, Leipzig 1912.

Strupp, Wörterbuch des Volkerrechts und der Diplomatie (im Erscheinen).

Politisches Handwörterbuch, Münzbunde.

Bankarchiv, XVI. Jahrg., Heft 7 und 8.

Die Bank, 1920, Heft 6.

Revue de droit international, Bd. 13, 1881.

Archiv für öffentliches Recht, Bd. 11, 1896.

Marsault, A., Des conventions monétaires et de l’Union monétaire latine, Paris 1889.

Santoponte, Dott. G., Il mercato monetario e la guerra, Rom 1917.

Dalberg, R., Die Entthronung des Goldes, Stuttgart 1916.

Schär, Umgestaltung der Geld- und Währungsverhältnisse durch den Krieg, Berlin 1920.

Journal des Économistes, verschiedene Bände.

Économiste français, verschiedene Bände.

The Economist, verschiedene Bände.

Knapp, Staatliche Theorie des Geldes, Leipzig und München 1921.

Blaum, K., Das Geldwesen der Schweiz seit 1798, Straßburg 1908.

Burckhardt-Bischoff, Die lateinische Münzkonvention, Basel 1886.

Kalckman, Untersuchungen über das Geldwesen der Schweiz, St. Gallen 1901.

Cassel, Das Geldproblem der Welt, München 1921.

 


[1]    A. E. Janssen, Les conventions monétaires.  Paris und Brüssel 1911.  S.203.

[2]    Vgl. hierüber Esslen, Vergangenheit und Zukunft des Lateinischen Münzbundes.  Bankarchiv, 16. Jahrg., S. 126.

[3]    Lippert, Internat. Finanzrecht.  Triest, Wien, Leipzig 1912, S. 868.

Ausnahmsweise blieb Österreich die Prägung von Dukaten und Levantinertalern vorbehalten.

Keiner der Staaten war berechtigt, Papiergeld mit Zwangskurs auszugeben oder ausgeben zu lassen, falls nicht Einrichtung getroffen wurde, daß solches jederzeit in vollwertige Silbermünzen auf Verlangen der Inhaber umgewechselt werden konnte.  Nach den Ereignissen des Jahres 1866 schieden Österreich und Liechtenstein durch die Übereinkunft vom 13. Juni 1867 mit Wirkung vom 1. Januar 1868 aus dem Deutschen Münzverein aus.  Für Österreich hatte der Münzvertrag von 1857 durch die Auflösung des deutschen Bundesverhältnisses seinen wesentlichsten Wert verloren.  Am 13. Juni 1867 wurde vereinbart, daß den bis 1867 geprägten Vereinstalern und Doppeltalern die Eigenschaft eines gesetzlichen Zahlungsmittels vor dem Ablauf des Jahres 1870 nicht zu entziehen sei, sofern nicht in der Zwischenzeit ein anderes als das bestehende Münzsystem eingeführt würde.  Bezüglich der Vereinstaler österreichischen Gepräges traf das Abkommen vom 20. Februar 1892 die endgültige Regelung, indem sich die Regierungen Österreich-Ungarns verpflichteten, von der deutschen Regierung 8 2/3 Millionen in Talern oder Vereins-Doppeltalern österreichischen Gepräges in 3 Jahresraten Anfang April 1892, 1893 und 1894 unter Entrichtung des Gegenwertes nach dem Wertverhältnisse von 1 Taler = 1 ½  fl. österreichischer Währung zu übernehmen.

Die deutschen Eintalerstücke gelten zufolge Bekanntmachung des Deutschen Reichskanzlers vom 27. Juni 1907 ab 1. Oktober 1907 im Deutschen Reich nicht mehr als gesetzliches Zahlungsmittel.

[4]    Janssen, Les conventions monétaires, S. 149, und G. Brossault, L’union monétaire latine.  Rennes 1903, S. 31.

[5]    Arnauné, La Monnaie, le Crédit et le Change.  Paris 1902, S. 154.

[6]    Brossault, S. 35.

[7]    Enquête monétaire.  Paris 1858, Rapport S. 13.

[8]    Janssen, S. 150.

[9]    Traité du change des monnaies.  Von Le Touzé, S. 132.

[10]    Janssen, S. 156.

[11]    Vgl. hierüber Janssen, S. 158 ff.

[12]    Paillard, La Suisse et l’Union monétaire latine.  Lausanne 1909, S. 8 ff. — Vgl. auch Burckhardt-Bischoff, Die Lat. Münzkonvention und der internationale Bimetallismus.  Basel 1886.

[13]    Vgl. hierüber Burckhardt-Bischoff, S. 5.

[14]    Paillard, S. 15.

[15]    Janssen, S. 182.

[16]    Amtliche Sammlung der schweizerischen Bundesgesetze, Bd. VI, S. 442.

[17]    Ibidem.

[18]    Schweiz. Bundesblatt 1866, I, S. 134.

[19]    Janssen, S. 183.

[20]    Janssen, S. 186.

[21]    Brossault, S. 40.

[22]    Vgl. bezüglich der Schweiz : Burckhardt-Bischoff, S. 4; bezüglich Belgiens : Janssen, S. 159.  Italien hatte noch mehrere Jahrzehnte mit dem Einzug der älteren Münzen zu tun.

[23]    Burckhardt-Bischoff, S. 4.

[24]    Janssen, S. 186.

[25]    Helfferich, Das Geld, 1923, S. 129.

[26]    Van der Rest, L’union monétaire latine, in : Revue de droit international, Bd. 13 (1881), S. 10.

[27]    H. P. Willis, A History of the Latin Monetary Union.  Chicago 1901, S. 42.

[28]    Willis, S. 56.

[29]    E. van der Rest, S. 13. — Der (maßgebende) französische Text des Vertrages von 1865 sowie der Änderungen in der Folgezeit findet sich bei Janssen, S. 514 ff.; wegen des deutschen Textes vgl. Anhang : Zeittafel der Lateinischen Münzunion.

[30]    Die Gründe für das ablehnende Verhalten Frankreichs sind nicht genau bekannt.  Wenn die finanzielle Lage Spaniens keine besonders günstige war, so war dies nicht anders wie bei Griechenland.  Die Ursachen sind mehr in den politischen Verhältnissen jener Jahre zu suchen.

[31]    London Economist vom 20. April 1867, S. 448.

[32]    Rapport de la commission monétaire de 1867.  Paris 1867 (Willis, S. 76).

[33]    Wegen der Verhandlungen, vgl. Janssen, S. 203 ff.

[34]    Négociations monétaires entre la France et l’Autriche 1867.  Procès-verbaux autographiés, S. 3.

[35]    Janssen, S. 207.

[36]    Man hoffte auf der Weltmünzkonferenz von 1867, daß auch das englische Pfund auf den Wert von 25 Frs. in Gold gebracht werde.

[37]    Procès-verbaux, Conférence monétaire, 1874, Annexe B, S. 26.

[38]    Janssen, S. 218.

[39]    Revue de droit international, 1881, S. 15.

[40]    Janssen, S. 220.

[41]    Helfferich 1923, S. 169.

[42]    Conférence monétaire internationale.  Paris 1874, Procès-verbaux.

[43]    Procès-verbaux, S. 32.

[44]    Procès-verbaux, S. 13.

[45]    Griechenland war auf der Konferenz von 1874 nicht vertreten.

[46]    Le Siècle, vom 18., 20. und 26. Januar 1874.

[47]    Bankarchiv, Bd. 16, S. 128.

[48]    Brossault, S. 69.

[49]    Brossault, S. 70.

[50]    Janssen, S. 250.

[51]    Conférence von 1876, Livre jaune, S. 55.

[52]    Brossault, S. 77.

[53]    Journal officiel vom 29. Januar 1878.

[54]    Willis, S. 143 ff.

[55]    Willis, S. 166.

[56]    Vgl. Feer-Herzog, Bericht an die schweizerische Industrie- und Handelsvereinigung; veröffentlicht im Journal des Économistes, 1878, I, S. 258.

[57]    Vgl. die Zusammenstellung der Silberkontingente, Procès-verbaux 1878, S. 61; Janssen S. 250.

[58]    Brossault, S. 84.

[59]    Vgl. auch Burckhardt-Bischoff, S. 115.

[60]    Der Bericht ist veröffentlicht im Journal des Économistes 1878, I, S. 258.

[61]    Berichte der schweizerischen Delegierten an die Münzkonferenzen in Paris 1874, 1875, 1876.

[62]    A.a.O., S. 183.

[63]    Schweizerisches Bundesblatt 1878, Bd. IV, S. 504.

[64]    Beide Verpflichtungen bilden die Beilagen A und B zum Vertrage von 1878.

[65]    Janssen, S. 252.

[66]    Van der Rest, S. 274.

[67]    Vgl. Janssen, S. 277.

[68]    Procès-verbaux, Conférence monétaire internationale.  Paris 1881.

[69]    Brossault, S. 88.

[70]    Janssen, S. 278.

[71]    Schweizerisches Bundesblatt 1885, Bd. IV, S. 454.

[72]    Brossault, S. 89.  Siehe auch Économiste français 29. März 1848, S. 373.

[73]    Schweizerisches Bundesblatt von 1885, IV, S. 469.

[74]    Sitzung vom 22. Dezember 1885; Journal officiel français, S. 330.

[75]    Brossault, S. 178.

[76]    Brossault, S. 182.

[77]    Janssen, S. 318.

[78]    Janssen, S. 319.

[79]    Archiv f. öffentl. Recht, Bd. XI (1896), S. 386 ff.

[80]    Moniteur Belge vom 6. April 1891.  Willis, S. 243.

[81]    Économiste français, 26. November 1892, S. 673.  Brossault, S. 92.

[82]    Janssen, S. 337.

[83]    Janssen, S. 346.

[84]    Économiste français, 25. November 1893, S. 683.  (Brossault, S. 114).

[85]    Brossault, S. 114.

[86]    Schweiz. Bundesblatt, 1898 Bd. II, S. 646.

[87]    Jansen, S. 354.

[88]    Schweiz. Bundesblatt, 1908, Band VI, S. 242.

[89]    Vgl. insbesondere Erich Egner, Der lateinische Münzbund seit dem Weltkrieg.  Leipzig 1925.

[90]    Esslen, Vergangenheit und Zukunft des lateinischen Münzbundes.  Bankarchiv, 16. Jahrg., S. 125 ff.

[91]    Helfferich, Das Geld (1923), S. 196.

[92]    Esseln, S. 156.

[93]    Statistisches Jahrbuch der Schweiz 1916, S. 122.

[94]    Vgl. insbesondere Erich Egner, Der lateinische Münzbund seit dem Weltkriege.

[95]    In der Schweiz durch Bundesratsbeschluß vom 30. Juli 1914, Art. II (amtl. Sammlung, N.F., XXX, S. 333); in Belgien durch Verordnung des Königs der Belgier vom 2. August 1914 (Moniteur Belge vom 3. August 1914, Nr. 215); in Frankreich durch Gesetz vom 5. August 1914, Art. III (Législat. de la guerre 1914, Recueil Sirey, Bd. I, S. 29.

[96]    Metallreserven Ende 1916 : 5.316 Millionen Frs. nach »Il Mercato monetario e la guerra« von Dr. Santoponte, 1917, S. 24; und Helfferich, Das Geld.  6. Aufl.

[97]    Esslen, S. 158.

[98]    Ibidem.

[99]    Amtliche Sammiung a.a.O., N.F., XXXI. Jahrg., S. 73.

[100]    Beide Gesetze im Recueil Sirey, Bd. II, S. 218 und 299.

[101]    A. Maier, Das Münzabkommen vom Marz 1920.  Schweizerisches Finanzjahrbuch 1920, S. 84.

[102]    Gesetz vom 12. Februar 1916, Recueil Sirey, Bd. III, S. 303.

[103]    Egner, S. 52.

[104]    Schweiz. Bundesblatt 1920, II, S. 212.

[105]    Egner, S. 70 ff.

[106]    Amtl. Sammlung, a.a.O., 1920, N.F., 36, S. 619 und 733.

[107]    Amtl. Sammlung, a.a.O., 1921, N.F. 37, S. 52–53.

[108]    Egner, S. 72.  Schweiz. Bundesblatt 1922, I, S. 78 ff.

[109]    Juli 1925.

[110]    Vgl. hierüber De Parieu, De l’uniformité monétaire, in Journal des Économistes, Juni 1867.

[111]    Helfferich, Das Geld (1923), S. 136.

[112]    Esslen, S. 127.

[113]    Janssen, S. 127.

[114]    Geschrieben 1911.

[115]    Deutsche Verkehrszeitung 1920, S. 354.

[116]    Egner, S. 75 und 77.

[117]    Sämtliche Verträge sind zu Paris abgeschlossen worden.

[118]    SBB, 1866, I, 150 = Schweizerisches Bundesblatt, Jahrg. 1866, Bd. I, S. 150.

 

 

 

Fermer Sluiten Close
 

©  KBGN-SRNB, 2008-2020