PROTOKOLLE  DER  INTERNATIONALEN  MÜNZCONFERENZ  IN  1867  [ÜBERSETZUNG]

1. Sitzung. Montag, 17. Juni 1867


Unter dem Vorsitze Sr. Exc. des Herrn Marquis de Moustier

Gegenwärtig wären :

Für Österreich :
S. Exc. Herr Baron von Hock, Geheimerath, Mitglied des Herrenhauses.

Für das Grossherzogthum Baden :
Die Herren Freiherr von Schweizer, ausserordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister des Grossherzogthums Baden in Paris,
Dietz, Geheimrath, Generalcommissär des Grossherzogthums bei der Weltausstellung.

Für Bayern :
Die Herren : von Hermann, Staatsrath,
von Haindl, Münzdirector.

Für Belgien :
Die Herren : Senator Fortamps, Director der Belgischen Bank,
Stas, Mitglied der königlichen Akademie, Münzcommissar.

Für Dänemark :
Herr Graf von Moltke-Huitfeldt, ausserordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister zu Paris.

Für die Vereinigten Staaten :
Herr Samuel B. Ruggles, Abgeordneter zur Weltausstellung.

Für Frankreich :
S. Esc. Herr Marquis de Moustier, Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Präsident der Conferenz,
Die Herren : de Parieu, Vicepräsident des Staatsraths, Mitglied des Instituts, Vicepräsident der Conferenz,
de Lavenay, Präsident der Finanzsection des Staatsraths,
Herbet, bevollmächtigter Minister, Director am Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten,
Dutilleul, Director am Finanzministerium.

Für Grossbritannien :
Die Herren : Thomas Graham, k. Münzdirector,
Rivers-Wilson, beim Schatzamte.

Für Griechenland :

Herr Delyannis, ausserordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister zu Paris.

Für Italien :
Die Herren : Ritter Artom, italienischer Gesandtschafts-Secretär zu Paris,
F. Giordano, Inspector des k. Bergwesens, Commissär bei der Weltausstellung.

Für Niederlände :
Die Herren : Vrolik, vormaliger Finanzminister,
Mees, Präsident der Niederländischen Bank.

Für Portugal :
Die Herren : Graf von Avila, Reichspair, k. ausserordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister Sr. Span. Majestät, General-Commissär bei der Weltausstellung,
der Vicomte von Villa-Maïor, Pair des Königreichs, Mitglied der Jury der Weltausstellung.

Für Preussen :
Die Herren : Meinecke, geheimer Ober-Finanzrath,
Herzog, Geheimrath am Handelsministerium, Commissär bei der Weltausstellung.

Für Russland :
Herr von Jakobi, Geheimrath, Mitglied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften zu St. Petersburg.

Für Schweden und Norwegen :
Die Herren : Wallenberg, Mitglied der ersten Kammer des schwedischen Landtages, Director der Bank zu Stockholm,
Broch, Mitglied der Norwegischen Reichsversammlung, Präsident der Norwegischen Centralcommission für die Weltausstellung.

Für die Schweiz :
Die Herren : Kern, ausserordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister zu Paris
Escher, eidgenössischer Münzdirector.

Für die Türkei :
S. Exc. Djemil-Pascha, ausserordentlicher Gesandter und Bevollmächtigter der hohen Pforte.

Für Würtemberg :
Herr Baron von Soden, geheimer Legationsrath.

Herr Clavery, Redacteur am Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten, ist beauftragt, die Secretärsgeschäfte zu versehen, wobei derselbe von Herrn Roux, Staatsrathsattaché, unterstützt wird.

Die internationale Münzconferenz ist zum ersten Male versammelt am Montag den 17. Juni 1867, 9 ½ Uhr, im Gebäude des Ministeriums der auswärtigen Angelegenheiten unter dem Vorsitze Sr. Exc. des Herrn Ministers des Äussern.

S. Exc. Herr Marquis de Moustier spricht zunächst den Herren Abgeordneten das Bedauern Sr. Exc. Herrn Rouher’s darüber aus, dass derselbe, da er gleichzeitig der kaiserlichen Weltausstellungs-Commission zu präsidiren hat, der Sitzung nicht wohl wird anwohnen können.  Er eröffnet hierauf die Conferenz mit der folgenden Ausprache :

»Die Annäherung, welche die letzten Verkehrsverbesserungen zwischen den ökonomischen Interessen der Völker bewirkten, musste zur Folge haben, dass man mehr, als bisher geschah, die Vortheile, Welche die Gleichmachung der Münzen böte, zu schätzen weiss.  An die Stelle der Buntheit der dermal im Gebrauche befindlichen Münzformen Metallstücke zu setzen, welche nach übereinstimmenden Vorschriften geprägt und den Verschiedenheiten des Wechsels entzogen wären, hiesse wahrlich eines der hartnäckigsten Hindernisse der Entwicklung der internationalen Beziehungen beseitigen.

Als im Jahre 1865 es den Abgesandten von Frankreich, Belgien, Italien und der Schweiz gelungen war, unter sich einen wirklichen Münzverein zu bilden, stieg natürlicherweise auch der Gedanke einer weitern Vereinigung in ihrem Geiste auf : daher durch eine Specialclausel der Übereinkunft vom 23. December 1865 das Anschlussrecht offen blieb; daher der von den Commissären ausgesprochene Wunsch, dass, übereinstimmend unter allen civilisirten Völkern, über die Frage der Gleichförmigkeit der Münzen Studien unternommen werden möchten.

Kein Zeitpunkt könnte für die Verwirklichung dieses Wunsches günstiger sein als der der allgemeinen (Welt-)Ausstellung; die kaiserliche Regierung beeilte sich, davon Gebrauch zu machen, und die Aufnahme, welche die verschiedenen Regierungen ihren Vorschlägen gewährten, gaben ihr den Beweis, dass die Wichtigkeit der zu lösenden Aufgabe allenthalben erkannt wurde.

Die von Anfang also kundgegebene Geneigtheit ist um so schätzbarer, als man sich die Schwierigkeiten der Arbeit, welche die Conferenzmitglieder zu erfüllen haben, nicht verhehlen konnte.  Diese Schwierigkeiten sind verschiedener Art, und, um sie zu heben, kommt es vor Allem darauf an, dass, Angesichts des grossen Interesse dem hier Rechnung zu tragen, jeder Staat ohne Sonderpläne (idées exclusives) komme, um seine Beihülfe zur Auffindung der bestmöglichsten Lösung zu gewähren.

Die französische Regierung, meine Herren, erkennt übrigens mit Wohlgefallen in der auf Sie seitens Ihrer Regierungen gefallenen Wahl einen neuen Beweis der Sorgfalt, welche, auswärtig wie in Frankreich, über die der Conferenz unterstellten Fragen herrscht.  Eine so delicate und verwickelte Aufgabe konnte keiner Versammlung, welche in ihrer Gesammtheit umfassendere Kenntnisse sowohl in Führung der Staatsgeschäfte als in Leitung wichtiger Finanzanstalten als auch in technischen Arbeiten repräsentirt, anvertraut werden.

Die Sitzungen der internationalen Commission beginnen sohin unter den besten Anzeichen und man kann deren Ergebniss mit Vertrauen entgegensehen.

Ich hätte gewünscht, an Ihren Berathungen fortgesetzt theilnehmen zu können; aber ich habe Ursache zu fürchten, ebenso wie der Herr Staatsminister, dass unsere zahlreichen Geschäfte es uns nicht gestatten.

In meiner Abwesenheit wird Herr von Parieu, Vicepräsident des Staatsraths, die Arbeiten der Conferenz leiten, und ich habe nicht erst nöthig vor Ihnen, meine Herren, Zeugniss von der hohen Zuständigkeit des Herrn v. Parieu abzugeben : Sie wissen, dass er die Frage des Münzwesens zum Gegenstande gründlichster Studien gemacht, und Sie kennen die namhaften Schriften, in welchen er die Resultate seiner Forschungen veröffentlicht hat.  Die gewandte Leitung, welche er schon den vorbereitenden Erörterungen der Übereinkunft v. J. 1865 gab, ist Bürgschaft für jene, die er der neuen Conferenz zuwenden wird.«

Herr von Parieu drückt dem H. Minister des Auswärtigen seinen Dank aus und nimmt die wohlwollende Mitwirkung der Commissionsmitglieder in Anspruch, um ihn in der ihm gewordenen Aufgabe zu unterstützen.

Er schlägt hierauf vor, einer Unter-Commission die Aufgabe der Anfertigung von Berathungsfragen (Programm, questionnaire) zu übertragen, welche den Berathungen zur Grundlage dienen sollen.  Diese Unterabtheilung könnte aus sieben Theilnehmern zusammengesetzt werden und sollte die drei Staatengruppen, wie sie sich nach den angenommenen Währungen in Gold, Silber oder beiden zugleich, unterscheiden, wiedergeben.

S. Exc. Djemil-Pascha bringt in Erinnerung, dass gelegenheitlich der letzten, zu Paris stattgehabten Telegraphen-Conferenz eine Unterabtheilung nicht mit Vorbereitung eines Programmes sondern eines ganzen Einigungsvorschlages beauftragt war; (und fragt,) ob es nicht möglich wäre, heute ebenso zu verfahren ?

H. Herbet gibt zu bedenken, dass zur Zeit der telegraphischen Conferenz alle Staaten durch ihre diplomatischen Agenten vertreten und diese begleitet waren von Specialabgeordneten, welche mehrentheils an der Spitze der telegraphischen Verwaltungen ihrer Länder standen, und die gewissermassen vorher schon die Aufgabe hatten, die zahlreichen Detailfragen und technischen Schwierigkeiten aufzuklären, welche an der Reform, die es zu vollziehen galt, kleben.  Die gegenwärtige Commission (Conferenz) sei nicht von denselben Elementen zusammengesetzt und alle Theilnehmer seien nicht zum Zwecke ähnlicher Unterscheidungen abgeordnet.  Er sei übrigens für die von H. v. Parieu vorgeschlagene Zusammensetzung, indem er nur beifügt, dass die Conferenz, wenn sie es für zweckmässig erachtete, die Zahl der Mitglieder der Subcommission, etwa auf neun, vermehren könnte.

H. Fortamps gibt gleichfalls dem eben in Frage stehenden Vorschlage seine Zustimmung; es scheine ihm das beste Mittel, um ohne Zeitverlust zur Feststellung des Programms der zu lösenden Fragen zu gelangen, zu sein.

Die HH. Baron v. Hock und Kern meinen, man könnte am Füglichsten den Herren v. Parieu und Herbet das Geschaft übertragen, Mitglieder der Untercommission zu bezeichnen, deren Zahl man nöthigen Falles auf neun bringen könnte.

Auf Einladung des H. Marquis v. Moustier wurde zur Bildung dieser Untercommission geschritten.

Nach Unterbrechung von einigen Minuten wurde die Sitzung wieder aufgenommen und H. v. Parieu unterbreitet der Conferenz folgende Namen :

1. Als Repräsentanten der Länder mit Goldwährung : Herr Graham, Abgesandten England’s, und H. Graf v. Avila, Abgesandten Portugal’s.

2. Als Vertreter der Länder mit Silberwährung : Herr Baron v. Hock, Abgesandten Österreich’s, und H. Meinecke, Abgesandten Preussen’s.

3. Zur Vertretung der Länder mit beiden Währungen : Herr v. Jakobi, Abgesandten Russland’s, und H. v. Parieu, Abgesandten Frankreich’s.

Endlich als siebentes Mitglied Herrn Ruggles, Abgesandten der Vereinigten Staaten, und einzigen Vertreter der überseeischen Staaten.

Die so zusammengesetzte Untercommission würde alle wünschenswerthen Burgschaften der Unpartheilichkeit bieten.

H. v. Jakobi bemerkt, dass Russland nur Silberwährung habe.  H. v. Parieu entgegnet, dieses Reich befände sich in dieser Hinsicht in Frankreich’s Lage, in beiden Ländern bestände für Silberwährung eine Art Übergewicht, aber das Gold habe gesetzlichen Curs wie das Silber, und beide Metalle werden ohne Unterschied bei den Zahlungen angenommen.

Die Conferenz beschliesst, dass die Untercommission sich morgen um zehn Uhr im Staatsrathe versammle und ihr baldmöglichst den Entwurf eines Frage-Programms vorlege.

Die Sitzung wird um Ein Uhr geschlossen.

 

 

2. Sitzung. Mittwoch 19. Juni 1867

 

Präsident H. v. Parieu

Die Sitzung wird um 10 Uhr eröffnet.

Gegenwärtig wären die Vertreter, welche der ersten Versammlung beiwohnten, mit Ausnahme Sr. Exc. Djemil Pascha und des H. Vrolik, Letzterer wegen Unwohlseins.

H. Feer-Herzog, Mitglied des schweizerischen Nationalrathes, nimmt unter den Abgeordneten Platz.

H. Präsident eröffnet der Conferenz eine Mittheilung des Gesandten der hohen Pforte, welcher, da er sich nicht in die Sitzung begeben kann, den Obersten Essad-Bey, Militärattaché bei der Gesandtschaft, abgeordnet hat, um provisorisch, bis zur Ankunft des Mihran-Bey-Duz, Grossjustizrath und Münzvorstand zu Constantinopel, und Specialgesandter der ottomanischen Regierung, den Conferenzberathungen zu folgen.

H. Oberst Essad-Bey wird zur Theilnahme an der Conferenzthätigkeit zugelassen.

Das Protokoll der ersten Sitzung wurde vorgelesen und angenommen, worauf der H. Vorsitzende sich mit folgender Anrede an die HH. Abgesandten wendet :

»M.H.! Sie haben in der letzten Sitzung die Worte gehört, womit H. Marquis v. Moustier, Minister des Äussern und Vorstand dieser Conferenz, Ihnen mit dem ganzen Gewichte seiner hohen Stellung seinen Dank ausdrückte und den Wunsch der französischen Regierung für den Erfolg der Thätigkeit, die Sie mit uns beginnen wollen in Ausfindigmachung der geeigneten Mittel zur Verwirklichung der Münzeinheits-Idee, welche (Thätigkeit) im J. 1865 unter sympathischen Beistande des ehrenwerthen H. Drouyn de Lhuys glücklich begonnen wurde.  Sie haben mich beauftragt, unter Mitwirkung von sechs Conferenzmitgliedern, Repräsentanten der Staatengruppen der Hauptmünzsysteme, ein detaillirtes Programm unserer Aufgabe auszuarbeiten.  Wir mussten uns an die Arbeit machen unter Bedauern, die Beihülfe so vieler ausgezeichneten Männer zu vermissen, welche in dieser Commission nicht Platz nehmen konnten, deren werthvolle Mitwirkung übrigens uns hier doch nicht entgehen wird.

Das von uns gestern entworfene Frageprogramm wurde unter Sie, m.H., vertheilt, und ich erlaube mir, Ihnen über die Absicht, in welcher es abgefasst wurde, und über die Natur der Fragen einige kurze Betrachtungen, die gewissermassen den darin enthaltenen zur Seite gestellt werden könnten, vorzuführen.

Die bei den verschiedenen Völkern in Gebrauch befindlichen Münzsysteme tragen zuverlässig Spuren zufälliger Verschiedenheiten, dem Ungefähr und der ehemaligen Abgeschlossenheit der Nationen entsprungen, an sich, aber unbestreitbar sind gewisse dieser Mannigfaltigkeiten durchaus nicht zufällig, sondern hängen mit der ökonomischen Lage der Länder, wo sie in’s Leben traten, zusammen.

Bei diesem inneren Zusammenhange wird die lang ersehnte Münzengleichmachung heut zu Tage nur ausführbar in dem Verhältnisse, nach welchem die ökonomischen Zustände sich annähern, und nach welchem die Münzsysteme weniger entfernt sind von dem, was ich ihre vollendete Reife nennen möchte.

Zu unterscheiden, was einerseits der Entwicklung der Ökonomiegeschichte der Nationen angehört, und was andrerseits in der Wissenschaft des Münzwesens wurzelt, das ist hier unsere hauptsächliche Aufgabe; denn, wenn Individuen und Völker sich trennen in Dem, was von Willkühr und Laune abhängt, finden sie sich doch leicht zusammen in der Wahrheit und in der besonnenen Würdigung der Verhältnisse.

Trotz dieser Überzeugung wollten wir doch nicht, dass alle doctrinellen und akademischen Fragen, welche eine vielleicht noch unvollständige Wissenschaft, nämlich die des Münzwesens, zulässt, nach ihrem vollen Inhalte auf dem Programme unserer Arbeiten erschienen; sie können im Laufe derselben zum Vorscheine kommen; bis zu einem gewissen Punkte sind sie inbegriffenermassen schon darin enthalten.  Aber die Fragepunkte, welche wir die Ehre haben Ihnen vorzulegen, haben durchaus einen praktischen Charakter, dem Sie höffentlich Ihre Billigung spenden werden, und der geeignet ist, die (wirklichen) Schwierigkeiten zu umfassen und einige unnütze Fragen (Streitpunkte) abzuschneiden.

Erlauben Sie mir, Angesichts der Zahl und kitzlichen Beschaffenheit der Fragen, die wir bei aller Einschränkung aufzustellen genöthigt waren, dass ich zur Erzielung Ihrer unverdrossenen Mitwirkung, noch einige Worte beifüge.

Die uns übertragene Aufgabe ist schwer, wie schon der H. Minister des Äussern ganz richtig bemerkte; aber eine vielvermögende Erwägung fordert dafür, nach meiner Meinung, die Aufbietung aller unserer Kraft.

Die römische Herrschaft hatte der alten Welt die Münzeinheit auferlegt.  Man versichert, dass im 13. Jahrhunderte der religiöse und commercielle Aufschwung Italien’s dem Goldgulden einen Curs in der ganzen Christenheit gegeben habe [1].  Seit jener Zeit haben die Wechselfälle des Krieges bisweilen auch den Kreis gewisser Münzsysteme erweitert.

Ein Jahrhundert, welches, wie das unsrige, schon so viel zur Annäherung der Nationen durch Vergemeinschaftlichung der materiellen Verkehrsmittel und einiger die gegenseitigen Interessen wahrenden gesetzlichen Einrichtungen, von der Abschaffung des Fremdlingsrechtes an bis zu den Staatsverträgen für Urtheilsvollstreckungen und Auslieferung Angeklagter, von den Post-, Telegraphen- und Zoll-Verträgen bis zu denen für Schutz des literarischen Eigenthumes, gethan hat, ein Jahrhundert, dessen Zeichen – nach dem Ausdrucke eines Conferenzmitgliedes in einer früheren Conferenz [2] – die wachsende Erkenntniss der Interessensolidarität aller Völker ist, welches andrerseits den Friedensgenius ehrt und anspornt : sollte dasselbe nicht auch das Mittel zur Tilgung einer Art von Schuld gegen die Civilisation in friedliche Berathung ziehen, indem es die Gleichförmigkeit der Münzen einzuführen sucht ?

Erlauben Sie mir also, m.H., auf Ihre nachsichtige Mitwirkung zu rechnen, wie Sie meiner Hingebung und Unpartheilichkeit in Verfolgung dieses grossen Zweckes versichert seien; sollte uns dessen unmittelbare Durchführung nicht gelingen, so zweifle ich nicht, dass wir zu dessen zweckmässiger Vorbereitung für die Zukunft berufen seien.«

Nach dieser mit Kundgebung einmüthiger Zustimmung gehaltenen Rede wurde das Fragenprogramm verlesen, welches die Untercommission entworfen hatte und welches also lautet :

Fragenliste (Programm)

1.

Auf welchem Wege ist eine Münzeinheit am Leichtesten zu verwirklichen ?
durch Schaffung eines ganz neuen Münzsystemes, unabhängig von allen (dermal) bestehenden ? und welche wären in diesem Falle die Grundlagen dieses Systems ?
oder durch gegenseitige Vereinigung der bestehenden Münzsysteme, mit Berücksichtigung der wissenschaftlichen Vortheile gewisser Grundformen und der Zahl der Völkerschaften, die dieselben schon angenommen haben ?  Welches Münzsystem könnte in diesem Falle, vorbehaltlich der Verbesserungen deren es empfänglich ist, vornämlich in Betracht gezogen werden ?

2.

Ist es möglich, sofort eine Übereinstimmung oder theilweise Berührungspunkte der Münzfüsse für ein ausgebreitetes Gebiet auf Grundlage und Voraussetzung der Annahme ausschliessliches Silberwährung festzustellen ?

3.

Ist es dagegen möglich, denselben Zweck zu erreichen auf Grundlage und Voraussetzung der Annahme ausschliesslicher Goldwährung ?

4.

Wäre dasselbe Ergebniss zu erreichen auf Grundlage und Voraussetzung der Annahme der doppelten Währung mit Feststellung eines übereinstimmenden Werthsverhältnisses zwischen dem Gold- and Silberwerthe in allen Ländern ?

5.

Ist es, im Falle der Verneinung der drei vorhergehenden Fragen, möglich und zweckmässig, eine Gleichheit oder theilweise Übereinstimmung der verschiedenen Münzfüsse für ein ausgebreitetes Gebiet auf Grundlage und Voraussetzung der Annahme der Silberwährung, mit der Befugniss der beliebig beizubehaltenden Goldwährung für jeden Staat, festzustellen ?

6.

Wäre es möglich und zweckmässig, vielmehr eine Gleichheit und theilweise Übereinstimmung der verschiedenen Münzfüsse auf Grundlage der Goldwährung mit Befugniss der beliebig beizubehaltenden Silberwährung aufzustellen ?

7.

In Voraussetzung der bejahenden Lösung einer der beiden Vorfragen und in Folge der Unterscheidungen, welche diese Alternative gestattet, wäre der Vortheil der Internationalität, welche die zur allgemeinen Währung erhobenen Metallmünzen erlangten, eine hinreichende Bürgschaft für ihre Erhaltung im Umlaufe oder bedürfte es einer weitern Übereinkunft ?
entweder über eine bestimmte Grenze des Verhältnisses zwischen dem Werthe des Goldes und dem des Silbers,
oder über bestimmte Verpflichtungen für den Fall, dass die internationalen Metallstücke in Gefahr stünden, gänzlich aus dem Umlaufe eines contrahirenden Staates verdrängt zu werden ?

8.

Ist es zur Erreichung der Münzeinheit nöthig, schon jetzt eine durchaus identische Einheit für die metallische Zusammensetzung, das Gewicht und die Benennung aufzustellen, und, in diesem Falle, welche Grundlagen wären dafür zu bezeichnen ?

Oder genügt es, allgemeine Grundformen für die Goldmünze aufzustellen, welche einen ziemlich hohen gemeinschaftlichen Nenner haben, z.B. Vervielfältigungen von fünf Franken ?

9.

Wäre es in dem Falle der Aunahme internationaler Goldwährung zweckmässig, dass die durch den Münzverein v. 23. Decb. 1865 festgesetzten Münzen, im Interesse der Münzeinheit und als Folge der Gegenseitigkeit, durch neue, z.B. Münzen zu 15 und 25 Franken, vervollständigt würden ?

Welche wären in diesem Falle die Dimensionen ?

10.

Wäre es unter gewissen Voraussetzungen, und z.B. im Falle der Bejahung der Fragen 3 und 6, zweckmässig, durch gemeinschaftlich bindende Verpflichtungen bestimmte Anhaltspunkte für die Silbermünzen oder die kleinsten Münzen (billon) festzustellen,
entweder über Legirung und Korn ?
oder über die Höhe ihrer Verwendung bei Zahlungen ?
oder über den Betrag ihrer Ausmünzung ?

11.

Ist es statthaft, einige Überwachungsmittel zur Vergewisserung genauer Ausprägung der gemeinschaftlichen internationalen Münztypen aufzustellen ?

12.

Wären etwa, ausser den den Gegenstand der obigen Fragen bildenden unmittelbaren, praktischen Möglichkeiten, einige weitere Lösungsarten durch doctrinelle Entscheidungen und aus principiellen Gründen vorzubereiten, um für die Zukunft die in Europa bereits seit zehn Jahren erzielten oder sofort ausführbaren Annäherungen in Münzsachen noch auszudehnen ?

Der Herr Präsident eröffnet die Verhandlung über das Frageprogramm im Ganzen.

Da Niemand das Wort verlangt, so ist dessen Fassung angenommen, und es wird zur Prüfung der ersten Frage übergegangen.

H. Mees erklärt, dass er der ersten der beiden Alternativen den Vorzug geben würde, wenn dadurch die unmittelbare Verwirklichung der Münzeinheit erzielt würde; in diesem Falle schiene ihm die Schaffung eines ganz neuen Systems, welches alle nationalen Empfindlichkeiten beseitigte, der beste Weg zur Erreichung des Zweckes.  Aber eine gänzliche Vereinigung dadurch zu erreichen, scheint ihm für die nächste Zukunft unmöglich, weshalb er die zweite Alternative allein für so beschaffen halte, dass daraus schon dermal praktische Resultate entstehen könnten.

Herr Graf von Avila nimmt auch keinen Anstand, sich der zweiten Alternative anzuschliessen.  Wenn die verschiedenen Staaten sich gezwungen sahen, behufs Schaffung eines ganz neuen Systemes ihre gesammten Münzeinrichtungen mit Einem Male zu ändern, so würde man die Schwierigkeiten eines Verständnisses so angehäuft finden, dass sie unübersteiglich würden.  Was die gegenwärtigen Systeme, die überhaupt in Betracht kommen könnten, betreffe, so sei auf den Vertrag vom 23. Decb. 1865 hinzuweisen.  Die hauptsächlichsten Lösungspunkte, für welche zu stimmen er schon jetzt sich entschieden, seien :

1) einheitliche Währung;
2) Goldwährung;
3) Herabsetzung des Pfundes Sterling auf 25 Franken [3];
4) Herabsetzung des amerikanischen Thalers (dollar) auf 5 Franken [4];
5) Annahme des Fünffrankenstückes in Gold als Münzeinheit.

Auf diesen Grundlagen wäre die Vereinigung zwischen Frankreich, England und den Vereinigten Staaten leicht, und würde früher oder später die andern Länder anziehen.  Zur Erzielung einer Übereinstimmung unter den Münzen in Gewicht und Feingehalt wäre nur noch nöthig, dass der Feingehalt der englischen Münzen von 11/12 auf 9/10 gemindert würde.  Letzterer Feingehalt gewinne allmählich das Übergewicht für Goldmünzen.  Er sei angenommen in Spanien für Münzen aus diesem Metalle, sowie auch für den Silberthaler, die Grundlage des spanischen Systemes, dessen Prägung jedoch, seit die andern Silbermünzen auf 810 ‰ Feingehalt herabgekommen seien, aufhörte.  In Portugal, wo die Münze, wie in England, zu 11/12 fein geprägt wurde und wo die Münzung zu diesem Feingehalte sehr beschränkt wurde, werde die Regierung ohne Zweifel sich zu einer Umprägung, deren Kosten durch die Minderung des Feingehaltes gedeckt wären, verstehen.  Das Wichtigste wäre, dass eine Vereinbarung zu Stande käme zwischen England, Frankreich und den Vereinigten Staaten; dieses Vorbild hätte eine entscheidende Wirkung.  Wenn alle HH. Vertreter der verschiedenen Länder sofort, wie er gethan, ihre Ansichten über ein Verständigungsproject andeuten wollten, so würde dies am meisten Beschleunigung und Licht in den Gang der Berathung bringen.

H. Fortamps hätte gewunschen, dass die Währungsfrage obenan wäre gesetzt worden, als Principienfrage, die man zu allererst regeln müsse, um die Berathungen auf möglichst bestimmte Grundlagen zu stellen.

H. Herbet bemerkt, dass gerade wegen der Wichtigkeit dieser letzteren Frage es nachtheilig wäre, sie unmittelbar in Berathung zu ziehen, da es zweckmässig wäre, wenn die Abgesandten desselben Staates sich vorher unter sich verständigen und nöthigen Falles Instructionen von ihren Regierungen erholen könnten.  Die Abwesenheit des spanischen Abgeordneten, der demnächst erwartet werde, sei um so beklagenswerther, als H. Jose Polo in diesen Dingen grosse Erfahrung mitbringe; man könnte sich also heute darauf beschränken, die allgemeinen Gesichtspunkte hierüber auszutauschen.

Der H. Präsident bemerkt, die erste Frage sei deshalb also abgefasst worden, um einen weiteren Gedankenkreis, als die Währungsfrage, zu umfassen. (Zweckmässig wäre es, wenn die Gesandten je desselben Staates vorher sich unter sich benehmen und, wenn nöthig, Instructionen von ihren Regierungen abverlangen könnten).  Die darinliegenden Alternativen seien keine blossen Hypothesen : die Aufstellung eines neuen Systems mit dem Goldgramme als Einheit, die Verallgemeinerung des Regimes, welches – nach einer der Conferenz mitgetheilten Ansicht des Brüsseler Comités – das Fünffranken-Stück aus Silber zur Grundlage haben sollte, die Münzeinheit am Wege der Annäherung der verschiedenen herrschenden Systeme : alle diese Doctrinen seien schon in der Presse und in besondern Veröffentlichungen aufgestellt worden.

H. Baron v. Hock theilt H. v. Avila’s Meinung über die Unmöglichkeit, ein ganz neues System zuzulassen und mit den eingewurzelten Gewohnheiten gänzlich zu brechen.  In Deutschland habe man in dieser Hinsicht ein schlagendes Beispiel : Man wollte in den deutschen Staaten eine Münze einführen, welche keinem der vorhandenen Vorbilder entspräche.  Obwohl sie sehr rationell war und dem metrischen Systeme vollkommen entsprach, so habe sie doch im Umlaufe keinen Curs finden konnen, die Goldkrone sei nur von den Münzstätten in die Schmelztiegel der Goldarbeiter gewandert.

Wie der zweite Absatz der ersten Frage ausdrücke, würde nur durch Vereinigung der vorhandenen Gesetzgebungen, mit Berücksichtigung der wissenschaftlichen Vortheile gewisser Grundformen (Typen) und der Zahl der Völker, welche sie angenommen haben, eine Lösung zu finden sein.

Welches der jetzt herrschenden Systeme könnte am Zweckmässigsten als Grundlage dieser Vereinigung dienen ?  Dies wäre die Übereinkunft vom 23. Decb. 1865, vorausgesetzt, dass sie noch einige Änderungen erlitte und dass die neue Vereinbarung auf dem Grundsätze der ausschliesslichen Goldwährung ruhte.  Dieses Metall, welches sich über den europäischen Markt in den letzten zwanzig Jahren in so ansehnlicher Menge verbreitet habe, wäre der bequemste Träger eines allgemeinen Münzenumlaufs.

H. Feer-Herzog ist auch H. B. v. Hock’s Meinung, dass es am Passendsten sei, die zweite Alternative des Programms anzunehmen.  Es gebe in Frankreich eine Schule, welche wegen des wissenschaftlichen Rufes ihrer Angehörigen in Ansehen stehe, welche aber keine andere Münzeinheit gelten lasse, als eine runde, metrische Einheit; diese (Schule) schläge vor, als Einheit ein Gewicht von fünf Goldgrammen zu 9/10 Feingehalt zu nehmen.

Diese theoretische Lösung würde einer wesentlichen Eigenschaft entbehren, nämlich derjenigen, praktisch zu sein.  Man könne in gegenwärtiger Zeit keine Münzeinheit schaffen, welche zu gar keinem bestehenden Typus passe.  Selbst der Frank dürfte nicht zu sehr von dem Livre von Tours verschieden sein, um Aufnahme zu finden, und die Goldkrone, wie H. B. v. Hock erwähnte, welche 10 Gramme Gold Korn habe und etwas über 11 Gramme wiege, habe im deutschen Verkehre nicht Eingang gefunden, weil sie weder auf den österreichischen noch auf den bayerischen Gulden, noch auf den preussischen Thaler passe; lediglich durch die Macht der Umstände repräsentire eine fremde Münze, der Napoléon d’or, zumeist den Goldmünzenverkehr in Deutschland.

Mit Einem Worte, wenn es sich um Einheit der Münzsysteme handle, müsse man vor Allem untersuchen, ob die vorhandenen Gesetzgebungen nicht Stoff zur Gleichmachung und Annäherung enthalten; man müsse den seit lange festgewurzelten Gewohnheiten, den schon geschaffenen grossen Münzgebieten Rechnung tragen.  Zweifelsohne genüge das metrische System in seiner Anwendung auf Gewicht und Maass, durch seine wunderbare Gleichstellung mit dem praktischer Bedürfnisse und den theoretischen Anforderungen; aber es in seiner ganzen Strenge auf Stoff und Münze gleichmässig anwenden wollen, hiesse gegen Hindernisse anrennen, welche durch die Vortheile des praktischen Nutzens nicht gehoben würden.  Das System des Münzvereins v. 23. Decb. 1865 passte am besten zu Angleichungen mit dem englischen Sovereign und dem amerikanischen Dollar, und wäre geeignet, dieselben etwas zu vervollkommnen, namentlich bezüglich der Währung.

Vor 17 Jahren sei in der Schweiz diese Frage berathen worden, und dieses Land, welches damals in der Lage war, zwischen den verschiedenen herrschenden Systemen der Nachbarländer zu wählen, könne sich nur Glück wünschen, dass es den Vorzug dem Systeme gab, welches gegenwärtig in der Eidgenossenschaft gelte.

H. v. Jakobi theilt vollständig den Ideengang, welchen H. Feer-Herzog eben entwickelt hat.  Wohl hätte er gewünscht, dass ein Zusammenhang bestände zwischen den Münzen und dem Gewichts- und Maass-Systeme; aber, in doppelter Rücksicht, sowohl der Wissenschaft als der Praxis, sehe er keine Nothwendigkeit, einen solchen Zusammenhang zum Nachtheile anderer wichtigerer Interessen herzustellen.  Er könne daher den Tadel nicht ernstlich betrachten, welchen man der französischen Goldmünze machte, dass sie nämlich einen Bruch begann in das französische metrische System, dessen Reinerhaltung er anerkenne und zu dessen Gunsten er sich anderweitig kategorisch ausgesprochen habe.  Die Schaffung einer ganz neuen Münze scheine ihm um so minder zweckmässig, als er diese Gelegenheit nicht vorbeigehen lassen wolle, ohne die Übereinstimmung hervorzuheben, welche vielleicht zufällig, aber in der That fast vollständig bestehe zwischen dem innern Werthe der französischen und der russischen Münzen.  So falle der Silberrubel bis auf eine Kleinigkeit zusammen mit 4 Franken; der Unterschied übersteige kaum die Gränzen des Remedium’s (tolérance).  Gleicherweise sei ein Halbimperial nur um 15 Kopeken mehr werth als ein 20 Frankenstück (Napoléon).

In Beantwortung einer Bemerkung H. v. Hock’s hebt H. v. Hermann hervor, dass, wenn die Goldkrone nicht im Umlaufe blieb, dies geschah, weil sie keine gesetzliche Münze (Landesmünze) war und an den öffentlichen Kassen nicht genommen wurde.

H. Stas würde die Schaffung eines ganz neuen Münzsystemes vorziehen, wofür die Conferenz Grundlagen herstellen sollte, und nicht praktische Auskunftsmittel.  Diesen letzteren Weg betreten hiesse Spuren in den Schnee ziehen statt Eindrücke in den Stein machen.  Man würde nichts Dauerhaftes schaffen, sondern im Gegentheile nur Schwierigkeiten für die Zukunft erzwecken.  Die Münzeinheit würde nur durch Setzung einer ersten unveränderlichen Grundlage zu erlangen sein, und deshalb erkläre er sich, entgegen der Meinung H. Feer-Herzog’s, als partheinehmend für die Ansicht der Ökonomisten, sowohl hinsichtlich der Wissenschaft als deren Anwendung.  Die Schaffung eines auf eine Einheit von 5 oder 10 Grammen Gold gegründeten Systemes böte den ungeheueren Vortheil, dass alle Völker es um so leichter annehmen könnten, als hiedurch jede nationale Empfindlichkeit beseitigt wäre.  Allerdings zöge die Annahme der neuen Einheit die allgemeine Umprägung aller Münzen nach sich; aber dieselbe führte ein definitives, von der Wissenschaft sanctionirtes System herbei.  Übrigens erheischte ja das System der Angleichungen zwischen den Münzen verschiedener Länder, sowie eines nach dem Münzvereine v. J. 1865, gleichfalls nothwendigerweise eine Umprägung für alle diesem Vereine noch fremden Länder.  Wäre nun diese umgeprägte Münze nothwendig unveränderlich ?  Er glaube nicht, meine auch offenbar ohne Interesse zu sprechen, da er eine den Vertrag v. 1865 mitunterzeichnende Regierung vertrete.  Aber er betrachte die Frage vom Gesichtspunkte England’s und der Vereinigten Staaten aus.  Von England verlange man, das Pfund Sterling auf 25 Franken zu setzen; das Fünfundzwanzigfranken-Stück für sich böte sicher Vortheile, aber welche Ungereimtheiten treten hervor bei seinen Theilungen ?  Die Hälfte wäre 12 Fr. 50 Centimes, schon eine Bruchzahl und deshalb unbequem, welche Unbequemlichkeit mit weiteren Theilungen nur zunehme.  In den Vereinigten Staaten mache der Unterschied zwischen dem Dollar und dem Fünffrankenstücke die Angleichung besonders schwierig.  In seinen Augen existiren in der That keine 25 Franken-, 10 Franken-, 5 Franken-Stücke, in Anbetracht dass z.B. kein Zwanzigfrankenstück genau der 155. Theil eines Kilogrammes sei.  Mathematisch gesprochen könne das Kilogramm gar nicht in 155 gleichen Theile getheilt werden, aus einem noch starkeren Grunde könne es dies nicht in dem Laufe der materiellen Handlungen.  Dies würde mit einer metrischen Goldeinheit nicht Platz greifen; man könne daher nur durch Anfertigung aller Münzen nach einem neuen Systeme vernünftigerweise hoffen, zur Schaffung eines gemeinsamen Maasses zwischen den Werthen der verschiedenen Länder zu gelangen.

Der H. Vorstand fragt H. Stas, ob er Namens der belgischen Regierung spreche oder ob das nur seine persönliche Meinung sei ?

H. Fortamps erklärt, dass die durch H. Stas ausgesprochene Meinung von dem belgischen Finanzminister getheilt werde, dass aber die belgische Regierung es nicht ablehne, sich andern Vorschlägen, welche von der Conferenz angenommen würden, anzuschliessen.

H. Meinecke glaubt, es sei durchaus nothwendig, als Grundlage des neuen Systems ein schon bekanntes und praktisch geltendes System zu nehmen.  Er beansprucht zwar nicht die Sympathien der Conferenz zu Gunsten des preussischen Münzsystems, aber er meint, man könne nicht die Goldwährung in den Ländern, welche sie haben, mit Silberwährung – welche in Preussen allein in Kraft sei – ersetzen.  Für Preussen wäre es also ein Verzicht auf seine Währung, wenn es sich einem allgemeinen Münzvereine anschlösse.  Man sei dermal in Preussen mit der Silberwährung zufrieden, der darauf basirte Münzenumlauf sei ein ausgezeichneter, und man habe keinen drängenden Grund, dort eine so beträchtliche Änderung herbeizuführen, wie die aus der Abschaffung jener Währung entspringende wäre; Einführung der Goldwährung wäre schwieriger als anderswo.  Indessen würde die preussische Regierung, ohne an eine sofortige Änderung ihres Münzsystemes zu denken, doch nicht ermangeln, die Frage in Erwägung zu ziehen, ob die Arbeiten der Conferenz zur Grundlage einer allgemeinen Münzeinigung führten.  Sie würde mit Sorgfalt studiren, welche für sie die besten Mittel seien, sich damit zu vereinigen, und, sobald sie Entschlüsse in dieser Hinsicht gefasst hätte, würde sie dieselben ihren Verbundeten im Norden, deren Zustimmung unerlässlich sei, mittheilen, gleichzeitig auch den deutschen Südstaaten, den Mitunterzeichnern des Vertrages v. J. 1857.  Nur mit diesem Vorbehalte werde er an der Berathung theilnehmen und seine Gutachten abgeben.

In Beantwortung der von H. Stas vorgebrachten Bemerkungen sagt H. Feer-Herzog, dass das metrische System auf eine ängstliche Berücksichtigung vielleicht nicht in seinen kleinsten Theilen Anspruch zu machen vermöchte.  Der Meter, der die Grundlage davon bilde, sei in der Praxis nicht jener bestimmte, durch die Wissenschaft festgestellte Längenbetrag, welcher seine Definition bilde.  Der Sphäroid, der die Erde bilde, nach dessen Einer Dimension der Meter berechnet sei, biete Unregelmässigkeiten dar, und man könne folgeweise in dem Meter nicht jene mathematische Vollkommenheit finden, welche H. Stas suche.  Nichtsdestoweniger biete das metrische System ungeheuere Vortheile, vorzüglich durch die Vereinigung der verschiedenen Grössen, die es enthalte, und welche die Berechnungen erleichtern.

Gewiss sei, dass weder das 20- noch das 5-Frankenstück eine gewisse runde Summe von Grammen darstellen, und dass es von diesem Gesichtspunkte aus unmöglich sei, eine mathematische Difinition davon in Grammen zu geben; allein das hindere nicht, den Napoléon d’or in der Art zu definiren, dass man die runde Zahl (155) der Stücke, welche in einem Kilogramme enthalten seien, angebe, ohne die Bruchzahl von Grammen, die sein Gewicht enthalte, zu bestimmen, und ohne die Decimalen über die Tausendel, welche ohnehin nur in der Wissenschaft Interesse und keine praktische Bedeutung haben, anzugeben.  Die metrische Rundung sei übrigens für eine Münze, wenn sie brauchbar sein soll, unerlässlich.

Man habe behauptet, der englische Sovereign müsse umgeprägt werden; darüber könne man streiten.  Zwischen einem Sovereign und einem 25-Frankenstücke seien nur 20 Centimen Unterschied. Dieser Unterschied beträge nun aber sehr wenig über das gestattete Remedium (tolérance), die Umprägung wäre also nicht eine absolute Nothwendigkeit, und man könnte die eben im Umlaufe befindlichen Stücke beibehalten, neue aber nur mehr mit der angedeuteten winzigen Reduction prägen.  Dem bezüglich der Vereinigten Staaten erhobenen Einwurfe des H. Stas könne er entgegnen, dass, nach einem ihm vom Conferenzmitgliede H. Ruggles mitgetheilten Briefe des H. Senators Sherman, in Amerika die (allgemeine) Meinung sich für Herabsetzung des Thalers (dollars) ausspreche, daher durch die Bereitwilligkeit dieses Landes der Einwand des H. Stas von selbst zerfalle.  Was die Theilung des auf den Werth von 25 Fr. gestellten Sovereign betreffe, so müsse man ihn gerade nicht zu Stücken von 12 Fr. 50 Centimen halbiren; das Pfund Sterling würde für Frankreich theoretisch eine Vervielfältigung einer neuen Münzeinheit von 2 Fr. 50 Centimen, wovon es das Zehnfache wäre, folglich wären auch die zahlreichen Decimalen nicht zu fürchten, welche die allmähliche Unterabtheilung des Sovereign im Gefolge hätte, wie dies der Fall wäre bei der Voraussetzung der Schaffung von Münzstücken zu 12 Fr. 50 Cent. und zu 6 Fr. 25 Cent.

H. B. v. Hock machte Herrn Feer-Herzog bemerkbar, dass der Meter nicht blos eine wissenschaftliche Einheit, sondern auch eine wirkliche sei, wovon das Metermaass, das im Justizministerium aufbewahrt würde, Zeugniss gebe; die Münzeinheit könnte ebenso aufbewahrt werden.  Er sei übrigens der Meinung H. Feer-Herzog’s bezüglich der Theilung des Pfund Sterling und fügt bei, Österreich beabsichtige 25 Fr.-Stücke zu prägen, benannt Zehnguldenstücke, bezüglich deren Unterabtheilung habe sich die von ihm geleitete Münzcommission zu Wien gegen die Münze zu 12 Fr. 50 Cent. ausgesprochen und dem 10 Fr.- oder 4 fl.-Stücke den Vorzug gegeben.  England wäre durch nichts gehindert, dasselbe zu thun.  Daher habe der Einwand des H. Stas nicht die Bedeutung, die er ihm beimesse.

H. Broch ist der Meinung, dass, bevor man eine Münzeinheit herstelle, man, nicht blos wegen der Bequemlichkeit der Reisenden, sondern vorzüglich des Handels wegen, sich über die Theilungsmünzen zu verständigen habe, wie über die Goldmünzen, im Interesse der Arbeiterklasse.  Nothwendig müssten die Theilmünzen durchaus so gleich als möglich sein, damit der Arbeiter, der vor Allem die Theilmünze brauche, nicht durch die Verschiedenheiten, die in den verschiedenen Münzsystemen bezüglich der kleinen Münzen bestehen können, geprellt werde, und den wahren Werth seiner bescheidenen Einkäufe genau anschlagen könne.  Er behalte sich also nicht blos für einzelne Vereinbarüngen von Goldmünzen, sondern für die ganze Münzscala seine Zustimmung bevor.  Übrigens spreche er sich auch für das durch den Vertrag v. 1865 gebilligte System aus und glaube, dass das Band, welches die Goldmünzen mit dem metrischen Systeme verbindet (155 Nap. auf’s Kilogr.) hinreiche, ohne dass die Schaffung eines neuen Systemes, wie H. Stas wolle, nöthig wäre.  Weil aber in Schweden und Norwegen die Silberwährung allein in Kraft sei, und der Handel der vereinigten Königreiche vornämlich mit Deutschland, besonders Hamburg, bestehe, so hänge ihr Beitritt zu einem Münzvereine nothwendig von dem vorherigen Beitritte Norddeutschland’s ab.

Der Herr Präsident glaubt, ohne H. Broch’s Absichten entgegentreten zu wollen, bemerkbar machen zu müssen, dass dieselben die gänzliche Umprägung aller dermal umlaufenden Gold- und Silbermünzen in den an dem Münzvereine theilnehmenden Staaten voraussetzen, während bei einem Angleichungssysteme die Umprägung sich nicht auf die Theilungs- (kleinen) Münzen erstreckte, sondern nur auf die groben Münzen, eine Unterscheidung, welche H. Stas nicht beachtet habe.

H. Graham (durch H. Rivers-Wilson) entgegnete dem H. Feer-Herzog betreffs der Behauptung, die jetzt umlaufenden Sovereigns wegen des geringen Unterschiedes von den neuen 25 Fr.-Stücken dann noch beibehalten zu können, dass, wenn auch die 20 Centimen Unterschied im Bereiche des Remediums so ziemlich aufgehen, die englische Regierung sich’s zur Ehre rechne, von diesem Bereiche gar keinen Gebrauch zu machen.  Es erwüchsen daher immerhin bedenkliche Missstände, wenn man neue Sovereigns zu 25 Fr. ausgäbe und die zu 25 Fr. und 20 Cent. auch im Verkehre liesse; eine Umprägung sei daher nothwendig.  Wäre ferner das Pf. Sterl. einmal auf 25 Fr. herabgesetzt, so wäre die nothwendige Folge, dass die Bevölkerung, an die Theilung mit 20 gewöhnt, auch das 20 Fr.-Stück verlangte, folglich : Drang nach einer zweiten Umprägung und in diesem Falle Verschwinden des Sovereign.  Da wäre gleich die unmittelbare Annahme des französischen Systemes besser.

H. Feer-Herzog gibt zu bedenken, dass, wenn man den Sovereign auf 25 Fr. reducire und ihn theile, man das Doppelte des gegenwärtigen Schillings (shilling) erhalte und nicht den Frank; dass dieser Doppelschilling übrigens schon da sei in dem englischen Gulden (florin), folglich die Werthsminderung des Sovereign nicht dessen Verschwinden herbeiführe.

H. Ruggles behauptet, dass es eben so unmöglich sei, die Bezeichnung »dollar« in den Vereinigten Staaten auszumärzen wie in England jene des »sovereign«, dass man sie auch beibehalten könne, man dürfe sie (die Münzen) nur in ihrem innern (eigentlichen) Werth herabsetzen.  Bei dem Sovereign betrage ja die Werthsminderung nur 20 Cent., beim Dollar hingegen 3 % seines Werthes.  Und doch seien die Vereinigten Staaten bereit, dieses Opfer zu bringen, wenn dadurch eine Münzeinigung zu Stande komme; die amerikanische Bevölkerung erwarte es nicht anders, und es würde mit einer allgemeinen Münzenumprägung, so umfangreich sie auch sein würde und sein möge, schon im nächsten Winter begonnen werden.  In der That müsse auch diese Umprägung jetzt geschehen – oder niemals; denn, wenn man den Gang der Goldverarbeitung in den grossen Handelsstaaten betrachte, finde man, dass er fortwährend wachse, und, wenn die Progression so fortgehe, ein Zeitpunkt eintreten werden, wo die Umprägung ihrer Münzen wegen der ungeheueren Prägekosten, die dann nöthig wären, thatsächlich unmöglich sein würde.  Man habe ja in den Vereinigten Staaten Golddollars geprägt : von 1793 bis 1849 : 85 Millionen – von 1849 bis 1851 : 94 Millionen – von 1851 bis 1866 : 665 Millionen.

In den jüngsverwichenen 15 Jahren (1851 bis 1866) habe Frankreich ungefähr 955 Millionen, England ungefähr 450 Millionen Golddollars geprägt.  Also 2 Milliarden Dollars in Gold, oder 10 Milliarden Franken in Gold, seien seit der Entdeckung der australischen und californischen Goldminen auf den Geldmarkt geworfen worden.  Diese ansehnliche Masse Barengeld wachse von Tag zu Tag, und in den Vereinigten Staaten z.B. werde in den nächsten 15 Jahren die Goldprägung wahrscheinlich die Höhe von fünf Milliarden Franken erreichen.  Bei dieser Voraussicht ziehe es die amerikanische Regierung vor, lieber sogleich ihre Münzeinheit abzuändern.  Sie brauche zu diesem Zwecke dem Congresse nur diesen einfachen Satz zur Genehmigung vorzulegen : »Das Gewicht des Golddollar wird von nun an 1,612 g statt 1,670 g sein.«  Diese wenigen Worte werden hinreichen, um das ganze Münzsystem der Vereinigten Staaten zu ändern.  Aber, wenn sie (die V. St.) das Opfer der Umprägung ihrer circulirenden 675 Mill. Thlr. bringen, erwarten sie auch, dass Frankreich seinerseits 25 Fr.-Stücke präge, in welchem Falle die Münzeinigung eine praktische Bahn betrete.

Der H. Präsident bezeugt dem H. Ruggles die Befriedigung, womit die Conferenz die einer Münzvereinbarung so vortheilhafte Gesinnung vernommen, die er eben Namens der V. St. kundgegeben habe, und fügt bezüglich des Wunsches, dass Frankreich eine 25 Fr.-Münze schaffe, bei, dass derselbe schon im Programme seinen Platz gefunden hahe und zur Berathung kommen werde.

H. Herbet theilt der Conferenz eine Eröffnung mit, die ihm H. Graham persönlich gemacht habe und die die Münze von Canada betreffe, um deren Umprägung auf Grundlage des Münzvereins v. 1865 es sich handle; wegen Wichtigkeit dieser Eröffnung wäre es gut, wenn H. Graham sie der Conferenz wiederholen möchte, damit dieselbe davon Act nehmen könne.

H. Graham erwidert, dass in dieser Beziehung noch nichts entschieden sei, dass aber, weil zwischen Canada und den V. St. Gleichheit der Münze obwalte, Canada, sobald die V. St. das französische Münzsystem annehmen, nothgedrungen diesem Beispiele folgen müsse.

H. Mees sagt, dass er die erste Frage nur vom theoretischen Gesichtspunkte aus betrachten und dass seine Abstimmung seine Regierung nicht binden könne, in Anbetracht, dass Holland, von drei so verschiedenen Systemen umschlossen, wie die auf dem Frank, dem Thaler und dem Sovereign fussenden, sich keinem Münzsysteme, welches es auch sei – für den Augenblick wenigstens – anschliessen könne.

Indem H. Gr. Avila auf die von HH. Stas, Feer-Herzog und Graham nacheinander berührte Frage der Umprägung der englischen Münze zurückkommt, gibt er der Meinung Ausdruck, dass, wenn das Pfd. Sterling auf 25 Fr. gebracht wäre, die Umprägung der englischen Sovereigns, weit entfernt dem Staatsschatze etwas zu kosten, demselben wahrscheinlich einträglich wäre, indem ja der neue Sovereign weniger Feingehalt zu haben brauche als der alte.  Durch die Abminderung von 11/12 auf 9/10 fein ergebe sich ein Gewinn von 60 Milligrammen reinen Goldes von jedem Sovereignstücke.  Übrigens dürfe man nur das Pfd. Sterling zu 25 Franken annehmen, damit die Unterabtheilungen beider Münzen unter sich übereinstimmten, wie z.B. schon der Sache nach Übereinstimmung herrsche zwischen der 5 Fr.- und der 4 Schillingmünze, zwischen den 50 Fr.- und 2 Pfd. St-Stücke u.s.w.

Da Niemand mehr das Wort begehrt, so schlägt der H. Präs. vor, die 1. Frage zur Abstimmung zu bringen; er weist noch auf die Nothwendigkeit hin, über die Art der Abstimmimg, ob nämlich nach Kopfen oder nach Staaten, sich zu verständigen.

H. Herbet macht bemerklich, dass, übereinstimmend mit den früheren derlei Fällen, nur eine Abstimmung nach Staaten Platz greifen könne.  Indem die französische die auswärtigen Regierungen zu einer internationalen Münzconferenz einlud, habe sie ihnen in der That ganz freie Hand darüber, durch wie viele Abgeordnete sie wollten vertreten sein, lassen wollen; würde aber nach Kopfen abgestimmt, so würden manche Staaten blos dadurch, dass sie zahlreichere Vertretung haben, über mehrere Stimmen gebieten.  Diese Folge könnte man nicht eintreten lassen; ohne streng die Eigenschaft einer rein diplomatischen Versammlung zu haben, sei die gegenwärtige Conferenz doch zusammengesetzt aus Mitgliedern, welche mit vorgängigen Instructionen ihrer Regierungen versehen seien, welche daher, von ihren individuellen Ansichten absehend, nur jene ihrer vertretenen Staaten kundgaben, und es stehe wohl jedem ersten der Abgesandten eines jeden Staates die Kundgabe der Abstimmung zu.

Da die Versammlung die von H. Herbet angezeigte Abstimmungsart annahm, so bringt der H. Präsident den ersten Absatz der ersten Frage zur Abstimmung :

»Durch Schaffung« u.s.w. (bekannt.)

Die Conferenz spricht sich einstimmig für die Verneinung dieser Frage aus.

H. Präs. bringt hierauf die erste Abtheilung des zweiten Absatzes der nämlichen Frage zur Abstimmung.

»Oder durch« u.s.w. (bekannt).

Die Conferenz antwortete einstimmig mit »Ja«.

Der zweite Theil des nämlichen Paragraphen (Absatzes) wird hierauf zur Abstimmung gebracht in folgender Fassung :

»Welches Münzsystem könnte in diesem Falle (nämlich der gegenseitigen Vereinigung der bestehenden Systeme) vorbehaltlich der Verbesserungen, deren es empfänglich ist, vornämlich in Betracht gezogen werden ?«

Auf eine Bemerkung des H. Fortamps einigt man sich dahin, dass das abzugebende Votum über die Frage des Münzfusses nicht entscheiden solle.

Die Conferenz spricht sich einstimmig für das System des Münzvereines von 1865 aus.

HH. v. Hermann und B. v. Soden bemerken, dass sie ihre Abstimmungen nur unter Vorbehalt der von ihren Staaten bereits früher eingegangenen Verpflichtungen abgeben.

H. v. Parieu constatirt, dass wirklich die deutschen Staaten durch den Vertrag von 1857 unter sich gebunden seien und ihre wechselseitigen Verpflichtungen ihnen nicht gestatten, vereinzelt zu handeln, mit Ausnahme von Österreich, welches sich jüngst davon losgesagt habe.

Die Erörterung der 2. Frage wird auf die folgende Sitzung, morgen um 2 Uhr, verschoben.

Ende der Sitzung 12 ½ Uhr.

 

[1]    Léon Faucher, Recherches sur l’or.

[2]    Rede des H. v. Hock bei Eröffnung der Wiener-Münzconferenz am 6. April 1867.

[3]    Auch in dem erwähnten, der Conferenz vorgelegten Vorschlage enthalten.

[4]    Idem.

 

3. Sitzung. Donnerstag 20. Juni 1867

 

Vorsitzender : H. von Parieu

Eröffnung um 2 Uhr.

Gegenwärtig : Die Abgeordneten der 2. Sitzung, ausgenommen H. Gr. v. Moltke-Huitfeldt, dann H. Vrolik.

Nach Genehmigung des Protokolls der vorigen Sitzung eröffnet der H. Präs. die Verhandlungen über die unter sich enge verbundenen Fragen 2 bis 7 wie folgt :

(Folgen die bekannten Fragen 2-7).

H. Mees erklärt sich für jeden Staat einzeln als Partheigänger der einzigen (ausschliesslichen) Währung, und, obwohl er einen Staat vertrete, dessen System auf der Silberwährung fusse, so mache er doch nicht darauf Anspruch, dass diese Währung vor dem Golde zur Annahme vorzuziehen sei; aber er würde ernste Missstande darin sehen, wenn alle Länder Europa’s ein und dieselbe Währung annähmen, denn das hiesse eines der beiden Metalle vom europäischen Verkehre ganz ausschliessen, während beide beizubehalten als nützlich erscheine.

Nicht zu vergessen sei, dass für den Verkehr mit dem äussersten Osten das Silber das immer in Gebrauch stehende Metall sei.  Er müsste daher auf die Fragen 2, 3 und 4 verneinend stimmen; aber er lasse weder die Silber- noch die Goldwährung ausschliesslich zu, werde auch für Doppelwährung nur in dem Falle des Zustandekommens einer allgemeinen Münzeinigung stimmen, eine Voraussetzung, deren Verwirklichung noch nicht vorauszubestimmen sein werde.

H. v. Jakobi findet keine Nothwendigkeit, über Annahme der einen oder andern Währung übereinzukommen; es genüge zu vereinbaren, dass diese und jene Münzen (allgemein) anerkannt und als gesetzliche Münzen angenommen würden, jedem Staate übrigens freistehe, andere je nach Zweckmässigkeit oder particularistischem Bedürfnisse auch zu prägen.

H. v. Lavenay gibt zu bedenken, dass die Schwierigkeit doch vielleicht grösser sei als H. v. Jakobi sie anzunehmen scheine.  Der von ihm eben ausgesprochene Vorschlag beziele nichts Geringeres als die Schaffung der doppelten Währung in allen Ländern.  Wie sollte denn die Regierung eines Staates, z.B. mit Silberwährung, der also Landesmünzen nur in diesem Metalle präge, zugeben, dass diese privilegirte Eigenschaft auch ausländischen Goldmünzen zukomme ? wie wollte sie ihre Eingebornen und öffentlichen Kassen zwingen, Metallsorten anzunehmen, deren Prägung ihr selbst nicht gestattet wäre, und deren Zulässigkeit sie verdeckterweise anzuerkennen schiene ?  Von einem andern Gesichtspunkte aus : müsste eben diese Regierung nicht Gefahr laufen, auf den Landesmarkt eine fremde Münze zu ziehen, welche die Landesmünze vertreiben und einem Metalle das Übergewicht verschaffen könnte, welches gerade bestimmt wäre aus dem innern Verkehre dieses Staates zu verschwinden ?  Jedes Land, das aus wirthschaftlichen Grundsätzen eine einzige Währung angenommen habe, könne die angegebene Doppelheit nicht zulassen.

H. v. Jakobi : Ohne gebunden zu sein, die Anwendung einer und derselben Währung zu bedingen, könnten die Regierungen sich dazu verstehen, Münzen von gleichem Werthe zu schlagen.  Die Vereinigungen würden keine grossen Schwierigkeiten bieten.  So sei der Halbimperial wenig verschieden von dem Napoléon d’or zu 20 Fr. und wenn die russische Regierung Münzen zu 1 ¼ Rubel prägte, so würde sie eine Angleichungsmünze an das 5 Fr.-Stück erhalten, dabei aber vollständig den Namen »Rubel« beibehalten.

H. v. Lavenay gibt die Leichtigkeit zu, mit welcher solche Vereinigungen geschehen könnten zwischen Frankreich und Russland, welche (beide) Doppelwährung haben; nicht so wäre es aber zwischen einem Lande mit Silber- und einem mit Goldwährung, z.B. Preussen und England.

Der H. Präsident will die praktische Tragweite der Aufstellungen des H. v. Jakobi nicht vollständig untersuchen; in der Meinung jedoch, welche bei Abfassung des Programmes vorherrschte und in welcher sich die Mitglieder der Conferenz zu vereinigen schienen, sollte die Lösung, worüber man sich zu verständigen hätte, nur in einer der folgenden fünf Gestaltungen gefunden werden : Annahme für alle Staaten

von Goldwährung
oder von Silberwährung
oder der Doppelwährung
oder der Goldwährung mit der Freiheit zeitweiliger Beibehaltung der Silberwährung
oder endlich umgekehrt.

H. Feer-Herzog weist auf einen gewissen inneren Zusammenhang hin, der zwischen den Bemerkungen des H. Mees und des H. v. Jakobi obwalte; beide denken, dass die Annahme derselben Währung für die Schaffung einer allgemeinen Münze nicht unerlässlich sei.  Er theile nicht diese Meinung, denn die Münzsorten, von Gold wie von Silber, welche für den allgemeinen Verkehr bestimmt seien, würden zur einfachen Handelsmünze von dem Augenblicke an, wo sie in ein Land einträten, dessen Münzwährung in einem davon verschiedenen Metalle bestände : dies hiesse in die Missstände zurückfallen, deren Beseitigung gerade Aufgabe der Conferenz sei.  Die von H. Mees geäusserte Furcht, im Falle der Annahme der ausschliesslichen Goldwährung möchte das Silber ganz verschwinden, scheine nicht auf einer vollkommen genauen Würdigung der Lage zu fussen.  Die Welt sei in Bezug auf Münzwesen in zwei ansehnliche und wohl unterschiedene Gruppen getheilt : auf einer Seite die Weststaaten, wo es daran sei, dass alsbald das Gold die Oberhand gewinne, auf der andern Seite die Länder des äussersten Ostens, wo das Silber fortwährend überwiege.  Der Handel, welcher zwischen Europa und den entfernten Gegenden sich immer mehr entwickle, könne die Beibehaltung eines bedeutenden Silberumlaufs nach dieser Richtung hin nicht entbehren; die Annahme einer einzigen Währung in Europa und in den Vereinigten Staaten hätte demnach die Folgen nicht, welche H. Mees voraussetze; Gold als einzige Währung wäre also die Grundlage einer wahrhaftigen Münzeinigung.

Der Herr Präsident könnte sich dieser Anschauungsweise nur bis zu einem gewissen Maasse anschliessen, wenn die Conferenz sich über Herstellung vollkommen gleicher Münzen einigen würde; sollte aber eine so vollständig befriedigende Lösung der Frage nicht erzielt werden, so könnte man sich auch dahin einigen, mehr oder weniger zahlreiche Übereinstimmungspunkte zwischen bestimmten Münzen festzusetzen, und um zu diesem keineswegs werthlosen Ergebnisse zu gelangen, wäre die Währungseinheit gerade nicht nothwendig; es genügte, dass die contrahirenden Staaten eine gemeinschaftliche Währung hätten.

H. B. v. Hock wünschte den Streitgegenstand genauer bestimmt zu sehen.  Nachdem er die Währung als die Urgrundlage, als die Vorschrift für das Gewicht, den Feingehalt und das Metall der Münzen eines Landes erklärt hatte, erinnert er daran, dass die Conferenz, indem sie sich in der letzten Sitzung für das System des Vertrages von 1865 erklärt, auch Gewicht und Feingehalt der Währung, welche sie anzunehmen gedenke, schon festgestellt habe.  Jetzt sei nur noch das Metall zu bestimmen, Gold oder Silber ?  Er werde für Gold stimmen, und, was die Doppelwährung betreffe, scheine auch ihm, wie Herrn Feer-Herzog, dieselbe nicht geeignet, um zur Gestaltung einer Münzeinheit zu dienen.

H. Gr. v. Avila unterstützt die scharfsinnigen Betrachtungen H. v. Lavenay’s; er kann sich nicht denken, wie die Länder der Silberwährung mit denen der Goldwährung sich über Schaffung von Gleichheitsnormen für ihre Münzstücke verständigen könnten.

H. v. Hermann hält es von der grössten Wichtigkeit, die gegenwärtige Streitfrage aufzufassen vom Gesichtspunkte der Bevölkerung der Staaten, welche einerseits die Gold- und Doppelwährung, andererseits die Silberwährung repräsentiren.

In dieser Hinsicht erinnert der H. Präs. daran, dass, wenn man nur die europäischen Staaten berücksichtige, wenn man von Asien, dessen Münzverkehr man mit dem europäischen nicht vermischen dürfe und dessen Bevölkerung gewissermaassen durch jene des amerikanischen Continents ersetzt sei, absehe, man zu folgenden Ergebnissen gelange : 180 Mill. Einwohner in den Staaten mit Gold- oder Doppelwährung, gegen 60 Mill. in denen mit Silberwährung.

Die Entscheidung könne nicht zweifelhaft sein.

Dabei die Bemerkung, dass die Vereinigten Staaten in derselben Lage, wie Frankreich, wären, Doppelwährung zu haben.

H. B. Ruggles entgegnet, dass diese Doppelwährung thatsächlich nicht bestehe und dass daher die V. St. ihm nicht mehr zu den Staaten mit Doppelwährung gezahlt werden zu können scheinen. Der ursprüngliche Congressbeschluss, gefasst zu einer Zeit, wo man weniger wie heutzutage, durch Studium und Erfährung aufgeklärt war, habe eine Doppelwährung einführen wollen, indem er dem Gold und Silber einen gesetzlichen (Zwangs-)Curs in den Zahlungen gegeben habe, wie gross auch der Betrag der Obligationen sein mochte.  Im J. 1853, Angesichts der schnellen Veränderung, welche sich im gegenseitigen Werthe beider Metalle erzeugt hatte und welche damals noch immer im Steigen war, sei die Doppelwährung thatsächlich beinahe erloschen gewesen durch die Werthsminderung von beiläufig 7 %, die an dem Gewichte der Bruch-(Scheide-)Münzen des Silberthalers vorgenommen wurde, und durch die Ankündigung, dass die darnach geprägten Theilmünzen nur mehr in Zahlungen nichf über 5 Thlr. Zwangscurs hätten.  Zwar sei der Silberthaler (dollar) noch als gesetzliche Münze für alle Schulden beibehalten; aber bei einer Silberausmünzung von im Ganzen 136,351,512 Dollars Werth seien nur 4,366,340 in (ganzen) Dollars geprägt, während 131,985,472 in Dollar-Bruchmünzen geprägt seien.  Fast alle Theilmünzen, welche vor der Inkraftsetzung des Beschlusses v. J. 1853 geprägt wurden, seien verschwunden zufolge des unbeugsamen Grundgesetzes von Ausgebot und Nachfrage, welches jede auf eine gesetzliche Regelung der Werthscurse abzielende Thätigkeit zu Schanden mache.  Die Gesetzgeber und das Volk der V. St. haben nun hinreichend gelernt – wenn nicht durch Studium, doch durch Erfährung – dass das System der Doppelwährung nicht nur eine Unklugheit, sondern auch eine Unmöglichkeit sei, weil es nothwendigerweise ein festes Werthsverhältniss zwischen zwei Waaren, nämlich Gold und Silber, in sich fasse; der Werth einer jeden von ihnen hänge von der Menge, die erzeugt werde, ab, und diese Menge habe keine Gesetzgebung in ihrer Gewalt; eine Werthsminderung sei stets der unvermeidliche Erfolg des wachsenden Ausgebots und werde es bleiben.  Während der 56 Jahre, die dem J. 1850 unmittelbar vorausgingen, haben die V. St. geprägt : in Gold 85,588,038 Dollars – in Silber 75,322,969 Dollars, was ungefähr 1,12 Golddoll. gegen 1 Silberdoll. ausmache.  Von 1850 bis 1866 einschlüssig habe sich die Ausmünzung auf 759,648,453 Golddoll. und 59,027,843 Silberdoll. erhoben, also beiläufig 12,50 Goldd. auf 1 Silberdoll.  Gewarnt durch einen so gewaltigen Wechsel im Angebote dieser beiden Metalle theilen die V. St. ohne Ausnahme die in der civilisirten Welt ohnehin mehr und mehr verbreitete Überzeugung, dass es unmöglich sei, eine Doppelwährung mit festgesetztem Werthsverhältnisse zwischen den zwei Metallen herzuhalten.

H. Fortamps erinnert daran, dass ihm schon bei der Conferenz von 1865 Gelegenheit gegeben war zu erklären, dass die belgische Regierung, obwohl sie auf der Seite der Silberwährung gewesen, doch, Angesichts der am europäischen Münzmarkte erfolgten Umwälzung, die Goldwährung für die einzige hielte, die man annehmen sollte; diese Erklärung müsse er heute wiederholen.

H. Meinecke wird sich weder zur 2. noch 4. bis 7. Frage bequemen, sondern für die 3. stimmen, d.i. für ausschliessliche Goldwährung; nur muss er beifügen, dass für jene Länder, wie Preussen, wo ausschliessliche Silberwährung gelte, man den Übergang von einer Währung zur andern durch anbahnende Massregeln vorbereiten müsse.  Welche diese sein sollen, darin wolle er, aus Mangel jeglicher Instruction, nicht vorgreifen.

Der H. Präs. nimmt Act von der so wichtigen Erklärung, die der preuss. Abgeordnete eben kundgab, mit dem Beifugen, dass die vorsorgliche Vereinbarung von Übergangsmassregeln auch im Programme vorgesehen sei.

H. Meinecke bedeutet zu fürchten, dass, wenn man die 5. und 6. Frage unbedingt annähme, gewisse Staaten die Doppelwährung für immer beibehielten; desshalb müsse man bei dem Zeitraume des Überganges ausdrücklich den Termin begränzen, während dessen die Silberwährung neben jener in Gold gleichzeitig beibehalten werden dürfte.

H. Wallenberg setzt die Verhältnisse und Anschauungen Schwedens auseinander.  Einstmals hätte dieses Land zwei Währungen gehabt, den Ducaten in Gold und den Reichsthaler in Silber.  Der Ducaten hätte genau den Werth von 2 Rthlr. gehabt.  Dieser sei aus 860 ‰ Silber fein bestanden, und mit dem Hamburger Rthlr. übereingekommen.  9 ¼ Rthlr. wägen 1 Pfd. Colnisch.  Der Rthlr. sei in 48 Schillinge, der Schilling in 12 Runstücke getheilt gewesen.  Zufolge der allgemeinen Handelsumwälzungen in diesem Jahrhunderte seien Gold und Silber verschwunden und durch Staatsbanknoten mit Zwangscurs ersetzt worden.  Als im J. 1830 die Staatsbank ihre Zahlungen in Silber wieder aufnahm, habe man die Münze auf das Landesgewicht fussen wollen.  Ein Gesetz habe bestimmt, dass das Silber zu 750 ‰ fein ausgemünzt werde und dass 25 Rthlr. zwei schwed. Pfund wiegen sollen; ferner, dass der Ducaten 80/82 Gold fein enthalten und dass 125 Duc. ein schwed. Pfd. wiegen sollen.  Die Folge dieses neuen Gesetzes sei gewesen, dass der innere Werth des Rthlr. etwas höher wurde als vorher.  Sonst sei das Cölnerpfund gleich 9 ¼ Rthlr. gewesen, nun nur mehr gleich 9 1/6 Rthlr.  So unbedeutend dieser Unterschied auch war, so sei er für Schweden doch von Nachtheil gewesen, da man ihn im Handel mit Deutschland und Dänemark niemals beachtete.  Bei diesem Anlasse müsse er bemerken, dass für England es von grossem Interesse, den Sovereign auf 25 Fr. zu reduciren, wie in der Conferenz schon angedeutet worden, denn das Pfund Sterl. werde in bedeutenden Massen um den Preis von 25 Fr. hingegeben.

Auf die schwedische Gesetzgebung zurückkommend, fügt H. Wallenberg bei, dass man von 1847 bis 1854 das metrische System in den Gewichten und Maassen des Königreichs einzuführen bestrebt war, aber nicht ganz durchdrang in Folge des Widerstandes von Seite des Priester- und des Bauernstandes; doch habe man das Decimalsystem eingeführt unter Beibehaltung der alten Einheiten.  Demzufolge habe bezüglich der Münzen ein Gesetz v. J. 1855 bestimmt, dass der Rthl. als Reichsmünze zu 75 % fein geprägt werde, 2 % Pfund schwedisch wiege und in 100 Öre getheilt werde.  Nach acht Jahren, 1863, sei die neue Ordnung durchgeführt gewesen.  Kurz, es haben in Schweden zwei Währungen ohne festgesetztes gegenseitiges Werthsverhältniss bestanden, der Reichsthaler für den Gebrauch im Lande und mit den Nachbarländern; der Ducaten als internationale Münze.  Nach seiner Meinung könne die Münzvereinbarung nur auf die ausschliessliche Goldwährung gegründet werden, da dieses Metall die besten Verkehrseigenschaften biete, wogegen die Silberwährung nur vorübergehend in den Ländern, welche, wie Schweden, sie jetzt haben, beizubehalten wäre.  Die Einheit der internat. Münze sollte eine Goldmünze zu 10 Fr. mit 9/10 fein, wovon 310 Stücke aufs Kilogramm gingen, sein, und in der untersten Abtheilung durch seinen tausendsten Theil, d.i. durch die Centime, dargestellt werden.

H. v. Jakobi fände es angemessen, unter den zu treffenden Übergangsmassregeln auch anzuordnen, dass die Schuldner ihre Zahlungen nach Belieben in dem einen oder andern Metalle, nach dem Tagescurse, machen können.

Der H. Präs. entgegnet, dies hiesse gar keine gesetzliche (oder Landes-)Münze anerkennen und beide Münzgattungen zur Gattung der Handelsmünzen herabdrücken, was die Völker nicht zugeben würden, vornämlich in Frankreich, wo man sich nicht dazu verstehen würde, eine Münze zu erhalten, deren Werth jeden Tag wechselte.

H. Vrolik meint, die Lösung der jetzt erörterten Schwierigkeiten würde sich durch Abstimmung der 6. Frage ergeben.

Der H. Präs. fordert zur Abstimmung über die zweite Frage, nämlich über Annahme der ausschliesslichen Silberwährung, auf, worauf die Conferenz sich einstimmig für deren Verneinung entscheidet.

Hierauf wird die Verhandlung der 3. Frage, über ausschliessliche Goldwährung, eröffnet.

H. Feer-Herzog hebt die Abstimmung H. Meinecke’s über die 2. Frage als besonders bemerkenswerth hervor.  Preussen sei in der That der bedeutendste unter den Staaten der Silberwährung, und sich, wie der Abgesandte dieses Landes eben gethan, für Annahme der ausschliesslichen Goldwährung auszusprechen, sei eine Erklärung, deren Wichtigkeit man nicht verkennen dürfe.  H. Wallenberg habe im Namen Schweden’s gleiche Abstimmung gegeben und man könne, da eine grosse Schwierigkeit beseitigt, viel ungehinderter über die Vorzüge der ausschliesslichen Goldwährung sprechen.  Das Münzsystem der Schweiz hänge nothwendig von dem, das in seinen grossen Nachbarstaaten, namentlich in Frankreich, herrsche, ab; aber die Protokolle der Conferenz von 1865 beurkunden, dass schon damals die gänzliche Hinneigung der Bundesregierung zur einzigen Goldwährung vorhanden gewesen.  Eine ähnliche Erklärung sei damals von Belgien und Italien abgegeben worden.  Die Schweizerregierung habe seither ihre Ansicht nicht geändert, sie sei vollständig bereit, sie neuerdings kund zu thun, obwohl sie durch den Vertrag v. 1865 verbunden sei.  Er sei daher für bejahende Beantwortung der 3. Frage.  In einer Versammlung von so sachkundigen Mitgliedern, wie es die Conferenzmitglieder seien, enthalte er sich, die für die Goldwährung sprechenden Beweise vorzuführen und beschränke sich darauf, die absolute Nothwendigkeit, ein Währungsmetall, das den Hauptgegenstand des Münzmarktes bilde, zu nehmen, hervorzuheben.

H. B. v. Hock erklärt, zum Vorhinein, dass er die 3. Frage bejahen werde, wie H. Feer-Herzog; wenn er noch Gründe für seine Meinung angebe, so geschehe es nur, weil verdienstvolle Leute für die Doppelwährung geschriehen haben.  Man sage insbesondere, dieses System vermindere die Münzkrisen, indem es eine Art Gleichgewicht zwischen beide Metalle bringe.  Was aber auf den Werth von verkäuflichen Dingen (Waaren) Einfluss habe, sei nicht das gegenseitige Verhältniss zwischen beiden Metallen, sondern die Gesammtsumme des umlaufenden Baargeldes.  Wächst deren Betrag, so gehen die Preise herab.  Es sei mit der Doppelwährung wie mit dem Opium, das in einzelnen Fällen eine sehr nützliche Arznei sei, das jedoch Niemand täglich nehmen werde, denn dann würde es Gift.  In den grossen Krisen konne die Doppelwährung Dienste leisten, aber zu welchen Missständen gebe sie in Folge des täglichen Werthswechsels der beiden Metalle unter sich Veranlassung ? sie übe einen nachtheiligen Einfluss auf die Börse und man könne bemerken, dass da, wo Doppelwährung gelte, das Sinken der Werthe immer beträchtlicher sei als in den Ländern mit Einer Währung.  Mit voller Zustimmung zur Goldwährung als einzigen, sei übrigens auzuerkenuen, dass für die Länder, wo bislang ein anderes System geherrscht habe, das der Doppelwährung während eines vorher zu bestimmenden kürzeren oder längeren Zeitraumes werde als Übergang zu belassen sein.

Der H. Präs. macht bemerkbar, dass die Erörterungen der HH. Feer-Herzog und B. v. Hock in das Wesen der Frage eingegriffen haben.  Hier handle es sich nicht um die Lage der Staaten des Vereins v. J. 1865, wohl aber um Preussen, Schweden und Niederlande, welche Silberwährung haben.  Deren müsse man sich zuvor versichern, ihre Lage sei schwierig.  Soll die Übergangszeit eines oder mehre Jahre sein ?  Nehme man nur ein Jahr an und spräche aus, dass nach Verlauf dieser Frist die Schulden nach dieser Taxe bezahlt werden, so könnte eine Krise dadurch entstehen, das Silber könnte im Preise heruntergehen und das Gold einen erheblichen Aufschlag bekommen in Verhältnissen, die schwer zu berechnen seien.  Der Zeitraum eines Jahres sei offenbar zu kurz.  Man könnte vielleicht zweckmässiger jedem Staate die Sorge überlassen, wie H. Vrolik vorschlage, bei voller Zeitausdehnung, selbst zu entscheiden, wann er den rechten Zeitpunkt gekommen glaube, um sein Münzsystem vollständig zu ändern, ohne dass Verwirrung zu besorgen wäre; mit andernn Worten, bis wann das Gold das Silber, wenigstens zum Theile, aus dem Verkehre verdrängt haben werde.

H. Meinecke hält die Beifügung eines Vorbehalts, um den Staaten der Silberwährung die Befugniss der Annahme der Doppelwährung für den Fall der Abstimmung für ausschliessliche Goldwährung zu sichern, zur 3. Frage für nöthig.

Der H. Präs. meint, es wäre wesentlich, schon jetzt so genau als möglich die Übergangsmassregeln zu bestimmen, glaubt auch, wie H. Meinecke, man könne nur vermittelst einer Doppelwährung von der Silber- zur Goldwährung gelangen.  Diese Meinung sei auch vom Generallieutenant Mansfield geäussert worden bei der Frage über eine Änderung im Münzsysteme Indien’s, wo die Silberwährung herrsche, als es sich darum handelte, dieselbe durch die Doppelwährung zu ersetzen, um später zur ausschliesslichen Goldwährung zu gelangen.  Das wirksamste Mittel, um im Verkehre rasch das Gold an die Stelle des Silbers zu bringen, wäre übrigens, zwischen beiden Metallen ein bestimmtes Verhältniss festzustellen, was den Gegenstand der 7. Frage bilde.

H. Mees schlägt vor, in der 6. Frage das Wort »gleichzeitig« (simultanément) in »vorübergehend« (transitoirement) umzuändern.

H. Meinecke sagt, das Wort »sofort« in der 2. Frage fordere den Vorbehalt.

H. v. Lavenay denkt, dass die allgemeine Ansicht der Conferenz zu Gunsten der Goldwährung, als einzigen, im Principe schon feststehe; die einzige auftauchende Schwierigkeit drehe sich um die Übergangsmassregeln, und man könnte schon jetzt sich zustimmend über die 3. Frage aussprechen, nur mit dem Beisatze : »Unter Vorbehalt aller praktisch zulässigen Schonungen.«

H. Broch ist der Meinung, es sollte nur die Goldwährung allein geben.  Bezüglich der Übergangsmassregeln glaube er, dass Resultate in dieser Hinsicht bald erzielt wären, wenn man in den Ländern, wo ein anderes System herrsche, die freie Ausmünzung des Silbers einstellte.  In der That erfreuten sich die Privaten des Rechtes, Silberbarren in die Münzstätten zu bringen, die man ihnen gemünzt zurückgäbe, nach Abzug der Entrichtung des Schlagsatzes in gewissen Ländern.  Dieses Recht sollte man den Privaten entziehen und dem Staate beilegen, indem man den zu prägenden Münzbedarf nach den Köpfen der Einwohner ausschlage.  Diese Bestimmung müsste sogleich bezüglich der 5 Fr.-Stücke nach dem Vertrage v. J. 1865 in Anwendung kommen.  Denn, wenn man diese Vorsichtsmassregel nicht ergreife, und wenn durch einen unerwarteten Wechsel das Silber auf dem europäischen Markte in grosserer Menge zum Vorschein käme, als das Gold, so könnten dieselben Schwierigkeiten, welche jetzt in Folge der Verdrängung des Silbers obwalten, in umgekehrter Weise entstehen.  Daher sollte man den Privaten die unbeschränkte Freiheit der Münzung nur bezüglich des Goldes lassen.

Der H. Präs. constatirt, dass über das Wesen der Frage, d.i. über die Einheit der Währung, gleiche Ansicht zu obwalten scheine; Verschiedenheiten der Ansichten bestehen nur mehr bezüglich der Übergangsmassregeln.  Er schlage vor, um die verschiedenen hierüber geäusserten Ansichten zu vereinigen, die 3. und 6. Frage zusammenzustossen.

H. Mees wird, sich auf das Anfangs der Sitzung Gesagte beziehend, weder für Annahme der dritten Frage noch auch für die Zusammenwerfung stimmen.  Er betrachte es in der That als einen Missstand, die Goldwährung allgemein einzuführen, weil das Silber dann nur mehr Scheidemünze sein und folgeweise der Goldwerth bedeutend steigen werde; es sei nicht wunschenswerth, dass man jetzt schon eine Wahl zwischen beiden Metallen treffe.  Endlich sei ja die Münzeinigung nicht nahe an ihrer Verwirklichung, und die Conferenz solle, nach dem Ausdrucke in einer Schrift des H. v. Parieu »nur eine Saat sein, deren Keimzeit schwer zu bestimmen sei.«

Der H. Präs. schlägt hierauf vor, die 6. Frage bejahend zu lösen, indem man sie durch eine Begränzung im Werthsverhältnisse zwischen beiden Metallen ergänze in der Art, wie es in der 7. Frage vorgesehen sei.

H. v. Jakobi fürchtet, man habe die Währungsfrage nicht hinlänglich behandelt.  Wenn man wirklich zwei Währungen zulasse : wie lange werde das Werthszwangsverhältniss unter ihnen sich halten ?  Der Theorie nach sei dieses Verhältniss wesentlich schwankend, es gebe einen ewigen Wechsel in den Werthsverhältnissen zwischen beiden Metallen.

Der H. Präs. macht bemerkbar, dass, wenn beide Metalle vorhanden seien, das Resultat der Werthsschwankungen unter ihnen sei, dass das werthvollere Metall vertrieben werde in einem gewissen Verhältnisse, welches dem Wechsel des Werthes gleichkomme.  Dann sogar, wenn – theoretisch gesprochen – das Wechselverhältniss geändert werde, leide der Münzverkehr nicht so darunter, wie man voraussetzen könnte, wegen des Vorhandenseins grosser Vorräthe in Verwahrung der grossen Creditanstalten, und jener, die sich bei den Privaten befinden.  An jedem Platze gebe es beständig eine gewisse Menge Baargeld, welches nicht davon weiche und nur unter den Bewohnern umlaufe.  Ferner müsse man mit grossen Massen arbeiten, um aus dem Wechsel der Metalle Gewinn zu ziehen, und die Umtausche selbst können sich nur langsam, in allmählichen Bewegungen vollziehen.  Aus diesen verschiedenen Grunden werde der allgemeine Verkehr weder schnell noch sehr empfindlich von den Veränderungen des gegenseitigen Werthes der Metalle ergriffen, und man habe in Frankreich z.B. stets eine hinreichende Menge Silbermünzen, trotz ihrer Ausfuhr, beibehalten.

H. v. Jakobi macht darauf aufmerksam, dass, wenn man Goldwährung allein annähme, eine Silbereincassirung von Seite der Bank die Folge wäre, und es durch Gold ersetzt würde, das aber im Werthe stiege.  In Preussen sei beinahe kein Gold, und H. Meinecke möge sagen, ob der Preis des Friedrichsd’or an der Berliner Börse sehr veränderlich sei.

H. Meinecke entgegnet, dass sehr wenig Friedrichsd’or in Umlauf seien; seit 1831 würden mehr nicht gemacht, als indem man die in Folge Abnützung eingezogenen Stücke umprägte, und seit 1857 sei deren Prägung ganz eingestellt worden.  Der Friedrichsd’or habe einen gesetzlichen Curs in der Art, dass seine Umprägung nicht vortheilhaft sei.

H. Vrolik ist der Meinung, dass der Übergang von einem System zum andern ein langsamer sei, es müssten Angleichungen unter den Münzen und gleichwerthige geschaffen werden, und man solle jedem Staate das Recht lassen, diese Münzen provisorisch zu tarifiren, wie dies bei den Friedrichsd’ors stattfinde.

Das hiesse, meint H. Feer-Herzog, nicht mehr einen Münzverein bilden, sondern beibehalten, was heutzutage in Deutschland bezüglich des Napoleon d’or besteht.

H. Vrolik erwidert, dass, nach seiner Meinung, der Napoléon d’or bei den öffentlichen Kassen genommen werde, ohne jedoch einen Zwangscurs zu haben.

Der H. Präs. bemerkt, dies laufe auf die Doppelwährung hinaus.  Er stellt hierauf die Frage der Abstimmung über die 3. Frage.

H. v. Lavenay weist auf die vorher von H. Meinecke gemachten Erörterungen hin, welche zur Vereinigung der 3. und 6. Frage führen.

H. B. v. Hock hält dafür, dass man nicht jedem Staate die Befugniss der unbegränzten Beibehaltung der Doppelwährung lassen könne; man möge nur frischweg die 3. Frage erledigen, wie man es bei der 2. gethan, dabei aber für die Länder der Silberwährung die Nothwendigkeit einer Übergangsperiode gestatten.

H. Artom schlägt als Beisatz zur 3. Frage die Worte : »unter Vorbehalt von Übergangsmassregeln« vor.

H. v. Hermann will jedem Staate die Befugniss zur Ergreifung der ihm geeignet scheinenden Übergangsvorschriften belassen wissen.

H. B. v. Hock meint, man könne jedem Staate die Wahl dieser Massregeln nicht überlassen.

H. v. Hermann beharrt auf seiner Meinung, worauf H. Gr. v. Avila den Zusatz : »Jedem Staate die Freiheit der Übergangsweisen Beibehaltung der Silberwährung gestattend«, in Vorschlag bringt.  Da überall, wo beide Währungen bestehen, die Goldmünze die Silbermünze unfehlbar vertreiben müsse, so bringe die Annahme dieser Redaction keine praktische Gefahr, und die zeitweilige Beibehaltung der Silber- neben der Goldwährung würde durch die Macht der Umstände selbst nicht von langer Dauer sein.

H. Kern will die Verhandlung nicht verlängern und hat Befugteren in diesen wissenschaftlichen Gegenständen die Aufgabe, sie zu behandeln und zu beleuchten, überlassen; er wünschte nur noch die Anschauung der von ihm hier vertretenen Regierung in diesem Punkte darzulegen und macht folgende Mittheilung der Instruction der Schweizer-Abgeordneten :

»Wenn die Frage über Goldwährung, welche in der 1865ger Conferenz umgangen wurde, zur Sprache kömmt, so werden die Abgeordneten, wie sie 1865 ermächtigt waren, erklären, dass die Schweiz dem Goldwährungssysteme den Vorzug gibt, dass aber ihre Beschlüsse in dieser Hinsicht untergeordnet und verbunden sein sollen denen der Mitunterzeichner des Münzvereins v. J. 1865.«

Er fügt bei, er kenne den Entschluss Frankreich’s nicht, folglich sei die Lage sehr schwierig geworden; er glaube übrigens nicht, dass man so unmittelbar die Goldwährung anwenden könne, dass eine Übergaugsperiode nöthig sei, und in dieser Hinsicht möchte er die 3. Frage mit den Worten H. Artom’s : »unter Vorbehalt von Übergangsmassregeln« ergänzen, welche er dem weniger allgemeinen Vorschlage des H. Gr. v. Avila vorziehe.

H. Gr. v. Avila erklärt, dass, wenn die Conferenz sich H. Kern’s Vorschlage anschliesse, auch er es thue; er sei wahrhaftig bei dieser Massregelfrage gar nicht interessirt; seine Stellung als Abgesandter eines Landes mit Goldwährung gestatte ihm, zur 3. Frage unbedingt zu stimmen.  Sein Zusatzvorschlag habe nur den Zweck gehabt, die Staaten der Silberwährung zur Bejahung der 3. Frage zu bestimmen.  Durch Belassung dieser Währung für dieselben eine bestimmte Zeit lang könne man zu einer allgemeinen Übereinstimmung über das Währungsprincip gelangen, und durch Annahme der Goldmünzen mit Zwangscurs sei ein ungeheuerer Schritt in einer Münzeinigung geschehen.  Denn, wenn die Länder mit Silber die Doppelwährung ergreifen, werde in ihnen bald das Gold der Hauptverkehrsgegenstand sein, wie es in jenen des Vertrages von 1865 schon der Fall sei.  In diesen Ländern bestehe die Doppelwährung nur mehr dem Namen nach, Silber sei Scheidemünze geworden, und das 5 Fr.-Stück, der einzige Trager der Silberwährung, existire nur mehr dem Namen nach.

Der H. Präs. zieht den Vorschlag des H. Gr. v. Avila dem des H. Kern vor; da es sich um Übergangsbestimmungen in den Ländern mit Silber handle, solle man die wichtigste dieser Bestimmungen, nämlich die vorsorgliche Beibehaltung der Silber- neben der Goldwährung, nicht mit Stillschweigen übergehen.

H. Graham erklärt sich für Annahme des Zusatzes des H. Gr. v. Avila mit Setzung des Wortes »übergangsweise« für »gleichzeitig«, welches sich in der letzten Abtheilung der 6., mit der 3. verbundenen Frage finde.  Diese Wortsveränderung vereinigt die HH. Kern, v. Hock und Artom zum Vorschlage des H. Gr. v. Avila.

Nach Constatirung der Streichung der 6. Frage bringt der H. Präs. die 3. Frage zur Abstimmung in folgender Gestalt :

»Ist es dagegen möglich, denselben Zweck zu erreichen auf Grundlage und Voraussetzung der Annahme ausschliesslicher Goldwährung, wobei jedem Staate freisteht, die Silberwährung übergangsweise beizubehalten ?«

Die Conferenz antwortet, mit Ausnahme der Stimme für Niederlande, einstimmig mit »Ja«.

Auf Einladung des H. Präs. begründet H. Vrolik seine verneinende Abstimmung dadurch, weil der Zusatz weiter gehe als die 6. Frage ursprünglich, in welcher sich das Wort »übergangsweise« nicht finde.  Dieser Ausdruck scheine ihm einen zum Vorhinein bestimmten Termin zu enthalten, nach dessen Abfluss die Silberwährung der Goldwährung gänzlich weichen müsse.  Er hätte mit den Conferenzmitgliedern nur stimmen können, wenn man jedem Staate die alleinige Beurtheilung der Zeitdauer der Beibehaltung der Doppelwährung überlassen hätte.  Wenn übrigens Holland’s Nachbarstaaten zu einer Münzvereinbarung gelangten, sähe sich dieses ohnehin genöthigt, ihrem Beispiele zu folgen.

Der H. Präs. schlägt vor, da die 4., 5. und 6. Frage durch Bejahung der 3. verneint seien, die 7. in Verhandlung zu nehmen.

Auf Vortrag des H. B. v. Hock beschliesst die Conferenz, morgen, Freitag um 10 Uhr Vormittags, zur Fortsetzung der Verhandlung zusammen zu kommen.

Die Sitzung schloss um 5 ½ Uhr.

 

4. Sitzung. Freitag den 21. Juni 1867

 

Unter Vorsitz des H. v. Parieu

Die Sitzung wird um 10 Uhr eröffnet.

Gegenwärtig : Die HH. Abgeordneten der vorigen Sitzung und H. Graf von Moltke-Huitfeldt; abwesend H. Baron Schweizer.

H. Gr. v. Moltke erklärt, dass er über die in seiner Abwesenheit erledigten 2. und 3. Frage mit der Mehrheit der Conferenz gestimmt hätte, jedoch mit dem Vorbehalte, dass er keine Verpflichtung der Art für Dänemark eingehen könne, dass dessen Münzsystem mit dem seiner Nachbarländer, womit es die meisten Geschäftsbeziehungen habe, in Widerspruch käme.

H. B. v. Hock bittet die Conferenz um die Erlaubniss, ihr bekannt geben zu dürfen, wie er dazu gekommen in der letzten Sitzung, einem Zusatzvorschlage des H. Gr. v. Avila, die Abfassung der 6. Frage betreffend, welchem er entgegen gewesen, doch zuzustimmen.  Als entschiedener Verfechter der ausschliessenden Goldwährung hätte er keinen Anstand genommen, der 3. Frage in ihrer ursprünglichen Fassung beizustimmen.  Aber die Abstimmungsforderung über diese Frage mit H. v. Avila’s Zusatz habe ihm die Wahl aufgedrungen, entweder einer seiner Gesinnung nicht zusagenden Fassung beizupflichten oder gegen die Goldwährung zu stimmen; in dieser Lage habe er keinen Anstand genommen, bejahend zu stimmen; er habe die ihm persönlich mehr zusagende Ansicht geopfert, um die Anerkennung des Principes der ausschliesslichen Goldwährung nicht zu erschweren in den Staaten, welche dermal Silberwährung haben und welche, nach Äusserung HH. Meinecke’s und v. Hermann’s, sich die Sorge für Übergangsmassregeln vorbehalten wollen.  Er sei jedoch überzeugt, dass, nach seiner Anschauung, wenn die neue Redaction des 3. Artikels mangelhaft sei, die praktischen Folgen davon durch die unter den Staaten zu schliessenden Specialverträge abgeschwächt würden; zweifelsohne würde man bei der Ausführung Vereinbarungen treffen, welche geeignet seien, die Thätigkeit einer jeden Regierung, besonders bezüglich der Übergangsmassregeln, zu beschränken; übrigens könnte man bei Verhandlung der 7. Frage den zu allgemeinen Sinn des zur 3. Frage beigefügten Zusatzes noch beschränken.

Der H. Präs. versetzte hierauf, dass die in der letzten Sitzung gefasste Entscheidung in der That kein Hinderniss sein könne, dass die Conferenz nicht Andeutung über bestimmte Übergangsmassregeln gebe, z.B. die Festsetzung eines geringsten Maasses für das Verhältniss des Goldes zum Silber, was ohnehin Gegenstand der 7. Frage sei.

H. Vicomte v. Villa-Maïor ist der Meinung, dass man vor Eingehung auf die 7. Frage zweckmässiger untersuchen könnte, welche vorhandene Goldmünze als Einheit für ein allgemeines Münzsystem genommen werden könnte, und von diesem Gesichtspunkte aus hielte er es für sehr zweckmässig, wenn die Abgeordneten jeden Staates für das Land, welches sie in der Conferenz vertreten, einen Angleichungsvorschlag zwischen ihren Münzen und der Münzeinheit, die sie angenommen wissen wollten, machen würde.  Diese Vergleichungen könnten der angestrebten Vereinbarung als Unterlage dienen.  Was Portugal betrifft, so würde dieses Land gerne das 5 Fr.-Stück als Einheit annehmen; denn es besitze schon auf der untersten Werthsstufe seines Münzsystems den »Reis«, welcher, wenn er auch wegen seines geringen Werthes eine mangelhafte Einheit bilde, doch den Vortheil gewähre, genau der tausendste Theil des 5 Fr.-Stückes zu sein; er hielte es daher für zweckmässig in eine vorläufige Besprechung über die 8. Frage einzutreten.

Der H. Präs. bezieht sich auf die Wünsche, die schon in der Conferenz gelegenheitlich laut wurden über die Herabsetzung des »Dollar« auf 5 Fr. und des »Sovereign« auf 25 Fr.  Nur bezüglich der Länder mit dem Gulden- und Thalerfusse sei die Frage noch nicht erwogen worden, und unter dieser Beziehung habe der Vorschlag des H. v. Villa-Maïor seine nützliche Seite.  Einstimmig zur Annahme einer alleinigen Münzeinheit zu gelangen, wäre gewiss eines der grössten Resultate, zu welchen die Conferenz gelangen könnte.  Eine Vereinbarung in dieser Hinsicht scheine wirklich nur über das 5 Fr.-Stück oder eine seiner Vervielfältigungen möglich zu sein.

H. Wallenberg hat schon in der vorigen Sitzung angezeigt, dass ihm das 10 Fr.-Stück wesentliche Vortheile zu haben scheine.  Mit 1000 getheilt erhalte man den Centime, der als die geringste Scheidemünze vortrefflich passe, während das 5 Fr.-Stück, mit 100 getheilt, 5 Centimen gebe, eine zu hohe Bruchzahl für die kleinen Zahlungen; für die grossen Ausgleichungen bilde allerdings das 10 Fr.-Stück eine gute Werthsmitte, eine weder zu hohe noch zu geringe Einheit.

Der H. Präs. schätzt die Bedeutung der Gründe, worauf die Meinung H. Wallenberg’s fusst; das 10 Fr.-Stück, als Münzeinheit genommen, wäre vorzüglich bequem für Frankreich; denn man dürfe in den Rechnungen nur die Stelle des Beistrichs ändern, so seien sie in neuen Einheiten ausgedrückt; ferner sei das 10 Fr.-Stück einmal stark im Umlauf gewesen unter dem Namen »Ducaten«, eine Münze, die ungefähr denselben Werth hatte; endlich sei es auch so lange die kleinste Goldmünze gewesen, bis man 5 Fr.-Stücke aus Gold prägte zum Ersatze deren von Silber, als diese aus dem Verkehre verschwanden.

H. Meinecke kann sich auf diese Frage nicht einlassen; er meint, es wäre genug, etwa festzustellen, dass die Grundmünzen durch einfache Angleichungen angenähert werden sollen, es aber jedem Staate frei stehe, die ihm passende Einheit zu wählen, vorausgesetzt, dass seine Sonderungen leicht in Münzen anderer Staaten umzusetzen seien.  Die Grundeinheiten wären auf diese Weise genähert.  Er sei nicht ermächtigt, sich über Feststellung einer Münzeinheit auszusprechen.

Der H. Präs. stimmt mit H. Meinecke darin überein, dass die Münzen leicht umsetzbar sein sollen, es müsse überdies aber doch unter ihnen einen gemeinschaftlichen Nenner geben, und der kleinste, den man für eine Goldmünze nehmen könne, scheine 5 Franken zu sein.

H. Meinecke bezeichnet eine kleinere Einheit, z.B. von 2 Fr. 50 Centimen.

H. v. Jakobi zieht die Einheit von 5 Fr. vor, weil sie in der Vervielfältigung ganze Zahlen habe : 10, 15, 20, 25 u.s.w., während man mit der Einheit von 2 Fr. 50 Cent. sicher Bruchmehrheiten bekäme.

H. Herbet gibt zu bedenken, dass die Einheit von 2 Fr. 50 Cent. nebst den andern Missständen auch den hätte, dass man sie nicht zweckmässig ausmünzen könne; er erwähnt in dieser Beziehung die Goldstücke zu 1 Fr. 25 Cent., welche einmal in der Türkei ausgegeben wurden, und von welchen sich zeigte, dass sie zu klein und zu wenig dauerhaft waren.

H. Stas hielt die auf eine Münzeinheit bezüglichen Erwägungen besser am Platze bei Prüfung der 8. Frage, meint auch, die Einheit von 2 Fr. 50 Cent. habe den weitern Nachtheil, eine zu grosse Vermehrung der Goldmünzen zu veranlassen, so dass es schwer wäre, die einzelnen Münzen von einander zu unterscheiden.

H. Kern unterstützt des H. Stas Meinung, und die Conf. vertagt die Behandlung dieses Punktes bis zur Verhandlung der 8. Frage.

Demzufolge eröffnet der H. Präs. die Verhandlung über die 7. Frage, deren Wortlaut er bekannt gibt.

(Bekannt)

Der H. Präs. hebt hervor, dass diese Frage auf die Regelung des Übergangszustandes für jene Staaten, welche die Goldwährung noch nicht haben, hinziele.  Sie habe zum Hauptzwecke, auf eine wirksame Weise die zu ergreifenden Übergangsmassregeln in Übereinstimmung zu bringen und zu verhindern, dass diese Massregeln nicht eine Abschwachung der zu Gunsten der Goldwährung von der Conf. getroffenen Entscheidung enthalten.  Es sei nothwendig, das Werthsverhältniss zwischen Gold und Silber zu bestimmen, und, wenn man genau die Preishöhe kennen würde, zu welcher die Goldmünzen z.B. in Preussen und Holland angenommen werden, könnte man vielleicht einen Ausgleichungsmaassstab aufstellen, welcher stufenweise das Gold einführen und das Silber entfernen würde ohne Erschütterung des Verkehres in den Ländern, in welchen es bisher als Währung gedient hat.

H. Mees sagt, dass für Holland, wenn der Wechselcurs sich in den letztern Jahren halte, der Gulden 2 Fr. 13 oder 14 Cent. gleich sein könne, und der Napoléon d’or gleich 9 fl. 35 oder 1/3.  Aber es sei schwer, das anhaltende Feststehen des gegenwärtigen Wechselcurses anzunehmen; wirklich sei in den letztern Jahren der Werth des Goldes gehalten worden zufolge der starken Nachfrage von Frankreich und der damit in Verbindung stehenden Verdrängung des Silbers.  Nun sei Frankreich von Silber entleert und das Gold habe im Verkehre dessen Platz vollständig eingenommen.  Der gleiche Goldbedarf mache sich daher nicht mehr bemerkbar, und in Folge dessen könnte der Werth des Goldes fallen, besonders wenn es immer in sehr beträchtlichen Massen zum Vorschein käme.  In diesem Falle würde der Silberwerth steigen und bei solcher Voraussicht werde es für einen Staat wie Holland, der den Silberumlauf bewahren wolle, schwer, in feststehender Weise das Werthsverhältniss zwischen beiden Metallen aufrecht zu erhalten.  Man könnte jedoch in den Gränzprovinzen den Napoléon d’or zu 9 1/3 fl. festsetzen und 4 Thlr. zu 15 Fr. oder 7 holländische Gulden, was auch mit dem süddeutschen Gulden übereinstimmte, obwohl er 7 ‰ Minderwerth habe.  Diese Gleichwerthung zu pari zwischen den beiden Guldensorten komme daher, dass in den Niederlanden zufolge der grossen Silberausfuhr nach Indien die Silbermünze rasch abnehme und man immer nachprägen müsse.  Wenn die Goldwährung allgemein angenommen und der Hauptträger des allgemeinen Verkehres würde, dann wären die von ihm oben gemachten Erörterungen über die Schwierigkeit, eine passende Tarifirung zwischen Gold und Silber wegen der Werthsschwankungen beider Metalle zu finden, ohnehin gegenstandslos, weil das Gold, weit entfernt im Werthe zu sinken, vielmehr eine gewisse Höhe behaupten würde.  Dann läge keine Gefahr in einer wenigstens annäherungsweisen Tarifirung.

Der H. Präs. : Es wäre zweckmässig, wenn die Conf. diese Fragen des Verhältnisses zwischen beiden Metallen in Angriff nähme; denn, wenn man in einem Lande Einem der beiden einen zu vortheilhaften Curs gewährte, würde dies auf Ein Mal eine gewaltige Wirkung im Verkehre dieses und der benachbarten Länder hervorbringen.  In denjenigen Ländern Europa’s mit Doppelwährung, wo diese Verhältnisse festgesetzt sind, sei es sehr verschieden gehalten.  In Russland, glaube er, sei das Verhältniss 1 zu 15.

H. v. Jakobi erwähnt, in Russland sei es 1 zu 15,45; es sei 1 zu 15 gewesen als der Halbimperial genau 5 Rubel galt, aber es sei auf 15,45 gebracht worden seit er 5 Rubel und 15 Kopeken gelte.  Ob man bei den Goldmünzen nach ihrem inneren Werthe rechnen müsse, sei die Frage.

Der H. Präs. antwortet, dass man nur Feingehalt gegen Feingehalt vergleichen könne, und constatirt, auf seine Erörterung zurückkommend, dass das Verhältniss zwischen Gold und Silber dermal sei : in Russland : 1 zu 15,45; in Spanien : 1 zu 15,48; in Frankreich : 1 zu 15,50; in den V. St. : 1 zu 16 beiläufig.

In allen diesen Ländern sei der Goldumlauf vorherrschend.

H. Fortamps macht darauf aufmerksam, dass mit der Tarifirung des Napoléon d’or zu 9 1/3 fl., wovon H. Mees gesprochen, man zu einer Bruchrechnung bis in’s Unendliche käme.  In den alten Niederlanden habe der Gulden 2,1164 Fr. gegolten, seit der in Holland vollzogenen Werthsminderung gelte er 2 Fr. 10 Cent., und wenn man nach dem Werthe dieses Guldens rechne, finde man den Napoléon d’or auf 19 Fr. 60 Cent. gebracht, und würde also 40 Cent. verlieren.  Unter solchen Voraussetzungen würde das Gold in Holland nie gehen.  Was H. Mees weiter sagt, dass der holländische mit dem deutschen Gulden pari stehe, trotz der Werthsverschiedenheit, so sei dies nur kaufmännisch richtig, nicht theoretisch.  Hinsichtlich einer internationalen Münze müsse man nach dem innern Werthe der Münzen rechnen, nicht nach Wechselgesetzen.

Der H. Präs. meint, die Tarifirung des Napoléon d’or zu 9 1/3 fl., was ein Verhältniss 1 zu 15,19 gebe, sei zu gering, das Mindeste des von der Conferenz anzunehmenden Werthsverhältnisses sollte etwa 15,25 oder 15,30 sein.  Man müsse allerdings auf die eigenthümliche Stellung Holland’s wegen seiner ostindischen Besitzungen Rücksicht nehmen.

H. Mees erwidert, man finde in H. Léon’s im J. 1860 veröffentlichten Werke, dass das gegebene Verhältniss unter dem von ihm selbst vorgeschlagenen zurückbleibe, nämlich 15,17.  Da wirklich dermal das Kilogramm Gold 3460 Fr. und das Kilogramm Silber 228 Fr. gelte, so finde man ein Verhältniss von 1 zu 15,175.

H. Feer-Herzog hält dies für einen Irrthum.  Dem niedrigsten Durchschnittsverhältnisse begegne man im J. 1859, damals war es 15,21; in London 1860 zu 15,27, und nach der gegenwärtigen Notirung in Paris 15,46.

H. Mees entgegnet, dass das Verhältniss von 1859 ein Durchschnitt vom ganzen Jahre war, dass folglich dies die in Léon’s Werke gebotenen Ziffern keineswegs als unrichtig darstelle.

H. Fortamps meint, man müsse zu einem niedrigsten Maasse des Werthsverhältnisses gelangen.  H. v. Parieu’s Vorschlag 15,25 sei zu gering.  Dieses Verhältniss müsse um den Ziffern 15,45 herum festgestellt werden, damit man einen Goldumlauf in den Ländern mit Silberwährung herstellen könne.  Die Länder mit Goldwährung würden übrigens um keinen Preis die Tarifirung der Silbermünzen zugestehen, denn für sie folgte daraus ein gewaltiger Verlust ohne Entgelt.

H. B. v. Hock glaubt, dass jetzt, wo man die 7. Frage studirt, man sich nur von dem, was dauerhaft sein soll, dürfe einnehmen lassen.  Er fragt, ob es nothwendig sei, dass die Conf. in die Erörterung der Übergangsmassregeln eingehe, und meint, es wäre besser, den Sonderverträgen, welche auf die Conferenz folgen könnten, die Sorge, sie zu regeln, zu überlassen; dadurch würde kein Missstand vom Gesichtspunkte der Münzvereinigung entstehen; denn es sei einleuchtend, dass die Länder mit Silberwährung nicht, ohne sich in Widerspruch mit ihrer in der Conferenz zu Gunsten des Goldes abgegebenen Stimme zu setzen, solche Verhältnisse zwischen den zwei Metallen festsetzen könnten, dass dadurch die Münzen der Goldwährung vom Verkehre thatsächlich ausgeschlossen wären.  Folglich sollte man die Aufgabe der Feststellung dieser Verhältnisse den Sonderverträgen überlassen, und jeder Staat möge dann in der Weise, die ihm am zweckmässigsten scheine, handeln.

Der H. Präsident gibt zu überlegen, dass nach der ursprünglichen Meinung der Untercommission die 7. Frage in Voraussicht einer möglichen Annahme der Doppelwährung mit der Befügniss für jeden Staat, diesen Zustand auf so lange zu verlängern, als er es für vortheilhaft hielte, gestellt worden sei.  Die Conf. sei in ihrer Abstimmung über die 3. Frage weiter gegangen auf demselben Wege, indem sie entschied, dass der Bestand der Doppelwährung wesentlich vorübergehend sei und in einem voraus zu bestimmenden Zeitpunkte aufhören müsse.  Demzufolge bedürfe es einer nachdrücklicheren Bekräftigung zur Einführung des Goldes in den Umlauf jener Staaten, und es sei nothwendig, dass die von der Conf. angenommene Ansicht in ihren Folgen wie in ihrem Principe durchgeführt werde.  Man werde aussprechen müssen, dass das Verhältniss zwischen Gold und Silber nicht unter einen gewissen niedrigsten Betrag festgesetzt werden dürfe, welches zu bestimmen der Conf. zustehe.  Die Sonderverträge könnten dies zwar thun, aber wird die Lage jener, welche diese Verträge zu schliessen haben, nicht besser sein, wenn sie sich auf einen Conferenzbeschluss stützen können ?  Um das Beispiel Holland’s zu nehmen, so wäre es vielleicht leichter seine Bevollmächtigten dahin zu bringen, dass sie das von H. Mees vorgeschlagene Verhältniss von 15,19 verlassen, wenn die Conf. vorher entschieden hätte, dass der geringste Verhältnisssatz 15,25 oder 15,30 sein soll.

H. Feer-Herzog meint, die Frage sei auf eine unrichtige Weise gestellt und es bestehe ein Widerspruch zwischen dem Systeme der Aufstellung von Angleichungen und dem der Feststellung eines Werthsverhältnisses.  Wenn man z.B., weil 4 Thlr. gleich 15 Fr. sind, neben dem fingirten Thlr. von Gold (3 Fr. 75 Cent.) den alten Silberthaler, dessen Werth etwas weniger hoch ist, in Umlauf lasse, werde das Werthsverhältniss das sein, welches sich zwischen dem Gewichte des Goldes, das in der Münze zu 15 Fr. enthalten ist, zu dem Gewichte des Silbers, das im Thaler enthalten ist, ergeben werde.

H. Ritt. Artom glaubt, man könne zur Feststellung eines Verhältnisses zwischen Gold und Silber auf zwei Arten gelangen, nämlich : »Angleichung« und »Tarifirung«; er aber halte es für besser, auf dem Wege der Angleichung vorzuschreiten.

H. v. Lavenay fragt, ob die Frage über ein festzustellendes Verhältniss zwischen Gold und Silber nicht vielmehr eine innere, als eine internationale sei ?  Sie wäre international, wenn es sich um Schaffung zweier allgemeiner Münzen nebeneinander, die eine von Gold, die andere von Silber, handelte; dann offenbar müsste man ein Werthsverhältniss festsetzen.  Aber man sei dahin übereingekommen, dass es nur eine internationale Münzart, Gold nämlich, gebe, und dass das Silber einen Zwangscurs nur zeitweise in den Staaten der Doppel- oder Silberwährung behalten soll.  Wenn dem so ist, werde man alle internationalen Geschäfte in Gold abschliessen, und, man möge Dollars, Napoléons d’or, Sovereigns oder vierfache Thaler erhalten, werden die Zahlungen immer in den Ausdrücken und vorgesehenen Namen der Convention gemacht werden.  Folglich erscheine es nicht als nöthig, wie H. v. Parieu vorschlägt, ein Verhältniss zwischen Gold und Silber festzusetzen.  Denn, wenn ein Staat eine unpassende Tarifirung mache, so werde das Gold bei ihm keinen Eingang finden, und er würde länger an dem Silber einen weniger bequemen Trager des Verkehrs haben.  Auch das persönliche Interesse werde jenen Staat dahin bringen, mit dem Golde besser umzugehen.  Dabei sei aber kein internationales Interesse.

Der H. Präs. entgegnet, eine internationale Münze müsse die Eigenschaften, welche zu einem wirklichen Umlaufe erforderlich sind, haben, sie müsse in’s Land eindringen; der Vortheil der Internationalität verbürge dies noch nicht.  Was die Bemerkung des H. Feer-Herzog betreffe, so sei, wenn sie Angleichungen zwischen den Gold- und Silbermünzen voraussetzt, es dann freilich nicht mehr nöthig, das Verhältniss auf andere Weise zu bestimmen; denn in dem angeführten Beispiele : 4 Thlr. = 15 Fr. schliesse diese Angleichung den Gedanken eines Verhältnisses von 15,30 als vorhanden in sich.  Dasselbe wäre bei den deutschen Südstaaten der Fall, wenn man 7 fl. = 4 Thlr. = 15 Fr. machte.  Aber nicht so sei es bei Holland, dessen Gulden nicht so gut zu einer Angleichung sich eigne, für dieses Land müsste man doch ein Werthsverhältniss festsetzen.

H. Feer-Herzog will nicht die Absicht gehabt haben, die H. v. Parieu ihm unterlege; er habe nur sagen wollen, dass, wenn man dem 15 Fr.-Stücke den Zwangscurs zu 4 Thlr. gebe, nothwendig die 2 Thlr.-Stücke von Gold und Silber, das eine zu 3 Fr. 75 Cent., das andere zu 3 Fr. 71 Cent., eben diesen inneren Werth haben müssen, und dann sich die Angleichung zwischen den Gold- und Silbermünzen von selbst machen würde, wenn auch der Vertrag diese Augleichung nur für Gold festgesetzt hätte.

Der H. Präs. : Wenn man mit Preussen übereinkäme, dass 15 Fr. = 4 Thlr. seien, so hiesse das die Internationale Währung dort einführen, und es dürfte selbst seinen Silberthaler nicht mehr antasten, der gegen das Gold auf dem Grundverhältnisse von 15,30 stünde.  Der Goldumlauf wäre dort nicht mehr untersagt und bekäme dort ohne Zweifel eine sehr beträchtliche Einfuhr.  Ebenso in Bayern; wenn dort ein 15 Fr.-Goldstück zum Curse 7 fl. in den Lauf kommen könnte, so wäre das eben so viel als die Feststellung eines Werthsverhältnisses.

H. v. Lavenay wollte behaupten, es gebe kein unmittelbar internationales Interesse, einen beschränkenden geringsten Betrag des Verhältnisses zwischen den zwei Metallen aufzustellen.  Was soll wahrhaftig auch der Zweck einer solchen Verhältnissfestsetzung sein ?  Es wäre die Einführung des Goldes in den Verkehr der Staaten mit Silberwährung.  Aber wenn man dem Golde dortselbst einen gesetzlichen (Zwangs-)Curs gebe, so würde dieses Metall sich festsetzen, während das Silber nur unter den Wechselfällen des Marktes angenommen werden könne.  Unter diesen Umständen werden diese Staaten leicht begreifen, dass das Mittel, dem Golde schnelleren Eingang in den Verkehr zu verschaffen, sei, ihm eine günstigere Behandlung zu verschaffen.  Man müsse also in diesem Punkte sich dem Interesse anschliessen, welches die Nationen selbst haben, die Goldmünze, als die bequemste, leichtest in tragende und mit einem Weltcurse versehene, nicht zu verschmähen.

Der H. Präs. bezweifelt, dass das Interesse eines Staates, wie H. v. Lavenay sagt, ihn nothwendig dahinbringe, bei ihm die Einführung des Goldes zu erleichtern; er führt das Beispiel Holland’s an, welches, obwohl im Besitz eines Münzsystemes, das in Bezug auf Währung von zweien seiner Nachbarn, und in Bezug auf Münzen von allen übrigen Nachbarn abweiche, nichtsdestoweniger einen blühenden Handel habe; er sieht nicht ein, warum diese Lage nicht noch langer sollte dauern können.

H. v. Jakobi glaubt, wie H. v. Lavenay, dass ein wichtiger Punkt, um leichter zu einer allgemeinen Verkehrsmünze zu gelangen, wäre, jedem Staate die Regelung des Verhältnisses beider Metalle unter sich, wie es ihm taugte, zu überlassen; sicher würden grosse Verschiedenheiten gleich Anfangs entstehen, aber die Sondertarife würden bald in einer allgemeinen Tarifirung aufgehen.

Der H. Präs. setzt auseinander, dass es sich hier nicht um eine vollständige Tarifirung handle, sondern nur darum, annäherungsweise einen niedrigsten Betrag auzudeuten, unter welchem das Werthsverhältniss nicht sollte bestimmt werden können.

H. Stas nimmt wahr, dass man im Laufe der Verhandlung allmählich dem Ausdrucke »Angleichung« (équation) verschiedene Bedeutungen untergelegt habe, und er glaubt, dass die Conf., indem sie sich bejahend über die 3. Frage ausgesprochen, wo von vorzunehmenden theilweisen Vereinigungen zwischen den verschiedenen Münzsystemen die Rede war, sich in der Wirklichkeit dahin entschieden habe, dass das Verhältniss von 1 zu 15 ½, wie es im Gesetze des Jahres XI festgesetzt sei, den zu bildenden Angleichungen als Grundlage dienen müsse.

Der H. Präs. entgegnet, dass die bejahende Lösung der 3. Frage keine Absicht der Angleichung zwischen Gold- und Silbermünzen in sich schliesse, sondern nur zwischen den verschiedenen Goldmünzen unter sich; auch habe man nur abgestimmt über die Ausdrücke : »theilweise Vereinigungen (coïncidences partielles)« und nicht »Angleichung (équation)«.  Es sei ferner entschieden worden, dass die Doppelwährung für die Länder der bisherigen Silberwährung nothwendig sei als ein Übergangsmittel, um zur Goldwährung zu gelangen.  Wenn nun das zwischen beiden Metallen bestimmte Verhältniss und in den verschiedenen Ländern verschieden sei, und da das Gold um so leichter durchdringe, je höher sein Coefficient Silber stehe : müsse man da nicht, um zur Einführung der Goldwährung zu gelangen, einen niedrigsten Betrag festsetzen ?  Hiesse es nicht sich auf einen Platonischen Wunsch beschränken, wenn man nur sagte, es gehe nun eine internationale Goldmünze, und nicht gleichzeitig ein Verhältniss derselben zur Silbermünze in den Ländern mit übergangsweiser Doppelwährung festsetzte ?  Damit eine Münze bestehen könne, müsse sie auch in ein System eingefügt sein.  Der holländische Ducaten, sehr zweckmässig für die Reisenden, sei erst verschwunden, als er kein bestimmtes Werthsverhältniss mehr zur Silbermünze irgend eines Landes gehabt habe; er habe also nur einen vorübergehenden (passagère) Bestand gehabt.  Man solle keine ähnliche neue Vereinsmünze schaffen.

H. v. Haindl meint, für die Staaten mit Doppelwährung, oder die sie zeitweilig einführen müssen, sei die grösste Schwierigkeit, das genaue Verhältniss zwischen Gold und Silber während der Übergangszeit zu finden.  Man müsse Massregeln treffen, dass das Eine der beiden Metalle das andere verdränge, aber es bedürfe auch grosser Vorsicht, um zu verhindern, dass die Einführung des Goldes nicht eine Krisis durch das zu schnelle Verschwinden des Silbers herbeiführe.  Diese zu treffenden Massregeln nun, oder, mit andern Worten, das festzusetzende Verhältniss, könne nur im Zeitpunkte der Ausführung zweckmässig getroffen werden; man würde daher gegenwärtig einen massgebenden niedrigsten Betrag mit Genauigkeit nicht feststellen können.  Wenn wirklich, wie H. Mees sagt, in Holland das Verhältniss 15,19 ist, so betrage es in Deutschland 15,58.  Man müsse auch jedem Staate in diesem Punkte volle Freiheit der Festsetzung lassen, was übrigens keinen Nachtheil bringen werde, weil jeder Staat nur zu dem ausgesprochenen Zwecke, das Gold in dem Umlauf zu ziehen, dieses Werthsverhältniss festsetzen werde, um später, wenn das Silber verschwunden sein werde, sich ganz nach den von der Conf. schon aufgestellten Grundsätzen einrichten zu können.

H. Broch glaubt, wie H. v. Parieu, dass ein massgebender niedrigster Betrag für die Übergangszeit aufzustellen sei.  Ohne diese Anordnung könnte das Gold in Ländern, welche eine zu niedrige Gränze festsetzen, nicht Eingang finden.  So könne es zweifelhaft sein, ob das Verhältniss von 15 Fr. = 4 Thlr. dem Golde Eingang in Preussen verschaffen werde, da 4 Thlr. weniger inneren Werth haben als 3 Stücke zu je 5 Fr.

Der H. Präs. bemerkt, dass im Innem der Staaten ganz andere Gesinnungen, als wirthschaftliche, manchmal ihren Einfluss auf die Ansichten über die Münzen geltend machen.  Eine derartige Neugestaltung habe gegen sich gewisse gangbare Ideen, gewisse übertriebene Befürchtungen gegen jede Neuerung in bisher im Lande geübten Gewohnheiten; manchmal sei es sogar eine Vorliebe für Münzkunde, welche z.B. beim Aufhören der Prägung silberner 5 Fr.-Stücke ihre Rechnung nicht fände.  Demzufolge liege schon etwas daran, dass die Conf. sich bestrebe, Vorschriften zu geben, welche, soviel möglich, Sicherheit gewähren, dass ihre zu Gunsten der Goldwährung ausgesprochene Abstimmung auch zum Vollzuge komme.

H. Meinecke gibt zu verstehen, dass, weil die 7. Frage es nur mit Übergangsmassregeln zu thun habe, in deren Verhandlung einzutreten er nicht ermächtigt sei, er ebenso wie sein College H. Herzog sich der Abstimmung enthalten müsse.

H. Vrolik, obwohl im Principe mit den Ideen H. V. Parieu’s einverstanden, hält es, wie H. v. Lavenay, doch praktisch für zweckmässiger, die Feststellung des Werthsverhältnisses der Metalle dem freien Beginnen eines jeden Staates zu überlassen; eine gewisse Gleichförmigkeit würde sich im Wechsel zwischen beiden Metallen durch die Macht der Umstände selbst bald herstellen.  Wenn in Holland der Napoléon d’or (nach H. Fortamps) um den Curs von 9 fl. 35 kr. ginge, so gabe dies ein Werthsverhältniss von 15,19.  Deutschland, wie Holland, konnte dem 15 Fr.-Stücke den Curs zu 4 Thlr. oder 7 fl. bayerisch geben.  Dieses 15 Fr.-Stück hätte dann einen grossen Umlauf; es wäre der Anknüpfungspunkt der deutschen Münzsysteme mit dem französischen.  Wenn man dagegen, nach H. v. Parieu’s Vorschlag, einen massgebenden niedrigsten Verhältnisssatz zu 15,25 oder 15,30 zugäbe, so hiesse dies Schwierigkeiten schaffen und vielleicht der Münzeinigung ein Hinderniss bereiten.  Demgemäss sei es besser, nichts festzusetzen.

H. B. v. Hock glaubt, in Übereinstimmung mit den HH. v. Lavenay, Meinecke, v. Haindl, Mees und Vrolik, man könnte den 7. Artikel ganz übergehen.  Wiewohl er, mit einer gewissen Beschränkung, der Ansicht des H. v. Parieu sei und den Vortheil der Aufstellung gewisser Grundlinien für die Übergangsmassregeln nicht verkenne, so hälte er es doch für schwer, in allgemeiner Weise in der Conferenz ein massgebendes Verhältniss im niedrigsten Satze zwischen den beiden Metallen für die Staaten der Silberwährung festzustellen.  Nach seiner Anschauung hänge dies ganz von ihrem Werthe im Zeitpunkte der internationalen Vertrage ab.  In der That, wenn man erwäge, dass der Preis des Goldes seit ein Duzend Jahren einem beständigen Sinken unterlag, dass in den folgenden 2 Jahren der Curs umschlug und seitdem beständig ein Steigen im Goldpreise besteht, so könne man sich fragen, ob dieses Steigen andauern werde oder in das Gegentheil umschlagen müsse ?  Das sei ein Gegenstand ernster Erwägungen.  Einige Gelehrten glauben an ein allmähliches Steigen des Goldpreises, sich darauf stützend, dass die Gewinnung dieses Metalles immer kostspieliger werde, sowie auf die ungeheuere Ausfuhr, die sich für das Gold durch seine Einführung in das indische Münzsystem eröffnen müsse.  Andere, darunter Soetbeer von Hamburg, dessen Schriften seinen Namen in Deutschland verbreiteten, sind der Ansicht, das Gold habe jetzt einen nicht sachgemässen Curs und müsse fürder im Werthe zurückgehen.  Angesichts so verschiedener Meinungen sei es schwer einen massgebenden Mindestbetrag des Verhältnisses festzustellen, der dem gewünschten Ziele der Conferenz entspräche.  Auch möchte es vielleicht besser sein, sich in einer gewissen Allgemeinheit zu halten, weshalb er vorschläge, den Art. 7 des Programms durch Folgendes zu ersetzen :

»Der Vortheil der Internationalität, welche die Münzen des als gemeinschaftliche Währung angenommenen Metalles erreichten, wäre keine hinreichende Bürgschaft, dass sie in jedem Staate im Umlaufe bleiben, sondern es wäre nothwendig, ausserdem zu vereinbaren, dass in den Ländern, welche bisher Silberwährung allein hatten, wie in jenen, welche Doppelwährung haben, das Werthsverhältniss zwischen Gold und Silber nicht auf einem zu geringen Fusse festgesetzt werde, damit die wirkliche Einführung des Goldes statthabe.«

Der H. Präs. erklärt, dass er H. v. Hock’s Vorschlag vollständig annehme hinsichtlich der Länder mit Silberwährung, dass er aber bezüglich jener mit Doppelwährung Zweifel habe.  Diese letzteren haben in der That seit langer Zeit ein gesetzlich festgestelltes Verhältniss zwischen Gold und Silber, und es wäre schwer, anzunehmen, dass, well sie sich verpflichteten, Massregeln zu treffen, um zur Goldwährung zu gelangen, sie darauf sinnen könnten, ihr Metallverhältniss so umzuändern, dass sie das Gold aus ihrem Münzverkehre verdrängten.  Was H. v. Hock’s Verbesserung bezüglich der Länder mit Doppelwährung enthalte, scheine doch ohne Nachtheil weggelassen werden zu können.  Gegenwärtig drehe sich die Verhandlung ja nicht mehr um die Frage eines Mindestverhältnisses, sondern um den viel allgemeineren Vorschlag des H. v. Hock, der von den Conf.-Mitgliedern, die ohne Instruction von ihren Regierungen sind, folglich nicht bestimmt ein Minimum votiren können, viel leichter bejaht werden könne.

H. Herbet macht bemerkbar, dass die Frage dann bei den zu schliessenden Sonderverträgen auftreten werde und dass sie sodann zweckmässig erledigt werden könne von den Geschäftstragern, welche mit den nöthigen Instructionen und Vollmachten ausgerüstet wären.

Auf des H. Präs. Einladung gibt H. Fortamps bekannt, dass, nach seiner persönlichen Meinung, es nicht erlaubt sein soll, ein Mindestverhältniss geringer als 15,40 auzunehmen.

Der H. Präs. ist geneigt, H. B. v. Hock’s Vorschlag zur Abstimmung zu bringen.

H. Ruggles ersucht um Vertagung der Abstimmung auf die folgende Sitzung, well er den Gegenstand des Verbesserungsvorschlages nicht recht einsehe.

Der H. Präs. ist für Abstimmung; die Mitglieder, welche, wie H. Ruggles, dessen Beanstandung er für jedenfalls alleinstehend halte, den Vorschlag nicht gefasst hätten, würden sich für den Augenblick der Abstimmung enthalten und später ihren Anschluss oder ihre Ablehnung abgeben.

H. Kern findet, dass die Verhandlung lang und gründlich genug war, dass sich die Conferenzglieder eine Meinung hätten bilden können, und erklärt, er seinerseits wolle nicht mehr weiter gehen als H. v. Hock.  Wenn es sich um so wichtige und so weit auseinandergehende Interessen handele, müsse man sehr überlegen, bevor man in einer so bestimmten Weise Beschluss fasse.  H. v. Hock’s Vorschlag binde in seinen allgemeinen Ausdrücken weniger als wenn man ihn, nach H. v. Parieu’s ursprünglicher Meinung zu bestimmten Zahlen ausgedrückt hätte.  Dies sei eine glückliche Ausgleichung zwischen den verschiedenen Meinungen, welche, in demselben Sinne behandelt, von einander nur mehr durch ihre ungleiche Dehnbarkeit abweichen.  Daher brauche man die Abstimmung nicht auf eine andere Sitzung zu verlegen; wahrscheinlich wäre keine bessere Lösung zu finden.  Im Interesse der Conf.-Verhandlungen selbst sei sogleich abzustimmen.

H. Ruggles entschuldigt sich, dass er daran nicht theilnehme, weil er die Frage nicht begreife.  Die V. St. könnten zur Annahme eines Werthsverhältnisses zwischen Gold und Silber nicht stimmen.  Die Doppelwährung falle erst, wenn dieses Verhältniss nicht mehr bestehe.

Der H. Präs. bemerkt Hn. Ruggles, dass in den V. St. die Doppelwährung noch bestehe, folglich auch das Verhältniss des Goldes zum Silber, welches 1 zu 16 sei.

H. Ruggles entgegnet, dass, wenn die Doppelwährung auch gesetzmässig noch bestehe, sie in der Praxis der Sache nach aufgehört habe, folglich die V. St. die Goldwährung als einzige haben.

Der H. Präs. : So genommen, müsste man, da Frankreich noch weniger 5 Fr.-Stücke (in Silber) mache als Amerika Dollars, nach H. Ruggles’ Ansicht sagen, Frankreich habe die Goldwährung als einzige, was doch Niemand behaupte.

H. v. Jakobi bemerkt, die V. St. und Frankreich könnten erst dann als die Goldwährung allein habend betrachtet werden, wenn ein neues Gesetz die alten gesetzlichen Vorschriften über diesen Punkt eben abgeschafft und die Anfertigung von Silberdollars untersagt hätte.

H. Fortamps äussert sein Bedauern, dass der Inhalt des Votums nicht die Aufstellung eines bindenden niedrigsten Tarifes zum Gegenstande habe und wiederholt, dass man keinesfalls die Länder mit Goldwährung zwingen könne zur Zulassung der Tarifirung der Silbermünzen anderer Staaten, welche die Silberwährung beibehalten hätten.

H. v. Hock’s Vorschlag wurde zur Abstimmung gebracht und erhielt, ausser Preussen, das sich der Abstimmung enthielt, und den Vereinigten Staaten, welche die Abstimmung aufschoben, alle Stimmen bejahend.

Durch Annahme des v. Hock’schen Vorschlages ist die Abstimmung über die 7. Frage gegenstandslos, diese ist beseitigt.

Die Verhandlung über den 8. Artikel wird auf die folgende Sitzung verschoben, welche auf morgen, Samstag, um 10 Uhr anberaumt wird.

Die Sitzung wird um 12 ½ Uhr geschlossen.

 

5. Sitzung. Mittwoch den 26. Juni 1867

 

Unter Vorsitz Sr. Kais. Hoheit des Prinzen Napoléon

Gegenwärtig waren die HH. Abgesandten, welche der vorigen Versammlung beiwohnten, und H. Delyannis; es fehlte H. Mees, der wegen sehr dringender Geschäfte sich zur Rückreise nach Amsterdam gezwungen sah und, zu seinem grossen Leidwesen, an den Conf.-Arbeiten nicht mehr wird theilnehmen können.

In Folge eines von S. Exc. dem H. Minister der auswärtigen Angelegenheiten an den Kaiser erstatteten und im Moniteur v. 26. Juni veröffentlichten Berichtes [1] übertrug S. Majestät das hohe Commissionspräsidium an Monseigneur den Prinzen Napoléon.

S. kaiserliche Hoheit eröffnete die Sitzung mit folgender Anrede :

»Meine Herren !

Vom Kaiser zu der Ehre berufen, der internationalen Münzeinheitsconferenz vorzusitzen, nahm ich diesen Auftrag mit Vorliebe an.  Es ist nicht meine Aufgabe, hier die Gründe meiner Ernennung zu entwickeln, in dem Berichte des H. Ministers der auswärtigen Angelegenheiten sind sie mit vielem Wohlwollen auseinandergesetzt.  Ich beschränke mich, Ihnen nur zu versichern, dass kein eitler Wahn mich glauben machen könnte, weder dass ich in einer Versammlung so ausgezeichneter Männer mehr Aufklärung, noch dass ich insbesondere mehr Specialkenntnisse über die uns beschäftigende Frage bringen könnte.

Ich habe das Gefühl meiner geringen Berechtigung, besonders nach der Leitung, die mein Freund und Collega H. v. Parieu Ihren Arbeiten widmete; ich hoffe und zähle darauf, dass er mich mit seinen Rathschlägen unterstützen wird.  Ich tausche mich nicht über die Schwierigkeiten, unsere guten Absichten in praktische Resultate zu verwandeln; und, wenn die Kenntnissnahme der Sitzungsprotokolle mir den Beweis geliefert hat, wie sehr Sie Alle von dem Geiste der Nachgiebigkeit, der zur Erzielung der Münzeinheit, der Sie Alle huldigen, so nothwendig ist, durchdrungen sind, so müsste ich auch die zahlreichen beträchtlichen Schwierigkeiten der Ausführung in’s Auge fassen, die sich uns darsteilen.  Aber je schwieriger das Ziel, desto grösser wird der Ruhm der hier vertretenen Regierungen sein, es zu erreichen.  Sie wissen wohl, wie einsichtig heut zu Tage die öffentliche Meinung ist, wie schnell und oft ungestümm sie in ihrem Eifer ist; folglich müssen wir uns bemühen, ihr zu genügen, ohne deshalb die Schwierigkeiten, die wir zu übersteigen haben, uns zu verheimlichen.

Deshalb muss ich Sie, m.H., bitten, stets den Zweck, den wir verfolgen, vor Augen zu haben; bedenken wir, dass alle Welt von unserer Conferenz ein Resultat erwartet, und trachten wir den früheren vielen Conferenzen und Commissionen, die unfruchtbar blieben, ein Dementi zu geben; seien wir in einer Weise thätig, dass unser Beisammensein sich nicht auf einen schönen Bericht oder Vortrag zu Gunsten der Müzeinheit beschränkt, sondern dass es zu einem wirklichen Resultate führe.

Heute handelt es sich, was ich nicht erst zu sagen brauche, um Fortsetzung Ihrer begonnenen Geschäfte.  Mir scheint, wir sollten in unseren Berathungen folgenden Gang verfolgen.  Wir setzen die Berathungen über das Programm fort; haben wir es erschöpft, so werde ich Ihnen den Weg vorschlagen, der nach meiner Meinung der sicherste ist, um, entweder in einer allgemeinen oder besonderen Form, mit jedem Staate zu einem Abschlusse zu gelangen, und um, wie H. v. Parieu so schon und treffend sagt, »den Zeitpunkt der Entfaltung der Keime, die Sie säen«, zu beschleunigen.

Das Einzige, was in meiner Gewalt steht, bringe ich Ihnen, einen energischen guten Willen und das lebhafte Verlangen, an der Einheitlichmachung der Münzen mitzuarbeiten.  Erlauben Sie mir, m.H., hiefür auf Ihre wohlwollende Mitwirkung rechnen zu dürfen.«

Diese Rede Seiner Hoheit beantwortete H. v. Parieu in seinem und der Conf. Namen wie folgt :

»Monseigneur !

Es gereicht mir zur grossen Befriedigung, der Gesinnung der Conferenz Ausdruck zu geben, indem ich das Gefühl ausspreche, das wir Alle empfinden über die durch die Vorstandschaft Euerer Kais. Hoheit dieser Versammlung zu Theil gewordene Ehre.  Erlauben Sie uns die Hoffnung auszusprechen, dass diese Ehre auch eine Macht sein wird; Ihre finanziellen Kenntnisse und die Erfahrung Ihrer zahlreichen Reisen werden Sie in den Stand setzen, über der Fortsetzung unserer mühsamen Berathungen zu leiten.

E. K. H. haben Ihre Zustimmung zu dem in unsern Berathunngen schon befolgten Gange kundgegeben.  Ihre Billigung hat für uns, und für mich insbesondere, einen vorzüglichen Werth.

Erlauben Sie Sie zu beglückwünschen, Monseigneur, für die Sympathien, die Sie zu Gunsten der Fortschrittsideen eben ausgedrückt haben; die Durchführung nützlicher Neuerungen gegen alle Hindernisse und unvermeidlichen Zögerungen ist eine Schule der Geduld und der Gerechtigkeit; sie ist aber auch eine Bahn der Ehre, Ihrer Betretung würdig, worin auch wir Ihnen zur Seite wandeln werden.«

Nach diesen Worten des H. v. Parieu, denen die Conf.-Mitglieder insgesammt beistimmen, unterbreitet H. Gr. v. Avila seinen Collegen diese zwei Vorschläge :

1. Die Conf. wird durch eine Adresse dem Kaiser ihre Dankbarkeit ausdrücken für die Ehre, die S. M. ihr erwies durch Ernennung Sr. K. H. des Prinzen Napoléon zum Präsidenten.  Diese Adresse soll dem Kaiser durch eine Deputation, oder, noch besser, wenn nichts dagegen steht, durch die ganze Conferenz überbracht werden [2].

2. Die Conf. soll durch Zustimmung ihren Dank dem H. v. Parieu, ihrem Vicepräsidenten, für die ausgezeichnete und unpartheiische Weise, womit er die Geschäfte in den vorhergehenden Sitzungen geleitet hat, ausdrücken.

Diese Vorschläge erhielten die ungetheilte Billigung der HH. Conf.-Mitglieder, und der erste wurde dem H. Vicepräs. zur entsprechenden Ausführung übertragen.

S. kais. Hoheit theilt hierauf der Conf. ein Schreiben Sr. Exc. Djemil-Pascha mit, welcher sich entschuldigt, dass er in Folge der Ankunft des Sultans der Sitzung nicht beiwohnen könne.

Die Protokolle der 3. und 4. Sitzung werden gelesen und genehmigt.

H. Delyannis bedauert, dass er bei der letzten Sitzung fehlen müsste.  Er führt aus, dass, nachdem seine Regierung das System des Münzvereins v. Jahre 1865 angenommen, er ermächtigt sei, über die Hauptfragen sich auszusprechen, nicht so über die Unterfragen.  Auch glaubt er, weil er nicht an allen bisher erfolgten Abstimmungen theilnehmen konnte, über einige von der Conf. beschlossene Punkte Vorbehalte machen zu müssen.

S. K. Hoheit eröffnete die Verhandlung über die 8. Frage.

(Bekannt)

H. Rivers-Wilson liest nachstehende Declaration vor :

»Vor Wiedereröffnung der Verhandlung über das Programm halten es die englischen Abgeordneten für ihre Pflicht, sowohl gegenüber der Regierung die sie vertreten, als gegenüber den andern Conf.-Mitgliedern und namentlich der Kais. Regierung, auf deren Einladung sie hier sind, und um jedes Missverständniss ferne zu halten, die etwas schwierige und ausnahmsweise Stellung, in der sie sich befinden, genau zu kennzeichnen.  Sie sind von der Nothwendigkeit dieser Erklärung um so mehr überzeugt in Anbetracht der ernstlichen und praktischen Wendung, welche die Verhandlung bisher genommen, sowie insbesondere der hohen Bedeutung, welche unfehlbar in der öffentlichen Meinung an die Vorstandschaft Sr. Kais. H. Ms. des Prinzen Napoléon und an die hiemit zusammenhängenden Ergebnisse sich knüpfen wird.

Die englische Regierung glaubte es nicht ablehnen zu sollen, der herzlichen Einladung Folge zu leisten, welche ihr von der kais. Regierung zur Theilnahme an dieser Conferenz gemacht wurde; bei Verweigerung ihrer Theilnahme hätte sie nicht allein einen Beweis von Mangel der gegenseitig üblichen Courtoisie gegeben, sondern man hätte sie, obwohl mit Unrecht, beschuldigen können, als nähre sie Vorurtheile über die wichtige Frage, um die es sich handelt.

Allein, die Wahrheit zu sagen, befindet sich die englische Nation gegenüber dieser Frage in einer ganz verschiedenen und viel unabhängigeren Lage, als die meisten Festlandsstaaten.

Solange die allgemeine Meinung sich nicht für eine Änderung des gegenwärtigen Systems wird ausgesprochen haben, so lange dieses System nicht Missstände, weder in den grossen Handelsgeschäften noch im Kleinhandel, des Privatlebens des Landes, darbieten wird, so lange endlich nicht unwiderleglich wird dargethan sein, dass die Annahme eines neuen Systemes hinreichend überwiegende Vortheile biete, um den Abfall von dem, welches durch die Erfährung bewährt und in die Gewohnheiten des Volkes eingewurzelt ist, zu begründen, so lange würde die englische Regierung es nicht glauben rechtfertigen zu können, wenn sie den Anfang der Gleichmachung ihrer Münzen mit denen der Länder des Festlandes machte.

Andrerseits wird die englische Regierung stets bereit sein, ihre Unterstützung jedem Versuche zu gewähren, der zum Zwecke hat, die öffentliche Meinung in der Würdigung dieser Frage auf eine gemeinverständliche Weise aufzuklären und zu leiten, sowie auch jeder Berathung über die Mittel, durch welche diese in der Theorie so vortheilhaft scheinende Gleichmachung bewirkt werden könnte.

Wenn sich daher die englische Regierung bei dieser Conf. auch hat vertreten lassen, so fand sie doch für nothwendig ihren Abgeordneten die grösste Zurückhaltung aufzulegen; ihre Aufgabe ist einfach, die verschiedenen Gründe, welche etwa vorgebracht werden, anzuhören, die Lage der Frage, sowie sie sich in den Verhandlungen gestaltet, zu studiren und hierüber ihrer Regierung Bericht zu erstatten.  Bisher bestand für dieselben keine Schwierigkeit, die Vorschläge, worüber die Conf. Abstimmung erheischte, zu bejahen, weil dieselben thatsächlich mit dem dermal in England herrschenden Systeme in Einklang stehen; aber es würde nicht zu ihren Befugnissen gehören, über irgend eine weitere Frage abzustimmen, die darauf hinzielt, ihre Regierung verbindlich zu machen oder irgend eine Meinung auszusprechen, welche dem Glauben einer bevorstehenden Annahme des Vertrages v. J. 1865 durch Grossbritannien Raum geben könnte.«

H. Herbet verständigt die Conf., dass die Vorbehalte, welche so eben H. Rivers-Wilson Namens der grossbritannischen Regierung formulirt habe, schon enthalten seien in dem Schreiben, welches Lord Stanley an den französischen Gesandten zu London gerichtet habe, um ihm die Theilnahme des vereinigten Königreichs an der Münzconferenz anzukündigen.

S. Kais. Hoheit drückt die Meinung aus, dass das Werk der Conferenz ein wesentlich theoretisches sei, dass die praktischen Resultate erst in den von den Regierungen unter einander abzuschliessenden Verträgen hervortreten werden und dass folgeweise die HH. englischen Abgesandten sich nicht zu scheuen haben, ihre Meinung über die noch zu lösenden Fragen abzugeben, weil bezüglich ihrer, sowie bezüglich der anderen Conferenzmitglieder, deren Meinung ihre Regierung nicht binden könne.

H. Meinecke meint, es sei zum Erfolge der Münzvereinigung nicht nöthig, eine durchaus identische Einheit für das Gewicht und die Benennung, noch gemeinschaftliche Typen aufzustellen; es genüge, eine Einheit für die Zusammensetzung der Metalle zu schaffen und über Vereinsmünzen, die unter sich durch eine einfache Angleichung leicht umsetzbar sind, zu verständigen, welche aber doch für die verschiedenen Staaten unterschieden sein können.  Z.B. Frankreich könnte sein 20 Fr.-Stück, Österreich ein 10 fl.-Stück an Vereinsmünze nehmen, in der Art, dass das 20 Fr.-Stück in den öffentlichen Kassen Österreich’s zu 8 fl., und das 10 fl.-Stück in denen Frankreichs zu 25 Fr. Curs hätte.  Man könnte jedem Staate die Freiheit lassen, die Vereinsmünze abzutheilen, wie es ihm anstehe, nach den Bedürfnissen und Gewohnheiten seiner Bewohner.  Österreich könnte z.B. 5 fl.-Stücke = 12 Fr. 50 Cent. prägen, Münzen, welche Frankreich bei seinen öffentlichen Kassen anzunehmen nicht schuldig wäre, aber allerdings müssten diese Theilmünzen von Gold und von derselben metallischen Zusammensetzung sein, wie die Hauptmünzen.  Bezüglich der Legirung halte er die der nach dem Vertrage von 1857 geprägten Kronen und die der nach dem Vertrage v. 1865 geprägten Goldmünzen, nämlich zu 9/10 fein, für die beste.  Welche Vereinsmünze für Preussen die entsprechendste sei, darüber könne er sich nicht aussprechen, und beschränke sich, wie er so eben gethan, darauf, das nach seiner Meinung zu befolgende Prinzip anzudeuten.  Aus diesen Gründen könne er von der 8. Frage nur demjenigen Theile, welche die Einheit der metallischen Zusammensetzung enthält und welche er auf 9/10 fein gestellt wissen möchte, zustimmen; die übrigen Theile müsse er verneinen und sich der Abstimmung über die 9. Frage enthalten.

S. Kais. Hoheit hebt die Wichtigkeit der Frage über den Feingehalt hervor, über welche H. Meinecke so eben gesprochen, eine Frage, die vielleicht nicht mit der erförderlichen Klarheit und Bestimmtheit gestellt worden sei.

H. v. Lavenay findet den ersten Theil der Frage gut gestellt, aber er glaubt dass im 2. Theile zu den Worten : »welche einen gemeinschaftlichen Nenner« noch sollte gesetzt werden »und einen identischen Feingehalt haben«.

H. v. Hermann erklärt hinsichtlich Bayern’s, dass es sich durch den Münzvertrag v. 1857 gebunden halte und keine Münze annehmen könne, welche nicht bei den Kassen des Zollvereins zugelassen würde.

H. B. v. Schweizer schliesst sich für Baden dieser Erklärung an.

H. Gr. v. Avila sagt, dass in seinen Augen der hauptsächliche Zweck der internationalen Conferenz sei, der Zukunft vorzuarbeiten, und dass er, von diesem Gesichtspunkte aus, stets der Überzeugung gewesen sei, die Übereinkunft v. J. 1865 werde schliesslich den Sieg davontragen; man müsse nur die Mittel ausfindig machen, diese Lösung zu beschleunigen.  Zu diesem Zwecke schiene es geeignet, die Goldmünzen als internationale Münzen anzunehmen und jedem Staate die Befugniss zu lassen, Silbermünzen nach seinem Gutbefinden zu prägen.  Die zu wählende Grundlage für die Goldmünze sollte das 5 Fr.-Stück sein, als Münzeinheit genommen.  Der Erfolg dieser Annahme wäre die Ersetzung des Silbers durch Gold in den Ländern der Silberwährung, wie sich dies in Frankreich gemacht habe, wo, trotz des gesetzlichen Bestandes der Doppelwährung, es in der Wirklichkeit nur Goldwährung gebe.  Bezüglich des Feingehalts, obwohl er darüber nicht ermächtigt sei, sich auszusprechen, glaube er desungeachtet sich nicht zu sehr zu binden, wenn er sage, dass Portugal wohl keine Schwierigkeit darin finden würde, das Korn seiner Münzen von 916 ‰ auf 900 ‰ herabzusetzen; aber es käme darauf an, dass England mit dem Beispiele voranginge.  Diese Veränderung hätte in Portugal um so weniger Missstände, als die Masse des Goldumlaufs vornämlich aus Sovereigns bestehe und sich wenig in Portugal geprägte Münzen dortselbst befinden, die Umprägung dieser Münzen also keine grossen Kosten erheischte, besonders wenn man bedenke, dass die Schwachung des Kornes eine Entschädigung gewährte.  Er kenne die praktischen Schwierigkeiten, welche eine Änderung des englischen Münzsystemes mit sich bringe, aber, theoretisch betrachtet, könne er sich den Vorbehalt der HH. Abgeordneten Grossbritannien’s nicht erklären; man müsse – theoretisch – mit dem Sovereign vorangehen, wie es die V. St. mit dem Dollar zu machen vorhaben; und, falls England eine ähnliche Entscheidung träfe wie die V. St., würde Portugal, wo das Pfd. Sterl. gesetzlichen Curs hat, natürlicherweise diesem Beispiele folgen.

S. kais. Hoheit hielte für gut, dass man, ohne unmittelhar von der Münzeinheit oder von der Übereinstimmung der Münzen unter sich zu sprechen, anfangs über eine allgemeine Regel sich verständige, welcher alle Conf.-Mitglieder zustimmen könnten, nämlich über den Feingehalt, nach dem die internationalen Münzen sollten geprägt werden.  Zu bemerken komme allerdings, dass, wenn der Sovereign auch auf 25 Fr. reducirt wäre, die englischen 25 Fr. nicht eine identische Münze gäben mit französischen 25 Fr. wegen des verschiedenen Feingehaltes beider Münzen.

H. Gr. v. Avila setzt auseinander, dass diese Frage schon in einer andern Versammlung erörtert wurde, wo man meinte, England würde seine Zustimmung zu einem Übereinkommen geben, welches eine Gleichmachung des Sovereign mit 25 Fr. bezielte.  Der Feingehalt von 9/10, der in Europa verbreitetste, müsse schon als Träger eines wissenschaftlicheren Charakters angenommen werden; ist es aber nothwendig, dass England die Legirung des Sovereign ändere, so könne man gleichwohl zugeben, dass, als Übergangseinigung es genüge, wenn es zustimme, denselben ohne Änderung mit dem dermaligen Feingehalte um 25 Fr. umlaufen zu lassen.

H. v. Lavenay meint, dass die Feingehaltsfrage für England eine untergeordnete sei, und dass es, streng genommen, genüge, wenn das englische 25 Fr.-Stück eben so viel Gold fein enthielte, wie ein französisches 25 Fr.-Stück.  Das Gewicht allein wäre nicht dasselbe, weil der Kupferbetrag, der in jedes dieser verschiedenen Münzstücke käme, bei demselben Goldbetrage ein verschiedener wäre, nach dem Unterschiede von 9/10 und 11/12 fein.  Das Hinderniss läge lediglich in der Frage des Werthes der Münze selbst, welcher, zufolge der Reduction, eine beträchtliche Umprägung nöthig machte und einige Verwirrung unter die Bevölkerung bringen könnte.  Aber, wenn England die von H. Ruggles für die V. St. kundgegebenen Ideen erfasste und diese Umprägung zugäbe, so hatte es nicht mehr Vortheil, zu 11/12 zu prägen als zu 9/10 fein (lediglich das Gewicht und die Legirung verschieden) : sollte es also nicht die Annahme des 9/10 Feingehalts vorziehen ?  Die Gleichheit des Feingehalts habe fürwahr einen internationalen Werth.  Denn, wenn alle Münzen von gleichem Feingehalte wären, gäbe es nichts Leichteres, als ihren inneren Werth genau zu schätzen.  Es bestände offenbar ein Gleichgewicht in der Schwere zwischen zwei dem Werthe und Korne nach gleichen Münzen, was für Jedermann ein Beweismittel darbieten würde.  Ist dagegen die Gleichheit der Legirung gewichen, so sei es wegen der Verschiedenheit der Gewichtsgrössen schwer, eine solche Beweisführung herzustellen.  Man müsste also eine Goldmünze von gemeinschaftlichem Nenner und Feingehalte zulassen, und in diesem Sinne könnte man den 2. Paragraph des 8. Artikels ändern.  Andrerseits fürchte er, dass die englischen HH. Abgesandten eine übertriebene Vorstellung von den Vollmachten der andern Commissäre haben.  Die Conf. habe die Aufgabe zu untersuchen, welche Mittel in der Theorie die besten wären, um zur Vereinigung der verschiedenen Münzsysteme zu gelangen, aber keines der Mitglieder könne durch seine Abstimmungen die von ihm vertretene Regierung verbindlich machen.  Die HH. englischen Abgeordneten befinden sich in derselben Lage, und es wäre zu bedauern, wenn sie die Conf. um ihre einsichtigen Rathschläge und um die Unterstützung ihrer Ansichten über die noch zu lösenden Fragen brächten.

H. B. Soden erklärt im Namen Würtemberg’s, er schliesse sich ganz den von den Vertretern Bayern’s und des Norddeutschen Bundes schon geäusserten Ansichten an und fügte bei, man empfinde besonders in Süddeutschland, und vor Allem in Würtemberg, die Nothwendigkeit einer Änderung des gegenwärtig herrschenden Münzsystems.  So sei der Vorschlag der französischen Regierung zum Zusammentritte einer Conf. mit der Aufgabe, die Annäherung der verschiedenen Münzsysteme zu bewerkstelligen, in Würtemberg in einer besonders günstigen Weise aufgenommen worden.  Aber Münz- und Zoll-Verträge bänden die verschiedenen Theile Deutschland’s unter sich und legten ihnen gegenseitige Pflichten auf; die endgültige Lösung der in der Conf. erörterten Fragen müsse also den deutschen Staaten offen gelassen werden, welche zufolge ihrer Übereinkommen nur in Übereinstimmung handeln könnten.  Übrigens lasse die Einstimmigkeit, welche über einen der Hauptpunkte, nämlich über die auschliessliche Goldwährung, sich kundgab, hoffen, dass auch in den andern Fragen, besonders bezüglich der Wahl der zu schaffenden internationalen Münzen, man auf keine grossen Schwierigkeiten stossen würde, sowie bei den künftigen Verhandlungen über einen Staatenvertrag, wozu die Conf. hier die Grundlagen berathe.  Mittels dieser Vorbehalte schliesse er sich für Würtemberg allen Erklärungen Preussen’s und Bayern’s vollständig an.

H. B. v. Hock glaubt, dass die Conf., indem sie in der 1. Frage das französ. Münzsystem als Grundlage der beabsichtigten Einheit annahm, hiedurch die Frage über den Feingehalt schon entschieden und sich für 9/10 fein ausgesprochen habe.  Hierüber entfalle also die Eröffnung einer neuen Verhandlung.  Wie H. v. Lavenay, lege auch er der Frage über Einheit des Korns grosse Wichtigkeit bei; ohne diese Übereinstimmung sei die Münzeinheit nicht ausführbar, da es sonst schwer halte, durch das Gewicht die Gleichheit des Werthes festzustellen.  Da es ferner unmöglich sei, Münzen mit vollkommen exacter Schwere und Legirung zu prägen, was eben den Spielraum des Remediums geschaffen : wie könnte man wissen, ob die Gränzen des Remediums nicht überschritten seien ?

H. Feer-Herzog denkt, im Widerspruche mit H. v. Hock’s Ansicht, die bejahende Lösung der 1. Frage schliesse noch nicht die Annahme des Korns des französischen Systems in sich.  Man begnügte sich, anzudeuten, dass dieses System als Grundlage einer Vereinigung genommen werden sollte, aber vorbehaltlich der von der Conf. zweckmässig befundenen Änderungen.  Er persönlich halte allerdings 9/10 Korn für das beste.  Seiner Meinung nach komme der Vertrag v. J. 1865 zu oft in Frage, welcher nur als Ausgangspunkt der Berathung augeführt werden sollte, nicht aber als ein zu befolgendes Muster.  Die Aufgabe der Conf. sei eine umfassendere; sie bestehe nicht blos darin, die internationalen Vortheile, welche der Vertrag v. J. 1865 bieten könne, zu studiren, sondern die Grundzüge einer Münzvereinigung zu schaffen.  Nur weil zu viel von diesem Vertrage gesprochen worden, habe sich ein irriger Eindruck in die Anschauung der englischen HH. Abgesandten eingeschlichen und sie dahin bringen können zu sagen, sie könnten keine Meinungsäusserung abgeben, welche dem Glauben Raum gäbe, es stünde schon die Annahme des Vertrages v. J. 1865 durch Grossbritannien bevor.  Die schon von der Conf. gefassten Beschlüsse haben keineswegs den Zweck, den Vertrag v. J. 1865 zu übertragen, sondern sie seien die Frucht gemeinschaftlicher Forschung, um die beste Lösung der Münzfrage zu ergründen.  Von diesem Gesichtspunkte aus sollten die Abgesandten, wenn sie auch keine Instruction, sich Namens ihrer Regierungen auszusprechen, hätten, dennoch ihre persönlichen Ansichten kundgeben, und es sei zu beklagen, dass bezüglich der zu treffenden Vereinigungen oder Angleichungen unter den Münzen H. Meinecke nicht ein bischen weniger Zurückhaltung zeigen und das, was in Deutschland in Betreff des Vorschlages einer neuen Münzeinheit, der Mark, namentlich zu Cöln und Stuttgart, geschehen sei, erwähnen zu dürfen geglaubt habe.

H. Gr. v. Avila bemerkt, er habe nicht, wie H. Lavenay meint, gemeinhin sagen wollen, dass der Feingebalt eine untergeordnete Frage bilde, sondern nur, dass zwischen Frankreich und England eine Vereinigung auch mit Beibehaltung des dermaligen Kornes des Sovereigns möglich sei, einfach durch Abminderung seines Werthes auf 25 Fr.  England hätte zu untersuchen, ob ihm rathsam sei, dass derselbe einen Zwangscurs zu 25 Fr., unter Beibehaltung des gegenwärtigen Feingehaltes, habe, oder ob es denselben durch Umprägung auf 9/10 fein bringen wolle.  Trotz H. Feer-Herzog’s Bemerkung glaube er doch, dass der Vertrag v. J. 1865 als praktische Grundlage der Verhandlung genommen werden sollte; er schlage nicht dessen vollständige Annahme vor, sondern nur bezüglich der Goldmünzen, ohne sich mit den Scheidemünzen von Silber und Kupfer zu befassen.

H. v. Parieu ist der Meinung, dass die Feingehaltsfrage, obwohl wichtig, doch beziehungsweise nur als untergeordnet zu betrachten sei; der Hauptpunkt sei die gleiche Masse fein in den Münzen.  Man würde nöthigen Falles in den Banken die Unterschiede des Feingehaltes herausfinden und auf ein Mittel hinreichender Controle des Werthes der umlaufenden Münzen kommen, ohne auf ihr Einzelngewicht zurückzugreifen.  Wenn in England das Pfd. Sterl. dieselbe Masse Feingold enthält, wie das französische 25 Fr.-Stück, dann wäre die Verständigung leicht.  Die Abweichung im Feingehalte des Sovereigns biete sogar eine vortheilhafte Seite; wenn nämlich diese Münze auf 9/10 fein gebracht wäre, würde die Führung einer grösseren Kupfermasse sie mässiger machen und, mit Übermaass von dieser Seite, den Verlust, den sie an Gold erlitte, ausgleichen.  Aber die Schwierigkeit komme daher, dass die Gehaltsschwächung des Sovereigns vielleicht die Umänderung aller Verträge, Umwandlung aller Schulden u.s.w. zur Folge hätte.  Nach H. v. Hock wäre die Feingehaltsfrage schon durch Zustimmung zur 1. Frage gelöst.  Ist dies auch nicht ganz richtig, so habe man für diese Lösung doch schon einen Haltpunkt gegeben, indem man die Vorzüge der Münzen des Vertrages v. J. 1865 vom decimalen und metrischen Gesichtspunkte aus einraumte, die Legirung zu 9/10 aber selbst den Decimalcharakter habe.  Die Conf.-Mitglieder seien daher über die 8. Frage beinahe einig, besonders wenn man im 2. Absatze die Worte : »z.B. Vervielfältigungen von Fünffranken« weglasse, welche der Frage über den zu bestimmenden allgemeinen Nenner der Vereinsmünzen vorgreife.  Alle Abgeordneten seien der Ansicht, dass man sich über eine Goldmünze mit einem gemeinschaftlichen Nenner, der von einer gewissen Bedeutsamkeit wäre, einigen solle.  Sieht man von dem letzteren Erfördernisse ab, so könnte man sagen, dieser Nenner sei jetzt schon vorhanden; man könnte also zwischen dem Sovereign, wie man voraussetzt, zu 25 Fr. 20 Cent. angeschlagen, und dem Napoléon d’or, streng genommen, einen gemeinschaftlichen Nenner in der Zehntheilung sehen.  Es könne sich aber nicht um einen so kleinen Nenner zur gegenseitigen Umwandlung von Münzwerthen handeln.  Jener zu 2 Fr. 50 Cent., wovon vorher H. Meinecke gesprochen, sei wieder nicht hoch genug; die Vergleichung zwischen den Münzen zu 10 Fr., 12 Fr. 50 Cent. und 7 Fr. 50 Cent. wäre sehr schwierig.  Was die wirkliche Anfertigung von Goldmünzen betrifft, genüge es, wenn unter ihnen ein Unterschied von wenigstens 5 Fr. bestehe, weil man dann einen im Äusseren kennbaren Unterschied der Münzen erziele.  Das sei wenigstens die Meinung des H. Pelouze, einer Autorität in solchen Dingen (dessen Verlust sehr zu beklagen), gewesen.  Dieser habe die Prägung eines 25 Fr.-Stückes für sehr praktisch gehalten, das auch durch den Durchmesser vom Napoléon d’or zu 20 Fr. hinlänglich unterschieden wäre.  Die HH. Abgeordneten könnten sich demnach, vom wissenschaftlichen Standpunkte aus betrachtet, über den 1. Paragraph der 8. Frage verneinend, über den 2., nach H. v. Lavenay’s vorgeschlagener Verbesserung und nach Untersuchung der Zweckmässigkeit gemeinschaftlicher Formen »in Bezug auf das Gewicht und den Feingehalt der Goldmünze« bejahend aussprechen.

H. Escher betrachtet die Frage des gleichen Kornes als die, welche für die internationalen Münzen von der grössten Wichtigkeit sei; ohne diese Einheit werde es sehr erschwert, die Richtigstellung der Münzen zu machen.  Ihr Gewicht gebe eben den Massstab ihres Werthes; deshalb müsse man nothwendig zu einer Einheit über Feingehalt kommen, und am besten sei der von 9/10 wegen seiner Decimal-Eigenschaft.  Es wäre, vom metrischen Gesichtspunkte aus, nur zu wünschen gewesen, dass man im Vertrage von 1865 den Feingehalt zu 8/10 statt dessen von 835 ‰ für die Scheidemünzen angenommen hätte.

H. Stas hofft, obwohl er allein seine Erklärung für ein ganz neues, der Münzeinheit mehr Vortheil bietendes System gleich beim Beginn der Conf. sich ausgesprochen, dass diese Sonderung in den Augen der HH. Abgesandten keinen Einfluss haben werde auf die Erörterungen, die er über die 8. Frage abgeben wolle.  Er sei nämlich, mit H. v. Hock, der Meinung, die Bejahung der 1. Frage schliesse die Annahme des französischen Systemes in sich.  Es sei unausbleiblich, dass dieses System Eingang finde in seiner Einfachheit, was seine Münztypen betreffe.  Die Einheit des Feingehalts müsse nothwendig angenommen werden; denn nur durch das Wägen konne man den Werth eines Münzstückes zweckmässig beurkunden.  Nicht Jedermann habe einen Probirstein in seinem Besitze, um sich zu vergewissern, ob diese Münze vom rechten Gehalte und in den Gränzen des Remediums sei.  Deshalb müsse der Feingehalt einheitlich sein und sich an das metrische System anschliessen.  Der zu 9/10 habe diese Eigenschaft, und seine so ziemlich allgemeine Anwendung in Frankreich, Italien, Deutschland, den Vereinigten Staaten u.s.w. empfehle ihn zur Annahme in den Ländern, welche, wie England und Portugal, den Feingehalt von 11/12 beibehalten haben.  Nach Behandlung der Feingehaltsfrage übrige noch im 2. Paragraph die über Aufstellung von Münzen mit einem gemeinschaftlichen Nenner, z.B. 5 Franken.  Fünf Fr., vervielfacht, gebe Münzen zu 10, 15, 20 und 25 Fr., Münzen, deren correlative Prägung grosse praktische Schwierigkeiten nach sich zöge.  Wenn man nämlich die schon bestehenden Münzen zu 5, 10 und 20 Fr. nimmt, finde man, dass das 5 Fr.-Stück 17 Millimeter im Durchmesser habe, das 10 Fr.-Stück 19 Millimeter und das 20 Fr.-Stück 21 Millimeter; wenn man also zwischen 10 und 20 Fr. eine Münze zu 15 Fr. einschiebe, so müsste deren Durchmesser zwischen denen der beiden andern genommen werden, nämlich zwischen 19 und 21 Millim., er wäre also 20 Millim., hätte folglich nur 1 Millim. Unterschied im Vergleiche zu den nächsten Münzen.  Die Verwechselung dieser Münzen wäre demzufolge sehr leicht, besonders wenn man erwäge, dass man sich schon leicht in den 10 und 20 Fr.-Stücken irrt. Wie wäre es erst in dem Falle, wenn man noch eine Zwischenmünze zwischen ihnen machte ?  Ohne Anstand könne man sagen, dass wegen der so beträchtlichen praktischen Schwierigkeiten – abgesehen davon dass eine so grosse Anzahl von Goldmünzen ein schlechtes System gebe – der gemeinschaftliche Nenner von 5 auf 10 zu erhöhen wäre, indem man die ohnehin unbequeme und von den belgischen Privaten verschmahte 5 Fr.-Goldmünze durch eine Silber-Scheidemünze von gleichem Werthe ersetzte.  Österreich schaffe sich, nach seiner Meinung, ein schlechtes Münzsystem, wenn es neben dem 10 fl.-Stücke (25 Fr.) auch ein 4 fl.-Stück (10 Fr.) mache, was, vom wissenschaftlichen Standpunkte aus, wesentlich fehlerhaft sei, weil es wegen des 10 Fr-Stückes die Unterabtheilung zu 4 einführe.  Nach Allem müsse man einheitlichen Feingehalt haben, und zwar zu 9/10, und ferner müssen die einzelnen anzunehmenden Grundmünzen 10 und 20 Fr. sein; das 5 Fr.-Stück soll Silber-Scheidemünze sein, und Münzen zu 15 und 25 Fr. soll man, vom Gesichtspunkte der Wissenschaft und ihrer bestrittenen praktischen Zweckmässigkeit aus, gar nicht machen.

H. v. Haindl glaubt als Vorstand einer Münzanstalt gegen die Erklärung, die von H. B. v. Hock über den Bereich des Remediums gegeben wurde, protestiren zu müssen.  Gewisse Remedien seien vereinbart, nicht, wie H. v. Hock sagte, um verringerte Münzen an Gewicht und Korn zu haben, sondern nur wegen der materiellen Unmöglichkeit, jeder Münze in ganz genauer Weise das Gewicht und den Feingehalt, den sie haben soll, zu geben; die Remedien, in welchen mehr liege, müssen auch mit jenen ausgleichen, in denen weniger liege, und die mathematische Genauigkeit, welche man an der einzelnen Münze nicht verwirklichen könne, finde sich in der Masse wieder.

H. v. Jakobi meint, die Remediumsfrage verstehe sich von selbst.  Ein gemeinsamer Feingehalt müsse seiner Meinung nach angenommen werden, so wie gemeinschaftliche Remedien für die Anfertigung der Münzen.  Der 2. Paragraph der 8. Frage scheine ihm nicht klar genug abgefasst, so wie ihm auch die ganze Arbeit der Conf. unnütz erscheine, wenn man die Gleichheit des Gewichts und Feingehalts nicht in die erste Reihe setze.

Um den Einwendungen des H. v. Jakobi und der übrigen Conf.-Mitglieder Rechnung zu tragen, schlägt S. kais. Hoheit vor, den fraglichen Paragraph zu streichen und dafür folgenden Satz zu stellen :

»Soll man gemeinschaftliche Typen für das Gewicht und den Feingehalt der Goldmünze aufstellen ?«

Über diese neue Fassung möge verhandelt werden.

H. B. v. Hock zieht die ursprüngliche Fassung vor.  Die von S. kais. Hoheit vorgeschlagene vermenge zwei Fragen, die des Gewichtes und die des Feingehalts, welche auseinander zu halten wichtig sei; denn es sei wahrscheinlich, dass alle Conf.-Mitglieder für Gleichheit des Feingehalts stimmen, wenige unter ihnen aber für correlative Gleichheit des Gewichts, weil man mit dieser doppelten Gleichheit zu vollständig gleichen Münzen gelange, und dann nicht nothwendig wäre, die Mittel zu suchen, um unter den Münzen der verschiedenen Länder jene theilweisen Übereinstimmungspunkte festzustellen, wovon die erste Frage spreche.  Er sei für gemeinschaftliche Typen mit Gleichheit des Feingehalts, aber gegen die Gleichheit des Gewichts, welches die Gleichheit der Münzen einschliesse; H. v. Parieu’s Fassung, wo diese beiden Hauptsachen ausgeschieden, sei daher vorzuziehen.  Was die aufzustellenden gemeinsamen Typen betrifft, soll man jedem Staate die Fürsorge, seine Goldmünzen zu machen, wie es ihm taugt, überlassen, wenn er nur wenigstens eine Goldmünze gemeinsam mit den andern Staaten präge.  Man könne für diese Münzen denselben Unterschied machen, welcher nach dem Vertrage v. J. 1857 für die Vereinsmünze und die Münzen der einzelnen Länder besteht.  H. B. v. Hock schliesst mit Wiederaufnahme der ihm von H. v. Haindl gemachten Einwendung, welche nur von einem Missverständnisse herkommen könne, weil er die Remediumsfrage ebenso, wie sein verehrter College, betrachte.

H. Meinecke glaubt, es sei nicht nothwendig, eine durchaus gleiche Münze anzunehmen, sondern es genüge, übereinstimmende Münzen zu haben, welche übrigens verschieden sein könnten.  Man müsse daher die Frage, wie sie S. kais. Hoheit vorgeschlagen hahe, theilen; denn er werde bei der Abstimmung für Gleichheit des Feingehalts, sogar zu 9/10, sein, aber gegen die Gewichtsgleichheit.  Auch wisse er nicht, ob das 4 Thlr.-Stück, wovon im Laufe der Verhaudlung öfters die Rede war, in Preussen geprägt werden könne.

H. v. Jakobi meint, die Annahme von Münzen, die in Gewicht und Feingehalt verschieden wären, obwohl gleich an Werth, hiesse nur die bestehenden Schwierigkeiten versetzen, indem sie vom internationalen Boden in das Innere der Länder verpflanzt würden.  Wenn man andrerseits die Gleichheit des Feingehalts voraussetzt : wird nicht der Mangel der Gleichheit des Gewichts jeden Staat dahin bringen, wie man es gegenwärtig macht, die auswärtigen Münzen, welche bei ihm zusammenfliessen, umzuprägen ?  Deshalb müsse man Gewicht und Feingehalt beide gleich annehmen.

H. Vrolik ist der Meinung, Gewicht und Feingehalt gehen mitsammen und seien wechselseitig verbunden; deshalb sei es unstatthaft, die von S. kais. Hoheit gestellte Frage zu trennen.  Was die gemeinsamen Typen und den Punkt betrifft, zu wissen, welcher der Nenner sein soll, 5 Fr. oder 10 Fr., so ziehe er das 5 Fr.-Stück vor, well er an die Nothwendigkeit des 15 Fr.-Stückes glaube, welches für Preussen, Süddeutschland und Holland passe, folglich berufen sein könnte, im Verkehre von Mitteleuropa eine grosse Rolle zu spielen.  Möglich dass, wie H. Stas sagt, das 15 Fr.-Stück manchmal mit den 10 Fr.- und 20 Fr.-Stücken verwechselt werden könnte; aber, wenn man zu einer Münzeinheit gelangen wolle, müsse man über manche Schwierigkeiten hinweggehen.

S. kais. Hoheit macht darauf aufmerksam, dass diese Schwierigkeit der Anfertigung nicht unübersteiglich sei, und dass der Unterschied zwischen zwei Goldmünzen bemerklich zu machen wäre, wenn ihr Werth einen Unterschied von 5 Fr. biete.  Das sei wenigstens die Meinung des H. Pelouze gewesen, wie H. v. Parieu am Beginne der Sitzung sagte.  Das 15 Fr.-Stück könnte also angefertigt werden.

H. Ruggles betrachtet die Einheit des Feingehalts als Grundlage.  Er werde über die Frage so, wie sie von S. kais. Hoheit gestellt wurde, stimmen, denn die Vereinigten Staaten verlangen die Einheit in Feingehalt und Gewicht.

H. Ritt. v. Artom ist der Meinung, dass, weil die Conf. einer Meinung über die Gleichheit des Feingehalts sei, man vorerst über diesen Theil der Frage getrennt abstimmen könnte.

H. v. Lavenay erörtet, dass, wenn von Gleichheit des Gewichts die Rede ist, man nur von correlativen Gewichten spreche; also werde die Annahme der Frage, so wie sie gestellt ist, nicht die Verpflichtung, gleiche Münzen zu haben, in sich schliessen.  Ein 15 Fr.-Stück und ein 10 Fr.-Stück, zu 9/10 Feingehalt, haben unter sich ein correlatives Gewicht; das sei die Gewichtsgleichheit, um die es sich hier handle.

S. kais. Hoheit macht bemerkbar, dass man sich eine internationale Münze ohne Gleichheit in Schwere und Korn nicht denken könne.  Man dürfe daher die neue Fassung des 1. Paragraphen des 8. Art. nicht abändern, nämlich : »Sollen gemeinschaftliche Typen für das Gewicht und den Feingehalt der Goldmünzen geschaffen werden ?«

H. Wallenberg meint, well die Conf.-Mitglieder über die Gleichheit des Feingehalts einig seien, so solle man vorerst diesen Theil der Frage zur Abstimmung bringen.  Der Feingehalt solle auf 9/10 festgesetzt werden, und in Schweden habe man, nach verschiedenen Versuchen, erkannt, dass dies der beste von allen sei.  Diese Versuche wurden in Schweden gemacht, als man trachtete, das metrische System einzuführen, ein Versuch, der nur in Folge des Widerstandes von Seite des Priester- und des Bauernstandes scheiterte.

S. kais. Hoheit entgegnet, es wäre zum Vortheile der Abstimmung besser, nicht sofort den Feingehalt festzusetzen, um desto leichter Einstimmigkeit erzielen zu können.

H. v. Parieu sagt, streng genommen gebe es zwischen dem Gewichte und dem Feingehalte keinen absoluten Parallelzustand.  Es liesse sich z.B. eine Vereinigung des französischen Systems mit dem englischen machen, wenn der Sovereign auf 25 Fr. herabgesetzt würde, und es wäre nicht durchans nothwendig, deshalb den Feingehalt zu ändern.  Dies wäre ein grosser Fortschritt, obwohl noch unzureichend; es gäbe nämlich keine Gleichheit in Gewicht und Feingehalt.  Andrerseits jedoch könnte man Typen mit gemeinschaftlichem Nenner haben ohne alle Gleichheit; wenn z.B. die Engländer nur ihren Sovereign auf 25 Fr. herabsetzten, ohne dass wir selbst Münzen von gleichem Werthe anfertigten.

S. kais. Hoheit bemerkt, dies wäre aber dann keine internationale Münze.

H. v. Parieu erwidert, internationale Münze wolle noch nicht sagen : gleichartige Münzen, sondern nur : mit gleichen Zahlen messbare.  So gebe das einfache Verhältniss von 20 Fr. und 25 Fr. schon eine Art internationaler Gemeinschaft, einer gewissen Zweckmässigkeit.

H. Stas ist der Meinung, bei gleichem Werthe sei das Gewicht vom Feingehalte unzertrennlich.

H. v. Jakobi ist vollständig H. v. Parieu’s Ansicht.  In gewissen Staaten werde zwar die Einheit oder der Nenner im idealen Bereiche bleiben; das mache aber nichts, wenn nur die Münzen unter sich in einfachen Verhältnissen stehen.

H. B. v. Hock, der sich für gemeinschaftliche Münzen ausgesprochen hat, stimmt in die Gleichheit des Feingehaltes und bezüglich der Münzen gleichen Werthes auch in die Gleichheit des Gewichtes ein, er wünschte sogar, dass diese gleichwerthigen Münzen auch von einem Durchmesser seien.  Um jedoch leichter zu einer Lösung zu kommen, glaubt er, man müsse die zwei Absätze der Frage gesondert zur Abstimmung bringen; einer von beiden würde einstimmig beschieden.

S. kais. Hoheit trägt die neue, von H. v. Parieu unter zwei Formen verfertigte Fassung vor, nämlich :

»Soll man Typen aufstellen, welche einen gemeinschaftlichen Nenner für das Gewicht und den Feingehalt der Goldmünze haben ?«

Oder die Variante :

»Soll man Typen aufstellen, welche einen gemeinschaftlichen Nenner für das Gewicht der Goldmünze haben, mit einem gleichen Feingehalte ?«

H. Kern schliesst sich an den Vorschlag des H. v. Parieu bezüglich des Wortes : »Nenner« an; dieser könne theoretisch sein, man sei nicht genöthigt, ihn zu prägen.

Da mehre Mitgieder die zweite der v. H. Parieu vorgeschlagenen Fassungen vorziehen, so bringt S. kais. Hoheit sie zur Abstimmimg.

Sie wird einstimmig angenommen.

Gleicherweise lässt S. kais. Hoheit über die Frage »welcher nämlich der internationale Feingehalt sein soll ?« abstimmen und schlägt den zu 9/10 vor.

Der Feingehalt zu 9/10 wird mit Stimmeneinhelligkeit angenommen.

H. Graham sagt, er habe nur für den vorsorglichen Fall einer Umprägung über den Feingehalt zu 9/10 bejahend gestimmt.

S. kais. Hoheit legt hierauf der Conf. die auf den gemeinsamen Nenner bezügliche Frage vor; jedoch wurde, auf den Wunsch mehrer Mitglieder, die Verhandlung auf die folgende Sitzung verschoben, welche auf Freitag den 28. Juni 1867 um 9 Uhr festgesetzt wird.

Schluss der Sitzung 12 ¾ Uhr.



[1]    Bericht Sr. Exc. des H. Marquis von Moustier, Ministers der auswärtigen Angelegenheiten, an den Kaiser :

Paris, den 21. Juni 1867.
Sire !
E. M. haben geruht mir das hohe Interesse kund zu geben, welches Dieselben an der Münzeinheitsfrage, dem Gegenstande der Beschäftigung einer internationalen Commission, nehmen, welche (Commission) auf Veranlassung der kaiserlichen Regierung in diesem Augenblicke im Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten versammelt ist, und worin alle europäischen und die Vereinigten Staaten von Amerika sich vertreten finden.
Schon hat die Conf. einige der Grundlagen dieser wichtigen Aufgabe berathen und ihre Berathungen wurden geleitet von H. v. Parieu, Vicepräsident des Staatsrathes, mit dem Gewichte, welches seine früheren Arbeiten und eine gründliche Kenntniss des Gegenstandes ihm verleihen.  Aber ich dachte, dass der Kaiser kein werthvolleres Zeugniss seiner Sorgfalt für ein Werk, das sich so enge an die unter seiner Regierung vollzogenen ökonomischen Reformen anschliesst, geben könnte, als durch Übertragung der Präsidentschaft an Monseigneur den Prinzen Napoléon.
Wenn E. M. die Wahl, die ich vorzuschlagen mir erlaube, zu gunehmigen geruhen, so würde sie als eine Ehre aufgenommen werden von den Mitgliedern der Commission, welche wissen, dass die sympathische Unterstützung und der erleuchtete Beistand S. kais. Hoheit stets gewonnen werden für alle grossen Massregeln, die zur Entwickelung der internationalen Beziehungen beizutragen bestimmt sind.
Ich bin respectvollst,
Sire,
Euerer Majestät unterthänigst gehorsamster Diener und getreuer Unterthan.
Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten.
Moustier.

Genehmigt : Napoléon.

[2]    Diese Überbringung der Adresse durch die ganze Conferenz geschah am 30. Juni und die Adresse wurde im Moniteur vom 1. Juli aufgenommen.

 

6. Sitzung. Freitag 28. Juni 1867

 

Unter Vorsitz Sr. kaiserlichen Hoheit des Prinzen Napoléon

Die Sitzung wird um 9 Uhr eröffnet.

Gegenwärtig : die HH. Abgesandten, welche bei der vorigen Versammlung waren, mit Ausnahme des H. Fortamps, der nach Brüssel gehen musste.

S. kais. Hoheit eröffnet, dass, weil H. Jose Polo, der ernannte Vertreter Spanien’s bei der Conferenz, wegen der Cortessitzungen in Madrid müsse bleiben, die spanische Regierung die Wahl eines neuen Abgesandten vorgenommen habe in der Person des H. Grafen Nava de Tajo, Unterdirector am Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten Spanien’s.  Derselbe wurde sogleich eingeführt, um unter den Conferenzmitgliedern Platz zu nehmen.

Das 5. Sitzungsprotokoll wurde verlesen und genehmigt.

S. kais. Hoheit wiederholt, dass die Conf. in ihrer letzten Versammlung den ersten Paragraph der 8. Frage zustimmend beantwortet habe, dessen neue Stellung so gefasst ist :

»Soll man Typen aufstellen, welche einen gemeinschaftlichen Nenner für das Gewicht der Goldmünze haben, mit einem gemeinschaftlichen Feingehalte ?«

Desgleichen hat die Conf. das Korn zu 9/10 fein angenommen.

Noch übrigt, den gemeinschaftlichen Nenner festzustellen, was den Gegenstand des 2. Paragraph der neuen 8. Frage ausmacht, der also abgefasst ist :

»Welcher soll der gemeinschaftliche Nenner sein ? soll er 5 Franken sein ?«

Nach eröffneter Verhandlung hebt H. v. Lavenay die Vortheile des 5 Fr.-Stückes, als allgemeinen Nenners, hervor.  Diese Münze treffe, theils für sich theils in ihrer Vervielfältigung, mit vielen andern Münzen zusammen; sie stimme beinahe mit dem Dollar und Sovereign überein; sie sei im Vertrage v. J. 1865 vorhanden; die V. St. von Amerika erklären sich bereit, sie anzunehmen, und könnten, ohne ihr ganzes System zu ändern, sich keiner höheren Einheit bedienen.  Wenn in einigen Ländern, z.B. in Belgien, wie H. Stas sagt, der Umfang des 5 Fr.-Stückes als zu klein erscheint, um sich zu einer guten Ausprägung zu eignen und im Verkehre leicht angenommen zu werden, so soll es diesen Staaten frei stehen, keine zu prägen.

S. kais. Hoheit sagt, dass bei der allgemeinen Ausstellung in der von dem Comité für Maasse und Gewichte gestern unter Ihrem Vorsitze abgehaltenen Conferenz, H. Léon Levi erklärte, dass das 10 Fr.-Stück, getheilt in 100 Pfennige, in England mit Vorliebe aufgenommen würde.

H. Wilson antwortet in H. Graham’s Namen, dass, nach seiner Privatmeinung das 10 Fr.-Stück, wenn es angenommen würde, einen Vortheil gegen das 5 Fr.-Stück hätte, indem es eine höhere Einheit gäbe, was für England wünschenswerth wäre, und dass es ein einfacheres Verhältniss zum gewöhnlichen System des Franken biete.

H. Gr. v. Avila wird für Annahme von 5 Fr. als Nenner stimmen; er hebt zugleich, wie H. v. Lavenay, hervor, dass die Staaten nicht gehalten seien, diese Münze zu prägen, wohl aber sie annehmen müssen.

H. Stas kommt noch einmal auf die Beschaffenheit des 5 Fr.-Stückes, welches zufolge seiner Kleinheit nicht die Erfordernisse einer guten Anfertigung habe; man müsse es zur Scheidemünze machen, indem man es in Silber prägte.

H. Dutilleul sagt, in Frankreich sei diese Goldmünze zu 5 Fr. auch eine Luxusmünze, welche sich in den Städten finde, wenig aber auf dem Lande.

H. Gr. v. Avila weist auf das Beispiel von Portugal, Spanien und der V. St. hin, wo man sich nicht über die Goldstücke zu 1000 Reis, zu 20 Realen und zu 1 Dollar beklage, welche dem 5 Fr.-Stücke des Vertrages v. J. 1865 nahe stehen.

H. Wallenberg ruft die Erörterungen in’s Gedachtniss, die er der Conf. über die Zweckmässigkeit, das 10 Fr.-Stück als gemeinsamen Nenner anzunehmen, bereits vorgeführt habe, welches vollständig zum Decimalsysteme passe, während das 5 Fr.-Stück von Gold weder zum Decimalsysteme noch zu dem des Fr. passe.  Denn, wenn man das 5 Fr.-Stück mit 100 theile, bekomme man das Stück zu 5 Cent., eine zu hohe Unterabtheilung, während das 10 Fr.-Stück mit 1000 getheilt den Centime gebe, der eine treffliche Theilmünze auf der untersten Werthsstufe der Münzenleiter abgebe.  Aus dieser schon in letzter Sitzung vorgebrachten Begründung sollte beschlossen werden, dass alle Staaten das 10 Fr.-Stück prägen lassen sollten, ihnen aber freistehe, diese oder jene Theilmünze zu prägen oder nicht.  Die V. St. würden 2 Dollarstücke prägen, welche vor dem einfachen Dollar den Vorzug hätten.

H. Herbet glaubt nicht, dass die Abneigung der belgischen Bevölkerung bezüglich des 5 Fr.-Goldsücks so entschieden sei, wie H. Stas es darthut.

H. B. v. Hock spricht sich zu Gunsten des gemeinsamen Nenners von 5 Fr. aus in Anbetracht, dass dieser der möglichst wenig hohe sei.

Gleicherweise empfiehlt H. Vrolik diesen Nenner, da er es gestatte, 15 Fr.-Stücke zu prägen und zu einer Ausgleichung mit den Ländern der Silberwährung, welche den Thaler und den Gulden haben, zu gelangen.

H. Meinecke kann in diesem Augenblicke nicht voraussehen, welche Goldmünze Preussen und den andern deutschen Staaten am meisten zusagen möchte, wenn sie sich entschlössen, später die Silber- gegen Goldwährung umzutauschen; er könne beispielsweise nicht sagen, dass diese Länder in der Lage seien, ohne zu sehr gegen die Interessen und Meinungen ihrer Einwohnerschaft anzustossen, irgend eine beliebige, leicht in französische Goldmünzen umsetzbare Goldmünze anzunehmen; vielleicht müssten sie sogar die nach der Übereinkunft v. J. 1857 geprägte Krone wählen, deren neun Stücke 310 Goldfranken enthalten.  Aus diesen Gründen müsse er sich der Abstimmung über die Nennerfrage enthalten.

H. v. Jakobi, der sich übrigens zur Annahme des 5 Fr.-Stückes als gemeinschaftlichen Nenners hinneigt, stellte sich die Frage, ob, bei dem Vorhandensein der Stas’schen Bemerkungen, es nicht möglich wäre, 5 Fr.-Stücke in Platina zu prägen mit einem Gewichte von 5 Grammen oder etwa 1000 Fr. auf’s Kilogramm.

S. kais. Hoheit gibt zur Antwort, da müsse man ja vorerst das Platina von Russland kaufen, übrigens haben die schon gemachten Versuche nicht entsprochen; jedenfalls käme die Platina nur als Scheidemünze in Betracht, und mit solchem Detail könne sich die Conf. nicht befassen.

Dagegen erwidert H. v. Jakobi, die Ausmünzung von Platina könnte jetzt unter viel günstigeren Bedingungen geschehen als ehemals, Angesichts der grossen Vervollkommnungen, welche in der Behandlung dieses Metalls, Dank den ansehnlichen Bemühungen der HH. Henri Saint-Claire-Deville und Debroy, stattgefunden haben.  Russland sei übrigens nicht das einzige Land, welches Platina ausbeute; im Süden der amerikanischen Staaten finde man auch ansehnliche Massen davon.

H. Feer-Herzog wundert sich über die Einwendungen des H. Stas gegen das Goldstück zu 5 Fr.; in der Schweiz habe man es leicht eingeführt; es gewähre den Vortheil der Ersetzung des »Piasters« der lange Zeit allgemeine Münze war, von den Spaniern in Amerika eingeführt wurde und der Ursprung des Thalers (dollar) ward.  Die Andeutung H. v. Jakobi’s scheine nicht dazu angethan, dass man ihr folgen könne : ein neues Metall einzuführen sei gefährlich, und Platina habe nicht solche Eigenschaften zur Münzung, wegen welcher man es dem Gold dem Silber vorziehen müsse.

H. v. Jakobi entgegnet, dass nach den vielen von ihm im Vereine mit den erwähnten Gelehrten angestellten Versuchen das Platina nicht blos sich vorzüglich zum Münzen eigne, sondern auch von der Natur dazu bestimmt scheine, vor allen ein allgemeines Verkehrsmetall zu werden, wenn es einmal in viel grösseren Vorräthen werde gefunden werden.

H. Ruggles bestätigt seinerseits, dass der Golddollar trotz seiner Maassverhältnisse nicht minder eine sehr geschätzte Münze in den V. St. sei.

S. kais. Hoheit ist Willens, den 2. Paragraph der neuen 8. Frage zur Abstimmung zu bringen, indem er nach »5 Fr.« die Worte beifügt : »oder deren Vervielfachung«, damit z.B. Schweden bejahend stimmen könne.

H. Ritt. v. Artom findet diese Fassung zu weit, weil man nur einen gemeinschaftlichen Nenner haben solle.

H. Graham macht darauf anfmerksam, dass bei Annahme von 5 Fr. als gemeinschaftlichen Nenner alle Rechnungen in England auf den Dollar berechnet werden müssten.

H. v. Parieu hält es für wesentlich, über den Nenner durchaus keine Ungewissheit zu lassen, weshalb er vorschlägt, über den Nenner von 5 Fr., ohne den Zusatz der Vervielfältigungen, abzustimmen; denn, wenn man einen Nenner festsetze, suche man immer die einfachste Zahl.

S. kais. Hoheit bringt diesen Vorschlag zur Abstimmung, und er wird von einer Mehrheit von 13 Stimmen gegen 2 angenommen.  England und Schweden stimmten dagegen; Preussen, Bayern, Baden, Würtemberg und Belgien stimmten gar nicht.

Die Verhandlung wird nun eröffnet über die 9. Frage.

(Bekannt)

Nach Vorschlag S. kais. Hoheit wird der 2. Theil der Frage gestrichen, weil die Regelung der Fragen über Einzelnheiten, wie die der Maassverhältnisse der Münzen, nach Verständigung der Regierungen über die Ausführungsmassregeln dort besser am Platze sein würde.

H. B. v. Hock gibt zu bedenken, dass man vorerst über das Bestehen von gemeinsamen Münzen, die nämlich in allen Staaten gesetzlichen Curs haben, sich verständigen müsse.

H. v. Parieu entgegnet, dass, bis auf die ernste Frage über Zwangscurs, der Vorschlag gemeinsamer Typen durch die Thatsache der Bejahung der vorhergehenden Frage angenommen sei.  Selbstverständlich werde es mit dem gemeinschaftlichen Nenner – wenn auch nicht in Folge einer absoluten Nothwendigkeit so doch in der Praxis – gemeinsame Münzstücke und Typen geben.  Der Schwerpunkt der 9. Frage scheine sich sohin darauf zu richten, von Seite der HH. Münzvorstände technische Erklärungen über die Anfertigung von 15 Fr.- und 25 Fr.-Stücken zu veranlassen, andrerseits auch Gelegenheit zu geben, die Bedenken, die von der Strenge des Decimalsystems erhoben werden können, zu erörtern.

H. Vicomte v. Villa-Maïor wäre der Meinung, die Zulassung von 5 Fr.-, 10 Fr.-, 20 Fr.- und 25 Fr.-Stücken sei ausreichend.

H. Ruggles betont ganz besonders das Interesse, welches die V. St. daran haben, dass Frankreich einstimme, 25 Fr.-Stücke zu prägen und in diesem Sinne den Vertrag v. J. 1865 zu revidiren.  Der amerikanische Halbadler (half eagle) und der englische Sovereign könnten dem französischen 25 Fr.-Stücke gegenüher leicht in das Verhältniss vollkommener Gleichheit gebracht werden.  Derselbe hat übrigens die Erwägungen, welche für Annahme dieser Massregel streiten, in einer Note entwickelt, wovon er Exemplare der Conf. zur Verfügung stellt, und welche ausserdem noch zahlreiche statistische Angaben enthält.  Dieses Schriftstück wird dem gegenwärtigen Protokolle beigefügt.

Worauf S. kais. Hoheit versetzt, Frankreich mache keine Einwendung bezüglich des Hauptinhalts des Vorschlags des H. Abgeordneten der V. St.; aber, da der Vertrag v. J. 1865 in Geltung sei, werde die französische Regierung sich mit ihren Verbündeten verständigen müssen, und die Revision dieses Staatsvertrages über den fraglichen Punkt werde wohl ohne alle Schwierigkeit abgehen.

H. Ritt. v. Artom glaubt nicht, dass die ital. Regierung eine Einwendung mache, wenn es sich nur um die Verpflichtung handle, 25 Fr.-Stücke anzunehmen, nicht auch, sie zu prägen.

H. Broch wünschte, dass der Typen der allgemeinen Münze so wenige als möglich wären; nach seiner Meinung brauchte man die Staaten nicht zu verpflichten, das 5 Fr.- und das 15 Fr.-Stück zu prägen oder auch nur anzunehmen; das eine sei zu klein und, wie H. Stas sagte, schwer im rechten Gewichte zu erhalten, das andere wenigstens unnütz, weil es mit Rücksicht auf Deutschland angeregt wurde, wo man sich aber geneigt zeige die »Mark« anzufertigen, welche sich im Zwanzigfachen dem 25 Fr.-Stück nähere.

H. B. v. Soden hebt hervor, dass das 15 Fr.-Stück für die süddeutschen Staaten schon zweckmässig wäre.

Da die Meinungsverschiedenheiten unter den Conf.-Mitgliedern sich hauptsächlich um das 15 Fr.-Stück zu drehen scheinen, macht S. kais. Hoheit den Vorschlag, vorläufig über das 25 Fr.-Stück abzustimmen.

Indem H. v. Hermann auf den vorher von H. B. v. Hock gemachten Vorschlag zurückgreift, dringt er darauf, dass die Conf. sich vorerst darüber entscheide, ob es wenigstens eine Münze mit Zwangscurs für alle contrahirenden Staaten geben solle ?

H. B. v. Hock erörtert, dass die Conf. wirklich noch nicht erklärt habe, dass die von einem Staate geprägten Münzen von allen andern angenommen würden, ohne eine solche wechselseitige Annahme gebe es keine Münzgemeinsamkeit.  Hat sich die Commission über diesen allgemeinen Vorschlag ausgesprochen, dann könne man in die Verhandlung über den von H. v. Hermann gemachten Antrag, »ob nämlich diese Annahme auf alle Münzen des Münzsystems sich erstrecken solle oder nur auf einige derselben ?« eintreten.

H. v. Parieu formulirt, um dem Vorschlage des H. B. v.Hock zu entsprechen, folgende Frage : »Müssen die Goldmünzen mit dem gemeinschaftlichen Nenner zu 5 Franken in den öffentlichen Kassen der Staaten, welche sich gegenseitig in einem Münzvertrage verbunden haben, angenommen werden ?«

H. Stas wünscht den »gesetzlichen Curs« an Stelle der »Annahme an den öffentlichen Kassen« gesetzt, und hebt die Thatsache hervor, dass, weil der Vertrag v. J. 1865 nur die letztere Bestimmung enthalte, die Bank von Frankreich sich ohne Angabe von Gründen weigerte, 155,000 belgische Franken in Gold auzunehmen.  Fürchte sie eine Überschwemmung mit solcher Münze, so könne sie sich hierüber beruhigen, denn in Belgien wurden seit dem Vertrage nur 4,800,000 Fr. in Gold geprägt.

H. Feer-Herzog erinnert daran, dass in der That im J. 1865 die abschliessenden Staaten glaubten, sie dürften die Vereinsmünze nur ihren Kassen aufnöthigen, damit es nicht schiene, als wollten sie ihre Landesangehörigen zwingen, eine fremde Münze anzunehmen; damals aber sei officiös erklärt worden von der Leitung des Verkehrs der öffentlichen Gelder, dass von dem Augenblicke an, wo die öffentlichen Kassen in Frankreich die Vereinsmünze nähmen, dieses Beispiel von allen grossen Creditanstalten nachgemacht wurde.

H. v. Parieu befürchtet, es möchten an gewissen entlegeneren Plätzen Schwierigkeiten zum Vorschein kommen, wenn man sofort an Stelle der öffentlichen Kassen den gesetzlichen Zwangscurs im Privatverkehre setzte.  Staatseinnehmer könnten wohl alle Unterabtheilungen der Goldmünzen mit dem Nenner von 5 Fr. kennen, nicht dasselbe sei bei den Privaten der Fall, welche über die ausländischen Theilmünzen und Bildnisse, deren Annahme ihnen auferlegt wäre, in Unruhe gerathen könnten.

H. v. Lavenay würde einen Missstand darin nur dann finden, wenn es sich um Einführung von Münzen in den Umlauf handelte, die, wie die Scheidemünzen, einen geringeren inneren, als den Nennwerth, haben; hier aber sei die Rede von Münzen, deren wirklicher Werth ihrem gesetzlichen Werthe gleichkomme.

H. Rivers-Wilson hegt Zweifel über den gesetzlichen Curs : es frage sich in der That, was dann eintrete, wenn bezüglich der bei Zahlungen zulässigen Menge eine Beschränkung stattfände, wie bei den Theilmünzen von Silber.

S. kais. Hoheit versetzte dagegen, es handle sich nicht um Münzsorten mit beschränktem Curs; ein grosser Vortheil liege in der bezüglichen Bestimmung zum »gesetzlichen Curse«, denn es liege daran, dass die Vereinsmünze nicht abgelehnt werden könne und dass die Staatsangehörigen sie möglichst prompt annehmen.

S. kais. Hoheit bringt eine neue Abfassung zur Abstimmung, also lautend :

»Sollen die Goldmünzen mit dem gemeinsamen Nenner zu 5 Fr. in den sich durch diesen Münzvertrag verbindenden Staaten gesetzlichen Curs haben ?«.  Auf des H. Stas Vorschlag wird statt »die Goldmünzen« gesetzt »Goldmünzen«, was den Begriff enger umgränzt und bestimmte Münzen bezeichnet.

So gefasst wird die Frage einstimmig bejaht.

England’s, Preussen’s, Würtemberg’s und Baden’s Abgesandte stimmten gar nicht.

S. kais. Hoheit nimmt die Verhandlung wieder auf über die Frage des 25 Fr.-Stückes.

H. Ruggles behaupt darauf, nachdrücklichst zu bestätigen, dass die V. St. vorzüglich auf der Annahme der Vereinsmünze zu 25 Fr. bestehen.

H. Graham meint, man solle die Anzahl der Münzsorten nicht zu sehr vervielfältigen; die Einreihung des 15 Fr.- und 25 Fr.-Stückes in das französische System sei fehlerhaft und es wäre besser, von diesem Gesichtspunkte aus, bei dem 20 Fr.-Stücke stehen zu bleiben; es frage sich sogar, ob Frankreich wirklich 25 Fr.-Stücke prägen solle ?

S. kais. Hoheit versetzt hierauf, dass Frankreich, wenn es nur seine persönlichen Beziehungen zu Rathe zöge, sicher keine Nothwendigkeit zur Ausgabe dieser neuen Münze fände, dass es aber, um das Einigungswerk, die Aufgabe der Conferenzarbeiten, zu erleichtern, die von den V. St. gewünschte Concession machen werde.  Die Schaffung des 25 Fr.-Stückes scheine in der That ebensowohl England als auch Österreich zu nützen.

H. Gr. v. Tajo gibt die Aufklärung, dass diese Münze auch Spanien zusage.

H. Stas meint, wie H. Graham, dass, wenn man doch kein neues System aufstelle, das französische in seiner Einfachheit anzunehmen sei, ohne die Theilmünzen zu vermehren.

S. kais. Hoheit macht die Bemerkung, dass die Grundlagen des Vertrages v. J. 1865 zu erweitern seien, um Annäherungen zu erwecken, zu deren Verwirklichung der Vertrag bisher die Mittel nicht dargeboten habe.

Diese Grundlagen, meint dagegen H. Stas, seien ohnehin schon zu weit, und man solle nicht einmal das 5 Fr.-Stück zulassen.

H. v. Jakobi : Würde die Erfährung zeigen, dass das 5 Fr.-Stück zum Verkehr nicht tauge, so würde es ohne Störung desselben verschwinden.

Auf eröffnete Abstimmung wird das 25 Fr.-Stück einstimmig angenommen.  Preussen, Würtemberg und Baden hatten nicht gestimmt.

Die Verhandlung wird von S. kais. Hoheit über das 15 Fr.-Stück eröffnet.

H. Vrolik besteht, unter Bezugnahme auf das in der vorigen Sitzung Gesagte auf Zulassung des 15 Fr.-Stückes in den allgemeinen Münzverkehr.

H. v. Parieu unterstützt diesen Vorschlag als geeignet, eines Tags einer Staatengruppe Genüge zu leisten, welche eine zahlreiche Bevölkerung fasse.

H. B. v. Soden schliesst im Namen Würtemberg’s sich H. Vrolik’s Antrage an.

H. B. v. Hock erkennt keine Nothwendigkeit, schon jetzt das 15 Fr.-Stück anzunehmen, denn Holland habe bis jetzt seinen Entschluss zum sofortigen Eintritte in einen Münzverein keineswegs kundgegeben, und für die deutschen Staaten sei das 15 Fr.-Stück, nach seiner Ansicht, von gar keiner Bedeutung.

Dagegen versetzt H. Vrolik, dass, ohne seine Regierung verbindlich machen zu wollen, er das 15 Fr.-Stück als ein Mittel, mehre Staaten mehr oder weniger schnell dem Ziele der Einigung naher zu bringen, bezeichnet habe.

H. v. Parieu findet die ernsten Einwendungen nicht, welche Österreich gegen das 15 Fr.-Stück erheben könnte, welches doch von Holland gewünscht werde und vorzüglich Süddeutschland zu Gute käme; die österreichische Commission vom April h. J. habe ja das 10 Fr.- und das 25 Fr.-Stück schon angenommen; fügte es zum 10 Fr.-Stücke auch noch das 15 Fr.-Stück, so besässe Österreich die zwei Bestandtheile, welche das 25 Fr.-Stück in Gold ausmachten.

H. R. v. Artom wünscht, es sollte für alle Fälle festgestellt werden, dass die Staaten gehalten seien, das 15 Fr.-Stück anzunehmen, nicht es zu prägen.

H. Meinecke hatte gewünscht nicht in der Nothwendigkeit zu sein, sich auch bei dieser Frage, wie bei der vorigen, der Abstimmung zu enthalten; aber, um einen Entschluss zu fassen, müsste man das Ziel, welches man in Preussen anstreben wolle, kennen.  Nun sei aber die Ansicht in diesem Lande keineswegs noch festgestellt; man wolle zweifelsohne die Münzeinheit, aber nicht um jeden Preis.  Alles, was er thun könne, sei, auf die Goldwährung im Principe einzugehen; über alle Detailfragen und Übergangsmassregeln müsse er aber schweigen, er könne zu keinem weitern Schritte eine massgebende Meinung äussern, da er nicht wisse, wann und wie der Übergang von der Silber- zur Goldwährung in’s Werk gesetzt werden könnte im Systeme Preussen’s.  Der Währungswechsel könnte nicht sogleich bewerkstelligt werden, ohne in die Münzlage Preussen’s eine tiefe Zerrüttung zu bringen.  Preussen’s Stellung sei in dieser Hinsicht nicht die Frankreich’s; letzteres habe für die vorhabliche Münzeinheit nicht die Opfer zu bringen wie Preussen.

H. Kern ist in die Conf. gekommen, um persönlich und ohne alle Verbindlichkeit für seine Regierung zu stimmen, bei allen Vorschlägen, die ihm so gestaltet scheinen, dass sie zur Bildung einer Münzeinheit beitrügen, die umfassender wäre, als jene v. J. 1865, aber hauptsächlich auf denselben Grundlagen rühte, die zu erweitern wären, wenn es nöthig.  So habe er im Geiste der Versöhnung, und absehend von Lieblingswünschen des von ihm vertretenen Landes, für das 25 Fr.-Stück gestimmt, weil die HH. Abgeordneten der V. St. und von Österreich ihrerseits dem Einigungswerk dies zugeben zu können glaubten, weil er ferner voraussetzte, England werde mit Befriedigung diesen Conf.-Beschluss entgegennehmen.  Mit grossem Erstaunen und Bedauern habe er aber gehört, dass der grossbritannische Abgeordnete sage, das 25 Fr.-Stück scheine ihm nicht zweckmässig.  Bezüglich des 15 Fr.-Stückes sieht er sich nicht in der Lage, es anzunehmen, bevor die dabei besonders betheiligten Staaten, namentlich Preussen, sich ausgesprochen haben.

H. Rivers-Wilson glaubt im Namen H. Graham’s und gegenüber der Auslegung, zu welcher die von H. Graham über das 25 Fr.-Stück geäusserte Meinung Anlass gab, erklären zu müssen, dass der Abgesandte von Grossbritannien sich nur auf einen rein theoretischen Standpunkt gestellt habe.  Das 25 Fr.-Stück würde der allgemeinen Einrichtung des französischen Systemes eher schädlich als nützlich sein; nicht mehr wäre aber dies der Fall, wenn man eine Münzeinigung zwischen England und Frankreich in’s Auge fasse.

S. kais. Hoheit bedauert lebhaft diese Begriffsverwirrung und constatirt, dass, wenn auch die Conf.-Mitglieder nur theoretisch verhandeln, dies nur in dem Sinne zu nehmen sei, dass sie ihre Regierungen nicht verpflichten, wie sie es als Geschäftsführer mit Vollmachten thun würden.  Doch müsse man wohl verstehen, dass es sich hier nicht darum handle, sich speculativen Studien zu überlassen; den Arbeiten der Conferenz sei ein Zweck vorgezeichnet und die praktischen Mittel, ihn zu erreichen, seien es, welche die Abgeordneten aller Staaten nach Kräften anstreben müssen.

H. Rivers-Wilson antwortet, England könne nur dankbar sein für die gute Absicht, die die Annahme des 25 Fr.-Stückes vorgeschlagen habe.

H. v. Parieu hebt hervor, dass die Worte »in Folge der Gegenseitigkeit« mit Absicht in die eben in Verhandlung stehende 9. Frage eingesetzt worden seien; sie seien immer darunter mitverstanden worden, und mit diesem Vorbehalte sei kein Missstand darin zu sehen, wenn man es nur als eine vorsorgliche Möglichkeit bezeichnet, dass auch 15 Fr.-Stücke geprägt und angenommen werden könnten.  Es wäre, wie er im Geiste Sr. kais. Hoheit glaube, gelegenheitlich der Äusserung über das 25 Fr. Stück sagen gehört zu haben, eine Einladung, die wir an die Staaten, welche sich noch nicht in der Lage zur Entscheidung sehen, ergehen liessen.

H. v. Haindl macht, so sehr er anerkennt, dass das 15 Fr.-Stück sich den deutschen Zuständen anbequeme, bemerklich, dass doch zwischen dieser Münze einerseits, dem 7 fl.- oder 4 Thlr.-Stücke andrerseits ein Unterschied von 1 ¼ % zum Nachtheile der ersteren bestehe; man müsste daher den Werth der gegenwärtigen Münzeinheit – Thaler oder Gulden – erhöhen.  Das sei es was das Zaudern der deutschen Staaten begreiflich mache.

Dem fügt H. B. v. Soden bei, dass, so vortheilhaft das 15 Fr.-Stück auch wäre, man nicht vergessen dürfe, dass der Vertrag v. J. 1857 die Staaten, welche ihn unterzeichneten, und somit auch Würtemberg, binde; mit Ausnahme von Österreich.

H. v. Parieu bringt vor, dass man doch keine andere Grundmünze finden könne als das Goldstück zu 15 Franken, welches solche Eigenschaften habe, um über kurz oder lang Preussen, Süddeutschland und Holland dem Münzvereine zu verbinden.  Was soll sich daher die Conf. vor Allem zur Aufgabe machen ?  Einen gemeinsamen Boden vorzubereiten, um alle möglichen Vereinigungsmittel zwischen den verschiedenen herrschenden Systemen einzuleiten.

H. Gr. v. Avila unterstützt diese Äusserungen mit dem Antrage, dass die Commission sich entschieden für oder gegen die Zulassung des 15 Fr.-Stückes ausspreche, indem ihr Spruch als Ausgangspunkt für die späteren Entschliessungen der Regierungen dienen solle.

Herr Kern wünschte aus den früher dargelegten Gründen, dass man abwarte, bis von den dabei betheiligten Staaten bestimmtere als die bisher gegebenen Erklärungen kämen.

Da H. R. v. Artom das 15 Fr.-Stück keinesfalls ganz verworfen wissen wollte, so schlägt er eine Abstimmung darüber vor, dass die Frage über das 15 Fr.-Stück vorbehalten bleibe.

S. kais. Hoheit, diesen Vorschlag zur Meinungsabgabe der Conf. nach den eben stattgehabten Erörterungen aufgreifend, fragt die HH. Abgesandten, ob ein Staat das 15 Fr.-Stück aus den Vereinbarungen des Münzvereines unbedingt entfernt wissen wolle.

Die Conf. antwortet verneinend auf diese Frage mit Ausnahme von Schweden (und Norwegen).

Hierauf lässt S. kais. Hoheit über die Zweckmässigkeitsfrage abstimmen :

»Soll das 15 Fr.-Stück in der 9. Frage erwähnt werden oder dieser Punkt ganz vorbehalten bleiben ?«

Für die Erwähnung stimmten : Frankreich, Spanien, die Vereinigten Staaten, Griechenland, Niederlande, Portugal und Russland.

Dagegen : Österreich, Baden, Schweiz, Italien, Dänemark, Schweden und Norwegen.

Gar nicht stimmten : Bayern, Belgien, Grossbritannien, Preussen, Türkei und Würtemberg.

Die 10., auf die Silber- oder kleinen Münzen Bezug habende Frage würde hierauf vorgelesen.

Die Conf. entschied, dass diese Frage für jetzt ihrem Spruche entfalle.  Sie stimmt, auf den Antrag der HH. B. v. Hock und v. Jakobi, mit Einhelligkeit ab über das Princip, welches in der 11. Frage enthalten ist und die zu übende Aufsicht über die Anfertigung der gemeinsamen Grundformen der Vereinsmünzen behandelt.  Was die Massnahmen für Nachweis und Beaufsichtigung selbst betrifft, so werden dieselben in den zwischen den Staaten entstehenden Vereinbarungen aufgezählt werden, und die Geschäftsträger können in dieser Beziehung auf die Verträge v. 1857 und 1865 zurückgehen.

Da H. v. Parieu auch noch wahrgenommen, dass H. B. v. Hock eine Denkschrift über diese Frage vorbereitet habe, welche zweckmässig mindestens als Anhang dem Sitzungsprotokolle könnte beigelegt werden, so würde dieser Antrag angenommen

Was die 12. und letzte Frage betriftt, macht der H. Conf.-Vicepräsident zu wissen, dass in seinen Augen diese Frage nur gestellt würde für den Fall, dass die HH. Abgeordneten sich nicht hätten verständigen können über irgend eines der in den ersten Absatzen des Programmes als wünschenswerth aufgestellten Principien : da dieser Fall glücklicherweise nicht eingetreten, weil man sich über die Währung – und noch dazu einstimmig – entschied, so beschliesst die Conf. die Streichung der 12. Frage.

Auf Vorschlag Sr. kais. Hoheit vertagt sich hierauf die Conf. auf Dienstag 2. Juli, um sich über die geeignetsten Mittel zur Ausführung der erzielten Conferenzbeschlüsse zu verständigen.

Schluss der Sitzung 12 ½ Uhr Mittags.

 

Beilage zum 6. Sitzungsprotokolle

 

Denkschrift, übergeben von H. Ruggles, Abgesandten der Vereinigten Staaten von Amerika, in der Sitzung am 28. Juni 1867

 

Der Abg. der V. St. von Amerika beantragte die Ausgabe eines Goldstückes zu 25 Franken in Frankreich.

Es kommt zu bemerken, dass Frankreich noch niemals eine Goldmünze hatte, welche eine gerade Anzahl von Grammen enthielt.  Da das Werthsverhältniss des Goldwerthes zu dem des Silbers durch ein Gesetz auf 15 ½ festgestellt war, so wurde es unmöglich, zwischen den beiden Metallen oder, mit andern Worten, zwischen der Anzahl der nur das Silber darstellenden Franken und der Anzahl der Gramme in der Goldmünze, ein Decimalverhältniss aufzustellen.  Dieses Wechselverhältniss von 15 ½ ist schon an sich eine Bruchzahl und muss verdoppelt und in der Form von 31/2 dargestellt werden, um eine runde Zahl zu geben.

Der Frank [1] ist einfach ein Wort, das 5 Gramme in Silber zu 9/10 fein ausdrückt; er ist die französische Münzeinheit.  Da das Gold einen Werth von 15 ½ mal höher als das Silber, hat, so braucht man 15 ½ Franken, jeden zu 5 Grammen, oder 5 × 15 ½ = 77 ½ Gr., um 5 Gr. Gold zu kaufen, oder 155 Gr. Silber, um 10 Gr. Gold zu kaufen.

Da 31 das geringste genaue Mehrfache in diesem Verhältnisse ist, so ist 31 die geringste Zahl Franken, welche in einer Goldmünze enthalten ist, die ein genaues Grammengewicht hat.  Keine besonnene Regierung wird ihre Goldmünze auf Stücke zu 31 Fr. und deren Vervielfältigungen begränzen wollen.  Hieraus ist ersichtlich, dass Frankreich bei seiner Goldmünze vom metrischen Gewichte ganz absah.  Das 5 Fr.-Stück wiegt 1 Gr. 6125, das 10 Fr.-Stück 3 Gr. 3250, das 20 Fr.-Stück 6 Gr. 45, das 50 Fr.-Stück 16 Gr. 125 und das 100 Fr.-Stück 32 Gr. 2500.

Das 25 Fr.-St. würde wiegen 8 Gr. 0625, und würde sich einem metrischen Gewichte mehr nähern, als irgend eine französische Goldmünze.

Das französische Gesetz bestimmt, dass 155 (5 × 31) 20 Fr.-Stücke 1 Kilogramm wiegen sollten; ebenso wäre es mit 124 (4 × 31) 25 Fr.-Stücken, die ebenfalls 1 Kilogr. wiegen würden.

Die V. St. haben es niemals versucht, das Decimalgewicht für ihre Goldmünze festzusetzen, obwohl sie unter den ersten wären, die ein Decimalsystem hatten.  Der dermalige Goldthaler (dollar) wiegt 25,8 Troi-Grane, was beinahe 1,670 Grammen gleichkommt und über das metrische Gewicht des 5 Fr.-Stückes um 57 ½ Milligramme hinausgeht.

Ein Goldgramm zu 9/10 fein ist in runder Zahl gleich 30 englischen Pfennigen (penny) oder 60 Hundertel (cent) der Union.  Folglich würden 57 ½ Milligr., vom Dollar weggenommen, ihn um 3 Cents schwächen.  Oder 278 ½ Milligr. weggenommen vom Halbadler zu 5 Thlr. würden ihn um 17 ½ Cents vermindern, was einer Abminderung von 3% gleichkömmt.

Es ist überflüssig, sich über die Vorzüge des Decimal-, des Duodecimal- oder des Zweiheitssystemes zu verbreiten, weil das Decimalsystem in einem grossen Theile der civilisirten Welt schon eine vollendete Thatsache geworden ist und in der Praxis nicht mehr geändert werden kann; desgleichen ist die Einheitlichmachung der Münzen der Welt eine Frage von mehr praktischer als wissenschaftlicher Art geworden, die auch vorzüglich dem Bereiche des Handels- und Bankwesens anheimfällt.  Das internationale Comité, betraut mit der Aufgabe einer vorläufigen Untersuchung und Erwägung, sollte nicht blos in Betracht ziehen, was theoretisch und abstract möglich, sondern was vom Gesichtspunkte des Handels- und Bankwesens aus durchführbar ist.  Um demgemäss eine gemeinsame Münze oder eine Münzeinheit aufzustellen, brauchte man einen internationalen Vertrag, geschlossen von Vertretern jeder Nation, die mit diplomatischen Vollmachten bekleidet sind.

Wenn das gegenwärtige Comité durch seine Bemühungen eine diplomatische Conferenz vorbereiten soll, so muss es auch bemerken, dass eine so grosse Abminderung, wie 3%, in der Goldmünze der V. St. tief eingreifen muss in die bestehenden Verträge und sie zum Theil ganz umgestalten kann.  Diese Umwalzung würde von Regierung und Volk der V. St. nur genehmigt, wenn dadurch dem Menschengeschlechte die so grosse und wichtige Wohlthat einer für die ganze Welt gemeinsame Münze gesichert würde.

Da der Aufwand für die Münzung sehr beträchtlich sein und nach Verhältniss der Goldgewinnung in den V. St. sich mehren wird, so muss diese Änderung ohne Aufschub geschehen, wenn man sie durchführen will.  Das internationale Comité möge im Auge behalten, dass die Bevölkerung der V. St., welche jetzt schon nahezu 40 Millionen Einwohner beträgt, in dem kurzen Zeitraume von 34 Jahren, d.i. bis Ende dieses Jahrhunderts, vielleicht über 100 Millionen Seelen geben wird.

Schon lange vor diesem Zeitpunkte wird die jährliche Gewinnung von Gold und Silber in den V. St. bedeutend erleichtert und angespornt werden durch die Vollendung der festländischen Eisenbahnlinie, welches diesem noch schwer zugänglichen Metallgebiete Ausmündungen in zwei Weltmeere geben wird, und dessen Arbeiten sehr thätig betrieben werden.  Dieser Metallgewinn, jetzt beiläufig zu 100 Millionen Doll. jährlich, kann noch 3 bis 400 Millionen erreichen.  Deshalb soll man die Goldmünze der Welt einheitlich machen jetzt oder nie !

Es trifft sich glücklich, dass der Gold-Sovereign Grossbritannien’s, an dem natürlich die Vorurtheile des Volkes hängen, zu seiner Werthsminderung nur eines Gewichtsabschlags von 64 Milligr. Feingold bedarf, oder im Werthe von 2 englischen Pfennigen (two pence) oder 4 Cents der V. St.  Wird die Werthsminderung von Grossbritannien durchgeführt, so wird sie in der That nicht über ¼ der amerikanischen hinausgehen.

Der grosse Nachtheil, welchen jede Verschleppung im Vereinigungswerke nach sich zieht, zu einer Zeit wo die Goldgewinnung und Goldmünzung sich so rasch vermehrt, wird auf eine noch einleuchtendere Weise hervorgehen aus der Statistik des Goldes in den drei Staaten, welche die meisten Münzen prägen.

 

I.

Die Vereinigten Staaten Amerika’s haben in den 57 Jahren von 1792–1849, d.i. vor den Californischen grossen Goldentdeckungen, in Gold allein geprägt 85,588,038 Thlr., oder, den Thlr. zu 5 Fr. gerechnet, 427,940,190 Franken.

Vom 30. Juni 1849 bis 30. Juni 1851, d.i., während der ersten 2 Jahre der Gold-periode betrug die Münzausprägung 94,596,230 Thlr. oder 472,981,150 Franken.

In den 15 folgenden Jahren, also bis 30. Juni 1866, betrug sie 665,352,323 Thlr. oder 3,326,761,615 Franken.

Summe der Goldmünzen der V. St. 845,536,591 Thlr. oder 4,227,682,955 Franken, worunter 140,923,622 Thlr. mit Probe versehen und in Barren geprägt wurden.

II.

Die dermalige Goldmünze Grossbritannien’s wurde eingeführt im J. 1816; von 1816–1851 prägte man 96,021,151 Pfund Sterling, oder in Thlrn. das Pfund zu 5 Thlr. (dollars) 480,105,755 Thlr. oder 2,400,528,775 Franken.

In den 15 Jahren von 1851 bis 1865 einschlüssig 91,047,139 Pfd. Sterling oder 455,235,695 Dollare oder 2,276,178,475 Franken.

Summe der Goldmünzen Grossbritannien’s 935,341,450 Dollare oder 4,676,707,250 Franken.

III.

Frankreich prägte in den 58 Jahren von 1793–1851 einschl. in Goldmünzen 324,492,516 Dollare oder 1,622,462,580 Franken.

(Von dieser Summe wurden 107,604,088 Thlr. oder 538,024,440 Fr. von Napoléon I. geprägt).

In den letzten 15 Jahren von 1851–1866 wurden von Napoléon III. geprägt 987,728,298 Doll. oder 4,938,641,490 Franken.

Summe 1,312,220,814 Dollare oder 6,561,104,070 Franken.

Summe für alle 3 Nationen :

Frankreich 1,312,220,814 Doll. oder 6,561,104,070 Fr.

Grossbritannien 935,341,450 Doll. oder 4,676,707,250 Fr.

Verein. Staaten 845,536,591 Doll. oder 4,227,682,955 Fr.

Summe 3,093,098,855 Doll. oder 15,465,494,275 Fr.

Fügen wir zu dieser ungeheueren Summe noch die beträchtliche Anzahl von Goldmünzen hinzu, welche in Preussen, Russland, Österreich und den andern beträchtlicheren Staaten Europa’s geprägt wurden, so können wir uns eine Vorstellung machen von der Bedeutsamkeit einer Münzeinheit, welche denselben Curs, dieselbe Beschaffenheit und denselben Werth der Gesammtheit dieser ungeheueren Masse geben würde, und von den Summen, die erspärt werden könnten, die aber jetzt ganz unfruchtbar darauf gehen auf Umschmelz, Bruch und Wechselung.

Zu der Münzmasse der obengenannten drei Nationen liefert Frankreich, wie wir sehen, 1,312,220,814 Doll., welche nicht neu geprägt zu werden brauchen, während die beiden Andern das Übrige, nämlich 1,780,878,041 Doll., liefern, woven ein grosser Theil wird neu geprägt werden müssen, um zu einer Münzeinheit der civilisirten Welt zu gelangen.

Davon muss man abziehen :

1. Das was davon von Frankreich neuerdings ausgemünzt werden konnte, obendrein nach Abzug des französischen Goldes, welches von Grossbritannien und den V. St. neuerdings ausgemünzt werden konnte.

2. Was verloren gegangen oder in den Gewerben verwendet sein konnte.

3. Endlich jene Münzen, welche abgenützt genug sind, um auf das Gewicht jener Zahl von Franken, welche sie darstellen sollen, reducirt zu werden.  Dies wird beinahe ausschliesslich auf die Münzen Grossbritannien’s anzuwenden sein, welche der beantragten Minderung wenigstens auf 1% nahe stehen, während die der V. St. um etwas mehr als 3% vermindert werden müssen.

Auf der andern Seite darf man nicht übersehen, dass die V. St. und Grossbritannien auf wenigstens noch 15 Jahre fort bei ihrer Goldausgabe fortwährend von dem in Amerika und Australien gewonnenen Golde auch nehmen werden, was sich wahrscheinlich für die V. St. auf etwas weniger als 655,352,323 Thlr. für jede Periode erhöhen wird, und für Grossbritannien auf 455,235,695 Thlr.; Zahlen, welche, wie wir gesehen, während der verwichenen Periode erreicht wurden.  Wir erwähnen nicht, was dennoch nicht übersehen werden darf, die Möglichkeit einer viel schnelleren Zunahme der Gewinnung, welche aus umfassenderen Entdeckungen in dem weiten Goldfelde im Innern der V. St. entstehen könnte, das bis jetzt nur theilweise durchforscht ist.

Ohne bei Bemessung der riesenhaften Zukunft, welche die Zeit der Welt in Bezug auf Münzwesen vorbehalt, zu weit gehen zu wollen, möge nun festgestellt sein, dass das Einigungswerk nicht bald genug begonnen werden kann [2].

Es geschieht nicht durch Veranlassung Frankreich’s, sondern durch sein gutes Glück, dass die Last dieser Änderung, sowohl bezüglich der Umprägung als auch bezüglich der herbeigeführten Vertragsänderungen, beinahe durchweg von den V. St. und Grossbritannien zu tragen kommt, während Frankreich mit seinen 6 Milliarden Gold im Umlaufe, ganz und ohne Unkosten nicht allein an der allgemeinen Wohlthat, sondern auch an der gerechten Ehre, das Münzwesen der Welt gleichgemacht zu haben, theilnehmen wird.

Unter diesen Umständen beantragt man im Namen der V. St., dass Frankreich im Geiste weiser Liberalität, was es ja leicht kann, zum grossen praktischen Einigungswerke dadurch beitrage, dass es seinem gegenwärtigen Münzsysteme noch das 25 Fr.-Stück beifüge.

Diese Münze wird von Küste zu Küste an allen Orten und in voller Gleichheit mit dem Halbadler der V. St. und dem Sovereign Grossbritannien’s umlaufen.

Diese 3 Goldmünzen, die Typen dreier grossen Handelsvölker, brüderlich geeinigt und nur durch ihre Sinnbilder verschieden, werden Hand in Hand die Reise um die Welt machen, in beiden Halbkugeln Curs haben, und zwar ohne Umprägung oder sonstiges Hinderniss.  Dieses zeitgemässe Zugeständniss Frankreich’s an den Geist der Einheit wird das Civilisationswerk, das ihm so sehr am Herzen liegt, vollenden und der neuen Münzära die Weihe geben; es ist dies die erhabenste Aufgabe des internationalen Comités und das edelste Ziel der gemeinsamen Bestrebung der Nationen ohne Vorgang in der Weltgeschichte.



[1]    Diese Schreibart scheint zweckmässig, um die Mehrzahl nicht französisch übertragen zu müssen und die übliche Aussprache zu ermöglichen.

[2]    Wenn man einen Begriff von der Wirkung sich verschaffen will, welche die ungeheuere Ausbreitung des Goldes in dem Münzwesen der Welt hervorbringen kann, indem sie die gesetzlich aufgestellten Verhältnisse zwischen Gold und Silber ändert, so genügt es, folgende Ziffern anzugeben :
Von 1851–1865 einschlüssig prägten
 

die V. Staaten
Frankreich
Grossbritannien
658,000,000 Fr. Gold
987,000,000 Fr. Gold
  455,000,000 Fr. Gold

      49,000,000 Fr. Silber
43,000,000 Fr. Silber
 25,000,000 Fr. Silber

Summe 2,100,000,000 Fr. Gold 117,000,000 Fr. Silber

Dies ergibt ein Verhältniss von ungefähr 18 zu 1.

 

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Bemerkungen des Freiherrn von Hock über die Beaufsichtigungsmittel

(11. Frage)

Man kann folgende Grundsätze aufstellen :

1. Die Münzen sollen geprägt werden nach ihrem vollen Korn und Schrot ohne Abzug (Rabatt), sei es wegen der Prägekosten oder des s.g. Remediums; auch soll sich in keinem Falle an die Münzanfertigung ein Privatinteresse in Absicht eines Nutzens irgend einer Art knüpfen.

2. Das Kilogramme soll als Gewicht der gemeinschaftlichen Münzen aufgestellt werden; die Gewichte zum Gebrauche in den Münzstatten müssen nach einem gemeinsamen Mustergewichte angefertigt sein.

3. Man wird sich über gemeinsame Wege der Probe und gleicher Schranken der Toleranz verständigen, sowohl für den Feingehalt als auch für das Gewicht der Vereinsmünzen.

4. Die Vereinsmünzen von gleichem Werthe müssen denselben Durchmesser haben und das Datum und Jahr ihrer Prägung tragen.

5. Falls man, nach einem festzustellenden Verfahren, mehre in demselben Jahre geprägte Münzen mangelhaft fände, muss die schuldig befundene Regierung alle Münzen mit derselben Jahrzahl einziehen.

6. Man wird sich über die Mittel verständigen zur Einziehung beschnittener Münzen, welche an Gewicht unter der erlaubten Toleranz stehen oder deren Umschrift unleserlich geworden ist.

7. Man wird als Grundsatz anerkennen, dass jeder Staat die Übertretungen der Münzgesetze der anderen Staaten so strafen soll, als wenn sie gegen seine eigenen Gesetze gerichtet gewesen wären; von diesem Grundsatze aus wird man ein Münzcartel schliessen.

 

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7. Sitzung. Dienstag 2. Juli 1867

 

Unter Vorsitz Sr. kaiserlichen Hoheit des Prinzen Napoléon

Eröffnung um 8 ½ Uhr.

Gegenwärtig : Die HH. Abgeordneten, welche der vorigen Sitzung beigewohnt hatten, und H. Fortamps; abwesend H. Delyannis.

Annahme des Protokolls der 6. Sitzung.

H. Dutilleul bedauert, dass die Conf. in ihrer letzten Versammlung, sich für den »gesetzlichen Curs« der Goldmünzen mit dem gemeinsamen Nenner von 5 Fr. in den Staaten, welche sich wechselseitig in einem Münzvertrage verbinden würden, ausgesprochen habe; er hätte vorgezogen, wenn man erklärt hätte, dass diese Münzen »bei den öffentlichen Kassen« angenommen werden müssen, und er drückt den Wunsch aus, dass seine Ansicht über diesen Punkt im Protokolle der gegenwärtigen Sitzung verzeichnet werde.

Da H. v. Jakobi eine Erklärung über den Ausdruck »Münzcartel«, der in Ziff. 7 der v. Hock’schen Erörterungen (Beil. 2 zum 6. Sitzungsprot.) stehe, verlangt hatte, so erwiedert H. v. Parieu, dass es sich um eine Einrichtung zwischen zwei Staaten zur gegenseitigen Bestrafung der Münzübertretungen handle; in Frankreich biete die innere Landesgesetzgebung, das Strafgesetzbuch, alle ausreichenden Mittel, um die Übertreter zu erreichen.

H. R. v. Artom erinnert, dass alle Auslieferungsverträge Bestimmungen enthalten, welche auch auf derlei Übertretungen anwendbar seien.

Hierauf constatirt S. kais. Hoheit, dass die Conf. gewissermassen an dem theoretischen Abschnitte ihrer Berathungen angekommen sei; es handle sich jetzt darum, die Ergebnisse ihrer Arbeiten zu entwickeln und festzustellen, dann sich zu verständigen über die Mittel, um zu einer praktischen Lösung zu gelangen.  Was den ersten Punkt betrifft, beantragen Sie, den H. Conf.-Vicepräsidenten mit der Aufgabe zu betrauen, dass er in einem übersichtlichen Berichte die Entschlüsse und Thatsachen, welche in den Sitzungsprotokollen niedergelegt sind, kurz wiederhole.

Bezüglich der Prüfung der Mittel zur Erreichung eines praktischen Erfolges dürfte dieselbe in folgenden drei Fragen, die er der Conf. unterbreiten wolle, erschöpft sein :

1. Sollen die Staaten sich über eine allgemeine Einrichtung verständigen ?

2. Haben die Länder, welche gesonderte Verträge schliessen wollen, mit der Staatengruppe des Vereines v. J. 1865 zu verhandeln ?

3. Welchen Weg hat man für alle Fälle zu verfolgen, um zu einem praktischen Endziele zu gelangen ?  Ist der Augenblick gekommen, um die verschiedenen Regierungen mit dieser Frage in Anspruch zu nehmen ?

H. B. v. Hock wünschte, dass die Verständigung sich ergebe durch gesonderte Verträge mit der Staatengruppe des Vereins v. J. 1865, und nicht durch gesetzliche und alleinstehende Massregeln.

H. R. v. Artom hält für wünschenswerth, dass schon jetzt, wenn auch nur vom rein theoretischen Standpunkte aus, von der Conf. ein Beschluss im Sinne des v. Hock’schen Antrages gefasst würde.

H. Gr. v. Avila, wenn er auch im Allgemeinen die Verhandlungsweise, die ehen angezeigt wurde, zugibt, sieht jedoch keine Nothwendigkeit für eine besondere Ahmachung ein, inwieferne es z.B. Spanien und die Vereinigten Staaten betrifft, welche Beide den Feingehalt zu 9/10 angenommen hätten und daher nur ihre Münzen auf das Gewicht des 5 Fr.-Stückes oder seiner Vervielfältigungen zu bringen brauchten; für diese würde es nach Vornahme der eben angegebenen Änderung genügen, sich dem Vertrage v. J. 1865 anzuschliessen.

H. B. v. Hock besteht auf der Nothwendigkeit gesonderter Vereinbarungen, wie er beantragt habe.  Um einen Münzverein herzustellen, handle es sich nicht blos darum, sich über Feingehalt und Gewicht zu verständigen, das Ganze der Münzanfertigung, von der Zusammensetzung der Metalle an bis zu den Beaufsichtigungsmitteln, müsse vollständig übereinstimmen; ferner müsse die ganze Führung des Münzwesens in den Vereinsstaaten eine Bürgschaft der Dauer gewähren.

H. Fortamps schliesst sich den Forderungen H. v. Hock’s an; von dem Augenblicke an, wo ein Staat den Münzen eines andern Zwangscurs gebe, müssten beiderseits gleiche Vorschriften über Feingehalt, Gewicht, Remedium, Aufsicht u.s.w. zur Anwendung kommen.  Nur unter diesem stillschweigenden Vorbehalte sei das Beitrittsrecht in den Vertrag v. J. 1865 aufgenommen worden.

H. Herbet macht darauf aufmerksam, dass man ja schon Gelegenheit gehabt habe, von diesem Vorbehalte Gebrauch zu machen.  Der Kirchenstaat und Griechenland hätten sich zum Beitritte bereit erklärt, die französische Regierung habe diese Anfrage geprüft und hierauf den drei andern Vereinsregierungen unterbreitet.

H. Feer-Herzog ist der Ausicht, der Anschluss an den Vertrag v. J. 1865 müsse unter jeder Bedingung Gegenstand einer formellen Übereinkunft zur Sicherung der Gleichheit der Anfertigung sein.

Auch H. Gr. v. Avila stimmt überein mit den HH. v. Hock, Fortamps und Feer-Herzog über die Nothwendigkeit sich zu versichern, dass die in den Staaten des vorhablichen Vereines zugelassenen Münzen unter gleichen Vorbedingungen würden angefertigt worden sein; er habe nur sagen wollen, dass von dem Augenblicke an, wo die Bedingungen der Gleichheit bestünden und von den Mitunterzeichnern des Vertrages v. J. 1865 anerkannt sein würden, dadurch ein Recht des Beitritts hiezu entstehe und es keiner besondern Vereinbarung mehr bedürfe.  Selbstverständlich könnte sich das Einverständniss nur über die Goldmünzen, als einzige allgemeine Münzgattung, erstrecken.

H. v. Jakobi macht bemerklich, dass der Vertrag v. J. 1865 nicht ausdrücklich die Annahme der Goldwährung, welche doch von der Conf. einstimmig beschlossen worden sei, enthalte.  Daher müsste sich vor Allem eine Staatengruppe bilden, welche sich durch einen diese Grundlage enthaltenden Vertrag einigte, und nach seiner Meinung könnten die Staaten des Vereins v. J. 1865 sich in dieser Hinsicht am leichtesten verständigen; die andern Staaten brauchten dann bloss sich anzuschliessen.

S. kais. Hoheit antwortet, dass, was die französische Regierung betreffe, ihr möglicherweise weniger leicht sei, als H. v. Jakobi es voraussetze, in der Währungsfrage den ersten Vorschlag zu machen.  Die Annahme der ausschliesslichen Goldwährung schliesse eine Änderung der französischen Gesetzgebung in sich, und folgeweise müsste dabei der gesetzgebende Körper in Anspruch genommen werden; dermal habe die Doppelwährung in Frankreich noch energische Vertreter, welche sicher dagegen wären, das Silber als Münzstoff ganz zu verdrängen.  Es käme wenigstens der Regierung sehr zu Statten, sich vor der Gesetzgebungsversammlung auf schon abgeschlossene diplomatische Abmachungen stützen zu können, welche davon Zeugniss gäben, dass die Grundlage der alleinigen Goldwährung nicht nur schon in der Theorie, sondern auch bereits in Wirklichkeit von einigen andern Staaten angenommen worden sei; so sei es lediglich eine innere Frage.

H. v. Parieu denkt, das Interesse der Staaten reiche für sich allein hin, um diplomatische Vereinbarungen herbeizuführen, und es sei vielleicht nicht unerlässlich, dass die Conf. sich in dieser Hinsicht auf eine bestimmte Weise ausspreche.  Wirklich sollen die Länder, welche vor Allem ihre innere Gesetzgebung ändern zu müssen glaubten, wenn sie die von der Conf. angenommenen Grundlagen einführen würden, nicht zögern, den Beitritt, der ihren Münzen die Vortheile der Internationalität sicherte, zu beantragen.  So hätten es auch der Kirchenstaat und Griechenland gemacht, namentlich habe die päpstliche Regierung, welche das römische Münzwesen mit dem Vertrage v. J. 1865 in Übereinstimmung gebracht hatte, bis auf einige Verschiedenheiten, namentlich was die Zulassung einer Theilmünze zu 2 Fr. 50 Cent. betraf, auf diese letztere Anordnung alsbald wieder verzichtet, um dem fraglichen Vertrage beitreten zu können.

H. Kern ist der Meinung, trotz der kundgegebenen günstigen Stimmung eines grossen Theiles der Länder, werde man doch nur nach und nach zur Verständigung über die Annahme der vereinbarten Grundlagen gelangen, nämlich durch allmähliche Beitritte zur Staatengruppe, welche den Münzverein v. J. 1865 bilden.

H. Ruggles ist durchaus geneigt, so weit es ihm seine Instructionen gestatten, den Vorschlag des H. B. v. Hock zu befürworten.  Er gibt in dieser Beziehung bekannt, dass, als der französische Gesandte zu Washington H. Berthemy am 27. Mai d. J. die Regierung der V. St. einlud, an der gegenwärtigen Conf. theilzunehmen, er erklärt habe, dass diese Versammlung den Zweck hätte, Ansichten auszutauschen und Grundsätze zu besprechen; er habe aber den bedeutungsvollen Satz beigefügt : »Grundlagen für weitere Verhandlungen aufzufinden«.  Dieser Mittheilung zufolge habe H. Staatssecretär Seward ihm (Ruggles) den Auftrag gegeben, »die Regierung der V. St. bei der vorhablichen Conf. nach Maassgabe und in dem Sinne, wie in dem obenbezeichneten Schreiben des französischen H. Gesandten angedeutet, zu vertreten«.  Weder der Wortlaut noch der Sinn der betreffenden Note habe die Arbeiten der Conf. auf die Besprechung abstracter Principien beschränkt, vielmehr sei darin auf die bestimmteste Weise erklärt worden, dass, die »Grundlagen für weitere Verhandlungen aufzufinden«, Hauptaufgabe der Conf. sei.  Dieses Ziel sei glücklich erreicht.  Die Conf. habe die gewünschte Grundlage gesucht und gefunden, und zwar keine wankende, veränderliche und unbestimmte, sondern vielmehr die Grundlage eines festen und gründlichen Systemes, als dessen Grundzüge man folgende feststellen könne :

1. alleinige Goldwährung
2. Münzen von gleichem Gewichte und
3. gleichem Feingehalte
4. Theilung der Münzen nach dem Decimalsysteme und
5. Fünf Franken als Münzeinheit.

Die Verbreitung eines so festabgegränzten Systemes wäre die praktische Vollendung des Werkes der Conf.; die Besonderheiten der Ausführung könnten füglich jetzt übergangen und entweder in einer später zu berufenden Conf. oder von den verschiedenen Staaten unter sich geregelt werden.

H. Wallenberg glaubt einen beachtenswerthen Vorgang hervorheben zu müssen.  Die russische Regierung habe nämlich durch einen Ukas vom 11. November 1865 in Finnland ein Münzsystem eingeführt, welches beinahe dem des Franken gleich sei, die Verschiedenheiten gingen über die Schranken der Toleranz nicht hinaus; würde die russische Regierung diese Bestimmungen auch auf die andern Provinzen des Kaiserreiches ausdehnen, so wäre eine bedeutende Annäherung geschehen.  Nach seiner Meinung dürfte eine allgemeine Vereinbarung nicht über die Goldmünzen hinaus statthaben, und zwar auf Grundlage des Vertrages v. J. 1865.  Jedem Staate stünde frei, seine Silber-Scheidemünzen einzurichten, wie es ihm beliebe.

H. v. Parieu beantragt folgende, seiner Meinung nach für alle Abgeordneten wohl annehmbare Fassung :

»Die Conf. spricht den Wunsch aus, dass die Maassnahmen, welche von den verschiedenen Regierungen zur Änderung ihres Münzsystemes im Sinne der durch die Conf. angedeuteten Grundlagen getroffen werden wollen, so viel als möglich, in diplomatische Vereinbarungen übergehen möchten.«

Dieser Satz wird bei der Abstimmung allseitig angenommen.

S. kais. Hoheit macht sodann aufmerksam, dass es zweckmässig sein würde, eine Frist zu bestimmen, binnen welcher die verschiedenen Regierungen über ihre Entschliessungen bezüglich der von ihren Abgesandten gegebenen Abstimmungen, sowie über die Folge, die sie diesen zu geben gedächten, Mittheilung machen möchten.

H. Kern wünschte, dass die Frist bis an’s Jahresende, oder wenigstens bis zum Monate November, sich erstreckte, um die Entscheidungen der Regierungen nicht zu sehr zu drängen.  Nach Ablauf dieser Frist wäre übrigens nach seiner Meinung nicht die ganze Conf. neuerdings zu berufen; vielmehr genügte es, wenn die französische Regierung diejenigen Staaten, welche die Absicht unmittelbaren Eintritts in eine Unterhandlung kundgaben, einlüde, Abgeordnete zu einer neuen Conf. zu schicken.

H. R. v. Artom und H. Wallenherg beantragen die Frist von 3 Monaten.

H. Ruggles bemerkt, die Regierung der V. St. könne vor Prüfung der Frage durch den Congress, dessen Sitzung aber vor dem 1. Decb. d. J. nicht beginne, keine bestimmte Antwort geben; folglich beantrage er, das Ende der Frist auf den 15. Mai 1868 festzusetzen.

H. Meinecke wird sich beeilen, der preussischen Regierung alsbald nach Beendigung der Arbeiten der Conf. Bericht zu erstatten; er ist überzeugt; dass seine Regierung sich beeilen werde, zu antworten, nur sieht er voraus, dass diese Antwort nicht werde eine bestimmte sein können, wenn nicht eine hinlängliche Frist würde festgesetzt werden, weil seine Regierung die Frage nicht entscheiden könne, vor Einvernehmung der Staaten des Norddeutschen Bundes, sowie der Regierungen, welche Mitunterzeichner des Vertrages v. J. 1857 gewesen.

H. v. Hermann schliesst sich für Bayern diesen Bemerkungen an.

H. Vrolik wünschte einen mehr als dreimonatlichen Termin; Holland könne sich nicht erklären, bevor es nicht die Absicht der deutschen Staaten kenne.

H. Gr. v. Avila hält für geeignet, so viel als möglich Alles zu vermeiden, was dem freien Entschlusse der Regierungen Eintrag thun könnte.  Der französischen Regierung wäre die Aufgabe zu überlassen, den verschiedenen Staaten die Abstimmungsergebnisse der Conf. mitzutheilen, ihre Antworten in dem kürzesten Termine zu erbitten, die Antworten zu sammeln und dann, wenn nöthig, eine neue Conf. zu berufen; das dürfte der zweckmässigste Geschäftsgang sein.

H. Kern stimmt diesem Antrage bei mit dem Beifugen, dass wegen dieser Zusammenberufung die französische Regierung sich vorher mit den andern Staaten, welche den Vertrag v. J. 1865 mitunterzeichnet, sich würde benehmen müssen.

H. v. Jakobi ist der Meinung, die Staaten, welche diese Acte unterzeichneten, sollten nur eine einzige Gruppe bilden und sich zur Abgabe nur Einer Antwort unter einander verständigen.

S. kais. Hoheit sieht keine Schwierigkeit, dem Antrage des H. Gr. v. Avila zu entsprechen, ist auch mit den Bemerkungen der HH. Kern und v. Jakobi einverstanden; aber es dünkt Ihnen doch nichtsdestoweniger zweckmässig, eine bestimmte Frist festzusetzen.

H. Herbet schlägt die Festsetzung eines aussersten Termines vor, mit der Befugniss, ihn abzukürzen, indem die in Staatsactionen häufig gebrauche Formel angenommen würde : »in einer Frist von sechs Monaten, oder, wenn thunlich, früher«.

HH. Fortamps und Wallenberg bleiben darauf, dass die Frist nicht gar zu lang sein soll.  Es sei nicht nothwendig, die Frage vor die Kammern der verschiedenen Länder zu bringen schon bevor die Regierungen ihre Absichten zu wissen gethan hätten.  Wie dies meistens geschehe, hätte zunächst die Unterhandlung statt, und der Staatsvertrag, welcher das Ergebniss davon wäre, könnte dann den Kammern nach den in jedem Staate bestehenden Verfassungsformen vorgelegt werden.

S. kais. Hoheit fragt die englischen Abgeordneten um die ihnen wünschenswerthe Frist.

H. Rivers-Wilson entgegnet, dass, je weiter der Zeitpunkt hinausgeschoben würde, desto mehr Aussicht bestehe, von seiner Regierung eine befriedigende Antwort zu erhalten; wölle man die Beschlüsse der englischen Regierung beschleunigen, so seien weniger günstige zu befürchten; er beantragt den 1. Juni.  Übrigens könne er von Seite England’s keinesfalls in einem mehr oder weniger langen Zeitraume eine endgültige Entscheidung versprechen.  Wenn die britische Regierung geneigt wäre überhaupt Maassnahmen zu treffen, so würde sie sich wahrscheinlich darauf beschränken, vor Allem eine Untersuchung anzustellen, und zwar entweder durch einen Ausschuss des Hauses der Gemeinen oder durch eine Regierungscommission.

H. Ruggles beharrt auf dem 15. Mai 1868.

H. Herbet bemerkt, dass, wenn ein Staat vor Ablauf der durch die Conf. festgesetzten Frist den Wunsch, auf die erweiterten Grundlagen des Vertrags v. J. 1865 hin zu unterhandeln, kundgäbe, nichts entgegenstünde, dass er sofort mit einem der Vereinsstaaten in Unterhandlung träte.

S. kais. Hoheit bringt nach diesen Erörterungen folgenden von H. Parieu verfassten Autrag zur Abstimmung :

»Alsbald nach Empfang der Antworten der verschiedenen Staaten auf die ihnen durch die französische Regierung officiell über das Conferenzergebniss zu machende Eröffnung wird diese Regierung, je nach den ihr zugekommenen Antworten, gegebenen Falles eine neue Conferenz zusammenberufen.

Es wäre wünschenswerth, diese Antworten vor dem künftigen 15. Februar zu erhalten.«

Der erste Absatz dieses Vorschlages wird mit Stimmeneinheit angenommen.

Die Abstimmung über den zweiten Absatz führt zu folgenden Ergebnissen :

Für den 15. Februar 1868 stimmen Baden, Bayern, Dänemark, Niederlande, Portugal (mit dem Beisatze »oder, wenn thunlich, früher«), Preussen, Russland (mit Portugal’s Beisatz), Schweiz, Türkei, Würtemberg.

Für den 1. Oktober 1867 stimmen Österreich, Belgien, Italien, Schweden, Norwegen.

Die Vereinigten Staaten stimmen für den 15. Mai 1868, Grossbritannien für den 1. Juni 1868.

Frankreich und Spanien enthielten sich der Abstimmung.  H. Gr. Nava de Taio erklärt, dass er wegen Mangels an Instruction Seitens seiner Regierung nicht stimmte; er zweifle jedoch nicht, dass Spanien sich bereitwillig der Abstimmung der Mehrheit anschliessen werde.

Da die Conf. alle Fragen, über welche sie sich auszusprechen berufen war, erledigt hat, so drückt S. kais. Hoheit den HH. Abgesandten seinen Dank für das einsichtsvolle Zusammenwirken aus, womit sie ihn unterstützt haben.

Hierauf kam man überein, dass die Conferenz sich noch ein letztes Mal versammle, um das Protokoll der gegenwärtigen Sitzung zu genehmigen und um die Vorlesung des Berichtes anzuhören, den Herr von Parieu gefälligst übernommen hat der Conferenz zu übergeben.

Die Sitzung wurde um 11 Uhr aufgehoben.

 

Achte und letzte Sitzung. Samstag den 6. Juli 1867

 

Unter Vorsitz S. kais. Hoheit des Prinzen Napoléon

Eröffnung um 1 Uhr.

Gegenwärtig : HH. Abgeordneten der letzten Versammlung und H. Delyanis; abwesend : HH. Kern, Vrolik, v. Villa-Maïor, Meinecke und Graham.

S. Exc. Mihran-Bey-Duz, Mitglied des Grossjustizrathes, Vorstand der Münze zu Constantinopel, Abgesandter der ottomanischen Regierung, dessen Ankunft in Frankreich sich verzögert hatte und der provisorisch durch H. Oberst Essad-Bey vertreten war, nimmt unter den Conf.-Mitgliedern Platz.

Nach Genehmigung des vorigen Sitzungsprotokolles liest, auf Einladung durch S. kais. Hoheit, H. v. Parieu den ihm in der letzten Sitzung zur Abfassung übertragenen Bericht vor, wie folgt :

»Monseigneur und meine Herren !

Als die französische Regierung im Decb. v. J. an die verschiedenen hier vertretenen Regierungen, unter Mittheilung des Staatsvertrages v. 23. Decb. 1865, einen Aufruf ergenen liess und ihre Aufmerksamkeit auf den grossen Gedanken der Münzeinheit lenkte, wurden die Mittheilungen gleich Anfangs mit einer gewissen Bedenklichkeit über mehre Punkte aufgenommen.

Man ist vielleicht seit zu langer Zeit gewöhnt, viele grosse Gedanken in’s Reich der Traume zu verweisen, Gedanken, die nur im reinen Denken ihren Halt zu haben scheinen, und die man sich ergeben hat erstickt zu sehen von den Vorurtheilen und von der blinden Manier, das Bestehende als unveränderlich zu betrachten; andrerseits muss man zugebend fragen : Wo gibt es ein gemeinnütziges Unternehmen, zu dem nicht das Bewusstsein der Übereinstimmung über den Zweck und über die hauptsächlichsten Mittel bei denen, welche mit der Ausführung betraut werden können, unerlässlich ist ?

Insbesondere lagen in der Münzfrage verschiedene Punkte, bezüglich deren die Schwierigkeit der Lösung eben so sehr aus den Meinungsgegensätzen der Wissenschaft als aus der Erwägung der Vergangenheit erwuchs.

Der Gedanke der Münzeinheit dammerte lange in den frommen Wünschen der Dichter und Ökonomisten.  Die Vermittler des Vertrages v. 23. Decb. 1865 griffen indess, ermüthigt durch den Erfolg ihres Werkes, den praktischen Gedanken der Ausdehnung desselben mit Wärme auf, und es war für die Regierung, die in der Conferenz v. J. 1865 den Vorsitz hatte, Angesichts des Erfolgs, den der zwischen Frankreich, Belgien, Schweiz und Italien geschlossene Münzverein, trotz der ungünstigen wirthschaftlichen Lage durch den Zwangscurs des Papieres, dem Einer der Vereinsstaaten sich bald unterziehen musste, hatte – schwer, nicht in der Überzeugung des Jahrhunderts ihren Stützpunkt für ausgedehntere Annäherungen im Münzgebiete zu suchen.

Die kaiserl. Regierung sah mit einer Befriedigung, welche der H. Minister der auswärtigen Angelegenheiten Ihnen ausdrückte, den Eifer, womit alle souverainen Staaten Europa’s und die Regierung zu Washington den Beschluss fassten, Abgesandte zu der ihnen vorgeschlagenen Conferenz zu senden.  Dadurch dass die kaiserl. Regierung dieser Versammlung einen Präsidenten gab, dessen grosser Name, hohe Stellung, bekannte Unpartheilichkeit und entschiedene Stimmung für Münzeinheit unseren Erörterungen einen Glanz und ein Ansehen verliehen, die wir mit eigenen Kräften nicht hätten erreichen können, dankte sie Ihnen besser, als wir es mit Worten thun könnten, für die ernste Aufnahme, die Sie alle, ausgezeichnete Männer theils durch den Ruf Ihrer diplomatischen Verdienste, theils durch Ihre staatswirthschaftlichen Kenntnisse, theils durch die technische Erfährung im Münzwesen, den Ideen, zu deren Prüfung Sie berufen wären, angedeihen liessen.

Was sollte jedoch der bestimmte Zweck Ihrer Gesammtberathung sein ? welche Art Fragen sollte sie umfassen ?  Das war der erste Gegenstand Ihrer Erwägungen, m.H., die für den Erfolg ihres Zusammentritts entscheidende Aufgabe.  Konnte die kaiserl. Regierung auch das Studium hiefür vorbereiten, so dürfte sie doch nicht für sich selbst die Ziele festsetzen.

Die Münzwissenschaft ist umfassend, viele ihrer Aufgaben waren schon Gegenstand gelehrter Kämpfe.  Man durfte keine derselben umgehen und musste gleichwohl vor Allem an den Sinn für das praktische Leben, der allein lebenskräftige Lösungen schafft, und welcher in der uns beschäftigenden Frage einen ganz besondern Werth hat, sich wenden.  Man sagte schon am deutschen Handelstage zu Frankfurt im J. 1864 : Die Münzfragen sind vor Allem praktische Fragen.

Eine Frage, die sich als Hauptfrage zur Prüfung aufdrängte, war die über die Münzwährung.

Die Gesetzgebung der Welt scheidet sich in dieser Hinsicht, wie Sie wissen, in drei verschiedene Systeme : in die Herrschaft der Goldwährung, die der Silberwährung und die der Doppelwährung.

Es war unerlässlich, zu wissen, in welcher dieser drei Gestaltungen gewissermassen der Punkt der Reife des Münzsystems stecke, jener Höhepunkt, in dem man die endgültige Formel, die Grundlage der wünschenswerthen Einheit finden könnte.

Unter dem Gewichte dieser Erwägungen wurde die Reihe jener Fragen beschlossen und von Ihnen als Grundlage Ihrer Arbeiten angenommen, welche eine Commission von sieben Mitgliedern vorgelegt hatte, bei deren Zusammensetzung alle Systeme gleichmässig ihre Vertreter hatten.

Dieses Questionnaire (Fragenverzeichniss), um einem Neologismus in unsere Geschäftssprache aufzunehmen, wurde von ihnen einhellig angenommen in folgenden Sätzen.

Obwohl kein Gedanke von Ausschluss bei Fassung dieser Programmes obwaltete, so ist doch merkwürdig, dass die Verhandlung darüber, welche fünf ihrer Sitzungen ausfüllte, Sie nicht veranlasste, einen namhaften Zusatz zu machen; im Gegentheil wurden die 10. und 11. Frage von Ihnen als zur Vertagung geeignet befunden, obwohl der Grundsatz der Aufsicht an sich als zum Gedeihen der gewünschten Münzvertrage als unentbehrlich erachtet ward; und die 12. Frage gab zu keiner speciellen Andeutung Anlass.

Die Gesammtheit der Conf.-Beschlüsse ward gehalten und getragen von dem Wunsche und Verlangen, dass die Annäherungen in Bezug auf Münzvorschriften, welche für die Zukunft angenommen werden könnten, so bald als möglich zu Staatsverträgen sich ausbilden möchten, welche die Staaten wechselseitig binden und sie so zu sagen gegen ihre eigenen Unbeständigkeiten beschirmen.  Das lnteresse der Staaten, deren Systeme näher werden gerückt werden sollen, ist offenbar das, sich durch wechselseitig gewährleisteten Curs ihrer Münzen die staatlichen Vortheile gänzlicher Annäherung ihrer Münzgrundformen zu verschaffen.

Aus diesem Grunde und mit Rücksicht auf die Zukunft, dachten Sie nicht, dass der gegenseitige Curs »an den öffentlichen Kassen«, nach der im J. 1865 gewählten Formel, den Endzielen einer Münzeinheit bereits vollständig entspreche, und Sie dachten, ungeachtet einiger den Protokollen einverleibten Vorbehalte, dass der »gesetzliche Curs« als das letzte Wort der Einheitsbestrebungen betrachtet werden müsse.

In der Hauptsache vereinigen sich die ersten neun Fragen, welche Sie in fünf Sitzungen beschäftigten, in drei allgemeine Sätze, welche vielleicht zu abstract gewesen wären, um an die Spitze einer Verhandlung gestellt zu werden, welche ich aber, mit ihrer Erlaubniss, in dieser flüchtigen Umschau, deren Abfassung Sie für nützlich hielten, auf ihren einfächsten Ausdruck zurückführen will.

Soll die Forschung nach der Münzeinheit, über deren Vortheile alle Welt einig ist, über deren Schwierigkeiten und Unbestimmbarkeit des Zeitpunkes der Verwirklichung man jedoch unmöglich die Augen verschliessen kann, bewerkstelligt werden :

durch Schaffung eines neuen a priori aufgebauten Münzsystems
oder durch strenge Anklammerung an eines der schon vorhandenen Systeme
oder nur durch freigestellte Anpassung und Erweiterung, auch künftige Verbesserung eines der schon praktisch gewordenen Systeme ?

So beschaffen war die Aufgabe nach ihren drei Abzweigungen, welche Sie zu lösen hatten.

Mit Einstimmigkeit der Staaten, deren Vertreter Sie sind – ausgenommen Belgien, das mehr aus Grundsatz als wegen ausschliessender Ansicht anderer Meinung war – glaubten Sie mit dem Gedauken, ein ganz neues System zu schaffen, sich nicht aufhalten zu sollen, meinten auch, ein solches Unterfangen könnte nebenbei die Vertagung der so wünschenswerthen Münzvereinbarungen auf unbestimmte Zeit in sich bergen.

Dieses System wäre wahrscheinlich gegründet worden auf die Annahme eines gerundeten Decimal-Goldgewichtes als Einheit.  Sie haben nicht zugegeben, dass diese absolute Regelmässigkeit, deren Werth in der Theorie ganz unbestreitbar ist, erreicht werden könnte ohne beträchtliche Übergangsschwierigkeiten, ohne tiefgreifende Verwirrung alles dessen, was man »eingewurzelte Gewohnheiten« nennt, Gewohnheiten, denen man Rechnung getragen, wie man darauf auch Rücksicht nahm sogar bei der systematischen Aufstellung des »Silberfranks« als Münzeinheit in Frankreich, welcher dem »Livre von Tours« des frühern Regiments beinahe nachgeprägt ist.

Anstatt nach Schaffung eines neuen Systems für alle Münzen zu forschen, zogen Sie es vor, ihr Augenmerk auf das System des Münzvereines, der am 23. Decb. 1865 zu Paris abgeschlossen wurde, zu richten, welches zugleich, da es inzwischen auch zu Rom und Athen angenommen wurde, durch ein höchst merkwürdiges Zusammentreffen bestimmt scheint, den grössten Theil der Länder, in denen gegen Ende der alten Geschichte die Civilisation auf verschiedenen Wegen den Umfang ihres ersten Kaiserreiches gebildet hatte, neuerdings zu vereinigen.

Das feste Band, das dieses System mit den metrischen Gewichten für seine Silberstücke, sie mögen als bestimmte Währung oder als Scheidemünze betrachtet werden, bewahrt; die überwiegende Bevölkerung (72 Mill. Einw.), welche daran gewöhnt ist und sie liebgewonnen hat, liessen Sie in diesem wichtigen Punkte, über den die französischen Vertreter sich zurückhalten mussten, zu dem Gedanken kommen, dass dieses System als Mittelpunkt der Angleichung und des Anschlusses zu wählen sei, um welchen verschiedene Gruppirungsversuche mit Aussicht auf Erfolg angebahnt werden könnten.

Aber Sie wollten dieses System doch nicht als unveränderlich und vollkommen betrachten.

Vor Allem nahmen Sie in Betracht, dass es durch verschiedene Vereinigungen biegsamer und umfassender gemacht werden könnte, ohne dass man eine absolute Gränze ziehen müsste, und dass, wenn seiner hier als »Frank« bezeichneten Münzeinbeit jetzt schon verschiedene Namen gegeben wurden, an einem Orte »Livre« (lira), an einem andern sogar »Drachme«, eine noch grössere Erweiterung könte als thunlich augenommen werden, namentlich was den Werth der Einheitsmünze betrifft.

Die meisten civilisirten Völker haben höhere Münz-Rechnungseinheiten als den Frank; der Piaster, Thaler, Rubel, Dollar, diese vier Münzen, dem Ursprung oder dem Namen [1] nach verschwistert, sind ungefähr das Vierfache oder das Fünffache der im Vertrage v. J. 1865 aufgestellten Münzeinheit.

Wenn die Gulden Deutschland’s und Holland’s, wenn die gegenwärtigen Thaler Spanien’s weniger vom Frank unterschieden sind, so hat andrerseits die reiche britannische Civilisation ihre Rechnungseinheit noch weit höher erhoben.

Hat auch der kleine römische Staat seinen Thaler (scudo), analog dem Piaster und Dollar, in Franken umgewandelt, so hat es doch noch seine Schwierigkeiten, die Hoffnung, dass in den volkreichsten und bedeutendsten Staaten alle von uns eben genannten Rechnungseinheiten – sofort wenigstens – in das System vom 23. Decb. 1865 eintreten, verwirklicht zu sehen.  Sie dachten daher, es genügte, um nur überhaupt jetzt schon etwas sicher zu erreichen, dass gewisse Vereinbarungen aus dem Anschlusse der Rechnungseinheiten oder des Geldumlaufes am einen gemeinschaftlichen Nenner herum, welcher vom Systeme vom 23. Decb. 1865 entlehnt wäre, herauswüchsen.

Hätten Sie nur an die Silbermünzen gedacht, wäre dieses Metall von ihnen als Grundlage der gesuchten Münzeinheit angenommen worden, so hätte es genügt, in dieser Beziehung auf die Zweckmässigkeit, alle Systeme in Stufungsverhältnisse mit dem Franken, als gemeinsamen Nenner, zu bringen, hinzuweisen.  Könnte aber der Silberfrank der Ausgangspunkt von Angleichungen, von Gleichmessungen, von Werthsvereinigungen sein, die man wünschen muss in Münzsystemen, deren durchgängige Annäherung wir für die Vereinfachung des Geldaustausches, für die Erleichterung des Handels, für Reisen, für finanzielle, statistische und wissenschaftliche Vergleichungen sehen mochten ?

Das war – bis zu einem gewissen Punkte – die Hauptfrage, worüber Sie Sich auszusprechen hatten.

Hier trat das Studium der Gesetze heran, welche die Münzmetalle in Verhältniss setzen mit dem Reichthume der Bevölkerungen, und welche schon zweimal auf die Entwicklung des Münzsystemes auf dem Erdkreise entscheidend gewirkt zu haben scheinen, Gesetze, deren Fortdauer von dem grossen geschichtlichen Umsturze gebrochen wurden, die die alte Civilisation von der neuen durch eine Zwischenperiode der Dürftigkeit und Barbarei abschied, deren Wiedererscheinen aber nach 18 Jahrhunderten auffallend erscheint.

Als der römische Dichter zu Augustus’ Zeiten das Übergewicht, welches das Gold im Metallumlaufe seiner Zeit erhalten hatte, bekunden wollte, rief er aus :

Æra dabant olim, melius nunc omen in auro est
Victaque concedit prisca moneta novae
[2].

Vom Mittelalter bis zu unseren Tagen hat die Umwalzung – welche Ovidius mit etwas unvollständigen Ausdrücken und ohne der wichtigen Dazwischenkunft des Silbers zu erwähnen, zufolge der Ungenauigkeit, die den gedrängten Formen des dichterischen Satzbaues anzukleben pflegt – sich in viel mächtigeren Formen, mit besonderen mineralogischen, industriellen und Handelsumständen wiederholt.  Kein Einfall von Barbaren schien je den Strom dieser allmähligen Bewegung hemmen zu können, welcher in Europa während der letzten Jahrhunderte in einem grossen Gebiete des Geldumlaufes das Eisen und das Kupfer durch das Silber verdrängt hat, und dieses durch das Gold.

Letzteres Metall wurde im grössten Theile der civilisirten Staaten Europa’s und Amerika’s das hauptsächlichste Mittel des Verkehrs; die Bequemlichkeit es zu tragen und sein Widerstand gegen Abnützung empfehlen es vorzüglich als Stoff für die Münzeinheit.  Als der Vertrag v. 23. Decb. 1865 geschlossen wurde, wollten drei der Vereinsstaaten, dass die Goldwährung der ausschliessliche Träger des Vereinssystems sein solle; schon im vorigen Jahrhunderte bezeichnete ein Gelehrter [3] aus jenem Deutschland, dessen Denker selten einer grossen Idee fehlten, das Gold als das Metall, das bestimmt sei, das Band der Münzsysteme der Welt zu bilden.

Mit einer höchst merkwürdigen Einhelligkeit hat, zu einer Zeit wo eine vorgängige Bedingung zu Meinungsgleichheit weder gesucht noch geahnt worden war, diese Ihre Versammlung, obwohl unter zwanzig von Ihnen vertretenen Staaten nur zwei sind, in denen das Gold die Normalmünze bildet, dennoch in der Goldwährung (allerdings mit dem Silber als Übergangsbegleiter wo es nöthig ist), die Grundlage für die Münzeinheit der Zukunft suchen zu müssen geglaubt.

Die Conf. sprach sich also im Principe für die Einheit der Goldwährung aus, indem sie gleichwohl die Doppelwährung als durch vorübergehende Gründe ihres Bestehens, die in der Gesetzgebung gewisser an dieses System gewöhnter oder bisher unter der Herrschaft ausschliesslicher Silberwährung gestandener Staaten liegen, gelten liessen.

Diese vielwerthe Einhelligkeit über eine die weitere Ausbildung des Münzsystems nach Vertr. v. J. 1865 bezielende Grundfrage kann nicht ermangeln Einfluss zu üben auf die Ansicht des Publicum’s und jener Fachmänner, welche im Schoosse jeden Staates Zweifel über diese Zukunftsfrage bewahren möchten.

Nachdem nun das Gold als Grundlage der gesuchten Vereinigung angenommen war, war es nur mehr durch einen gemeinsamen Nenner, der höher als der Frank ist, möglich, zweckmässige Angleichungen und fruchtbare Vereinigungen zwischen den zu nähernden Systemen zu erzielen; denn in den Goldmünzen könnten zu geringe Unterschiede durch das Verfahren der Münzung nicht sicher unterschieden werden, und schon der einfache Unterschied von 5 Fr. kann sich manchmal schwierig erweisen für genügende Darstellung durch die ausseren Formen der Münzscheiben.

Das Gewicht von 5 Fr. in Gold zu 9/10 fein, ein ebenfalls einstimmig beliebter Feingehalt, der auch in den Bestimmungen des Vertrags v. J. 1865 enthalten ist, erschien sohin als der Nenner, der weiter als Grundlage der gewünschten Vereinigungen unter den Münzsystemen der 20 vertretenen Staaten dienen sollte.  Die Vereinsmünzen v. 1865 sind bekanntlich schon um diesen Nenner gruppirt.

Um ein Beispiel zu gebrauchen : man zeigte, welchen Vortheil eine Münze zu 25 Fr. haben könnte, die sich dem Pfd. Sterl., dem Halbadler zu 5 Dollars und, einer in der Wiener Conf. angenommenen Münze zu 10 fl.-Werth näherte; von den darüber stimmenden Staaten wurde diese besonders von Österreich und den V. St. empfohlene Münze einstimmig angenommen in der Verhandlung über die 9. Frage, jedoch in facultativer Eigenschaft.

Mehr auseinandergehend waren unter Ihnen die Meinungen, sie haben sich sogar in zwei gleiche Parthien auseinander geschieden, über die Zweckmässigkeit, schon jetzt eine Münze zu 15 Fr. anzuempfehlen, welche nahe käme 7 fl. niederländisch oder süddeutsch, und 4 Thlr. norddeutsch.  Ohne diese Münze wie jene zu 25 Fr. zu befürworten, dachten Sie doch fast einstimmig, wenn die Umstände sie erwünscht machen, so lage in ihr – die Schwierigkeit genauer Anfertigung abgerechnet – kein erheblicher Widerspruchsgrund.

Die vorsorgliche Ausdehnung der zulässigen Formen der Goldmünze würde folgeweise fur jene Staaten, die es wünschten, entsprechende Ausdehnungen für die Abtheilung ihrer Silbermünzen mit sich führen, was aber für den Staatenverkehr weniger Bedeutung hat.

Dies, Monseigneur und meine Herren, sind die einfachen, aber lehrreichen und bestimmten Grundlagen, die Sie annehmen zu müssen glaubten, eine Art Belagerungsplan gegen jene Festung der Münzverschiedenheit, deren Mauern Sie vor den täglich wachsenden Bedürfnissen des Handels und Verkehres jeder Art unter den verschiedenen Gliedern der Menschenfamilie fallen oder wenigstens allmählig schwinden sehen mochten !

Der Wunsch, Sie nach dreiwöchentlichem Beisammensein nicht länger mehr aufzuhalten, wird die Unvollständigkeit dieses in der Eile geschriebenen Überblicks entschuldigen.  Meine Herren ! ich gemahne Sie hiebei noch der bereits durch Sie empfangenen Hoffnung, zwischen jetzt und Mitte Februar 1868 von Seite der Regierungen, welche Sie zu dieser Conferenz abgeordnet haben, entscheidende Schritte [4], oder doch maassgehende Einleitungen, welche Entscheidungen vorbereiten, zu erhalten.

Sollte es Ihnen glücken, seinerzeits in Ihren Kreisen die Keime unserer Bestrebungen fruchtbringend zu machen – Bestrebungen, erleuchtet und segensvoll, frei von jener beklagenswerthen Vergeltungssucht, die sich oft an die lockendsten Reformen anklammert, Bestrebungen, in deren Verfolgung wir uns, wie Sie, beseelt erachten vom ächten Geiste der Neuzeit und der Menschenbildung – dann werden Sie Sich mit Ehre, hoffe ich, an jenen Antheil erinnern, den Sie an jenen heikeln, wissenschaftlichen Verhandlungen gehabt, und an jenes Hochgefühl, das wir bei unserem gemeinschaftlichen Verfolgen derselben empfunden haben, unter denkwürdiger Vorstandschaft, so übereinstimmend und leicht, wie nur die Abgeordneten ein und derselben Nation in gemeinsamer Berathung hätten erwarten dürfen.

Der Vicepräs. der internat. Münzconferenz :

E. von Parieu.«

Nach Austausch einiger Bemerkungen wurde die Berichterstattung des H. v. Parieu einstimmig genehmigt.  Hierauf sprach H. B. v. Hock Folgendes :

»Monseigneur !

Namens der auswärtigen Conferenzmitglieder habe ich die Ehre, Ihnen unsere aufrichtigste Anerkennung für die Weisheit, Sachkenntniss, Ausdauer und Kraft, womit Sie unsere Arbeiten leiteten, darzubringen, sowie auch unsern ehrerbietigsten Dank für die Güte und Nachsicht, womit E. Hoheit unsere Erörterungen und Berathungen aufzunehmen geruhten.  Erlauben Monseigneur, dass wir auch unsere Dankbarkeit Herrn v. Parieu beweisen, der unsere ersten Conferenzen leitete und sodann Euerer Hoheit mit so viel Klarheit und Umsicht beistand.  Wir verehren in ihm einen Miturheber des Vertrags v. 23. Decb. 1865, bestimmt, die Grundlage eines Weltmünzvereins zu werden, und einen Schriftsteller, der durch seine beredten und gründlichen Abhandlungen seinen bedeutenden Antheil an der Verbreitung dieser edlen und erleuchteten Idee hatte, und der durch seinen heutigen ausgezeichneten Bericht sich zum Vorkämpfer unserer Versammlung machte.

Mir liegt noch ob, den HH. Conf.-Secretären Clavery and Roux für die Klarheit und Genauigkeit, womit sie unsere Reden den Protokollen einverleibten, zu danken.

Mögen E. Hoheit überzeugt sein, dass die Stunden, die es uns gegönnt war unter Ihrer erlauchten Vorstandschaft zuzubringen, stets zu unseren kostbarsten Erinnerungen gehören werden.  Wir wagen, Sie, Mons., zu bitten, der Überbringer unseres ehrfurchtsvollsten Dankes bei S. M. dem Kaiser, dessen Name über allen grossartigen Schöpfungen in Frankreich leuchtet, zu sein.«

Mons. Prinz Napoléon drückt seinen und des ganzen Bureau Dank für die von H. B. v. Hock eben bekundeten Gesinnungen aus mit dem Beifügen, er werde mit Vergnügen beim Kaiser der Dolmetscher der Commission sein, deren Arbeiten beständig der Gegenstand lebhafter Sorgfalt von Seite Sr. Maj. des Kaisers waren.

Schliesslich legt S. Hoheit den HH. Abgesandten in dringlichen Ausdrücken an’s Herz, sobald sie nur zurückgekehrt in ihre Länder, sogleich all’ ihren Einfluss und ihre Energie aufzubieten, damit die von ihnen gefassten Beschlüsse zu einem praktischen Endziele gelangten.

Nach hierauf erfolgter Genehmigung des Protokolles der gegenwärtigen Sitzung spricht S. kaiserliche Hoheit den Schluss der Arbeiten der Conferenz aus.



[1]    Das Verhältniss des Piasters zum Dollar wurde festgestellt durch verschiedene amerikanische Urkünden, besonders durch das Ges. v. 2. April 1792, welches, wenn der Inhalt mir genau mitgetheilt wurde, den »spanischen geprägten Thaler« (the Spanish milled dollar) als Einheit des amerikanischen Münzsystems annahm.

Tooke gibt in seinem Büche über Russland (Bd. III., S. 665) das Verhältniss zwischen dem Piaster und dem Rubel, der von der spanischen Münze abgeleitet sein soll, an.

[2]    Erz war Münze dereinst, in Gold ging nen ein Gestirn auf, und das veraltete Geld räumet dem Sieger das Feld.

[3]    Hegewisch, Professor in Kiel, königl. dänischer Staatsrath.

[4]    In Österreich hat eine zahlreiche Commission im J. 1867 unter Vorsitz des H. B. v. Hock die Münzfrage in ihrem Zusammenhange mit dem Gedanken der Münze für die Völker erörtert.

 

 

 

Übersicht  des  Conferenzresultates  nach  dem  Fragenprogramme  mit  den  gemachten  Änderungen

 

Fragen Abstimmung

1.

Auf welchem Wege ist eine Münzeinheit am Leichten zu verwirklichen ?

 
durch Schaffung eines ganz neuen Münzsystemes, unabhängig von allen (dermal) bestehenden ? und welche wären in diesem Falle die Grundlagen dieses Systemes ? Verneinende Abstimmimg mit Einstimmigkeit.
oder durch gegenseitige Vereinigung der bestehenden Münzsysteme, mit Berücksichtigung der wissenschaftlichen Vortheile gewisser Grundformen und der Zahl der Völkerschaften, welche dieselben schon angenommen haben ? Bejahende Abstimmung mit Stimmeneinheit.
welches Münzsystem könnte in diesem Falle, vorbehaltlich der Verbesserungen, deren es empfänglich ist, vornämlich in Betracht gezogen werden ?   Das System des Münzvertrages v. J. 1865, einstimmig bezeichnet, jedoch mit Vorbehalt gesonderter Abstimmung über die Währungsfrage.

2.

Ist es möglich, sofort eine Übereinstimmung oder theilweise Berührungspunkte der Münzfusse für ein ausgebreitetes Gebiet auf Grundlage und Voraussetzung der Annahme ausschliesslicher Silberwährung festzustellen ?



Mit Stimmeneinhelligkeit verneint.

3. (Mit Zusatz)

Ist es dagegen möglich, denselben Zweck zu erreichen auf Grundlage und Voraussetzung der Annahme ausschliesslicher Goldwährung, wobei jedem Staate freisteht, die Silberwährung übergangsweise beizubehalten ?  


Mit Ja beantwortet durch alle Stimmen, ausgenommen der für Niederlande.
4. (Doppelwährung) Beseitigt, beziehungsweise verneint, durch die bejahende Beantwortung der 3. Frage mit dem entsprechenden Zusatze.
5. (Silberwährung mit beliebiger Beibehaltung des Goldes)
6. (Goldwährung mit beliebiger Beibehaltung des Silbers)

7. (Statt dieser Frage auf H. B. v. Hock’s Vorschlag)

Der Vortheil der Internationalität, welchen die aus dem als gemeinschaftlich angenommenen Währungsmetalle geprägten Münzen erreichten, wäre keine hinreichende Burgschaft, dass sie in jedem Staate im Umlaufe bleiben, sondern es wäre nothwendig, ausserdem zu vereinbaren, dass in den Ländern, welche bisher Silberwährung allein hatten, sowie in jenen, welche Doppelwährung haben, das Werthsverhältniss zwischen Gold and Silber nicht auf einem zu geringen Fusse festgesetzt werde, damit die wirkliche Einführung des Goldes statthabe. 


Ausser Preussen, das sich der Abstimmung enthielt, und den Vereinigten Staaten, welche sich die nachträgliche Stimmgebung vorbehielten, einstimmig angenommen.

8. (Dafür nach H. v. Parieu’s Vorschlag)

Soll man Typen aufstellen, welche einen gemeinschaftlichen Nenner für das Gewicht der Goldmünzen haben mit einem gleichen Feingehalt ?



Bejaht mit Stimmeneinhelligkeit.

(Zur Abstimmung gebracht von S. kais. Hoh. dem Prinz Napoléon) :
Welcher soll der internationale Feingehalt sein, der zu 9/10 ? 

9/10 Feingehalt einstimmig angenommen (von England für den Fall einer Münzumprägung).
Soll der gemeinschaftliche Nenner 5 Fr. sein ? Bejaht; England, Preussen, Würtemberg und Baden stimmten nicht. 
(Neuer Zusatz). Sollen Goldmünzen mit dem gemeinsamen Nenner zu 5 Franken in den sich durch diesen Münzvertrag verbindenden Staaten gesetzlichen Curs haben ? Mit 13 Stimmen Bejahung, England und Schweden dagegen (Preussen, Bayern, Würtemberg, Belgien und Baden hatten jedoch nicht gestimmt).  

9.

Wäre es bei der Annahme der internationalen Goldwährung zweckmässig, dass die durch den Münzverein v. 23. Decb. 1865 festgesetzten Münzen, im Interesse der Münzeinheit und als Folge der Gegenseitigkeit durch neue vervollständigt würden, nämlich :

 
a) durch eine Goldmünze zu 25 Franken ? Mit Ausnahme von Preussen, Würtemberg und Baden, welche nicht stimmten, einstimmig bejaht.  
b) und durch eine Goldmünze zu 15 Franken ? Dafür 7 Stimmen (Frankreich, Spanien, Vereinigte Staaten, Griechenland, Niederlande, Portugal, Russland); dagegen 6 Stimmen (Österreich, Baden, Schweiz, Italien, Dänemark, Schweden); gar nicht stimmten 6 Staaten (Bayern, Belgien, Grossbritannien, Preussen, Türkei, Würtemberg).  

10. (Silber - und kleine Münzen betr.)

Entfällt der Berathung, als nicht zur internationalen Münzeinigung gehörig.

11. (Überwachungsmittel)

In die einzelnen Vereinbarungen, mit Zugrundlage der desfallsigen Bestimmungen in den Verträgen v. 1857 und 1865, verwiesen.

12. (Eventuelle Bestimmungen)

Einstimmiger Beschluss auf Streichung dieser durch die ersteren Beschlüsse gegenstandslos gewordenen Frage.

 

Ferner sprach die Conferenz einstimmig den Wunsch aus, dass die Maassnahmen, welche von den verschiedenen Regierungen zur Änderung ihres Münzsystemes im Sinne der durch die Conferenz angedeuteten Grundlagen getroffen werden wollen, so viel als möglich in diplomatische Vereinbarungen übergehen möchten.

Zuletzt wurde einstimmig beschlossen :

Alsbald nach Empfang der Antworten der verschiedenen Staaten auf die ihnen durch die französische Regierung officiell über das Conferenzergebniss zu machende Eröffnung wird diese Regierung je nach den ihr zugekommenen Antworten, gegebenen Falles eine neue Conferenz zusammenberufen.

 

 

 

 

 

 

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