Meine Herren !

Nachdem vor wenigen Tagen die feierliche Eroffnung dieser schonen, neu restaurierten Zunftstube der Kaufleutenzunft stattgefunden hat und Sie die Wünsche und Begrüssungen der befreundeten Zünfte entgegen genommen haben, ist es für mich eine ehrenvolle Aufgabe, die Reihe der Versammlungen vaterländischer und wissenschäftlicher Vereine, welchen Sie in Ihrem Zunfthause die Gastfreundschaft gewähren, mit meinem heutigen Vortrage eröffnen zu dürfen.

Und wenn nun der Vortragende der verwandten Zunft der Hausgenossen angehört, dem Sitz der ehemaligen bischoflichen Münzmeister, heute Vereinigung aller derer, die mit den edlen Metallen, Gold und Silber, sich beschäftigen, der Bankiers und Geldwechsler, wie der Goldschmiede – so werden Sie es gewiss billigen, dass ich mir als Thema meines Vortrages einen Gegenstand gewählt habe, welcher gleichsam ein Bindeglied bildet zwischen den beiden Zünften der Kaufleute und der Hausgenossen, und welcher für beide von gleich grosser Wichtigkeit ist : nämlich die Währungsfrage, welche heute mehr als je eine brennende geworden ist, und welche in allen Ländern für die gesetzgebenden Behörden, wie für die Geschäftswelt, auf der Tagesordnung steht.

Der internationale Bimetallismus

Der Name «Bimetallismus» ist eine Schöpfung neuesten Datums, deren Vaterschaft dem bekannten Pariser Financier und Publicisten Cernuschi zukommt.  Der Ausdruck ist an sich ein ungenauer; in dem Munde seines Vaters und dessen Gesinnungsgenossen nimmt er eine eingeschränktere Bedeutung an, als sich aus seinem Wortlaute folgern liesse.  Er bedeutet nicht schlechtweg die gleichzeitige Verwendung der beiden Metalle – Gold und Silber – zu Münzzwecken; denn über die Zweckmässigkeit, ja Nothwendigkeit dieser gleichzeitigen Verwendung besteht kein Streit, darüber sind wir Alle einverstanden.

Der früher citierte Geschaftsbericht der belgischen Nationalbank für 1885 spricht sich über diesen Punkt deutlich aus :

«L’experience de l’Union latine, que confirme celle de l’Allemagne et des Pays-Bas, nous montre à l’évidence, que si un seul des deux métaux peut être monnayé librement, et si la quantité des especès de l’autre est suffisamment restreinte, le premier sera seul étalon, l’autre n’ayant aucune influence sur les prix.  Malgré la force libératoire illimitée consacrée à l’argent dans l’Union latine, en Allemagne et dans les Pays-Bas, et la somme très considérable qui en reste dans la circulation proprement dite, l’étalon d’or y est une vérité aussi bien qu’en Angleterre.

«De là, cette conclusion : qu’il n’est point necessaire d’enlever aux pièces de cinq francs d’argent leur force libératoire complète : rien ne le réclame.

«Tous les intérêts se réunissent, pour que la situation actuelle soit conservée à cet égard.

«L’argent offre incontestablement des facilités et des avantages dans certains usages et dans certaines classes de la société; on les obtiendra, tout en ayant l’étalon d’or.»

Die belgische Bank geht hier offenbar mit ihrer Schlussfolgerung zu weit, wenn sie die dermalige Circulation von Silberthalern in den lateinischen Staaten und in Deutschland als einen normalen Zustand bezeichnet, der ohne Bedenken und unbeschadet dem Princip der Goldwährung fortdauern konne, während ich in ihrem heutigen Umfang einfach eine durch die Verhältnisse uns aufgedrungene Nothwendigkeit erblicke, welcher wir uns unterziehen müssen.  Aber so weit sind wir Alle einig, dass auch unter der reinen Goldwährung immer eine ansehnliche Summe von Silbergeld circulieren wird und circulieren muss – unter der doppelten Voraussetzung natürlich, dass die Ausprägung des Silbers nicht eine freie ist, sondern dem Staat allein zusteht, und dass die Summe des circulierenden Silbergeldes keine übermässige ist, sondern innerhalb der durch den nationalen Bedarf vorgezeichneten Grenzen bleibt.

Der Ausdruck «Bimetallismus» ist vielmehr gleichbedeutend mit Doppelwährung, im Gegensatz zu der einfachen Gold- oder Silberwährung.  Er bedeutet nicht nur die Gleichberechtigung der beiden Metalle als gesetzliche Zahlmittel und als Grundlage der Landeswährung (Étalon, Standard) zu einem durch die Regierung gesetzlich fixierten festen Werthverhältniss, speciell 1 zu 15 ½, sondern gleichzeitig auch das Recht unbeschränkter Prägungsfreiheit für beide Metalle.

«C’est à l’internationalité de l’argent à 15 ½ par rapport à l’or qu’il faut arriver.  Sans cette internationalité rien n’est fait.  Que nous importe que l’argent monte à 59 Pence ou qu’il tombe à 40, si Européens et Américains nous continuons à ne pouvoir ni monnayer librement ce métal, ni l’employer à nous payer les uns les autres.  Si même les petites combinaisons conseillées nous amenaient le cours de 59 Pence, il faudrait le regretter, par ce que la conversion de l’Angleterre au bimétallisme s’en trouverait retardée.  Il faut tout ou rien.»

In diesen Ausdrücken wies Cernuschi in der Sitzung der internationalen Münzconferenz vom 4. Juli 1881 gewisse Vorschläge des deutschen Delegierten für Hebung des Silberpreises zurück.  Herr Cernuschi hat den Glauben, und den Muth seiner Überzeugung; er steht zu seiner Fahne.

Die Grundlage und Quintessenz der bimetallistischen Doctrin lasst sich in Kürze in folgende Satze zusammenfassen :

1.  Der Staat hat das Recht und die Macht, Silber und Gold gleichzeitig als allgemeine Werthmesser aller  inge aufzustellen, und deren gegenseitiges Werthverhältniss nach Willkur festzusetzen.

2.  Das Gesetz vom 7. Germinal des Jahres XI (1803) bestimmte als Grundlage des französischen Münzsystems das bekannte Verhältniss von 15 ½ : 1.  Durch jenes Gesetz erwuchs und bestund dieses Verhältniss in Kraft während 70 Jahren in der ganzen civilisierten Welt, und es hätte ferner unverändert fortbestanden ohne das gewaltthätige Eingreifen der deutschen Münzreform.

3.  Der Zusammenbruch dieses festen Verhältnisses und die seither eingetretene successive Entwerthung des Silbers ist eine allgemeine Calamität.  Sie trägt die Schuld an dem Nothstand in der Industrie und der Landwirthschaft, an dem Sinken der Preise, dem Darniederliegen des Handels.  Wenn keine Hilfe eintritt, gehen wir einer Catastrophe, einer wirthschaftlichen Crisis entgegen, wie noch keine dagewesen ist und welcher Europa zuletzt erliegen muss.

4.  Die Abhilfe für all dieses Elend liegt in dem internationalen Bimetallismus, d. h. in der Wiederherstellung des festen Preisverhältnisses von Silber und Gold auf dem frühern Fusse von 1 : 15 ½, und der Wiederaufnahme der Silberprägungen in den Culturländern.

5.  Diese Wiederherstellung des alten Silberpreises wird unfehlbar erreicht durch eine Vereinbarung der Regierungen aller oder doch einer grossern Zahl von Culturlandern; und ein hierauf zielender internationaler Vertrag muss mit allen Kräften angestrebt werden.

Eine Prüfung dieser bimetallistischen Thesen ergiebt für mich folgende Resultate :

ad 1.

Der Werth oder Preis jedes Gegenstandes wird bestimmt durch das Verhältniss von Angebot und Nachfrage.  Das Angebot ist bedingt durch die Menge der Production, resp. die Productionskosten; die Nachfrage ist bedingt durch die Verwendung oder den Bedarf.  Gold und Silber unterliegen diesem Gesetz wie alle andern Gegenstände und machen hievon keine Ausnahme.  Auf das Angebot, resp. die Productionskosten von Gold und Silber übt der Staat keinen directen Einfluss; auf die Nachfrage, resp. die Verwendung der beiden Metalle kann der Staat allerdings einen bedeutenden Einfluss üben, je nachdem er sich des einen oder des andern derselben oder beider zugleich zu Münzzwecken bedient.  Da Angebot und Nachfrage, resp. Productionskosten und Verwendung für jedes der beiden Metalle besondern Bedingungen unterworfen sind, und daher auch besondern Schwankungen unterliegen, so muss auch das Werthverhältniss derselben zu einander ein veränderliches sein.  Da der Staat nur auf den einen der beiden massgebenden Factoren, nämlich auf die Nachfrage, einen directen Einfluss ausüben kann, nicht aber auch auf den andern Factor, das Angebot, so ist derselbe auch nicht im Stande, ein dauerndes, festes Werthverhältniss für die beiden Edelmetalle aufzustellen.

Es kann demnach im gleichen Zeitpunkt nur ein Werthmesser für alle Gegenstande (Standard) bestehen, entweder Silber oder Gold.  Der Staat bestimmt durch Gesetz Gewicht und Feingehalt der Münze, garantiert dieselben durch den Prägestempel und verleiht dieser Münze allgemeine liberatorische Zahlungskraft.  In früherer Zeit bildete vorzugsweise das Silber den Standard, heute ist es in den bedeutendsten Culturlandern das Gold.  Unter dem R2gime der Silberwährung cursierte das Gold als Handelsmünze, zu veränderlichem Werth, mit grosserm oder kleinerm Agio.  Unter der Goldwährung cursiert das Silber als Theilmünze (token money, monnaie fiduciaire) über seinem innern Werth; die Regierung garantiert in diesem Fall den Nominalwerth der von ihr ausgeprägten Silbermünzen und ihre Auswechslung gegen Gold.  Ein gleichzeitiges Nebeneinandercirculieren beider Metalle als Standardgeld hat trotz der gesetzlichen Doppelwährung faktisch niemals bestanden.  Das zu hoch gewerthete Metall hat stets das niedriger gewerthete verdrängt; letzteres wurde Handelsmünze und bedang Agio.

ad 2.

Die Absicht des Gesetzes vom Germinal des Jahres XI war, das Silber allein zur Basis des französischen Münzsystems zu machen.  Die «Disposition générale» am Kopfe des Gesetzes lautet : «5 Grammes d’argent, au titre de 9/10 de fin, constituent l’unité monétaire, qui conserve le nom de Franc.»

Wenn das Gesetz gleichwohl in seinen Detailbestimmungen die Ausmünzung von Goldmünzen zu 10 und 20 Franken zuliess und diesen im Verhältniss von 15 ½ : 1 gesetzliche Zahlkraft verlieh, so trug es einfach dem damals bestehenden Werthverhältnisse Rechnung.  Aber es lag nicht in der Absicht des Gesetzes, das Gold neben dem Silber als gleichberechtigte Unité monétaire, als zweiten Étalon aufzustellen; und ebenso wenig, dem obigen Werthverhältniss für alle Zeiten Geltung beizumessen.

Im Gegentheil erklärte der Finanzminister Gaudin in seiner Begründung des Gesetzes, es müsse zur Verhütung der Verschlechterung des Standard eine feste Grundlage für die Münzeinheit festgehalten werden, und fixierte als solche den Franken = 5 Gramm Silber 9/10 fein.  Die frühern französischen Könige hatten bekanntlich die Münzeinheit fortwährend leichter und schlechter gemacht, so dass in der Zeit von Karl dem Grossen bis Ludwig XIV. die Livre, das Pfund Silber, successive auf den 1/66 Theil ihres ursprünglichen Werthes reduciert worden war.  Am argsten trieb es Philipp IV., der Schone (1285-1314), welcher zur Strafe von Dante für alle Zeiten als Falschmünzer gebrandmarkt wurde [1]; er verdiente dies reichlich durch seine unsaubern Manipulationen, aber andere zeitgenossische Fürsten sowie ihre Nachfolger machten es nicht viel besser.  Gaudin fügte bei, dass wenn das Werthverhältniss der beiden Metalle mit der Zeit sich ändern sollte, so müsse das Gold eingeschmolzen und umgeprägt werden; und er fügte ferner bei – und der Verlauf hat ihm hiebei in merkwürdiger Weise Recht gegeben – dass voraussichtlich dieser Fall nicht vor Ablauf von ungefähr 50 Jahren eintreten werde.

Es ist nun nicht richtig, dass die Doppelwährung mit dem Verhältniss von 15 ½ auch nur in Frankreich 70 Jähre lang functionniert hat; sie bestund zu Recht auf dem Papier, aber faktisch existierte dieselbe fast gar nie.  Unter Louis-Philippe hat die französische Münze durchschnittlich nicht mehr als 12 Millionen Gold im Jahr ausgeprägt; der Vorrath an Goldmünzen in Frankreich, der zu Anfang des Jahrhunderts auf 800 Millionen geschätzt wurde, war 1848 auf 100 Millionen zusammengeschmolzen.  Allard sagt : «À ce moment (1845) l’or avait presqu’entièrement disparu.»  Wie kann man da von einem Functionnieren der gesetzlichen Doppelwährung reden, wo die Geldcirculation ausschliesslich aus Silber besteht ?  Die vorhandenen Goldmünzen würden gar nicht als gesetzliches Zahlmittel verwendet; sie waren Handelsmünzen, sie dienten zu Rimessen nach dem Ausland, für den Bedarf der Ührmacher und Bijoutiers, als Sparmünzen und Geschenke, für die Bequemlichkeit beim Reisen u. dgl.; sie würden mit Agio angekauft und verkauft.

Mit 1850 und in den folgenden Jahren trat der bekannte Umschwung ein.  Es muss der gesetzlichen Doppelwährung zum Verdienst angerechnet werden, damals den thatsächlichen Ïbergang Frankreichs von der Silber- zur Goldwährung vermittelt und erleichtert zu haben.  Das Gold wurde allgemeines Zahlungsmittel, das Silber wurde Waare und zu Rimessen nach dem Osten verwendet oder für die Bedürfnisse der Industrie eingeschmolzen.  1865 wurde sogar die Umprägung des kleinen Silbergeldes zur Nothwendigkeit.  Die 1 Fr. und 2 Fr. Stücke im Feingehalt von 9/10 würden eingezogen und zu 835 ‰ fein ausgeprägt.  Der Franc, die Unité monétaire, wurde in seinem Wesen geradezu gefälscht.  Es war dies nicht ein Act der ’Willkür, sondern der Nothwendigkeit.  Die gesetzliche Doppelwährung, das heilige 15 ½,, litt damals schon Schiffbruch !

Michel Chevalier und andere französische Nationalöconomen kämpften damals für den Fortbestand der reinen Silberwährung und verlangten die Demonetisation des Goldes.  Im Princip hatten sie Recht, aber sie verkannten die Macht der Thatsachen, den unwiderstehlichen Zug der Zeit zur Goldwährung.  Michel Chevalier hat später seinen Irrthum eingesehen und sich zur Goldwährung bekehrt; er wurde dann consequenter Weise ein eifriger Befürworter der vollständigen und principiellen Durchführung der Goldwährung.

Man bezeichnet Michel Chevalier vielfach als den Vater der neuen Doctrin des Monometallismus.  Mit Unrecht, Doctrin und Praxis sind sehr alten Datums.  Um nicht weiter in der Geschichte zurückzugreifen, weise ich einmal auf das Beispiel Englands, dessen dermaliges Münzsystem der reinen Goldwährung von 1816 datiert.  Ich erinnere ferner an das französische Gesetz vom 28. Thermidor des Jahres III, wo auf Veranlassung Mirabeau’s der Silberfranken als ausschliessliche Münzeinheit aufgestellt und gleichzeitig Goldstücke zu 10 Gramm ohne festen Werth in Franken ausgeprägt würden.  Diese Massregel scheint freilich in der Praxis sich nicht bewährt zu haben und darum wurde später durch das bekannte Gesetz vom Germinal des Jahres XI den 20 Frankenstücken in Gold, welche im Gewicht von 6,451 Gramm 9/10 fein ausgeprägt würden, im Verhältniss von 15 ½ : 1 gesetzliche Zahlungskraft zuerkannt.

Aus obigen Thatsachen ergiebt sich zur Evidenz, dass die gesetzliche Doppelwährung, dieser «Rocher de Bronze, von dem aus Frankreich während ¾ Jahrhunderten die Silberpreise in gesetzlich angewiesenen Schranken gehalten haben soll», viel eher einem Stück Cautschuk zu vergleichen ist, das kleinern Stossen eine Zeit lang Widerstand entgegensetzt, aber wenn der Druck zu stark wird oder wenn es der Einwirkung der Hitze ausgesetzt ist, seine Elasticität und Widerstandskraft verliert und zur todten, unbrauchbaren Masse zusammengedruckt wird.

Dieser Fall trat nun seit 1872 in eclatanter Weise ein.  Mit der Einführung der Goldwährung in Deutschland brach die französische Doppelwährung vollends zusammen.  Weit entfernt, diesen Schritt Deutschlands zu tadeln, muss man denselben im Gegentheil als einen Act grosser Einsicht, als eine wohl überlegte, staatsmännische That der deutschen Regierungen und des Reichstages anerkennen.  Die Sistierung der Silberprägungen in der lateinischen Union wurde dadurch zur Nothwendigkeit, zu einem Gebot der Selbsterhaltung; und es ist nur zu bedauern, dass die lateinischen Staaten trotz den Warnungen des schweizerischen Delegierten Feer-Herzog so langsam und zögernd vorgiengen, und durch halbe Massregeln eine kostbare Zeit verloren, wodurch die Schwierigkeiten der heutigen Lage vergrossert worden sind.

Gleichzeitig hat auch die Silberproduction, die sich heute noch trotz dem seitherigen starken Preisrückgang als ungemein lucrativ erweist, in starker Progression zugenommen.

Seit diesem Zeitpunkt ist das Silber auf dem Weltmarkt zur Waare geworden; seine Ausmünzung hat (abgesehen von den selbstmorderischen Bestimmungen der Bland Bill in Amerika) im ganzen Abendlande überall aufgehört.  Die Werthschwankungen des Silbers haben früher ungeahnte Dimensionen angenommen.  Der Preis ist in London augenblicklich bis auf 46 ½ d. pr. Uz. gewichen, was gegenüber der gesetzlichen Werthung von 15 ½ einer Preisreduction von über 20 % entspricht, und eine feste Basis für die Zukunft steht einstweilen noch nicht in Sicht.

Man hört manchmal die Behauptung aussern, frühere Änderungen in dem Werthverhältniss der beiden Edelmetalle seien Folge elementarer Ereignisse gewesen, wie die Eröffnung der reichen mexikanischen Silberminen (Potosi) im 16. Jahrhundert, oder die colossalen Goldfunde in Californien und Australien in den 1850er Jahren, und fanden darin ihre Erklärung und Rechtfertigung – «der jetzige Preisrückgang des Silbers aber sei Folge der neuen Gesetzgebung, also Menschenwerk, und das sei bekanntlich ganz was anderes».

Hierauf möchte ich denn doch fragen : Was war denn das hochgepriesene Gesetz vom 7. Germinal XI, welches das künstliche Werthverhältniss von 1 : 15 ½ aufstellte, anders als Menschenwerk ?

Sagt doch hierüber der Bimetallist Allard : «Il est un fait bien important à constater ici, c’est que de science certaine le rapport qui fut ainsi établi le 7 Germinal an XI de la République, ne prit absolument sa source que dans la loi qui le créait.  Ce rapport de 15 ½ n’existait ni dans la nature, ni dans le prix moyen du marché, ni dans le prix des marchés étrangers.  Le rapport de 1 : 15 ½ n’étant donc produit ni par la nature, ni par le prix des marchés d’alors, constitue tout simplement un rapport créé et imposé par la loi de l’an XI.»

Also Menschenwerk dort und Menschenwerk hier !  Was die Menschenhand aufgebaut hat, das wird die Menschenhand auch wieder niederreissen.  Dies lehrt die Erfahrung und dies liegt in der Logik der Thatsachen.

ad 3.

Ist wirklich die Silberentwerthung Ursache der behaupteten Nothlage in Handel, Industrie und Landwirthschaft ?

Es soll nicht bestritten werden, dass nicht sowohl der niedrigere Preis des Silbers an sich, als vielmehr das Sinken desselben, der Übergang von einem hohern zu einem niedrigern Preisniveau, und namentlich die Unsicherheit mit Bezug auf die Zukunft, der Mangel an Stabilität, vielfache Störungen in gewissen Geschäftsbranchen hervorgerufen hat, dass namentlich der Export nach den Ländern mit Silberwährung (Indien, China) unter diesem Verhältniss gelitten hat und zum Theil noch leidet.  Der Factor des Aleatorischen trat hier erschwerend hinzu.

Aber es kommt mir vor, dass die Nothlage arg übertrieben und einzelne Mißstande allzu sehr generalisiert werden; ich komme später hierauf zurück.

Sodann wird die Schuld an dem vielfach herrschenden Missbehagen, welche in andern Ursachen liegt, absichtlich oder aus Irrthum der Goldwährung, resp. der Silberentwerthung in die Schühe geschoben.  Post hoc, ergo propter hoc.

Billige Preise der Lebensmittel und Rohstoffe sind doch sicher kein Unglück, sondern vom Standpunkt der Consumenten, welche die grosse Mehrzahl der Bevölkerung bilden, ein Vortheil.

Die Arbeitslohne sind, bei uns wenigstens, durchschnittlich nicht gesunken; die Gehalte der Beamten, Angestellten, das Einkommen der sogenannten liberalen Berufsarten stehen heute höher als vor 10 und 20 Jahren.  Wenn nun gleichzeitig Nahrung, Kleidung und andere Lebensbedürfnisse weniger kosten, so befinden sich die arbeitenden Classen, welche die zahlreichsten sind, in einer günstigeren Lage, und es liegt kein Grund vor, auf künstliche Vertheuerung hinzuwirken.

In einem ausserst interessanten Vortrag, welchen der englische Staatsmann und Parlamentsmitglied Goschen im Jahr 1883 in dem Bankers Institute in London gehalten hat und welcher sich in der Schrift Allards abgedruckt findet, kommt derselbe auf den allgemeinen Preisrückgang zu sprechen, welcher die meisten Gegenstände im Laufe der letzten Jahre betroffen hat, und fährt dann fort :

«Cette baisse des prix a-t-elle profité à qui que ce soit ?  N’est-ce point simplement une affaire de statistique ?  Envisageons le problème à ce point de vue.

«Prenons le cas d’un pauvre.  Il me paraît évident que ce pauvre peut acheter son thé à meilleur marché, son café à meilleur marché, son pain à meilleur marché, ses vêtemens à meilleur marché aussi.  Sous tous ces rapports, il doit être plus heureux qu’il ne l’était précédemment.

«Voyons où en est le riche.  Lui aussi paie tous ces articles moins cher; en outre il achète à meilleur marché son charbon et son gaz : bref, on peut passer en revue la plupart des articles – les grands articles de consommation – et on constatera qu’il les acquiert tous à meilleur compte.  Mais les dépenses sont régies par une circonstance qui contrebalance l’économie, circonstance que vous connaissez tous aussi bien que moi.  En d’autres termcs, il existe une tendance constante à accroître la base des dépenses, à acheter des articles de meilleure qualité ou en plus grande quantité, à augmenter progressivement son train de vie.  Voilà qui est vrai pour toutes les classes de la société, et cela explique que l’ensemble de nos dépenses ne diminue pas, bien que beaucoup d’objets nous coûtent moins cher.

«En supposant que le salaire de l’ouvrier soit ce qu’il était précédemment, peut-on dire que la condition matérielle de l’ouvrier s’est améliorée ?  Je demanderai à quiconque a pu se rendre dans une église de campagne et qui y a vu entrer les fidèles, s’il n’est pas vrai que la population soit mieux vêtue que jadis ?  Il en est absolument de même dans les régions manufacturières.  La population – masculine et féminine – des pays de fabriques est infiniment mieux vêtue qu’elle ne l’était il y a quelques annees.  Peut-être n’économise-t-elle pas plus d’argent; mais elle en a plus pour son argent qu’elle n’en avait autrefois.»

Ferner dürfen bei der Vergleichung der heutigen Preise mit frühern Epochen nicht gerade die Jahre von 1871 bis 1874, eine Zeit ausnahmsweisen, theilweise schwindelhaften Aufschwunges, als Ausgangspunkt genommen werden.  Auf diese folgte naturgemäss eine Überproduction, eine Reaction.  Die vermehrte Production, die sogenannte Überproduction, musste mit Nothwendigkeit niedrigern Preisen rufen; nur diese gestatten eine entsprechende Steigerung des Consums und befordern schliesslich die Wiederherstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Angebot und Nachfrage.

Mit all diesem hat die Frage der Währung nichts zu schaffen.

Die billigeren Preise sind des Weitern eine nothwendige Folge der technischen Fortschritte und der Vervollkommnung der Industrie.

Eine andere massgebende Ursache liegt in der Ausbildung und Vervollkommnung des Transportwesens durch Eisenbähnen, Canäle, Dampfschiffslinien und in den wesentlich reducierten Transportkosten.  Um dieser Vortheile theilhaftig zu werden, haben Staaten und Gemeinden sich grosse Opfer auferlegt; ich erinnere beispielsweise an die grossartigen Subventionen, welche der Gotthardbahn zuflossen.  Sollten denn alle diese Anstrengungen ohne Wirkung auf die Preise der Producte sein ?  Sollten die auf Kosten der Steuerzahler gebrachten Opfer nicht in der Form billigerer Preise ihnen wenigstens theilweise wieder zu Gute kommen ?

Der freiconservative Abgeordnete Lohren hat in seiner Rede vom 10. Februar im deutschen Reichstag diese Verhältnisse sehr treffend beleuchtet :

«Die Weltcrisis, die sich vor unsern Augen vollzieht, sagte er, ist meiner innigsten Überzeugung nach das Ergebniss der maschinellen Entwicklung unseres Jahrhunderts : des Grossbetriebs, der Dienstbarmachung der Naturkrafte und der Erfindungen.  Seit hundert Jahren haben wir uns in Europa bemüht, Alles billiger zu machen, und uns oft staunend gefragt : Warum werden die Waaren trotz aller Maschinen und Eisenbahnen doch nicht billiger ?  Wir haben uns gefragt : Wenn ein einzelner Arbeiter so viel macht wie früher 2, 3, 10, warum verdient dieser Arbeiter nun nicht das Zwei-, Drei- und Zehnfache dieser Waaren, warum hat er einen so geringen Antheil an dem Product seiner Arbeit ?

«Es giebt ja eine natürliche Erklärung dafür.  Lange Zeit bestanden die Patente, die Fabrikgeheimnisse, sie wurden ausgenutzt nicht sowohl zum Nutzen der Menschheit, als des Einzeinen.  Der Fabrikherr sammelte Millionen, denn er verkaufte die Producte nicht billiger, als es nothwendig war, um die Concurrenz zu bewältigen.  Was war diese Concurrenz ? Die Concurrenz war das Kleingewerbe, der Handwerker.  Da war die Concurrenz leicht.  Da konnten die Preise nicht fallen, so lange der Mann nur sein dürftiges Brod hatte.  Heute ist diese Entwicklung zu einem Abschluss gekommen.  Das Kleingewerbe in den einzelnen Ländern ist erdrückt.  Die Zahl der Fabriken, die Zahl der Grossbetriebe, auch in der Landwirthschaft, ist so gross, dass keine Privilegien mehr im Innern zu erhaschen sind.  Es muss sich jetzt der Wettbewerb mit andern Ländern erproben.  Jetzt treten die Grossbetriebe aus den verschiedensten Ländern mit einander in die Schranken.  Daraus entsteht dann dieser gewaltige, universelle Kampf auf Tod und Leben, und dadurch erst fallen die Preise auf den Punkt, auf den sie kommen mussten, auf dem wir sie erwartet haben, ja, bis unter die Herstellungskosten.  Und so lange die Concurrenz und so lange die Massenproduction der Welt nicht wieder in Einklang gebracht worden ist mit der Weltconsumtion, so lange wird dieser Kampf fortgehen; und erst wenn die Production wieder anfängt, etwas mehr auf die Consumtion sich zu beschränken, dann wird der Kampf vorüber sein.

«Und wenn der Vorredner behauptet hat, diese niedrigen Preise befördern nicht den Consum, so ist dies wieder einer von den Satzen, die Allem, was ich in meinem Leben erfahren habe, entgegenstehen.  Gerade durch niedrige Preise wird der Consum vermehrt, dadurch wird die Production in den Stand gesetzt, wieder aufzuleben.»

Der amerikanische Finanzsecretar Manning, dessen Autorität jüngst zu Gunsten der bimetallistischen Theorie angerufen worden ist, hat in seinem Finanzbericht an den Congress vom 8. December 1885, worin er die Aufhebung der unvernünftigen Bland Bill und die Einstellung der Prägung weiterer Silberdollars als ein Gebot der Gerechtigkeit und Heilmittel eines allgemein anerkannten Übels dringend befürwortet, über das Sinken der Preise sich folgendermassen ausgesprochen :

«Wie falsch erscheint doch die Behauptung, das gegenwärtige allgemeine Weichen der Preise sei verursacht worden und demselben könne Einhalt gethan werden durch eine Veränderung in dem Verhältniss unseres Vorrathes an Silbermünzen.

«Menschliche Erfindungen und Industrien drücken die Preise aller Producte der menschlichen Arbeit herunter.  Wenn eine Stadt in Neu-England in einer Woche so viel Schühzeug producieren kann, um alle Einwohner von Cincinnati, Chicago und St. Louis auf die Dauer eines Jahres mit Fussbekleidung zu versorgen, wozu vor einem Zeitraum von 10 Jahren mehr als ein Jahr gehörte, warum sollte unter diesen Verhältnissen der Preis für Schühzeug nicht fallen ?  Überall macht sich das Bestreben kund, Obdach, Kleidung, Nahrung und sonstige Lebensbedürfnisse mit möglichst weniger geistiger Anstrengung und körperlicher Arbeit zu erwerben.  Mit der Zunahme der Erfindungen sind die Kosten der menschlichen Lebensbedürfnisse geringer geworden, so dass sich die ärmeren Bevölkerungsclassen jetzt mehr Comfort verschaffen können als früher.  Die niedrigen Preise kommen der grossen Masse der Arbeiter zu Gute, da dieselben mit den gleichen Lohnen bei niedrigeren Preisen mehr kaufen können.

«Ein grosser Theil unserer altern Arbeiter hat die Erfährung gemacht, dass eine Verminderung des Werthes eines sogenannten Dollars, welcher gesetzliches Zahlungsmittel für ihre Lohne ist, jedem Andern eher zu Gute kommt als ihnen.  Es ist eine Werthverminderung, welche die Preise aller Lebensbedürfnisse früher erhöht als die Arbeitslohne.  Ein billigerer Dollar bedeutet für die Arbeiter in den Vereinigten Staaten einen werthloseren Dollar.  Die täglichen Lohne unserer Arbeiter und Arbeiterinnen bilden bei Weitem die grösste, bei Weitem die wichtigste Anhäufung von Wohlstand, welcher durch die Degradierung des Dollars oder eines demselben äquivalenten gesetzlichen Zahlungsmittels afficiert wird.  Alle andern Ansammlungen von Wohlstand, zusammengehaufte Capitalien etc., welche nicht zur Bezahlung von täglichen, monatlichen oder jährlichen Arbeitslohnen verwendet werden, sind nicht mit dieser gigantischen Summe zu vergleichcn.  Es ist diese gigantische Summe der Arbeitslohne, welche durch jede Politik, die darauf hinauslauft, den Dollar unserer Vater geringer zu machen, als sein Werth in Gold betragt, angegriffen wird.  Die Schuld der Vereinigten Staaten, so gross sie ist, steht dazu in einem Verhältniss, wie der Maulwurfshügel zu dem Berge.

«Wenn wir durch einen Betrug an unsern Mitbürgern, welche direct, oder indirect durch die Sparbanken, auf die Erfüllung des Versprechens bauen, dass sie bei Presentation den Worth ernes Dollars erhalten; wenn wir dadurch, dass wir den Worth des Silberdollars unter denjenigen des Golddollars fallen lassen, einen Drittel unserer öffentlichen Schuld abtragen könnten, so würden weniger als 10 Dollars per Kopf der Bevölkerung der Vereinigten Staaten auf diese Weise gespart werden.  Wie lange würden die 10 Dollars per Kopf reichen, um unsere Arbeiter und Arbeiterinnen für den Verlust eines Drittels von jedem Dollar ihrer Lohne zu entschadigen ?  Wie lange würde es dauern, ehe sie ihre Lohne so weit erhöht erhalten können, um ebenso viel kaufen zu können, wie zuvor ?»

Dies ist die Sprache des Finanzministers der Vereinigten Staaten, und es wird schwer halten, diese Argumente zu widerlegen.

Früher bildete Amerika das Schreckmannchen, mit welchem man die europäischen Producenten dem Bimetallismus in die Arme zu treiben versuchte; jetzt ist es Indien, dessen Weizenexport den Ackerbau in Europa ruinieren soll.

Allerdings sind jene Länder uns gegenüber im Vorsprung durch billigern Grund und Boden, grossere Fruchtbarkeit, geringere Steuerlast, weniger Ausgaben für den unproductiven Militarismus, wodurch in den europäischen Großstaaten ein so grosser Theil der nationalen Arbeitskraft dem productiven Erwerb entzogen wird.  Auf diesen Factoren, aber nicht in der Währung, berüht ihre überlegene Concurrenzfähigkeit gegenüber unserer Landwirthschaft und theilweise unserer Industrie.

So viel mag ja zugegeben werden, dass in einem Lande mit entwertheter Valuta (heisse sie nun Silber oder Papier) die Preise der Producte und die Lohne nicht sofort im gleichen Verhältniss in die Hohe gohen, wie die Valuta schlechter wird; und dass dadurch Conjuncturen eintreten, welche dem Einen Nutzen, dem Andern Schaden bringen, für den Export gunstig, für das Importgeschaft ungunstig sind.  Dies sähen wir s. Z. in Nordamerika, in Italien, Österreich, Russland, unter dem Régime der Papierwirthschaft, jetzt im Verkehr mit Indien und China mit ihrer Silberwährung.

Aber man braucht weder Nationalsöconom noch Staatsmann zu sein, um einzusehen, dass eine entwerthete Valuta für ein Land immer eine grosse Calamität ist; und darum haben trotz entgegenstehenden Privatinteressen sowohl Amerika als Italien grosse Anstrengungen gemacht, um sich aus solchen Zustanden wieder zu einer geordneten und festen Valuta emporzuarbeiten.

Es wird nun die Behauptung aufgestellt, dass speciell in Indien die Rupie trotz der Entwerthung des Silbers in Europa nichts von ihrer frühern Kaufkraft eingebüsst habe; bezw. obschon das Silber um 20 % billiger aus Europa bezogen werden könne, als vor 12 Jahren, seien Producte und Lohne gleichwohl nicht in die Höhe gegangen; «Indien und später auch wohl der gelbe Mann rücke mit seiner billigen Arbeit erfolgreich gegen das alte Europa in die Schranken; hier dagegen werde durch die gewaltsame Entwerthung des Silbers die Axt an die Wurzel der heimischen Arbeit gelegt und ihre Concurrenzfähigkeit zerstört.»  Diese kühne Behauptung wird damit begründet, dass in Indien sowohl die Lohne der Arbeiter, als auch die Preise von Weizen, Reis und Hirse 1884 annähernd auf dem gleichen Niveau stunden wie in den Jahren 1872-76, und es wird hiefür ein Arsenal von statistischen Ziffern in’s Feld geführt.  Diese Folgerung scheint mir eine gewagte und müsste jedenfalls durch langere und umfassendere Erfahrungen bekräftigt werden.  Was vorerst die Arbeitslohne betrifft, so verweise ich auf die oben angeführten Äusserungen des amerikanischen Finanzministers Manning.  Es ist ja leider nur zu wahr, dass jedes Sinken des Geldwerthes zuerst dem Lohnarbeiter zur Last fällt, weil der Arbeitslohn erst in letzter Linie an der dadurch hervorgerufenen Preissteigerung aller Producte participiert.  Eine Industrie aber, deren Concurrenzfähigkeit nur durch ein Hinunterdrucken der Arbeitslohne auf ein möglichst niedriges Niveau erzielt werden kann, bei welchem der Arbeiter zu unverhältnissmässigen Einschränkungen genöthigt wird, hat keine Existenzberechtigung mehr und jedenfalls keinen Anspruch auf unsere Sympathien.  «Der Arbeiter soll nicht der Industrie wegen da sein,» hat neulich ein Redner im deutschen Reichstag gesagt, «sondern die Industrie der Arbeiter wegen.»

Und der belgische Staatsminister Pirmez, eine der ersten Autoritäten in der Währungsfrage, sagt in einer Schrift «Sur la Crise en Belgique» :

«Ce qu’on appelle la crise, c’est le progrès, c’est la révolution qui s’opère dans les rapports de la propriété et du capital d’une part et du travail de l’autre; le propriétaire et le capitaliste sont amenés par la force des choses à céder chaque jour une plus grande part au travailleur.

«Cette révolution a ses victimes : il faut les plaindre.

«La situation des travailleurs s’est ameliorée; le travail est devenu de plus en plus la vraie source de la richesse.  Malheur aux familles qui ne le comprendront pas.»

Die Weizenpreise sodann sind in erster Linie von dem jeweiligen Ausfall der Ernte abhängig, und mehr als andere Artikel von Jahr zu Jahr starken Schwankungen unterworfen.  Sehen wir doch aus dem eben veröffentlichten Bericht der Basler Handelskammer für das Jahr 1885, dass bei uns 1875 der Mittelpreis des Weizens auf Fr. 32 stund, der Durchschnitt der Jahre 1876/85 stellt sich auf Fr. 26 und im Jahr 1885 betrug er Fr. 21.  Gegenüber diesen Ziffern kann der Umstand, dass der Weizenpreis in Indien 1884 ungefähr auf dem gleichen Niveau stand, wie in den Jahren 1872/74, keinen Beweis machen für die Behauptung, dass die Kaufkraft der Rupie in diesem Zeitraum die gleiche geblieben sei; ganz abgesehen davon, dass in den dazwischen liegenden Jahren 1877/79 die Preise namentlich von Reis und Hirse in Indien urn 25-50 % höher gestanden hatten, als im Jahr 1872 und wieder im Jahr 1884.

Bezüglich des Einflusses des indischen Weizens auf die Preise in Europa verweise ich noch auf die Rede, welche der deutsche Delegierte zu der Pariser Münzconferenz von 1881, der Geh. Oberregierungsrath Schraut, Anfangs Marz d. J. an der 17. Hauptversammlung des Congresses deutscher Landwirthe in Berlin gehalten hat.

Nachdem der Rittergutsbesitzer von Sydow und der Berufsbimetallist Dr. O. Arendt ihre gewohnten Reden mit den üblichen Schlagworten gehalten hatten, begann Geheimrath Schraut damit, den Unterschied zwischen einer verantwortlichen Regierung und einer solchen einseitigen und unverantwortlichen Parteiagitation zu betonen.  Sodann wandte er sich zunächst gegen die bimetallistische Behauptung, dass der Rückgang des Silberpreises dem indischen Weizen auf dem europäischen Markt eine für die europäische Production bedrohliche Begünstigung gewähre.  «Die indische Weizenausführ nach England betrage vielmehr noch nicht 2 % der europäischen Production, sie finde erst seit der Eroffnung des Suezcanals statt und sei in Folge der neugebauten indischen Eisenbahnen (16,000 Kilometer in den letzten 20 Jahren), ferner der Aufhebung des Ausführzolles, der billigen Schiffsfrachten u. s. f. gestiegen.  Es drücken auch Australien in Wolle und Weizen, sowie Schweden in Holz schwer auf den Preis, obwohl sie Goldwährung haben.  Ebenso verhalte es sich mit Russland; der Rückgang des Rubelcurses stamme aus der Verschuldung Russlands aus den orientalischen Kriegen.  Noch weniger als bei Indien sei bei Russland die Thatsache aufgeklärt, ob nicht in Folge des Rückganges des Rubelcurses auch allmalig die Waarenpreise eine steigende Tendenz nehmen müssen, und auf diese Weise den Nutzen des Exporteurs aus dem niederen Rubelcurse wieder ausgleichen.  Nachdem Herr Schraut noch die bimetallistische Behauptung der Geldvertheuerung zurückgewiesen und die schweren Gefähren, resp. die Unmöglichkeit einer Münzvereinigung ohne England ausgeführt hatte, resumirte er die Stellung der Regierung dahin, dass auf diesem Gebiet zur Zeit wohl Meinungen und Hoffnungen vorliegen, aber nicht solche thatsächlichen Unterlagen und feste Stützen, welche einen sicheren Boden für Schritte einer verantwortlichen Gewalt gewähren können.»

In Deutschland halten Handelsstand und Industrielle entschieden fest an der bestehenden Goldwährung und verhalten sich mit wenigen Ausnahmen durchaus ablehnend gegen die bimetalliatische Agitation.  Dies zeigte sich neuerdings bei den Verhandlungen des 14. deutschen Handelstages, welcher am 12. und 13. Marz d. J. unter dem Vorsitze Delbrück’s in Berlin tagte und von dem Staatsminister von Bötticher mit einer Ansprache eröffnet wurde.  Es wurden dabei zunächst die agrarischen Bestrebungen besprochen, hauptsächlich die Agitation für die Doppelwährung und die Verstaatlichung des Versicherungswesens.

Russel - Berlin, Marcus - Bremen und Hinrichsen - Hamburg sprachen sich entschieden gegen diese Bestrebungen aus.  Der bekannte bimetallistische Agitator, Dr. Arendt, der sich als Vertreter der Handelskammer Münster hatte legitimieren lassen, hielt seine bekannte Rede gegen die Goldwährung.  Bei der Abstimmung erklärten sich zunächst nur Bochum und Münster für eine Abänderung der jetzigen Währung und es gelangte gegen diese Stimmen eine Resolution zur Annahme, die sich gegen die agrarischen Bestrebungen, insbesondere gegen eine Änderung des jetzigen Währungssystems, gegen die Erhöhung bestehender oder Einführung neuer landwirthschaftlicher Zolle auf nothwendige Lebensmittel oder Rohstoffe für die Industrie, sowie gegen eine Einschränkung der Privatthätigkeit im Feuer und Hagelversicherungswesen ausspricht.  In einer besondern Abstimmung wurde constatiert, dass 71 Handelskammern entschieden für Aufrechterhaltung der Goldwährung und nur 4 (Münster, Dresden, Bochum und Chemnitz) dagegen sind.

Das Hauptinteresse an einer künstlichen Hebung des Silberpreises durch eine Änderung des Währungssystems liegt in Deutschland in gewissen Börsenkreisen, welche in der Berliner Börsen-Zeitung ihre Vertretung haben.  Bekanntlich circulieren in Deutschland eine grosse Menge ausländischer in Silber verzinslicher Werthpapiere.  Nur allein die auf Silber lautenden österreichischen Eisenbähn-Actien und Prioritäten, welche in Berlin gehandelt werden, erreichen einen Betrag von über 800 Millionen Gulden.  Hiezu kommt die österreichische Silberrente mit aunähernd 1000 Millionen Gulden.  Wenn es nun gelingt, durch Einführung der Doppelwährung, durch die sogenannte «Réhabilitation des Silbers» den heutigen Preis um 20 % oder mehr zu heben, so erwachst hieraus für die heutigen Inhaber dieser Silberpapiere ein Cursgewinn von 360 Millionen Gulden.  Da lohnt es sich wohl der Mühe, Bimetallist zu sein, and man kann es den Herren nicht verdenken, wenn sie für ihre Interessen Himmel und Erde in Bewegung setzen.  Aber diese wirklichen Motive hängt man nicht gerne an die grosse Glocke, man würde damit bei der Menge wenig Sympathien finden.

Darum suchen die Agitatoren von Kardorff, Arendt u. s. w. eine Stütze in der agrariach schutzzöllnerischen Partei, welche sie durch geschickte Sophismen und durch trügerische Vorspiegelungen für ihre Interessen zu gewinnen und in Zahlreichen landwirthschaftlichen Kreisen die Hoffnung zu erwecken gewusst haben, dass die Doppelwährung eine Verbesserung ihrer öconomischen Lage bringen könne.  Desshalb sagte der Finanzminister von Scholz in seiner glanzenden Rede im preussischen Landtag mit vollem Recht, «er habe nur mit einer gewissen Wehmuth beobachtet, wie diese Agitation so weite Kreise in ihre Mitleidenschaft gezogen habe, und namentlich den wirklich in einer bedauerlichen Lage befindlichen und aller Theilnahme würdigen landwirthschaftlichen Kreisen die Hoffnung habe erwecken können, dass davon für sie ein Mittel zur Gewinnung eines bessern Daseins zu erreichen wäre.

«Die Behauptung, dass die Landwirthschaft durch den Bimetallismus einen Nutzen haben wurde, berüht auf einem grossen Irrthum.  Ein kleiner Nutzen wird nur für diejenigen abfallen, die ihre Schulden in Silber abtragen können; aber dass durch den Bimetallismus zugleich auch eine Steigerung der Preise bewirkt werden könne, bestreite er.  Desshalb mussen wir festhalten an dem, was wir haben, an der Goldwährung, die uns eine Stellung auf dem Weltmarkte verschafft hat, wie wir sie nie zuvor besessen haben.»

Man hört oft die Äusserung, und ich habe sie erst neulich wieder gelesen, «dass man die Goldwährung nicht mit Unrecht die Währung der Capitalisten, der Goldverleiher, und die Silberwährung die des Producenten nennen könne; durch die Goldvertheuerung leide unter dem allgemeinen Nothstand der Schuldner schwer, aber nicht minder der Glaubiger, und nur der Wucherer und Goldapeculant profitiere».  Gerade das Gegentheil ist wahr.  Schuldner, Glaubiger und Producenten haben Alle ein gemeinsames Interesse an einer festen, keinen Schwankungen unterworfenen Währung.  Dagegen bietet die Doppelwährung und die freie Ausprägung beider Metalle in einem festen Werthverhältniss dem mit diesen Geschaften vertrauten Geldwechsler und Münzspeculanten Gelegenheit zu gewinnbringenden Arbitrage-Operationen, welche unter dem Régime der einfachen Währung nicht möglich sind.

Als Beleg hiefür verweise ich auf den Geschäftsbericht der Basler Handelsbank für das Jahr 1873, wo die Silberprägungen vor Thorschluss besonders grosse Dimensionen angenommen hatten und einen ausnahmsweise hohen Nutzen abwarfen.  Der Conto «Gold und Silber in Barren und Münzen» weist für jenes Jahr einen Gewinn von nähezu Fr. 150,000 auf, während er in den vorhergehenden, wie auch in den folgenden Jahren einige tausend Franken nie überstiegen hat.

Der Geschäftsbericht bemerkt über diesen Punkt : «Der Conto Gold und Silber in Barren und Münzen hat dieses Jahr einen bedeutenden Umfang erreicht und ein gutes Ergebniss geliefert.  Die Einberufung der Conferenz in Paris behufs Revision der Münzconvention von 1865 hat einstweilen weitern Silberprägungen ein Ziel gesetzt.  Wir werden diese Angelegenheit im Auge behalten, und unsere Verbindungen in dieser Branche geben uns genügende Sicherheit, von jeder günstigen Conjunctur Nutzen ziehen zu können.»

Im Jahr 1878 glaubte die Basler Handelsbank eine solche günstige Conjunctur wieder in Sicht, und erbot sich dem schweizerischen Finanzdepartement als Vermittlerin für die Ausprägung von circa 20 Millionen Silberthalern, zu deren Prägung nach ihrer Ansicht die Schweiz damals durch die Convention berechtigt war, und auf denen sie für die eidgenössische Staatscasse einen Gewinn von 1 ½ Millionen in Aussicht stellte.

Ihre Voraussetzung von der Zulässigkeit einer solchen Prägung erwies sich aber als eine unrichtige, und das Anerbieten wurde vom schweizerischen Finanzdepartement unter Verdankung abgelehnt.

Auch seither haben sich die gehofften gïnstigen Conjuncturen nicht mehr einstellen wollen, weil die sämmtlichen Münzstatten der lateinischen Union den Silberprägungen definitiv geschlossen blieben.  Inde irae !

Wir werden uns daher nicht wundern, wenn der Verfasser des Cursberichtes der Basler Handelsbank, wenn Männer wie Baron Alphonse de Rothschild, wie Baron Soubeyran, Président der Banque d’Escompte in Paris, wenn Allard, der Pächter und Director der Münze in Brüssel, zu den eifrigsten Wortführern des Bimetallismus gehoren; und wenn Allard in seiner neulichen, in blumenreichem Style gescriebenen, und von Weihrauch und Selbstlob duftenden Schrift «La Crise, la Baisse des prix et la Monnaie», welche Wahrheit und Dichtung in geschickter Weise vermischt, und welche durch ihren selbstbewussten Ton und die Bestimmtheit ihres Urtheils an die Schreibweise Cernuschi’s erinnert; wenn Allard, sage ich, für diese Doctrin mit solcher Wärme in die Schranken getreten ist.  Sie haben kürzlich den wesentlichen Inhalt dieser Schrift auszugsweise in einer hier erschienenen Brochure lesen können.

In einem anerkennenswerthen Gegensatz zu diesen nicht ganz uninteressirten Kundgebungen steht das Gutachten, welches Pirmez, der Gouverneur der belgischen Nationalbank, am 29. Juni 1881 an den belgischen Finanzminister abgegeben hat.  Nachdem er seine Meinung dahin ausgesprochen, «que l’emploi simultané de deux unités différentes et variables pour mesurer toutes les valeurs est une atteinte à la logique et au bon sens, et que la fixité qui doit être le desideratum à poursuivre dans le choix de la mesure de toutes choses, se rencontre plus sûrement avec un métal qu’avec deux métaux dont la loi est impuissante à assurer l’immuabilité,» fährt er fort :

«Nous avons peut-être quelque mérite à défendre cette opinion, puisque la thèse contraire pourrait être favorable aux interets immédiats de notre établissement, et que dans les considérations qui nous guident, la préoccupation de l’intérêt général et du bien du pays l’emporte sur le désir, quelque légitime qu’il nous paraisse, d’augmenter les bénéfices de la Banque.

«Faut-il vous rappeler en effet, que les spéculations en métaux sont explicitement permises à la Banque, et qu’elle est mieux placée que tout autre établissement pour profiter de toute variation dans le rapport des deux métaux, variation dont le passé contient de nombreux exemples.  Rien ne serait donc plus aisé et plus lucratif pour la Banque, que de substituer, quand elle y trouverait avantage, un métal à l’autre dans la circulation.  Si elle veut s’interdire cette source de bénéfices assurés sans préjudice possible, c’est qu’elle est convaincue que ces bénéfices seraient réalisés au detriment du commerce et de l’industrie du pays, puisque dans ses relations avec l’etranger ce commerce aurait à supporter des pertes de change qui diminueraient ses profits, et paralyseraient son activité.»

Vor einigen Jahren malte man uns als Folge der Goldwährung das Gespenst eines allgemeinen Geldmangels, einer drückenden Erhöhung des Zinsfusses in den schwärzesten Farben vor Augen.  Das Gold sei nicht in genügender Menge vorhanden für die Bedürfnisse der Menschheit, hiess es.  Das geflügelte Wort des Fürsten Bismarck von der kurzen Decke, welche nicht für Alle reiche, und von welcher jedes Volk das beste Stück an sich zu reissen suche, machte Furore, und ein Witzwort aus diesem Munde galt für Viele als durchschlagender Beweis.  Als dann 1881 und 1882 Gold nach Amerika abfloss zur Bezahlung der importierten Producte, Getreide, Baumwolle, Petroleum etc., machte man uns Angst, die grosse Republik werde nach und nach alles gemünzte Gold an sich ziehen und Europa musse verarmen.

Heute sind alle diese dustern Prophezeiungen wie Nebel zerstoben.  Die Handelsbilanz hat sich wieder zu Gunsten Europa’s gewendet und das Gold fliesst aus Amerika zu uns zurück.  In den Banken von Frankreich, England, Deutschland u. a. w. liegt mehr Gold aufgespeichert, als je in einem frühem Zeitpunkt.

Dem Londoner Economist vom 24. April d. J. entnehme ich folgende Zusammenstellung der Baarbestande in den Cassen der verschiedenen grossen Emissionsbanken in Europa und Amerika, nach den Ausweisen vom 13./17. April 1886 (in Mill. Fr.) :

Bank von Frankreich

Gold
Silber
zusammen
1289
1115


2404
Bank von England [2] Gold   543
Deutsche Reichsbank deutsches Geld und Gold in Barren   856
(Bei sämmtlichen deutschen Zeddelbanken betrug Ende März 1886 der Baarvorrath 945 Mill. Fr.)
Österreichisch-Ungarische Bank
Gold
Silber
zusammen
160
332


492
Niederländische Bank

Gold
Silber
zusammen
150
204


354
Belgische Nationalbank Gold und Silber 86
Bank von Russland

Gold
Gold und Silber
zusammen
608
260


868
Bank von Spanien Gold   164
Italien. Nationalbank [3],

Bank v. Toscana
Bank v. Sicilien
Gold
Silber
Gold u. Silber
Gold u. Silber
zusammen
179
34
22
23




258
Schweizerische Emissionsbanken
Gold
Silber
zusammen
49
13


62
Vereinigte New-Yorker Banken Gold   383

 

Diesen Baarbestanden stunden im gleichen Zeitpunkte folgende Ziffern der Banknoten-Circulation gegenüber (ungerechnet das in Deutschland, Italien, den Vereinigten Staaten und anderwärts circulierende Staats-Papiergeld, über dessen Höhe ich keine Angaben besitze) (in Mill. Fr.):

Bank von Frankreich
Bank von England
Deutsche Reichsbank
Österreichisch-Ungarische Bank
Niederländische Bank
Belgische Nationalbank
Bank von Russland
Bank von Spanien
Italienische Nationalbank
Bank von Toscana
Bank von Sicilien
Schweizerische Emissionsbanken
Vereinigte New-Yorker Banken








523
63
44

2871
623
956
873
425
355
2180
492


630
124
40

 

Welcher colossale Abstand, wenn ich z. B. einige Nummern der Schweizerischen Bank-Zeitung vom Jahr 1864 wieder zur Hand nehme, und darin u. A. folgende Bilanzziffern finde :

 (in Mill. Fr.)   Baar-Vorrath Noten-Circulation
Bank von Frankreich

Bank von England
Preussische Bank
Österr. Nationalbank
Italien. Nationalbank in Turin
18 schweiz. Emissionsbanken
(14. Jan. 1864)
(15. Dez. 1864)
(31. Dez. 1863)
»
»
»
(Mittel pr. 1882)
169
351
359
234
278
44
?
813
739
503
445
992
76
14

 

Welcher Zuwachs der Gold- und Silberbestände, namentlich in den Gewölben der Bank von Frankreich und der deutschen Reichsbank im Lauf dieser 20 Jahre !

Man wird sich daher nicht wundern, wenn das flüssige Capital vergeblich nach lohnender Verwendung sucht.  Der Zinsfuss wird allmälig auf so niedrige Ansätze herabgedrückt, wie sie seit vielen Jahrzehnten nicht mehr erlebt worden sind; und gross ist die Zahl derjenigen aus den mittleren und höheren Schichten der Bevölkerung, welche für ihren Unterhalt auf den Ertrag ihres Vermogens angewiesen, durch das reducierte Einkommen genöthigt sind, sich Einschränkungen in ihrer Hauswirthschaft aufzulegen.  Das sind doch keine Anzeichen eines nähenden Goldmangels !

Dieser Standpunkt wird übrigens auch von ehrlichen Bimetallisten getheilt.  So schreibt Cernuschi in einer Zusendung an den Londoner Economist vom 24. April d. J. :

«Gestatten Sie mir etwas Raum in Ihrem geschätzten Blatte,

1° um nachzuweisen, dass der Fall der Preise, über welchen man klagt, nicht von der sogenannten Seltenheit des Goldes herrührt, welche Seltenheit nur auf der Einbildung berüht, und gegen welche, wenn sie wirklich bestünde, es kein Heilmittel gäbe;

2° um die wirkliche Ursache des Übels aufzudecken, welche allerdings im Münzwesen liegt, welche aber ein Parlamentsbeschluss sofort zu beseitigen im Stande wäre.

«England, Frankreich, Deutschland und die Vereinigten Staaten haben jetzt einen Metallvorrath, der grösser ist als je, so dass der Fall der Preise nicht einer Verminderung der Menge des gemünzten Geldes zugeschrieben werden kann.

«Die Störung des bimetallistischen Werthverhältnisses – dies ist die wirkliche Ursache des Darniederliegens des Handels.  Dieser Nothstand muss fortbestehen in England und überall, so lang das Werthverhältniss der beiden Metalle nicht wieder hergestellt ist, und es kann nur wieder hergestellt werden durch die Übereinkunft der grossen metallischen Mächte.

«Die Vereinigten Staaten, Frankreich und Deutschland sind bereit.  Die Zustimmung Englands ist allein noch ausstehend.»

Hiezu bemerkt die Redaction des Economist :

«Eines der hauptsächlichen Argumente, auf welche die Bimetallisten sich stützen, ist, dass in den letzten Jahren die Demonetisation des Silbers den Vorräthen von Gold in der Welt mehr Arbeit aufgeladen hat als dieselben zu leisten im Stande sind, dass hiedurch eine Seltenheit des Goldes entstanden ist, und dass als Folge davon ein allgemeines Sinken der Preise der Gegenstande eingetreten ist.  Aber in dem beigedrückten Briefe des Herrn Henri Cernuschi wird diese Idee einer Seltenheit des Goldes verhöhnt.  Sie besteht nur in der Einbildung, versichert er, und der Glaube, dass die Preise gefallen sind, weil eine Verminderung in dem Quantum des Geldes stattgefunden hat, ist eine reine Chimäre.

«Es ist klar, dass wenn Herr Cernuschi Recht hat, so sind seine bimetallistischen Meinungsgenossen in einer groben Täuschung befangen; während anderseits, wenn derjenige, den man gewissermassen den Apostel des Bimetallismus nennen kann, und der gewiss mit mehr Recht als die meisten Leute den Anspruch erheben darf, in dieser Frage als Autorität zu gelten, wenn dieser Mann in einem solchen Hauptpunkte vollständig im Irrthum ist, so wird die ganze Theorie einigermassen in Misskredit versetzt.  Jedenfalls darf man billiger Weise verlangen, dass bevor die Bimetallisten einer neuen staatlichen Münzgesetzgebung rufen, sie selbst zu einer definitiven Verständigung kommen über das, was sie beabsichtigen mit dieser Gesetzgebung auszurichten, und über die Mittel, mit welchen sie gedenken diesen Zweck zu erreichen.»

So genaue Angaben wir über die Ziffern der Goldproduction in Gegenwart und Vergangenheit besitzen, so unsicher und gewagt sind die Schätzungen für die Zukunft.  Gleichwohl macht sich mehr und mehr die Einsicht geltend, dass die Befürchtungen, welche eine Zeit lang durch die Abnahme der Goldproduction in den letzten 10 oder 20 Jahren waren wachgerufen worden, unbegründet oder doch übertrieben sind.

Ich verweise hiefür auf die werthvolle Arbeit von Lexis «Die Währungsfrage und die Productionsverhältnisse der Edelmetalle» in Schmollers Jahrbuch, für 1886, I.  Es ergiebt sich daraus, dass «wenn auch in Californien und Australien die oberflächlichen Anschwemmungen in Betten und Thälern, welche in den ersten Jahren nach 1848 den reichsten Ertrag geliefert haben, gegenwärtig grosstentheils (wenn auch nicht vollständig) erschöpft sind – dagegen aus den altern Geröll- und Geschiebelagern noch auf Jahrzehnte ein reicher Ertrag zu hoffen ist.  Die nachhaltigste Ausbeute aber wird aus dem Quarzbergbau zu erwarten sein, dessen Betrieb durch Verbesserung der technischen Einrichtungen und Zuführung grösserer Capitalien einer sehr bedeutenden Ausdehnung und durch diese Productionsweise einer grossen Steigerung fähig ist.

In Sibirien war das Ergebniss der Goldproduction in den Jahren 1876 bis 1880 das reichste, das überhaupt jemals aufgewiesen wurde, und wenn auch seither ein Rückgang bis auf die Hohe von 1871 bis 1875 eingetreten ist, so ist kein Grund vorhanden für die Annahme, dass diese Rückwartsbewegung weiter greifen werde.

Neben diesen Hauptproductionsländern sind auch in Central-Amerika, Brasilien, Afrika, Indien und China mehr oder weniger ergiebige Goldfunde gemacht worden; englische Gesellschaften entwickein überall eine grosse Thätigkeit, und nichts schliesst die Annahme aus, dass wie 1848 u. ff. in Californien und Australien, so künftig in andern, heute noch wenig oder nicht erforschten Gegenden reiche Schätze an Gold werden an’s Licht gefördert werden.

Aber abgesehen von solchen Zukunftseventualitäten beziffert Lexis die Gesammtproduction an Gold (ohne China) im Minimum für 1882 auf 520, für 1883 auf 495, und für 1884 auf 500 Millionen Franken.

Von diesen 500 Millionen (für 1884) entfallen auf

die Vereinigten Staaten
Australien
Sibirien
das übrige Amerika
andere Länder (ohne China)

zusammen
156 Millionen Franken
156
106
 60
 22

500 Millionen Franken

Für die Zukunft glaubt Lexis auf ein Minimum des jährlichen Goldzuflusses von 440 Millionen Franken mit Sicherheit rechnen zu dürfen, so dass einstweilen ein Grund zu ängstlichen Besorgnissen jedenfalls nicht vorliege.

Die Gesammtsilberproduction schätzt der gleiche Gelehrte für 1882 auf 605, für 1883 auf 620 und für 1884 auf 640 Millionen Franken (den Silberwerth zum allen Preis von 220 Fr. pr. Kil. gerechnet).

Alle diese Schätzungen von Lexis berühen auf detaillierten, wohl motivierten und nüchternen Berechnungen.

Was endlich die Klagen der Bimetallisten über den Rückgang des allgemeinen Wohlstandes und die Abnahme der industriellen Thätigkeit betrifft, welche die Goldwährung verschuldet haben soll, so contrastieren dieselben eigenthümlich mit folgender schwungvoller Schilderung, welche ich der schon öfter erwähnten Schrift des Pursang-Bimetallisten Allard «La Crise, la Baisse des prix, la Monnaie» (1885) entnehme :

«Que dire de l’augmentation du commerce de pays à pays, des peuples nouveaux conquis à la civilisation, des moyens de tranapbrt qui rapprochent les peuples, qui multiplient chaque jour leurs relations, qui développent les transactions du monde et font naître eux aussi, de nouveaux besoins de monnaie ?

«Pour ne citer qu’une seule branche d’affaires, les chemins de fer, un journal financier rapportait dernièrement, que depuis leur origine jusqu’en 1873, c’est-à-dire pendant 43 ans, les peuples du monde n’avaient encore créé que 270,000 Kilomètres, soit une moyenne de 6300 Kilomètres par an.

«En 1883, c’est-à-dire 10 années plus tard, les chemins de fer du monde comportaient 443,500 Kilometres; c’est-à-dire qu’en 10 ans on avait construit 173,500 Kilomètres, ce qui donne par an 17,300 Kilomètres, soit une moyenne trois fois plus forte que l’ancienne, et ce qui répresente pour les 10 années, au prix de Fr. 150,000 le Kilomètre, l’immense dépense de 25 Milliards de Francs ou plus de 272 Milliards chaque année pendant chacune des 10 années !

«N’y a-t-il pas dans l’énormité seule de ces chiffres un témoignage éclatant du développement prodigieux de l’activité humaine !

«Si nous considérons d’autre part que les chemins de fer ne sont qu’une petite partie des produits de cette activité presque surnaturelle, nous pouvons nous faire une idée du besoin qu’il y a de voir augmenter les monnaies d’or qui en sont le corollaire indispensable.»

Wenn in den vergangenen 10 Jahren solche colossale Summen aus den Ersparnissen der Völker gezogen und zu neuen Unternehmungen verwendet werden könnten, so spricht dies weder für eine Abnahme des allgemeinen Wohlstandes, noch für einen Rückgang der industriellen Thätigkeit.  Allard behauptet auch keineswegs, dass unser dermaliger Goldvorrath für die heutigen gesteigerten Verkehrsbedürfnisse nicht genugend sei; es würde dies auch den Thatsachen durchaus widersprechen.  Aber er scheint besorgt zu sein, die Entwicklung des Verkehrs und des menschlichen Gewerbsfleisses werde in Zukunft noch grossere und zuletzt derartige Dimensionen erreichen, dass in irgend einem spätern Zeitpunkt das auf der Erde vorhandene Gold für die menschlichen Bedürfnisse nicht ausreichen werde.  Ich glaube indess, hierüber brauchen wir uns einstweilen noch nicht die Kopfe zu zerbrechen, sondern dürfen die Sorge hiefür zutrauensvoll der Vorsehung anheimstellen.  Schliesst doch Allard selbst sein Buch mit dem Spruche von Lafontaine :

Concluons que la Providence sait ce qu’il nous faut, mieux que nous.

ad 4.

Als Panacee gegen alle früher geschilderten wirklichen oder vermeintlichen Nothstande wird uns nun die Wiederherstellung des allein seligmachenden Werthverhältnisses von 15 ½ angepriesen, d. h. die künstliche Hebung des Silberpreises von 46 ½ auf 60 13/16 d., oder von Fr. 170 auf Fr. 220 pr. Kil.

Wir haben nun gesehen, dass schon bei den heutigen Silberpreisen die Silberausbeutung ein sehr lucratives Gewerbe ist, wie dies aus der jährlichen Zunahme der Production unzweifelhaft hervorgeht.  Dieselbe erreichte für 1884 die Ziffer von mindestens 2,800,000 Kil., was zum frühern Preise von Fr. 220 pr. Kil. einem Werthe von über 600 Millionen Franken entspricht.  Lexis schätzt sie dermalen auf 640 Millionen, und hält es nicht für unwahrscheinlich, dass die jährliche Silberproduction der Erde (nach dem alten Preise bemessen) auf 750 Millionen Franken und darüber steigen werde; ein Anwachsen, welches naturlich durch eine Hebung des Marktpreises dieses Metalles wesentlich beschleunigt würde.  In den Jahren 1851-1860 hatte die Production durchschnittlich pr. Jahr 900,000 Kil. = 200 Millionen, 1873 ca. 400 Millionen Franken betragen.

In einer kurzlich erschienenen Brochure wird auf Grund von Statistiken im Journal der Londoner Handelskammer das Verhältniss der Productionskosten von Gold und Silber aus Erz in Amerika zu 37 : 1 angegeben; mit dem Beifugen, andere Berechnungen seien für das Silber noch «ungünstiger», d. h. wohl, dasselbe sei verhaltnissmässig noch billiger zu erstellen.  Wie lässt sich dies mit der Zumuthung vereinbaren, die Regierungen sollten durch Gesetz bestimmen, dass das Gold, dessen Erstellung 37 Mal so viel kostet als das Silber, gleichwohl nur 15 ½ Mal mehr werth sein dürfe ?  Das klingt doch geradezu widersinnig.

«Was das Silber angeht», schrieb schon Roscher, (die Grundlagen der Nationalökonomie, 1854), «so kann wohl nicht bezweifelt werden, dass Amerika noch unermessliche, bisher so gut wie gar nicht berührte Erzlager besitzt.», und citierte gleichzeitig einen Ausspruch von Duport (Essai sur la production des métaux précieux au Mexique, 1843) : «Es wird die Zeit kommen, ein Jahrhundert früher oder später, wo die Silberproduction keine andern Gränzen hat, als diejenigen, welche ihr durch die fortwährende Abnahme des Silberpreises gesteckt werden.»

Es ist heute von Interesse an derartige Urtheile zu erinnern, welche aus einer Zeit stammen, wo man von der grossartigen Zunahme der Production der Edelmetalle in den letzten Jahrzehnten noch keine Ahnung hatte.

Abgesehen von der Frage des Rechts, und von der Durchführbarkeit einer solchen staatlichen Regelung, frage ich einfach : Welches Interesse haben denn die Regierungen daran, dass das Gold 15 ½, oder 20, oder 30 Mal so viel gelte als das Silber, dass das Silber im Verkehr nicht Fr. 170, sondern Fr. 220 pr. Kil. koste und dass die Silberproducenten durch diesen Mehrwerth von Fr. 50 auf jährlichen 2,800,000 Kil. einen Mehrgewinn von 140 Millionen Franken im Jahr in die Tasche stecken ?  Warum nicht wie in allen andern Dingen die Reglierung dieses Preisverhältnisses dem freien Verkehr, dem freien Spiel des Angebots und der Nachfrage überlassen ?

Es mag zugegeben werden, dass das Zusammenbrechen des lange bestandenen, traditionellen Werthverhältnisses, das Sinken des Silberpreises von 60 13/16 auf 46 ½ d., mancherlei Nachtheile und Übelstände mit sich geführt hat.  Aber das Übel ist nun einmal geschehen; es war ein Naturereigniss ähnlich dem grossen Zufluss von Edelmetallen zur Zeit der Entdeckung Amerikas; es hat neben vielem Guten für die Entwicklung unserer Kultur auch gewisse Schattenseiten.  Aber hält man es, wenn überhaupt für möglich, nur auch für gut und wunschenswerth, das betreffende Blatt aus unserer Kulturgeschichte einfach heraus zu reissen, und durch künstliche und willkührliche Massregeln das alte Preisverhältniss, das sich in der Gegenwart nicht bewährt hat, gewaltsam wieder herzustellen ?  Statt alte Wunden zu heilen, und Übelstände wieder gutzumachen, würde man durch die neue Werthschwankung nach oben nur neue Unsicherheit und neue Verluste herbeiführen.

«So tritt für jeden, der sehen will», sagt Bamberger, «klar zu Tage, dass hier die Dinge stärker sind als die Menschen; denn an menschlicher Willenskraft und an menschlichem Witz hat es nicht gefehlt.  Der Gang der Gesittung, des Verkehrs, mit Einem Wort : des Lebens, hat sich gegen den fernern Gebrauch des Silbers als vollwerthige Hauptmünze erklärt; und im Zusammenhang damit urn so entschiedener gegen die Möglichkeit eines mittelst gesetzlicher Vorschriften festzusetzenden und festzühaltenden unabänderlichen Werthverhältnisses zwischen den beiden Metallen.»

ad 5.

Aber lassen wir die theoretische Controverse, ob die Wiederherstelhmg des gesetzlichen Verhältnisses von 15 ½ überhaupt ein wunschenswerthes und anzustrebendes Ziel sei, für einmal auf sich berühen – zugestandener Massen könnte dieses Ziel nur erreicht werden durch eine gleichzeitige Vereinbarung der betheiligten Staaten; also durch ein Einverstandniss mindestens von Frankreich, Deutschland und den Vereinigten Staaten.  Ob auch die Mitwirkung Englands absolut nothwendig sei, darüber gehen die Meinungen der Gelehrten unter den Bimetallisten auseinander.

Die Einen sagen : «Nichts ohne England», und möchten daher mit ihrer Agitation in erster Linie auf das englische Volk und die englische Regierung einwirken.  So schreibt der conservative «Reichsbote» unterm 13. Februar : «Darin sind wir ja alle einig, dass wir nicht zur Doppelwährung übergehen können, so lange es nicht auch England thut; bis dahin aber wird es noch gute Weile haben».  Auch Lexis in seinem oben erwähnten Aufsatze spricht sich in diesem Sinne aus.

Die Andern sehen ein, dass die bimetallistische Agitation in England vollig hoffnungslos ist, und wollen es auch ohne England probieren; so Arendt, von Kardorff, Cernuschi.

In England giebt es nämlich wohl eine gewisse Richtung, welche mit den Bimetallisten auf dem Continent und in Amerika liebäugelt und welche deren Bestrebungen, soweit sie gegen Deutschland, Frankreich, die Vereinigten Staaten gerichtet sind, Beifall spendet und ihnen Erfolg wünscht.  Aber an das alte, solide Münzsystem des eigenen Landes wollen dieselben bei Leibe nicht Hand anlegen – ja, Bauer, das ist ganz was anders !  Bimetallismus in der ganzen Welt, aber Goldwährung in England : das ist ihre Devise.

Cernuschi hatte in der Sitzung der Internationalen Münzconferenz vom 5. Mai 1881 gesagt : «À quelle condition en effet est subordonnée la réussite de l’œuvre qu’entreprend aujourd’hui la Conférence ?  À l’entente des quatre grandes puissances métalliques du globe : la France, les États-Unis, l’Allemagne et la Grande Bretagne.  L’entente de la France et des États-Unis est deja un fait accompli.  Le succès de la conférence et le sort du bimétallisme ne dépendent donc plus que de l’Allemagne et de l’Angleterre.  Si elles se joignent toutes deux à la France et aux États-Unis, le bimétallisme devient la loi monétaire du monde entier; si l’une d’elles s’y rallie, il est encore possible; si elles refusent toutes deux leur coopération, il est condamné à rester impraticable».

Der gleiche Cernuschi sprach dagegen in directem Gegensatz hiezu acht Tage später (12. Mai 1881) das grosse Wort gelassen aus : «C’est au bimétallisme réel et sincère qu’il faut arriver.  Il est possible à quatre, à trois, et même à deux.  Oui, l’Union bimétallique serait souveraine dans le monde alors même qu’elle ne comprendrait que les États-Unis et la France.»

Auch darüber, ob die Internationale Vereinbarung auf der Grundlage des alten französischen Werthverhältnisses von 15 ½, oder auf einer neuen, den heutigen Silberpreisen entsprechenden Grundlage zu erfolgen hatte, ist man im bimetallistischen Lager nicht einig.  Die letztere Alternative wäre naturlich die rationellere, sie hat aber durchaus keine Aussicht auf praktische Verwirklichung.

Frankreich ist das Land, wo in den Regierungskreisen die bimetallistische Strömung gegenwärtig am meisten Anhanger zählt : aber unter der selbstverstandlichen Voraussetzung, dass das alte traditionelle französische Werthverhaltnias von 15 ½ die Grundlage der geplanten internationalen Vereinigung bilde.  Frankreich wird unter keinen Umständen einwilligen, den Silberfünffrankenthaler, die Basis seines Münzsystems (25 Gramm Silber 9/10 fein) aufzugeben, und denselben künftig in einem schwerern Gewichte, z. B. zu 30 oder 35 Gramm, auszuprägen.  Die Kosten eines Rückzugs und einer Umprägung seiner 3 Milliarden Silberthaler und den Verlust vieler 100 Millionen durch eine niedrigere Werthung des Silbers wird Frankreich niemals auf sich nehmen.  Wenn man also die Mitwirkung Frankreichs will, so ist keine andere Basis möglich, als das Gesetz vom Jahre XI mit der Werthrelation von 15 ½.

Auch würde, wie Bamberger richtig bemerkt, gerade den Ansehnlichsten unter den Bimetallisten in Amerika wie in Deutschland mit der Wiederaufnahme der Silberprägungen gar nicht gedient sein, wenn sie nicht durchsetzen, dass das Silber über seinen wirklichen Werth, als wohlfeiles Geld (soft money) zu Gunsten der Schuldenmacher und der Speculation in Gang gesetzt wird.

Diese Controverse ist übrigens eine ziemlich müssige.  Denn wer sich die Lehren der Erfährung zu Nutze macht, der wird sich heute der Einsicht nicht verschliessen können, dass ein auf die Doppelwährung gegründeter, internationaler Münzvertrag, der alle oder doch die hauptsächlichen Kulturvolker umfassen soll, eine Sache der Unmöglichkeit, eine undurchführbare Utopie ist.

An Versuchen, an gutem Willen, an schonen Reden und Sympathiebezeugungen für diesen Gedanken hat es ja nicht gefehlt – aber etwas Reelles, Positives ist noch nie zu Stande gekommen; ja noch mehr, ein greifbares, in Paragraphen gefasstes, irgendwie discutierbares Project eines solchen Vertrages ist noch von keiner Seite jemals vorgelegt worden.

Von dem resultatlosen Ausgang der internationalen Conferenz von 1867, welche einen auf die Goldwährung gegründeten Weltmünzfuss angestrebt hatte, ist früher schon die Rede gewesen.

Aber auch seitherige Versuche in bimetalliatischem Sinne batten keinen bessern Erfolg.

In den Vereinigten Staaten, welche seit Beginn des Secessionskrieges unter einer entwertheten Papierwirthschaft gelitten hatten, wurde nach langern Debatten im Februar 1878 die sogen. Bland Bill im Congress angenommen, und entgegen dem anfänglichen Veto des Präsidenten Hayes durch eine Zweidrittelsmehrheit in beiden Häusern zum Gesetz erhoben.

Durch diese Bill, für deren Wiederbeseitigung seither wiederholt vergebliche Anstrengungen gemacht würden, und welche zur Stunde noch in Kraft besteht, wurde der «Dollar unserer Vater» von 1837, nämlich 412 ½ Grains Troy Silber 9/10 fein, als gesetzliches Zahlmittel neben dem bestehenden GoldDollar (= 25.8 Grains Gold 9/10 fein), also im Werthverhältniss von annähernd 1 : 16 wieder eingeführt; und gleichzeitig die obligatorische Ausmünzung für Rechnung des Fiscus von mindestens 2 Millionen und hochstens 4 Millionen Silberdollars per Monat beschlossen.

Ferner wurde durch eine Bestimmung dieser Bland Bill der Präsident der Vereinigten Staaten aufgefördert, binnen sechs Monaten die Regierungen des lateinischen Münzbundes, sowie anderer europäischer Staaten zu einer Conferenz einzuladen, um sich mit ihnen über die Aufstellung eines internationalen Werthverhältnisses zwischen Silber und Gold zu verständigen.

Diese Conferenz trat im August 1878 in Paris zusammen, und umfasste ausser den Repräsentanten der Vereinigten Staaten und der fünf Staaten der lateinischen Union des weitern Vertreter von Österreich-Ungarn, Grossbritannien, den Niederlanden, Russland, Schweden und Norwegen.  Deutschland hatte die Theilnahme an derselben abgelehnt.

Die Conferenz hielt eine Reihe von Sitzungen, in welchen glanzende Reden gehalten würden; das Resultat war aber absolut Null.

Die amerikanischen Delegierten hatten folgende Thesen aufgestellt und der Conferenz zur Annahme vorgeschlagen :

1.  La Conférence est d’avis qu’il n’est pas désirable que le métal argent soit exclu du libre monnayage en Europe et aux États d’Amerique.  Elle croit au contraire désirable que le libre monnayage de l’argent et son emploi comme monnaie légale ayant force libératoire illimitée soient maintenus dans les pays où ils existent et, autant que cela pourra se faire, rétablis dans ceux où ils ont cessé d’exister.

2.  L’emploi simultané de l’or et de l’argent, comme monnaie légale ayant cours illimité, peut être assuré sans inconvénient :

a) en les mettant sur un pied d’égalité au moyen d’un rapport à fixer par entente internationale;

b) en adoptant pour chaque métal, d’après le rapport fixé, des conditions égales de frappes sans qu’il soit fait entre eux aucune distinction.»

Die Vertreter der europäischen Staaten gaben im Gegensatz zu diesen Vorschlägen folgende mit grosster Sorgfalt redigierte Erklärung zu Protocoll, welcher sich sämmtliche Delegierte, mit alleiniger Ausnahme Italiens, angeschlossen hatten :

«Les délégués des États européens représentés à la Conférence désirent exprimer leurs remerciments au Gouvernement des États-Unis d’Amerique pour avoir provoqué un échange international d’opinions sur l’importante question monétaire.

«Après avoir mûrement considéré les propositions des délégués des États-Unis, ils reconnaissent :

1.  qu’il est nécessaire de maintenir dans le monde le rôle monétaire de l’argent aussi bien que celui de l’or; mais que le choix entre l’emploi de l’un ou de l’autre de ces deux métaux, ou l’emploi simultané des deux, doit avoir lieu suivant la situation spéciale de chaque État ou groupe d’États;

2.  que la question de la limitation du monnayage de l’argent doit également être laissée à la libre décision de chaque État ou groupe d’États, suivant les conditions particulières où ils peuvent se trouver, et cela d’autant plus que les perturbations qui se sont produites dans ces dernières années sur le marché de l’argent ont diversement affecté la situation monétaire des différents pays;

3.  que, en présence des divergences d’opinions qui se sont manifestées et de l’impossibilité où se trouvent même des États ayant le double étalon de prendre un engagement relatif à la frappe illimitée de l’argent, il n’y a pas lieu de discuter la question d’un rapport international de valeur à établir entre les deux métaux.»

Die Regierung der Vereinigten Staaten liess sich durch diesen ersten Fiasco nicht entmuthigen.  Zwei Jahre später setzte sie sich in Verbindung mit der französischen Regierung, wo die bimetallistischen Ideen Cernuschi’s, vertreten durch den Finanzminister Magnin, zur Zeit die Oberhand über die gemässigten Anschauungen seines Vorgangers Léon Say gewonnen hatten.

Anfangs 1881 erliessen die beiden Regierungen gemeinsam eine Einladung zu einer neuen internationalen Münzconferenz, welche vom April bis Juli 1881 in Paris tagte, und an welcher sämmtliche europäische Staaten mit Einschluss von Deutschland theilnahmen.  Die Versammlung wurde durch den französischen Finanzminister Magnin präsidiert, und Cernuschi hatte volle Gelegenheit, als officieller Vertreter Frankreichs seine bimetallistische Doctrin in ausgiebigster und einlässlichster Weise zu begründen und zu entwickeln.  Der langjährige schweizerische Vertreter Feer-Herzog, der durch seine eminente Begabung und Sachkenntniss an den früheren Conferenzen jeweilen eine hervorragende Stellung eingenommen hatte, war inzwischen gestorben, und mir ward die Ehre zu Theil, mit Minister Kern und Dr. Lardy den schweizerischen Bundesrath an dieser Conferenz zu vertreten.

Das Resultat war das Gleiche wie im Jahre 1878 : schöne Reden, wohlwollende Gesinnungen, Bedauern über den gesunkenen Silberwerth und fromme Wünsche für dessen «Rehabilitation» – aber kein einziger practischer Vorschlag, und keine Annäherung der entgegenstehenden Ideen.

In der Schlufisitzung vom 8. Juli 1881 gaben die französischen und amerikanischen Delegierten folgende Erklärung zu Protokoll, welche vielleicht als Programm bei Eroffnung der Conferenz richtiger an ihrem Platze gewesen wäre :

1° Les grandes fluctuations et la diminution de la valeur de l’argent, relativement à l’or, qui se sont manifestées il y a plusieurs années, et qui existent encore, ont été et sont très nuisibles au commerce et à la prospérité générale.

En retablissant un rapport fixe entre la valeur de l’or et celle de l’argent, on rendrait au commerce du monde entier un service de la plus haute importance.

2° Une convention adoptée par un groupe important d’États qui s’engageraient à ouvrir leurs hôtels de monnaie à la frappe libre et sans limite des deux métaux, avec un rapport de poids fixe entre l’or et l’argent contenus dans l’unite monétaire de l’un et de l’autre métal et avec pleine force libératoire, aurait pour conséquence de rendre stable la valeur relative des deux métaux dans la circulation générale, à la satisfaction des intérêts et des besoins du monde entier.

3° Toute proportion actuellement ou récemment en vigueur dans une grande nation commerciale pourrait se maintenir, si elle était adoptée par ce groupe d’États.

Mais l’adoption de la proportion de 15 ½ : 1 permettrait d’atteindre Ie but en causant moins de troubles et de difficultés dans l’ensemble des différents systèmes monétaires existants.

4° Sans rechercher l’effet que pourrait produire un accord entre un nombre restreint d’États, une convention intervenant entre l’Allemagne, l’Angleterre, les États-Unis et la France avec le concours d’autres États d’Europe et d’Amérique aurait pour effet de maintenir dans le monde commercial tout entier le rapport adopté par cette convention.»

Hierauf wurde ebenfalls von den französischen und amerikanischen Delegierten folgende Tagesordnung vorgeschlagen und von der Versammlung einmuthig angenommen :

«La Conférence, considérant que dans le cours de ses deux sessions elle a entendu les discours, déclarations et observations des Délégués des États ci-dessous énumérés :

Allemagne, Autriche  Hongrie, Belgique, Danemarc, Espagne, États-Unis, France, Grande-Bretagne, Indes britanniques, Canada, Grèce, Italie, Pays-Bas, Portugal, Russie, Suède, Norvège, Suisse;

«Considérant que les déclarations faites par plusieurs des Délégués l’ont été au nom de leurs Gouvernements;

«Que ces déclarations admettent toutes l’utilité de prendre de concert diverses mesures, sous réserve de l’entière liberté d’action des différents Gouvernements;

«Qu’il est permis de croire qu’une entente pourrait s’établir entre les États qui ont pris part à la Conférence;

«Mais qu’il convient de suspendre les réunions des Délégués;

«Qu’en effet la situation monétaire peut, pour quelques États, motiver l’intervention des pouvoirs publics, et qu’il y a lieu de faire place, quant à present, à des negociations diplomatiques,

«S’ajourne jusqu’au mercredi, 12 Avril 1882.»

Um zu dieser inhaltlosen Resolution zu gelangen, hatten die Vertreter der Regierungen von Europa und Amerika, worunter Capacitäten ersten Ranges sich befanden, währlich nicht nöthig gehabt, drei Monate lang in Paris beisammen zu sitzen !

Anfanglich war der 1. April 1882 als Tag der Wiederversammlung der Conferenz vorgeschlagen worden : man glaubte aber dieses Omen ablehnen zu sollen.

Vor dem Eintritt des Termins vom 12. April 1882 wurde die Conferenz neuerdings sine die vertagt.  Seitdem hat sie kein Lebenszeichen mehr gegeben, und auch von Erfolgen diplomatischer Verhandlungen hat man in der Zwischenzeit wenig gehort.

Den Eindruck, welchen die Verhandlungen jener Conferenz auf mich gemacht haben, habe ich in meinem Bericht an den Bundesrath folgendermassen ausgesprochen :

«Wenn etwas durch den Verlauf der letzten Conferenz zur Evidenz erwiesen worden ist, so ist es die Schwierigkeit, um nicht zu sagen die Unmöglichkeit, das Münzwesen einer grossern Anzahl von Staaten durch internationale Verträge zu regeln.  Es ist dies ein Gebiet, welches zu innig mit dem innersten Rechtsleben und den vitalsten Interessen der einzelnen Staaten verknupft ist und zu tief in alle Verhältnisse des täglichen Verkehrs einschneidet, als dass ein Staat freiwillig sein Selbstbestimmungsrecht beschränken und für das angebliche allgemeine Beste die Freiheit seiner Gresetzgebung leicht zum Opfer bringen wird.

«Internationale Münzverträge sind bis jetzt nur zwischen kleinern Gruppen verwandter Staaten abgeschlossen worden, wie in Skandinavien, im deutsch-österreichischen Münzvertrag, in der lateinischen Münzunion.  Und auch da haben sie sich durchaus nicht immer bewährt.  Die Einführung des Zwangskurses in Italien war lange und ist zum Theil heute noch für die übrigen lateinischen Münzstaaten eine Quelle von Verlegenheiten.  Es fehlt nicht an Stimmen in Frankreich, welche den Abschluss der lateinischen Münzconvention als einen volkswirthschaftlichen Fehler bezeichnen.

«Wie delikater Natur übrigens solche internationale Münzverträge sind, sobald sie einmal einem grössern Staate unbequem oder lastig fallen, dafür gibt uns gerade im vorliegenden Fall das Vorgehen Frankreich’s einen Fingerzeig.

«Im November 1878 war zwischen den Staaten der lateinischen Münzconvention ein neuer Vertrag auf die Dauer von 7 Jahren abgeschlossen worden, durch welchen die Ausprägung von Silbermünzen bis zum 1.  Januar 1886 untersagt, resp. von der Zustimmung sämmtlicher Staaten abhängig gemacht wurde.  Diese Bestimmung wurde damals auf Antrag oder doch im vollen Einverständniss der französischen Regierung und auf das ausdrückliche Verlangen der Bank von Frankreich in den Vertrag aufgenommen.  Gleichwohl sehen wir kaum 2 Jahre später die gleiche französische Regierung mit den Vereinigten Staaten direkte Verhandlungen wegen eines Münzvertrages anknupfen, welcher auf Grundlage der freien Ausmünzung des Silbers berühen sollte – ohne die übrigen lateinischen Vertragsstaaten vorher in dieser Sache zu begrüssen, oder ihnen die Grunde für diese Separatverhandlungen mitzutheilen, welche zu der frühern Haltung Frankreich’s in direktem Gegensatz stehen und die vorherige Aufhebung des bestehenden lateinischen Münzvertragea jedenfalls zur Voraussetzung haben würden.

«Wir führen diesen Umstand an, um zu zeigen, wie schwierig es sein würde, nicht bloss eine Übereinstimmung zwischen einer grossern Anzahl von Grostaaten auf diesem Gebiete zu Stande zu bringen, sondern auch einem eventuellen Vertrag auf die Dauer Nachachtung zu verschaffen, wenn in Folge unvorhergesehener Verhältnisse der eine oder andere Staat sich durch denselben in seinen Interessen gehemmt und geschädigt fühlt.»

In ähnlicher Weise urtheilt auch eine grundsätzlich bimetallistische Autorität, welche freilich mit den Pursangs Arendt, Kardorff, Cernuachi u. s. w. nicht durch Dick und Dünn geht, nämlich Prof. Lexis in Breslau, über die Aussichtslosigkeit dieser Bestrebungen.  Er sagt u. A., nachdem er die Frage aufgeworfen, ob es möglich wäre, bei der Verschiedenheit der Verhältnisse die Festigkeit des Werthverhältnisses in allen Ländern gleichmässig aufrecht zu halten :

«Weiteres Grübeln über diesen Punkt ist indess unnütz, da die Voraussetzung einer allgemeinen bimetallistischen Union niemals erfüllt werden wird, zumal noch die weitere Forderung gestellt werden müsste, dass das bimetallistische System nicht nur auf dem Papier, sondern effektiv in Wirksamkeit trete, d. h. dass die Papiergeldwirthschaft abgeschafft, und die Baarzahhing aufgenommen werde.  Denn nur in diesem Falle, also wenn insbesondere Russland und Österreich grosse Silbermassen Aufnahmen, bliebe bei den voraussichtlichen Productionsverhältnissen der beiden Edelmetalle die Möglichkeit der Befestigung des alten Werthverhältnisses allenfalls noch denkbar, und nur in diesem Falle wäre es auch noch vielleicht möglich, dass von Jahr zu Jahr 300 Millionen Mark Silber geprägt würden, ohne dass eine schädliche und unberechtigte Erhöhung des allgemeinen Preisniveau zu befurchten wäre.»

Über die Schwierigkeiten und Verlegenheiten, welche die lateinische Münzunion in ihrem Gefolge hatte, die doch faktisch nur vier benachbarte und verwandte Staaten umfasste (denn Griechenland fällt für alle praktische Zwecke ausser Betracht), und in der naturgemäss Frankreich eine dominierende Stellung einnähm, spricht sich hohnend der Bimetallist Allard in folgender Weise aus :

«Tout ce qui repose sur de fausses bases, tout ce qui s’appuie sur de faux principes, tout ce qui, en un mot, est mal assis et mal établi, a bien des chances de donner lieu, tôt ou tard, à des embarras, à des mécomptes, à des difficultés; et plus on remet, plus on attend, et plus aussi l’imbroglio se complique.

«La convention latine paraît être dans ce cas.

«Cinq États se sont réunis, ils avaient des opinions et des intérêts monétaires différents; les uns voulaient des monnaies d’or et d’argent comme la France, les autres, tels la Belgique et la Suisse, désiraient des monnaies composées uniquement d’un seul métal; les uns battaient monnaie, les autres n’en avaient jamais frappé; ils avaient des populations fort disparates, les uns 37 Millions comme la France, les autres à peine 3 Millions comme la Suisse; les uns avaient pour monnaie le papier, comme l’Italie, les autres la monnaie métallique.  Ils ont cependant constitué entr’eux un seul État monétaire, un seul ensemble conventionel, hétérogène il est vrai, et réunis ainsi, ils se sont reconnus des droits égaux et réciproques.

«Quelqu’anormal que cela paraisse et quelqu’extraordinaire que cela soit, c’est ainsi qu’on a precédé sans encombre pendant toute la durée de la convention signée en 1865 et renouvelée en 1878, mais elle arrive à échéance le 31 Decembre 1885.

«Le quart d’heure de Rabelais paraît etre arrivé, et à ce moment se présente la grave question de savoir à qui devront revenir les pieces dépréciées et quels sont les peuples qui en doivent supporter la perte ?

«Ou bien ceux qui les ont battues en s’en reservant le bénéfice après les avoir avilies ?  Ou bien ceux, qui par les hasards du commerce, les auront en circulation chez eux le 31 décembre 1885 ?»

Ich frage nun, kommen diese gleichen Bedenken nicht in viel höherm Grade in Betracht, wo es sich um einen allgemeinen internationalen Münzbund handelt zwischen einer grössen Anzahl von Staaten, deren Münzgesetze und Münzverhältnisse auf ganz verschiedenen Grundlagen berühen, deren Interessen durchaus verschiedene sind; einen Münzbund, welcher zum ausgesprochenen Zweck hat, dem Silber einen künstlichen höhern Werth beizulegen, und auf dieses künstliche Werthverhältniss die Währung, den Standard dieses Münzbundes zu gründen ?  Darf man einem solchen Münzbund, auch wenn er mit allgemeinem guten Willen abgeschlossen werden könnte, mit irgend einem Funken von Währscheinlichkeit eine Lebensfähigkeit, die Möglichkeit einer langern Dauer zutrauen ?  Und muss man nicht dem Minister von Scholz vollständig beipflichten, wenn er sagt, es sei ihm noch nie eine Formel eines solchen bimetallistischen Vertrages vorgelegt worden, den ein Mann, welcher sein Vaterland lieb hat, welcher sein Vaterland nicht verrathen will, unterzeichnen könnte ?

Wichtiger jedoch als solche Äusserungen einzelner Publicisten und Männer der Wissenschaft sind die officiellen Erklärungen der massgebenden Vertreter derjenigen Regierungen, auf deren Initiative oder doch Mitwirkung der angepriesene bimetallistische Staatenbund berühen soll.

Und da verweise ich zuerst auf die Botschaft des amerikanischen Präsidenten Cleveland an den Congress vom 8. December 1885; worin ausgeführt wird, dass alle Versuche, eine internationale Conferenz zur Annahme einer gemeinsamen Basis zwischen Gold und Silber behufs internationaler Etablierung des Bimetallismus herbeizuführen, gescheitert sind; und dass auch die neuliche Mission des Herrn Marble nach Europa zu keinem andern Resultate geführt hat, als festzustellen, dass die leitenden europäischen Machte noch genau dieselbe Stellung in dieser Beziehung einnehmen, wie bei der 1881 in Paris abgehaltenen Conferenz.

Namentlich aber verweise ich sodann auf die Discussionen, welche im Lauf der letzten Monate sowohl in der französischen Kammer, als im preussischen Landtag und im deutschen Reichstag stattgefunden haben.

Am 8. Februar 1886 interpellierte der bekannte Financier Baron Soubeyran in der französischen Kammer die Regierung über ihre Stellung zur Münzfrage; und nach einer längeren Rede, worin alle Argumente der Bimetallisten, welche bei solchen Anlassen regelmässig vorgeführt werden, weitläufig auseinander gesetzt waren, stellte er folgenden Antrag :

«La conférence monétaire internationale, qui a siégé à Paris en 1881, sur l’invitation des États-Unis et de la France, ayant pris la résolution de s’ajourner pour faire place à des négociations diplomatiques qui pourraient amener une entente entre les États intéressés, la Chambre recommande au Gouvernement, de poursuivre ces négociations, afin que la Conférence reprenne utilement et au plus tôt ses réunions.»

Diese Rede rief einer einlässlichen Erwiderung des Nationalöconomen Frederic Passy, welcher an der Hand der geschichtlichen Thatsachen die Entstehung und die Wirkungen des Gesetzes vom Jahre XI schilderte, und unter lebhaftem Beifall von Seite der Linken und des Centrums die Ausführungen Soubeyrans Schritt für Schritt widerlegte.

Von besonderem Interesse aber ist es zu sehen, in welcher Weise der französische Finanzminister Sidi Carnot sich gegenüber der Anregung Soubeyran’s aussprach.

Nachdem derselbe vorerst seinen Sympathien für dessen Ideen und Ziele Ausdruck gegeben hatte, führ er fort :

«C’est ainsi, Messieurs, que la Conférence de 1881 manifestait les dispositions conciliantes des diverses puissances; mais il faut ajouter que chacune d’elles est restée fidèle à ses vues, qu’aucune n’a fait le sacrifice des préférences dictées par sa situation, par ses intérêts monétaires, et la Conférence s’est séparée le 8 juillet en laissant la parole à la diplomatie.  Eh bien, Messieurs, aujourd’hui la situation s’est-elle sensiblement modifiée ?»

Der Minister wies sodann auf die oben erwähnten Äusserungen des amerikanischen Präsidenten Cleveland; ferner auf die Rede des Finanzministers v. Scholz im preussischen Landtag, auf die ich sofort zu sprechen komme, und sagte dann wetter :

«Il n’apparaît pas d’après les documents que je viens de faire passer sous vos yeux, que le terrain soit aujourd’hui bien préparé pour que les discussions dans une conférence internationale puissent amener un résultat efficace, et conduire à la solution de la crise monétaire.  Dans de pareilles conditions il ne serait pas sans inconvénient de demander aux puissances qui ont pris part aux travaux de 1881, de déléguer de nouveau leurs négociateurs.»

Von diesem gleichen Gesichtspunkte aus beantragte der Ministerpräsident de Freycinet über den Antrag Soubeyran zur einfachen Tagesordnung zu schreiten, welche denn auch, nachdem Soubeyran seinen Antrag zurückgezogen hatte, ohne Widerspruch einstimmig angenommen wurde.

Dies hinderte indess nicht, dass Baron Soubeyran in einem von ihm inspirierten Blatte diesen Ausgang als einen grossen Triumph für sich darstellen liess.

«Si, comme tout porte à croire», schreibt die Semaine financière vom 13. Februar, les négociations aboutissent, l’éminent financier, qui a nom Monsieur le Baron de Soubeyran, pourra se montrer fier d’avoir rencontré un brillant succès, en rendant à ses contemporains un signalé service.»

Viel entschiedener und deutlicher aber lautete die Antwort, welche der preussische Finanzminister von Scholz in der Sitzung des preussischen Abgeordnetenhauses vom 22. Januar 1886 den deutschen Bimetallisten ertheilte :

«Wir haben», sagte er, «wie Sie wissen, die Münzconferenzen, die zunächst ganz aussichtslos waren, alsbald dennoch beschickt, um unsern guten Willen, an dieser europäischen Aufgabe mitzuarbeiten, zu bestätigen.  Wir werden – dess bin ich überzeugt – auch fernerhin im eigenen Interesse und im Interesse der Gesammtheit dieser Sache mit aller Aufmerksamkeit und mit allem redlichen Bemühen zur Forderung gegenüberstehen; aber zwischen diesem Standpunkt und dem Anträge, der in tausenden von Petitionen jetzt gestellt worden ist und der so einfach lautet : den internationalen Bimetallismus so schnell wie möglich einzuführen – zwischen diesen beiden Dingen ist eben ein himmelweiter Unterschied.  In diesen Petitionen – sie bestehen zum grossen Theil aus nichts, als aus diesen drei Zeilen : sie beantragen, den internationalen Bimetallismus oder die internationale Doppelwährung so schnell wie möglich einzuführen – wird davon gesprochen, wie von einem bekannten, feststehenden Dinge.  Wie man sagt, die allgemeine Schulpflicht einzuführen, oder die allgemeine Dienstpflicht, so soll man die Internationale Doppelwährung einführen.  Ich habe aber noch keinen Menschen getroffen, der mir eine genügende, nur einigermassen genügende ,und vor der Kritik nur einen Moment bestehende Antwort auf die Frage hatte geben können : Was ist die internationale Doppelwährung? (Sehr richtig !  links.)  Meine Herren, es hat sich einer der eifrigsten Agitatoren für den Bimetallismus in Frankreich, Herr Cernuschi, im Anfang der Bewegung darüber gemacht, einen Vertragsentwurf anzufertigen, wie er sich ihn ungefähr dachte, ein Instrument, zwischen den Staaten der civilisierten Welt vereinbart, welches nun den internationalen Bimetallismus verkorpert.  Die Freunde der Sache haben das Buch über diesem Blatte schnell zugemacht; über diesen Vertragsentwurf ist nie wieder gesprochen worden.  Die Compatrioten des Herrn Cernuschi selbst haben über diesen Vertragsentwurf tiefes Schweigen später beobachtet; ich habe nie gehort, dass Jemand ernsthaft zu diesem Project sich zu bekennen noch einen Moment gewagt hätte; und obwohl es nun sehr geistreiche, sehr fleissige, sehr talentvolle Leute unter den deutschen Bimetallisten unzweifelhaft giebt, die Tag für Tag Artikel, Bücher, Flugblätter über die Sache schreiben, ich habe noch keinen gesehen, der es gewagt hätte, ein Exemplar oder eine Formel des bimetallistischen Vertrags, wie er ihn sich denkt und wie er glaubt, dass er bei genauer Prüfung von Jedem, der sein Vaterland lieb hat, der sein Vaterland nicht verräthen will, unterzeichnet werden könnte, vorzulegen.  (Hort, hort !)  Ich glaube auch, dass daran in dem Zeitalter, wo die Kriege noch möglich sind, wo Vertragstreue nicht überall entscheidend und ewig ist, wo die Staaten Heere unterhalten mussen, dass da an dieser Unmöglichkeit, einen befriedigenden bimetallistischen Vertrag aufzustellen, diese sehr weitgehende Sache scheitern wird und scheitern muss; denn es handelt sich dabei nicht, wie bei einem Postvertrage, bei einem Eisenbahnvertrage, bei einem Zollvertrage u. s. w., um Dinge, die man beliebig kündigen kann und aus denen man sich nachher mit heiler Haut zurückziehen kann, wie man vorher hineingegangen ist; sondern bei diesem Vertrage handelt es sich darum, dass wir in unseren wirthschaftlichen Körper Blut einführen lassen sollen mittels Vertrages, welches nur unter gewissen Umstanden diese Functionen als Blut haben und erfüllen kann, und welches, wenn der Vertrag zerrissen oder vernichtet wird, durch Vertragsuntreue oder sonstige Ursachen, bei uns in dem Körper sitzen bleibt und uns an dem Gedeihen und Fortführen unserer Institutionen hindert.»

Dieses offene Auftreten von Scholz’s erregte natürlich grosse Besturzung und Erbitterung im bimetallistischen Lager.  Man hoffte in der Währungsfrage einen Gegensatz zwischen dem Finanzminister und dem Fürsten Bismarck herauf beschworen, vielleicht gar den erstern stürzen und durch einen gefügigern Nachfolger ersetzen zu können.  So wurde für den deutschen Reichstag ein Antrag vorbereitet, ähnlich wie der von Soubeyran in Paris eingebrachte, und gewiss nicht ohne ein Einverstandniss mit dem Pariser Finanzmann; nämlich den Reichskanzler zu ersuchen, mit Frankreich, England und Nordamerika in Verbindung zu treten, um die Einführung der internationalen Doppelwährung zu ermöglichen.

Diese Formel fand aber nicht die erforderliche Unterstützung, und so ward am 8. Februar (also gleichzeitig mit der Interpellation Soubeyran in Paris), durch die Abgeordneten von Hüne, von Schalscha, von Kardorff und Genossen im Einverstandniss mit den Führern des Centrums der harmlos lautende Antrag formuliert, «die Regierungen zu ersuchen, der Währungsfrage erneut die eingehendste Prüfung zu Theil werden zu lassen, und dem Reichstag von dem Resultat dieser Prüfung Mittheilung zu machen».

Zur Begründung dieses Antrags wies der Abg. v. Hüne darauf hin, «dass die Entwicklung der Währungsfrage es zur dringendsten Aufgabe für den Reichstag mache, dazu Stellung zu nehmen; dies sei aber nur möglich, wenn genügendes Material zur Information vorliege; solches Material wolle der Antrag schaffen».

Der Abg. Leuschner führte aus, «dass die Resolution nach keiner Seite engagiere und dass er hoffe, selbst der Abg. Bamberger werde derselben zustimmen können».

Hierauf bemerkte der Staatssecretär von Burchard, «wenn die Resolution beschlossen werde, so werde der Reichskanzler dieselbe zur Kenntniss der verbundeten Regierungen bringen; der Antrag gehe übrigens von einer nicht zutreffenden Voraussetzung aus; er glaube versichern zu können, dass bei keiner der grössern Bundesregierungen die hochwichtige Frage der Währung je von der Tagesordnung verschwunden sei.»

Bald übrigens nähm die Discussion einen ernsthaftern Charakter an und gestaltete sich zu einem lebhaften principiellen Redeturnier zwischen den Anhängern und den Gegnern des Bimetallismus.

Für den Antrag sprachen ausser den genannten Rednern die Abg. von Schalscha und von Kardorff; gegen denselben in langem, zum Theil sehr grundlichen Voten, der Nationalliberale Wörmann-Hamburg, der Freikonservative Lohren, der Socialdemokrat Auer und mit besonderer Klarheit und volliger Beherrschung der Frage der Freisinnige Bamberger.

Die Delbatte war eine sehr lebhafte und reich an interessanten Zwischenfallen.

So sagte z. B. von Kardorff : «Worauf es ankommt, ist wie der Herr Reichskanzler zur Sache steht.  Er ist der einzige Mann auf Erden, der die Sache durchführen könnte, und da hoffe ich, es werde auch hiebei so gehen wie bei der Zollfrage.  Noch überlässt er diese Sache Andern, well er selbst Anderes zu thun hat.  Aber ich wünsche den Moment herbei, wo er die Sache in seine feste Hand nehmen wird».

Hierauf erwiderte Bamberger im Verlauf seiner langern mit einer Fulle geistreicher Wendungen und humoristischer Seitenhiebe gewürzten Rede :

«In welche Lage bringen Sie denn die Regierung ?  Vor Kurzem schlugen Sie der Regierung vor, einen internationalen Congress zu veranstalten.  Wen soll sie denn auf diesen Congress nun schicken ?  Welche Figur würde dieser Abgesandte dem Auslande gegenüber nun machen, wenn der Reichskanzler hier erklärt hat, dass er erst noch etwas lernen musse ?  Welches Mitglied der Regierung soll denn überhaupt die Frage nachher prüfen ?  Haben Sie etwa gar den schrecklichen Gedanken, der Reichskanzler musse noch etwas lernen ? Das gränzt doch beinahe an Hochverrath.  Ich glaube ja, dass der Reichskanzler, wenn er auf Ihre Seite träte, unser gutes Münzsystem zerstören könnte; aber einen dauerhaften, internationalen Vertrag kann er nicht zu Stande bringen, und er ist klug und gewissenhaft genug, dieses einzusehen.  Deshalb wird er Ihren bedenklichen Vorschlägen nicht folgen.»

Auch der Minister von Scholz sah sich durch die gegen ihn gerichteten Angriffe veranlasst, in die Debatte einzugreifen, und sagte u. A. :

«Eine nichtssagendere, gleichgültigere, überflüssigere Resolution als diese hat das Haus selten beschäftigt.  Also gegen die Resolution zu sprechen ist nicht nöthig.  ...  Ich war im Amte als Reichsschatzsecretär, als die Reichsregierung den von Herrn Cernuschi ausgearbeiteten Vertragsentwurf vertraulich hiehersandte.  Und ich bin nach eingehender gewissenhafter Prüfung schon damals zu der Überzeugung gekommen, dass es mir unmöglich erscheine, einen solchen Vertrag so zu formulieren, dass ich ihn – ich nehme keinen Anstand, den Ausdruck zu wiederholen – unterschreiben könnte, ohne mein Vaterland zu verräthen.  ...  Herr v. Kardorff hat jetzt so ein Aperçu gegeben, wie so ein Vertrag aussehen wurde.  Ich glaube, wer eine Ahnung hat von dem, was zu einem wirklichen internationalen Vertrage gehort, der muss sagen : das ist nur der oberflächliche Gedanke dazu; die Ausführung der Details führt erst zu den grossen unüberwindlichen Schwierigkeiten.  Aber die schenken sich die Herren; und die Frage : wirst du ernstlich rathen können, einen solchen Vertrag einzugehen ? lasst sich doch erst gegenüber einem ganz bis zu Ende gedachten Vertragsinstrument beantworten !»

Zum Schluss der Discussion erklärte Windthorst Namens des Centrums : «Wir wünschen von der Regierung als der dazu berufenen Instanz das Material zu erhalten, um die Währungsfrage entscheiden zu können.  Bis nach dem Eingang dieses Materials behalten wir uns das Urtheil über pro und contra vor.  Wer heute unserm Antrag zustimmt, engagiert sich dadurch nach keiner Richtung».

Und der conservative Fürst von Hatzfeld sagte : «In meinem und eines kleinen Theils meiner Freunde Namen erkläre ich, dass wir heute zwar für den Antrag Hüne stimmen, da wir eine erneute Prufung der schwierigen Materie für zweckmässig erachten.  Wir wünschen aber, dass aus dieser unserer Abstimmung nicht etwa unsere principielle Gegnerschaft gegen das herrschende Währungssystem hergeleitet werde».

Bei der Abstimmung ward mit 145 gegen 119 Stimmen die Resolution von Hüne angenommen.  Dafür stimmten das Centrum und die grosse Mehrzahl der Conservativen.

Wenn unter solchen Umstanden in einzelnen Blattern dieser Ausgang der Debatte als ein Erfolg der Bimetallisten gefeiert worden ist, so beweist dies blos, dass diese Herren in ihren Ansprüchen sehr gemigsam geworden sind.

Wie im innersten Grunde seines Herzens der gewaltige Reichskanzler dermalen über die Währungsfrage denkt, darüber schwebt zur Stunde für uns gewohnliche Sterbliche, denen es nicht gegeben ist, Herz und Nieren zu prüfen, allerdings noch ein gewisser Schleier.  Eine officielle Kundgebung von dieser hohen Stelle hat in letzter Zeit nicht stattgefunden.  Dagegen brachten kürzlich die Blätter eine Mittheilung, von einem Theilnehmer an einem beim Reichskanzler abgehaltenen parlamentarischen Dîner herrührend, «dass die Erklärungen desselben über die Währungsfrage sehr entschieden gelautet haben und sich mit voller Bestimmtheit gegen die Doppelwährung wendeten.  Der Reichskanzler bestritt, dass eine gesetzliche Fixierung des Werthverhältnisses zwischen Gold und Silber überhaupt möglich sei; und führte aus, dass sich diejenigen Vortheile, welche sich die Bimetallisten von der Einführung der Doppelwährung versprachen, nur durch die Einführung einer unterwerthigen Währung (Silberwährung, Papierwährung) erreichen liessen.  Jeder unbefangene Zühorer musste aus den Äusserungen des Reichskanzlers den Eindruck entnehmen, dass die Bestrebungen der Bimetallisten bei ihm keinerlei Boden finden, und dass in der Währungsfrage zwischen ihm und dem preussischen Finanzminister volle Übereinstimmung besteht».

Gestützt auf obige Ausführungen komme ich nun gegenüber den Eingangs aufgestellten bimetallistischen Thesen zu folgenden Schlussen :

1.  In einem geordneten Münzsystem kann nur ein Metall den allgemeinen Werthmesser aller Gegenstande (Standard) bilden.  Theilmünzen, die aus einem andern Metall (eventuell Silber) ausgeprägt werden, sind blosse Zahlungsscheine (Assignats métalliques, token money), deren Werth von der Regierung festgesetzt wird mit der Zusage jeweiliger Einlösbarkeit gegen Standardgeld.

2.  Die durch das französische Gesetz vom 7. Germinal des Jahres XI sanctionierte Doppelwährung mit dem festen Verhaltniss des Silbers zum Gold von 1 : 15 ½ lag nicht in dem ursprunglichen Willen des Gesetzgebers.  Das gesetzlich aufgestellte Verhältniss konnte nur so lange in Kraft bleiben, als es dem wirklichen Werthe der beiden Edelmetalle auf dem Weltmarkt annähernd entsprach.  Dieses Verhältniss war schon seit langerer Zeit ins Schwanken gerathen, und ist in den letzten 15 Jahren durch die Durchführung der deutschen Münzreform, die Sistierung der Silberprägungen im lateinischen Münzgebiet und die zunehmende SilberProduction bei verringerten Productionskosten gründlich in die Brüche gegangen.  Die in den Staaten des lateinischen Bundes sowie in Deutschland circulierenden Silbermünzen haben heute lediglich den Charakter von TheilMünzen für den inneren Verkehr, sind aber unbrauchbar für den internationalen Geldaustausch.

3.  Die Entwerthung des Silbers in den letzten zwei Jahrzehnten ist Folge eines Naturereignisses, welchem sich die Gesetzgebung anpassen musste.  Dieselbe war unzweifelhaft von gewissen Übelstanden begleitet und für manche Interessen nachtheilig.  Die dermalige wirkliche oder angebliche Nothlage in Handel, Industrie und Landwirthschaft ist aber nicht der Währungsfrage, resp. der Silberentwerthung zuzuschreiben; sondern soweit sie wirklich besteht, berüht sie auf andern, tiefer liegenden Ursachen.  Eine allgemeine Crisis als Folge der Währungsfrage, sofern diese mit Einsicht und Überlegung behandelt wird, ist nicht zu befürchten.

4.  Es liegt weder ein Rechtsgrund, noch auch ein allgemeines Interesse vor für ein Eingreifen des Staates behufs künstlicher Hebung des Silberpreises und Wiederherstellung des frühern Werthverhältnisses von 1 : 15 ½.

5.  Die Gründung eines sämmtliche oder die hauptsächlichen Kulturstaaten (mit oder ohne England) umfassenden Staatenbundes zum Zwecke der Einführung der internationalen Doppelwährung, mit gleichzeitiger freier Ausprägung der beiden Edelmetalle (sei es auf dem früheren Fusse von 1 : 15 ½ oder in irgend einem andern festen Werthverhältniss) ist eine Sache der Unmöglichkeit und wird sich niemals realisieren,

Allerdings ist gegenwärtig das Münzwesen, mit Ausnahme von England und einigen kleinern Staaten, beinahe überall in einer unbefriedigenden Lage, und muss mit grosser Weisheit, Behutsamkeit und Schonung der bestehenden Verhältnisse behandelt werden.  Die grosse Silbercirculation, «la bosse d’argent», um den Ausdruck Cernuschi’s zu gebrauchen, lastet schwer auf dem lateinischen Münzgebiet, den Vereinigten Staaten, Holland etc., in kleinerm Masse auch auf Deutschland; und ohne grosse Anstrengungen und Opfer wird es nicht möglich sein, sich aus der Sackgasse herauszuarbeiten, in welche wir durch die Irrthumer und Missgriffe früherer Jahrzehnte und Jahrhunderte hineingerathen sind.  Denn ein geordnetes Münzwesen ist überhaupt erst eine Errungenschaft verhältnissmässig neuen Datums.

Darum wird die Münzfrage noch lange auf der Tagesordnung der Gesetzgeber wie der Geschaftswelt stehen; und noch manche Rede wird gehalten, manche Schrift geschrieben werden, bevor wir eine befriedigende Lösung in Sicht haben.

«Mehr Licht !» rufe darum auch ich.  Aber es sei nicht ein trügerisches Irrlicht farbenschillernder, wesenloser Luftgebilde und hohler Theorien, sondern das helle, reine Sonnenlicht gesunder, in dem Boden menschlicher Freiheit wurzelnder, und durch die Lehren der Erfährung gereifter volkswirthschaftlicher Grundsatze !

Meine Herren !

Ich bin am Schlusse meines heutigen Vortrages.  Ich finde dafür keinen geeignetern Ausdruck als die Worte, mit welchen ein viel bedeutenderer Mann als ich bin, nämlich der englische Staatsmann Goschen, seinen Vortrag über den Fall der Preise vor einer ähnlichen Versammlung beendet hat :

«Ich danke Ihnen aufrichtig für die Aufmerksamkeit, welche Sie so freundlich waren mir zu schenken.  Wenn ich lese, was competentere Männer über den Gegenstand geschrieben haben, der uns heut Abend beschäftigt hat, so fühle ich wohl, dass ein Vortrag, wie ich ihn soeben gehalten habe, für Männer vom Fach keinen Werth hat.  Aber wenn ich habe dazu beitragen können, Ihre Aufmerksamkeit zu lenken, nicht auf das was ich gesagt habe, sondern auf das was Andere gesagt haben; und auf die Thatsachen selbst, sowie auf die Art und Weise diese Thatsachen zu studieren und zu ergründen – so ist es mir eine aufrichtige Genugthuung, zur Klarlegung eines so schwierigen und so complicierten Problems einigermassen mitgewirkt zu haben.»



[1]    Lì si vedrà il duol che sopra Senna Induce, falseggiando la moneta, Quei che morrà d’un colpo di cotenna.  (Dante, il Paradiso, Canto XIX, v. 118-120).

[2]    In obiger Aufstellung ist die Livre Sterling = Fr. 25, die deutsche Reichsmark = Fr. 1.25, der österreichische Gulden = Fr. 2.50, der holländische Gulden = Fr. 2, der Silberrubel = Fr. 3.60, der amerikanische Dollar = Fr. 5 umgerechnet.

[3]    Diese Ziffern sind nicht aus dem Londoner Economist, sondern sind für die italienischen Banken dem Economista von Florenz, für die schweizerischen dem schweizerischen Handelsamtsblatt entnommen.

 

 

 

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